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BEQUEATHED BY
^eovße 3liUi00n ^tncH
PROFESSOR OF
Germantc Xanouaoes anö Xtteratures
IN THE
1896-1899.
^^mmmmtma^mtmi^mmmm
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Jahrbuch
l7'fiii
dos
Vereins für niedeMentsche SpracMorscliniig.
Jahrgang 1881.
VII.
*-.sE3§S^efe::^feS]^S^2s=<<3
NORDEN und LEIPZIG.
Diedr. Soltau's Verlag.
1882.
^ ^^>^^^x
Dmok Ton Diedr. Soltau in Norden.
Inhalt.
Seite
Aus Kopenhagener Handschriften von H. Jellinghaus 1
Der Appingadammer Bauerbrief vom 2. Juni 1327 in niederdeutscher Ueber-
setzung. Von H. Deiter 18
Zur mnd. visio Philiberti von Herrn an Brandes 24
Dat waterrecht nach einer Emder und Auricher Handschrift. Von H. Deiter 34
Bruchstück einer Unterweisung über die zehn Gebote. Von R. Sprenger
und A. Lübben 62
Amt Buschman. Von W. Crecelius 70
lieber Sprach- und Gaugrenzen zwischen Elbe und Weser. Von H. Babucke 71
Das Paradies des Klausners Johannes. Von A. Lübben 80
Johann Eist als niederdeutscher Dramatiker. Von Karl Theodor Gaedertz 101
Aus Kopenhagener Handschriften.
I. Mittelniederdentsche Kirchenlieder.
Im 5. Jahrbuche des Vereins s. 46 ff. hat K. Bartsch aus einer
Hildesheimer Handschrift vom Jahre 1478 eine Anzahl mittelnieder-
deutscher Osterlieder mitgeteilt. Zwei ähnliche niederdeutsche Breviere
mit eingestreuten Liederstrophen sind in der Germania II und XX
von Hüffmann von Fallersleben und H. Martens beschrieben. In engem
Zusammenhange mit ihnen steht die Handschrift der Grossen König-
lichen Bibliothek zu Kopenhagen: Manuscripta ThoUiufia in S^ no, 130,
Codex charfaceus, etwa 250 Blätter. Auf ihrem hintern Deckel steht:
„Codiceni huyic emi feci Cellis Luneb. e Bibiiotheca Pleskeniana, vendita
a, 1759^ C. F. Temler^. Dieser hat auf vorgehefteten Blättern Notizen
über den Inhalt der Handschrift gemacht und vermutet, dass das
Buch im Jahre 1370 geschrieben sei.
Folgende Weihnachts- und Osterliederstrophen habe ich bei nur
flüchtigem Durchlesen gefunden:
1. bl. 17: Hinc oportet ut canamus cum angelis Septem gloria
.in excelsis.
Louet sistu ihü crist,
dat du hüte gheboren bist
van eyner maghet. Dat is war.
Des vrow sik aide hemmelsche schar. Kyr.
Und bl. 50, b: Louet sistu ihü crist,
dat du hüte boren.
Van eyner maghet dat war.
Des vrouwet sik aide hemmelsche schar. Kvryil.
Nach Ph. Wackernagel, D. Kirchenlied II, 703 ist das einzige
Zeugnis, dass diese Strophe schon vor dem Aufkommen des luthe-
rischen Kirchengesanges vorhanden gewesen, eine Stelle in „Ordinarium
ecdcsiae Swerinensis^ (Rostock 1519). „Popidus vero canticum vtdgare:
Ghelavet systu Jesu Christ tribus vicibus sübjunget^ . Nach unserer
Handschrift war das Lied schon ums Jahr 1370 verbreitet.
2. bl. 44a: Wen du nalest deme hilghen altare so denck:
Hie jacet in praesebio,
qui sidera regit, alleluia.
ihü paruele,
na dy my we.
KiederdenisoheB Jahrbuch. Vn. i
Tröste myn ghemote,
puer, principe!
Dat do dor dyne gude,
puer inclite !
Trahe me post te
an dynes vaders rike,
princeps gle!
Vgl. Ol. a. HofFmann's Schrift „In dulci jubilo"^ Hannover 1854,
und Ph. Wackernagel, Kirchenlied II, 4H3 ff.
3. bl. 44, b: Ach weren nu alle de dancken myn
rot syde golden bendelin,
80 wolde ik jo dyt vter weiden kindelyn
binden an dat herte myn.
Welchem Liede diese Zeilen angehören, konnte ich nicht aus-
findig machen.
4. bl. 168, b: Na der mertene
wann du van dem chore gheyst, so singhe an dinem herten:
Also heylich is desse dach,
dat en nen man vulen louen mach
sunder de heylighe godes ^one,
dede de helle to brak
vn de leyen duvel dar inne bant.
Dar mede losede he de cristenheyt.
Dat was god suluen. Kyri.
Und bl. 178, a: Also heylik is desse dach,
dat en nement to vuUe louen mach.
Ferner bl. 257, a: Singhet m^t herte vnde myt munde:
Also heylik is desse dach,
dat en nement to vullen louen mach.
De dummen kinderken, de anders nicht en könnet, de ropet:
Heyl heyl Osterdach!
Vgl. dasselbe bei Bartsch a. a. 0. s. 50.
BL 168, b schliefsen sich unmittelbar an das vorige die Zeilen:
Ik di clare osterdach
mit alle miner synne macht.
Vgl. Bartsch a. a. 0. s. 49 z. 1.
5. bl. 165, a: Help vns dat heylighe graff,
dar god seinen inne lach
mit sinen hilgen wunden also her;
vroliken schölle we ghan
to iherusalem
Kyrieleyson.
Vgl. Bartsch a. a. 0. s. 47 f. und Wackernagel II, 515, nr. 680, Str. 3.
6. bl. 175, b: Grot vroude vnde wunne was dar vor war,
dar de godheyt sehen. al openbar,
do vt den pinen
losede god de sinen
der sunnen glans
verdref do dustemisse
des dodes al gans
dar wart wscop
dar wart ere vnde bliscop
daer de hemmelschen seyden alle sotliken clunghen
dar de hilghen sele alle mede sunghen
dat sote vnde vrolike alleluja. ^
Auch über die Herkunft dieser Strophe vermag ich nichts bei-
zubringen.
7. hl. 168, b: Singe dat alder vrolikeste AUeluia:
Dat is de aldersoteste sangh
vnde alde8> hemmeles seyden sote klang:
Mi kan nement maken vro,
vro, vrolik jo,
wan her ihesus jo.
Der Anfang dieser Strophe in der von H. Martens, Germania XX,
341 ff. beschriebenen „Fastenandacht'' des 14. — 15. jh.':
AUeluia! Dat is de alder soteste vn vrolikeste sangh
Yn alle de hemmeis seyden klangh.
S, bl; 199, a: Help vns o wäre paschelam,
de du hüte van dode bist vpghestan.
Also her werdeliken mote we entfanghen
dynen hilghen licham. Kryoleyson.
Und noch mal bl. 251, a, hier Zeile 4:
dinen werden ticham. KyrieU
9. bl. 240, b: Crist is vpstanden
van der martyr alle.
Des schölle we alle vro sin.
Auch in dem Hildesheimer Brevier. Vgl, Bartsch a. a. 0. s. 48.
IL Jesus und die Seele.
[hl, 1.] 1. Vnse here zecht:-
Heff up dyn cruce, myn leuefte brut,
Volge my vnde ganck dy feines uet,
Wente ik ghedregen hebbe vor dy:
hefstu my leef, zo volghe my!
De menlche zecht:
2. ihefu myn allerleuefte here,
Ik byn noch junk vnde alte tedere!
Ik hebbe dy leflf, dat is wäre.
Men dat cruce is my to zware.
De here zecht:
3. Ik was i&ncgher, do ik dat droch.
Claghe nicht, du bift olt genoch.
Wanner du bift old vnde kolt,
So enhefftu des cruces nyn gewolt.
De menfche zecht:
4. We.mach lyden dyt ghedwanck!
Der daghe is vele, dat yaer is lanck.
Ik byn des cruces vnghewon.
schone myn, allerleuefte, fchone!
De here zecht:
5. Wo biftu dus verleghen!
Du moft ftriden, als eyn deghen.
Ik wyl kaftyen dyn iunghe lieff.
Du werft my anders alte ftiefif.
De menfche zecht:
6. Here, wattu wult, dat moit fcegen.
Mer des cruces enmach ik nicht ge wegen.
Mot dat zun, zal ik dat draghen:
So moit ik verkrenken vude verfagen.
De here zecht:
7. Wenstu in den rozen to baden.
So moftu in den dornen waden.
Su an dyn cruce vnde dat myn,
Wu vngelike zwarr dat ze zin.
De mensche zecht:
8. Men lest doch in der hilgen scrifft:
Dyn yock zy zote, dyne borde licht.
Wu bistu my dus ernstlike hart,
Myn allerleueste brudegam fart!
Ynfe here zecht:
9. Ongewonte bezwert den moet.
Men lyed vnde zwich, et wert noch guit..
Myn cruce i$ ein kostel pant.
Wen ik des ghan, de is myn vrent.
[bl, 2,] De minsche:
10. Den vrenden ghyfstu klene raste.
My gruwelt vor de zware laste.
Ik zorghe, ik enkunnes nicht geherden ^).
zute here, wes zal myr^) werden!
Vnse here zecht:
11. Dat hemmelrike dat 1yd ghewolt.
Du bist noch van mynnen kolt.
Heddestu my leff, dat wurde noch guit,
Went leue maket al dinck züit.
De mensche zecht:
12. Och here, gyff my der mynnen brant!
Myn krancheit is dy wal bekannt.
Lestu my up my zuluen staen.
So westu wal, ik moet vergaen.
'^ geherden, aushalten.
*) myr = myner.
De here zecht:
13. Ik byn bruen vnde suüerlik*),
Ik byn züer, byn mynnentlik.
Ik gheuQ arbeyt vnde raste.
Betruwe in my, zo stestu vaste.
De minsche zecht:
14. here, eff et ummer wezen mach,
Des cruces neme ik gerne verdrach*).
Men wultu dat hebben vnde moit dat zin,
Dyn wylle ghesche vnde ^nicht de myn.
(Am Rande:) De here:
15. Ton hemelrike is eyn wech alleen.
Dat is de crucewech vnde anders nyen.
AI dyn walvart vnde ewich heyl
Stet an den cruce. Nu kes^) vnde deyl!
De mensche zecht:
16. Soldik dyn hulde, dyn rike verlezen:
Er hundert cruce wolde ik verkezen*).
Here gyflf my macht vnde lytsamicheit*)
Vnde crucige my wal, dat zy my leflf eflf leyt.
De here zecht:
17. Als dy dat cruce ton herten gheyt,
So bore, wat ik. dy hebbe bereit:
My zeluen geue ik dy to lone,
Mid den encgelen de ewigen kröne.
De redecheit^) zecht:
18. myn allerleueste zele!
Myn god, myn leflE, der werlde heile!
Su an dat guit, dat ihesus is.
Des hemmelrikes bistu wijs^).
Auf den ersten beiden Blättern der Handschrift: Boek des kerst-
liken Levens. SL Kong, BMiotheh zu Kopenhagen, Manuscripta
Thotfiana in 8^ no. 32. Die Handschrift ist datiert vom Jahre 1423.
Das Lied ist bis jetzt aus drei Handschriften publiciert. Niederländisch
von HofFmann von Fallersleben Horae Belgicae P. X s. 1G5 flf. Nieder-
deutsch von ebendemselben aus einer Wolfenbütteler Handschrift, welche
die Jahreszahl 1473 aufweist, in der Germania Bd. XV s. 366 f. und
von B. Hölscher, Geistliche Lieder aus dem Münsterlande, Berlin 1854,
no. XLV, s. 93 f. aus dem vor 1588 beendigten Liederbuche der
Münsterischen Nonne Catherina Tirs. Ein im Wortlaute ganz ab-
') Vgl. Hohes Lied Salom. I, 5.
•) das Kreuz vermiede ich gern.
^) kes, wähle!
*) verkesen, vorziehen.
*) lytsamicheü, Geduld.
") redecheit, Bereitschaft, Vollkommenheit, die Te^etonr);.
^) hist du inne geworden.
weichendes, nach unserem gedichtetes hochdeutsches Lied fand Hoff-
mann v. F. 1821 zu Koblenz auf der Rückseite eines Gemäldes aus
dem 15. Jahrhundert. Christus trägt sein Kreuz. Eine Nonne, ein
Kreuz tragend, folgt ihm. Es ist gedruckt, im Anzeiger für Kunde
d. d. Vorzeit 1834, Sp. 27, bei Schlosser Th. II, s. 159 und bei
Wackernagel, Kirchenlied II, s. G56, no. 847. Letzterer teilt es unter
no. 848 noch nach einer anderen, ziemlich abweichenden Aufzeichnung
mit. Der Münsterische Text war schon in den ^Geistlichen Volks-
liedern mit ihren ursprünglichen Weisen" Paderborn 1850 heraus-
gegeben. Nach Hölscher a. a. 0. steht das Lied in vielen katholischen
Gesangbüchern älterer und neuerer Zeit, mit abweichendem Texte,
fünfzeUige Strophe: ^Christ spricht zur Menschen Seel vertraut".
Der Kopenhagener Text scheint mehr niederländisches oder doch
westliches an sich zu haben: Str. 9, 1 Ongewonte, moet : guit; Str.
lÖ, 4 vrent; Str. 10, 1 vr6nden; Str. 10, 4 zute; Str. 11, 3 guit : zuit;
Str. 13 snnerlik; Str. 17, 3 zeluen. Am nächsten steht die Wolfen-
bütteler Handschrift. In der Münsterischen fehlen die Strophenüber-
schriften und die letzten beiden Strophen, während dem niederländi-
schen Liede Strophe 15 fehlt, als Strophe 17 aber ein gar nicht
zugehöriger fünfzeiliger Spruch angefügt ist.
^1: ¥,
III. Der Lehrer und der Jfingling.
e lustich zanck de lerer ^) up der tynnen:
We zieh tho gode keren wyl de zals ein tijd'begyanen.
Er em de dot den wech vnder gha.
Des warne ik eme myt zancge.
2. Dat verhorde eyn ghezellekin van iuncgen iaren.
He sprak: Du lerre vngetoghen, wu machstu dus geboren!
Ik mach noch leuen mannighen dach
Vnde hebben vroude vnde gud ghemak.
Ik hope tho gode tho varen.
3. De lerer sprak: Dine rede enmogen nicht duren.
Dyn leuen is so mannichvolt in euer körten vre.
Dat dy nu dunket vroude zun,
Ach werstu bij den zynnen dijn,
So enwert doch nicht dan truren.
4. De iungelink sprak: Du enzalt my nicht betwingen.
Ik wyl noch bruken myner iaer myt dansen vnde ok myt springen.
De veghen moten alle steruen.
Wal upl lat uns na vrouden weruen!
My mach noch heyl ghelingen.
5. De lerer sprak: Du dunkest my zun vermeten.
Der gezellen zin dar vele hen, de (?) dy der nu vergheten.
*) Vor fylerer** ist „kercken" ausgestrichen.
Se weren vp erden dyn ghelik,
Se weren .... vry eres modes rik.
De worme heuet ze ghegeten.
6. De jungelinck sprak: Du dunkest my zin ghehure.
God haid dych zu mier to my ghezant to lere vnde tho sture.
Nu brink my up den rechten päd,
Dat ik dy lere kennen bad.
Se is my leder dure.
7. Der lerer sprak: Zo denke an godes gute!
Sint he an cner körten stund kan wandelen dyn ghemote.
Vnde denke an [hl, 4] de tyn ghebod!
So enbedrughed dy nicht der duuele spod.
God mote vns vor zünde . . . behoden.
8. De Jungelink sprak ute guden mode:
Vor zünde my god nü mer behode!
Vnde gheue my genade vnde barmherticheit.
To zineu denste bin ik bereit.
Dat zal men an my vinden.
Syn cruce wyl ik em helpe draghen,
Vor de zwarheit enwyl ik nicht versaghen,
Vp dat my god genedich zy,
Wan ik nicht lenk en blyue hij,
Dat my dan de helle nicht en verslinde.
Königliclie Bibliothek zu Kopenhagen. Manuscr, Thott, in 8^
n. 32. Cod. chartac, geschrieben im Jahre 1423. Bl. 3 und 4, hinter
dem Gedichte „Jesus und die Seele^. Darauf beginnt bl. 5 die Schrift
vom christlichen Leben, welche in zehn Kapitel zerfällt. j,Dat ander
hotlc dar na völgt. Dar moghcn zieh wal de iwester ynne Speyelen und
bezehi,^ Das sechste Buch handelt „Fan der bitteren ververliken
helle^. Das Lied ;,Wic lustig sang der Lehrer auf der Zinnen**, viel-
leicht eine Umdichtung eines älteren Wächterliedes, war bis jetzt nur
in zwei späteren Überarbeitungen bekannt. Die eine ist hochdeutsch
und findet sich zuerst unter den Liedern Heinrichs von Laufenberg.
Sie ist abgedruckt in VYackernagels Kirchcnliede Bd. II no. 717 „-Bin
lerer ruft pH Int vs hohen sinnen^ und bei Ilofifmann v. F. Geschichte
des d. Kirchenliedes s. 375 f. Ein zweiter vielfach abweichender Text
derselben existiert in einem Einzeldruck aus dem Anfange des 16. Jahr-
hunderts mit der Überschrift: „Der Waehtcr an der Zynnen lag. Geist-
lich.^ Derselbe steht bei Wackernagel II no. 718: „Vil laut so r&fft
ein lerer aufs mit synncn,^ Dieses hochdeutsche Lied hat 16 Strophen.
Die audere bekanute Uedactiou ist niederländisch. Sie wird von Hoflf-
mann V. F. in den Horae Belgicae P. X no. 122 und 123 aus Hand-
schriften des ausgehenden 15. Jahrhunderts und P. XI no. 55 aus dem
Antwerpener Liederbuch vom Jahre 1544 mitgeteilt. Die beiden Lieder
in den Horae Belgicae P. X haben 10 und 11, das im 11. Bande
16 Strophen. Unser Kopenhagener Text von 1423 bietet das Gedicht
in seiner ursprünghchen Gestalt, aber aus dem Hochdeutschen über-
8
tragen, wie Str. VI, Z. 2 zeigt. Alle Strophen der übrigen Texte,
welche der unsrige nicht enthält, wie auch ihre meisten Abweichungen
in den entsprechenden Strophen, erweisen sich als spätere Änderungen.
Hinsichtlich der Versfolge verhalten sich die einzelnen Texte so :
Strophe I unserer Handschrift überall Str. 1 ; H = Niederl.
Text A (Hör. Belg. X no. 122) Str. 2, Niederl. Text B (Hör. Belg.
X no. 123) Str. 3, Niederl. Text C (Hör. Belg. XI no. 55) Str 3,
Heinrich von Laufenberg (bei Hofifmann Kirchenlied) Str. 3, Druck
des 16. Jh. Str. 3; Str. 111 = Ndl. A 5, B 4, C 6, Laufenb. 6, Druck 4;
Str. IV = Ndl. A 4, B 5, C 5, Laufenb. 5, Druck 5; Str. V=Ndl.
A3, B 6, C 4, Laufenb. 4, Druck 6: Str. VI = Ndl. A 8, B 9,
C fehlt, Laufenb 7, Druck 7; Str. VII = Ndl. A 9, B 10, C fehlt,
Laufenb. 8, Druck 8 ; Str. VIII fehlt überall. Wackernagel, Kirchen-
lied II, 8. 542 hat bereits bemerkt, dass bei Laufenberg Str. 4 und 6
vertauscht sind. Dieselbe VerssteUung kehrt in dem Ndl. Texte A
wieder. Die zweite Strophe der beiden hochdeutschen Texte ^Die
Zeit ist kurtz^ ist gänzlich von der entsprechenden in Ndl. B und C
„Och edele mensche^ verschieden und kennzeichnet sich dadurch als
eingeschoben. Sie fehlt aufser in unserer Handschrift auch in Ndl. A.
Str. 9 bis 16 (15) der beiden hochdeutschen Lieder knüpfen an die
in Str. 7 unseres Liedes erwähnten zehn Gebote an. Die Ndl. Lieder
A und B schliefsen eigentlich mit Str. 7 unseres Textes ab, indem
ihre letzte Strophe offenbar karrikierender Zusatz ist. Ihre 6. und 7.
(7. und 8.) Strophe könnten alt und acht sein. In dem Ndl. Texte C
sind die Strophen 10 bis 16 durch ihre breite Lehi haftigkeit ver-
dächtig. Dagegen schliefst sich die 8. Strophe des Kopenhagener
Textes in den Worten y,Var zünde my god behode^ eng an die siebte
an. An ihrer Echtheit kann sclion wegen ihres Baues kein Zweifel
sein. Sie hat fünf Reimpare gegenüber den drittehalb der anderen.
Übersetzung aus dem Hochdeutschen beweisen aufser dem lapsus
linguae in Str. 6 einige Reime: Str. 1, 5 sancge gegen vfs minnen bei
Laufenberg; Str. 2, 2 iaren : gheheren, Hd. ghebaren; Str. 2, 4 dach :
gemak, Hd. vielleicht fach : ge^nach ; Str. 7, 1 gute : gemote : bchoden,
Hd. gute : geniüte : behüte; Str. 7, 3 und 4 ghebod : spod, Hd. gebot :
spot. In dem ndd. W^orte ghebode kann das e nicht abfallen.
IV. Gereimte Gebete.
Aus einem mittelniederdeutschen Gebetbuohe. Handschriften der
Kön. Bibliothek zu Kopenhagen, Gamle Kongelige Sämling no. 3423.
1. Ik danke di, leue here i. x.
wentu du myn god bist
vnde alle myne salicheit an die begunde
vnde myn heigelant, dat du to vesper tid an der stunde
dine hilghen lere my woldest geuen,
wo ik na dynen hulden scholde leuen. (Fortsetzung in Prosa.)
2. Ik danke dy, benediedo got ihesu criste,
wente du myn god vnde myn schepper bist.
9
dat du ray an der tyt to conpleten
dorch my so blodich sweet woldest sweteu. (Fortsetzung in Prosa.)
3. Oe here ihesu criat,
^e du wäre god vnde mynsche bist!
Also hillych vnde also war,
also maria dy gbebar,
de maget was er dyner bort
vnde yummer blyuet maget vort.
Ik sundyge mynscbe bere bekenne dat.
Ik sere bebben ghebraken dyn gebot
myt groten sunden, leue got!
Nu wes barmehertych auer my
dorch dine bort, des bidde ik dy
dorch diner moder ere.
Van sunden my bekere
also maria magdalene van dy wart
ghans bekaret.
War ik byn yn dem lande
behode my vor warlyke schände,
dar to vor den goyen dot,
Vor böse ruchte vnde vor alle not!
Behode my myt diner macht
Dorch dyuen hilgen cruces krafi!
Gyflf my enen engel gut,
Dar ik iummer mede sy behot,
wor ik byn vnde wor ik vare
vor der bösen duuel schare.
De engele gut vnde ere
lyflf sele ynmmer mere
my vnde allen den vrunden myn
en bescharmer mote syn. (Fortsetzung in Prosa,)
4. du vluetende borno der ewicheit,
wo bistu ray nu aldus vorsegen.
du wyse lerer der wisheit,
wo bistu my nu aldus vors wegen.
du funnen glans, du ewige licht, wo bistu my nu aldus vor-
loschen. (Fortsetzung in Prosa,)
Vgl. W^ackernagel, Kirchenlied II, no. 1083 ^0 du ursprüngk-
licher prunn aller tvcifheitj wie bist du sogar versigefi,"
V. Priameln.
1. Tyd vorlesen seiden,
vrunschop wedder scheiden,
in pinen hebben sachten müd,
leue de vne (?) leyd düd,
vroude in vorsmaheyt.
Wo dessen dinghen rechte deyt,
dat is ein vullenkomenheyt.
2. Ene samelinge ane vrede,
Juncfrowen ane schemede,
Adel ane doghet,
10
Dat sint XII aflFenyen,
Deme^) seiden sät wol dyen.
3. De hunde de van wuluen syn,
De dfit en dicke grote pyn.
Vnde bitet se vil zere.
So deyt noch mannich böse wicht,
De synen vader kennet nicht.
He het en doch dicke here.
Joghet ane fruchten,
Older ane wisheyt,
Wisheyt ane werke,
Houart ane rikedum,
Rikedum ane ere,
Herschop ane denst,
Denst ane tucht,
Schade ane richte.
Richte ane gnade:
4. Eyn pawes de de is ane barmherticheyt,
Eyn patriarche de na grotein gude steyt,
Eyn Cardinal ghirich unde snode,
Eyn ertzebiscop in synem anipte blöde,
Eyn biscop de de steyt na Unvrede
Eyn Domprouest unstede an syne bede
Eyn deken de den terapel mydet,
Eyn ghestlik man de dar is besmydet,
Eyn Domhere de nicht gherne to köre gheyd,
Eyn Vicarius de dar denct der houescheyt,
Eyn kerkhere stum in syner kerken,
Eyn monck bekümmert in unkuschen werken,
Eyn beghine de de gherne vor dem köre steyt:
Desse XIII vor deruet de kristenheyt.
Aus der Handschrift der Grofsen Königlichen Bibliothek zu
Kopenhagen: Gamle Kongelige Sämling folio no. 81, bl. 1, b. — So
bekannt diese Sprüche, namentlich der vierte klingen, so vermag ich
doch nur über den zweiten einiges aus der Literatur der Priameln
beizubringen. Derselbe wird Weimarisches Jahrbuch Bd. IH, s. 424
von 0. Schade nach einem Drucke vom Jahre 1500 in folgender Fas-
sung mitgeteilt:
Alter on Weisheit, Weisheit on werk,
hoffart on reich tum, adel on gut,
reichtum on eere, herschaft on laut,
stet on gericht, gewalt on genad,
Jugend on forcht, frauen on schäm,
geistlich orden in freuden spil:
die stück bringen ungemaches vil.
Im Anzeiger f. Kunde d. d. Vorzeit Jahrgang 1839 S. 549 ist
eine im Jahre 1508 geschriebene Priamel mit der Überschrift „X/7
faiuitates^^ beginnend: j,Een praclaet sonder yots onsyen"^ abgedruckt,
die in den Schlusszeilen mit der unsrigen übereinstimmt: „X)y^ syn
12 affernyeii dy men seiden giet (lies siet) gedien.^ Unter den „affenyen^
sind also Torheiten zu verstehen.
Nr. 3 scheint aus einem Gedicht zu stammen, da das ^cn^ der
zweiten Zeile ein voraufgehendes „scJiape^ fordert.
\
') die man.
11
VI. Lied von ESnig Ludwig von Ungarn.
1. Lecklick so wy heuen an
vnde syngen enn tho defser frist
all vann dem konink vth Ungrenn
di vnschülldich gestoruen ys^).
He was van edlem stammenn,
koninck Lodevick was sin name,
eyn koninck tho Bemer lanth.
2. Em warth korthlyck vorehre th
eyn froülin hohgebarenn,
van keyserliken stammen,
des dede den Ungren thorn.
/W. 15] Me symde sick nygt lange,
me brachte se gar balde ynth lanth.
Dar gaf me se tho samenn,
Maria was er name,
er lof ys wyth er kant.
3. De twe de leueden yn frowden
wol yn dat softe yar,
er korthwyl tho vor dryuenn,
ym üngerland, dat ys war.
De Dudsken vnde de Bemen
de fengen kortt wyle dar an.
Dath woldenn de Ungeren [nicht] liden,
wolden eren koninck vor driuen
van dem haue wente vp de ban.
4. Eyner hett van der Widen
,De was dem koninge gram.
He dede den Torken tho schriuen,
he scholde eme bistand don
den koninck tho vor driuen
vnde helpen em vnder de krön.
So wolde he em geuenn
by alle sinem leüenth
sin günsth wol all so schon.
5. De Türke de sumde sick nycht lange,
he quam gar balde ynth landt,
myt dre mall hundert düsent manne
quam he in Ungerlant.
Sted slot ingenamenn,
Krutswitzenborg nam he yn.
Wo balde eme wart vp gouen!
De kröne wart eme vp geuen,
wente se was vor henne sin.
') fehlen zwei Zeilen.
12 .
«
6. De Ungrön deden sick ock rüstenn,
se quemenn ock ynth felth,
eyne wagenborcb deden se ock slütenn,
vp slogen se er teilt.
En hupen dede men sk . . . .
en eren koninck wol vor dis dar ann.
Eren heren wolden se verkopen,
he konde eme nycht entlopen,
konink Lodewyck de koüe mann.
7. Dat lethlin heft eyn ende
Tho dysser sommer tyt. '
De Türke heft gebrant
ym Unger lant so wyth.
Dat mach nu godt erbarmen!
Ydt geyt ouer arm vnd rick.
De Ungerlande sint vordoruen
vnde sint also gestoruen.
Godt vorlene eme dath ewyge ryck.
Obiges Lied findet sich in der Handschrift der Kopenhagener
Universitätsbibliothek Manuscripta Arno-Magnea no. 622 Carmina
Sacra et älia bl. 14 f. hinter lateinischen Liedern. Die erste Strophe
ist, wie bei jenen, mit Noten versehen. In Liliencrons Historischen
Volksliedern der Deutschen steht es Bd. HI unter no. 403 a und b.
Es ist hochdeutsch vielfach in alten Drucken und auch handschrift-
lich erhalten. Die Kopenhagener niederdeutsche Übersetzung schliefst
sich in den Strophen I, H, VI mehr an die Fassung bei Liliencron
no. 403 a, in III, IV, VII an die in no. 403 b an, während Strophe V
zwischen beiden steht.
Str. I. 1 lecJdick = leidlich, klagend (?) passt besser als das „leid-
lich" oder „fröhlich^ der hochdeutschen Lieder; I, 4 hier sind zwei
Zeilen weggelassen; II, 1 vorehreth. Im hd. Liede r^verheirat^ ; III, 7
„nicht^ fehlt in der Handschrift; IV, 1 van der tviden d. i. Johann
Woiwode. Bei Görres, Volkslieder 253: „Einer heist der Fanas
Weida^ ; V, 6 hntstoitzenborg. Im hd. Liede ^Kriechisch Weifsen-
hurg** d. i. Belgrad; V, 7 — 9 unverständlich; Str. VII ist offenbar
später hinzugereimt, wie denn das Lied entstellt überliefert ist.
VII. Anselmns, Vom Leiden Christi.
0. Schade hat das Gedicht „Anselraus' Frage zu Maria^ in sei-
nen ^^Geistlichen Gedichten vom Niederrhein" nach einem alten Kölner
Drucke, A. Lübben im Jahre 1876 nach einer Oldenburger Handschrift
als Anhang zu seinem „Zeno^ herausgegeben. Einen besseren nieder-
deutschen Text bietet eine Handschrift der Königlichen Bibliothek zu
Kopenhagen: Thottsche Manuscripte in 4 no. 109.
1 Ansylm was eyn hillich man
He hadde lange dar na gestan
Dat he gherne wolde weten
13
Wat vnse here hadde beseten.
9 Maria blogende rose
10 Beyde lyllye unde tzittelose
Lat my hüte werden scbin
Godes dure balsmen schryn
Dat du my rede mögest sagen
Der ik dy gerne wolde vragen
15 Ik wolde nu in desser stund
Hören ut dines sulues munt
Wat dyn kint hadde beseten
Dat wolde ik vrouwe gerne weten
Wat vnsem heren is gesehen
20 Dat du mit dynen ogen best geseen
25 Ansylme sint ik hebbe dy vornomen
In dyn bet byn ik gekom^n
Van deme hemmele hijr to dy
28 Nu sage Ansylme wat wultu my
[U. 21] 1244 Ansylme dyt scholtu weten
Welken jamer ik han beseten
dijt mochstu gerne scryuen
Dat en schal by dy allene nicht blyuen
Du scholt dat allen luden sagen
De dy dar vmme willen vragen
1250 Se mögen prouen vnde weten
wat myn sone heft beseten
Du scholt ok des namen geweten
1254 Ansylme schal de passio beten
Hyr hebbßt de rede en ende
God mote vns synen vrede senden
Dijt is sunte ansylmus vrage
Werne se nicht behage
De blyue en schalk al syne daghe.
VIII. Traetatns de Sacramento Altaris.
Handschriften der Grofsen Königlichen Bibliothek zu Kopenhagen,
Gamle Kongelige Sämling af Manuscripter in folio no. 81, vom Ende
des 15. Jahrhunderts, 17 zweispaltige Blätter.
U. 2: „Tractatus de Sacramento Altaris.
Desse scrift is sunderges nemende en jeghen screuen. Den allene
vmme des hilghen cristen louen warheit dat sik vele lüde dar bi
beteren moghen. dat se komen van erer erringhe dar vele lüde swar-
liken ane sundighet jeghen den waren rechten hilghen louen. So men
dat vth desser suluen scrift clarlik en wol irkennen magh.^
Schluss U, 18, Spalte 2:
;,Wor sint nü sulke gude kristen alse de guden joden weren.
De sik so be wisen edder noch en ernst hart wort spreken vor de
1^
cristentlike e vnde ere godes jegen desse vorscreuen erringe vn af-
goderie de sik leyder meret vnde oket van dage to dage.^
IX. Mirakel von einem Geiste und Arnold Buschmann.
Handschriften der Grofsen Königlichen Bibliothek za Kopenhagen:
Gamle Kongelige Sämling in folio no. 82, 16 zweispaltige Blätter, aus
dem Ende des 15. Jahrhunderts und von derselben Hand geschrieben
wie der oben genannte Tradatus de Sacramento Altaris. Eine andere
Handschrift von dieser Gespenstergeschichte besitzt die Bibliothek des
Vereins für Kunst und vaterländische Alterthümer in Emden. Vgl.
Schiller und Lübben, Mnd. Wb. Quellenverzeichnis S. Via oben^).
[bl. 1] jfln nomine domini amen hir beghinnet sik eyu mirakel
van enem gheyste Id ge schach in dem lande van cleüe vnder deme
kresem van kolne. bi euer stkd gheheten dusberch. in eneme
dorpe gheheten mederik in dem jare vnses heren dusent veerhundert
seuen vndertich in dem manen nouember^ u. s. w.
SMtASS hl, 16: ;,also hir vor vn na screuen is van den seien."
X. Offenbarung des Geistes von Guido van Termen.
Darauf bl. 17 bis 26 von derselben Hand eine Geschichte von
der Offenbarung des Geistes von gwido van termen aus der Stadt
olesti „ä6 n& heten wert bayona^\
W. 17: „Na godes bort drutteynhundert yar dar na in deme
vifvndetwintighesten iare des sosteynden daghes decembris an der stat
olesti de nü heten wert bayona vnde licht van deme rumeschen
haue dre clene mile dar starf en borgher de het gwido van termen
vnde na der graft des lichames apenbarede sik de ghest veer daghe
vmme siner vrowen dar van se sere wart vor veret."
Schluss bl. 26: „dorch sine milden grundelosen barmherticheyt
na dessem leuende bringhe in de ewighen saligheit. Amen, amen.^
Im Katalog der Bibliothek des Gymnasium Carolinum zu Os-
nabrück wird unter no. 16 in einer Miscellanhandschrift des 15. Jahr-
hunderts genannt: Disptdatio inter prior em et spirituni gtvidonis.
Vgl. Thyen, Die Bibliothek des Carolinums II. Abthl. s. 10. — 2.
Latein. Text, 10 Blätter. Statt Olesti : Alesti; statt termen : torno.
XL Werner Rolevink, De regimine rnsticornm.
Werner Rolevink's Schrift: Libellus de regimine rusticorum
galt bis vor wenigen Jahren für verloren. Im Jahre 1876 wurde in
Münster ein Exemplar aufgefunden. Für denjenigen, welcher sich
mit dem Buche befassen will, wird es von Wert sein zu erfahren, dass
sich auf der Königlichen Bibliothek zu Kopenhagen ein schönes
Exemplar einer wie es scheint unbekannten Ausgabe befindet. Nach
Denis, Supplement zu Maittaire, Annal. Typogr. S. 648 erschien eine
Ausgabe im Jahre 1479 in Cöln bei Quentel, eine andere um 1480
') 8. den Abdruck des Mirakels nebst Einleitung von W. Seclmann im Jahrb.
1880, VI, S. 32 ff. D. Red.
15
in Löwen in 4^ „in dofno Joh, de Westphalia^^. Das Kopenhagener
Exemplar, in Quartformat, ist ohne Ort und Jahr.
XU. Eine unbekannte Ausgabe der Sprüche des Tunniicius.
Als Hoflfmann von Fallersleben den Tunnicius herausgab (Berlin
bei Oppenheim 1870), glaubte er den vom Kölnischen beeinflussten
Text der beiden vorhandenen Kölner Ausgaben von 1514 und 1515
in gewöhnliches Schriftni^derdeutsch umschreiben zu müssen. Es
stellt sich indessen jetzt heraus, dass die Ausgabe von 1514 gar nicht
die erste ist, sondern dass Tunnicius seine Monosticha schon vorher,
wahrscheinlich im Jahre 1513, zu Deventer bei Th. de Borne in ziem-
lich reiner mittelniederdeutscher Orthographie hatte drucken lassen.
Die Königliche Bibliothek zu Kopenhagen besitzt ein Exemplar dieser
Deventerschen Ausgabe:
Antonii Tünicii Monasteriensis in gernui /
nornm paroemias studiose iuuentuti perutiles /
Monosticha cum germanica / interpretatione.
t
Eiusdem epigrammatum / libellus
Ad puerum latinitatis et honeste vite studio /
sum loänis Murmellii Epigräma
Plena bone frugis etc.
Unten Titelbild,
Auf der Rückseite:
Nobili et studioso literarum adolescentulo Joanni
Drosten celeberri / mi prudentissimique viri et consulis
Monasteriensis Euerwini Droste / filii ecclesieque
diui Ludgeri canonico Antonius Tunnicius Monaste /
riensis Salu. P.
Unten bl, A 1 links: Vale et perge vt cepisti. Ex Monasterio
qninto calendas Octobris Auno / a natali christianissimo supra
Millesimum quingentesimo decimo tertio.
32 Blätter. Bogen A 8, B 4, C 6, D 4, E 6, F 4. Blatt F, 4
links j^Peroratio^^.
Darauf auf bh G 1 rechts: loanni Peringio Suriccensi eruditissi / mo
clarissimoque philosophie et hu / manarum artium professori. scho / le
diui Ludgeri apud vr / bem Monasteriensem re / ctori Antonius
Tunnicius Mo / nasteri. / S. P. /
Unten auf der Seite:
Vale literarum / decore me amantem dilige Ex Monasterio Anno
natali Domini / co millesimo supra quingentesimum duodecimum.
VIII Kalendas Oc / tobris
Bl. G 1 links:
Antonii Tunnicii Monasteriensis epigräma / tum libellus Incipit.
14 Blätter. G 1—6, H 1—4, J 1—4.
Bl, J 4 rechts unten:
Excussum Dauetrie per me Theodoricü de Borne.
16
Bh J 4 links:
Bild, zwei Bischöfe darstellend. Darüber: Sanctns ßadbodns und
Sanctns Lebuinus.
Zur Yergleicbung möge eine Anzahl der deutschen Sprüche nach
der Deventer Ausgabe folgen:
Hoffmann no. 1 lautet: In allen beginsel sal men god an ropen.
2 Dat me god entuyt dat nimpt der duuel.
3 Kleine potte hebben ok oren.
4 Kleine vogels hebben kleine nest.
5 Dat eyne swert holt dat ander in der scheiden.
6 Men sal die perlen nicht voer die swijne werpen.
7 Achter rugge lert me eenen best kennen.
8 Ogen dyners en salme nicht louen.
9 Schemel worde wijken der wulheit vnd boelscap.
10 Dat swyn heft nicht to doen mit kosteler salue.
11 Als et regent so is de sne vnd hagel vordoruen.
12 Als met gode op gift so yst wal halff verloren.
13 Want dat pert sat is so troert dat.
14 De eyne haut clouuet de ander.
15 Deme lede is den'bijt die duuel.
16 Als die boeck voll is so is dat houet vrolic.
» 17 Narades en brack nij manne.
18 De vergunne en is gien poete.
19 Als dat guet wasset. so wasset oec die moet.
151 Als de vulflf oldet so rijdet hem die kreyen.
705 De loije bove en is nijn nutte. mer dan he schijt vn vret.
1002 God gijfft god nimpt.
1003 Twe manne sint al wege eins maus beer.
1004 Men sal vp alle vrage nicht antwerde.
1010 Dat lijf het falcke.
1362 Dat beginsel sij wot wil dat ende krijcht dat loö.
XIIL Der niederdeutsche Liber Vagatornm.
Hoffmann v. F. hat im 4. Bande des Weiraarischen Jahrbuchs
S. 65 bis 101 das bekannte, auch von M. Luther herausgegebene
Büchlein „Liier Vagatorum, der Bettler Orden^^ eingehend besprochen
und nach zwei hochdeutschen Ausgaben abgedruckt. Er teilt s. 68
auch den Titel der niederdeutschen Übersetzung mit, welche die König-
liche Bibliothek zu Kopenhagen besitzt. Da sich indessen aus der
Hoffmannschen Notiz niemand über dieselbe orientieren kann, so möge
zur Kennzeichnung der Sprache der erste Abschnitt und weiterhin ein
den hochdeutschen Ausgaben fehlender Passus, welcher über die
Herkunft des Buches Aufschluss giebt, hier eine Stelle
finden.
W. i, b (vgl. Hoffmann a. a. 0. s. 78): ;,Hyr na volget ein schon
bock geheyten Liber vagatorum dictert oder gemaket van einem hoch-
werdigen meister nomine expertus in trufis den Adone to loue vnd
17
ere sibi in refrigerium et solacium allen menschen to einer vnder-
wisinge vnde lere vnd deme de dusse stucke bniken to einer beterung
vnd bekerung. Ynd wirt dit bock gedeilt in dren delen. Dat erste
del sacht van allen nerungen de de bedler oder lantfarer bruken vnde
wart gedelet in XX capitel et panlo plus dann et sint XX nerungen
et ultra dar dorch de mensche bedrogen vnd onef&rt wart, Dat ander
deil sachtsinnige notabilia [de] to den vorgenömeden nerungen hSren :
Dat drit secht van eim vocabulari rotwelsch to dude genomet.
Der bedeler orden onde or sprack
Dat Eerste del dusses bokes.
Van den ho Bregern.
Dat erste capitel is van den bregern dat sind bedeler de nein
teiken van dem hilligen oder wenig an ön hebben hangen vnd kommen
schlechtlick vnde einfaltiglick for de lüde gan vnde eschen de al-
missen vmme godes vnde vnser leuen frowen willen, Welke eim husf-
armen mit klenen kinderen, de bekant is in der stad oder in dem
dorpe dar he esket, vnd wann se mochten wider kommen mit oren
arbeyde oder mit anderen erliken dingen so leiten se an twiuel van
dem bedelen, Went et is mennich from man de dar bedler mit vn-
willen vnd seck schempt, vor dene de ön kennen, dat he vor tyden
genoch heft gehat vnd nu bedien m&t, mocht he f&rder [bl» 2] kom-
men he leit dat bedien vnderwegen. Conclusio denen bedlern ist wol
to geuen went et ys wal angelecht.
' [ti. 11] Dat dridde deil dusses boks is de vocabularius des rot-
welschen so de bedeler ok welke andre to bedregen de lute gebruken,
vp dath seck malck dar vor huden vnd or schalckheit verstan mag,
so is de vtleging hir in gedrukt souil des ein Spitalmeister
vp den Ryn geweten hefft de dan ditBoek toPfortzen
int erste heft drucken laten dem meinem beste vnde aller
werlt to gude.
VocdbularivrS : Adone : god, acheln : eten, alchen : gan, alch
deck : ga hen u. s. w.
KIEL. H. Jellinghaus.
Kittd«rd«utioh«i Jahrbuch. VII.
Der Appingadammer Bauerbrief
vom 2. Juni 1327
in niederdeutscher Uebersetzung.
Der Appingadammer Bauerbrief vom 2. Juni 1327 ist ein in
lattiinischcr Sprache abgefasstcs Ortsstatut von Appingadamm im
Fivelgo, welches bei Harkenroiit in der 2ten Ausgabe der Ooslfriesche
Oorsprongkdykkctlen Groningen 1731 p. 552—557, Matitaei veteris acvi
AtuUeda 1738 IT p. 834, Wiarda Landtage der Friesen bei Upatals-
boom Leer 1818 p. 180 — 187 und von Richthofen Friesiache Rechts-
quellen Göttingen 1840 p. 295 — 29S abgedruckt steht. Ueber dia
juristische Bedeutung dieses Dokuments hat der um die friesiäche
Rechtsgeachichte Lochverdiente Professor von Richthofen in seinen
im Jahre 1880 zü Berlin erschienenen Untersuchungen über frie-
sische Rechtsgeachichte p. 288—290 und 477—479 de3 weiteren ge-
handelt. Namentlich au:j sprachlichem Interesse teile ich eine nieder-
deutsche Übersetzung des Statuts mit, die sich mit der Überschrift:
Hier ieghinl de Gopia van den buerbreef van Appinge Damme, gegeuenn
in den jarc i:-i27 in dem Miscellankodex 56 der Bibliothek der hiesigen
Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer findet
Diese Papierhandschrift, welche dem li3. Jahrhundert angehört, ent-
hält mehrere Schriftstücke und unter ihnen den Appingadammer
Bauerbrief, deren Originale ohne Zweifel noch im 15. .Jahrhundert
verfasst sind. Vielleicht ist letzterer eine nicht gauK sorgfältige
Abschrift aus dem von Wicht Ostfriesisches Laudrecht Aurich 1746
Vorbericht p. 132 erwähnten und vou Richthofen in das letzte Drittel
des 15. JabrhuLiJerta gesetzten Groniuger Manuskripte von auf Olde-
arat und Reiderland bezüglichen Rechtsquellen, weil der von jenem
daraus mitgeteilte Passus mit der Überlieferung der vorliegenden
Handschrift im wesentlichen übereinstimmt. Abgesehen von einigen
Interpunktionszeichen und der Auflösung weniger Abkürzungen habe
ich im Texte nur sprachlich notwendige Veründerungen vorgenommen,
Wy Rechters van zelandes vrede vnd Rechters van ffiwelinghe
landt sct'yuuun zalicheyC in Marienn soeue, dat die waer salicheyt is,
allenn kersten luydeun, dienn dusseu breefl suUen sien ofiF hoiren
lesenu, opLlycken vnd klaerlyckenn betuygben , dat voer ons sint
gbpcomen die Rocbters der gemeenten toe Appinge Damme vnd hebhenn
I
ona ootmoedelyckenn gliebedenn, dat wy alsodaeoG recht vnd (_
woonten, setten, nae weIckeDii hoer voeruaders pleghen tho rechten
van menighe tydeno voerleden, wolden confirmeren vnd mit goeder
Torsinnicheyt woldeu helpen bescryuenn. Hier vmme soe hebben wy
aengbesienn dat meene beste vnd nutticheyt, dat etck man syns rechtes
gewoonte vnd settingen ghebruycke, wanneer dat see recht vnd rede-
lick sint, vnd dat stcdenn vndc wigboldeno in hooren Rechtenn blyuenn,
als alle vrye vrieseno in den meeuen warne toe vpstalles (f. 1>>} boeme
klaerlyckenn verdraghenn sint, soe hebben wy hoer rechten, ghewoon-
ten vnd gheaettenn, die hyer na ghescreiienn staen, mit gueden voer-
sate geconfirmeert beuestighenn vnd confirmeren mit dussen aeluen breeue,
Int eerste, dat die voerscreuenn Rechters sullcnn rechten sonder
weddersegghenn alle sakonn vnd claghenn van allen gasten vnde
vremden luydcn, die tot hem foraen in hoer stedeken toe Appinge
Damme, Oock van wat aakenn olT kopenschup, woo dut gheleghenn ya
off sy, ende desghelyckenn soe wat vann hem ghemaket ende in hoere
tegenwordicheyt geordincert ende ghelouet wordt, Ende daer alle
weghe denn veerden penuinck') off toe kortenn.
Vau schade vanu beettten.
Itfim soe sahnen richtenu van schadeun, dye gheachien vnder
hoer buiren van rindertu ende bcesten.
Vann hase vnd kameren tho verhaerenn (f. äa).
Item soe we huuse off kameren verhnerenn will, die see thoe,
dat ha truwe luiden vorhuire vnd erbaerlycken luydeu, want dedcn
de luyden yenich quaet, daer sullen die vorantwordenn na rechte vnd
gewoonte des landes.
Vsnn hofstede off buysstede to verhneren.
Item weert sake dat yemant buirde een hoffstede vnd daerup
porarmede, alaoe dat he aine huire nicht betalen machte, dat huys,
" it up de hofstede staet, sali den lantheeren staenn voer syn huirti.
ide he mach dat huis niet verkopen buyten des lanthereu wilte off
irloff.
Vann hnys off hofstede, die verhairt ys.
Item Vfeer daer yenich mann, die een huys ofte huisstede ver-
ift, die vorhuert were, dye huirman aal dat huys of die stede bruy-
een alsoe langhc, als ayn jaermaelen duerenn.
Van huj'senn te kopen. die van bnyten ys.
Item een yeghelyck mensche, die van buyten ya ende die hyer
kopen of huiren huys of hoffätede ofte kamer, die aal dat ersten
iwysenn (f. 2li) mit zeghelen vnd brieuen, dat he niet vredelooa ia
_ lelecht vuyt synen lande, Maer dat hy ys een mensche van gueden
[heruchte, Kode daerna sal hy gheueu denn meenten in dat boeck
block) dreu sdiilliuglten'), Ende daer mede salmen hem holden
roer eenn buer.
1
I
20
Vann een, die bner wesenn will.
Item SOG welck vremet man, die buer wesen wil, die sal ersten
setten een goeden borgen, de^) die bueren sal holden schadeloos van
synre weghen van alle aensprake. Ende desse sake salmen vernyen
alsoe dicke, als dat recht wandelt.
Van Recht tho holden end op wat tyden.
Item soe sullen die voerscreuen Richters hoere Recht holden
tot dreen tyden in den jaere als na Paeschachten, na onser lieuer
vrouwen dach Nativitatis. Ende nae der octauen van twaelftenn *),
Ende tot elcken tyden suUense hebben vyfF daghenn tho richtenn.
Van Wichten vnd maten tho proenen.
Item toe dreen tyden suUense proeuen wichten (f, 3a) ende
maten van hier vnd van broode ende van allen ghedranckenn, die
druncken maken mögen behaluen hamborger hier, dat sullen see setten,
Ende die ghene, die dat verkopen, sullen dat bruyckenn, als die Rech-
ters dat setten, by sess schellinghen tho broke. Nota. Desse settinghe
heeft gheweest binnen denn Damme bouen die twe hundert jaren,
End ick broder Elteko, Pryor ende Lesemeester cet. bekenne, dat my
kundich ys, dat die buerrichter inn ten Damme susdane wyse by myn tyden
plegen tho holdenn'), Als dat men musten gheuen voer elcke kanne
biers soe menich placke, als see die tunne biers by guldens setteden.
Van Lemten end van wnndinghe.
Item soe en sullen die Richters meth rechten vanLeemten^) of
van ienigen wunden, ten^) sy dat sy schien daerse tegenwordich sint
Ende als daer brandt is, Ende soe sal nochtans die Rechter, dat ys
dye Reddye, syne rechte pene nemen, de hee nemen solde, oft he
suluen datt rechtede.
Vann aensprake voor Recht.
Item waer ienich man, die dem anderen ansprake (f, 3h) voor
die Rechters vann saken, die hem hoorden toe Rechten, Ende wil
daer nae hoer recht voorsmaen ende trecken dat voor ander ienighen
Rechters, die sal gheuen den rechters ses Schillingen [ende ses] denn
vogeden, Ende dat sal men voorstaen, soe wanneer die sake begonnen
ys, Ende dat nu voerscreuen ys van den clagher, dat salmen oick
verstaen van den ghenen, daer die claghe up gaet. Item soe en sal
niemant wesen Rechter ende voghet toe samen eens jaers.
Vann beneehten int rechthuus.
Item waer yemant daer, die den anderen beuechte^) in den
rechte in tegenwoordicheyt der Rechteren, soe wat daer gheschiet, dat
*) Hb.: den.
') epiphaniac.
•) Hs. : tholdenn.
^) de mutilationibus.
'^) nisi fiant in eorum praesentia.
^) impugnaverit.
' Bftl al tot des Rechters kenuiughe wesenu, waert dat liy den Recli-
teren beuocbte, dat sali al dubbcMe boetc ende broke we
Vann die mit valsche rannte ommegaen.
Item so suUqq die Eecbters int eerste, datsse gbezworen bebbi
i hy Loiren Eede, vordryuen allen den ghenen, die valscbe munte bebbi
[ ende die guet gelt besnyden ende alle moortbarners ') (f. in).
Tann moortbarneu.
Item wart') yenich buere gedmwet tlio barnen van buyten, die
sal eersten anaetten eneo borghen den buiren, Ende soe Bultenn bem
gbeuen die bueren breefl' vnd zegbel niitb boeren stedsn zegbcl be-
zegelt an den gbenen, daer die gbene woont, de hem ghedregbet beeft
toe barnen, dat lie reclites blyuen will vann allen sakenu, de be up
hem tiio Bpreken heeft in wat rechte ofte voor wat rechters dat be
i hem aenspreke^J, Ende mach hem dat niet helpenn, soe salt die gbe-
■ meea bueren sakenn wesenn. Itcm die pene, den die Rccliters uemen
ftiulleii, ie.1 vesen twee schcllinghenn.
Van ne ghewapent komt to brande.
Item waer emant de gewapent queme tho brande ende daer
emant misdede, dat were dubbelde boete ende broke, Ende voer die
l byden*) sali dat weaen een marck, daer suUen die Uechters van hebbeu
^we schellingen ende die tbyen scbellingen zuUen wcsen der meenten
! den kercken block (f. 4li).
Vau RechtBchnp wech to glieuen.
Item Boe en aal iiemaodt syn recbtacbap^), die hem mit rechte
toe bebüort, nemants geuen buyten den Damme by XXX marcke tbo
iirokc totter meente behoeff.
Vann hoffsteden to rercopen.
Item waer ennicb buer, die syn hofstede wel vercofte buyten
len Damme, die sal gbeueno der gbemeente XXX marck, Ende were
/ Boe arm, dat he dusse pene nicht betalea muchte, aoe sali die
leente die stede nae boeren weerde"^ Ende is die atede gheen XXX
parck weerdt, soe zullen die naiatc maghen gelden totter voerscreuen
1 tbynn marck,
Vaun tvondinghe mit een megee.
Item wendet iemant eenen bueren mit enen messe, als he denn
BBerighen') sine boete geuen becft na Lantrcchte, aoe sal he denn
)chterenn gbeuen ses scbellingen tho pene ende aess scbellinghen
1 Togheden.
ecli' ^H
ben ^H
ben ^1
') incendiarioa.
*) Item si alicui d
°) Hs. : aciisprekcii
*) pro utroqiie. H
') consulstiim.
*) sc. erhalten.
lim all extra fueiil
I
Van dat netnant wrake doen mach,
Wrake Iioort allccne god thoe vnd {laeromme (f. 6") en sal ne-n
mant hem äelueti wrekcn, alsoe men in beydeu'} testamentoii claerlycketi
vint, als Kum. 25 vod 31 vud Leuiti. 17 vnd 24*). Itein
&oe moet glieen buer buyten deua Lande van fFywclinglie ghuenerley
wys wrake doen van onrechte, dat hem gheschiet ys van yemande, liy
bebbe dat ccreten mitten bueren breuff end zi'ghel vtTnolghet endu
recbtinge vaun begheert ende dat hem daer dan recbtes van ghewey-
gherdt wordt.
A'ann pelgrimen tho vanghenn.
Item waer ienoicb buer, die cnnige mensche venghe, vuyt wat
Lande dat hy were, om onser lieuer vrouwen tbo Eeren endo to vor-
stickenn up boer hoiubtydenn oft bynnen der octaven van der hoüi^b-
tydt, dye sal denn vangen guyt latenn vnd sal gheuen denn geuangh.,'U
SCS3 Bubelliugen tho broku ende denn Recbters ses sübellingben,
Van waermen een brnyt wtgeiien saU.
Item soe ist gheseth omme gemeene nutticheyt, daermen cmi
bruydt vuyt geuen sali (f. 5f>), dat dye bruydegom uiet meer luydu
raedo nemon en sal in den Damme dan XVI manneuii endo vecr
vrouwen, vuytghesecht is, dattet van buyten ys, Ende die sal dat
Hweert allene dragben, den^) dat gegeuen wordt vann denn bruydegom
vnd dat van maesscbup wegen*).
Item op denn warö^) soe en sal menn gbeen danssen maken
buyten dat bruytiacht luys.
Vaun Brnydtganeu.
Item Bruydtgauen verbieden wy, Ende die bruydt en sal niet
dann veer Jon ckfrou wenn biddenn tot haer bruydtlacbt. Item tho
bruydllachten ende toe brnydtbier sal ellick mensche, die daer kumpt,
anderhaluen stcrlink*') end dat schadt salinen gheuen twye totter
bruydtlacbt, Ende niet dan ecn totten kiodelbier. Weer yemant, diu
totten kindelbier qiieme des anderen dages Ende totter bruydtlacbt
des dorden dages ongebeden, die sal gheuen den Rechters twe scel-
lingben. Ende oft hy gebeden zy dan niet, datt sal die weerdlh
weten by synen eede, End willen hem die ghemeene rechters (f. 6a)
dat niet voergeuen, soe moet be voer elcken geiienn den Rechters
twe scellingbenn vnde den vogeden twee scellingbenn.
Van alderhande liuir ende Loffnisse.
Item van aldei'hande huer ende loffnisse, dye gliescbien voer den
Cureet') van den Damme, offghenomen deu vierdenn penninck") suUen
') ÜB.: bfjde den.
') Dieser Paäsua fehlt im la(. Text.
') Us.; den die.
*) ratione coiuanguinitatta.
*) CO etil 8.
') Ha. : sterhuck. Der int, Text hnt xterliagnm.
in praeseuUn roctoris.
dctracU i|iiarta.
old
Bai
MDu;
rechten. Eade desgelycken salt wesenn van weghen weder tho
kken in dur bamrick totten Damme, dal suUpd se oyck richteu.
id van den waterputten ') aldaer soe en mach cnen richter neraainlt
pger verwinnen dan voer eeii hatue marck.
Vann nye Rechterenn to kiesenu.
Itera int leste soe hebben wy Uechters voerscreuen geordineert
ende willen, so wanneer vuyt gaet die tydt der older Rechteren in
den Damme, so sal die Cureet, die in der lydt ys ten Damme, mitten
olden Richters nye kiesenn tot sunte Peter ad Chatedram, Vnd werense
'an tweedrachticb, soe sal dan die meerdeel der Rechters mitten
lureet macbtich wesenn tho kiesenn. Gescreuen onder onscs Landes
leghel Ende (f. Gb) der meenlen van Appinghe Damme, in den jaere
ons beeren duysent dre hondert souen ende twintich, des gondages na
pinxterenn. Ende wy Richters vann zelandes vrede ende van alle
vrieslandt, die vergadert aiut tho vpatalles boem, hebben die Statuten
der Stede vao Apping» Damme, die voer ons ghelesen sint endo midt
oeres landts zegel vann tfywelinge geuestiget ende confirmeert, vesti-
genn vnd conBrmeren dy mit dussen breue, dye hierenteghens segghen
ende doen, OirdeUnn wy als ongehoorsaeme luydeu tho der meente
Dutticbeyt mit openbaerlycker penen tho pyningben inn een eeuwigbe
dachtnisse deser voerscreuen dingben, soe hebben wy dussen breelT
up denn voerscreuenn statuitenn mit enen Instrumente ghemaket, doer
len breeff gheateken, Ende mit allen ghemoenen vrieaeu zegel be-
Igelt ende beuestighet.
üegheuen tho vpstalles boem tho Pinxttjren achten *) in den
>ere ons heerenn 1327.
tinis des buerbreuea vau Appinge Damme.
EN. H. Deiter.
Zur mnd. visio Philiberti.
Seitdem Seelmann die mnd. visio Philiberti aus zwei handschriften,
einer Berliner (B) und einer Hannoverschen (H) publicirt hat, ist in
der Wolfenbütteler hs. (W), Heimst. Mscr. nr. 1233 bl. 74r— bl. 93 v,
deren kenntnis und beschreibung wir LUbben verdanken (cf. nd. jahrb.
YI, 71), eine weitere mnd. Überlieferung dieses sprachlich hochinter-
essanten gedichtes angefunden, die besondere beachtung verdient,
weil sie einerseits für Vermutungen des herausgebers wertvolle be-
stätigungen bietet und andrerseits neue mittel zur herstellung der
ursprünglichen lesart an die band gibt.
Die Wolfenbütteler hs. gehört dem ende des 15. jahrh. an. über
die heimat des Schreibers und den umfang der von ihm vorgenomme-
nen Veränderungen seiner vorläge gibt nachfolgende auf eine aus-
Zählung verschiedener mundartlicher eigentümlichkeiten gegründete
Statistik aufschlusz. es findet sich
myck 18, myk 4, mick 2; meck 27, mek 1 ; my 1 mal
(v. 266). —
dick 35; deck 28, dek 1; dy 3 mal (vv. 30, 109, 531). —
ick 83; eck 15 mal. — oth 6, od 3; id 3 mal (vv. 341,
386, 418b). — duth 5 mal (vv. 163, 363, 363a, 507, 721a).—
die fast ausschlieszlich gebrauchten formen mick dick (mit Senkung
zu e meck deck) für my dy^ welche die mundart des dichters geboten
haben musz, weisen auf das von Seelmann Gerhard von Minden p. XLI
und correspondenzblatt III, 35 begrenzte mik-gebiet, dessen weitere
charakteristischen merkmale die hs. in dem ausschlieszlichen vor-
kommen von edder wie der formen des pron. der 3. pers. mit ver-
dumpfung zu o und in der erhaltung des k in as. sctdan als c und
ch zeigt, dazu stimmen Eigentümlichkeiten wie der gebrauch von
oth od neben id (cf. Tümpel in Paul-Braune beitr. VII, 40), eyn für
en und der Wechsel von we und wi^ die ihrerseits darauf hindeuten,
dasz der Schreiber dem Südosten des in rede stehenden gebietes, dem
Nordharz oder seiner nachbarschaft, angehört, für diese annähme
spricht auch die münzbezeichnung verlingh v. 122, während B und H
das duo minuta der lat. quelle (minutum scherf = Va pfennig, cf.
Diefenbach Nov. gloss. 254) mit pfennig • wiedergeben, verlinge (V*
Pfennigstücke) wurden, sieht man von orten ab, die ihrer weiteren
entfernung wegen nicht in betracht kommen, in Goslar, Braunschweig,
Helmstedt geprägt (cf. Bode, das ältere münzwesen der Staaten und
Städte Niedersachsens).
Yerschieäene eiDzelheitea , welche dem Bpracbgebrauube de«
direibers zuwiderlaufen, Bind der vorläge zuzuschreiben, sie deuten
weit weetlicher gelegene gegend, besonders der vocalnach-
ihlag, der in unserer hs, die regel ist (myffedaeä qmed racd haed
_ l vloecfcen btyde ftaen gehoed tioeä aittlaed voelen hoeff ftocff' doet).
geradezu auf rheinische nachbarscbaft weist das v. I!l3b im reime
stehende gpmeii, welches in Wormser und Kölner Urkunden begegnet.
femer ist gewicht zu legen auf loiten (v. 169). dieses steht miszver-
stÜudlich ftir lepen, das H bietet. Jepcn hat sich bisher in keiuem
nd. denkmale nachweisen lassen, ist aber im nl. in der bedeutung von
slOBzen vorhandeu. der Schreiber von B hat es richtig verstanden,
musz es aber für ungebräuchlich angesehen haben, da er es durch
(rfen ersetzt.
Bezüglich des verhiiltnisses der drei mnd. haa, zu einander ist
nUchat die benutzung derselben vorläge durch den Schreiber von B
d den von 11 zu constatiren. dafür beweist der schon von Seel-
inu erörterte fehler v. UU, die gemeinsame auslassung des durch
n sinn wie die regel des vierfachen reimes geforderten v. 7a, veste
87 in B und H für das die verse 27 und 28 des lat. Originals
veratündlicber wiedergebende nestc W, das Verderbnis v. 105 in B und
H, die willkürliche einachicbung von v. ^9 in B und H, wodurch ein
ßinffacher reim sich ergibt, die auslassung der verae 3:35a und h, die
~ t den vierfachen reim herstellen. W ist nicht direkt aus der ge-
einsamea vorläge von B und H geflossen, dio mit X bezeichnet
1 möge, wie lieszen sich sonst die zum teil unberechtigten um-
tellungen in W erklären, dessen achreiber man unter den dreien
am wenigsten den vorwurf der nachläasigkeit machen kannV
ad X entstammen einer gemeinsamen vorläge, die von W eben
ler Umstellungen halber wieder nicht direkt benutzt sein kann, und
lesarten wir aus dem zusammenstimmen von W mit einer der
a anderen hss. erkennen, v. 111 liat H (Je teormen, W de worme
Übereinstimmung mit vcrmes v. 98 der lat. quelle, B hat radden.
, die Übertragung der zweiten hülfte des v, 23 des lat. Originals;
i est familia quae fe scgufhadtr, steht in B und W, fehlt aber in H.
'\ entsprechend v. 25 der lat. quelle: Non es iiunc in turrihus de
tlis decken sich B und W, H weicht ab. v. 1)5 stimmen
Bund W (Karajan v. 18t foclorcm} überein, v. 320 II und W, v. 322
lond W, T. 32r> B und W.
Die regel des vierfachen reimes ist in W durchgeführt bis v. 388,
I V. 389 bis zum schlusz, mit ausnähme des abschuitts v. 476 bis
2a, der vierfachen reim zeigt, herrscht zweifacher reim, da fl
. 613 vierfachen reim aufweist, in W aber von dem v. 389 an,
; dem die reiropiiare beginnen, sich auslnssungen und iinderungen
'ergleicb zu der ersten hülfte des gedichts auffallend häufen, so
i man, wenn auch nicht völlig sicher, so doch mit groszer wabr-
einlichkeit schlies^en, daez das original bis auf die letitten hundert
I vierfachen reim gehabt hat. unregelmüszigkeiten wie die aus-
26
lassuDg von v. 13, v. 53 in der Wiederholung und v. 340, ferner t
rtimwortes statt v. 178 sind der Dachlässigkeit des Schreibers betsj
messen, als zuaätze desselben cbaraklerisiren sich v. 67a und v. 67^,
die die reget des vierfachen reimes durchbrechen uud in der Jat. «xucllo,
welche sich in den unmittelbar vorhergehenden und nachfulgenden
Versen ziemlich treu wiederspiegelt, keine stütze finden, fünffacher
reim kommt vier mal vor. v. 04 reimt in folge einer Umstellung von
myck und draäcn mit den vier vorhergehenden versen anstatt mit den
drei folgenden, v. 311 dagegen anstatt mit den drei vorhergehenden
mit den vier folgenden, wofür der grund wohl in dem in der vurlage
für Jdapen verschriebenen reimwort kapen liegt, welches sich in H
findet, während B sagheii^ "W aber vorleyden einsetzt, die beiden an-
deren falle fünffachen reimes sind durch einschiehung eines verses
(v. I22a und v. 599a) veranlnszt. bei v. 599a beruht diese auf einem
bloszen versehen des Schreibers, denn dieser vera ist der v. 600 mit
dem roimworte des v. 599.
In der nachstehend abgedruckten coUation ist, weil unwesentlich,
nicht notirt der unterschied von i und j, i und y, n und v, c k und
ck, s I' und z, g und gh, einfachem und doppelvocal, einfacher und
doppelconsonanz. gleichfalls ist nicht unterschieden ;twischen formen
mit oder ohne vocalnachschlag, den dem as. sciUan entsprechenden
formen mit c oder ch, iW; mick äicJc und den formen mit Senkung zu
e wie den vereinzelt auftretenden my und dy, ferner ist keine rück-
sicht genommen auf wi und we und die in unserer hs. ausscblieszlich
mit verdumpfung zu o vorkommenden formen des geschlechtigen pron.
der 3. pers. die bei Seelmann fehlenden verso sind durch beigesetzte
buchstaben kenntlich gemacht.
1: eynem. — 2: eynem, — 3: dat ick fach. — 4: fweth vth-
brack. — ö: solken. — S. nee] äs. nu me. — 6: god dorch dyner.
— 7: gyff dat dat nummer eyn l'che. — 7a: dat eck mcck alfulke
nod befee. — 8: man. — 9: vtheghan. — 10: clagendc. — 11: gedaD.
— 13 feMl. — 15: rafteu edder rauwen. — en fehlt. — U>:&[ fehlt.
— 17: duuel. — 18: vnde neymen orer grote wäre. — 19: des ] do.
— 20; zachjfprack. — 21: eya]ach. — 22: vil /eW(. — fchamen. —
23; moten. — 24: vmme dyne vnreyne myffedacd, — 25: jw. — 26:
en fehlt. — 27; icht]gicht wat. — 28: dyn. — 29: du bist ] vnde du.
— myn. — 30: moed. — 31; helle pynen. — 32: iajso. — alle de.
— 33: ryne. — 34: were. — 35: de ne]so. — 36; vil fehlt. —
moten. — 37: so dat alle de beruoten. — 38: vnde alle de prediger
guten. — 39: vnde alle do grauwen wol gemoten. — 40: beide de
fehlen. — olde. — 41: beide ] iummer. — l'ungen. — 42 : alle de
klocken. — 43: alle. — iejgraß. — hedde, — 44: ue feltU. — vth
der. — 45; vigilie nochjnoch vigilie effte, — 46: nejoyn. — hebben.
— 48; och wu heffftu vns vorgeten. — 49: leth mote fchen. — 50;
mote. — 52: wad hefftu nu. — 53, 54, 55 habe» die umgekehrte rcihcn-
folge. 55: undelnu. — 54: nu fehlt. — antworde. — 53: vfcnta fehlt.
— godejdage, — 57; de fehU. — zinemjfick fulues. — 59: duuel.
27
60: god tchopp rechte Tuuerlick, — 61: fchone. — tzarlick. —
worden gar eyBlicbJalto cyflick. ~ (i3: das tweilv de fehlt. —
dick. — 64: antworde du vil draden niyck. — 65: wur. — 66: ie] de.
— dade. — 67: nach. — duuel. — 67a: wat helpet deck dyii grote
gyrfen, — 67b: dat du dat wilt plegeft myd den bunden to hyTren. —
~* 95 fehlt an dkser stelle, nach 193b ist etinuchst 45— 67 wiederholt
sodann das hier ausgelassene eingeschaltet, 96 folgt auf 98. 97:
iiu. — Bcboiie ] grote, — 98: den du fchone gebuwet haft. —
'6: nu birtu geworden eyn rfll äß. — 100: vor to steht in der ftadt.
— IUI: myt Tyden kulTen vnde findale. — 102: ligge, — to male]
finale. — 103: dynem. — grale | groter vnfalde. — 104: wur Cynt.
— nii fehlt. — Iconen. — 105: de du reddeft vp der erde. — 106:
myt groter ere vnde werde. — 107: nu ys eyn bare dyn geuerde. —
108; ryR nu eyn. — 109: Kunder ¥are]dat Tage ick dy vor wäre. —
1 10: wan du nu kummeft in de erde dar. — 111: so nemet de worme
dyner war. — 112: unde]de. — willen. — 114 fehlt. — 115: klagen.
— 115a: nu wil ick dick mere vraghen. — 116: wur. — nü fehlt.-
— de fchonen. — 117: dar J de. ^ Ilf^: o wy o wach vnde leyder.
fehlt. — 120: wan. — arme man, — 121: drecbtu. —
12: hejde. — pennighe] verUngh, — dur. — 122a: wur is ock nu
hefte rßck. — 123: Icbaltu. — vlock. — 125 fehlt. — 136: ne ]
— 127: neyne arme lüde, — 127a: wadt kan dyck nu dyn homod
en. — \2S: dennejwan, — 129: neyne. — käu. — 130: eyn kropel
mochte dick l'tän. — 131: haddell leyd gedän. — 132: nu fe wad
hefft heiaghet. — 133: hefft. — vorklaghet. — 134; suth. — wol
ihaghet. — 135: nymmet. — gefaghet. — 136: de du lange louet.
myd groten ruwen. — 138: kummot. — aver fehlt. — 139:
lerjvmme deck — bäft, — 140: kinder. — 14t: beclagen deck
fn körte ftunde. — 142: deajwu. — 143: op de. — 144; fcbalt.
myck, — 145: gud rapen. — fick. — 146: vnde achten gär cleyn
deck. — 146a: war du fnft engelen edder duuelen gbelyck. —
17: ach wu fyut wy nu befeyn. — 148: mote fclieyn. — 149: mote.
theyn. — 151: di fehlt. — nu, — 152: vnde dyn grote ouermod.
153: mochte ick hebben eyn rtunde gudt. — 154: rode blöd. —
i6: sunder ick mach des wol vortygen. — 156; ach nach mach ick
d. — 157/ vormaledigon. — 158: leve fehlt. — moder. — l.''i9:
— 160: vorvloket. — 161: dat ick ju duffe werlt befach. —
I: o we o wy wach. — 163: duth hebbe ick allej-ne van dyck
vnreyne aß. — 164: nu dyn fchone fpeygelgläi). — 165: ftedea was.
166: do du mendeft du werelt dar alfe. — 167: fwarter weyn eyn
lUdt, — 168: du l'prekeft voth vnde handt. — 169: mo mochte
ik lopen dorch de wanth. — 171; kondeflu. — mi icht]nu. —
!: wor fynt gekomen dyne edelen fpyfen. — 173: to, — 175: TaiTrun.
176: seddewor. — 177: engeuor vnde fyroman, — 178: 3i9.n fehlt.
179: l'pife vterkoren. — 180: atör laß vnde den vorn. — 181: rech
i vnde eynhofn. — 182: al, — nn verloren. — 184: se willet deck
len dat god wcth, — 185: leyth. — 186: see wardet rede dyner
vnde fynt bereyt. — 187: wur fyiit nu de fpangen. — 188; dar]au
dynea cleyderen. — 189 fehlt. — 190: segge dynen knechten dat f»
fe deck langhen. — l'JUa: nu lofe dick de doth hefft deck ghevaiighen.
— 190b: nu ys vorloren liyn grotel'te pandt. — 190i;: du byft vor-
raden vau des dodea hauth. — TJOd: vnde moft vorderuen alto liaiitli.
— 190e: de pyne werth vns beyde bekanth. — 191 fehlt, — 192:
der wy nummer vorwynnen, — 193: jw, — de fehlt. — 193a: der
heffrtu ouel gebruket buten vnde bynnen. — 193b: dar vmme lecht
de duuel bringk vns gynnen. — an dieser stelle tcird 45 — G7 meder-
holt und das vorher ausgelassene, 68 — 95, hierauf eingeschaltet. 40 folgt
auf 47a. 46: nu eyn hebbe we. ■ — 47: sojalze. — ewyge. — 47a:
vnde ick dat nu wol gyffe. — 45: dat vns helpet wer vjgilia edder
relemirfe. — 48: ocb wu heffftu vns vorreyn. — 49: tcyd mote fcbeyn.
— 50: mote. — 51: lasterliken fehlt. — 52: lieftu. — 53 fehlt. —
54 und 55 sind umgestellt. TjS: undelnu. — de fchult. — 54: nu
feidt. — antworde. — 57: de fehlt. — fynes Tulues beide. — 58: worde,
- — 59: des duuels. — 60, 61; god fchopp meck l'chone vnde l'uuerlick.
— 62; worden gar eyalicbjfo rechte eyl'Iick. — 6'd feldl. — lU: ant-
worde nu vil draden myck. — 65: wur vmmo gyßftu de fchult myck.
— 66: dat eck dede de lunde grod. — 67: na der duuel rade vnde
both, — 68 — 70 fehlt. — 70a: du haddeft eynen lioghon möd. —
71: vp. — bitteren fehlt. — doth. — 72: rikejmyt den ricken. —
73: wur du begundeft hen to wyken. — 74: dar rep me algelicken.
— 75: stad vp gy anderen Tcholt wycken. — 76: wur Tyut nu. — 77:
volghedcD ] deneden to. — 78: vnde dat groto flechte. — 79: lad. —
nu. — 80 : dar. — nu fo gedin, — 81: de wolde by dick ftaen. —
82: truwen man. — 83: sunder fe wilt dyner aueflaen. — 84: wur
fynt nu. — Iterken. — 85: vnde we helpet deck van duffem nefte.
— 8(i: du bift hyre weute vp dat lefte. — 87: in eynem fmeliken
noite. — 88: nü fehlt. — wu, — huO. — 89: dar du nu bift yn ge-
iaghet. — 90; dem fehlt. — hüten geclaghet. — 91: wart jw. —
92: vote lanck. — 94: legeftu hyre icht wath langk. — 194 und 195
fehlen. — 196: och du äs dat du feteft vorwaten. — 197: nu komeu
de duuel draten. — 198: aee wilt vns nicht lange haten. — li)8a:
men fe wilt vna by dem nacken vaten. — 199: vnde bringen vns yn
de ewygen pynen, — 200: ewich | jummer. — moten. — "201: su
licham myn. ~ 202: ia dyn. — 203: du machft prouen openbar, —
204: dat du dick fcholdeft hebben vorwart. — 205: dyoem. — over
fehlt. — drittich jär. — 206: nu moto wy henne twar. — 207; duuel
willen, — hyre dryuen. — 208: mit den ] vnde ock der. — 209; no
fehlt. — konden. ^ 210: de pyne dar jck arme l'ele nu fca! bliuen.
— 211: Iprak. — 212; de licham dede ogon vpp vude fach. — 213;
vpp. — bare. — 214: he richtedo dat houet vp vude fprack, — 215
we hüte. — 216: hyr ya vnfachte flapen. — 217: raeck. — 218
claEfen. — 219: kienlich | ghehck. — 220: mochte. — 222: antworde
dem. — 223: vp. — bare. — 225: dejmyue. — i'tan. — 226: nym.
— vorder] rede. — 227: eya myn leue zele. — 228: wes makeftu
29
des djaem Hebamme fo vele. — 229: Tynt gefanth. — 230: vth dame
t;rundeIoren wele. ^ .i31: myd. — Hagen. — 232: scole]mote. —
leider ]beyde. — 233: wente to dem. — 234: vornyget fick. — 235:
argefteo. — vterkoren, — 236: dar vmme mote wy ewichliken fyn
vorloren, — 236a: hedde wy Tns bedacht touoren, — 237: jw. —
gbeboren. — 238. 239: nu fpreckel'tu otb fy alto male myn fchult.
— 240: nu hebbe dult. — 211: machft. — eift, — 242: eghene fehlt.
— 243: fu. — der lunrle. — 244 feUl. ~ 245: unde]ick eyn. —
246: nicht ej-n leih regen. — 24Ga: dar rmme is de Tchult an deck
geleghen. — 247: de wile dat ick leuede. — 248: vnde vp der erden
fweuede. — 250: dat ick nicbt vorbedachte vnde hegbcde. — 251 :
kam. — goeyte. — 252: du eyn ftreckeft wer hende edder voeyte. —
253: antworde. — groeyte. — 254: boten. — 255: dat]to. — voren.
— 266: craftjmacht. — 257: so rechte Tchone hefft gewracht. —
258: nujhute. — 259: alto malen van deck gel'tolen. — 260: den]
wan. — kolen. — 261: dolen]dragQn vnvorholon, — 262: de | du. —
dulden ] lyden. — fclmllen, — 263: ick byn alze de armen reßen. —
264: dar vmme lene zele lath myck myt vreden weßen. — 265: kanftu
wol genefen. — 266: werliken. — dat Jod, — vit fehlt. — ^ weOen. —
267: zojalze, — olmich blök ] mulmeldich holt hoch. — 268: noch
neyme ick mynen deyl gerae noch, — 260: o wy dat ick der. — 270:
synt dat, — moder. — 271: brachte. — duuel. — 272; ock de werld
vnde myn eyghen vleyfch funder wan. — 273: duffen. — konde
wedderftaen, — 274: de were wol eyn falich man- — 275: wu fcolde
ock nieck euer weren. — 276: neren. — 277: wente dul'fe dre ley-
dige heren. — 279 fehlt. — 280: arme leraesklock. — 281: sojalzo.
— geboed. — 282: was^atejys nicbt, — 283: au zele alle myne
noed. — 284: hebbe eck. — 285: leue zele lath meck leghen. —
286; fegen. — 287: en fehlt. — reghen, — 288: myt grotem weynen,
— 289: und owe feldt. — fteynen. — 290: ok de] alle. — gemeyne.
— 291; vp. — 292: wolde. — eyn. — 293: gremejdorcb fchemen.
— 294: antlat ] oghen. — eyn quemen. — 295: wente. — gär vnan-
neme. — 296: fick. — mannigheo. — 297: beide vil fehlen. — se ]
he Tick. — 297a: vnde reyp o wy vnde o wach. — 297b: der duuele
fe vele ftän fach. — 298—300 feldt. — 301: se l'prack du beft myck
myt vnpryfen, — 302: ghedelet van goddes fpyfen. — 303: wur wultu
meck henne wyfen, — 303a : dat ick van den duuelen möge ryfen. —
304: du fcaft varen to godde warth. — 305: vard. — 306: de ys
meck gar fere beward, — 307: fcrygen. — vnarth, — 308; o wach ]
Setter. — 310: cleyne ] nicht. — 311: wad /ee dick gudes vorleyden.
— 312: ock was deck to goddes denlte leyde. — 313: de vorflepeftu.
— 314: mote, — henne fcheyde. — 315; myt fo yamerliker oghen-
weyde. — 316; myd vnraden, — 317; atoltjwol, — vp den. — 318;
maten. — 319: nu fyn vorlaten. — 320: dikkejvaken. — 322: nu ]
des. — 323; grote pine mote we dar vmme lyden, — 324: vil ru, —
barth. — 325; beide male dyne. — fwarth. — 325a: dorch dynes
fulues vnard. — 325b; motte we varen hinder word, — 326: jo fo
I
30
vonoetlien. — 327: woldeft, — woljdat beftc. — 328: myt alle den
de by deck fethen. — 329: TchypperB. — 330: me raofte jo to dyner
koken flan. — 331: de bel'ten hennen vnde de heften hanen. — 332:
vnde ftedes vp dem water van, — 333: de. — de pheylan. — 334:
in der lucbt de vogel vnde den kroü. — 335: vil fehlt. — gud raphon.
— 330: ock leteftu dorclibauwen dyne Tcliö, — 337: vil fehlt. — arme
zele. — dou. — 338: dat was mek van bertün leyd. — 339: ye fr/Ut.
— dorbeyt — 340 fehlt. — 311; dat isjwcnte id ys nu. — 342:
alfulke. — 343: hebben vp godde gedacht. — 344: dick god. — 34.J:
wedder byftan myd fyner krafft, — 31G: nu fu leue Jicham myn. —
347: alle fchult de ya dyu. — aus 318 sind ewei vcrse gemacht.
348a: al de papen de de Tyn. — 348b: twyffchen dem niere vnde
ryn. — 349: de beden vns nicht eyuc ftunde vryft. — 350: entberme
deck. — godejhere. — 350a; wente du mit meck verloren byft. —
351 : to banl werden de duuel etc. — 352 fehlt. — 353; do antworde
de licham, — 354: do be de bitteren wort vornam. — 355: van lede
fyn berte etc. — 356: he ricbteda fitk echter vp van l'tunt an. —
35l!a: he leuede noch vnde fprack. — 357: myn zele deytb meck
grod vugemack — 358: dat eck raften edder rauwen nicht eyn mach.
— 359: myt weynender ftenne he mer fprack. — 360: nu fvhlt. —
leff] rechte. — 360a: hedde ick gewefen eyu deyff edder van eynos
rouerß l'lechte. — 360b: du loucdeft mcck doch gar vnrechte. —
361 feidl. — aus 3(i2 sind zwei vcrse gemacht. 362a: schal eyn bere
vnderdan fyn fyuem knechte. — 362b: edder eyn vrauwe orer maghet.
— es folgt 362c: dat fy dick bute gbefagbet. — 303; duth dingk mick
Tere myOiaget. — 363a: duth ordel Ty dick gbevraghet. — 364: eyu ]
de. — fruwen. — 365: iamer] wunder. — Tchowen. — 336: loue. —
dat yn, — 367: wil unsjmod one. — 368: vns ys ouel gefcheyn. —
369: alder] ordel. — beyde vorfeya. — 370; des mote wy befitten
des duuela leyn. — 371: vnde nummer mcr goddea antlad befeyn. —
372; fruwen gbeuen. — 373: diujdick to eyner. — 374: hedde wy
in alfulker acht gbebleuen. — 375: weideliken '| ewichliken. — 376:
wente wan. — 378 und 379 sind umgesteUt. 379; de ] fe. — 378:
edder j vnde. ^ 380 fehlt. — 381: vmr ick wolde to den funden gän.
— 382; wcreftu. — to vnderdan. — 383: ick fegge deck alfunder
wan. — 383a: na den funden fcholdeftu nicht bebben geftan. — 384:
wente de licbamme in werlikeu dingen, — 385; funde kan. — 385a:
in reygen edder in fpriugen. — 385b: an lachen edder an finghen.
— 386: et]id. — denne der zele. — 386a: su ick ligge hyr alftille.
— 387: myn arm vude myn beyn ys fo eyn fpille. — 386: ick wende
vnde kcre myck wur ick wille. — 389; ick eyn kan meck van den
wormcn nicht wenden. — 390: de willen meck vorheren vnde vor-
enden. — 391 und 392 fehlen. — 393: ohne. — fcryn. — 394. 395:
su üele al de fcbult ys dyn, — 396: ick liggc hyr yn der laden eyn
bynnen. — 397: werld gewynnen. — 398: ick eyn konde nicht eyncn
vynger reghen. — 398a: dar vmrae vare hen dat dick god feghen.
— 399—408 fchit. '- 409: ftundt. — 410; ick mod todön mynen
mund, — 411; ick eyn antworde deck nicht mer fo fädle. — 412:
31
I wy moten buweD de grünt der lielle. — 413: me wyl vns voren
3lo bade. — 414 und 415 fehlen. — 416: dar wil mangheii tyn neyn
gnade. — 417: schule de wile du machft. — 418: alze du wol be-
dachrt. — 418a: ick mach ock noch eyn cleyne ftän. — 418b: ick
vroelite id wil myck draderi ouel ghan. — 419 — 434 fehlt. — 425:
hast an]hefft hute yci. — 426: rede]hyr. — 427 und i2S fehien. —
429: sere]yil. —430: oth helpet dick euer cleyne, — 431: fpreckeft.
— 432; mochtejfo mofte. — wol fehlt. — 432a: ick was dick to
ejTier fruwen glieueu. — 433: ik was dyjviide du lueck. — 434:
hedde we nu beyde wol ghi^dän. — 435: ao mochte we to der ewygen
vroude gän. — 435a: des was dyn Tchult eyn grod deyl. — 4:i5b:
vnde ya nu vnfer beyder vnheyl, — 435c: du Tprekeft de fchult were
myDe. — 436 — 446 fehlt. — 447: suiider dar quenien etc. — 448:
rath. — 448a: dat kummel vns nu gar vucuun. — 449: leuen lange.
— 450: vmme de Funde lath deck nicht bange. — 451: leue wol
vrylikea yn den falden. — 452: van. — beghynueft. — • 453: loko |
bar to. — 454. 455: so Tcaltu deck iia wyrhoyt pryren. — 456: vnde
dek to godde keren. — 457: vnde vor den fanden weren. — 451^
fehll. — 459: beide] Icyder. — vorraden. — 460: vnde ya nu to den
guden werken to fpade. ^461: nu ya oth to late vnde vmme fuß.
— 462: dar vtnrae möge wy wol begheuen vns. — 463: vnde nicht
mer vnderlangk rayd leyde leuen. — 4C3a: van goddea ogheu niote
~ 1 gheuen. — 463b: we moteii doch juinnier fyu vorloreo. —
I63c: vnde to jamerliken fciyen boren. — 464 fehlt. ■ — 465: nu janier-
Iker ogen vnde wanghen. — 466: mit duseut Jsach myd. — 467 fehlt.
' - 468: alzo grod ys dat weyneii. — 469: oth mochte erbarmen allen
(enen. — 470: weren worden fo. — 471: vnde allen duuelen gemcyne.
-472: nochten. -— 473 und 474 fehlen. — 475: achjae Tprak. —
; wur. — verwe. — 477: dyn fchone. — 478: antlaed flund. —
eyn war. — 480: me, — ny ] nu. — 4SI: wur ya nu de rode
i etc. — 482: lachede ] luchtede. — 483: datjle. — nu. — 484:
für ys nu dyn kyo vnde dyn kele blanck. — 484a: vnde dyn fteiipne
I fo lüde fanck. — 485: dy haut de dar nochteu hangkt. — 486
fehlt. — 487: dat aelde fo. — bedwanck. — 488 und 489 /"eWen. —
490: iojfo. — 491: dat oth liomodes wolde plegen. — 49la: de
licham fiuk ouer begunde lo reghen. — 491h: aele lath meck liggen
dat dick god fuglien. — 492 fehlt. — 493: foclkes. — 494: do waa
myck wil lofif de dach. — 495 — 501 fehlt. — 502: sunder nu der
fchiuen flach. — 503: leyder nicht lenger lopen mach. — 504: o we.
^^- jw. — woljvele. — 505: wu. ^ vp duffe vardt. — 506: dar ick
^H^n heyiighekard. — 507: dat]dath. — bewarth. — 508: caftiget.
^^p>- 509: myd roden ghewyget. — 510: dat ick uiyd fuchten hedde
^Cryget. — 511: hedde. — unsjick. — 512 und 513 fehlen. ~ 514:
hyrto ys de l'ander geneget. — 515: vleyfches. — batjmere. — 516:
mere. — na]to. — strevet ] neghet. — 5I6a: nu was ick dick alto
Jeff beheget. — 517: late. — duffe. — beftan. — 5!8: od modt hyr
I eyu fcheydent ghan. — 519: wol gndän. — 520; dat mochte vns
1 wefen funder wan. — 521: vorladt dyne clage. — 522: moten. —
32
523: dem. — 524: alghelike. — 525: mod. — algelike. — 5J26 und
527 sind umgestellt. 527: vnde wil vns in de helle driuen. — 526:
dar mote wy jummer to famende bliuen. — 5-28: dar ymme dat wy
boße weren in duffem liue. — 529: to hopejmyt weynen. — 530:
an] in. — aa]yn. — 530a: vnde yn allen leyden wy liden moten. —
531: du8ent]duffen. — wil fehlt. — grote. — 532: ick mod rumen
duffen hoeflf. — 533: unde fehlt. — dyn orlSflF. — 534: du moft
werden ftoeflf. — 535: an]to. — 536: kerde. — wedder van. — 537:
in fo wunderliker vare. — 538: näm orer. — grote fehlt. — 539:
rep]fprak. — 540: zele fta fo lange ftunde. — 541: wente]dat —
van. — 542: eyn dingk wynnen kunne, — 543: segge. — isanjicht
in. — 544: ienich troft möge we0en. — 545 und 5i6 sind umgestellt.
546: ifift dar yenich möge genesen. — 545: hordefta nu dar äff le0en.
— 547: van hunen edder van reßen. — 548: hefft. — dar der. —
fcone. — 549: de hyr fittet vp orem trone. — 550: vnde leuen in
groter done. — 551: mere wan eyne. — 552: achtet men dar vorften
nicht. — 553: grote fehlt. — 555: altomalen myt nicht. — 555a:
schut dar den prelaten yenige gnade. — 556—560 fehlt. — 561. 562:
de hyre myd den heren gan to grotem rade. — 563 und 564 sind
umgestellt: 564: ghelick eyner bieten maden. — 563: ryden de
duuele etc. — 565. 566. 567: achtet me de monnicke dar nicht myt
den kappen. — 568: voten ] fchouwen. — de] grote fticke. — 569:
den houeden. — groten ] breyden. — 570: bunten ] naten. — 571 — 573
fehlt. — 574: hyr mede wes nu bericht. — 575: se hebben fo grote
fchrycht. — 576: nichte8]mer. — 577: ienich] dat ewige. — 578
fehlt. — 579: den duuelen fo groten. — 580 fehlt. — 581: dat ohne
eyn dach duncket hundert yar langk. — 582: me hört dar nummer
foten fangk. — 582a: sunder eyn an den anderen hangk. — 583:
vnde ropet iummermer o wy o we. — 584. 586: nummer hört me dar
dat wort aue. — 585 fehlt. — 588. 589: schryghen fo de hungeren
hunde. — 590: ore yamerliken benden. — 591: voeyten. — das sweite
an fehlt. — 592 und 593 fehlen. — 594: hebben nummermer ende.
— 595: vnde one mach me neyne hulpe fenden. — 596: alßo. —
597 fehlt. — 598: ibi nuUa eft redempcio. — 598a: dar nu neman
vorlofinge vornam. — 598b: swich fprack do de licham. — 599: ick
hebbe deck eyn noch gevraghet. — 599a: du haft meck ock eyn noch
gevraghet. — 600: du haft meck ock eyn noch ghefaget. — 601 fehlt.
— 602a: dat de dach jw was bedaghet. — 603: ye fehlt. — boren.
— 604a: ach hedde nu weft eyn dere. — 605—608 fehlt. — 609:
weren vorgän. — 611: wur. — arme fehlt. — 612: duuele. — groten
kiuen. — 613: 8e]vnde. — van. — hinnen] hyre. — 614: o we o wy
vnde we. — 615: nu fee ick dick nummermer. — 616: wente toj
vor. — 617: wan ick dick vor dat richte drage. — 618 fehlt. —
619. 620: o we nu komen twe duuele dare. — 621: in fo yamerliker
vare. — 622: vleghet. — heßen. — 623: alze. — vth. — eße. —
624: fban. — 625: vnde bernet fo twe peckgropen. — 625a: dat vth
orem munde vloth. — 625b: dat ys vorgyfftaiffe grod. — 626: en
bouen. — 627: bernet fe fo twe backouen. — 628: van. — 629: stad
33
ohne voertackeD. — 630: krummichlyck vnde grod. — 631: de fweffe! vtU
oren oghen vlod. ^ 632: or tunge ya eyn breyd worin. — 633: de
roppet vnde inaket groten ftörm. — 634 und 635 sind umgestellt.
635: or. — ys. — 634: myd. — das siceite mit fehlt. — G3G: oi-e
antlaed ys gruwelyck. — 637: de zele lielt fick jammerlick. — 638:
aejvnde. — jhefu. — 640. 641: erbarme dick ouer meck armen feie
here. — 642: dorch dyner moder ere. — 643: fpreken. — 645: kan.
— fcheyn. — 646: von hennen ]heyn. — 647: to deme dat etc. —
648: kura. — darjvna. — 649: ae voreden l'e myd bolderen worden.
— 650: der. — 651: kernen. — duuel. ^ 652; entfengen. — myd
grotem, — 653: wylkomen frund. — 654: mundt. — 655: myd. —
656: tbo. — 657; wath radelt. — 658: vorvlocket mote myn moder
fyn. — 659: dröch. — 660: eyn floch. — 661: do]dat. — van. —
qwam. — 662: vorviocket. — 664: bot vorgheten. — 665: vorvlocket.
— ore. ~ 66G: vorvlocket. — vleyichlike. — 667: dat he jw myti
vader wart. — 668: wu cleyne dachte ick vp dufl'e vardt. — 669: dar
ick nu lieune fchal. — 670: feden. — dissejde. — 671 fehlt. — 672
ringk. — Torbadt. — 673: dat werde de hath. — 674 feldt. — 675
ick byn eyn vorvlocket creature. — G77 fehlt. — 678: alle. — 679
dat ick jiimmer kän nomen. — 680: myner]myek. — rad. — 681
hymmel. — erde. — 682: man. — 683: hymmelfcbe. — 684: vor-
vlocket, ~ 684a: vnde alle de dingk de by godde Tynt. — 685: vnde
de by godde wooen. — 6ÖG: de duuel fede dat ys eyn gud done. —
687: du fcalt noch t-yn gud leyth finghen. — 688; bade]bedde, —
689: de sele sprak feJdt. — modt. — 690: dea ick numraermer kan
vorwynneu. — 691; gode]guden dioge. — blynd. — 692: vor-
vlocket. — of, ^ 693: werlt gefchapen. — 694: vorvlocket l'yn leygen
vnde papen. — aus 695 sind drei verse gemacht. 695a: vnde alle de
fe jumnier eren. — 695b: vnde ore loff meren. — 695c: myd henden
vnde myd tungen. — 696: de duuel fprack du heft echter wöl ge-
rungen.— 697: nu kum yn de afl'grunde. — 698: vorvlukende] boßen.
— 699: dumpenjdreiicken, — l'o. — 700: achriest iummerjriQgeft
nummer. — 701: ward, — gheluncket. —702; der affgruiid. — 703:
dar fe nummer feal rauweu. — 704 : noch goddes aiitlate befchauwen.
— 706: gloyndigen beten — 707: also] dat. — 708: darmede wart
fe geriageij. — 7Ü9: ore. — 710: van folkem jaraer eck entwakede.
— 711: vnde ieyth fo yamerliken fcbrey. — 712: van, — groten fehlt.
— 7!4: gnade here god wu is myk alfus. — 71 4a: wu ys myk ghe-
Tcheyn. — 715: wadt hebbe ick wunders gefeyn. — 716: an dulTem
riken manne. — 717: dat mote godde entfermen, — 718: dat de mynTcha
jw to der werlt wart geboren. — 719: myd. — achal werden'Jys, ^
720: dat dat gud. — hope j Tarnende. — 721; dar god nicht van ge-
louet wcrd dach vnde n:icht. — 721a: duth ys der zele clage. —
721b: god vorlatL- vus allen vnfe plage, amen. — 722—736 fehll.
BERLIN. Herman Brandes.
)at waterreeht
■ Emder und Auricher Handschrift,
Unter dem Namen Rooles ou lugetiiens d'OUron ist uns ein altes
Seerecht, dessen Anfange wir ohne Zweifel an den Küsten des mittel-
ländischen Meeres zu suchen haben, in französischer Sprache erhalten.
Dasselbe ist an der Westküste Frankreichs entstanden und nach der
dort gelegeneu Insel Oleron benannt. Seine Zusammenstellung gehört
dem Anfange des XIII. Jahrhunderts an '). In der folgenden Zeit
wurden von diesem Seereclite voUatändige oder partielle Redaktionen
in der kastilischen^ Hämischen, englischen, holländischen, dänischen,
schwedischen und niederdeutschen Sprache angefertigt, welche nach ge-
troffener Vereinbarung unter Kaufleuten und Schiffern für bestimmte
Gegenden oder Länder Gesetzeskraft hatten. So sind in Flandern gegen
die Mitte des XV. Jh. unter Zugrundelegung der 24 ersten Artikel der
Rooles d'Ol/rron die lagemens de Damme und die Loh de Wcsteapelle
hergestellt''), welche iu flämisch-holländischer Spruche weder inhaltlich
noch sprachlich wesentlich von einander abweichen. Vor deren Ent-
stehung, vielleicht schon im XIV. Jahrhundert, muss eine ältere Ue-
daktion von den erwähnten 24 Artikeln in flümischer Sprache existiert
haben oder noch existieren, welche das Original der Emder Abschrift'),
die sich zwischen dem ostfriegischen Landrecbte und dem Dyk- und
Zylrecht unter der Überschrift: Hyr begitit dai watcrrechl findet, ge-
wesen zu sein scheint. Obgleich letztere erst um die Mitte des
XVI. Jahrhunderts geschrieben ist, so dürfte ihre Quelle trotzdem in
der angegebenen Zeit entstanden sein, weil jene Abschrift sich an den
französischen Text der Rooles d'Oleron enger als die lugentens de
Damme und die Lois de Wentcapelle anschlieast und abgesehen von
wenigen holländischen Wörtern in flämischer Sprache abgefasst ist
Zu jenem spezifisch flämisch geschriebenen Seerechte wurde, wie mit
Recht angenommen werden kann, noch in der ersten Hälfte des
XV. Jahrhunderts eine Neubearbeitung der seerechtlichen Bestimmun-
gen, die zwar von den Rooles d'Olero» abhängig, aber grösstenteils
gelbatständig war, unter dem Namen Ordinancie mit mehr Anklängen
an das Holländische hinzugefügt, welche beide in der von mir aufge-
fundenen Handschrift abschriftlich neben einander stehen. Dieser
') Vgl. Pardessus, Collection de loia maritimes aclcrieurcfi au XVIII aücle
1 (Paris, 1828) S. 2ö9.
') Vgl. ebead. S. 3G7.
') Bibliothek der hiesigen grossen Kirche Nr. 10.
35
Ordinancie, welche nach den Ortsbezeichnungen schon mit besonderer
Rucksicht auf Amsterdam aufgestellt ist, scheinen die bei Pardessus
S, 403 ff. gedruckten Ordlnancien, die in den Handschriften bald den
Namen von Stavern, bald von Enchuysen, ara hilufigsteü aber von
Amsterdam tragen und in dem Inhalte sehr nahe Verwandtschaft
zeigen, in einer stark holländisch gefärbten Sprache gegen Ende des
XV. Jahrhunderts nachgebildet zu sein. Ausserdem beruht auf dem
flämischen Waterrecht und der Ordinancie das 1505 zu Kopenhagen
gedruckte niederdeutäcUe Wisbysche Seerecht von § 15 an, während
die ersten 14 Artikel aus dem Lübischeu Kechte genommen sind.
Von der Emder Handschrift jenes Waterrrclits nebst Ordinancie ent-
hält die bisher nieht bekannte und in der landschaftlichen Bibliothek
zu Aurich aufbewahrte Handschrift (fol. 13] ausser audern Bestand-
teilen unter dem Titel: Hirna volyt dat tcaler-reclU vnde dal ScMp-Recht
eine im grossen und ganzen sinngetreue niederdeutsche') Übertragung,
die, wie sich aus der fünfmaligen Erwähnung der Stadt Embden neben
der einmaligen Anführung des Namens Norden mit Sicherheit Bchliessen
lässt, mit spezieller Rücksicht auf Ostfriesland hergerichtet ist. Wir
dürfen als die Zeit ihrer Entstehung ohne Zweifel die zweite Hälfte
des XVI. Jahrhunderts, während welcher Emdens Handel in hervor-
ragender Weise blühte, ansetzen. Von der Emder und Auricber Hand-
schrift gebe ich im Folgenden einen möglichst gemiuen Abdruck, in
welchem der Übersichtlichkeit wegen die sich entsprechenden Artikel
durch fortlaufende Zublen bezeichnet und hier und da Veränderungen
der Lesezeichen vorgenommen sind.
Emder Handschrift.
1, Iniith eerste Men maket encn
man mester vnn encnu schepe, dat
boert tho em twen ofi' dren. Dat
Bchyp vaert vtb den lande van
daer, het sy offte komc thor
sluess*), tho bcrdeus^J, tho roütszel*)
off anders waer, vnde ys geuracht
in fremden landen tho segelenn,
so mach de mester dat scbip nicht
verkopen, he en Iiebbe oerloff van
den genen, den dat schip tho be-
hoert. Man befft he tho done van
vitalie, so mach he wal van den
Anricher Handschrift.
1. lut Erste man makett einen
Man tho einen Schipper, vnde datt
Schip beeret tho ein Mau, twee
oder drie, die den Öhren Schipper
vltreden mett dat Schip, vnd die
Schipper fahret vtt raett dem
schepe tbor Schluess oder nha
BordeuB offte anders waher vnde
i& gefracbtet in frembde Lande
tho segelen, so mach die Schipper
dat Schip nicht vorkopen, he hebbe
dan ohrloff van den genen, de datt
Schip thohoeret vnde ehnn vtt-
') Die aodera nr!. Handschriften Bind von K. Koppmann (Hansische Geachichta-
blfiUer Jahrg. 1S72, S. 176 ff.) dea weiteren behandelt. Zu diesen kouinieo eine
von mir in der Bibliothelt der kiesigen „Kunst" (Nr. 77) eDtdci:kte vou Juhre 1600,
und eine ;twette, welche iu der Eg. Bibl. zu Hannover (nr. 1421a) aufbewahrt wird;
sie gehiirt dem XTI. Jh. an und iat 1(<65 ms Mohltnanna Nachlaas zu Emden gekauft.
') früherer Hafeuurt von Brügge uud Damme.
') Bordeaux,
*} Rochelle.
36
getouwe tho pande setten off leg-
gen by raedt van den schipmannen.
2. Een schyp licht in een bauen
verbeydende de tyt vnde wynt,
vnde alst van daer varen sal, so
is de mester scbuldicb, raedt tbo
nemen myt synen scbipluden vnde
em tbo Seggen: Gby beren, gy
bebben wint tbo seylen. Weer
daer dan ene van den scbipman-
nen, de spreke: De wynt is nicbt
guedt, so is de mester scbuldicb,
ouer een tbo dragen myt der
meeste partyen; vnde dede be an-
derss vnde dat scbip daer aucr
uorloere, so weer be scbuldicb,
dat scbip vnde guedt tbo geiden
off so voele, alss be befft waer-
mede.
3. Unde yst, dattet scbip brekt
in enicb landt, tbo welker stede
(352) dattet sy, de scbipluede
synndt scbuldicb, dat guedt tbo
bebolden, alss se best mögen vnde
meest. Unde ist, dat se hem bel-
pen, so is de mester bem oer loen
scbuldicb, vnde befft be geen gelt
van den guede, dat se em belpen
bebolden, so moet be se wedder
brengen tbo oeren lande ; belpenn
se em nicbt, so is bo bem nicbt
scbuldicb. Unde se sullen oer loen
verlesen, alss dat scbip is ver-
loeren. Unde de mester en macb
oeck dan dat getouwe nicbt ver-
koepen, be (en*) bebbe oerloff
van den genen, den dat tbo be-
hoert. De scbipmester scbal in
allen dingen getreu wesen, alss
geredet bebben. Man beefit he
tbo doennde victualie oder Pro-
uande, so mach be woU van den
getouwe, so vele be van dem schepe
missen kan, tbo Pande setten by
raedt vann andere scbipluedenn.
2. Ein Scbip ligtt in eine Haue
vnde vorbeidet die Tyt vnde die
Windt, alss bet dan fahren sali,
so is die scbipper scbuldicb, raedt
tbo nemen mett synen scbipluedenn
vnde seggen ebnen tbo : Gby Heeren,
gby bebben goefden Windt tho se-
gelen; weer daer dan eine van
den Schipmannen, die spreke: Die
Windt Is nicbt goedt, so is die
Schipper van datt Scbip scbuldicb,
auereen tbo kamen mett die meeste
Stemme oder Partbie. Dede he
daerauer anders vnde datt Scbip
wurde daerauer vorlaren, so wehre
die Schipper scbuldicb, so ferne
he datt In syner machtt hadde,
datt Scbip vnnde goedt tho gel-
denn vnnde betalenn.
3. Weertt oeck Sake, datt Idt
Scbip gebreek krege vnde sick be-
fruchten, datt Idt vorgaen solde,
so sinnen die scbipluede vnde
Bootsgesellen scbuldicb, datt goett
tbo redden vnde tbo vorwaren
mett den Scbipper ehren bestenn
Vormoegen nha. Vnde Ist sake,
datt sie den Scbipper truwelick
in syner Nodt bystaen vnde bel-
pen, so Is die Schipper ebnen öhr
lobnn tbo geuenn scbuldicb. Heft
oeck die Scbipper geen geltt van
dem goede beboldenn (14a) vnde
nicbt so vele gereddet, so moet
be die scbipluede brengen tho
Lande, daer sie gehörig; belpen
sie ehme auerst nicbt truwelicken,
datt goett tbo redden vnde bergen,
so Is die Scbipper ebnen nicht
') Das Eingeschlossene ist von mir ergänzt.
37
he meest mach, vndo deyt he an-
derss, so is he schuldich tho be-
talen.
4. Een schip vaert vann der
sluess off van anderen sieden, vnde
het geualt, daUet breckt. Men is
schuldich tho beholden, alss men
meest mach, van den wine off van
anderen geladen guedcren. De
mester vnde de koepluede worden
in groter twisth, de koepluede
tegens den mester, vmme tho heb-
ben oer guedt; de sindt wal schul-
dich, tho hebben oer guedt, gel-
den se de vracht, so vecr alss dat
de mester genoeget. Dat gebroken
schip sal men wedder laten be-
reden, ist dat ment beteren mach
in körten tiden. Men is des nicht,
so mach he een ander schip' hueren
vnde de vaert vol *) doen, vnde he
sali hebben (353) syn vracht vann
all den guederen, de daer beholden
synnt in eniger maueren.
5. Een schip vaert van enyger
hauen, geladen off ydell, vnde is
gekomen in een ander hauen. De
schiplude sin schuldich, nicht vth
den schepe tho gaen sunder des
schuldich tho geuen , vnde sie
soelen öhr lohnn daermcde Ver-
liesen, wan datt Schip vorgaen
oder vorlarenn is. Vnd die Schip-
per mach oeck datt Getouwe alss-
dan nicht vorkopeu, he hebbe dan
ohrloff van den genen^ die ehme
vttgeredet hebben. Die Schipper
sali oeck syne Reders in allen
dingen getruwe wesen nha synen
hoegesten vormoegen. Wurde an-
ders van ehme gehoeret ynnde In
der Waerheit befunden, so Is he
schuldich, Schip vnnde goett tho
betaelenn.
4. Ein Schip fahret van Embden
offte van anderen steden, vnde
datt Schip kricht gebreck vnde
vorgeitt, so Is menn schuldich,
datt goett tho redden vnnde ber-
gen, so veele alss man meest kan,
Idt sy Wyn oder ander geladen
goederen. Die Schipper vnde die
Coopluede werden onder den an-
deren twistich, vmme tho hebben
Öhr goett van den Schipper, so
sinnen sie woll schuldich, tho heb-
ben Öhr goet, wantt sie gelden
die Vracht, so ferne als datt denn
Schipper genoeget. Werdt oeck
datt gebraken Schip oeck gereddet,
so sali ment in körten tyden weder
laten bereden, kan men dat Schip
oeck nicht weder 'maken, so mach
die Schipper ein ander Schip huiren
vnnde die Faertt voUenbringen
vnde voll doen, vnde he sali heb-
ben syne fracht van alle goederen,
die daer beholdenn sindt inn ei-
niger manierenn.
5. Ein Schip fahret van einige
Hauen geladen offte ongeladen
vnde is gekamen in ein ander
Hauen, so sinnen die schipluede
schuldich, nicht vtt dem Schepe
*) Hs. : wol.
mesters oerloff. Want wcert, dattet
argerde ^) off vorloren worde by
eneger auenturen, se werent scbul-
dich tho beteren. Man licht dat
schip gemeert') niyt veer touwen,
so mochten se wal vthgaen vnde
wedderkomen by tyden.
6. Het geualt, dat schipkede
hem voerhueren ter tyt oeren
mester vnde enicb van hera lueden
gaen vth den schepe sunder oer-
loff vnde drincken druncken') vnde
maken gesti-j'dt off twyst ; het ge-
ualt, dat dar enich gewundet wart,
so is de mester hera luden nicbt
schuidich, laten tho arsten off ge-
nesen up desB Bchepes kost, man
he mach se uth den schepe laten
vnde hueren anderen in de stede
van hem lueden. Vnde kosten sc
meer, so suUen se dat betalen
vnde den mester wedder keren,
dat se van hem vntfangen hebben.
Man sende se de mester in enigen
deusten van den schepe, daer se
hera quesseden offwimdeden, men
sal se (354) gesundt laten makenn
vp dess schepes kost.
7. Het geualt, dat enich schip-
man myt kranckheden of seeckte
ouerkumpt, het sy hem twen off
dren, de wile se noch sindt in den
deust van den schepe vnde mögen
in den schepe van kranckheeden
nicht bliuen, so is de mester sehul-
dich, hem vth den schepe tho
nemen vnde yn een herberge tho
leggen vnde tho brcngcn vnde hem
') Schaden liitf.
') vor Anker.
") betrinken eich.
tho gaenn sunder des Schipmeiat«
ohrloff. Want weer Idt sake, da^
Idt Schip schaeden krege ofte vor-
laren wurde by missauentiir. so
weheren sie schuidich, datt Schip
tho beteren. Dan hcht datt Schip
vor Ancker mett veer Touwen, so
muchten sie woll vttgaen vnnde
weder kamenn by tydenn.
G, Idt gefaltt, datt die Schip-
luede sick vorhuiren tho ein seker
(li>>) tytt ehren Schip - Meester
vnde einich van den schiplueden
gaen vtt dem schepe sunder ohr-
loff vnde drincken sick vul! vnde
maken Strydt ofte Twist, liett ge-
faltt, datt der Schipluede einer
daerauer gewundet wartt, so is die
Schip-Meester ehm nicht schuidich,
laoton tho arsten op syne kost,
dan he mach sie vtt dem schepe
laten vnde huiren ander in die
Btede, vnde kosten die ander "meer,
so Eoelen sie datt hetaelen vnde
den Regenten van datt Schip dat-
sulue weder geuenn, dat sie van
ehme ontfangen hehbenn. Dan
senden die Schipper vnd Rogente
die Schipluede van denn Schepe
in einigen dienst vnde sie daer
gequetzet oder gewundet werden,
so sali men sie gesundt weder
laeten maken op des Schippers,
regenten vnnde desSchepesonukost.
7. Idt gefaltt, dat ein Schipman,
twee oder drie mett einer Ki^anck-
heit beladen werden, dewile sie
noch sinndt In dem denstc van
dem schepe, vnde moegen in dem
schepe van Kranckheden nicht
bliuen, so is dieSchipmeister schui-
dich, die crancken vtt den schepe
tho nehmen vnde In ein Herberge
tho leggen vnde bringen vnde ehnie
bestellen keeras liclit by tbo seen
vnde ene van den schiplueden by
bem, vm tho vorwaren vnde hem
tho voerseen myt suicke spyse,
alss men in den scliepe behoefft,
vnde geück men hem gaff, do be
gesundt was, vude anderss nicht,
ofi' he wilt doen vnde wil, dat he
koestelickespise bebbe. De meater
ia hem ßicbt schuldich tbo geuen,
be en sy vp dess raestera kost,
vnde dat echlp en is nicht scbul-
dicb nha hem tho beydoD, man
tho seylen, alst rede vnde verdich
ist. Vnde is dat sake, dat he
gOEUut wort, so sal he hebbcn syu
vulle huerL', vude sterfft he, so
saJt sin wyff offerffgename hebben.
Een schip vaert van der
s off van anderen steden. Het
lalt, dat bem torment tbo kumpt
Dderzee, vnde mach nicht lideti,
mder schade van guedt tbo wer-
pen. Se sindt sebuldich, den koep-
luedeo to togen vnde dat se seg-
gen oeren willen, ("555^ dan mach
men wal wei'pen by auentueren,
(die reden) tusscben den koepluden
vnde den mester wardcn aldaer
tea klaersten. Vude yst, dat de
koepluden nicht tho laten tbo
werpen, de mester sal daervmme
dat werpen nicbt laten, in den
dattel guedt duncket hem dreu
van synen geselleD tbo swereo,
alsa SU tbo lande koemen syndt,
dat se dat deden, vmme tbo be-
bolden lyff vnde guedt vnde oeck
dat scbip, vndi; soggen dan, datter
geworpen is. Dan sal dat gewor-
bestellen Keerselicbt daerhy tbo
sien vnde eine van- den scbipluedea
daerby, den crancken tbo uorwaren
vnde den Krancken vnd Scbipmau
mett solcker spyse, alss men in
dem schepe behoeuet vnde gelyck
als menn hem gaff, do he gesundt
was, vnde anders nicht, Idt wehre
dan sake, die Schipper wilde ehmo
vtt guedicheit met ander Spyse
Vorsorgen, Die Meister oder Re-
gent des Scbeps Is ehme nicht
schuldich tho geuen, he sy dan
op des Schippers oder Regenten
Kost. Oeck is datt Schip nicht
schuldich, nha den Krancken tbo
beiden, dan tbo segelen, alst rede
vnde feerdich is. Ist oeck auerst
sake, dat die Krancke gesundt
wurde, so soelen sie hebben Öhre
volle Huire, steruen sie oeck, so
sollen dat iihre echte Vrouwe heh-
benn, ao moegen datt vormahneu
oeck, die gene echte Frouwen heb-
ben, Öhre negeste Eruenn.
's. Ein Schip fahret van Embden
oder van Norden, vnd Idt gefalt,
(15a) datt ein Peryckell thokumpt
vtt der zee, vnde mach nicht vorby,
sunder schade van goett tbo wer-
pen , so sinnen die schipluede
schuldich, den Coopman tho toenen
vnde ahnthoseggen, wo he tegen-
wordich is, dat sie datt goett
rooeten werpen, vmme tihr lyff tho
bergen, alssdan moegen sie woll
werpen; sinnen oeck die Coopluede
oder Reeders tegennwordicb op
dem Schepe vnde willen nicht con-
senteren oder vuUboort geuen tho
werpen, so sali die Schipper oder
die Regente des Schepes daerumme
dat werpent niet nhalaten, vmme
Öhr lyff tho bergen, indeme Idt
goedt beduncket drie van syno
Doetzge seilen, die datt willen sweh-
ren, als sie tho Lande gekamen
40
pen guedt gepryst oflft werdeert
worden van punde tlio punde vnde
gedeelt vnder den koeplueden vp
dat guedt, dat daer beholden is.
Ynde de mester is schuldicb, daer
äff tho gelden alss van synen
schepe off van syne vracht yn een
vorsettinge sinre schaden. Elck
schipman sal een vat fry hebben.
Hebben se meer guedes, dat sal
men delon an de schade, nha dat
daer elck in hefft. Man ist, dat
se sick nicht eerlicken verweren
vnde arbeyden in den noeth alse
guede knapen, so sullen se geen
dinck fry hebben. Vnde dess sal
men den mester gelouen by synen
eedt.
9. Het geualt, dat een mester
van enen schepe karfft synen mast
by groedt vnweer off storm, he iss
schuldich, tho ropen syne koep-
luede. Man synt daer gene koep-
luede ynne (S56)^ so sal he ropen
den stucrman vnde dat meeste
deel van den schip kynderen in
een getuech vnde thonen hem,
dattet van noden sy, vmme tho
holden lyff, schip vnde guedt. Dess
gelikes oeck alss men houwet de
kabel vnde den ancker leth vaoren,
vmme lyff, schip vnde guedt tho
bargen, so ys men schuldich, tho
prysen van punde tho punde, alss
so werpen. Vnde dan sullen de
koeplueden daer äff gelden, eer
se oer guedt vt den schepe nemen.
Vnde weert, dattet schip droge
sete off vp drogen lande were
sindt, dat sie datt deden, vmme
tho beholden Schip, lyff vnde goedt,
vnde noemen dan datt gene, dat
daer geworpen is, alssdan sali datt
geworpen goett geweerdeeret wer-
denn van Punde tho Punde vnde
gedelet onder die Cooplueden op
datt goet, datt daer beholden is
in dem schepe. Vnde die Schipper
oder Regente is schuldich, daeraff
tho gelden alss van synem schepe
offte van syner Fracht in eenn
Vorsettinge syner schaden. Elck
Schipman oder Boetzgeselle sali
ein Vatt vry hebben, watt sie meer
goedes hebben, datt sali men delen
ahn den Schaaden, daernha datt
ein Jedtlick in hefft. Dan Ist sake,
datt die Boetzgcsellenn sick nicht
eerlicken vorwehren vnde arbeiden
in der Nodtt, als goede Boetz-
gcsellen thosteitt, so soelen sie
geen dinck fry hebbenn, dess sali
men oeck den Schipper oder Re-
gente des Schepes geloeuenn by
synen Eedtt.
9. Idt gefaltt, datt ein Schipper
durch groten Storm vnde onweder
synen Mast moett houwen, wo dan
syne Reders oder Coopluede in
dem schepe sinnen, den moet he
datt ersten tho erkennen geuen,
sinnen se daer nichtt, so sali he
datt den Stuirnian vnde die vor-
nemeste Boetzgesellen ersten tho
erkennen geueu tot ein Getuiche-
nisse vnde seggen, dattet van gro-
ten noedenn sy, alss sie vor Ogen
sien, vmme tho bergen lyff, Schip
vnde goett. Hefft men die Tytt,
so is men schuldich, tho weerderen
van Punde tho Punde, gelyck ofte
sie werpen. (^5^>) Dan soelen die
Coopluede daeraff gelden, eher sie
Öhr goet vtt dem Schepe nemen.
Weeret auerst sake, dattet schip
droege sete ahm Grundt ofte op
I de mester beydc vtnnie geual
Sfhelinge van synen lueden,
int schip enich guedt
ickende worde vnde vth den vate
B, so sal de inCBter daer äff
der schade bliueii vtide sal
ber äff hebbenn syne vracht ge-
ick aisa van anderen guederen,
Het geiialt, dat de mester
Nimpt by der stede, daer he vnt-
tden sali, he is schuldich, den
Ttoeplueden tho toenen de koerden
vnde dat getouwe, daer he niede
winden Ball, Vnde ys daer yet
wat an tho heiteren, dat rnoet he
beteren. Want worde daer aner
een pipe wynss off ander vracht
verloren by gebreck van den ge-
touwe, so is do raester myt den
schiplueden schuldich, den schaden
tho betteren, vnde de Diester moet
(357) dat andelen aiiermits, dat
he nimpt windel geldt in vorset-
tinge der schaden, eersten eer de
tremenant') moeten syn gedeelt
nder hem lueden. Man brecken
1 touwen, eer dat se de touwen
|en koepluden toenden, so synt
I schuldich, al den schaden tho
telden. Man Seggen de koeplueden,
Bittet getouwe guedt sy vnde atarck
l^de daer auer tho breckt, so ys
Ick koepman schuldich, te delen
tk verloep der schaden, eick koep-
geldcn syn dcel ceuen
»le.
Een schip iss thar sluess
f in anderen steden, vm wyn tJio
vnde vacrt van daer ge-
llden. Vnde de mester off syn
Rbiplueden en vorsekeren nicht
■en fustulen') noch oere sloeten,
! se schuldich weren tho doen,
droegem lande wehere vnd diu
Regente van dem schepe by on-
gefall offte scheelinge van synen
lueden , so in dat schip einich
goedt leckende wurde vnde vth den
vaten lepe, so sali die Schipper
daeraff sunder schaden bliuen vnde
sali daeraff hebben syne Fracht
gelyck als van andere goederenn.
10. Idt gefaltt, dtttt dieSchipper
kumpt by der stede, daer he ent-
laden sali, so is he schuldich, den
Cooplueden tho thoenon dat Ge-
touwe des schepes, daer he mede
winden sali. Is daer iedt ahn tho
beteren, datt moett ho laeten ma-
ken. Wante wurde daerauer ein
Vat Wyns ofte annder Fracht vor-
laren by gebreck van die Touwen,
30 is die Schipper oder Regente
schuldich, mett synen Schiplueden
den Schaden tho beteren. Die
Schipper inoL-tt datt delen auer-
middelst, dat he nimpt Windegelt
in versettinge der schaden, ersten
eer die Treminant moeten syn ge-
deelt vndor den lueden. Dan bre-
ken die Touwen, eher datt sie die
Touwen den Kooplueden toenden,
so sinnen sie schuldich, all den
schaden tho gehlen. Man segge(ii)
(de Coopluedc), dat Idt Getowe
starck vnd goett sy, vnde daer-
auer brecktt, so is elck Coopniaii
schuldich, tho delen nha verloop
der schaden, elck Coopman sali
gelden synönn Deell gelycke veelc.
11. Ein Schip is tho Dortl in
Hollandt oder op ein annder plaetsc,
vmme Wyn tho laden, vnde die
Schipper offte syne Schiplueden en
vorsekeren ehre fustulen noch öhr
sloeten nicht , als sie schuldich
weheren tho doen, Idt gefaltt. datt
vnde liet geualt, dat fitorm offte
quaet weer vp kumpt vnde de
fuätele breckt vnde dat vath off
pipe licht den bodem vlh, doch
dat Bchip kumpt behoMeii auer;
de koepluede seggen, dat by der
fustulen oer wyn verloren sy, de
mester aecht, dat des nycht en sy;
ist dan eake, dat de mester vnnde
dre off veer van synen Bchipluden,
de de koepluede daer vth kesen,
willen sweren, dat de wyn nicht
verloeren sy by den gebrecke viin
den fustulen noch van sloete, so
sal de mester fry weaen vnde looss.
Man ist, dat se dat nicht willen
sweren, so sint se schuldich, den
koeplueden tho uornugen off ver-
setteii, vul tho doene (358) van
den schaden, want se synt hem
scbuldich, de fustule tho uorscke-
ren vnde tho sluten oer slocten
wal vnde seker, eer ae scheyden
van daer se legen.
12. Een Bchipmester is scbuldich,
syn gehuerde scbiplueden tho hol-
den in frede vnde hoer mydder
tho ayu van al, dat se raalkande-
ren doen off myssdoen, also lango
alss he hem broet vnde wyn ter
taffeleu lecht offt gyfft. De den
anderen lochent ') , de verboert
4 d.'), man lochent yemandt den
mester off de mester een schip-
nian, elck vorboert 8 d. vnde
weert sake, dat the mester een
Bchipman sleyt myt enen holt off
mit ene vust, de schipman weer
Schuldich, enen slacb tho uordra-
gen, man sleyt he hem meer, so
moste he sick wal vorweren. Man
sleyt een schipman den mester, de
ein Storm oder quaet weder op-
ryset vnde die fustulen breken
vnde dat vatt licht den Badem
vtt, doch datt schip kumpt behol-
den auer; Die Coopluede seggen,
datt by der fustulen iihr wyn vor-
laren ay, vnde die Schipper aecht,
datt Idt nicht en sy; Ist dan sake,
datt die schipper oder Regente
van dem Schepe vnde drie oder
vier van synen scbiplueden, die
die Coopluede daertho vtkieseu,
die datt willen sweren, datt die
wyn nicht vorlarcn ay by gebreke
van dar fustulen noch van (16")
sloeten, so sali die Schipper fry
vnde loss we^en. Dan Is Idt sake,
(dal) sie dat nicht willen sweren,
so sindt sie scbuldich, deu Coop-
luede n tho uernoegen offte tho
uorsetten vnde vull tho doen vor
den schaden, wantt sie sindt ehnie
scbuldich, die fustulen tho vor-
sekeren vud öhr sloten tho sluiten,
eher sie scheiden vann der stede,
daer sie liggenn.
12, Een Schip-Meister oder Re-
gente des Schepes is scbuldich,
ayne gehuirde Schipluede tho hol-
den in frede vnde einicbeit vnde,
waer Twist erriset, als ein Midde-
1er tho ayn van all datt gene,
datt sie malkanderen doen offte
missdoen, also lange als he ebnen
Brodt vnde Wyn tbor Tafalen
legtt vnde gißt. Die den anderen
loechent vnd liegen heett, die vor-
boort vier doeitt, dan loochent
Jemandt den schip-Meister odei-
den Regenten des Schepes offte
die Regente den Schipman, so vor-
boert elck 8 doeitt. Weert sake,
datt die Scbipmeister oder Regente
einen schipman sieitt mett ein
k
) Rooles d'Oleron: celui qui dementira autre, doit pajer quatre deniers.
J
Ffirboert ofl breckt 100 Schillinge
■"1 Byu vust eder haiidt.
13. Eenn schip is verurachtet,
_ » bordeus tho varen off anderss
waer, vnde het kumpt, daert vnt-
laden sali, vnde maken tho oeren
partien tho gangen'), vnde de
schade kumpt up den kooplueden
an de kost van bartangen *), de se
neinen sal van dat lyok de bades"),
vnde syn kleyne de schaden, van
dat menlick tale is*) van noert-
mandien, van engelandt, van scliot-
land, (359) van dat ment lyck van
termunden-'^), van fiandern dat men
past calys*).
14. Het geualt, dattet is twyst
lusschen den mester vnde den
koep]ueden by voele Bchoen laken
voer de schipman tho doen yegen
Lern, daer he stryt off twyst yegen
lefft gehat, eer he heni vth den
khepe heet gaen'). Vnde weert
nke, dat de schipman nen den
yyst vnde niyssdaet bedet, tho
eteren totter Bchipmannen seggen
der tafelen, vnde de mester
ouermodich, dat he dair
iht tho Valien en will, vnde ge-
holtt offte mett eine Vuist, die
Echipman is scbuldich einen slacli
llio vordragen, dan sleit he ehme
meer, so moett he sick woll vor-
wehei'en, dann sleitt ein Boet/.-
geselle den Schip Meister oder
Regenten van demSchepe, die vor-
boertt oder vorbreckt hundert Schil-
linge ofite syne Vuist oder vorder
Hanndt äff.
13. Ein Schip is vorfracbtet uha
Lissebon tho fahrenn, unde datt
Schip kumpt, daer Idt ontladen
Ball, vnnde maken tho Öhre Par-
tien Ihogangen, vnde die schaedenn
kompt op die Coopluede ahnn die
Custft van Bretannen, die sie nemen
sal van datt lyck synes Bades,
vnde (sindt) clene die schade van
datt men lycktale is van Nordt-
mandie van Engelandt, van Schott-
landt, van (!''landeren) datt men
past Calis.
14. Idt gebuer.tt, datt daer Is
Twydracht tua sehen den Schlp-
meister oder regente des Schepes
vnde den Gooplueden by veele
schone Lakenen vor die schipraan-
nen tho doen tegens ehme, dar
he strydt offte Twist tegen hefft
gehadt, eer he ehme vttdemBchepe
heett gaen, Weertt sake, dat die
Schipman den Twist vnd missdaet
bediet tho bekennen vnd beterenn
tho der Boetzgesellen seggen vann
der Taeffelen, die schip-Meister
1 et fnnt charte-partie ihouage.
] Bretagne.
) touB ceux qne l'en prend puis que Vca a pasee Tisle de Baa.
meo liet CaleU?
j =: lyet van jermuniiea (Yarmoulli).
) daBS man Calais passiert.
') Die offenbare Ealstcllung dieser Worte innss schou daa Original enthiiltro
, deisen Schreiber den fruaz. Text in den Roolea d'Olärou: Contena se fait en
3 neef eiitre le meatre et lea niariuers, le mcstre tloit ousUr la touaille de ihvaiU
f mariners troin foitt aeant que il Im coumande liora uicht verstand iitid lieslialb
n Gatdünkea abersetzte.
44
beet hem vthgaenn, so mach de
scbipman den schepe volgen, daert
vntlaet, vnde also guede huere
hebben, ofiF he int schip gekomen
weer tho thoseggen van de van
der tafelen. Vnde wunne de mester
nicht also gueden man, alss he
weer, vnde he dan*) by eniger
manieren enich guedt ofiF schip
voerlore, so is de mester schul-
dich, de schade tho beteren, hefft
he so vele guedts, daer he mede
betalenn mach.
15. Het geualt, dat een schip
licht in de hauen gemeert vnd een
schip kumpt myt der getyde vnde
sleyt dat schip, dat daer gemeert
licht, so dattet van den slage
schade hefFt vnde wyn vth den
bodem loept, de schade is schul-
dich, tho syn gedeelt (360) by
pryse vann den beyderi schepen.
De wyn oflFt guedt in beyden sche-
pen yss schuldich, tho delen ge-
meenlick den schaden vnder den
lueden*). De mester van den schepe,
de dat ander deel hefift, de is
schuldich myt synen schiplueden
tho sweren, dat se dat nicht wil-
lens deden. Vnde dyt is de sake,
waer vmme dyt recht gevunden is.
Het geualt, dat men een alt schip
gerne lecht in den wech van den
beteren schepen, vmme van den
anderen alle de schade tho hebben,
weert dattet van een ander guedt
schip gebraken werde. Man alss
men weet, dat de schade halff
offte Regente van dem schepe is
so auermoedich (Ißh)^ datt he daer
nicht tho fallen will, vnde gebie-
det ehn vtthogaen, so mach die
Bootzgeselle den schepe ^) volgen,
daer dat entladet, vnde also goede
huire hebben, als ofte he Int schip
gekamen weer tho thoseggen van
die van der TaeflFelen, vnd vunde
die Meister oder regente nicht
also goede Mannen, als he weer,
vnd he dan by einiger manieren
einich goett oflFte schip verlöre, so
is die Schipper schuldich, den
schaeden tho beteren, hefft he
annders so vele gocdes, daer he
mcde betalen kann.
15. Idt gefaltt, datt ein Schip
ligt in einer Hauen vor Ancker
vnde ein ander Schip kumpt mitt
der Getyde vnd sleit dat schip
dorch die Wagen des Waters, daer
datt vor Ancker licht, so dattet
van den slage schaden hefift vnde
die Wyn ^) vtt den baden lopt, die
schade Is schuldich, gedeelet tho
syn by weerdeeringe van beiden
Schepen. Den wyn ofte goett is
man schuldich tho deelenn gemeen-
lick, den schaden onder den lueden.
Die Schipmeister oder regente van
dem schepe, die dat ander deel
heeft, die Is schuldich mett synen
Boetzgesellen tlK) sweren, dat sie
datt nicht mett willen hebben ge-
daen. Ditt is die sake, waerumme
ditt Rechtt gefunden is. Het ge-
faltt. dat men ein oldt schip gern
lecht in den Wech van denn be-
teren schepen, vmme van alle den
anderen schaden tho hebben, weertt
sake, dat Idt schip broeckich wurde
*) Hb.: scho.
») Hb.: dat.
>) IIb. : Windt.
*) Ics vyns qui sont dedans les dcux neefz dcibvcat partir du domage entre
les marchantz.
utl halff gewesen wort, au
heu geerne vth den wege.
16. Ein Bchip off twe off raeer
~Bchepen liggen in eenre hauen,
daer luttell waters ys, so dat dat
ene Bchip geyt sytten by dat an-
der; de mester van den schepe
ys scliuldich tho seggen tlio denn
anderen schjplueden: Gliy heren,
lychtet uwen ancker, want he licht
vns voel tho nha, vnde wy moch-
ten daer by yn schaden koemen.
Vnde ae willen den ancker nicht
lichten. De ander mester vnde
schipluede lichten oereo ancker
vnde leggen beth vorwärts van
hem luedcn, Vnde ist, dat hem
de ander verbeden vnde se dan
daer schade by krygen, so synndt
(361) se dat schuldich tho beteren.
Vnde licht daer een ander ancker
sunder boyer'), de schade deyt,
wes dat he sy, de ist schuldich,
lat he aal leggen boechünen vnde
'Auwe, dat daer nicht en fi-yle.
\ 17. De Bchipludc van de kost
I bartangen de syndt schuldich,
o hebben een maeltydt dess dages,
(nme dat nien tho varen vnde
1 kyren wyn drincket. De noer-
ane') moeten twe hebben, vm
se anderss nicht driucken dan
e oflt water tho ocren drancke.
I alss dat schip kumpt, daer
' «yn wasset, so is de mester
vnde van dun anderen ginge. Dan
aläs men weett, dat die schade
halff viid balff gewesen werdt, so
lecht meiHi gerne vtt dem Wege.
16, Ein Schip oder oeck twe,
drie ofte meer Schepe in einer
Hauen liggende, die enge is vnde
weinich waters, so datt Idt eine
Schip geitt Sitten by datt annder;
die schipnieister oder regente van
dem schepe is schuldich, tho Seg-
gen tho den anderen schiplueden:
Ghy Heeren vnde Bootzgesellen,
lichtet Juwcn Ancker, want he
licht vns vele tho na, vnde wy
(muchten) daerauer in schaden
kamen. Die schipluede van dem
anderen schepe wdlcnnöhr Ancker
nicht lichten. Die ander schip-
meister vnde Bootzgesellen lichten
Öhren Ancker vnde leggen bett
vorwaertz van den lueden. Vnd
die eine den anderen vorbieden
vnde sie dan daer schaeden by
krigen, so sindt (17<i) sie datt
schuldich tho beteren. Licht daer
dan ein Ancker sunder Boeior vnde
deit schaden, wes dat he sy, die
is schuldich, datt he sali leggen
boichlynen vnnde Getouwe, datt
daer nicht ahnn feile.
17, Die Schipluede oder Bootz-
gesellen van der Coste Bretannen')
die sindt schuldich, tho hebben
ein maeltyt des dages, vmme dat
men tho faren vnde tho keren wyn
drincket. Die Noermanno*) moeten
twee maeltytt hehbeu, darumme
datt sie anders nicht drincken dan
Borne ofte Water tho Öhren dranck.
Dan alss datt Schip kumpt, daer
1 auf dem Wasser arhwimmeadcfl ZeU-ben, welcteB aua Holz, Kork oder
ler Tonne gemacht und zu grösserer Festigkeit mit Tauen umacblungen iat.
B. : Bretamen.
} Hb. : Toermanne.
scbuldich, hera oer wyiidranck tho
betalend,
18. Ilot gevftlt, dat een scliip
gekomeii is tot syner rechter vnt-
iaetatede tho bordeua oß anJerss
waer, dan is de mester sclmldich
tho fragen syne schipluede: Ghy
lieren, legget gy vwe vracht voeringe
off verachtert ghi se vnde laet se
yn de vracht van den schepe?
dan synt se schuldich tho seggen,
wat 80 doen willen. Vnde ist, dat
se kesen, sulcke vracht \ho hebben,
alss dat Bchip hefft, se suUent
hebben. Vnde willen se, ae raoe-
geii doen yn maneren, dat daer
dat scbip nicht nha en liebt'),
vnde vynden se nha gene vracht,
so sal de mester geen wedderstoet')
(3fr3) daer äff hebben; man he ys
schuldich, hem tho tlioenen oer
ruem vnde oer leech. Dan mach
etck schipman daer yn leggen dat
gewychte van voeringe, vnde willen
ae, se moegeu daer in leggen een
vat waterss, so wal de schipman-
nen alss de mester. Vnde worde
dat auerboerts geworpen yn der
zee, so Salt gereckeut worden alss
auer wyn vnde ander guedt van
punde tho punde. Vnde mochten
hem de koeplueden redelick be-
dragen iu der zee vm koost tho
done enygeo koepmannen, alsuleke
frede alss schipmannen hebben,
also sal bebben de koepman.
19. Een acbip kumpt geladen
vnde bebolden tho syner rechte
vntlaetstede; de schipluede willen
oer huer hebben, vnde daer synt
aummygen^), de noch bedde noch
die Wynn wassett, so is fdie) schip-
meister oder Regente des Schepes
ebnen Öhrenu Wynndrannck tho
betaelenn schuldich.
' 18, Het gefallt, dat ein schip
kamen is tot syne Rechte ontladt-
stede, alae tho Embden oder Am-
sterdam, dan 13 die achip-Meister
oder Regente des schepes schul-
dich, tho fragen synenn Bootz-
gesellen: Ghy Heeren vnde Schip-
luede, leggett ghy Juwe Fracht
vor oder achter in dem schepe.
Dan sindt sie achuldichtbo seggen,
watt sie doen willen. Vnde Is,
dat sie kiesen, soicke Fracht tl'O
hebben, als datt Schip hefft, sie
soelent hebben, sie moegen doen
in manieren, dat daer datt schip
nicht nha licht, vnde vinden sie
daernha geen Fracht, so soclen
die Regenten des schepes geen
Wederatoott daeraff hebben; dan
he is schuldich, den bootzgesellen
tho thoeuen öbr Ruim vnnde Öhr
Lech. Dan mach elck Scbipman
inieggen datt Gewichte, vnde wil-
len sie, {aie) moegen daer inieggen
ein Vatt Waters, so woU die Bootz-
gesellen als die Regente des schepes.
Wurde datt oeck auer boort ge-
worpen in die Zee durch Nodt,
so satt gerekcnndt werden als die
Wyn vnde ander gocdt van pun-
den tho Punudenn,
19. Ein Scbip kunnpt geladen
ractt beholden goedo tbo syner
rechte ontlaet stede; die schipluede
vnde Bootzkinder willen öhr buire
hebben, vnde daer sindt summige,
jKlireen int scliip hebben, dan mach
Fde mester yn holden oer drynck
haer, vm dat scbip wedder tho
brengen, daer se yn ijuaeinen, off
sekcrheit tho doen, de vaert vull
IT tho doene.
20. Een mester huert syn schip-
jnannen, dat se myt hem aullen
Urcn vndp koren, de ene vm dat
sal hebben syn Torioge , de
»der vm geldt. Dusse aoen, dat
lat) achip (363) geen vracht en
^nnt, tho lande tho kcren, vnde
' inoet nochtaus*) van daer vareo,
Be"moten dat scliip volgen. Man
de nicht gehiiert synt vmme geldt,
den moet de mester oer huer be-
teren, elck nha synen geliken, daer
nha dat se gehuert eynt by ter-
mynen, Laeden ae oeck nbarer,
synt Schuldich, tho hebben al
ler huer. üca moten se wedder
Lat schip helpon brenngen, daer
dat scbip namen, so veer de
haoatcr wyll.
'21. Het geualt, dat een schip
icht tho bordeus off anderss waer.
Van der spyse, niss men eth int
Khip, mögen twe schipmanncn
Brägen vth den schepe twe ge-
Ichten vnde daer tho so voele van
p«n brode, dat men yn den schepe
Ith, alss se eten moegen vp enen
ale, man se moegen geen dranek
^h dragen, Vnde se moten balde
►der geringe wedder kumen, so
Ist de mester nicht en leth ^) off
Hlettet*) sy van des schepes wer-
') Hb. : schere.
') dennoth.
•) verliere (?
') gehindert.
die noch Bedde noch schreen ') Int
schip hebben, so mach die scbip-
meister oder Regente des scbepes
inbolden iJhr drinckhuire, vmme
dat scbip weder tho bringen, daer
sie in quemenn, offte sekerheit van
sick tho doenn, vmme die l*'aertt
tho vollenbrinugenn.
20. Ein Schipmeister ofte re-
gente des Schepes huirt syno ('J?*J
Schipmanoe vnde ßootzgesellen,
dat sie mett ehme soelen fuhren
vnde kehcrcD, die eine, vmme dat
ho sali hebben syne foeringe, die
ander vmme geldt. Dese sienn,
datt Idt schip geine Fracht findet
tho lande vnde moett gelyckewoll
van daer faeren, so raoeten sie
datt Schip folgen. Dan die nicht
gehuirt sinnen vmme geltt, den
moett die Schipmeister ölire Huire
vorheteron, elck nha syne quota,
daerna dat sie gehuert sinnen by
Termynen. Ladenn sie oeck iiegcr,
sie sindt schuldicb, tho hebben
Öhre volle Huire. Deas moeten
sie v^ederumme datt Schip helpen
bringen, daer sie datt Schip neh-
men vnde ersten» Intrcden, so ferne
die Regente des Schepes will.
21. Idt geboert, diitt ein Scbip
ligtt tho Dantzick, tho Ryga oder
tho Renell, ao moegen twe Schip-
mannen van der spise, alss men
ett in datt schip, twe Gerichte
dragen vtt dem schepe, daertho
so vele van dem brode, datt men
in dem Schepe ett, alss sie eten
moegen op ein maall, dann sie
moegen gein dranck vtt dem schepe
dragen. Sie moeten oeck balde
vnde geringe weder kamen op die
Tytt, als die schipmeister sie be-
48
cken. Want hadde off krego de
mester schade by gebreck van oer
wercken, se moesten dat beteren.
Ynde dat sick een schipmau quet-
sede by gebreck van hulpe, se sint
schuldich, hem laten tho arsten
vnde genesen vnde oer gebreck
an hem tho betteren by thoseggen
des mesters vnde der gesellen van
der tafelen (364).
22. Het geaalt, dat een mester
vervracht syn schip enen koepman
vnde besprecket, by enen termyne
dat schip tho ladenn. De koep-
man en ladet nicht, vnde dat schip
vnde luede holden se 15 dage off
langer, vnde enich tydt verleest
de mester syn vracht by gebreck
van den koepman, so is de koep-
man schuldich, den mester tho be-
teren sulcke schade, alss daer vp
gesath wort, vnde daeraff sullen
de Bchipmannen hebben dat veer-
dendeel vnde de mester dat dree
deel, vm reden dat he hem oer
kost windt.
23. Een mester vracht syn schip
vnde ladeth, vm syn reyse tho
doene, vnde hier bynnen blyfft dat
schip lyggen so lange, dat hem
gelts gebreckt. De mester mach
wal senden tho synen lande vmme
geldt, man he moet genen gueden
scheden vnd verlouet hefft, op datt
die Schipmeister nicht belettet
werde van des Schepes werckenn.
Wente hadde oder krege die schip-
meister oder Kegente des Schepes
schaden, dewile sie ouer die be-
scheidene Tyt vttbliuen by gebreck
van Öhre Werckenn, so moeten
sie den schaden beteren. Wan
sick oeck ein Schipman serigede
by gebreck vann hulpe, so sindt
sie schuldich, ehm laeten tho Arsten
vnde genesen vnde dat gebreck
tho beterenn nha Erkentnisse des
schipmeisters vnde der*) Gesellenn
vann der Tafielenn.
22. Idt gefaltt, datt ein Schip-
meister oder Begente des schepes
syn schip verfrachtet by einen
Coopman vnde bespreckt dat, by
einen Termyn datt Schip tho laden.
Die Coopman en ladet nicht, vnde
dat Schip vnde die luede holden
sie 15 dage offte lenger, die Tydt
vorluist vnde werdt vorkortet, die
Regente van dem Schepe*) syne
Fracht by gebreck vnde vorsume-
nisse van den Coopman, so is die
Coopman schuldich, den Schip-
meister oder Regennte des Schepes
tho vornoegen solcken schaden,
alss daerop (18(^) gesett werdt,
vnde daeraff soelen die Schipmanne
hebben datt vierde deell vnde die
schipmeister datt derdenn deell,
vmme reden willen datt he ehnn
Öhr Kost winnett.
23. Ein Schipmeister oder Re-
gente des Schepes befrachtet syn
Schip vnde ladet datt, vmme syne
reise tho doeu, hierenn binnen
blifft dat Schip liggen so lange,
datt ehme geldes ontbrecktt, so
mach die Schipper oder Regente
*) Hs. : die.
•) Erg.: verliert.
voerliggen', dede be dat, he
Bchiildich , den koepludea
en tho beteren. Man
ih wat nemen van der koep-
wyn vnde verkopent vnde
tu syn noet bedarff daer äff,
ilss dat schip kumpt tbo synre
«r vntlaetstede, de wyn, de de
er genotnen helft, is schuldich
pnt tho syn, also alss meo
wyn verkoepen sal. Vnde
nter sal hebben van dusaen
rn vracht alss vud annderen
«n (365).
Een knape ya Jedessman ')
Den schepe vnde ys gehuert,
^p tho brengen, daert vnt-
t sali. Het gevalt, dat yn
Ben syn keden off aloeten,
men de sthepeu bynnen vnt-
isal. De mester iss schul-
äen schipräannen tho voer-
le stede, daer men de schepe
bht, vnde dat getouwe vth
^ vp dat de ktieplude gene
e en hebben by gebreck van
Suwe. Süheet daer gebreck,
DOet de Diester beteren. De
isamau sal syn vaert gedaen
en, alas he dat schip heffl
icht totter kennisse der ateden,
[cht furder is he dat achul-
10 brengen. Vnde dau voert
dat schip vp den mester
de schiplucde.
des Schepea wol senden tho aynem
lande vtnme geltt, dan he moett
geen goeden Windt vorliggen; dede
he datt, ao weer er (?) schuldich, den
Coopluiden Öhren schaedea tho
hetereno. Dan he mach woll neh-
men van der Cooplneden Wyn oder
Ander wahr vnde vorkopen vnde
nehmen syne notruft daeraff, aisa-
dan datt Hchip kumpt tho syner
rechte onttlaedt stede, die Wyn
oder die Waer, den de Schip-
meister genamcn hefit, is schul-
dich gerekendt tho ayn, also alss
men ander Wahre verkopen sali.
Vnde die Schipper oder Regente
des Schepes sali hebben van desen
Wyn oder Wahre syne vulle Frachtt
alse van anndere goederenn.
24. Ein Boetzgeselle oder Knaepe
is ein Leydes Man van einen Schepe
vnde Is gehuert, datt Schip tho
bringen, daer dat ontladen sali.
Het gefaltt, dat in die Haue ain-
neun Keden offte sloten, daer men
die Schepe binnen ontladenn sali,
so is die Schipmeiater schuldich,
den Schipman tho vorsien die stede,
daer men die Schepe iniecht vnde
Götouwe vttsetten*), op datt die
Coopluede genen schaedenn heb-
benn by gebreek van dem Touwe.
Geachiedt dar auerst gebreek, datt
moett die Schipmeiater beteren.
Die Leydesraan sali syn Faertt
gedaen hebben, als he dtitt Schip
hefft gebrachtt thor Kentenisae
der stede, vnde ia he nicht forder
dat Schip tho brengen schuldich.
Vnde dan voortt blifft die sorge
van dem Schepe tbo bewahren op
den Schipmeiater vnnde denn Boetz-
gesellenn.
Dyt las de ordinancie, dee de
sebipheers vude koepluede myt
malkandereu beßeren van water-
recht.
25. Erst weert, dat een scliip
breke oif dat ment doer seylde,
waer dattetweer, duchte den koep-
luden, den stuerman vude den
meesten hoep van den gesellen
guedt, dat ment') maken mochte,
so solde de achipheer dat laten
maken vnde brengeu den koep-
Ineden oer guedt, daer he dat hen
gelauet hadde, yn den godt Iiem
spaerde voer vugeual. Vude want
meu dat 8chip nicht wall wedder
maken mochte, so aoide de scbip-
heer (3GG) syn volle vracht heb-
ben van also voele guedtB, alss de
schipheer den koepman leuert van
den koepmans guede bauen mael-
vloede*) vnde den koepman yn syn
profyt kumpt. Vnde weert, dat de
koepman geeu geldt by bera badde
vnde de schipheer wil hem nicht
boergen otf geloeuen, ao aolde de
schipheer van den guede nemen,
datter') gebracht weer, voer also
voele guedts,- alas de koepman dat
ayne gyfft an den marckt.
26. Item weert sake, dat eeu
Bchip uoet hadde vnde de scbip-
beer begerde, dat men dat guedt
werpeii solde, so en solde meut
nicht werpen, men soldet den
vraefatman vragen, oÖt bem beleuet.
Vnde weert syn wille nicht vudo
dnchLet den schipmannen gaedt
vnde hem twen off dren van den
Bchipmaus beter gedaen dan ge-
laten, so solde ment werpen. Vude
wolde de koepman, alss meu tho
lande queme, solden orer twe eder
Dit is die Ordonuaotie, die de
Schipineixters vnde Coojiluede met
den anderen anereen gekamen
BJndt bedrepende dat Water- Recht.
2b. Erst weeret sake, datt ein
Scbip breke, datt men daerdoer
aien mucbte, duchte dan den Coop-
lueden, den scbip -Meister, den
Stuirman vnde den vorstendigen
Bootz-Gesellenn (18l>) goett vnde
nutte to syn, datt ment maken
mucbte, so sali die Schipber datt
laten maken vfide bringen den
Cooplueden (ihr goett, daer he datt
hen gelauet hadde, in dem ehme
Godtt spaerde vor vugefall. Wan
men oeck datt Scbip nicht woll
weder maken mucbte, so soldo die
Schipheer ayne volle Vracht heb-
ben van also vele goedes, als die
Schipheer den Coopman leuert van
desCoopmaus goeder. Wertt oeck
sake, dat die Coopman geeu gelt
by ehm en badde vnde die Schip-
heer will ehm nicht borgen noch
gelonen, bo sali die Schipheer van
dem goede nehmen, dat daer ga-
brocht wertt, vor also vele goedes,
als die Coopman datt gifft ahnn
syne Marcktt.
26. Weertt oeck sake, datt ein
Scbip noodt hadde vud die schip-
heer begeerde, datt men dat goett
werpen .solde, so en solde ment
nicbtwerpen, men solde den Frachtt-
mann ersten fragen, offte Idt ebme
belieuede, so er tegeuwordich wehre.
"Weer dat syn Wille nicht vnd den
Schipman goett vnd nutte, mett
Itaedt twe oder drie vandenScbip-
mans beter gedaen dan gelaten,
90 solde men datt goett werpen.
Wan dfiu die Coopman daerauer
') Hs,: men.
') = in Sicherheit.
') Hs,: dattet.
Ha.: tnaeh
1
drc, de in den schepe weren vnde
guede knapen weren, sweren, dattet
noet sake was vnde dede. Vndo
weert daer geen koepman in den
schepe, vnde men hadde noet tho
werpen, wess dan den schipheer
guedt ducUte myt den meeaten
deele van sja geselschap, datsolde
men doen. Vnde wat guedt dat
men werpet, dat sal men rekenen,
(367) alst an den markedt geldt,
penuinck penninckes werde, van
also vele, aas daer äff bliuet, alss
de vraclit betaelt is. Vnde de
schipheer sal gelden van synen
schepe off van syne vracht, wea
koeplude daer äff keesen, Vnde
wo de schippheer syn schjp seth,
daer mogent de koepluede ver-
nemen vp een getyde. Vnde weert,
datter yemandt weeryn enen schepe,
daer men werpt, vnde hadde he
geldt offt ander guedt yn syner
kysten, dat solde he dau apen-
baeren, eer datt ment worpe, vnde
alss he dat apenhaert hadde, so
solde be gelden, tho werpen van
synen gelde tho reckenen twe pen-
ninge vor ene. Man weer daer
ander guedt in de kyste, dat sal
men reckenen gelyck ander guedt,
alst werdich weer. Vnde weert,
dat yemandt gelt vth der kysten
neme vmme syn syde, so en solde
men daer nicht vmme gelden, Vnde
weer, datier yemant geldt ofi' ander
guedt hadde in syne kysten vnde
he dess nicht apenbaerde, eer dat
men worpe, vnde worde de kyste,
daer dat ynne ys, geworpen off'
beholden, so sal men de kyste
nicht hoger reckenen dnn dre
Schilde, so veer de kyste besingen
weer; man weer de kyste nicht
beslagen, so solde men se gelden,
clagede, alss men tho lande queme,
datt syn goelt mett onreden ge-
worpen wehre, so solde die Schip-
heer met die Bootzgesellen, den
datt kundich was vnde vor frame
Bootzgesellen geachtet werden, vor
Öhren geboerlichen Richter Tuiche-
nisse daernan doen, datt Idt nodt-
sake was3 vnde dede, datt sie ge-
worpen hadden. Weer oeck geen
Coopman tegenwordich in dem
schepe, vnde men hadde nodt tho
werpen, watt dan den schipheer
mett denn meesten Bootzgesellen
goedt dachte, datt solde men doen.
Vnde watt goett datt men wurpe,
datt solde men reckenen '), alst
ahn die merckede geltt, Penninck
Penninges Weerde vann also vele,
alss daer geworpen la vnd die
Frachtt betaelet is. Die schipheer
sali gelden van synem Schepe offte
van syne Fracht, watt die Coop-
luede daeraff kiesen. Vnde wo die
Schipheer syn Schip settet, dar
moegen die Coopluede vornehmen
op een getyde.
Weert oeck, dat daer Jemandts
weere in dem schepe, daer men
werpet, vnde geltt oSte ander goedt
In siner kiste hadde, datt solde
he apenbaren, eer men werpe,
alss he datt dan apenbaeret hadde,
Bo solde he gelden, tho (19'i) wer-
pen van synem gelde tho rekenen
Twe Penninge vor einn. Dan weer
daer ander goett in der Kisten,
dat sal men rekenen gelyck ander
goett, alst weerdt Is. Weertt oeck
sake, dat daer Jemandt geltt vtt
dar Kisten neheme, so solde men
nicht daerumme gelden. Weeret
auerst sake, datt daer Jemandt
geltt oder ander goedt in syner
Kisten hadde vnde he Idt nicht
') Us.: teickeucn.
52
alss se werdich weere. Vnde weert,
datier geworpen worden en matte
myt een bedde, dat sal men reke-
nen voer dre Schilde (308). Vnde
weert vann den, dat men loten
solde, 80 solde men raeturagen
den koepman, de yn den schepe
weer; vnde duchtet den koepman
nicht guedt, wat dan den schip-
heer guet dachte myt den meesten
deel van den volcke, dat sal voert
gaen. Vnde weren daer gene koep-
lude yn den schepe, wess dan de
schipheer vnde de meeste deel van
den geselschap in den schepe guedt
duchte, dat solde men achter vol-
gen, dat sy dan tho loten off nicht,
vnde van lote gelde tho nemen,
hoe voele dat men daer vp sette
vnde redelyck ys off alss daer ge-
woentlich ys, vnde dat lote gelt
tho reckenen vnde tho betalen
gelick werp geldenn.
27. Een schip vaert van amster-
dam off van ander steden. Het
geualt, dat he karfft mast, cabel
ofi ancker by vnweer bynnen off
buten landess, vm dat schip, lyff
vnde guedt tho bargen^), so ys
de schipheer schuldich, den koep-
luden tho fragen vnde hem tho
klagen sinen noet, dat iss tho be-
holden lyff, guedt vnde schip; vnde
dat sullen se reckenen auer dat
guedt alss van werpen. Vnde
weert, dat de koepman sede: Ick
geue daer geen Jaewoert tho, daer
vmme sal de schipheer dat nicht
laten, man de schipheer solde dat
sweren, alss he tho lande queme,
myt hem dre, dattet noet sake
dede (369).
28. Item een schip vaert van
amsterdam off van ander steden,
apenbaerde, eer datt men worpe,
vnde worde die Kiste geworpen
ofte beholden, so solde men dia
Kiste nicht hoger holden alss 3
Schillinge, so verre die Kiste be-
schlagen wehere; dan wehere die
Kiste nicht beschlagen, . so solde
men die Kiste gelden, gelyck sie
weertt wehere. Weeret datt daer
geworpen werde eine matte mett
dem Bedde, datt sali men rekcnen
vor 3 Schillinge.
27. Ein Schip fahret van Amster-
dam vnde van anderen steden,
vnde ehme kumpt ein Nodt in der
Zce ahn, datt he moett houwen
synen mast, cobell, ancker, binnen
ofte buitenn Landes, vmme datt
schip, lyff vnde goett tho bergen,
so Is die Schipper schuldich, den
Kooplueden ersten tho fragen, who
sie tegenwordich sinnen, vnde wil-
den die*) daer geen Ja-Woordt
tho geuen, daerumme solde die
Schipper datt nicht laten, dan die
Schipheer solde dat sweren, als
he tho Lande queme, mett Twe
oder drie van syn Bootzgesellen,
datt idt nodt weer, dat he werpen
muste.
28. Ein Schip fahret van Hara-
borch offte van Ryga offte Reuell,
*) Hs. : Bargen.
•) Hs. : wilde.
53
vnde de schipheer iss tachteren
vnde verkoeft guedt vp den boden,
so iss de schipheer schuldich, so
ver alss de boden so vele tho lande
brenget, dat tho betalen an den
eersten marckt^), daer he kumpt,
byunen 14 daghe daerna. Vnde
dat sal he betalen tusschen den
meesten vnde mynsten. Vnde wo
de schipheer den koepman nicht
vul dede vnde den koge ^ verkoflfte
off een ander schipheer daer yn
satte, so machte de koepman dat
schip anspreken bynnen yaer vnde
dach vnde syn geldt daer äff heb-
ben, gelicker wys off he daer yegen-
woerdich weer. Vnde dat sali he
tonen*) myt dess schipheers ge-
sellen, vnde so mach de schipheer
daer nicht tegen seggen.
29. Item een schipheer veruracht
syn 3chip vnde ladet, vmme syn
reyse tho done, vnde daer en-
tusschen bliuet dat schip liggen
also lange, dat hem geldess ge-
breckt* De schipheer mach wal
senden tho synen lande vm geldt,
man he uioet geen guedt wynnt
verliggen. Dede he dat, he weer
schuldich, den koepluden oeren
schaden tho betteren. Man he
mach wal nemen van der koep-
luden guedt syn noet bedarff. Vnde
alss dat schip kumpt, daer he
lossen sal, so sal de schipheer dat
guedt betalen tusschen den mynsten
vnde den meesten alss dat ander
deel off gelth vth den (370) suluen
schepe. Vnde de schipheer sal
syne vulle vracht hebben daer äff.
30. Item een schip seylt van
ener marckt vnde hefft geladen
vnde die Schipper is tho achteren
vnde vorkoft goett op den Bodem,
so is die Schipper schuldich, so
ferne^ als die Bodem so vele tho
Lande bringet^ tho betalen ahn die
erste marcket, daer he kumpt,
binnen 14 dagen, vnde dat sali
he betalen tusschen den meistenn
vnde minsten. Wo die Schipheer
den Coopman nicht vuU dede bin-
nen die vorschreuen Tytt vnde
syn Schip verkoflte offte ein ander
Schipheer in syn Schip settede, so
muchte die Coopman dat Schip
ahnspreken binnen Jahr vnd dach
vnde syn geltt daerafi hebben, ge-
lycker wys offte die Schipper Jegen-
wordich weere. Vnde dat sali die
Coopman Toenen mett des Schip-
pers geselle(n), so mach die Schip-
per daer nicht tegen seggen (19^).
30*). Ein Schip segelt van ein
marcket vnde heft gelaeden syne
*) Hs.: marck.
>) Bezeichnung für ein kleines, früher in Holland gebrauchtes Fahrzeug.
^) bezeugen.
*) 29 fehlt.
syn viille vracht, so en is de schip-
heer nicht schuldich, eines ander
guedt intonemen, ten sy by oer-
lofi der koepluden. Dede üö an-
dei'BS, de schipheer vorboerde, bo
lange alss he dat guedt waerde,
dat he inneme, het en weer, dat
de schipheer sede: Ghy heren, ick
aal daer noch so voele gudts in-
nemen cet.
31. Het geualt, dat hem achip-
lude verhueren een tyt oeren schip-
heer vnde.enich van hem luden
gaen vth den schepe hüten oerloff
vnde drincken druncken vnde ma-
ken kyff'). Het geualt, datter enich
gewunt wort. De schipheer ys
nicht schuldich, hem laten genesen
vp dess schepes kost. Mao he
mach 86 vth den schepe doen vnde
hueren ander yon de stede van
hem luden, vnde kosten se meer,
SB sullent moeten betaelen vude
den schipheer wcdder keren, dat
se van hem vntfangen hebben.
Man senth de schipheer de knechte
vth in enigen denst van den schepe,
daer se hem quetseden off wunden,
so iss nien hem schuldich tho
helpen vp desa schepes kost.
32. Item het geualt, dat een
schipheer huert een schipman vnde
knmpt in enyger twyst, so dat de
schipheer den schipman (371) or-
loff gyfft, he en mach hem apen-
baer schult geuen. De schipman
hefftverdentsyn haluen loen. Vnde
genocht den schipman tho schey-
den van den schipheer, des ge-
lickes ys he hem wedder schuldich.
volle Fracht, so is die Schipheer
nicht schuldich, ander goedt in
tho nehemen, Idt en sy by ohrloS
der Cooplueden. Dede die Schip-
per anders , dan he sede : Gby
Heeren, Ick sali daer noch so vele
goedes innemen. vnde sie dan con-
senteerden vnnde daer schaede äff
queme, so dortfte he denn Scha-
den nicht hehbenn,
31. Idt gefaltt, datt die Scbip-
lueden sick vorhuiren een Tytt
Öhren Schipheer vnde einich van
den Bootzgeaellen gaen vtt dem
acliepe holten ohrloff des Schipz-
heren vnde drincken sick vull vnde
maken Kyff vnde Twydrachtt. Vnd
Idt gefalt, datt daer einich gs-
wundet wert, so is de Schipheer
des schepes nicht schuldich, em
tho laten Arsten o£Fte genesen op
des schepes Kost. Man he mach
sie vtt dem Schepe doen vnde
huiren andere Bootzgesellen weder
in die stede, vnde kosten sie meer,
alse die ander gewunnen sinnen,
sie soelent moeten opieggen vnde
betalen vnd dien Schipheer wedder
geuen, datt sie van ehme ont-
fangen hebben. Mann sendet die
Schipheer die Knechte vtt in ei-
nigen dienst van dem schepe, datt
sie ehme quetseden offte wunden,
so Is men ehme schuldich tho
helpen op des schepes Kost.
32. Idt gefaltt, dat ein Schip-
heer huirt ein Schipmann vnde
kumpt in einige Twist offte Twy-
dracht mett dem Schipper, so datt
die Schipper den Bootzgesellen
ohrloff gifft, 80 mag cme die Schip-
heer apenbaer schuldt geuen vnde
tho wisen, dan die Bootzgeselle
heft vordient syn haiue loon. Ist
oeck sake, dat die Bootzgeselle
') Streit.
Ä
r
Man weer he van der marckt ge-
seylt baten int vly off in marss
dep lüde dan wedder vp aeylde
vnd V]) leyde, so hadde dt schip-
man syn vuUe loen verdeent, Vnde
wolde de achipman van den scbip-
heer scheyden, so solde de schip-
man den schiplieer wedder geuen
al, dat he vp gebeert hadde, vnnde
vele daertho.
33. Item so sal de schipman,
-waer be vaert myt eiogen man,
so') is he fichuldich, der koep-
lueden guedt tho hauen, alss den
schiphcer vnde stnerman guedt
duncket mitten vrachtman. Vnde
voert van eicker last roggen thn
coelen enen groten, also dicke alss
se se coelen'j. V'nde weert sake,
dat ae rogge off tarwe') noch
hauen noch coelen en wolden, dat
soldeu se vorbeteren thot deas
schipheers seggen vodo des stuer-
manss voer vt tho scheten een
groet, voer 200 wagenschots een
groet. voer 100 knarholtes een
groet, van een vat asachen enen
brabants, (372) van een last he-
nncks een groet, van twe last
ickea vnde ter, alsa de schipheer
lert, een groet. Vnde dit voer-
scbreui?a guedt, alss hyr staet, dat
mach de schipman holden an boert
so lange, dat de koepman dess
schipmans moet hefft. Vnde voert
welck guedt, daer men ene poleye
vmme brenget vpten maat, alss
van een vat Hasses 2 groten, van
een Lalff vath 1 groedt, van een
ohrloff van den Schipheeren be-
geret, so mag die Schipheer ehme
datt halne loon in körten, d:
wehre he van den Marcket alsa
Andtwerpen oder Amsterdam oder
Bergen gesegeitt In Fly offte Int
Marss Diep vnde dan weder op
aegelde vnde oplede. so hadde die
Büotzgeaelle syn volle loon vor-
dienet. Wilde dan die achipman
van den Schipper scheiden, so aolde
die Schipman den Schipper weder
geuen all, datt he opgeboert hadde,
vnnde so vele dartho (30a).
33. Die Schipnianuen offte Bootz-
gesollen, wahr sie fahren met ei-
nige Mans goett, so sinnen sie
achuldich so woll als die Schip-
beer vnde Stuirman , der Coop-
lueden goett tho hegenen vnde tho
vorwaren, alss den Schipper goet
duüket mett den Frachtman. Heb-
ben sie Roggen in, vann eicke last
Eogge tho koelen, datt he nicht
vorbroeie, nioegen sie nehemen ein
groto, also vaken als sie den Rogge
koelenn, Weeret aake, dat sie
noch Rogge noch Weyte koelen
noch bauenen wilden, dat solden
sie vorbeterenn tho des Schippers
seggen vnde "des Stuirmanns vor
om tho acheten ein grote, vor Twe-
hundert Wagenschott ein grote,
vor einhundert Knarholtea ein
groote, vor ein Vatt Asschen ein
brabenstuuer, van ein last Heerin-
ges ein grote, van Twe last Pick
vnde Teer ein grote. Ditt vor-
geschreuen goett datt moegen die
Bootzgeseilen holden ahn Boordt,
so lange datt die Coopmann der
Bootzgesellen Moedt vnde willenn
heft. Vnde foort welck goedt daer
^1
I
I
I
') Anakoluib.
') IIa.; cot^le.
') VergL MnJ. WB. i
56
pack wandess ^) 2 groten, van een
taerlinck 2 groten, van een stuckke
wynss 2 groten , van ene pype
wyns 1 grote. Vnde weert, dat
86 vorsuemeden der koepluden
guedt, alle de an den wyndel gelde
delen, de schallen den schaden
gelden. Vnde weert, dat de schip-
mans vrageden den schipheer off
den stuerman, o£f dat getouwe,
daer se mede trysen sullen, starck
genoech sy, vnde se dan ya seden,
breke dat touw^e dan, so solde de
schipheer den schaden hebben, de
daer äff queme. Man vrachdent^)
de schipmans nicht, so soldet
wesen, also voerschreuen.
34. Item een schip vaert van
amsterdam off van anderen steden,
(873) dat den anderen an seylde
tegens synen danck, dat solde de
schade halff vnde halff wesen.
Man dede he dat willens, so solde
he, de dat schip an seylde, den
schaden allene geldenn.
35. Item een schip dat lege in
enre haue tho amsterdam off an-
deren steden vnde worde driuende
vp een ander schip vnde hem
schade dede, dat solden se halff
vnde halff geldenn.
36. Item een schip, dat kumpt
in een hauen, dat sal een dobber
hebben vp syn ancker. Vnde weert,
dat he dess nicht en^) dede vnde
daer schade by geschege, de schade
solde he halff beteren.
men ein Pleie ymme bringet op
den Mast, als van ein Vatt Flass
2 grote, vann ein halff Vatt ein
grote, van ein Pack Wandes 2 grote,
van ein Teerlinck lakens 2 grote,
van ein stucke Wyn 2 grote, van
ein Pype Wyn 3 grote, Ein Pype
Oly 1 grote. Weeret oeck sake,
dat die Bootzgesellen vorsuimeden
der Gooplueden goett, alle die ditt
vorgerorte Wyn, geltt oder anders
delen, die soelen den schaden gel-
den. Weeret oeck sake, datt die
Bootzgesellen den Schipheer ofite
Schipman frageden, offte Idt Ge-
touwe, daer sie mede treisen soe-
len, oeck starck genoch sy, vnde
sie dan Ja seggen, breken dan die
Touwe, so solde die Schipper den
schaden hebben. Dan fragen die
Bootzgesellen nicht thouoren, so
Salt wesen, alss vorgeschreuenn.
34. Wan ein Schip op die faertt
is vnde einen anderenn Ahnsegeide
tegen synen danck vnde Schaden
dede, dat sali halff vnde halff
wesen. Dede he datt willens, so
solde he den anderen denn scha-
den alleine geldenn.
35. Wan ein Schip lichtt in eine
Hauen tho Embden oder tho Ham-
borch (20h) vnde wurde driuende
op ein ander Schip vnde dede
Schaden, datt soldenn sie halff
vnnde halff geldenn.
37. Wan ein Schip kumpt van
Jetzehoue oder vtt Norwegen oder
vtt andere steden, datt sali men
lossen binnen 14 dagen vnde den
Schipper syne Fracht geuen, dess-
gelycken alle ander Schepo van
Uamborch, Oost vnd West, sal
*) Tuch.
') fragten.
®) Hs. : een.
Xem. een scbip kumpt van
.gen off vth norwegen, dat sal
loBsen bynnen 14 dagen vDde
syne vracht geuen vnde des ge-
licks allen achepen van der zee,
van hamborcb vnde van anderen
steden oS landen, dat sal men
iBsen bynnen 8 dagen vode geuen
syne fracht.
3h. Item een scbip ladet vp
scbonen off anderss waer, bet sy
verbunden, in Flandereu off in
anderen marckten tho seylen, vnde
kumpt tbo amsterdam van noet
saken, vnde (de scbipbeer) dat
sweren will myt synen stuerman
vnde twe achipmannen, dattet hem
(374) noet sake dede, vnde weert,
dat de scbipbeer dat scbip nicht
rede mochte maken buteu vmme
lO segelenn, so soIde he dat guedt
'nnen senden vp dess schipbeers
rächt vnde vp dess koepmaua tolle.
33. Item een echipman kumpt
1 den marckt myt synen schip-
leer, de ys schuldich, int schip
bliuen also lauge, want dat
tiip loBse vnde ivedder geballast
, dattet lyggen mach,
Item weer, dat een scbip
pyt guede segelde an den gründe
mde yn vrese off anxt weer, tho
Verlesen lyö, scbip vnde guedt,
|rade mocht men dan krigen licht
lebepe, dat guedt mede vth tbo
lebten, wat dat koste, dat sal dat
ihip betaleu gelick werp geldt.
Vnde weer daer geen koepman
Tu, alss men an den gronde se-
jelde, dat solde de scbipbeer vnde
men lossen binnen 8 dagen vnnde
geuen dem Schipper syne Frachtt,
36. Ein Scbip, datt daer kumpt
in eine Haue, datt sali einen dob-
ber bebben op syn Äucker. Weeret
sake, dat ho Idt nicht en hadde
vnde acbaden dardurch geschege,
den Schaden solde die Schipper
halff' belerenn.
38. Ein Scbip werdt geladen,
tho Lyssbon oÖte in annder ptaetzen
tho segelen, vnde kumpt tho Am-
sterdam oder tho Erabden van
Nodtsaken, vnd die Schipper oder
Regente des schepes datt will by
synem eede holden mett synen
Stuirman vnd twe Bootzges eilen,
datt sie van nodt wegen daerhen
mosten segelen, vmme Scbip, lyff
vnde goett tbo bergen. Weeret
dan sake, datt die Schipper datt
Scbip nicht weder feerdich Kunde
maken, buiten vmme tho segelen,
so solde he datt goett binnen auer-
senden op des Schippers Fracht
vnde des Coopmans Tollen.
39. Ein Bootzgeselle oder Schip-
man kumpt mett synenn Schip-
heren van dem raarckede geladen,
so is de Bootzgeselle schuldich, in
dalt Schip tbo bliuen, also lange
tborTydt datt Scbip gt.losset vnde
weder geballastet sy, datt idt lig-
genn mach.
40. Woeret sake, datt ein Schip
mett geladen goede segelde ahn
den gründe vnde in anxt wehre,
tho vorliesen lyff, Schip vnde goedt,
vnde muchten man dan krigen
licbtscbepe, daer men dat schip
mede machte lichten, wat datsulue
kostet, datt sali dat schip betalen
gelyck Werpgeltt. Weer daer dan
gein Coopman in, alss men abu
die gründe segelde, dat dan die
twe acliipmans sweren, so veer men
hem nicht wolde verdragen, dattet
schip vnde guedt iq vrese waaa
anu den gründe.
41. Item datier eeo schip queme
int marss deepe off int vly, dattet
also depe ginge, dattet hier nicht
vp komen mochte, vnde huerde
dan off wunne licht schepen, wat
de kosten, solde dat schip betalen
vp de twe deel vnde dat guedt
dat dre deel. Man weert, dattet
schip hir nicht vp en queme, so
solde dat schip de lichtschepen ')
allene betalen (3?SJ.
42. Item alss een schipheer dat
guedt vth synen schepe geschepet
befft, so mach he dat guedt an
boert holden voer syne fracht vnde
voer toi gelt, dat men daer vp
mochte schuldich weseu, wil he
hem dess nicht tho gelouen.
43. Item weert, datier licht
schepen qiiemen, de guedt vp ge-
licht hadden vth schepen, de van
der zee quemen, de solde men
lossen bynnen vyS werck dagen
nha den dage, dat se hier quemen.
44. Item weer, datier een schip
queme voer eeo voerlandt myt
node van vfeder off storm bcueden
een meente hauen vode tho rede
queme an syn ancker vnde vnbe-
kandt weer, vnde wunne ene leitz»ge
dat schip vnde guedt tho bauen,
wat dan^} de leitzage daeruan
solde hebben, dat solde betalen
dat schip vnde guedt glicke werp
geldt.
45. Item so watt schepen datier
koemen iot vly off int marss deep
Schipper melt Twe ßootzldndn
vnberuchtiget soelen sweren,
sie in die angst vnde faher welu
renn geweal (31").
41. Wan daer ein Schip quem
Int Marssdiep offte Innt Fly vndi
also Diep ginge, dattet hier nicht
op kamenn muchte, vnde huirde
oder wunne dan lichtschepen, watt
die dao kosten, datt solde datl
Schip betalen op die twe dele vnde
datt goett datt derden deell. Dann
weertt sake, datt Idt Schip hier
nicht op en queme, so solde datt
Schip die lichtschepen alleine be-
talen u.
42. Alss eiu Schipper datt goett
vtt ayuem schepe geschepet hefft,
so mach he dataulue goett ahn
Boortt holden vor syne Vracht
vnde vor Tollgeltt, datt man daer-
op muchte achuldich wesen, will
he ehme datt nicht tho belouenn.
43. Weertt sake, datt daer licht-
schepen quemen, die goett opUch-
tet hadden vtt schepen, die vann
der Zee kamenn, die solde man
lossen binnen vyff marcket dagen
nhaden dage, datt sie hierquemenn.
44. Weert sake, datt daer ein
Schip queme vor ein Vorlaiidt
mett node van onweder vnde Storm
beneden ein meente Hauen vnde
tho rede queme ahn syn ancker
vnde onbekandt(weer vnde) wunne*)
ein leidesman, datt schip vnde
gocdtt In goede Hauen tho bren-
gen, watt dan die leidesman daer-
uan Bolde hebben, datt solde beta-
len datt Schip vnd goedt gelyck
Werpgeltt.
45. WattScbepedattdaer kamen
Int Fly offte Int marss Diep van.
') Hs. : Itchepen.
') HS. : vunne.
•) Ha. : dat.
ran vmmelanth vnde hier ?p wil-
ton wesen, vnde ist, dat meo dan
een leytsage w)'iit, dat schip vnde
guedt hier vp tho hringen, deas
sal de Bchipheer den leitzage de
kost geuen, vnde de koeplade bu!-
lea den leitsage loenen van oer
guedt.
46. Item enich achipman, de syn
scbipheer vntlopet myt sinen (376)
gelde, dat he hero gegeuen hadde,
dess de schipheer mochte belügen
Infyt twe 'schipmans, so hadde de
^bipman de galge verdeent.
' 47. Item heuonde een schipheer
Ben schipman myt iiuaden feyten 'J
vnde he hem daer äff mochte he-
iligen myt twescbipmans, den solde
be oerlotf geuen mögen ant ecrate
l&ndt, daer de schipheer queme,
sunder yedt daer an tho verboren
tegens den sfbipman noch geen
loen hem tho geuen.
48. Item weer, dat een atuer-
Ban off een schipman hem bestade
llft enen schipheer vnde de stuer-
on off schipman een schip hoffte,
\i he fiuluen voren wolde, so
blde he quidt mögen wesen van
I schipheer, man hadde he loen
I den schipheer vpgeboert, dat
[plde he hem wedder geuen,
49. Item vreer dat sake, dat
^ich reder schel hadde legen
tfnen schipheer vnde he syn deel
Echt reden wolde van den schepe,
eolde de schipher van den
Vmmelandt vnde hierop willen
Wesen, Ist dan, datt meu ein leidtz-
man windt, dat schip vnnde goedt
hierop tho bringen, so sali die
Schipper den Leydessman die Kost
geuen, vnnde die Coopluede soelen
denn leydtzmann lohonenn vann
Öhr goedtt.
46. Wan ein Schipman oder
Bootzgeselle aynen Schipperen mett
synem gelde ontloptt, dat he ehm
gegeuen hadde, vnd die Schipper
datt künde betuigen mett twee
erlicbo Bootzgesellen vnde wurde
dan daerauer kregen, so hadde
diesuluige die galge vordient. Be-
funde men oeck Jemandt op den
Schepe, die synen medegeselle be-
Stele, is oeck also (21^).
47. Wurde oeck Jemandt be-
funden van den Bootzgesellen met
quade Faeme vnd Gerüchte, men
mucbte ehme dat auertuigen mett
Twe Bchipmans , die aolde die
Schipper moegen ohrloff geuen ahn
datt erste Landt, daer die Schipper
queme, sunder Jedt daerahn tho
vorbrekenn tegena den Schipman,
bedarff ehm oeck geen loonn ge-
uenn noch thokomen latenn.
48. Weeret sake, datt ein Stuir-
man offte Bootzgeselle ehm bestade
mett einen Schipperen vnde die
Stuirmau offte Bootzgeselle midier
Tytt ein Schip koffte, datt he sul-
uen führen wilde, so solde he
Cuydt moegen wesen van den Schip-
per, dan hadde he loon vaiin den
Schipper opgeboeitt, dat aolde he
den Schipper wedder geuenn.
49. Weeret sake, dat einig Reder
Scheelinge hadde tegensynenSchip-
per vnde he syn deell nicht reeden
wilde van den schepe, so solde
dieSchipper van dem Schepe voeren
') Schlini
B Vergehen. Im FriesiBchen bedeutet faythe
60
schepe vueren vp so danige huer,
alss guede knaben dachte, dat be-
schedelick weer.
50. Item weert sake, dat he
enich goldt vertimmerde an den
(377) schepe off enich gewanth
koffte tot schepes behoeff, dat
solden se betalen penninck pen-
nincks broder.
51. Item weert sake, dat de
schipheer borge solde moeten set-
ten van den schepe, so weer ecn
reder weder schuldich, borge tho
setten voer dess schipheers lyff.
52. Item het geualt, dat een
schip dat ander anseylt myt vn-
geualle, also dat dat ene schip myt
synen guedt blyfft verloren, so sal
men werderen dat guedt in bey-
den schepen tho gelde, eer enich
schip verloren was. Dan so sal
de prys van beyder*) tho samen
gesummeert betalen dat verloren
guedt, punt punde gelick, marck
marcks gelyck. Voert gelycker
wyss so sal men prysen de weerde
van beyden schepen, eer de schade
geschede, so sal de prys vann
beyden schepen tho sammen sum-
meert betalen dat verloren schip,
pundt punde gelick, marck marcks
gelick.
53. Item ist sake, dateenschip-
op sodanige Huire, alst goede
Bootzgesellenn duchte, datt Idt
redelick weere.
50. Weertt occk sake, datt die
Schipper einich geltt vortimmerde
ahnn datt Schip offte einich Holt-
werck oder anders koffte tho
des schepes behoeff, datt soldenn
sie betaelenn Penninck Penninges
weerde.
52. Hett gefaltt, datt Idt eine
Schip datt ander ahnselt mett on-
gefalle, also datt Idt eine Schip
mett synem goede blifit vorlaren,
so sal men werderen datt goett
In beiden schepen tho gelde, eer
einig Schip loes werde. Dan so
sali die Weerdeeringe van beiden
goederen thosamen gesummeert
betalen dat vorlaren goedt Pundt
punde gelyck, marck marcks ge-
lyck. In gelycker wyse so sali
men werdeeren die Weerde van
beiden schepen, eer die Schade
geschege , thosammen summeert
betalen datt vorlarenn Schip.
51. Weertt oeck sake, datt die
Reders van Öhre Schipheren for-
derden, datt he ehme Borge solde
setten vor beholden goedt vnd dat
Schip, so wedderumme in gelycken
sali (220') syn die Reeder weder
schuldich, Borge tho stellen vor
des Schippers Lyff.
53. Ist oeck sake, datt ein
») sc. Gut.
61
beer licht geladen vp geen sydt
der zee vude he he£ft noet tho
uorkopen van dess koepmans gue-
dere tho des schepes profyt vnde
dat schip blifft verloreli myt vn-
geualle, so sal de schipheer be-
talen den koepman (378) so voele
gueder, aUs he verkofit he£ft, alst
an den marckt koste, daer de
schipheer dat gelaedt hadde, vnde
daer en sal he geene vracht äff
bebben. Voert verkoept de schip-
heer enich guedt van dess koep-
mans gueder an diese side der
zee, dat sal he gelden den koep-
man, alss de wedergade ^) an den
marckt geldt tusschen den minsten
vnde den meesten, vnd daer sal
de schipheer syn vulle vracht äff
bebben.
Schipper licht geladen op gener
sydt der Zee vnde he hefft (nodt)
tho vorkopen van des Coopmans
goederen tho des Schepes profytt
vnde datt Schip blifft vorlaren
durch ongelucke, so sali die Schip-
per den Goopman betalen so vele
goedes, alss he vorkoft heft, alst
ahnn denn Marckede kostede, daer
die Schipper dat geladen hadde,
vnnde daer sali he geine Vracht
af bebben.
Vorkofft oeck die Schipper einig
goett van des Coopmans goederen
ahn deser syden der Zee, datt
sali he gelden den Coopman, als
die Wedergade ahnn denn mar-
ckede geltt Tusschen denn minne-
sten vnnde meisten, vnnde daer
sali die Schipper syne volle Vracht
äff hebbenn.
Wanneer die Schipper durch ,
Onweder in noedenn kumpt, dat
he synn goett moett werpen, oder
he strandet, Oder Schip vnde goett
vorgeitt; Nu is eine vrage, Wen
datt geworpen oder vorgaende
goedt, dorch Noodt gescheen, tho-
behoerich sy, den schipper ofte
Coopmann oder deme, so' datt
goedt weder gebergett hefft. Daer-
op Seggen die Rechten, datt idt
den genen blifft, die datt goedt
durch Nodt vorgaen oder gewur-
pen hefft, vnnde nicht den, die
datt geberget hefft. Dann sie
moegen woll eine redelicke loesinge
daeruor nehemenn, ut Instit. de
reb. diui. § ult. et C de acquiren.
rei Domin. C si quis et § differt
et ff. pro derelicto lege !& et 2a
Et facit ad hunc modum Noua
Constitut. Frid. Imp. Auth. naui-
gia C. de furtis.
Wurde oeck datt gevirorpen oder
') vg. Mnd. WB. s. v.
62
54. Item waer een stuerman off
schipman hem bestadet myt een
schipheer vnde de stuerman off
schipman een wyff neme vnde vp
den lande bleeff, de solde quidt
wesen van den schipheer. Man
hadde he^ geldt off loen van den
schipheer vntfangen, dat solde he
hem wedder geuen.
EMDEN.
vorlaren goedt by wenn befunden
vnde hadde nicht apenbaeret, die-
suluige begeitt daer Dieffte ahnn
ff. de furtis G. fals. et Inst, de
reb. diuin: § alia in fine. Hier-
uann werde ghy wyder lesen in
datt anderde Boeck des Sassenn-
spiegels In der glosenn des negenn
vnnd twinntigsten artyckels.
Finis.
H. Deiter.
Bruchstück einer UnterAveisung
über die zehn Gebote^
Folgendes Bruchstück einer Hs. aus dem Ende des 15. oder
Anfang des 16. Jahrhunderts, eine Lage von 4 Blättern, 8 Seiten kl. 4^
die Seite zu 23 — 26 Zeilen, verdanke ich unserem Yereinsmitgliede
Herrn Prediger W. Hansen, der mir jedoch über die Herkunft des-
selben nichts mitzuteilen wufste. Ich gebe den Text, welcher durch
die Flüchtigkeit des Schreibers mehrfach entstellt ist, genau nach der
Hs., indem ich nur die Punkte zu Anfang der Sätze ^) hinzugefügt
habe. Vermatungen über etwaige Verderbnifse hinzuzufügen unter-
iafse ich, da Herr Dr. L ü b b e n, von dem ich auch in der Entzifferung
einiger Worte unterstützt bin, beabsichtigt, sich weiter über das vor-
liegende Bruchstück zu verbreiten.
NORTHEIM.
R. Sprenger.
Das Bruchstück gehört dem Werke an, das betitelt ist: Das
buch der sehen gepot. Von demselben gibt es drei gedruckte Aus-
*) d. h. wo dieser in der Hs. durch grofse Buchstabeu angezeigt ist.
\ei
■Auf
I
vm
Kai
r
iben, eine von Erbart Ratdolt von Augsburg zu Venedig 1483 in
il., eine Strassburger von Johannes ütüninger 1516 in fol. mit Holz-
Bclinitten, und dieselbe (mit Druckvarietäten) von 1520, S. Cleffcken,
Der Bildercatecliismus des 15. Jahrb. Leipzig, Weigel 1855, S. 42 S.
Verfasser ist wahrscheinlich ein weiter nicht bekannter Franciacaner
arcus von der Linduuwe. Die Zeit der Abfassung fallt in die
ite Hälfte des 15. Jb., weil Geffcken auch eine Handschrift des
tucheg besass, die umä J. 1451 geschrieben war. Diese Hs. ging aber
lauf 9 Blättern nur über die ersten drei Gebote.
Zur besseren und bequemeren Vergleicliung lasse ich nach dem
Exemplar der ältesten Ausgabe von 1483, welches die Oldenb. Biblio-
thek besitzt, die hochdeutsche Fassung neben der niederdeutschen
idrucken.
Ignacius epistel die er sandt iohanni ewaugelista von Maria leben:
litz ist die epistel vnde hie innen merckestu wol, wie danckperleich
le edel magt alles leiden enpfing. Die drit weise ir dänckperkeit
ras das sie käinen einflüß von obenn noch kein gäbe nie angesach
mit raste vnd benüglichkeit mer zu haut so schickt sie es wider auÖ'
in got von dem auch es kuuieu was. Uud do was allain ir raste von
begnedlichkeit: vud darfmb spricht sy. In omnibus requiem quesivi.
In allen dingen lian ich rwe gesucht vnd bin beliben wonend in dem
erbteii meins herren. Das soltil also versteen das die edel magt für
mit ir veruunfft fber die himell (fd. XXII) in das abgr&nd der helle
vnd in das tielt' mere vnd dan fmb den kräiß des ertrichs vnd sie
rand nie rwe vnd ditz was groß wänder das sie ir kint bekant vnd
zweifei god
— Hier setzt das Fragment ein —
und mynsche hy sek badde nach vnd mensch bey ir het wie i
alle creme willen und doch
herte in alle oreme levende myt
ghenochte nu enrauwede an syner
Byiischeit wente or ghc-mote alle t
begbe up ghink ane unilerlat und
jhink in dat gotlike aBgrunde
i deme allene ere rauwo was und
Bar ynne droch se alle dat se iii
(ntphink myt neddersinkender de- i
"lodicheit. Su ore droghe brot
khadde se nicht ghegheten ane
^ depe danken, unde des sulueu
liduchte se sek des nicht werdich
Iftt se ot nuttede. To deme drid- i
^D male schaltü weten dat se deu
metseben vader also erede dat
syne ere sochte iu aller in-
wolt vud doch ir hertz in allem
irem loben nie awgenplick darauf
gerastet mit ben&gde an seiner
menschäit dan das ir gemute an
vnterhis auf ging vnd vber sich
ging in das gottlich abgrund in
dem allain was ir rwe dar innen
trüg sie alles das das sie ye mit
in der sinckender dänckperkeit.
äich ir trucken prot het sie vngern
gelten an tief danckerperkelt vnd
daucht sich nicht wirdig von ir
selber das sie ez nützte. Zum
dritten mal soltü wissen das sie
den bimelischen vater also erte
das sy sein ere sucht in aller irer
yunwendigkeit vnd auOwendigkeit.
wetidicbeit und ulwcndicheit wente
ae nü tred ghedcde noch teleo in >
or liant ghenam se dede ob myt
godde und inyt oren wente ae en
hadde du ghemak edder nutticheit
de se sochte in jenighe (l'>) din-
gben anders wan de ere goddes. ■
Se begherdß ok nu anders in dus-
ser tyd vor sek suliien wen de ere
godea dat de vulvoret worde nach
aynem alder leresten willen ot
were doi'ch leff edder dorcli leyt. *
8u dut was de begheringlie der
Lyinekclien maghet und was also
erende den hoghen got und Iielt
also dat verde ghebot. Nu wit
ik dy ok segghen wu de leveu b
vrunde goddes du ') ghebot helden.
So wete dat sek de kven raynschen
aulven vor seghen*) in deme alse
uuse here ghe sproken heft we
dar nicht en vor let vader uüd *
moder suster und brodar und sin
cruce nicht en nympt up synen
rüggbe und volgbet my na de eu
is rayner nicht werdich, Dut dat
sen 96 an unde vorlatet vrunde i
undß magbe bus ufid hoff dat se
warUken niogbö sprekou pater
noster qui ea in celis (an) vader
unse de du bist iu deme hymele.
Dat niogben se denne ghewerUken t
spreken so ae uppe dusseme ert-
rike ledich sint van alle oren
vrunden. Doch ao schaltü weten
wu ae de naturliken neghinge dat
is tighen alle ore vrunde willen h
den ghebodeu goddes ghenoch
don und wur se bekennen dat ore
vader effte moder ores denstes
notdroftich sint den so laten er
alle andacht und don den gheboden «
en noch. Moghen se auer ore
vrunde myt andere luden auer sen*)
Wan sy getett dritt nie noch nam
nadeln nie in ir haut sie tett ez
got zu eren. iren gemach noch
iren nätz gesucht sie nie in kei-
nen dingen in allem irem leben
dann alläin die ere gotea sficht
sie in allen dingen. Sie begert
auch anders in diser zeit nie f&r
sich selbe dann das die ere gots
des bimelischen vatera in ir vol-
bracht Wurde nach aeinem aller-
libaten willen. Ez wer durch lieb
oder durch laid. Sich das was
die begird der Limelischen magt
das sie erte den hoben got vnd
hielt in die weise als ich dir ge-
sagt han in disem vierden gebot.
Wie die freflnd gotes vater
vnd muter eren.
Nun wil ich dir sagen wie die
Itebaten fre&nde gutes ditz gepot
halten. Wiß das die liebsten fre&nd
gots in in selber an aebeu das
vnser herr ihüs Christus gesprochen
hat: wer nicht leßet vater vnd
muter, awester vnd prüder vnd sein
kreutz nicht nympt auf sich vnd
mir nach volget der ist mein nicht
wirdig. Ditz sehen sie an vnd
laßen frefind vnd mage vnd haws
vnd bof daa sie werlicben mügen
sprechen. Pater noster qui es in
celis, Vater vnaer der du pist in
den himeln: vnd das mugen sy dan
werlichen sprechen so sye auf
ertrich ledig seiu aller irer frefind.
Doch soltü wissen wie das sie der
natürlichen näiguug tod sein gen
allen iren freunden doch so wollen
sie dem gottlichen geböte genunck
seien wo sie bekennen das ir veter
vnd ir müter ires dinstes bedörffen
do lassen sie ee al andacht vnd
tiin den gepoten genugk aber m^gen
') Soll wol heissen dit. h.
') sek voTseggen, sich verliiugnen. {Doch a. den hochd. Text,
») =r operst'n, verachonen ? (= vorsin, verseilen, besorgen. L.)
L.)
65
dat don se leuer. Also wete d&t
se aek myt aller gotliche.yt erwer-
dicbeyt holden to oren vederö und "
moderen dorch dusses ghe bodes
willen auer se sint sek sulue gbe
woldichliken dod uQd ledich alzo
vele also ore iiature aoket. To
dem anderen male eren ae eren "
gheistliken vader und nioder wan
86 de houede der hilgheu kerken
eren (Sb) myt ganUem vlite und
myt gantzer ghe horsämicheit in
allen gheboden also de hilghe i'
kerke ghehut unde ghe ordineret
hetlt, Also boghen se aek demo-
dichliken und enwilt nicht nach
oreme egheiie synne leven se willet
alle tijd he wiset werden nach der '»
hilghen acrifft uftd van ghelarden
luden wu dat nicht an deme myn-
sehen were dat were eyn böse
teken. Myn leve iügher nu wete
dat etiike lüde iu gheyBtliken »
scliine willen alao hoch komen dat
se de ghebot uftd ordenighe der
hilghen kerken nicht enwillen
aphten. Se willen ok vri ain ufld
hebben vornuftigho wort und reden »
gberne van hoghen diogheu und
willen aek auluen nicht we don
ufld alle ouingbe in atrenghe din-
ghcn und dogheden ducket se eyn
grofhett to wesen. Se en achtü »>
de lerer nicht dede scrifft weten
und vorstan und one dünket ore
(3") Bin de beste wesen ufid we
in orer dwelinghe nicht medo en
ia den achten se cleyne vor den i*
luden schaltu dy lioden uTid se
vien also de vorboden anticristes
wente ot sint dedc mönighen za-
lighenniynschen vor wiset'). Auer
de guden lüde hebben dusso wise
nicht wente se druckken aek de-
modichliken under dp lererR der
■| i'oriciaen, verfUhreu.
sie ir freund mit andern lewten
versehen das tun sie lieber. Sust
wisse das sy sich mit aller gött-
lichkeit vnd erwirdigkeit halten
zu iren vettern vnd mfittern durch
des gepotes willen aber sie sint
in wiasentlich tod vnd ledig dann
" als vil ez die natur auchet. Zum
andern mal eren ay ir geistlich
veter vnd mflter. Wann sy das
hawbt der kirchen eren mit gan-
tzem fleiß vnd mit gantzer gehor-
' Bamkeit in allen gepoten die die
heilig kirch gepoten vnd geordent
hat do pigen sie sich diemütig-
lich vnter vnd wollen nicht auß
iren äigen synnen leben. Sie
1° wollen allzeit geweist werden nach
der geachrift vnd nach gelerten
lewten. Vnd wo das nicht an
dem menschen were das were p5ö
zeichen.
u Von hohen geisten vnd
vbung.
Wellicb in gäistlichen schein
wollen so hoch kümen das sie der
geböte vnd ordenSng der heiligen
» kirchen nicht wollen halten noch
achten. Sie wöl- (f. XXW*) len
auch frey sein vnd haben vernünf-
tige wort vnd reden gern von
hohen dingen. Sie wollen auch
i> in selber nicht wee tun vnd alle
fbung in strenge[n] lügenden dun-
cket aie ain grobhait. Sie achten
der lerer die die schriefft vil ge-
lesen haben nicht. Sic schätzen
»sie claine. Sich vor den lewten
soltS dich hQten vnd aie Hihen als
vor den verboten des cndekristes:
wann sie synd die die manchen
seligen menschen verweisen. Aber
106 die guten lewte habent nicht die
weise: sie drucken sich diemütig-
lich vnter die lerer der heiligen
hilghen Bcrift iifid under ander
ordeninglie der hilghen kerkea.
To deme driddc male ereu se den ■!
deyn hyraelache vader myt gantzer
demodicheyt und myt eyaem wol-
getniweden under gbe worpen
mode de sik uprichtet wedder <ippe
alle dat dat he eyntpheyt dank-n
iiamichlike ot ay lefi efftü leyt.
Dar umm«; an werket de hymelsclie
vader ane hindemisse an on. Du
schalt wcten wan de mynsche dar
to körnet dat he lef und leyt miti^
dankf5''^naraicheit eiitphenkt dat
denne de hymelsche vader myt
Byuem riks sone ano hinderuisse
an deme myoschen sin leveste werk
vuIlenbrJDghet wente se hebben 'i
sek suluen werlikcn vorloren unde
sint Rek suluea dot. Dar umme
en soken se sik suluen nicht und
en soken anders nicht wan de ere
goddes und dat is ore menighe i'
in allen dJughen der beghert se
er vullet werden also vel dat ae
wedder de ore goddes nicht en
wolden in deme ewighen leuendc
sin und wolden or in der helle sin n
wente se otmodighen sek also vele
uitie des hymelschen vaders willen
dat ae eynen unghedeleden sin
ufld willen hehbet myt ome in allen
dinghen uüd dar uifie wu ot onen
gheit des en nemet se sek nicht
an und aint dar unbokumert ynne
so se aen de gotliken ere under
gan dat ne moghet ae nicht ghe-
liden. Auor in egheneme schaden u
stan se alle weghe in ghelikheyt
(4a) dat meynet de lerer myt deme
gülden munde') und sprikt aldus
In propriis in vieijs in eghenem
schade duldich dat is to romende m
Auer wur me aut goddes ere neder
trede und dat let hen ghan un-
') ChrjBOBtoraus. L.
geachrifftvnd vnter ander Ordnung
der heiligen kristenheit. Zu dem
'dritten eren sie den himelischen
vater mit gantzer diem&tigkeit vnd
mit äinem vnderworffen gemüte
das wieder auff treibt alles das
es enpfecht danckberleich ea sey
lieb oder läid, Dar ?mb so wSr-
cket der hitneliscb vater an hin-
dernfiO in in: wann du solt wissen
wen der mensche dartzii kümet
das er lieb vnd läid mit danck-
iperkeit enpfehet das dan der hy-
meliacb vater mit seiner reichen
sumen an hindernüOe sein liebsteta
werck volbringen. Sie haben sich
selb auch worlicb verlorn vnd sind
in selb tod, Dar-fmb suchen sie
sich selber nicht mer alläin die
nre gottea: sich die ist ir meynung
in allen dingen die begern sie er*
füllet werden so vil das sie wieder
die ere gottes nicht wolten sein
in dem ewigen leben. Sie wölten
oe in der hell sein. Sie drucken
sich so vil in den willen des hime-
liscbeu Vaters das sie i'tynen vn-
■ geteilten willen mit got haben in
allen dingen. Dar^mb wie es in
geet des nemen sie sich nicht an
vnd sein vnbekuraert dann so sie
sehen die götlichen ere vntergeen
des mfigen sye nicht geläidcn aber
Iren äigen schaden steen sie al-
tzeit in genüglichkf^it vnd manet
auch der lerer mit dem gülden
munde der spricht also. In pro-
prijs iniurijs. In aigem schaden
gedältig sein das ist zti rfimen :
aber wo man sieht gottea ere
nider treten. Und das man das
let -fbergeen das ist fbel vnd zu
schelten. Sust hastü wol verstan-
den das sie auch die edeln muter
gotos in sSnderlicher ere haben :
J
ghestraffet dat ia ouel ghedan uäd
is uumildiuheit. Also liefftu wol
vor stan dat se ok de werdiglidni
moder in sunderliken erea bald et
wente wete dat dede so lioghe
willen Bin or nicht en achten und
de sulaen schedeliken lüde sint
up eyneni vorkarden bösen weghe "
Nu hebte ek dy van duasem ghe-
bode ghe sacht allet d^t ek my
des vor stunt dar van. Dar aäi-i
beghere ek dat du nu hebbest eyn
ghenoghe. De iügher my ghei«
noghet hir mede wol wente ek
vinde mek anluea ao verne van
dusser wise der eydeien ') moder
ufid der leuesten vrüde goddes
dat ek in (4I>) my suluen ghe-"
slagben bin also vele dat ek
nicht enkan ghevraghen. Dar
umme belere my vor bat dat vifte
ghcbot also du my de anderen
gbewiset heöt. De meister weten
ifft du in der ho^heaten wise ieue-
dest uftd dat du den dut sutue
van dy er vorest so werstu itzunt
uppe dat nederste ghe vallen wente
wur van de mynache erbauen wertu
in ome auluen dat is sin achadu
ufid nicht sin uutticheit wente alle
unse leuent dat schal vor smat
sin uns sulues up eyn neder sin-
kent und dat neya eghentschop n
dar ynne sy. Nu wiFek dy seg-
gbun van deniu vifften ghe bode
goddas. Also du euschalt nicht
do;t 8lan
tDat vi£fte ghebot').
u weCe dat
got Bprak to deme vifften male
Non occidas. Du en schalt ney-
mande3(sic!)dot slan edder doden, >
HJr mede en is nicht ....
wan wisse das die dy do hoch
wöUea sein das die ir nicht en-
achten das die schedlich menschen
sein vnd autTäinen verkertenpöOen
weg sein. Nu liann ich dir auß
disem gepot gesagt alles das des
ich mich verstund: darfmb so
bcger ich das du nü habst äin
benagen.
Der iunger. Mich benagt wol
hie mit wann ich vind mich selber
so vene von diser weise der edeln
magt vnd der lieben frefind gottes
das ich in mich selb geschlagen
pin : so vil das ich nicht f&rbas
gefragen kan. Dar*m so bekler
mir lurbas das fiinfft geböte als
'dii mich die andern beneiset hast.
Der meister. WiO ob du
yetzund in der höchsten weise leb-
test vnd du denn dasselb von dir
selber schätzest : so werestü yetzund
■ auff das nyderst gefallen. Wann
wo von der mensch erhebt wirt
in im selber das ist sein schade
vnd nicht sein nutz: dann alles
vnser leben sol gesondert sein
■ auff äin versmahen vnser selbs
vnd auff äin nider siucken in
vnser eygen nicht.
(f, XXVa) Ich wil dir nü sagen
1 von dem fünften geböte.
Das ist von dem fünften
gepot vnd auch von synnen
vnd materien die darzS ge-
hären.
« Du Bolt willen das got zu dem
fünften mal sprach. Non occides.
Du solt nicht töten hie mit ist
nicht das leiplich ertöten etc,
1
') tydelen, d. i. edelni, wie hüaGg in gewisaen Gegendpu
l roten Buchst aLeu.
68
Anmerkungen.
Man siehty daß beide Faßungen nicht ganz fehlerfrei sind.
Z. 3 loben m hochd. Text ist vielleicht nur Druckfehler; im nd. T.:
levende.
Z. 6 ist wol im nd. Text sik ausgelaßen. Ich glatte, daß ein lateinisch
geschriebenes Original eu Grunde gelegen Juxt. Nach diesem müßte
sich leicht entscheiden laßen, wer Recht Jtätte.
Z. 10 in der ist Druckf. für nider. Am Schluße fehlt das Verbum
entfink.
Z. 12 danckerperkeit ist wol Druckf. für danckperkeit, das eine Zeile
vorher steht.
Z. 20 telen ist Nachläßigkeit des nd, Abschreibers statt nateien ; natele
kommt übrigens nd. eben so häufig vor als nadele.
Z. 22 mit oren. oren im nd. T. wird nur Schreibf. sein statt eren;
e und wechseln wol mit einander, aber ore = ere (honor) ist
nicht gebräuchlich. Übrigens bat der hochd. T. wol richtiger:
got zu eren. Auch die weitere Fortführung des Satzes ist klarer
im hochd. wie im nd. Texte.
Z. 36. Diese, wie alle übrigen Überschriften hat nur der hochd. T.
Z. 38 vorseghen im nd. T. muß nach dem hd, T. heißen: ,sie sagen
sich vor', wozu aber freilich in deme nicht recht paßt. Wahr-
scheinlich ist ein lateinischer Ausdruck von beiden verschieden auf-
gefaßt und übersetzt.
Z, 44 dut dat: dat ist wol wie im Nd. häufig, abundierend hinzu-
gesetzt: jDies das sehen sie an^.
Z, 54. Hier hat der nd. Schreiber augenscheinlich ein Versehen be-
gangen. Es müßte nach dem hd. T. heißen: wu se der natur-
liken neghinghe dot sin tighen alle ore vrunde unde doch etc.
Z. 59. Es fehlt im nd. Text das Subject: se. (. . so laten se er,
eher, früher, alle andacht etc.)
Z. 64. L. im nd. T. gotlicheit unde erwerdicheit.
Z. 67 ghewoldichliken hat im nd. T. keinen rechten passenden Sinn;
der hd. T. hat beßer wissentlich.
Z. 72. Nd. T. de houede. Ed. T. das hawbt (den Papst).
Z. 85. Hier scheint im hd. T. zu fehlen: wifs, 1. j. das etc.
Z. 88. Im nd. T. fehlt das halten noch.
Z. 97. Der im hd. T. abgerißen stehende Satz erhalt durch den nd. T.
erst rechtes Licht, der hinzufügt: unde one dunket ore sin de
beste wesen und we in orer dwelingho nicht mede en is den
. achten se cleyne.
Z. 110 den deyn. Das deyn ist wol eine verunglückte Dittographie
des nd. Schreibers.
Z. 121 mit seiner reichen s&men ist im hd. T. unverständlich. Das
Richtige hat wol der nd. T. mit sinem riken sone. Der Plur.
volbringen des hd. T. ist zwar nicht unrichtig, weil das mit = unde
ist^ aber der Sing, des nd. T, ist doch üblicher.
69
Z. 149 in propriis invicijs corrigiert sich aus dem hd. T. in propriis
iniuriis.
Z. 156 nd. Uoß moder; hd, richtiger muter gotes.
Z, 157, Der nd, T, dat dede so hoghe willen sin etc, steht nach Bil-
dung und Inhalt hinter dem hochd. zurück. Ist das do des hd. T.
nur DrucJcf. für das so des nd, T. ? Beides ist übrigens zuläßig.
Z. 173 belere. Dafür hd, T. beklere. Dies ist kein Druckf,, denn
auch fol. 1 steht: ich wil dir die geböte gots beklern (=i er-
klären^ deuten). Es ist eher zu fragen^ ob das belere des nd. T.
richtig ist. Denn die Construction : ik belere di dat gebot hat
etwas fremdartiges.
189, Hier fehlt im nd, Text der Schluß der Betrachtungen über
das 4. Gebot, Im hd. T. folgen nicht weniger als 4 Folioseiten
und 9 Zeilen^ ehe es wieder mit: ich wil dir nü sagen etc. mit
dem nd, Text zusammen trifft.
Z.
Man sieht bei näherer Vergleichung, daß der nd, Text keimte Über-
setzung des hochd. T. sein kann. Die Vermutung liegt näher^ daß beide
eitle lateinische Vorlage hatten^ die sie tiach besten Kräften übersetzt
haben. Darauf führen auch noch folgende Varianten, die kaum eine
andere Erklärung zulaßen.
Z. 4 nd.
nu
hd.
nie awgenplick
n 96
7)
lerers, de de schriflFt
weten unde vorstan
7)
die die schrifft vil gelesen
haben
r, 109
7)
hilghen kerken
7)
kristenheit
«lli
n
de sik uprichtet wed-
der uppe alle dat
7)
das wieder aufftreibt alles
„136
n
se otmodighen sek umme
des h. vaders willen
JJ
sie drücken sich in den wil-
len
„138
7)
sin unde willen
7)
bloß willen
„145
7)
in egheneme schaden
stan se
J>
iren aigen schaden steen sie
„146
7>
ghelicheit
7)
genüglichkeit
„U7
7>
dat meynet
n
vnd manet
„152
7i
dat let hen gan unge-
straffet
7i
let vbergeen
„153
n
dat is ouel gedan uud
is unmildecheit
fj
das ist ^bel vnd zu schelten
„ 161
T)
van
7)
au0
n 178
n
ervorest
fj
schätzest
„18a
7)
alle unse leveut schal
vorsmat sin uns sul-
ues up eyn neder
sinkent und dat neyn
eghenschap darynne
sy
n
alles vnser leben sol gesuudert
sein auff äin versmahen
vnser selbs vnd auff äin
uider sincken in vnser eygeu
nicht.
70
Es ist zu beMagen, daß das nd, Fragment so Mein ist; t€ir haben
freilich keinen Mangel an nd, theologischen Schriften, Gebetbüchern etc.^
aber daß gerade aus einem so hervorragenden Buche, wie das j^Buch
der eehn Gebote^ ist, Teein vollständiges nd. Exemplar auf uns gekommen
ist, ist in mehr als einer Hinsicht ein empfindlicher Verlust,
OLDENBURG. A. Lübben.
Arnt Busehman.
Johannes ßoutzbach, Prior des Klosters Laach, hat in seinem
Auctarium zu Trithemius Biographien (Handschrift in der Bonner
Universitätsbibliothek fol. 108) den angeblichen Verfasser des Mirakel-
buchs, aber unter dem Namen Friedrich Busehman, angeführt. Die
Stelle lautet:
„Fridericus Busehman, patria Westphalus, vir in sacris
litteris competenter imbutus et secularis litterature non ignarus, in-
genio clarus, sermone scholasticus. Scripsisse dicitur nonnuUa aperto
stilo opuscula, de quibus tantum vidi
Apparitionem cuiusdam spiritus li. I.
Alia adhuc ad meam noticiam minime venerunt.
Claruit sub Frederico 3® anno domini 1. 4. 7.^
Gleich vorher geht folgende Notiz:
;,äerous, abbas Reichenbergensis ordinis diiii patris nostri Be-
nedicti, natione Teutonicus vel Brito, vir in diuinis scripturis studiosus
et non infime doctus atque in secularibus litteris sufficieuter imbutus
nee minus relligiosa conuersatione quam scientia insignis. Edidit non
spemende lectiouis opuscula quorum lectio simplicioribus accepta
videtur, e quibus vulgatum illud extat
De visione Tundali militis li. I. Venerabili ac deuote*).
Et quedam alia.^
Ich bemerke noch, dass ich den Namen Arnt Busehman, als
den eines Geistlichen zu Götterswick, eitiem Dorfe am Rhein, zwischen
Duisburg und Wesel, um 1483 gefunden habe. Da die Urkunde für
den niederdeutschen Dialekt der Gegend von Interesse ist, so teile
ich dieselbe hier mit (ich habe sie aus dem Original abgeschrieben) :
„Wy Gyse van Meerhem jnd Brun opte camp, Schepen
to Goterswick, doen kondt ind tughen yn desen apenen brieue dat
*) Dies sind die Anfangsworte der Schrift.
Bioer ons cüineii ys Juliuu Viidauh jiid IielH bt^kant voer »ick iud
tea erutu, dat hu royt syiien gueden vryeu wyllen ya eyii testamant
■tnd leste wylle yii tegenwoerdicbeyt htrun Amt Busclimaii stat-
helder des pastoits tuGoterswickter tyt, Jacob Eecks Jnd
Herman Claus, kerckmeysters ter tyt der kerckeii vurß, yu dye etr
gades vmb troist iud lieyl synre, syore alderen, vryndeo ind niiigä
zyeleu gemact iud vtterliant auergegeuen liefft erfflicke iud ewelickü
yn dye kerspels kercke to Goterswick alsodane erue en laut eygens
guetz, als hu liggeu hofft op Meeremher geest jnd ya gelegen
myttei' tyure syde tussclien erue iud laut der vaii der eeuk jud
mytter andere sydeii der beren van «unte Johan. Oiuk bekußueii wy
Bchepen vurU dat na der tyt voer ous syut cuuitit Jobati Vrydacha
vurU eme, als Jordeit Vrydachs kyndere jnd Goggelen kynJere, jud
bebn dcsu vur0 gitftu eü testaiuent mede beliefft ind auergegeuuii yu
betioeÖ der kercke vurD, jud voirt aemeutliken gelauet dyt \avß eruu
ind laut der kercken vurß to waeren ind relite watrscHpp to doun
voer on oeren ind voer all dye goen dye dyt royt rt'fhte besprckeu
moctiten sunder al| urgelist Ind dys to tuge der waerbeyt bet>n wy
st:hepeu myt uamen vurQ onse sciiepen amtn aegell vmb bede wylle
feyder partyeu aen (lesen brieff gebangeii.
Gegen™ yu düU iuii- ous bL-reii duseut vier huudert driu en
icbtentich op dat hochtyt Öunte Jacob des billigen apostels,"
Auf der Jabresversanimlnug des Vereius lür iliederdeutsclie
Spracbforschung in Göttiugeu am 11. und 1"-*. Juui 1S7S b;it Herr
Dr. W. Seelmunn jms Berlin einen Vortrag über die Pronominul-
forineu wi*. di, mek, dek. mik, dik u. s. w. gebalteo, welchem das
Verdienst gebübrt, zuerst auf eine böcbst interessante Erscheinung im
Bereiche des Niederdeutschen aufmerksam gemacht zu baben. E»
zeigt sich nämlidi, dass die vokiilisch und kousonanlisch auslautenden
Formen der eben erwähnten Pronomina nicht willkürlich neben ein-
ander gebraucht werden, auch nicht in verschiedenen PtTiuden der
dialektischen Entwickelung auf eiuander folgen, sondern dass von
■ Alters her und schon im Mittelniederdeutscheu nachzuweisen die
ELBEREELD.
W. Crecelius.
Ueber Sprach- und Gaugrenzen
zwischen Elbe und Weser.
72
vokalischen und die konsonantischen Formen, jede für sich ausschliess-
lich, in lokal scharf abgegränzten Gebieten gebraucht wurden^).
Ausserdem hat Herr Seelmann in der Einleitung zu Gerhard von
Minden (Bremen, 1878) p. 41 f. auf diese Dialektformen und die
lokale Verschiedenheit ihres Gebrauchs hingewiesen. Derselbe hat
dann die Güte gehabt, in brieflichen Mitteilungen an mich die Grenze
dieses Gebrauchs folgendermassen zu bestimmen. ;,Das niederdeutsche
wiÄ-Gebiet hat zur Ostgrenze die Elbe bis hinunter nach Magdeburg.
Bei dieser Stadt überschreitet mik den Strom, wenn in der Tat diese
Form, wie mir gesagt ist, noch bis Herwisch bekannt ist. Nördlich
von Magdeburg bildet eine Strecke lang die Ohre die Grenze, dann
zieht sie in nordwestlicher Richtung nach der Lüneburger Heide zu,
so dass die Magdeburger Börde, das Herzogtum Braunschweig m. A.
eines nordwestl. (sie) Zipfels und Celle mik^ die Altmark und die
Heide mi gebrauchen. Von der letztern zieht die Grenze zur Weser,
welche sie zwischen Hoya und Nienburg trifft. Erstere Stadt spricht
mi, letztere mik* Die Weser ist dann bis Minden hinauf Grenze.
Minden selbst kennt noch mik^ in seiner UmgQgend beginnt schon
mi^. Das Folgende bezieht sich dann auf die Weiterführung der
Sprachgrenze nach Süden, die ich hier ausser Betracht lasse. Die
eben angeführte Beschreibung der Grenze zwischen Elbe und Weser
zeigt jedoch erhebliche Widersprüche gegen den tatsächlichen Sprach-
gebrauch, wie er von mir teils durch zahlreiche Nachfragen ermittelt,
teils mir durch eigene Kenntnis vertraut ist, und wenn ich es nun
unternehme, diese Sprachgrenze genau zu ziehen, so wird der ver-
diente Herausgeber des Gerhard von Minden mir diese berichtigten
Angaben um so mehr zu gut halten, als die Anregung zu diesen For-
schungen ausschliesslich sein Verdienst ist.
Die Grenze beginnt also an der Weser zwischen Hessisch-Olden-
dorf und dem Dorfe Gross- Wieden (siehe die Karte!), von denen er-
steres mek, letzteres mi spricht. Beide Orte sind etwa eine halbe
') Der Uoterschied ist übrigens schon im Altsächsischeu vorhanden, doch in
etwas anderer Art. Das Hildebrandslied unterscheidet Dativform mi von Akkusativ-
form mih (mik).
13. ihn du mi man sages, ik mi de ödre uuet,
chind in chunincriche : chüd ist mi al irmindvot. u, so öfters.
Dagegen 41. spenis mih . . .
mit dinem wuortun, wili mih dinn speru lotrpan.
Ebenso in dem altsächsischen Beichtspiegel des Frauenstifts zu Essen (Schade
Altdeutsch. Leseb. p. 21 f.), z. B. aholganhed endi gistrldi an mi hadda. Dagegen
endi mih selvon mid uuüon uuordon — mer unffuuröda than ik scoldi.
Dagegen werden z. B. im Heliand und in der niederdeutschen Psalmeuüber-
Setzung des 9ten Jahrh. (Schade p. 58) die vokalischen Formen für Dativ und
Akkusativ zusammen ausschliesslich gebraucht.
Es ist daher für alle Perioden des Niederdeutschen falsch, wenn es in
dem Hülfsbuch für die Deutsche Litteraturgeschichte von Herbst (Gotha, 1879, I,
p. 16) heisst: „Das Suffix ch im Akkusativ: mich, dich, sich, unsich (neben dem
gewöhnlichen uns), iuch (euch), entsprechend dem lateinischen c in hie, haec, hoc,
u. s. w., sie, illic u. s. w. wird nur im Hochdeutschen, nicht im Niederdeutschen
(Plattdeutsch und Englisch) angesetzt.*^
a.
h
73
Stunde von einander entfernt. Dann zieht sich die Grenze zwischen
den hessisch- sc haumburgi sehen Dörfern Hattendorf und Escher nach
dem lauggestreckten Hiicken des Bückeberges hinüber und folgt genau
dem Laufe desselben, so daas z. B. das am westlichen Abhänge ge-
legene biickeburgische Heuerssen mi, das 'U Stunden davon am üat-
licheu jVbbange liegende hessische Apelern mek spricht. Von hessisch
Beckedorf am Nordende des Bückeberges zieht sich die Grenze bei
Lindhorst (bückeburgisch) vorbei nach (Jrossen-Heidorn zu, berührt
hier beinahe das Südufer des Steinbuder Meeres und umgeht es im
Bogen, bei Neustadt a. lt. sich nach Norden wendend. Hier bilden
t£e Dörfer Empede und Mariensee die Grenze des konsonantischen
'Gebietes, während in einem durchschnittlichen Abstände von einer
halben Meile nordwestlich davon die Dörfer Eilvese, Bühren und
Bovenseu ausschliesslich die vokalischen Formen brauchen. Von hier
aus geht die Grenze nordöstlich der Leine zu und schneidet dieselbe
last genau au der Stelle ihres Zusammenflusses mit der Aller, so dass
in der Gegend von Ahlden und Hudemühlen die Dörfer Nienbagen
an der Leine und Hademstorf nördlich der Aller mi sagen, während
in Drebber, südUch vou Nienhagen, und in Essel, welches südlich von
der Aller Hademstorf gerade gegenüber liegt, nur die konsonantischen
Formen gelten. Von hier geht die Grenze zwischen Ostenholz und
Mei8sendorf auf Bergen, Müden, Uelzen zu, wendet sich dann scharf
nach Südosten, zieht bei Wittingen vorbei nach der Gegend von Neu-
haldensleben an der Ohre und folgt diesem Flusse bis zur Elbe.
Die hier eben beschriebene Linie iimfasst nach Süden zu ein
Gebiet konsonantischer Formen, während nach "Westen, Norden und
Nordosten die vokalischen gelten. Natürlich ist innerhalb der beiden
Gruppen die Aussprache nicht überall gleich. Im Wesertal sagt man
vielfach me-i und twe», westlich von Minden mea, sonst reines mi, au
der Nordwest- und Nordgrenze des konsonantischen Gebiets wird mih
statt mek gesprochen, abgesehen jedoch von diesen Verschiedenheiten
ist es wunderbar, wie scharf sich die Dialekte gegen einander ab-
setzten. Gegenden, wo beide Arten zugleich gebraucht werden, doch
stets so, dass die eine Form bei weitem vorwiegt, änden sich mei-
nes Wissens nur bei Liudhorst und Lüdersfeld (bückeburgisch, s. Nr. 6
auf der Karte), ferner am Südufer des Steinbuder Meeres in den Ort-
I Schäften Steinlinde, Hagenburg und Itebburg (Nr. 11, 12, 13 der Karte),
dann bei dem hannoverschen Bergen (Nr. '24),- und endlich um Uelzen
fllr. 26. Der Bezirk ist auf der Karte etwas zu gross gezeichnet).
b&bci ist es nun interessant zu beobachten, wie in den bezcichneteu
kgenden, mit .\usnahme von Uelzen, mi das weitaus gewöhnlichere
H, und ganz besoudere Beachtung verdient es, dass nach einer mir
l^wordenen zuverlässigen Nachricht in Lindhorst und Umgegend das
mik nur noch „von einzelnen altern Leuten" gesprochen wird. Beide
Tatsachen zusammen durften wol den Scbluss rechtfertigen, dass die
Tokalische Form in langsamer und allmählicher Zunahme
^begriffen ist.
Wie vorhin erwähnt wurde, ist die Trennung der Dialekte faet
überall eine ganz plötzliche und scharfe. Oldendorl' und Gross-Wieden
(Nr. 1 — 2) liegen Vi Meile von einander entfernt, Ilattendorf und
Eacher {Nr. 3—4) 'U Meile, von Heuerssen (Nr. 6) aus „drei viertel
Stunden nach Osten* beginnt die konsonantische Form, und so ist es
fast auf der ganzen Grenzlinie.
Dass diese scharfe und plötzliche Scheidung ihre besondereu
Gründe haben muss, liegt auf der Hand. Ein „Zufall" ist hier ganz
ausgeschlossen. Ich halte es nun freilich für aussichtslos, etwa er-
mitteln zu wollen, warum die Zunge der mehr nördlich wohnenden
Niederdeutschen auf das mi, die der südlicher wohnenden auf das
mik und meh kommen musste, und warum nicht das Umgekehrte ein-
getreten ist. Wenn man sich aber die Frage so vorlegt: Wie kam
es, dasE in zwei ganz nahe gelegenen Ortschaften überhaupt eine
wesentliche Verschiedenheit des Dialekts eintreten konnte,
— dann, glaube ich, kann wenigstens in vielen Fällen eine genügende
Antwort gegeben werden. Lebhafter Verkehr verschleift die gesonder-
ten Dialekt formen, und erhebliche Hindernisse desselben erhalten die
Besonderheit der Aussprache auch in räumlich ganz nahe gelegenen
Ortschaften. Wenn man sieh nun in eine Zeit zurückversetzt, wo
noch nicht Brücken über jeden Fluss, Wege durch jeden Wald, Fuss-
pfade über jeden bewaldeten Bergrücken, Stege durch jedes Moor
vorhanden waren, so erkennt man schon in Flüssen, Wäldern, bewal-
deten oder sonst schwer zu passierenden Bergrücken, Mooren die
trennenden Scheidewände zwischen dialektischen Besonderheiten. Und die
Wirksamkeit dieser na türlichen Scheidungen muss tedurchdie wiederum
von ihnen selbst bewirkten politischen Yerachiedenhcituu nur noch
stärker werden. Die Bauern hatten sicherlich leichter und öfter Ge-
legenheit und Veranlassung, etwa von dem Abhänge des Waldgebirges, an
dem sie wohnten, drei oder vier Meilen weit /u einem Kloster in der
Ebene ihren Zins hinzutragen, als ihr Nachbardorf zu besuchen, das
vielleicht '/i Meile entfernt an der andern Seite des Berges lag; n.ich
dem Hauptorte des Gaues pilgerten viele Meilen weit Leute, die etwa
am Hände eines Moores wohnten, was hätte sie aber bcsundcrs ver-
anlassen sollen, auch nur eine halbe Meile weil ein Ödes Moor zu
durchschreiten, um dann sich in einem Nachbargau zu „Fremden" zu
begeben! So wird es, wie mir scheint, nicht unmöglich sein, von
vornherein aus dem Vorhandensein scharfer Üialektgrenzen auf uatiu-
liche Verkehrshindernisse zu schliessen, wobei es sich von selbst ver-
steht, dass dabei die VerkebraverhäJtuisae der heutigen Zeit giin«
ausser Betracht bleiben müssen. So ist es bekannt, dass di-r Lech
noch bis heute eine scharfe Grenze zwischen Schwaben und Baieru,
der Thüringerwald zwischen Hessen und Thüringern zieht, und so kann
man auch die vorhin angelührten Verkehrshindernisse auf unserer
Dialektgrenze sämtlich nachweisen. Nördlich von Magdeburg scheidet
ein Fluss mit sumpfigen Ufern, die Ohre, das vokalische von dem
konsonantischen Gebiet, zwischen Ostenholz und Meissendorf (Nr. 22
75
P und 23 der Karte), die, nur 10 Kilometor von emiindcr entfernt, doch
' Terschiedene Pronomtnalformen sprechen, Hegt das „grosse Moor", am
Nordufer des Steinhuder Meeres wird ausschliesslich mi, am Südiifer
gemischter Dialekt gesprochen, zwischen Sachsenhagen und Auhageu
einerseits (Nr. 0) und Lindhorst (Nr. 8) und Beckedorf (Nr. 7) au-
dererseits zieht eich ein Wald hin, der schon vor uralten Zeiten hier
die drei Gaue Derve, Merstem und Bukkigau von einander geschieden
hat und noch jetzt die Dialekte scheidet, das sogenannte „Dülhulz"
oder pDünholz", und hier hat sich eine dunkle Erinnerung davon,
dass dieser jetzt ziemlich lichte, fast parkartige Wald vor Zeiten ein
wesentliches VerkehrshioderniB gewesen sein muss, bis auf den heu-
tigen Tag erhalten. Die Leute in Auhagen und Sachsenhageii nennen
nämlich die Lindhorster die „Dörhöltschen". d- h. also „die durch
das Holz Getrennten" oder die jeuseits des Holzes Wohnenden, zu-
gleich eine eigentümlich interessante Wortbildung, Ferner bildet dann
- der ßückeberg, ein dicht bewaldeter, nicht unbedeutender Höhenzug,
L.in seiner ganzen Ausdehnung die genaue und scharfe Grenze zwischen
Hm( und mek. Also FIuss, Moor, See, Wald und bewaldeter Höhenzug,
^v^R alles können wir noch heute als die Bedingungen nachweisen,
^Bunter denen sich mi und mek getrennt erhalten haben.
^K Gehen wir nun aber in die frühesten Zeiten der Geschichte un-
^^Meres Volkes zurück, so finden wir bekanntlich die Gaue als die nach-
^''weisbar frühesten Formen staatlicher und sozialer Zusammengehörig-
keit. TacituB erzählt von ihnen, Karl der Grosse fand sie vor, als
er in das Sachsenland einbrach. Dass es geographische Bezirke, nicht
etwa Geschlecht er verbände waren, ist nicht zu bezweifeln. Wie konn-
ten aber in jenen frühesten Zeiten, wo niemand an Hchlagbäume und
willkürliche, mathematische Grenzlinien dachte, die Gaue sich anders
von einander absondern, als eben durch dieselben uatürlichen Grenzen
einer Landschaft, Fluss, Moor, dichte Wälder u. dergl. So wird schon
von vornherein ein gewisses Zusammenfallen von Gau- und
Dialektgrenzeu anzunehmen seiu, und diese Annahme finde ich
, durch den Verlauf unserer Sprachgrenze in überraschender
L'Weise bustätigt.
Dass dieses Zusammenfallen ein absolut und mathematisch ge-
LjQaues sein solle, wird freilich billiger Weise niemand erwarten können.
PjBo festgewurzelt bleiben Sprachformen nicht an ihrem Boden haften,
' 1 sich nicht in tausend Jahren etwas verschieben könnten, und
|i andererseits, die Reconstruktiou der Gaugrenzen beruht in uuseru
jEarten im wesentlichen auf den alten Diöcesangn-nzen; die Gau-
EferfasBung war aber schon in starkem Verfall hegiiffen, als Karl der
f Grosse aus zusammengelegten Gauen des Sachsenlandes seine neuen
Bistümer einrichtete. Auch die vorzüghchen Gaukarten des Spruuer-
M^nkeschen Atlas können und wollen also auf absolute Genauigkeit
Eeinen Anspruch machen.
Wenn also trotzdem die Sprachgrenze zwischen Elbe und Weser
ch heute im wesentlichen mit den Grenzen der alten Gaue
I
k
76
itbereiiistimmt, so scheinen mir einzelne Abweichungen gegenüber der
iiberraschendeu Uebereinstimmung kein besonderes Gewicht zu babeo.
Diese Uebereinstimmung soll nun nachgewiesen werden.
Die beiliegende Karte enthält eine genaue Durchzeichnung der
in Betracht kommenden Gaugrenzen nach Karte 33 des Spruner-Menke-
schen Handatlas (3. Aufl. 1880).
Die Sprachgrenze fällt danach, von der Elbe beginnend, mit der
äussern (nordöstlichen) Begrenzung der Gaue Norththuringa, Withinga,
Mulbeze und Muthwide zusammen, dann schneidet die Grenze mitten
durch den Lainga durch, um sich sofort wieder fast genau an den
Griudiriga anzuschliessen, uud ganz genau der Grenze von Derve
und des Bukkigaus zu folgen, bei welchem mitbin noch heute Natur-,
Sprach- und Landesgrenze, die des Fürstentums Sc ha um bürg- Lippe,
zusammenfallen. Von dessen Südostecke aus durchsetzt dann die
Sprachgrenze die Weserkette und das Wesertal nach Süden zu gerade
an der Stelle, wo sich die Landschaften des Bukkigaus und des Süntels
von einander scheiden,
Wollte jemand trotzdem an der Uebereinstimmung zweifeln und
etwa meinen, dass jede andere Linie bei dem krausen Durcheinander-
laufen der Gaugrenzen dieselbe Uebereinstimmung zeigen würde, den
bitte ich, den Versuch zu machen, die Sprachgrenze auf der anliegen-
den Kartenskizze etwa nur 2 cm tiefer nach Süden parallel ihrem
jetzigen Verlaufe , oder vom Steinhuder Meer (luer durch nach der
Ohre zu legen, er wird sich dann sofort überzeugen, dass alsdann
von einem Zusammenfallen keine Rede mehr sein kann, sondern dass
die Sprachgrenze fast sämtliche Gaue quer durchschneiden würde.
Es ist mithin, wie mir scheint, an dem Zusammenfallen unserer
Sprachgrenze mit alten Gaugrenzen nicht zu zweifeln.
Dabei ist nun aber zweierlei auffallend, 1) dass die Sprachgrenze
nicht durch die Weser gebildet wird, sondern östlich der Weser einen
ca. 3 Meilen breiten Streifen dem mi-Gebiet überlässt, das sich von
der Weser an westlich bis zu den Grenzen Niederdeutschlands aus-
dehnt, und 2) dass die Sprachgrenze den Laiugau quer durchschneidet.
Die Gründe dieser Erscheinung zu ermitteln, scheint mir kaum
möglich zu sein. Nur den Kiickschluss halte ich für gestattet, dass
dieser Streifen am rechten Weserufer und der nordwestliche Teil des
Leioegaus ihre Besonderheiten und Eigentümlichkeiten gehabt haben
müssen, welche ihnen eine grössere Gemeinschaft mit den Gegenden
links von der Weser, als mit denjenigen rechts von derselben anwiesen.
Diese Zugehörigkeit zu dem links von der Weser liegenden
»li-Gebiet lässt sich denn hier auch durch den Lauf der Geschichte
verfolgen.
Das Erzbistum Bremen griff mit einem Gebiet, das dem Griudi-
riga genau entspricht, südöstlich über die Weser hinüber. (Spruner-
Menke Nr. 42.) Desgleichen erstreckte sich die Grafschaft Hoya noch
bis auf das rechte Ufer der Weser mit einem dem Grindiriga ent-
sprechenden Streifen. {Spruner-Menke Nr. 43.) In der Kreisteilung
stn
Ser
Maximilians von 1512 sehen wir mit Erataunen den linka von der
Weser liegenden westfälischen Kreis 3 — 4 Meilen weit mit einer Aus-
biegQQg im Norden bei Verden und einer andern im Siidea bei Minden
auf das rechte Weaorufer ausgedehnt. {Spruner-Menke Nr. 43,) Es
sind die alten »i(-Oaue Sturmi nebst dem durch die Sprachgrenze
nordwestlich abgetrennten Stück des Laingas, der Grindiriga und der
Bukkigau, welche diesen Streifen bilden, und erst so wird uns der
merkwürdige Lauf der (irenKe des damaligen westfälischen Reichs-
kreises verständlich. Dieses Stück Land rechts von der Weser hatte
eben seit uralten Zeiten mit den Gegendon im Westen der Weser
mehr Zusammenhang gehabt, als mit den Östlicher liegenden Land-
strichen.
So klingen ursprüngliche Besonderheiten in Dialekt und Boden-
ichaffenheit. eine die andere erläuternd, noch Jahrhunderte lang in
1er Geschichte nach und es bewahrheitet sich das geistreiche Wort
Peschels, dass gute Landkarten ebenso wirken müssten, wie historische
Gemälde und Charakter- Landschaften — freilich muse man Land-
karten zu lesen verstehen.
iL
Es mögen hier, um eine Kontrolle meiner Behauptungen möglich
machen und etwaigen ähnlichen Arbeiten eine Grundlage zu ge-
währen, diejenigen Ermittelungen folgen, die ich zum Zwecke vor-
stehender Arbeit angestellt habe. Die mir direkt, d, h, von Orts-
eingesessenen, zugegangenen Angaben sind weiter nicht bezeichnet,
die Angaben, welche ich von nicht an dem betr. Orte Angesessenen
rhalten habe, stehen in Klammer.
Ahlden, Kreis Fallingbostel: mi.
Attenhagen, Schaumhurg-Lippe ; mi, selten mek.
Apelern, Grafschaft Schaumburg: mek.
Bergkircbun, Schaumburg-Lippe: mi.
Bordenau, Amt Neustadt a, R.: mek.
Beckedorf bei Rodenberg: mek.
Bergen bei Celle: vti, selten mek.
Bückeburg: mi.
Rühren, Amt Neustadt a. R. : mi.
Bövenseu, Amt Neustadt a, R. : mi.
Kleinen Bremen, Kreis Minden: mi.
Bar singhausen, Amt Wennigsen: mek.
Bergachule, Schaumburg-Lippe; mi.
Barnstorf bei Diepholz: mi.
Celle: mek und mik. (Gelle: mik.)
Dorfmark, Kreis Fallingbostel: mi,
Eickeloh, Kreis Fallingbostel: nit.
(Empede, Amt Neustadt a. R. : mih.)
Essel, Kreis Fallingbostel: mik.
78
gCngehausen, Kreis Fallingbostel : mik,)
storff, Kreis Nienburg: mi.
Eilvese, Amt Neustadt a. R. : mi,
Eilsen, Schaumburg-Lippe: mi.
Escher, Grafschaft Schaumburg: mi.
(Frielingen, Amt Neustadt a. R.: mek,)
Fallingbostel: mi.
Gilten, Amt Ahlden: mi.
Geestemünde: mi,
Husum, Kreis Nienburg: mi.
(Hudemühlen, Kreis Fallingbostel: mi,)
(Hademstorf, Kreis Fallingbostel: mi,)
Hohnhorst bei Haste: mek.
Heuerssen, Schaumburg-Lippe: mi.
Gr. Heidorn, Schaumburg- Lippe: mek,
(Gr. Heidorn, Schaumburg-Lippe: mi.)
Hattendorf, Grafschaft Schaum bürg: mik,
Halberstadt: mek.
(Hildesheim: mek.)
Hoya: mi.
Im Himmelreiche bei Eilvese, Amt Neustadt a. R. : mek,
Hannover: mek.
Hagenburg, Schaumburg-Lippe: mi und mek.
Hiddesen, Schaumburg-Lippe: mi.
Idensen bei Wunstorf: mek.
Lüneburg: mi,
Leese, Kreis Nienburg: mi.
Loccum, Amt Stolzenau: mi, (Loccum: mik,)
Lingen: mi,
Lindhorst, Schaumburg-Lippe: miy selten mek.
Lauenau am Deister: mek.
Liekwegen bei Obernkirchen: mi,
Lüdersfeld bei Lindhorst, Schaumburg-Lippe : mi, (mek nur
noch bei altern Leuten.)
(Mariensee, Amt Neustadt a. R.: mik.)
Müden, Amt Bergen: mek.
Meissendorf bei Winsen a. d. Aller: mik.
Minden: mi,
Mardorf, Kreis Nienburg: mi.
Münchehagen, Schaumburg-Lippe: mi,
Melringen bei Hoya: mi.
Meinsen, Schaumburg-Lippe: mi.
(Nienhagen, Amt Ahlden: mi,)
(Norddrebber, Kreis Nienburg: mik.)
Norden: mi.
Nienburg: mi.
Neustadt a. R.: mik.
79
Oldenburg: mi,
(Osterwald, Amt NeustAdt a. R. : mek,)
(Otternhagen, Amt Neustadt a. R.: mik,)
Ostenholz, Kreis Fallingbostel: mi,
Hess.-Oldendorf: mek.
Otterndorf: mi.
Oeynhausen: mi,
Obernkirchen: mi.
Petershagen, Kreis Minden: mi.
Quakenbrück: mi,
Rethem a d. Aller: mi,
Stadt Rehburg: mt, selten mek.
Bad Rehburg: mi und mek.
Ronnenberg bei Hannover: mek.
Rusbend, Schauroburg-Lippe : mi.
Rodenberg, Grafschaft Schaumburg: mek.
Stade: mi.
(Sattorf, Amt Neustadt a. R.: mik.)
Sachsenhagen: mi.
Steimbke, Kreis Nienburg: mi.
(Stillenhöfen a. d. Aller, Kreis Fallingbostel: mik.)
Soltau: mi.
Stadthagen, Schaumburg-Lippe: mi.
Steinhude, Schaumburg-Lippe: mek und mi.
Schlingmühle, Schaumburg-Lippe: mi.
Stolzenau a. d. Weser: mi,
Scheie, Schaumburg-Lippe: mi.
Uelzen: mik. (Uelzen: mi.)
Nördl. Uelzen: mi^ südL: mek.
Visselhövede, Kreis Verden: mi.
Verden: mi.
Volksdorf, Schaumburg-Lippe: mi.
Vornhagen, Schaumburg-Lippe: mi.
Wrissenberg, Kreis Hoya: mi.
Walsrode, Kreis Fallingbostel: mi.
Wölpinghausen, Schaumburg-Lippe: mi.
(Winsen a. d. Aller: mik.)
Gr. Wieden bei Hess.-Oldendorf: mei.
Wiedensahl bei Loccum: mi,
Wunstorf: mek.
BÜCKEBURG. H. Babucke.
Das
Paradies des Klausners Johannes.
Unter den nicht sehr zahlreichen handschriftlichen Schätzen der
öffentlichen Bibliothek zu Oldenburg befindet sich ein Gedicht in
niederdeutscher Sprache, das den Namen führt ^^das Paradies^. Es
hat eine ziemliche Länge; die Handschrift zählt 128 Blätter in Quart
oder 256 Seiten; von diesen sind drei unbeschrieben und die letzten
9 Seiten enthalten anderes, lateinische Aufzeichnungen und ein paar
Gedichte,, von denen ich am Schlüsse sprechen werde. Jedes Blatt
hat ungefähr 34 Verse, das macht im ganzen 244 X 34 = 8396;
zieht man auch für Überschriften hundert Verse ab, so hat das Ge-
dicht doch noch eine Länge von ungefähr 8300 Versen, die immerhin
respectabel genannt zu werden verdient. Dürfte man die Güte eines
Gedichtes nach der Elle messen, so müsste dieses allerdings unter die
guten Gedichte zu rechnen sein ; aber leider ist dieser bequeme Mass-
stab unzulässig, um ästhetische Werte zu bestimmen; er gibt nur den
Fleiss des betreffenden Verfassers an, entscheidet aber nicht über
sein dichterisches Talent. So ist auch dies Gedicht mit grossem
Fleisse und mit herzlich gutem Willen verfertigt, aber die Vortrefflich-
keit seines Inhaltes steht in einem bedenklichen Misverhältnis zum
Fleisse. Sehen wir es uns näher an.
Nach einem lateinischen Eingangsgebete pic deus et misericors
domintis etc. beginnt es so: Hie incipit Über de verbis mellifluis diver-
farum orcUionum; es sind also orationes d. h. Gebete, welche den
Inhalt ausmachen; es ist demnach eine Sammlung poetischer Gebete.
Lesen wir weiter, so finden wir den Namen dieser Sammlung, so wie
den Namen des uns sonst unbekannten Verfassers angegeben.
Eyn paradis stolt is dit buk ghenumet;
Got, maria, weset holt em de it heft vorblumet,
En clusener cleyne iohannes gheheten;
Leiliken alghemeine van em de vruchte vleten
Mit vuUekomoner ere tu gode loue breit,
Vnde ok der maghet here tu ewcgher zuticheit;
Des eddelen bukes art louet ze beyde iin
vele hilghen sart, de dar in geschreuen sin
u. s. w.
81
Nach einigen Zeilen weiter heisst es:
Sunder leue louesam schal it (das Buch) nement lesen ;
Is he Sunden gram, zo mach it em gut wezen;
Id sint Yorblumede wort, de gode wol behaghen;
f, 1^. Wol em, de ze sprikt efte hört an dessen körten daghen.
De hilghe schrift zute is van bouen dale komen
Mit vullekomener gute vns zunderen to vroroen ietc.
Die Abschnitte, in die dieses Erbauungsbuch geteilt ist, sind
folgende :
1. In ihesu nomine et virginis marie sequitur oratio de X pre-
ceptis dei, gheheten de X bode godes ( — fol, 3^)
2. . . sequitur oratio de agno dei, gheheten de wingharde^ — f6l,5b)
3. . . sequitur oratio de corpore christi, gheheten de wech der
gnade ( — fcl, 9)
4. . . sequitur oratio, gheheten dat morghenrot ( — fd, 14)
5. . . sequitur oratio, que vocatur mellis crater, gheheten de
honnichbeker ( — fol. 15^)
G. . . sequitur oratio, que vocatur rosa florida de seruicio dei,
gheheten en blugende ruse ( — fol. 17)
7. . . sequitur oratio que vocatur de wech der doghet ( — fd. 19^)
8. . . sequitur oratio de apostolis, gheheten dat blugende para-
dis (— fol. 23h)
9. . . sequitur oratio, gheheten de speghel der ere ( — fol. 34)
10. . . sequitur oratio, gheheten de mettensterne fin ( — fd. 41^)
11. . . sequitur oratio de tribus regibus, gheheten de ruse van
gericho ( — fol. 43b)
12. . . sequitur oratio, gheheten des hilghen ghestes wunne
(— fol. 46h)
13. . . sequitur oratio de cruce, gheheten der duuel hat ( — fol. 48)
• 14. . . sequitur oratio .. que vocatur passio domini nostri (^ — fol. 59)
15. . . legite hanc orationem post sanctus, sanctus, sanctus
(— fol, eOh)
16. . . sequitur oratio de sancta elisabet, gheheten der wedewen
tucht (— fd. 63h)
17. . . sequitur oratio de sancta katerina, gheheten en ghuldene
crune ( — fol. 67)
18. . . sequitur oratio de sancta margareta, gheheten en fielen-
kraus (— fol. 69h)
19. . . sequitur oratio de be&ta virgine barbara, gheheten en
mandelen bom ( — fd. 71)
20. . . sequitur oratio de beataagneta, gheheten enlilige^^ — fd.73)
21. . . sequitur oratio, gheheten der zele lof ( — fd. 74h)
22. . . sequitur oratio, gheheten en ölige bom ( — fol. 76) '
23. . . sequitur benediste (benedicite ?) breuis, lenis et vtilis
(— fol. 76h)
24. sequitur gracias saporabilis ( — fol. 77)
Ni«d«rdeutioheB Jahrbach. VII. ß
82
25. . . seqaitar oratio de sancto erasmo C— fd, 81^)
26. . . sequitur oratio, gebeten van zunt guregen (d. i. jurgon,
Georg) (— fol 85h)
27. . . sequitur oratio, gheheten dat balsemvat ( — fcl, 87b)
28. . . sequitur oratio de decem milium militum ( — fd. 91b)
29. . . sequitur oratio, gheheten van den eluen dusent megheden
(— fd. 96)
30. . . sequitur oratio, que vocatur regraciacio membrorum ihesu
Christi, gheheten de wedder dankyngheder Iitmate(^ — fd, 100b)
31. . . sequitur oratio de quinque tristiciis marie, gheheten de
vif drufenisse niarien ( — foL 104)
32. . . sequitur oratio de duodecim gaudiis marie, gheheten de
XII vroude (— fol 107)
33. . . sequitur oratio de quinque gaudiis magdalene ( — fd, 108)
34. . . sequitur oratio de dorothea, que vocatur sittelosa (" — fd.lJO),
35. . . sequitur oratio de iohanne baptista ( — fd, HS)
36. . . sequitur oratio probationis, gheheten dat bet der pruuinghe
(— fd,. 115)
37. . . sequitur oratio gheheten en zute bet ( — fd, 116)
38. . . sequitur oratio de dominico die, en bet van dorne zon-
daghe (— fd. 118)
39. . . leset [dit] bet van de singhet (?) ifte lest dat pater noster
(EntluUt nur auf einer halben Seite 16 Verse; dann folgen drei
leere Blätter)
40. . . sequitur commendatio nostrarum orationum et legite eam
post oras vestras ( — fol, 120b)
41. . . leset hir van laurencio et stephano ( — fol. 124)
42. Hir is des eddelen bukes ende
wol ghesiret mit reden behende.
(Dit buk het en paradis vnde maket de zelen fin etc.
— fol, 124)
Darauf fdgen bis fol. 127 lateiniselhe Aufeeiehnungen,
^-WHr ^ *Ni-'N^Xf t
Die Zeit, wann der Verfasser dieses „edelen Buches", Johanp,
ein Klausner, und der Ort, wo er gelebt hat, ist nirgends angegeben;
die Handschrift, ganz von einer Hand auf Papier geschrieben, gehört
etwa der Mitte des 15. Jh. an.
Aus dem Dialect lässt sich nicht mit absoluter Gewissheit
scbliessen, in welche Gegend das Gedicht zu setzen ist. Fa* ist nem-
lich fast rein mittelniederdeutsch* ohne besondere Eigentümlichkeit,
jedoch mit einer einzigen Ausnahme; dtus lange (>, das dem mhd. uo
entspricht, ist fast beständig durch u wiedergegeben, z. B. bük^ müder,
sute^ tu, stüt (= stot^ mhd. stuont)^ düt, rüde, grute (grüsse), Uüt u. a.,
dagegen dot (mortuus), rot (rufus), grot, blöt (nutus) u. a. Doch sind
auch Wörter, die mhd. nur ein langes ö (niclit uo) haben, mit o ge-
schrieben, z. B. rtise, crune u. a. Doch reimt der Verfasser unbe-
denklich uo : 0. z. B. blut : dot; rot : göt (goss) : not : schot ; stüt :
rät; cruiif! : schone u. a. Die Vorliebe für u zeigt sich auch an ilen
'Wörtern Mwjnt und jrMjrii statt btoiai, groicn. G^wf. einzeln finiiet
sieh auch dik fdich) und stets wolifntan und roter munt. Dies weist
darauf hin, da8B wir den Dialect des Verfassers mehr in der Nähe
des Hochdeutuchen zu suchen haben, vielleicht an der Oberweser
(Corvey oder Höxter).
Die Herausgabe des ganzen Gedichtes lohnt sich nicht; es mag
zur dhnrakteristik desselben genügen, einige Proben mitzuteilen. Ich
wähle (Itizu Stück 17 über die heihge Katharina, das wegen der ein-
gestreuten lateinischen Halbverso merkwürdig iat; ferner Stück 32
über die 12 Freuden der Maria, währeüd sonst gewöhnlich nur 7 ge-
zählt werden; zugleich zeigt o* die lyrische Uherschwänglichkeit des
Verfassers, di<^ ^ich in hinge Kxclamationen ergiesst.
Oratio de sancta katnrina
^belleten en ghniden« crnn«.
Ik grute cli, eddele konuingbynne,
Kalerina, milde zute vorstynne,
Du bist Jhesu Christi vterkorne brut.
Höre, schone iuncvrowe, nu miiieu Int,
5 Vnde bidde mi des hilghcn ghestes gnade.
De myn horte vorluchte mit dogheden drade,
Dat mi de denst, de gode wart zo sware
Sos mante vude dre vnde druttich iare,
Tu allen tideti /e deghelikes brot,
U) Vnde ok ouer lesen de groten not,
De maria, myn Ifue lef, heft gheleden,
Do de ioden cm sine martel dedeu.
katerina zute,
Mit vullekomener gute
55 Vude biddet vor mi heyde,
Mit iuwen zuten leyde
Jeghen de hellischen deue
gl twe grote leuc,
Biddet mi alghemeine
ÄO Ok mit der olghynghe reyne
Jo biddet an myn hoctf:
Jhesu Christi smerte
Der wunden gnadenrike
Beghete ik alghelike
i Wan myn herte breken aehal
Dar wert beuent ouer al
Dor de vjgende varen
Zo komet mit den scharen,
Mine leueti leue,
I Vndi' nemiit den di'uen
maria vrontjnne,
regeret mine zynne,
dat zele vnde lif
vSren mauliken kif
vnde eren bozen rat.
dar tu sterket luiuen stat;
enen wizcn ende gut,
godes vlesch vnde blut ;
tu den zuluen stunden
vnde sine wunden;
vnde iuwer hulpe sart
tu der strengen hennevart,
vnde de zele mut vt,
vor dat hellische vnkrut,
ze mut vnbckande weghe,
den ik mit denste plegbe,
zo bowiaet iuwe macht
ray mit ibesu Christi cracht;
84
Van der vnecbten schare
Tu der vroude clare
virgo katerina,
Doloris ruina
35 puellarum rosa,
In domo speciosa,
electoris vas,
Laudat illa ciuitas,
Nunc et in mortis hora
40 In rebus altiora,
Reginam confortasti
Cum illis ambulasti
Maxentius in penis
Cum multis de tcrrenis,
45 Nunc ergo vigilate,
Et laudem deo dato,
Sterket vns alghelike
Juncvrowe gnadenriko
katerina reine,
50 Van zünden alghenieine
zute borne der ioghot,
tertelduuen doghet,
sachte zuden wint,
stolte konnighes kint,
55 lichte mettensterno,
reyne godes derne,
fyole louesam,
reyne kusche licham,
blugendc meygenris,
CO Der zoven kunste wis
Juwe gnade mi schenke
Dat ik io ouerdenke,
Myn alderleueste god
Heft al syn blut vorblot
05 An groten pinen sware,
Were myn blut win clare
Mit deme nappe fin
Wolde ik schenken win
(f. 05) gi rotermunde dro,
70 Vor al dat grote we
Wi danken di der rede,
Is dar ynnicheit mede,
Katerina iuncvrowe.
Tu der eweghen rowe
75 Koningh kostus was dyn
Tu Alexandria fin
Ile was en weldich here
helpet mi al ghelike
an deme hemmelrike.
o eddele zute bort,
dudet sik din name vort,
lat vns tu hope leuen
dar alle vroude zweucn,
al dyn lident wol getan
lat id mi tu hulpe stan
so mach my vroude linghen
dar de enghel zinghen.
vndo veftich meistere grot,
wente in Abrahames schot;
vmme sine missedat
de de werlt bedroghen hat. .
beide vrowcn vnde man,
zo lozet he iu dar van,
quod corpore sanemur,
et animo saluemur
o maria, müder myn,
maket my vrich vnde fin,
o voreghe roter munt,
o enghelische grünt,
o vrucht der meygen gute,
o vrendynne my zute,
o hemmelische zunne,
o trost al miner wunne,
o sarte liligen blat,
o eddele balsemvat,
o schinende morgeurot,
konde gi wol ouer vlut;
kunst, de vroude in draghet,
wo Christus wart gheplaghet.
iuwer beyder brudegham
vns tu vrouden louesam
des hebbe gi danket' stolt.
vnde dat houet rot gholt,
tu dusent stunden sart
iuwer konninghcs art,
noch were id alto deine
iuwes lidendes reine,
spreken de alderbesten,
so schultu mit vns resten.
myn leue zute lef,
my gude hulpe ghif.
eddele vader ghenant;
hadde he grote laut;
nach heydenischer achte
85
Vnde twyvelde zere der godliken ambachte.
He warp gholt tu vore vnde sprak mit reden:
80 Wat my darvan wart dure, dat wil ik anbcden.
God let em cruce schone van deme gholde schriuen
Dar mede em done wart vnse loue gheuen.
Do de vorste quam an sincs dodes ende,
Dat cruce louesam ghaf he an dine hende
85 Vnde sprak openbare: Katerina, dochter myn,
Dat stolte cruce clare schal din testamente sin;
Du scholt mit vuller tucht den waren god anbeden,
Myn leue eneghe vrucht, de vor uns heft gheleden,
Zo wil de here milde din wezent wol vorstan.
90 Myn leue zute bilde, schone vnde wol ghetan,
kluke wise maghet, der zouen kunste grot,
Myn herte vroude draghct diner wanghen rusenrot,
wol ghesirde stam, myn alder leueste kint,
Regere di louesam, want myn leuen vorswint,
95 Du schult anders neuen brudegham nemen,
He moghe dime stade wol temen,
He schal schöner vnde riker wan du wezeu,
Ok wiser, eddeler; he di lerde, wi lezen.
Katerina du best na dines vader rade dan
100 AI dyn begheringhe heft na deme brudeghame stan
Christus Jhesus is de leue here ghenant;
He stak .di suluen de truwe an dine haut.
myn leue lef, du zute Katerine,
(f. 650) Ok ghaf he di zouen vroude an diner piue.
105 De erste vroude was an dem korkenere,
Do de hilghen enghele quemen here
Vnde makeden di hei vnde sunt
Vnde vrouden dines herten grünt.
Ok gaf di Christus dat hemmelische brot
110 Twelf daghen vnde hostede di an diner not
Mit mennichvolden zuten reden
De gi twe leuen dar tu hope zeden.
De andere vroude wart di openbare,
Do du bekerdest der wisen mester schare,
115 Du sprekest do: alto gi duUen man,
Dat sint man boze duuele, de gi beden an,
Jhesus Christus is allenen en wäre god,
Vnser aller schepper; holdet sin ghebot.
Mit velen zuten reden worden ze bekeret,
120 Ze worden brant vnde bleuen vngheseret.
De drudde vroude vntfinghestu, godes derne,
Do sik bekerde maxentius keyferynne,
Ze bekande, ze hadde louen vntfanghen;
Ere brüsten worden afgherukket mit tanghen,
Vnde twyvelde zere
HHe warp ghoH tu t
|Wat my ilarviui «
God let em crace
Dar mtdö em dcnis
KDo de voratü (idub
vBat cruce louesun
JVnde sprak opeubftre:
|J)at stolte cruce clan
bDu geholt mit TnUer tnc^
Myti leUB ont-glie TrvdlL,
(Z(i wil ilo hire nuMe
Iguö zute bilde,
I kluke wisü inagluA.
Uyn herte vronde dr«{^
'o wol ghesirde sta»,
Itogerc di luucssm,
Jj Du üclmlt sndun otmtm
He mogliB diniL* tluSt »j i^.
Ue schal scliouer
t>k wiser, edJtli :
Kutunua du bc^;
AI dyn begberiügw ir: _ ^
Christus Jiiesu« u tl« i^ ^
He stak di sulncui di
' iiiyn leue leC <iB ^fr-
»f'; Ok gbaf be di «^
. ;;;idt;r,
1,; god
■Im ghebot.
■ 11 r mede,
...f,ii(.^Li:ii stede
■ iistiT iny nute,
scbemel iuwe votö ;
t nl gheliko
iii-t bemmnlrike,
■11 styrikeuden Lfik-.
i'n albedelle.
■gobeii I'. !Kil'. wo bitter
'jhewezen II Sos wanle dre
86
125 De eddele wisc koyserynne.
Porfirius vude al sin inghesinne
Leten sik ero houede afhowen,
Vppe dat ze Jhesum Christum mochten schowen.
De verde vroude wart di, iuncvrowe, bekant,
130 Do du seghest de rade vnde sprekest altohant:
Jhesu Christe, loze mi van desser nod!
Dar quam en dunre vnde sluch ver dusent dot;
Ok worden de rade tu stukken tu slaghen
Van den greseliken groten plaghen;
1 35 Vele lüde sik dar bekerden
Vnde Jhesum den salichraaker erden.
De veften vroude vntfcnghest du, godes brut,
Do du hordest den hemraelischen lut;
(f\€6) De sprak rede zute:
140 God heft di vnttweden
Mit vuUekomener gute, wes du heft ghebeden
Dat was di, iuncvrowe, en vroude grot,
Dat du wol mochtest helpcn ut nod
AI den, de dine martel oiierlesen
145 Vnde godes kindere willen wezen.
De soste vroude nam
Do du letest louesam
Dat blut al ghemeine
Van der kuscheit reine
150 Do quam der enghel schare
Den licham van dare
Van en wart begraueu
Vnde is vorhauen
De souede vroude wart
155 Do an der hoghe sait
Vt dinen leden vlot
Vnde dede hulpe grot
God heft di noch gheuen
Wat minschen dar leuen
160 Vnde mit ynnicheit
Is en ere zünde leit,
God mute mi behuden
Vnde an eren voden
Help mi dat vorweruen,
165 Vnde wan ik schal steruen,
Brink mi dar tu rowen
Mit vnser leuen vrowen,
des klufeners zele,
Scheppet rowe tu dein
170 En ghuldene crune
Van rikeme lone
de zele wol ghetan,
diu wise houet afslan,
vorlos de varwen rot;
nien fin wit meliik ut vlot;
vnde uam mit groter ere
twintich daghevart vere;
mit louesanghe zute
mit vullekomener gute.
di, zute Katherina,
des berghes tu syna
olio j^nadenrike
den kranken alghelikc.
de g[n]ade vnde de walt,
an suken mennichvalt
tu deme graue komen,
ze weruen alle vromen.
vor zünde, duuel, plaghe
al desse körten daghe
Katherina, bule myn,
de eweghcn ere sin.
vruntliken vngheplaghct
der reinen kuschen maghet
de vns dit bet vorblumet hat,
Zunder alle pine" quat;
is dit werde bet gheheten
de zuten vruchte vleten
-m
Mit blumen, litigen. nisen
stat dit b«t orneret; ^^|
Dat is de stnak der gloBcti,
de vns vroude inungciet, ^H
Schone vnilo wolghetan
ia de crune vorhauen; ^H
175 Men'ertdele atene stan
mank gbnldenen bukstüucn ■ ^H
An der wol ghesirden bort
der crunen gnadenrike ^H
Stan desse ziitcn wort
vorblumet al gbelike: ^H
Vera medicina,
iuvamen miserorum, ^H
Magistros cum regina
et alios multorum ^H
160 Maxentium ucgasti
iu sangwine rosarum, ^^^^^|
Tres hostes superasti
tua morte penarum. ^^^^^^^|
nobilis et digna
puella castitatis, ^^^^^^^|
Ergo sponsa benigna
tterne trinitatis,. ^^^^^^|
soror katherina,
vor zünden mi bevrede, ^^^B
I8Ö maria domina,
myn leue lef du mede, ^H
gi windruue der crc,
stillet snel dat mer; ^H
Dat mi vorwege serc
der bozcn gbestü dwer. ^H
koninghyiine heydc,
maket mine zete sunt ^H
Vnde biddet wol bereyde
mit iuwer zuten grünt ^^|
J90 In allen stunden drado
miuen beren louesam, ^^|
Dat be mit siner gnadt;
nummermer mi werde grnm. ^^|
Ho is de leue vader myn,
ik danke siner gute; ■
gi twe liligen fin,
gi balsemvato zute, ^^|
Helpet Uli nu vorweruen
zine bulde zeru, ^H
195 Vnde waii ik schal steruen,
de eweghen ere. ^H
Komet denne io beide
vude dut mi hulpo grot ^H
Mit iuwcn zuten leide
wente in abrahames suhot; ^^|
Den gbif vna algemeine,
nobile solamen, ^H
Mit deffen rusen reine
post hoc exilium, amen. ^^H
200 Biddc vor vnse selc,
Stella matutina ^H
^M Dat ze van zünden hele
cum duice katherina, ^^|
^H Wi bidden dinc bnidon.
;il weldighe vader, ^H
^H Vorghif VHS vnse sdinklun
vrentliken allen gader, ^H
^P Mit vullekomencr ere,
myn alder leticstc god ^H
■ 205 Vns nii de gude len-,
dat wi holden diu gbebot. ^H
H ^3chenke vns dine woldat,
ok deme clusener mede, ^H
^M De dit biit gheuon bat,
an der boghestcn stede ^^H
^Kl{f-(*7) t) gi mettensternen twe,
müder, suster my zutc, ^^|
^K Vordrtuet vns alle we,
biddo ik schcmel iuwe voto ; ^^|
^■älO Vnde is want kumpt de dot
zo komet al gheiikc ^H
^H Vnde helpet zunder uoA
" vns an dat liemmclrike, ^H
^H Van den pinen mcnnichvalt
der bozun stynkeuden hillf. ^H
^H Dat ghcuo iuwu grute walt
vns armen albedelle. ^|
^^K Anmerkungen.
^H V. 8. Dieselbe Zahl wird
auch angegeben f. y«l'. wo bitter
^^^Ki fii äyn (Christus ist angeredet) denst ghctuezen II Sos manle dre
^^Smäe drutlich inr, tvi Uzen.
^^ 1
88
V. 9. se ist wol = 5t (sei) ; wie er auch z. B. dre auf mi reimt
(f. 100a), also e und i für gleichwertig erachtet.
V. 10. 1. ouerlese?
. V. 48. anime steht da; es ist wol zu lesen: animo, entsprechend
dem vorhergehenden corpore.
V. 51. vbreghe^ feurige. Vgl. 79: hc warp ghdt tu vore^ ins Feuer.
V. 81. statt em ist en zu setzen.
V. 82. done ist = do. s. Mnd. Wb.
V. 98. dies wi lesen wird so eingeschoben, wo wir jetzt gewohnt
sind zu sagen: wie wir lesen, oder = so lesen wir. Vgl. ein anderes
Beispiel, das bei v. 8 angegeben ist.
V. 125. D^r Nominativ steht in freier Construction als Appo-
sition, wo der Dativ richtiger wäre.
V. 152. Es fehlt wahrscheinlich he (sc. de licham).
V. 168. ök zu lesen?
V. 185. Das dotnina ist pur mutmasslich gesetzt. Es steht
nemlich in der Hs. dma mit der Abbreviatur für r darüber; aber
dritna oder auch allenfalls drina ist kein Wort; es muss sich aber
reimen auf Katherina. Wahrscheinlich ist nur das Abbreviaturzeichen,
das gewöhnlich über dominus oder domina steht, (ein Bogen) im
Schreiben misraten oder verwechselt.
I
Oratio de duodecim gaudiis marie ghe-
beten de XII vroude.
(f, 104) Ik grute dik, keyserynne der ere,
Dine barmherticheit tu mi kere;
Du bist barmhertich vnde gud,
Drif van mi den eweghen dot,
5 Vorclare herte, zele, zynne,
Dat ze bernen na diner mynne,
Dat ik beyde dach vnde nacht
Oue diu hilghe ambacht.
Din denst de is zute vnde licht,
10 wat he vele vroude in wicht
Na desseme ghesichte
Vor deme strenghen richte!
ü eddele meygensal,
blugende blumendal,
15 alder beste ruse,
zute sitteloze,
lilige wit vnde fin,
Lat my armen dyn eghene sin!
Du bist myn moder vnde myn vrowe,
20 Ghif mi de eweghen rowe,
Dar du bist bouen alle dink schone.
89
Twelf Sternen draghet dyn crune,
De zunne heft di vmme bedan,
(f, 104h) De manen bistu ouerghan,
25 Deme morghenrode bistu tu clare,
Bine cledere sint hemmelvare,
De zute roke, de van di gheit,
Neuen minschen tu seghende steit.
Du ghifst woUust allen creaturen,
30 De an dinen denste duren.
Deme afgrunde bistu tu dep au diner gnade,
Seraphin tu hoch an sinen stade;
Ok bistu der erde tu breit
An diner milden barmherticheit ;
35 Want din benedigede name wert ghenant,
Maria, zo lachchet de hemmel altohant;
De enghele hebben dar vroude van,
De bozen gheste muten vp hör ghan,
De helle mut dar vore beuen,
40 Alzo anfelmus heft beschreueu.
eddele zute balfemvat.
Du best ghedreghen Jesum, den duren schat.
De ut deme hemmelrike quam
Vnde sine minscheit van di nam.
45 Wat de propheten hadden scbreuen vnde dacht,
Myn leue lef dat hestu alle vullenbrocht.
Ena hadde vns de gnade vorloren,
Maria, du hest ze wedder vterkoren.
eddele stolte koninghynne
50 Van saba, vnses heyles en ambeghynne,
My hungert vnde dorstet na di,
Myn alder leueste moder kum tu mi,
lichte leydesterne clare,
Di denen al der hilghen schare,
55 De woUust ghifstu deme paradise
Ok de blugende kracht araonis rise.
(f, 105) du kluke wise voghetynne,
Abigail van anbeghynne.
Du bist de vterkorne wingharde,
60 Den christus ihesus zuluen warde.
schinende arke van gholde rot,
An di heft ghewezen dat hemmelische brot.
Help my, dat ik van zünden neze
Vnde des tu allen tiden werdich weze.
65 eddele grüne busch vnvorbrant,
Beke vt dine benedigeden haut
Vnde nim de truwe van mi;
Tu enen leuen leue keze ik di
90
ester zunerynne, ik bidde di,
70 Aswerus ghiildene rüde neghe tu mi
Vnde help mi, leue vrendynne,
Dat ik alle mine vorvolghero vorwyime.
schone iudit, stark vnde milde,
Wo lustlik is vorstynne din bilde,
75 Bidde den hilghen ghest, dat he mi vorclare,
Dat ik de bode godes wol beware
tempel der hilghen dreualdicheit,
Drif van mi den bozen ghest vnde alle leit.
müder dochter ihesu Christi,
80 Beware mi vor sine valschen liste.
Du bist des hilghen ghestes brut,
Höre, hulperynne, minen lut.
Ik züchte vnde wene tu di,
Myn leue lef, vntwide mi!
85 Ik wil wezcn van di vnvordreuen,
Du scholt mi mine zünde vorgheuen.
du vrouden vul, du erentrike.
Ne werldc was vnde kumpt dyn ghelike.
Were godes zone nicht van di boren,
(f, 105b) 90 Wi musten alle wesen vorloren.
Maria, wat du wult, dat sehe an mi,
Lif vnde zele ofFere ik di.
alder hilghen ere vnde wunne,
Dusent werue clarer wen de zunne,
95 Want myn zele tu deme lösten
Schal vnde mut an vromede lant ghesten,
maria, zo du na muderlikeme zede
Vnde scheppe dinen kinde vrode.
Myn leue lef, kum tu minen ende
100 Vnde loze mi van der duuel bende.
der gnade en schenkerynne.
Mit leue ik di twelf vroude beghynne.
De erste vroude de was dat,
Do godes zone an di trat;
105 Du gheuest vulbort an der stunde
Tu gabrieles munde.
He pprak: grut sistu, vul aller gnade!
Du sprekest: mi sehe na di drado.
De anderen vroude vntfinghestu, rusc reine,
110 Do du sochtest elizabet mit drcn megheden deine.
Dar dat hilghe kint sunte iohan
Sineme 8chep]>er lede ere an,
Du sungest, maria, magnificat,
De hilghe ghest elizabet antrat.
115 De drudde vroude was an der erboren bort.
91
«
De herdes quemen mit loue alzo vort.
Ze kundegheden nige mere
Dar were boren de koningh der ere;
Ok zuüghen de enghel alzo:
120 Gloria in excelsis deo.
Do verde vroude de was dare,
Do de hilghen dre koninghe quemen openbaro
Vor betlehem an dat huselin
(f. 106) Vnde anbededen den leuen zone din;
125 Ze ofFerden em riken soll,
Wirik, mirren vnde rot gholt.
De vefte vroude was na vroulikeme zede,
Du nemest, maria, iesum an den tempel mede.
Her simeon de olde
130 Ene gherne beschowen wolde.
He wart em an sine arme gliouen,
Van vroude begherde he nicht lengher leuen.
De soste vroude de was grot,
Do de enghel iosepe bot,
|35 He scheide van egipten vlen,
Wedder in dat iodesche laut ten
Vrentliken mit iu beyden;
Herodes de were van hennen scheyden.
De zonedc vroude wart di bereit,
140 Do du haddest dre daghc grot herteleit,
Du.vondest an deme tempel den leuen zone dyn,
An deme middel der iodcn was he de schin;
He ghaf en zine zuten lere
Mit wisheit mcnnichvalt tu der ewcghen ere.
145 De achten vroude vntfinghestu, maghet fin,
Do ihesus wandelde sos kannen vul waters an wyu.
He dede nach kintliken zede
Vnde vorvuUede dine bede;
He vrowede de hochtide
150 Vnde makede dat volk Wide.
De neghede vroude ghink di an,
Do Christus was van dode vp gestan,
Alzo ho vorc hadde sproken;
De helle wart van em tu broken,
155 De vanghen zelen worden vorlozet
Vnde van allen pinen voroset.
De tcyde vroude wart di openbar,
Do ihesus wolde tu hemmel varen
Vnde wisen sinen vader de wunden rot,
160 De he hadde leden dor der zunder not,
Vnde wil wedder körnen an deme iunghesten rechte
Vnde wisen se alle minslike siechte.
92
De elften vroude vntfinghestu, iuncvrowe schone,
Do de hilghe ghest quam van deine ouersten trone
165 Alzo en brusene wint ifte en dunre slach
An voreghen tunghen vppe den apostelen lach,
He vorvullede ze mit siner gnade
Vnde bewarde ze an enen salighen stade.
De twelfte vroude was den anderen nicht lik,
170 Do du scheidest besitten, maria, dat hemmelrik.
Din leue zone quam suluen dare
Mit der hilghen enghet schare.
He sprak: vrouwe di, leue müder myn,
Alle diner drufenisse der schal ende sin.
175 De leue nam de leuen bi der haut,
He vorde ze an dat hemmelische lant,
Er wart nige vroude openbare
Van god vader dare.
He sprak: myn brut, myn vrendyune,
180 Myn dochter, myn koninghinne,
Du schult ewichlikeu mit mi rowen
Vnde de hemmelischen clenodia beschowen. .
Ga Sitten tu mines zones vorderhant,
Di sint alle vroude wol bekant.
185 Jhesus Christus, vnse leue here,
De sette di zuluen vp de crunen der ere;
Din stul was vrentliken wol bereit,
Confirmeret van der hilghen drevaldichcit.
En clusener is he, de dit bet gheuen hat,
190 Maria, help vns zunder we an den hcmmelisclieu stat.
Myn leue lef, wi rupen altomalo
Tu di an dessen iamerliken dale,
Lat di, keyserynne, vorbarmen
Vnde bidde vor vns elenden armen.
195 Du bist moder vnde reine maghet,
Nin bet gode alzo wol behaghet,
Bidde van em salicheit, lif vnde zele,
Dat vns werde sin vrolik antlat tu dele;
Zo moghe wi eweghen mit em rowen
200 Vnde sine godheit zunder ende schoweu.
Dat vns al ghemeine de grote ere sehe.
Des help, maria reine, mit christo ihesu zunder wc,
amen.
Wi willen stede an godes denste wezen
Twelf aue maria lesen
205 Vnde louen beyde moder vnde zone
Vnde desse twelf vroude schone.
93
Anm. V. 11. ghesichte ist schwerlich richtig, obwol es m. E.
nicht anders gelesen werden kann. Man erwartet einen Ausdruck wie
„Leben^ oder ähnliches.
V. 162. Wahrscheinlich ist über alle minslike nur der Strich
als Zeichen des n vergessen; denn ein Dativ wird verlangt: ^^Christus
wird seine Wunden am jüngsten Tage dem ganzen menschlichen Ge-
schlechte zeigen (nicht bloss nach der Himmelfahrt seinem Vater).^
Diese beiden Beispiele werden genügen, um eine Probe davon
zu geben, wie der Klausner Johannes seinen Stoff behandelt hat, und
um zu beweisen, dass sein Werk nicht zu denen gehört, die aus dem
Staube der Bibliotheken in ihrer ganzen Ausdehnung hervorgezogen
zu werden verdienen.
Am Schlüsse der Handschrift (fol. 127h ^ 128h) befinden sich noch
drei Gedichte, die ausser Zusammenhang mit dem Paradiese stehen;
und diese sind eigentlich merkwürdiger als alle 8000 Verse des
„edelen Buches".
Sie lauten so. Yorab bemerke ich, dass die Schrift continuirlich
ist; Die einzelnen Versabschnitte sind nur durch ein oder zwei senk-
rechte Striche || bezeichnet, der Anfang eines neuen Liedes durch
grosse mit Roth geschriebene Initialen.
I.
Ik rede dat
van ghansen zynnen,
En reine vat
ik lef wil wynnen,
5 nicht is er ghelike.
Van hogher bort
kumpt mi de vrowe;
Ik bidde vort
nach erer rowe
10 ze is rechte rike.
Ere hare
dreghen enen kraus,
he is clare
vnde schinet ghans,
25 lichter wen de zunne.
Ere wanghen
de sint rusen rot,
wol bevanghen
mi an leue grot
30 bouen alle wunne.
Ere hulde etc.
Ere hulde
ik wil waren,
ze van schulde
kan mi karen,
15 bin ik er louen vast.
En antlat fin
de werde draghet,
der oghen schin
mi wol behaghet
35 bouen allen vrowen.
Wol ghesiret
is de maghet,
we ze viret
vngheplaghet,
20 zo blift he ere gast.
Ere sproke
hebben stolten lut,
guden roke
ghift de leue brut;
40 mochte ik bi er rowent
94
Ere etc.
Ere hendc
wit vnde reine
brcken bende
vast alghemeine
45 stede an miner not.
Se draghet gholt
vnde en fin lif,
ik bin er holt
bouen alle wif,
50 an Yuller leue grot.
Ere hulde etc.
wo zute
ere adem gheit,
na der gute
myn begheringhe steit
55 an eweghen tiden.
Dat balsemvat
is wol vorclaret,
den besten schat
ze mi bewaret,
60 wil ik zünden miden.
Ere hulde etc.
II.
Min lef heft mi vorlaten,
des buwe ik vromede Straten,
wor schal ik arman bliuen?
Dat vrowelin wol ghestalt
5 vnzute mennichvalt
men is van bozen wiuen.
Ere gründe
ik strafFen mut
valsche vunde,
10 ok dunkelghut,
hut di, vos, ik werpe.
En gut bilde
io nym hir van;
vroken milde,
15 ok wise man
vlet der schote scherpe.
De rothermunt
der vrowen myn
vt zuter grünt
20 sprikt rede fin,
io lat di vor em gresen.
Mer wunder rat
ghift norden wint
menneghen stat,
25 ze maken blint
mit lachelikeu vlezon.
Ere gründe etc.
Salomonis
wisheit sart
eres dones
30 bedroghen wart,
. noch vele kluker lüde.
Se vordumen
menneghe bort
vnde vlumen
35 van gude vort;
we der slymmen hude!
Ere etc.
Hellische not
me schal miden,
den Sunden grot
40 me schal wedder striden,
dat deit der zele ghute.
Ere smerte
ik beclaghe
wake vp, herte,
45 vnde draghe
godlike vruchte zute.
Cirote zünde ik etc.
Kusche vrowen
ik wil prisen,
de sik sohowen
50 vnde wisen
an guden werken reine
95
God mute ze
wol bewaren,
io ane we
55 vristen, sparen
vrentliken alghemeine.
Ere gründe
ik louen mut
wise vunde,
60 rechtverdich gud,
grip nu, vos, ik werpe.
En güd bilde
io nym hir van,
vroken milde,
65 ok wife man,
holt der schote scherpe.
God is em holt,
de sik vorsmat,
mi); werken stolt
70 van hennen ghat,
dar de liligcn blugen.
Wake vp, wako!
de tiid vorgheit
god di vak[e]
75 anwisinghe deit,
du schult an eren grugen.
Gude gründe
ik louen mut
wise vunde
rechtverdich gud etc.
m.
God is mir holt
bin ik sin kint,
vt werken stolt
kumpt Süden wint,
5 de vns de zelen siret.
En gud gharde
vruchte draghet
van der warde
wol behaghet
10 de godheit wert gheviret.
Jo gude wort
vt zuter grünt
der werke vort
wi werden zunt,
15 dar de enghele zynghen.
Vulle mate
an desser tiid,
langhe strate
di make wit
20 van allen bozen dinghen.
Armer lukke
wert bedroghen * •
valscher nukke,
des mut koghen
25 de eddele zele zart.
Rechtverdich gud
ghift zunnen schin;
vorbolghen mut
vlut an den rin
30 vneddeler hennevart.
Jo gude wort etc.
We den vrowen
zwarter werde,
de nu bruwen
vnder der erde
35 vnde dat her vormenghen.
Valscher dade
wert voriaghet
godes gnade,
de vns draghet
40 van allen bösen dwenghen.
Jo etc.
Müder, vader
nicht vorachte,
allen gader
du en sachte
45 io tu lif, zele beide.
De zondaghe
vire reine, •
96
werk vortrage
alghemeine,
50 men godes wes bereide.
Jo gude wort etc.
riker man,
slut yp de haut
vnde ze an
der armen want,
55 wo ze nu liden plaghe.
Du den kranken
wat gude- zint,
des wil danken
marien kint
60 an dines dodes daghe.
Jo gude etc.
Penningh drukkor
zint vorstoruen;
ze nu, rukker,
wat ze woruen,
05 ok wor ze zint gobleuen.
AI or scliat
vorswunden is;
de hoghcn stat
dy makc wia,
70 dar vnse bruder leuen.
Jo gude wort otc.
Das erste Gedicht ist ein geistliches Liebeslied. Die ^vrowe^^
deren Lob er singt, ist natürlich die Jungfrau Maria. Vgl. ein ähn-
liches Lied bei Uhland Volksl. S. 842.
V. 5. nicht = nichts.
T. 14. Der erste Buchstabe des Wortes Tcan ist nicht recht deut-
lich; dem Zusammenhange nach kann es aber kein anderer sein. —
Die Form Tiaren statt keren hat der Dichter auch f. lOOl', v. 4:
. . dat ze mi heschermen vnde bewaren
Vnde edle ouel van mi Jcaren.
T. 1 5. louen vast ist als Ein Wort zu fassen: glaubensfest = treu.
V. 19. tmgeplaget, Heisst das hier: nicht durch die Not ge-
zwungen, freiwillig?
T. 28. wol bevangen. Das Subject ist nicht wieder ausgedrückt;
es muss aber noch das frühere sein, nemlich ere wangen, Ihre rosen-
roten Wangen nehmen mich gefangen, nehmen mich ein für sie in
heisser Liebe.
Die Wiederholung der Strophe Ere htdde etc, ist im Mscrpt.
auch nur mit den Anfangsworten bezeichnet.
V. 44. Das Wort algemeine hat der Dichter des Paradieses viel
gebraucht im Sinne von: alle. Es heisst hier daher nicht: „fast
immer ^, was kein grosses Lob der Maria wäre — und dagegen spricht
auch siede in v. 45, — sondern vast ist nachgesetztes Adjectiv, und die
Stelle ist zu übersetzen: „Ihre Hände brechen stets alle festen Bande,
mit denen mich die Not fesselt^, d. h. sie befreien mich immer aus
aller Not.
Das zweite Gedicht bietet der Deutung sehr erhebliche Schwierig-
keiten. Weil die ersten sechs Verse eine andere Form haben, so
möchte man geneigt sein, sie für sich zu nehmen ausser Zusammen-
97
bang mit den folgenden. Dann aber wäre es nur eio BruchatUck und
daa „Fre" in v. 7 wäre ohne Beziehung; dies ere (ihre) muss doch
nber auf das Liebchen geben, das den Dichter verlassen bat. Der
Grundgedanke des Gedichtes scheint zu sein, dass irdische Liebe (etwa
zu der Frau „Welt") nur betrügerische Freuden gibt, wührend die
himmlische (zu einer keuschen, reinen Frau) die wahre Seligkeit
verschafft,
V, 3. armati. Auf den ersten Blick scheint nur arma da zu
stehen, und so habe ich auch erst (mit Leverkua) gelesen; dann wäre
es ein emphatisch angehängtes li (s. Mnd. Wb. I, 1). Bei näherer
Besichtigung scheint es aber doch, aU ob ein >i-Strich über dem n
stehe, der nur dadurch undeutlich geworden ist, dass er in den Ab-
schwung der Liitiale M mit hineingeratben ist. arman ^ artnvian.
V. 5. Das erste Wort ist leider nicht lesbar; es kann aber nur
aus drei oder vier Buchstaben bestehen; der letzte acheint ein r zu
sein. Darnach konnte man lesen mir; das wäre freilich keine nieder-
deutsche Form, aber der Dichter beginnt das dritte Gedicht God ist
mir holt, erlaubt sich also die hochd. Form zu gebrauchen. Aber
was gewinnen wir mit dieser LesartV nichts. Denn man verlangt eiue
PrädicatsbestimmuDg; wenn man diese wüsste, Hesse steh auch ent-
scheiden, ob utisute Adjectiv oder Substantiv ist. Der Sinn scheint
zu sein: das Fräulein ist freilich schün, sie beweist mir aber Härte.
Vielleicht ist mer richtig, dann fehlt aber ein is (das Fräulein [ist]
Wohlgestalt, aber sie [istj unsüsse). Was soll aber dann der letzte
Vers heissen: aber das ist die Natur böser Weiber?
V. 7. gründe ist nicht im neueren Sinne „Gründe, rationes", zu
fassen, sondern eher im Sinne von „Grundsätzen", als die Grundfesten,
Fundamente, auf und aus denen ihr Verhalten erwächst. Diese muss
_ ich tadeln, spricht der Dichter, als Betrügereien und Heuchelei.
^^ y. 10. Wer ist hier der Sprechende? wer der Angeredete? Ich
^Rdachte erst, der Dichter küunte die Liebste (die Frau Welt) redend
^E^einführeQ : hüte dich, ich werfe (der Liebe Pfeile vgl. v. 16)! Aber
^■iat die Anrede ,vos', an den Liebsten, den sie treffen will, passend?
^KlüDd wie kann sie ihn auffordern sich zu hüten, da sie ihn doch
^P'täuschen will? und wie passt dazu v. t>l? Ich weiss hier keinen
■ Kath.
V. 12. cn ffut bilde. Ein gutes Vorbild, Beispiel sollen milde
Frauen und weise Männer daran nehmen? Dass sie sich vor den
scharfen Schüssen hüten sollen, ist eine passende Ermahnung; aber
wie kann man ein , gutes' Bild von einem schlechten Vorbilde nehmen?
T. 62 ist der Ausdruck an seiner Stelle, wo der Dichter das Lob einer
keuschen Frau singt.
~ V. 17. roter viunt. Diese hochdeutsche Form findet sich bei
p^em Dichter des Paradieses auch sonst, z. B. f. llS wird Maria au-
fredet: vöreghfi (feurige) rolermmit und die h. Margaretha f. 6ä«:
? mte rotcrmuut. Beiläufig bemerkt, es findet sich im Niederdeutsehen
■r&ncli der Eigenname Rotermnnt neben Jtonmnt (d. i. rode-munl).
»iadaiilBiiKcligi Jjiliikuch. VII,
98
V. 22. Diese Strophe bietet der Erklärung wieder manche
Schwierigkeiten. Die erste steckt in den Worten tvunder rat Was
heisst das? Ist es Ein Wort und bedeutet es ;, Glücksrad '^ ? Das
Glücksrad gibt Nordwind d. h. stolzen Sinn (s. zu III, 4)? Aber darf
dann der Artikel fehlen, da wunderrat doch kein Eigenname ist? Und
vor allen, ist da bei dieser Erklärung noch ein logischer Zusammen-
hang zu entdecken? Eine andere Erklärung wäre, dass rat hier
;,schnell" bedeute (Mnd. Wb. III, S. 425a), ^wunder rai^ also: vninder-,
ausserordentlich schnell. Aber wo ist dann das Subject des Satzes?
Auch rat als consilium will sich nicht fügen, ausser etwa wenn man
statt wunder vroiven läse; aber im Mscrpt. steht es nicht, menneghefi
stat wird ein Adverbial- Accusativ sein: ^an manchen Stellen, manchmal**.
V. 25. ntaken. Der Plural soll wohl generalisieren, alle, die so
sind, wie meine vroive,
y. 26. vlezen ist schmeicheln; das Deminutiv' ist das gebräuch-
liche vleseJcen.
V. 29. Der Genetiv eres dones ist Gen. der Ursache. „Von ihrem
Thun wurde Salomo betrogen", wie III, 36: valscher dade wert vor-
iaghet godes gnade, d. i. durch falsche Thaten verliert man Gottes
Gnade, und III, 23.
V. 33. bort ist nicht bloss „Geburt^, sondern auch das ;,Ge-
borene''. So wird Maria angeredet (f. 118): alder euteste hört.
Also hier: die Frauen vwdimien = vordomen, bringen ins Unglück
manches Menschenkind.
V. 34. Im Mscr. steht vnde vlumen nienneghe van gude vort;
aber nienneghe ist cancelliert, zum Zeichen dass man es tilgen soll;
es ist augenscheinlich auch nur Dittographie, veranlasst durch das
nienneghe derselben Zeile.
V. 35. vlumen = vlotiicn ist «ig. abschuppen, exsquamare; dann
bildlich: wovon befreien. Die Frauen bringen (manches Menschenkind,
mennighe bort ist nemhch auch Object dazu) um sein Gut.
V. 37. Hier tritt die Wendung des Gedichtes ein. Der Dichter
erkennt die Gefahr dieser irdischen Liebe, die zur Hölle führe, und
fordert sein Herz auf aufzuwachen, und sich einer besseren Liebe zu-
zuwenden, welche den Himmel erwerbe.
V. 47. Merkwürdig steht hier grote sunde ik etc, als wenn das
ein Refrain wäre. Es geht aber durchaus keine Strophe mit diesen
Anfangsworten vorher, und das grote eunde ik steht gänzlich in der Luft.
V. 64. Es steht im Mscr. vrobkcn; dies wird nur Schreibfehler
sein; vgl. v. 14, wo vroken steht.
V. 66. Bleibt mir, wie v. 61, unverständlich, da mir die Situa-
tion, welche sich der Dichter denkt, unklar ist.
V. 69. stolt ist, wie häufig, in gutem Sinne gebraucht, herrlich,
vortrefflich. Der Gegensatz zum vorhergehenden Verse (de sik vor-
sniat) ist darum nur scheinbar. Es soll wohl heissen: Wer sich ver-
achtet, nicht überhebt, demüthig ist, nicht auf sich pocht, sondern
Werke der Tugend übt, der gelangt in den Himmel.
vaj,-; der Reim VPilangt aber eiit-
Daa dritte Gedicht ist viel verstiindlicber, obwol im einzelnen
>ch manche Scliwierigkeiten stecken, Ea ist im ganzen eine Auf-
Ibrderung zu einem Gott wolilgefalligen Leben,
V. I. mir. Dieae hoclid. Form ßndet sieb auch noch Paradies
59I1: God late mir yhmetpu evr (der h Elisabet) iJoghede grot, aber
I Accusativforrn = wich. Ist ea heidemal ein Schreibfehler?
Südwindj ein Bild eines sanftmiithigen lieblichen Seins,
lährend norden wind wohl ein Bild eines verMgenpn modcs sein wird,
t wird Maria angeredet f. 04'': sachte enden tvint . . stolte Ao-
ninges kini ; ferner heiast es von der h. Margarethe ((, 67^): Ze uas
ein (des Königs Tbeodosius) eneghe kitit^ schone unde wd getan \ Men
gute ^uder^e wint ie van eren ivrrken ghnn. Ferner werden Jesus und
B-Maria gebeten f- G9*': icerket zudenm ir/nt an mines herlen tronr.
Die Verse G— 10 sind mir unklar; ich weiss daher auch
ycht, wie sie xu interpungieren sind. Der Gedanke: ,ein guter
Garten trägt Früchte" ist nicht rollständig, da man doch die Bezeich-
nung erwartet, welche Früchte er trägt, etwa: ein guter Garten bringt
gute Früchte hervor; ist ferner warde liier: Wartung oder Wahrheit?
Ist behaghel von behagen, einzäunen, oder lehagen , gefallen' abzuleiten?
Imid wenn das eine oder das andere richtig sein sollte, was bedeutet
^enn der ganze Satz?
y. 11 ff. Die Refrainstrophe erscheint mir cnnatrnctionslos. Der
allgemeine Sinn scheint zu sein, dass gute Worte und rechtschaffene
Werbe uns in den Himmel bringen. Es ist schade, dass die Itefrain-
•trophe in der Handschrift immer nur mit deu Anfangswbrten io gude
wort oder auch nur mit io allein wiederholt wird. Wäre sie immer
vollständig mitgeteilt, so wäre vielleicht durch Varianten der gram-
matische und logische Sinn der Worte zu ergründen gewesen.
V. 23. S. zu U, 29.
PT. 29. Die Erwähnung des Rheines ist auffallend. Ocler be-
seichnet rin etwas anderes?
V. 32 ff. Diese Strophe scheint mit der folgenden in enger Ver-
bindung zu stehen. Falsche Thaten machen uns der Gnade Gottes
verlustig; so müssen auch falsche Frauen unter der Erde dem Teufel
dienen? Und was sind das für Frauen, oder Unholdinnen, die unter
der Erde brauen und das Bier vermengen?
V. 43. allen gader statt des gewöhnlichen alle gader (alle zu-
[ sammen) findet sich auch f. G6h: vorghif uns vnse schulden vrentUken
fallen gader und 78^: Dine gauen allengader wil ik men vorsman.
V. 45. io tu lif, eele beide statt beide tu Hf unde tu eele findet
»ch auch f. 117a: Sin doghet schal vor.<negnden tu lif, seh beide. He
'lal men kummer vijnden.
V. 57. Heisst das: Gieb den Kranken, aber nur solchen, die
Fgut sind?
i
IQö
V. 62. pennighdruTcker wird sein, was wir jetzt: Pfennigfuchser
nennen = Geizhals. Vgl. avarus, druckesphenning bei Diefenb. v. 63.
ruhher? Ist es = Räuber, der Armen das Gut nimmt? S. Mnd. Wb. s.v.
Es sollte mir sehr lieb sein, wenn jemand meiner Unfähigkeit
diese Lieder zu deuten zu Hülfe käme und den Schlüssel für eine
richtige Aufschliessung derselben fände.
OLDENBURG. A. Lübben.
Nach fuge.
Herr Professor Dr. F. Bech in Zeitz hat die Güte gehabt mir
einen Versuch einer Erklärung zu II, v. 22 ff. zu übersenden, den
ich nicht unterlassen will mitzuteilen, da er wenigstens einige Schwierig-
keit aus dem Wege zu räumen vermag.
Bech fasst y^mer wunder^ als Ein Wort (meriounder) und ver-
steht unter dem „norden wint^ den Teufel, der die meriounder sendet,
d. h. die Sirenen, die „hoeen imp^, von denen die Rede ist, die Jilint
mdken mit lacheliken vJezen^, So gefasst findet er z. B. den Teufel
in dem liber fundationum Zwetlensis monasterii (Fontes rerum Austriac.
II. Abt. III. Band) S. 44: er rast herum gegen den ehalten norttoint,
an dem des tyevels untugent hesaigent sint.
Dies würde auch in den Zusammenhang passen, der sich dann
so gestaltet: Die Geliebte des Dichters hat freilich einen lieblichen
roten Mund und spricht feine Rede, aber man muss doch ein Grauen
vor ihr haben. Denn sie ist eine von den Meerwundern, welche die
Menschen berücken und auch selbst den weisen Salomo betrügen. —
Das Wort rat (v. 22) bleibt mir aber nach wie vor dunkel.
A. L.
• ' • ••• • •
Johann Rist
als niederdeutscher Dramatiker.
Vom Frieden «der Kripg, von I);tiirfa und
Soldaten.
U. J. Chr. V. Grimmelshauscn, Diel-
wald und Ameliade 1670.
Die Niederaächsisclien Possen- Spiele pris-
ffiAnea gich besser als die Hochdeutschen,
Und wer die Ursache wlsseu wil, der mag
uur dieses bedenckeu. Die Nieder-Sachscn
bleiben bey ihrer familiären proaunäalion,
damit ist alles lebendig und naturell: hin-
gegen die Hochdeutschen reden oft, als vrenn
sie Worte aus der Postille lesen soltcn, damit
werden dem Aactori die besten Intentionea
verdorben. Soll das Spriichwort wahr blei-
ben : Cumtrilia eft filw tiuman(e fpecutum,
so muas die Hede {jewisslich dem Mensch-
liehen Leben äbiilii'h seyu.
Christian Weisens Lusl und Ha\z 1<)90.
Johann Rist (geb. den 8. März ItiOT zu Ottensen, gest. den
Sl. August 1667 zu Wedel in Holstein) ist wülirtsnd seines Lebens in
Reichem Grade überschätzt worden, wie mau ilin scbon im acht-
'*2ehnten und noch mehr in unserem Jahrhundert zu unterschätzen sich
eifrigst bemüht hat. „Dass man ihn nach seiner Zeit messen, und
nicht die höchste Zierlichkeit iu seinen Gedichten sucheu, und daher
sein Sentimeiil über lUsteiis Pocfie bohutsalim ablassen muss", diese
bereits 1725 ausgesprochene beberzigenswerthe Mahnung des Heraus-
gebers .Der Vortreölichsten Teutschen Poeten verfertigte Meister-
Stücke' (IV, 27) beachten die wenigsten Litterarhistoriker. In der
Tbat, es ist, wie Wilhelm Müller in der Vorrede seiner Bibliothek
deutscher Dichter dca siebzehnten Jahrhunderts (VIII) wünscht, dem
von seinen Zeitgenossen über alle Massen hoch gepriesenen Manne wohl
zu gönnen, dor deutschen Nachwelt einiger Massen wieder in Er-
iDoerung gebracht zu werden. Kist ügnriert in den Litteraturgeschichten
als ungemein fruchtbarer Liederdi echter und Verfasser von Kirchen-
gesängen; nur vereinzelt wird seiner auch als Dramatiker Erwähnung
Cethan und das auf ganz oberliächliche und jämmerliche Art und
Weise, wovon Koberstein (5. Aufl, II, 240, 251 f) und namentlich
tiervinuB (5. Autl. HI, 532 f.) eine Ausnahme bilden. Selbst II. M.
Schletterer (Johann Risten: Das Friedewiin sehende Teutschland und
102
Das Friedejauchzende Teutschland, Zwei Scbauspiele. Augsburg, ISti
und Theodor Hnuäen (Jobann Ritit uiiil i^eiue Zeit. Aus deu Qu^
dargestellt. Halle, 187"2.) sowie Rudolph Uenee (Lehr- und Wander-
jahre des deutschen Scliauspids. Berlin, 1882.) kennen und behan-
deln lediglich die beiden eben geuannten Stücke, Und doch erscheint
Riät als Dramatiker nicht minder produktiv und weit interessanter,
weit bedeutender denn nls Lyriker und dabei vun nachhaltigem Ein-
duss : interessanter in Bezug auf die Sprache, hier bedient er sich
nämlich auch seiner niederdeutschen Mundart; bedeuteuder hinsichtlich
Wahl und Durchführung seiner Stoffe und von grosser Einwirkung auf
mehrere dramatische Dichter. Manch neue und, ich glaube, nicht
unwichtige Aufschlüsse bieten meine dem alten tUchtigen Holsteiner
Poeten gewidmeten Studien, deren erster und zwar nd, Theil in diesem
Jahrbuch eine Stätte finden soU.
Rist selbst sagt (Die Aller Meiste Belustigung . . . Eine Aprilens-
Uuterredung . . . Hamburg, 16'ifi. S. 131 f. Nachdruck: Frauckfurt,
]()66. S. 117 f.), er habe von seiner Kindheit an zu scenischen Uebun-
gen grosse Lust gehabt, also auch viel Arbeit darin verrichtet. „Don
ich nicht allein, wie ich noch ein Knabe war, meine Person vielmahls
auff den Schauplätzen dargestellet, welches auch hernach, wie ich
schon eine geraume Zeit auff OnioeffUiiten oder hohen Schuhlen ge-
lebet, mehr denn einmahl geschehen; Sondern ich habe auch die
Feder augesetzet, und so wol in meinem itzi^en, als da ich noch im
ledigen Stande gewesen, unterschiedliche Komedien, Tragedien und
Auffüuge geschrieben, duss, wenn ich dieselheu alle behalten, und sie
mir nicht in 'den mir und vielen tausend Menschen, hochschädlichen
Knegcs-Zeiten hinweg geraubet, auch sonsten wunderlich von Händen
kommen wären, ich deren über die dreissig konte darlegen." Ueber
dreiesig! Erhalten sind davon wahrscheinlich nur fünf, nämlich ein
,unter fremder Flagge segelndes' Stück {1630 n. ö.), Ferseus (1634),
Das Friedewünschende Teutschland (1647 u. ö.), Das X'riedejauchtzende
Teutschland (1653) und Depositio Cornuti Typographici (1654 u. ö).
Ausserdem ist noch sein Trauerspiel Herodes, welches er (Poetischer
Lust-Garte . . . Hamburg tÜSS. Bl Oij) als unter alten das älteste
bezeichnet, nach seiner eigenen Angabe (Die Aller Edelste Belustigung.
S. 132. res^}. S. 118.) ,durch offnen Druck herfür kommen', doch finde
ich weder in den Measkatalogen noch bei den Bibliographen dies be-
stätigt. Dagegen citiert .Tördens einen Wallenstein (s. 1. 1647.), von
dem W. Müller seiner Zeit ein Exemplar vergeblich suchte, Graesse
aber gelesen haben will, denn er urtheilt (Litterärgeschichte HI, 3.);
der verschiedenen Auffassung des Charakters des Helden halber mit
dem Schillerschen zu vergleichen. Rist nennt allerdings den Wallen-
stein neben Herodes und Gustav als ,,gantz Newe, vnnd erst vor
weniger Zeit erfundene vnnd aufsgearbeitete Tragitdien, zu welchen
noch gehören meine Polt/nutchia, Jrenockorua, Berofiuna, Begamhia
vnnd noch andere mehr" j^sc. Perseua, Guiscardus, Das Glückselige
Britannien, Das tyrannisirte und das wieder befreite England, Augustue
■de
Euricua etc., die sämmtlich älterso Datums sind.] uud fahrt fort:
„Die obgedachten aber köiiten vielleicht nach gelegenheit der Zeit
gemeiu gemachet vnd hervor gegeben werden" (Poetischer Lust-Garte.
l. c). Dass dieses jedoch geschehen, erwähnt er mit keiner Silbe in
der kurz vor seinem Tode geschriebenen Schrift ,Die Aller Edelate
Belustigung', trotzdem er sich hier besonders eingehend über seine
dramatischen Ansichten, Bestrebungen uud Schöpfungen verbreitet.
Im besten Falle sind also sieben Stücke veröfi'eutlicht worden. Davon
scheinen Herodes und Wallenstein verschollen. Das Fried ejauchtzende
Teutschland ist ganz in hochdeutscher Sprache abgefasst. Somit
bleiben vier Schauspiele übrig, welche für die nd. Litteraturgeschichte
uud Sprachforschung ein reiches Füllhorn neuer und gar uicht un-
interessanter Beitrage ausschütten.
Die nd. Bestandtbeile sind in den kumisclieu Sclialthaudlungen
oder Zwischenspielen enthalten, über deren Einführung sich Rist (Die
Aller Edelste Belustigung. S. 135. rusp. S. \'2l.) folgen der nia»seu ver-
nehmen läüst: „Als ich meine erste TragOidien spielete, ward zwuhr
dieselbe von Verständigen uud dieser Kunst erfahrnen Leüteu nicht
weinig gelobet, die, meisten aber waren nicht allerdinges damit zu-
frieden, allein darum, weil keine sondeitiche Pickelherings-PoBsen mit
uutergemenget wurden, dahero ich genohtiget ward, zu einer jedweden
tragischen oder traurigen Handlung, derer ins geraein drey, ein lustiges
Zwischen- Spiel, sonst Interfceniiim genaud, (die gleichwul mit dem
echten Haubtwercke eigendlich nichtes zu schaffen hatten,) £U setzen,
^ rorauft' meine Spiele alsobald ein grosses Lob erlangeten, angesehen,
'der Welt mehr mit dem lustigen Jean Potage oder Hans Suppe, als
mit dem traurigen und ernsthatfteu C-uto ist gedieuet." Hier nun ist
er echt Tolksthümlich und wendet meistens das od. Idiom .an. Er
äussert sich selbst darüber des Näheren im Vorbericht seines Friede-
jauchtzenden Teutschland: „Man muss keine andere Art zu reden
führen, als eben die jenige, welche bey solchen Personen, die auf
dem Spielplatz erseheinen, üblich. Zum Exempel: Wenn ein Nieder-
Bächsiecher Baur mit der Hochteutschen Sprache bey uns kähme auf-
gezogen, würde es fürwar leiden seltzam klingen, noch viel Närrischer
aber würde em solches Zwisuheuäpiel den Zuschaueren furkommen,
darinu man einen tollen, vollen Bauren und fluchenden Drewefs, als
einen Andächtigen betenden und recht Gottseligen Christen aufführete,
dann, was ein ruchloser Baur, wenn er zu Kriegeszeiten für seiner
ordentlichen Landes Obrigkeit sich nichts hat zu fürchten, sondern
nach seinem eigenem Belieben mag hausen, dafern er dem Feinde und
dessen Kriegesbedienten nur richtig die CoiUribution erleget, für eine
wilde, Ehre- und Gottvergessene Creatur sey, davon können wir, die
wir auff dem Lande wohnen, uud die Krieges Beschwerligkeiteii selber
" Imlich hart gefühlet haben, zum allerbesten Zeugnisse geben, also,
asB der Hauren Gottlosigkeit in diesen Zwischenspielen noch gar zu
;elinde ist furgebildet. Ja, soltu man ihre Leichtfertigkeit, Morden,
'«üben, und andere grausame Tbaten, in welcher Verübung sie, in
I
^ 411
104
Zeiten dess Unfriedens, auch die Kriegsleute selber weit übertroffen
habec, allbier recht abmahlen, es dörüte mancher darüber für Schrecken
erstauueD. Ja sprichstu: Deine Bauren gebrauchen sich gleich wol gar
unhöflicher Rede, für welchen ehrbare Leute etnas Scbam und Ab-
scheu haben, köntc man die nicht hinweg lassen, oder ein weJnig
subtiler beschneiden;' Nein, viel geliebter Leser: Was hat man doch
von einem tibelerzogenem, groben Tölpel und Baurflegel, von einer
unflätigen und versoffenen Sau für Ilüilichkeit zu erwarten? Kan man
auch Trauben lesen von den DÖrnern, oder Feigen von den DistelnV
der Vogel singet nicht anders, als wie ihm der Schnabel gewachsen,"
Den Hauptgegen stand von Risteus Darstellung bildet die trost-
lose Zeit des dreissigjährigeu Krieges, Hier spricht er, ein wahrer
Friedensdicbter, prophetisch und patriotisch, zuerst von einem ganzen,
grossen, einigen deutschen Vaterlande und gibt zugleich ein treues
und klares Bild der schrecklicheu Zustände und Zerrüttungen, welche
in allen Schichten des Volkes herrschten. Und wie er mit Absicht
die Baueru niederdeutsch reden lässt, so bedient er sich auch natur-
gemäss der Prosa ; er will ja in erster Linie weder künstlerische noch
aesthetische Wirkungen erzielen, sondern seinen. Zeitgenossen einen
Spiegel vorhalten, in welchem sie die politische und sociale moralische
Verworrenheit und Verworfenheit ihrer Tage erblicken können. Er triflTt
dabei stets den Nagel auf den Kopf und liefert, vornehmUcb in den
Zwischenspielen, ein Stück Geschichte aus der deutschen Vergangenheit,
ungeschminkt, auf eigenen Beobachtungen und Erlebnissen begründet, im
Kleinen wie im Grossen wahr, und'deshalb werth unseres Studiums.
Das älteste Drama, welches von Rist erhalten ist, datiert aus
dem Jahre 1630. üervinus (5. Aufl. lÜ, 535.) sagt: ,, Unter den
Stücken, die von ihm gedruckt worden sind, nennt er die Ireneromachia,
die wir nicht kennen." Anno 1630 erschien zn Hamburg und wurde
dort aufgeführt: IRENAROMÄCmA \ Das ist | Eine Newe | Trayko-
co- I waalia \ Von | Fried vnd Krieg. | Atidore \ JiENESTO STA-
PELIO I Lanff. Wcßph. \ ACTA \ UAMBURGI \ Anno M.DC.XXX. |
Impreffa typis liebenliattis. — 7 1 BL 8°. ') Dieses Stück ist Ristens
■) Exemplare: Stadtbibliothek Uamburg. Herzotjl. fiiblioUiek Wolfen büttel. —
Neu aufgelegt (GotiBched 1, 191) im Jahre 10^6: Irenaromachia | Du ist. | £iiie
Newe I Tragico-Coina-ilia | Von | Krled vund Krieg, j Autlore | Ernefto Stapelw\
Lemg. Wi-ßph. \ ACTA ) HAMBURGI, | ANNO M.DC.XXXVI. 1 Fried iet hesser
diLun Krieges Zeit, [ Fried macht grah Gut, Krieg | arme LeuU | Id VcrteguDg Tob'ue
Gundennans, j BuchhäudlerB. — 71 Bl. 8". Keemptar: llerzogl. Bibl. Wolfenbüttel.
Mit Ausnahme dea Titels und diT Widrouug (Bl. 1 u. 2) typographiEch unveränderter
Ah<truck;unzweifelbaft ietderSatz vonEd. 1 steheu geblieben uud hier aufs neue benutzt
worden. — Fernere Drui^ke kamen heraus ebendaselbst (nach Möller, Cimhria Uterata.
11,81)2): A. mS8. in 12., A. IMÜ. in 8., & 1051. in i. Prodiit eiiain Vratislavix, ex officio«
Cafp. Ctofcmauni, Hiie anni mentione, in 8. Goedt'ke (Urundriss § läS n. 172)
citiert eine Ausgabe o. 0. 1636. 8. (olTeobar identisch mit der zweiten, deren Titel-
blatt ich genau mitgetheilt) und noch Küppitzsch (Catalogue 1816. u. t)796} Breslau
1639. 8. Ich habe nur den folgenden undatierten äreslauer Druck ausliodig macheu
können: Kine Newe ] TRAGICU- \ COMOEDJÄ \ von | Fried vnd Krieg. | Erstlich
geslellet | Durch [ ERNESTUM STÄPELJUM [ Lmit^. Weftiih. | Jt'tzo auffs new
allCDlhallii'n | vLcraeheu vnd gebesBerl | Sainpt einem lustigen Pauren- ] Auffzuge,
105
Eigenthum. Äeussere und iooere Gründe sprechen dafür. Die letz-
teren ergeben sich, wie wir spater sehen werden, durch Vergleichung
des Inhalts und der Behandlung mit seinen übrigen Schauspielen, und
namentlich fallen die nd. Partien zu seinen (iunsteu schwer in die
Wagscbale; aber, gesetzt auch, diese waren nicht so handgreiflich, so
würde schon ein Umstand genügen, ihm das Werk zuzuschreiben.
Nicht als ob hier ein Anagramm sein neckisch ISpiel treibe, ohwol
solche oft auf Rist gemacht sind; vielmehr nimmt er selbst mit klaren
Worten das Autorrecht für sich in Anspruch. Er ziihlt nämlich (Die
Aller Edelste Belustigung. S. 132. resp. S. IIS.) seine dramatischen
Arbeiten auf, vun denen die meisten in der Kriegszeit verloren gingen,
und fährt buchstäblich fort: ,, Unterdessen ist nur meine Ircnerotnachiu,
oder Friede und Krieg, (für welches Spiel ich gleicbwol eines anderen
Namen gesetzet,) meine Trayadien, als Herodes und Perfeus, nach-
gehends mein Friedewünschend, und eine Zeit hernach, mein Friede-
Jauchtzendes Teutschland, durch offnen Uruck herfur kommen." An
der Wahrhaftigkeit dieser Behauptung ist nicht zm zweifeln. Rist
fühlt, wie er wiederholt erklärt, sein Ende nahe (er starb ein Jahr
darauf, 1667, nachdem man ihn .unzähhge Male vorher schon todt
gesagt hatte), und es ist ganz natürlich, dass er hier, wo er seine
Stellung zur Schaubühne ausführlich entwickelt und seine Schöpfungen
resümierend zusammen fasst, sich als den Verfasser seiner unter frem-
dem Namen publicierten. Jugendarbeit ofl'en bekennt. Ernst Stapel
aus Lemgo in Westfalen war sein KommiUtone auf der Universität
Rostock, wohin Rist als Hofmeister des ihm gl ei chatten gen Sohnes
eines Hamburger Patriziers Ende der zwanziger Jahre zog. Dasselbe
Studium, die Theologie, und gemeinsamer Siun für Poesie brachte
beide Männer zusammen, und es bildete sich zwischen ihm und Stapel,
der bereits einen liul als Komödien- und üelegenheitsdichter genoss,
ein enges FVeundscliaf tsver hältnis; sie Iheilten sich gegenseitig ihre
litterarischen Erzeugnisse mit, und Rist wird nach Vollendung der
Ireuaromacbia den Freund gebeten haben, ihn als Urheber nennen zu
durfeii: vielleicht aus begreiHicher Schüchternheit des Anfängers, viel-
leicht in Hoffnung eines um so grösseren Erfolges, vielleicht aus
sludenlischem Uebermuth. Kurz, die Täuschung gelang vollständig,
zumal Rist in naiver Selbstverleugnung dem Drama, das 1630 erschien,
ein Poem vorausschickt, in welchem er seineu Ernst Stapel preist und
zu ueueu Dichtungen aufmuntert, unterzeichnet: Fraterni amoris, in-
viclfeq- neceffUudinis ergo (itciebat Johannes Riftius Holfatus. Vorher
war unter ihrer Leitung die Aufführung durch befreundete Studenten
und Landsleute in Hamburg erfolgt; ein vorgedrucktes lateinisches
Carmen trägt die Unterschrift: Conterranao fuo, fmim Belli &■ pacis
Trat/ieomteäiam prrdo commiteiUi jocalundus apponebut qui perfonatum
Hgebat Militeni F. B. Lemg, Durch die intime Verbindung mit Stapel
welcher aailers vbei
B reftlaw 1 zubeflnden
^■DtUched I, 195.)
106
lernte Riet auch deesen Schwester Elisabeth kennen, welche er im
Beginn deB Jahres 1635 nach seiner Wahl zum Pfarrer in Wedel
heirHthetü. Ein anderer Hruder, Dr. iur. Franz Stapel, Dünischer
Geheimer Rath und Oberamtmann zu Pinneberg, dem er seine ,Musa
Teutonica' (Hamburg 1634) und seineu , Poetischen Schauplatz' (ibid.
1616) widmute, wird öfter von ihm erwähnt. Ernst starb schon den
13. Oktober 1635, und es lässt sich nachempfinden, warum Rist in
dem ,Klaag-Gedichte Über gar zu frühzeitiges Absterben Herren Ernst
Stapelen, seines sehr geliebten Schwagers vnd höchstvertrawten Freundes'
(enthalten in: Poetischer Lust-Garte. Hamburg, 1638.) den Verstor-
benen der Welt gegenüber Verfasser der Irenaroraachia sein und
bleiben lässt. Ausserdem mochte er es gerade damals, wo er eben
als Geisthcher angestellt worden und den gehässigsten Angriflen nei-
discher Amtsbriider ausgesetzt war, nicht für angezeigt halten, jene
Mystiükation aufzudecken, und liess die Sache ihren Lauf gehen. So
verflossen mehr lUs drcissig Jahre, bis Rist kur^ vor seinem Tode die
eigenthümlicbe Bewandtnis enthüllte, um das Geheimnis nicht mit sich
ins Grab nehmen zu miissen. Des Stückes braucht er sich wahrlich
nicht zu schämen. Uatisclbe fusst auf der damaligen Zeitgeschichte
und enthält, namentlich in den Zwischenspielen, bunte und bewegte
Bilder ans dem grossea Kriege. Diese Scenen, in welchen die Feind-
seligkeit zwischen den Soldaten und Bauern meisterhaft gezeichuet
ist'), sind zum grtlssten Theil niederdeutsch abgefasst und zwar im
Holsteiner Dialekt, ein Umstand, der gleichfalls zu Gunsten von Ristens
und nicht des Westfalen Stapul Autorschaft spricht. Diesen Scenen
verdankte das Drama hauptsächlich den stetigen Anklang bei den
wiederholten Aufführungen, ihnen die häutigen ÄuHageu, wie der Bres-
tauer Nachdruck beweist, wo die nd. Mundart iu die Schlesiscbe über-
tragen ist, ihnen schliesslich eine bisher allen Litterarhistorikern
völlig unbekannte Uebersetzung in gebundener Rede, enthalten in der
folgenden nirgends citierteu Ausgabe des Sophocieischen Aiax*):
SOPHOCLIS AJAX LUHAUIUS | Sett | THAGICA COM^EDIA | DE
AJACIS TF^ I LAMONH fpropter iirma | Achillis Judicio Grsecorum
Tibi I non addicta) furore, morte, & difl'enfu 1 fuper ejus fepullura, {
Exornata post Sopfiodem, | Scenis neceffarijs & feptem can- | tbnibus
inter actus decantandis, | Olim n Joßpko Scaligcro Julij \ (ilio traiiflata,
d- in Tkeatro Artjen- | tinenfi exhibüa. Anno 1587. \ Darunter sein
eingeführet | PSEUDOSTRATiOT^, | Ein Teutfches Spiel [ VnarÜger
Lediggenger, ] denen das Sauffen von jUren | Weibern vnd der Muffig-
gang auff I Landsknechts Art getrieben, von | Bawren wol verfallzen [
, HaniburgiBcIie Thealer-
i Aufführungen ii
') Vgl, liagcgeu (Ims abfällige Urlheil v
Geschidile. Ilunib- 1794- S, 18.
') Selbst Augusl Junilt (Die d räum tischen
Strassburg. Eiu Beilrag zur GeBcbichte des SrhuldramaB im 16. uud 17. J&hrhuadcrt.
Sirassburg 1881. 4".) kennt diese von mir zuerst beigebrachte Ausgabe nicht. Seine
detail lierlea AusRiaandersetzungeii über die verschiedenen deutschen Be^rbeitungea
von Sopbocies' Aiax wdrdeu durch Pfeiffers Editio eineu interessanteu Ab(cliluBB_
gerunden haben.
I
107
rd. I Von newen gedruckt | ANNO 1631. — 120 Bl, ts". (Exemplare:
piverEitats ' Bibliutbi-k Rostuck. Ilerzogl. Bibliothek Wolle iibüttel.)
IHe Dedikation ,Deiii DuicLleuclitigeu, Hochgeborm-u Furüten viiiid
Herrn, Herrn Juliü Ernst, Hertzog zu Brauuschwoig vnd Lüneburg,
Meinem gniidigen P'ürsteii vnd Herrn' iet unterzeichnet : Eruj'nma
PfeifTer. Rist sowol als Stapel hatten beide Berührungspunkte mit
dem BraunschweigiBchen Lande: des Ersteren Mutter Margarelha
geb. Ringemutb stammte von Subloss Steinbriigge im Braunsuhwoigi-
schen, und Li'tzterer hatte Anfangs in Helmstedt studiert; auch ist die
2weile Ausgabe der Iienaromachia den vier Töchtern vou Henricus
Müller, Piobsten des Klosters S. Laurentii für Schöningeu und Fürsll.
BruuDschw. Oberamtmaiin Kaleubergischeu Theils, zugeeignet. Erasmus
Pfeitfer. der ein tüchtiger Gelehrter und kein unebener Poet gewesen
sein muBs'), sagt S. 159 ausdrücklich: Actum Pfeudoftratiolarum 0er-
manicum iüterins ixieitdendi gralia quie fequuntur aliwide huc fuid
translata. Die Quelle bezeichnet er nicht näher, und ich bin in der
angenehmen Lage, als solche Risteiis licnaromachia nachweisen zu
können. Original und Uebersetzuug sind für die ud. Sprachforschung
wichtige Denkmale, welche verdienen, durch Neudruck vorm Vergessen-
werden bewahrt zu bleiben. Eine Gegenüberstellung verleiht einer-
seits meinem Fund erst den richtigen Werth, andererseits ist vollstän-
dige Wiedergabe unerlasshch, da sie die Basis zu weiteren ünter-
Buchungeu auf ud. Gebiete bildet,
Riütens Irenaromachia lt>:iO. Pfeiffers Pseudostratiot» Itiiil.
Peraonfe,
tili lieii Aul'zügen)
I'ersoueu.
Meves ein Bawr.
Quartit-rmeister.
Sivert Schwalgeb litte ein bawr.
Marien Möhrkoke der Bawr-
meister.
Joistken Siverts Sohn.
Jäfkel.
Plonnie Siverts Weib.
3 oder 4 Leibschützen dess
Quartiermeisters.
[Nickel der Krüger.J
Bawren Aufifzug.
Meves.
PFuy de bösen Vögel, Godt Itiff
P^nde danck, befft se de giote Vle
Quartiermeister,
Jeckel der Kundschafter,
Clauss der Leibschütz.
Nickel der Krüger.
Meves,
Sivert, Bawren.
Malten,
JöBtkeu Bawrjung.
Plonnie ein Bawren Weib,
Sceiia 4.
Mewes,
NV v?iU Land weddr in Ehren
stahn,
') Leider siod mi'iue Naehforaehiingeu über Erasmus Pfeiffers Persüulicbkeit
und Leben bis jetzt rrfulglos geblieben. Im Herzugl. LandesliBiiptarchiv xu Wolfen-
bflttel befindeu Bich nach freuodlii^her MiitlLeilung des Herrn Dr. Milchsack keine
^ auf Herzog Julius Erust bezuglicbe Akten, iu lieuen dessen VerhülUiiE usw. zu
^L UDSerem Dichter sich nikber bestimmen Hesse; und nuch die von Herru Archivratli
einmaM wechgeföhret , de losen
Galten vnde Schrubbers, de vs hyr
ein Jahr efit etlyke hebbeu wat
tho brühen vatet'), vnde de wy
met ehren Hören vnde Jungens
hebben luölhen groth vöhen. Tfui
ys ydt iiich eine grothe Schande,
dat de losea Ijulgen, dat scbüiie
veele (leid, dat suhöne veela Koru
alle Jahr, dat schöne veele Veib
so vthm Laude bracht hebben,
vnde so scbandtluaeu dür den ars
gejaget. Ja ys yd uicb ein solck
vthvorhutert , vtbvorputert Pack
wesen; wenn ickr noch an dencke,
wo plöchten se glyckwol noch einen
armen Buhren tho bundtliauen,
dat ydt einem Stein in di;r Erden
erbarmen möchte. Auerst möchte
wy einmal einen solcketi Ualgeu
nedder andrepeu, ick wolle ebn
so wedder haudthauen, dat he
schölle dess Pnpen begehreu: Nu,
üu, wat ist wertb dat ick meck^)
veel durauer stiffele, se helft ydt
im Arse, ick kan dar mcek nicb
dodt vmme grämen, ick wil' wat
ua vsem Kroger Nickel Stubi gähn,
vnde drincken de Sorge vom Harten,
Wenn Hans Hon mut tbom Land
utb gan.
Dat se de grote Vbl weg hael
De bösen Vögel allthomal,
De Schrobbers bebben vtermaten,
Vüs vele Jahr tho briiden fatn,
Wy hebben en vnd er Hoerpack
Gnoeh füllen möten Bück vnd Sack,
Se mötent noch vpm Stroh vertern
Wat wy so bebben mötn entberu.
Et ys men Jammer, Schad vnd
Schand
Dat se gebracht bebn vlhem Land
Datschöne Veh, veelPerd vud Geld,
Dat en mit Scbmarten ys geteilt,
Dat bebu se dorcb den Haks gejagt
Vnd vns elend duby geplagt,
Bawr gib: Bawr schaff': was er
Gesang,
Du alter Dieb was hudletu lang,
So plegn se vns tho bockbrüen,
Wanne ydt schuld my nicht geruwn
Wenn ick en köut so wedder schcru
Dat be möubto des Papn begehrn,
Doch wat yät dat ick my kastey
It helpet my jo nicht ein Bräy"),
Tys beter dat ickt lat austabn
Wil heu tho vnserm KrögL-r gähn,
Nickel Stahby, odr Peter Viuckn,
Vnd dar de Sorge wat verdrincku,
It sind de Burn tho sammu bi;-
scheidn,
Ein Quarteermeistr wil mit en redn.
He wil wur dancken vter matbu
Dat wy VHS so hebn scheren latn,
dat lie gieng vpu Pcpers harch.
Sonst wert darnach ein mehrer
qwarg.
Mag syn wat wil: blivc my uthn
Haarn,
Dr. JHuicke im Kgl. Staalearübiv zu HiiDiiovtT gi'tligB
babeij ein iiei^ativeG Resultat ergeben.
') U. JelliugbauB, Zwei jikttdcutarhe Possen
Jalirb. 1877), a, Ol ; wo ae de grote Süge hpbben Ui
') mec.k und mick iiübeu a; = mich resp. m]i
von RIbI gehrauclit. vgl, Jellinghaus, Lauremberj;. I, e. b.
') K. Tb. Gaedcrtz, Gabriel Rollenhagen. Beitrag zi
stheu Dramas und der nd. Dialektdichtuug. Leipzig 1881.
io\i J. Laurcmborg (Siederd.
brüGD fatet. vgl. e. 92 ibid.
n willkürlicher Abwecliselnng
:. B. 92,
Geschichlo des dei
J
I
109
So werd ickt tydt genoch erfahrn,
Ick wil davor ein Schilling vier
Versetten in des Krügers Bier,
Vnd laten Sorg by »iden stan,
Kiti jeder Dag sin Wag wil ban.
(Indem er vi\ abgeben, kompt
der Quartier me ister vnd spricht:)
Horcb hie Bawr wo hin du Dieb?
Meves. Ja, ja iek käme flucks wedder.
Quarlicmteister. Nein du Schelm, blfibedu mir hie. (Greifftjhn an.)
Meves. Och ja Juncker, van Harten gern, och latet my denn
doch 80 lange gaen; wil gy meck wat?
QttartteTtneister. Ja freylich wil ich dir etwas,
Meves. Ücb mit vorlüuo Juncker, ick moth einmahl pöilken,
töuet me ein lütk, lütk, ick käme Hticks wedder. (Quartiermeister
ergreifft jhn wieder.)
Quartiermcisk-}: liier du Dieb, nein du woltest seichen, vfi mir
darnach die Hacken weisen; so habe wir nicht gewettet, gehe du mir
hieher, ich kefie euch leichtfertige Vijgel wol: Horch du Dieb, warumb
ich dich fragen wil, davon soltu mir den rechten grund vnd besrheyd
sagen, oder du soll luv meinen Augen sterben.
Meves. Üch van Harten gern niyn leeue Juncker, wenn ickr
men bescheid van weet, so wil ick yuw nich vorleegen, dar achöl niy
Godt vor behöden.
(^uartUrmeistcr. Du Schelm weist wol beacbeyd, bistu nicht auss
diesem DorffeV börestu hier nit zu HauseV
Meves. Ja Her Juncker, ick bin hier ius Dorpes Deenate, ick
plegen wol dat Ilorn tho blasen, wenn de gantze Dorpschop schal
ylich tho liope kamen.
Quartiermeister ud fpectutores. Wol! ich hab den rechten ange-
troffen, der dieses Ortes besclmffenheit weiss: (ad rußicum) Aber ge-
schwind Hawr, sage mir, wie viel Bawhöfe, Köters vnnd Brincksitters
hat es in diesem Dorf), vnnd was sonsten dess Vngezieflers mehr ist.
Meße.s. Och Üere GOdt Buwhüue, der sintr Jo wol einer vieff
edder söas, auerst ydt istr leyder Uades alle affdreuen, so wol de
Buwren als dat Veih, dut ydt mag einem vpn Harten weih doen, wenn
se hier so pleget dör tho teen (ad militem) mit vorlüfe Juncker, sin
gy ock wor ein Kriegesman ?
Quartiermeister. Ja ich bin einer.
Meves. Ja leeue Uodt de mutet ock sien, de mutet ock leuen:
leeue Godt, de mutet ock vnnerholden sien.
Qiiartiermeister indlgna. Dass dich tauseutschelmischen Dieb die
Kranck bescheisse, ists das warumb ich dich frage, {schlegt den Bawren)
Du solt mir sagen, wieviel Bawhüfe, Köters vnnd Brincksitters inn
diesem Dorffe seyn; dich sol bald das Wetter schlagen.
Meves. Och ja, ja, van Harten gern myn leeue Böueste, ick
wjlt yuw gern allthomahl seggen, och lathet my doch so lange be-
110
tehmen. twölff Buwhöue, veerteyn Kateusitters, ane de BrincksitterSy
der istr noch ein passlick deil, dat sindt se nu all, by myner Siister
Salicheit.
Quartiermeister ad fpectatores. Mag man nicht sagen von den
schelmischen Bawren, seyn es doch die losesten Diebe die auff Erden
seyn oder kommen mügen! Nun vnser HErr GOtt mass sie wegen
jhrer Büberey vnnd leichtfertigen Gemüths straffen, damit sie jmmer
schwangor gehen, welches ich dann an diesem Schelm ^befinde: dann
vor wie ich jhn bey seinem Leben fragte, dass er mir solte die rechte
Warheit sagen, wie viel Bawhöfe im Dorffe wehren? Antwortet er,
fünff oder sechs, vber das seindr keine mehr, solt ich auch nicht an-
ders erfahren: Inndem ich jhn aber beginne zu prügeln, kundte ers
mir baldt sagen: (ad rufticum) Aber sich nun du Dieb, was wehre
nun wol dein rechter Lohn, weil du mit Lügen mich berichtet hast.
Meves, Och hale my vse HErr Gott, Her Böueste, vth vorwitz
hebbe ickt nich gedahn, den min Harte word meck in mine Line so
groet, datk hole hedde vuUepölcket hasen vn Broeck, kofie ock yuw
vor angst nich recht vorstan, als ick ock, de warheit tho seggen, nich
wol hören kan.
Qtiartiermeister. Ey du Dieb hast aussgelernet, mercke ich wol,
du bist der rechton Gäste einer, nun so packe dich fort heim, hole
dein Hörn vnd blase, damit die Bawren zusammen kommen, vnd ver-
nehmen was mein begehr ist.
Meves, Yan Harten gern Herr Böuest, ick will flucks hen gähn.
abit, (Hie wird das Hörn geblasen, vnd kompt Sivert vnd Mart: vnnd
spricht) Watm Kattenkrancket ^) werdt dat bedüdeo, dat vse Meves
so begünnet tho blasen, goden dag Naber Sivert Schwaigebütte, höre
gy vsen Meves blasen?
Sivert» Ja ick Märten, dat werdt he gewisse nich vorgeues dohn.
Märten, Schol ock wol de Henger welcke Soldaten hervöhren,
de vs hier wat wedder scholden tho brühen vnde tho scheeren fathen ?
Sivert, Wat? dar schol se leeuerst de Bödel vor schlan de
Galgvögel vA Schelme tho hope, wollen ebnen leeuest alle de Hälse
tho breken.
Marterl. Neen Sivert, dat wräken andere Deeue wedder, denn
ydt ys dess Düuels anhanck! darümme wo dar welcke sindt, so möhten
wy ydt anders anfangen, denn wenn men de Galgen kan mit godo
schlieten, ys beter, als dat men sick mit ebnen moth schellen, kieven
vnde bieten. — Vor hundert dusent! süh daer steyth ein Schrobber
darvan! hebb ickt nich secht datr welcke vorhanden wehren?
Sivert, Kämet, lath einmal hören wat he hebben will, wiltn
fragen wor he dat Buwrenschweet vp de Hosen kregen hefft.
Märten, Ey neen, de störte Süke, Sivert, ick mach dar so nich
hengahn, de Deeue pleget einen wol tho schlan, wenn men ebne eine Wort
tho segt, dartho worümme schöle wy vse Lyff vnde Leuendtso wagen?
^) JeDinghaus, Lauremberg. I. c. s. 93.
111
Sivert. Wo nu tho, de Galge wil ts ja wol nich bieten, wy könt
-ydt yo wol an hören, meynstu dat ickm vat geuen wil? ja de dünne
von achtein Dorpen, hclÜBcb t'iier, Sctiweuel vn Peck !
Marien. luk woll ehme wat int Ohr dohn, dat achol ehme im
Koppe bulleren.
I Sivert. Vnd so he, Niibei' Matten, wor wat begiinne tho seggen
van schatten, vade scbecren, so schwere ick ehm dat ein Kedt, ick
^I ebme einen solcken lange, mit disser Kühlen, dat he schal scfawimig
wehren, vn so he sick wolle tbor wehr selten. Märten, so möthe wy
dichte thü hope holden, vn ehme lustig die KulTe geuen.
Scena 5.
P1,
I
Quartiermeister. Sivert, Mewes.
Burmeiater. Märten.
Qaartiermcislcr intHt/tml). lilil/,
Bley. Donner, Stern vnd Hagel,
sollen noch kommen vber die leicht-
fertigen Bawren, den*' ich muas
hie eine Stunde oder drey zu ge-
fallen stehen: lat mir recht, sehe
ich etzliche daher kommen, hilfTt
mir Gott ich wil sie beichten,
Jedoch ich wil sie erstlich in der
gute anreden, ob ich so etwas von
jhnen haben kan : (ad ruft.) guteu
ITsg jhr Leute, guteu Tag, wisset
Sivert. Wo du hist jo wol ein
dummen Douel , kanst dencken
wann wy dat wüßten, dntwe hier
nich komen dörsten, wat mangelt
deck deft? wat istr? wat wultu
hebben?
Qvartiemieister. Meine liehen
Leute, wefi jhr beysamen aeydt,
als wil ich euch meines Herrn be-
febl anzeigen, da jhr daü deaseu
^^erosten willen vnd meinunge hören
IL
Quartiermeister.
DKr Bäwr hat sich gebildet ein
Wir aollen nun gar hinweg ziehn,
Sotcha ist vns aber nicht im Sinn,
Vor Winter wird kein ziehn von hin,
Darumb hab ich die Bawrn be-
Bcheidn,
DasB sie soUd Winterquartier leidn,
Oder gnug gebn, so ziehn wir fort,
Vnd ligen an einm andern Ort,
Blitz, Bley, Donner, Hagel vnd Stein
Sol zu den Schelmen schlagen ein,
Der ich hie warten niuss so lang.
Doch da kömpt jemand her gegangn.
Wird wunder seyn dass ich mit fug
Ihn nicht besaltze den Verzug,
Doch muss ich erst in aller gut
öie reden an: Gutn Tag jhr Leut,
Guten Tag wUndsch ich euch zu-
aamn,
Wiaatjhrwarumb ich hier bin komn,
Sivert,
Du must ja ein dumm Düvel syn,
Wenn wy wüsten de Meynung dyn
So kanstu ja dencken dat wy
Nicht nödig gehat kamen tho dy,
Watmangeltdy? wat will? wat isti?
Quart,
Wärt jhr beysammen heben Leut,
So könt euch werden angedeut
Was ich euch hie anzeigen aol,
Sivert. Wat möget ae hier alle
dnhn echölen, süh liier ys vae
liubrmeister Märten Mörkoke, de
kan so wol ksen als de Küstev
vnde Freister, viide mangelt deck
wat dat scgge, vnde scheide dar-
van, ick hebbe vni dy üalgen hier
tauge genocb stabn.
Quartiertncister. Ey mein guter
Freimilt, last mich doch seyn wer
ich bin, vnnd scheltet mich doch
nicht, denn es bleibet selten vn-
gerochen, vnnd höret doch meine
anwcrbung.
Sivert. Wo! dy wil lykewol ball
de Uüue] halen, heffstu noch veel
schnotÜegen , datn ya hier nich
angelecht, dar drüch dick nich vp.
QaarUermeisfer. Ja jbr goten
Freunde, nach demmahl Jbr es be-
gehret, YDod jhr der Bawrmeister
seydt, so ist dieses, meines Herrn
ernster Befehl vnd Wille, daas man
bey euch sol eintjuartieren, hundert
Pferde, vnd hundert Mail zu Fusse,
die jhr den Winter in Futter vnnd
Mahl erhalten sollet, oder aber
sollet meinem Herrn wöchentlich
anGeldt geben /weyhundertReicbs-
thaler, wie auch zween Ochsen,
ohne Hew, Habberen vnd Stro.
Sivert. Vieff wunnen! kan he
de Weeken twe Ossen vpfreten?
so werdt he vor den Diiuel grothe
Hupen schietfiii, wo! de schölle va
in einer Weken arm freten, dat
wy darna mosten de Paten sugen.
Sivert.
Wat mögn se all hier doho schöl
Sil hier ist ein gar gutklock
Vnse Burmeistr de lesen
So gut als vnse Karckheer,
Ja wenut de gantzo Küster war,
So dy wat mangelt segget an
Vnd scheid darvan: Düt lange stahn
Ist vmb dich Galgen schier genoch.
Quart.
Ey lieber Freund ich bitt mit fiig
Halt ein das schelln, vnd wer ich bin
Den lass mich bleibn kans müglich
seyn,
Sonst wirds nicht setzen guteHahr
Ks bleibt nicht vngerocbn fiirwar,
Vnd hört mein Werbung nenipts in
acht.
Sivert.
Du magst ja nicht nam Düvel
Bcblachtn,
Wiltu noch hcbben veelSchnolflegn 'f
Dai' is vns byr nicht angelegt
Wat du vns wilt dat segge hl
Quart.
Ey ja weil es ist ewr bege
Vnd jlir allhic Burmeister seyd.
So ist (las endlich der Bescheid
Vnd meines Herrn will vnd begehr
Er wil hie ligen im Quartier
Mit hundert Pferdn vnd hundert
Mann,
Die mussn den Wintr jhr Nothdurfft
han,
Oder jhr sollt wöchentlich gebn
Ein hundert Thaler vnd danebn
Zwey Ochsen, auch Hew, Haffr vn
Stroh.
Sivert,
Viff klummen') wil he fretn also,
Twe Ossen gantz in einer Weckn?
Sokünn wy bald de Summ vthreckn.
He frttt vns arm in wenig Tagn,
De Potn herna wy sugen mögn.
') Gaedertu, RoUejihagen.
^,1. Märten. MagEtu nich soggen,
[ Sbch twehundert Ryksdaler durtlio,
ahne Stro, Hew viid Haueren, ick
woll leeuerat dat ehne de Düucl
halcde '), eher icki' woll den ge-
ringsten Heller tho bethiUen, (nd
milit:) Dyn Herr mag wol ein
reclit Vollat gyn, vn du ein lluunes-
vot dartlio, wat mag he sick woll
iubillen, könne wy ehme de l'aiitzen
allene füllen?
Sivrrt. Wftt? Wollestu ehme
noch wol wat geuenV Heftalu
nicht hitret datr Frede schliiten
ys, den se yo allenthaluen hebben
vthe blasen vn vthe ludt; Dar
yaset yo nu klaer niee, ick wolm
nu den Diiuel vp synen Kop geuen^),
dem Schrobber, heffte va nnch
nicht lauge noech brüetV
Quartiermeister. Ja jhr Leute,
freylich ist der Frieden geschloa-
sen, wehre besser er wehre ein-
mahl frey ledig vnnd loss, dass
6r möchte gehen vnud stehen wo
er wolte, Aber er ist annoch an
allen Gliederen vest vnnd starck
verwahret, habe sorge, werde so
haldt nicht wider berl'ür kommen,
vund ist eben nicht so klar mit
sagen, blasen, vnnd leuten, den
Leuten ist nur ein Klanck, blasen,
ist nur Wind, Friede gemacht, ist
nur ein Gesanck.
Siverl. Ydt sy Windt, Klinck,
Klanck, odder Uesanck, ydt ys
lykeser so veel, gy sindtr meo
tboni Lande vthe blasen, vn vtho
ludl, als men solckcn Schelms plecht
tho dohn, vnde datm yuw nichst
Märten.
Kanatu de Mund nich beth vp dohn,
Mehr hundert Thaler eschen schon
VoiHaffervndHew? Ickwoltdaten
Kramtilck leever vöret hen
InPeck,He11schrür, ehrickthomaln
Den ringsten [leller wold bethaln,
Dyn Herr mag wol syn ein Vnflat
Deet begehrt: vndduein Hundsfott,
Wal teil gy ju in den Sinn wolV
Dattn 80 juw l'anUen füllen schal.
yivert.
WoUstu em noch wol wat Ihostan
Nu Fred ys gscblaten, vnd daran
Allenthalben geblasen vtb,
Darmit all Ding ist klar vnd gut,
Men schuld em gevn vp synen Kop
Den hlidel, deSchrobber vnd Trop,
Hebbn se vns nicht lang noch ge-
briieti'
Quart.
Ihr sagt all recht mein lieben Leut,
Der Fried ist gschlossn: denn es
ist wahr
Er ist geschlossen vnd verwart
Gar hart vnd fest dass er nicht kan
Plinkommen da man jbn wil han,
Vnd wird noch wol gefangen bleibn,
Fried aussblasn ist nur Kurtzweil
treibn.
Das Blasen ist nur Wind vnd Klang,
AtsoFried machen bleibt einGsang.
Sivert.
Id sy Kurtzwii, Wind Klinck odr
Klanck,
Eddr wat et woll vor ein Oesanck,
üy Bröers sind darmit vthgeklungn,
Dar hebh gy lange na gerungn,
') H. J. Chr. v, Grinimelahauseii, Der Abeatouprliche Siroplüisäimus. 1009,
B. 365: Dm Be de Tdtel dartlio halen skolde. Bieser berübmle Volksrotnan, worin
aueU die nd. Mundart wiederhoh vorkumml, liefen vom dreiasigjabrigeD Krieg ein
^ttenbild, du aa Ungeoiertbeit im Auadruck RiBtcnH verwandt« Darstellang oücli
UberlritTt,
*) Diese Redcnanrt äiidet aiib oft in Bistens Dramen. 0. Kreistag, Bilder aus
r deutsuben Vergangenheit, 1872. III, 210: einen Teufel woUeo wir dem Pfaffen
t den Kopf geben.
114
meer schal geuen, vn süh ick wect
dy vn dynem Heren dem stücke
liuhrs nichts tho willen.
(Sivert schlegt jhme ein Knip-
chen für die Nase.) Süe dat wilckm
geuen.
Qimrticrmcister irat. Jhr Leute
lasset ab von solchem schelten,
das rahto ich euch, denn es blei-
bet Warlich nicht vngerochen,
mein Herr ist der difcretion, dass
er einen jeglichen nach Standes
gebühr halten vnnd refpectieren
kan, auch die jenigen so jhm con-
iribuiren müssen, mit solchen »wi-
nieren anredet, dass ein jeder gern
vnnd gutwillig seines Vermügens
nach giebet; Zu dem ist Er auch
euch Bauwren absonnderlich ge-
wogen, dass er euch gern, da jhr
von der Soldatesca genotiget wer-
det, eine hülfFliche Hand leistet,
Nun aber fahret jhr mit solchen
losen ehrenrührigen Worten her-
auss. Da doch mein Herr dessen
vnschuldig, vnd sol euch tausent-
schelmische diebische Bawren der
Teuffei auff den Kopflf fahren:
meynet jhr, jhr habt einen Bawren
vor? dar sol euch der TeufTel vor
holen.
Sivert (begreifft jhm die Welir
schlegt zu vn spricht:)
Höre töeff, wultu daran? neen
so möte wy de ersten syn, harre
wy wilt dy twehundert Rykesdalor
vn twe Ossen alle Weken geuen,
Hende vn Vöte ock dat gantzo
Lieff schal dy zittern vn beuen.
Meves (kumpt zugelauffen, vnd
spricht :)
Schlali dodt den Galgen, schlah
Alssm andern Lüden plecht tho don,
Dat ys nu juwe rechte Lohn,
Dat men juw nicht mehr geven
schal,
Dat ys de meyning hörstu wol,
Du vnd dynn Heern den stücke Luhr
Wet wy tho willen all mit nicht.
Sü dat wilck en gevn.
Quart.
Halt ein bitt ich,
V^nd lasst das schelten hören nicht,
Es möcht sonst vbel euch bekommn.
Wenn solchs mein Herr solte ver-
nemmn,
Er hält sein Repfitation,
Vnd ist solcher Difcretion^
Dass er ein jedn kan re/pectirnf
Vnd die so jhm contrihuim,
In acht zu haben mit manier,
Dass ein jeder gern sein Gebühr
Nach soinm vermügen gibt willig
Dagegn ist er so gar billich
Vnd seinen Leuten zugethan,
Fangn die Soldaten vnfug an
So beut er den Leuten die Hand,
Dass Muthwill werde abgewand,
Das wollet jhr erkennen nicht,
Sondern seyn fertig vnd gar leicht
Zu schelten vnd zu schmähen sehr,
Da er doch ist ein frommer Herr,
Meyntjhr habt ewers gleichen vor?
Dass euch der Henckr auff den
Kopff fahr
Jhr tausend schelmisch diebisch
Bawrn.
Vnd zuckt den Degen, den be-
greift jhn der Bawr, schlegt zu
vnd spricht:
Sivert.
Harr wolstu daran loser Laur?
So möten wy de ersten syn,
Vnd bringn die Contribuce in,
Willen di Dalr vnd Ossen gevn,
Dy schal de Rügg vnd Lenden bevn.
Mewes.
Sla dot den Galgen lath nich levn,
Wy willn em Tribulation gevn,
dodt, laten nich leuen, be wolle
my hüdt vam Leuen thom Doie
bringen, my wordt so Angst vn so
bang, ick bedde vor angst balle
Hosen vn Broeck voll schcten^).
(ad milit,) Süe nu du; süe nu
wilckt dy doen, nu scbastu dynen
rechten Lohn kriegen.
Quartiermeister, Ach mein Herr
Bawrmeister, ich bitte euch vmb
tausend Gottes willen, mein Herr
Bawrmeister, stillet doch die Leute,
nehmet mir alles was ich habe,
vnnd schencket mir dissmahl das
Leben.
Märten (ad milit,) Harre du,
sin wy nu Heren ^), dar wy süss
schelmische devische Buwren weh-
ren.
Sivert, Ay wat schnackestu veel?
Ayer in de Pannen, so komet dar
nene Küken vth^j, wy wilten in der
Huet begrauen als einen ßischop.
Märten, Holt stille Meves wat
doe wy, lasken leeuerst vthein,
vn lopen laten.
Quartiermeistcr, Ach ja ich bitte
euch vmb tausent Gottes willen.
Meves, Ja, ja, wat schnackst
veel, ick wil deck noch lange bidden
Mi tratt solck Angst vnd Schrecken
an,
Hädd bald wat in de Brönye gedan,
Sü nu du, sü so wilck dick dohn,
Dar scbastu kriegn den rechten
Lohn
Nen Tribulation mehr begehr n.
Quart.
Herr Burmeistr, vnd jbr lieben
Herrn,
Vmb tausend Gottes willn ich bitt,
Wollt also mit mir fahren nit,
Nempt was ich bab vnd lasst euch
stilin,
Schenckt mir's Lehn bitt vmb Got-
tes willn
Meine liebe Herrn.
Märten.
Sint wy nu Herrn,
Yorben man schelmsche Buren
wern.
Sivert.
Dat schnackn is nichts: Ind Pan
geschlagn
De P"yr dat se neen Kücken tragn,
Ein doder Hund de bitt nicht mehr.
He niut vns nu nich brüen mehr,
Wy woUn en widelick hanthaven.
In der Hut alsn Bischop begravn.
Märten,
Holt wenig still: Mews lath ge-
schehn,
Lask vns en lever nackt uth theen
Vnd lopen latn.
Quart.
Ja mein Herrn
Vmb tausent Gottes willn.
Mewes.
Ja schnack noch mehr
') Der Tischeier Gesellen lustiges Fastclabend-Spiel. Hamburg 169G. s. 16:
Dat ick up en Ilaar nah ward in de Brock schieten. Joch. Schlu, Comedia von Isaak.
Rostock 1606. Fi: de brock vul splyteu. Iiij<i: he halft de brock all vuU spleten.
— Diese Wendung treffen wir in Ristens Dramen nicht selten.
') Grimmeishausen, Simplicissimus. s. 225 : Min leve Heer, ick bidde ju doer
Gott, schinckt mi min Levend.
^) Simplicissimus. 647: Was? Eyer in die pfannen, so werden keine junge dranss.
8*
116
helpen, denck vp Jess, süe dar
gah her sitten, ick wilt kort va
goedt mit deck maken.
(Der Quartiermeister feilt nieder,
vnd die Bawren ziehen jhn gantz
auss biss auffs Ilembt)
Qiiartiermeistcr, Ach jhr Herrn
ich bitte euch vmb tausent, tausent
Gottes willen, ists üottes müglich,
schencket mir dissmahl das Leben.
Mcves, Wat doe wy Märten,
wilwen lopen laten, my duncket,
ydt sy dat beste, dat wy ehme
den Kop inschlaet, de Deeff möchte
ydt nah seggen, vn vs darna wat
brühen, schol ock darna wol all
de Katen im Dorpe, Hütten mit
der Mütten in den Brandt stecken,
denn ick kenne de Galgen wol.
Quarticrmeisfer. Ach nein jhr
Herren dessen wil ich für euch
allhie, zu Gott vnd allen Heiligen
einen thewren Eydt ablegen, dass
ich es gegen keinen Menschen
weder gedencken noch reden wil,
auch dasselbe mein lebelang nicht
rechen, weder ich selbst, oder
durch einen anderen.
Mevcs. Wat düucket yuw Sivert,
Marton , schol he wol gelouen
holen?
Marien, Wat düncket deck Si-
vert? laten schweren, vn laskn
Deeff lopen laten.
Quartiermeister, Ach ja.
Sivert, So schwere nu vn segge
my na.
Quartiermeister. Von Hertzen
gern.
Sivert: Holt de Finger vp vn
segge my na: So geue Godt,
Quartiermeisier, So gebe Gott,
Sivert, Vn möte Godt,
Ick wil dy noch wol helpen bittn,
Sü denck vp Jesus, gah dar sittn
Ick willt kort vnd got mit dy mackn.
Quartiermeister fallt nieder, sie
ziehn jhn aus biss aufis Hembde,
er spricht:
noch vmb tausnd Gotts willn ich
bitt
Schenck mir dochs Leben ich bitt.
Mewes zu den andern.
Wat do wy Martn ? lath wy en lopn?
He möchte ander Hülpe ropn,
Vnd faten vns denn erst tho hyn,
He schöld vns wol mehr Vnglück
flyn,
Stockent Dörp dat alles vpflög,
Vnd Ilütt mitr Mütt inr Asch lege
Ick kenn der Galgen rencke wol.
Quart.
Ach nein das solt jhr fürchten nicht
Mein fromme Herrn, als ich bericht,
Ich wil ein thewren Eyd ablegn,
Dass ich wil gäntzlich seyn ver-
schwegn,
Keiun Menschn es klagn auch
gdencken nie
Nicht rechn durch andre noch durch
mich.
Mewes.
Wat dünckt dy Märten : meinstu wol
Sivert: dat he glovcn holden sol?
Sivert.
Dat truw ick nicht.
Märten.
Ey wenn he schwert
So lath en lopen vnversehrt.
Quart.
ja ja.
Mewes.
So segg nu na,
Hef vp de Fust vnd hieher stah.
Quartierm, fnvgula repeiit.
So geve Gott
So möchte Gott
Vnd müsse Gott
Vnd wolde Gott
117
Quartiermeister. Vnd müsse Gott,
SiverL Vn wolle Godt,
Quartiermeister, Vnd wolle Gott,
Sivert, Dat ick nümmer komme,
Quartiermeister. Dass ich nim-
mer komme,
Sivert. Dar veel tho dohn ys,
Quartiermeister. Dar viel zu thun
ist,
Sivert. Ock hale my,
Quartiermeister. Auch hole mich,
Sivert. De Düuel,
Quartiermeister. Der Teuffei,
Sivert. Tho der ewigen Salicheit,
Quartiermeister. Zu der ewigen
Seligkeit,
Sivert. Dat ick alles,
Quartiermeister. Dass ich alles,
Sivert. Wat ick yuw hebb an-
gelauet,
Quartiermeister. Was ich euch
hab angelobet,
Sivert. Wil faste holn,
Quartiermeister. Wil feste halten,
Sivert: (ad müitem) Dar giffvs
de Handt yp, vn packe dy nu vor
de Düuel, edder ick wil dick vöte
make *),
Quartiermeister. Ach jhr Herrn,
ich bitte euch vmb Gottes willen,
gebt mir doch ein par alte Schu,
vnd ein par alte Hosen wieder,
damit ich meine Scham bedecken
mag.
Meves. Schemestu dy noch, wo
du nich geyst, ick wil deck rögen,
schemestu deck nich, wenn du vs
Buwren wat brühen schast?
Quartiermeister (entlaufft vnd
spricht:) Nun jhr Diebe, seyt nur
versichert, es sol euch eine sawre
Beute werden.
Dat ick nimmer queme
Dar veele tho doudc ys,
Ock hale raick
In schwarte Peck Helle
Thor ewigen Seligkeit
Dat ick alles
Wat ick hiemit anlave
Vnd dat nimmermehr do
Faste holde.
Sivert.
Darup giff vns allen de Hand,
Vnd pack dick dar de Kuckuc waut,
Edder ick wil dy Vöte mackn.
Quart.
Ach wie bin ich so leidn nacknd.
Ich bitt vmb ein par alte Schuh,
Vnd Hosn damit ich mich deck zu.
Ich geh sonst gar zu schamloss her.
Mewes.
Schemestu dy nun? pack dy nur,
Odr wil dy rögn: Do du vorhin
Vns bringen möchtst na dynem Sinn,
Da schemedest dy nicht ein Haar.
Quart, entlaufft.
Nu jhr Diebe ich thus euch schwern,
Es sol euch thewr vergolten werdn.
^) Gaedertz, Rollenhagen, s. 76. Vgl. Joach. Leseberg, Jesus Duodecennis . . .
Ck)mcedia. Helmstädt 1610. II, 5: Troll dich: Ich will dir Füsse machen. Nie.
Loccius, Comoedia Vom vngerathenen vnd Verlornen Sohn. Lüneburg 1619. III, 10:
Pack dich hinein^ oder ich mach dir Füsse. lY, 1 : Wo ich dir sonst soll Füsse macheu.
118
Sivert, Vor dusentDüuel Märten,
dat dachte ick wol, liedde wy den
Deeflfmendodt schlagen, ydt wehre
dar wol by bleuen, auerst nu wil
ydt den Düuel hebben, nu wel vs
de Sücke röhren.
Meves. Wat? dat heflft neen
nodt, wilt leeuerst wat touen mit
der deiling, wenn he ydt wor mor-
gen wedder hale, wo uich so lassk
by vsen Krüger Nickel Stabi tho
hope kamen, vnde ydt dar deeln,
vn darna einen goden Rusck tho
hope supen.
Sivert, Ja, ja, dat ys dat beste,
nim vp de Steuel vn den Iloet,
lath jo nichts liggcn.
Continualio dess Bawren Auffzugs.
Sivert,
DAt dachte ick wol, dat de
Galge dat nich wedder halcde,
Ja, ja, he woU wedderkamen! süe
dar Meves kumpstu ockV
Meves, Ja ick Sivert: lok moste
jo aflfschedt hoelcn; wo istd istr
de Quarteersman wedder wesn?
Sivert. Wat? menstu dat de
wedder kumpt, ydt schal enen alle
80 gähn, wanner welcke kämet.
Meves. Auerst Sivert so möte
wy ydt anners anfangen, vnd schlau
Sivert.
Vor dusent Siick dat dacht ick wol.
De Schrobbers sind der Schelm-
stück voll,
Hedd wy en man geschlagen dodt.
Da wert wol by gebleven gudt,
Nu wil vns jo all Sücke rörn.
Mewes.
Idt hefft nen Noth, ick magt nich
hörn,
Doch lath de Plünde allthosamn,
Vnd lathn de delung wat anstan,
Wenn het morgen wedder begehrt,
Wo nich so mut et syn verthert,
By vnserm Kroger Nicki Staby,
So supen wy gut Rüsch darby.
Sivert.
Ja ja dat ys de beste Rath,
De Stefl vnd Hoth nich liggen lath,
He wil sick wol bedencken twemal
Ehr he van vns wat wedder hael,
Nam Kroge tho, dar ist gut Beer,
Da wil wiet noch beschnacken mehr.
Scena 8.
Sivert. Jöstken. Mewes. Märten.
Jeckel. Nickel. Plonnie.
Sivert.
ICk hebbt wol dacht he sy ververt,
Dat he syn Tuch nicht weddr be-
gehrt.
He heÜl ein Hund hier stupen sehn,
Teyn Perd werdn en nicht wedr her
theen :
Sü dar Mews, kumst ock her?
Mewes.
Ick must ja Affsched holdn: segg
wer
De Quartcrmeistr hier weddr ge-
wcsn?
Sivert.
He wil hier wol weg holdn de Nese,
Vnd allen schal ydt also gähn,
Wenn sick welck wedder geven an.
Mewes.
So must wiet aver betr anfangn,
119
de Deuuo flucks tho dui, so könet
se ydt aicli na seggen.
Joifikctt. Ja Sivert Vaer, wemi
ickr wat a£f hebbim sciiull, so wolle
ickr ock wol thu htilpuu, vu woU
86 wol bi'grauen, woUd ock wol
nicb na seggen.
Sivert. Einen Dreck vp dyne
NÜsä schostu hebben, doe du de
tun»! tbo, etft ick geuö deck wat
vp dyiie Flabben: Süe dar ick
wolt ock wol nicb na seggen: Dar
scheer hea na Märten vsetn Ifuwr-
mester, dat he hier flucka her-
käme, vu bringe dat mee, alse he
wol weet.
Joiftken. Wat ya dat denn
Sivert Vaer?
Sivert. Ein Hunnesdreck ist, dy
schal de tStörten Scbiete int dem
Halse fahren, wo du nicb de keke
tho deyst, vu geyat dyner wege,
wuHu allen thaluen bescbed van
weteu, süe dar : Jungens vtb der
rege.
(Joiftken ahit.)
rMcves. Wat düncket deck Sivert,
t schol de Büte wol wertb synV
Sivert. Ick wet nieb Meves, ick
dencke ydt scbol einem ydern wol
ein Tlialer teyn, twiutig tho syuem
deel bringen, vn de Zeche kandt
ock noch wol afldregen. •
Meves. Meinstu dat. (Märten
Mörkoke gebet ein) Süe dar kumpt
vse Buwrtnester her.
Märten. Goien dag Sivert vn
Meves, ja gy bebbet yuw iune-
stellet, deSchi-ohber istr iiichweer
nakomen, wy moget ydt man tho
bope deylen. (Jäckel gebet ein)
L Sivert. Sü dar. wat ys dat ^
ir?
Den Deven beth nara levend langn,
Dat se ydt konu nuseggen uicb.
Jüstken.
Ja Sivert Vaercken, wenn ock itik
Wat ai^'bebbn schuld: Ickhülpdoilt
Bcblan
Vnd begraven, ock seggn nemaud.
Sivert.
Vp dyne Nese: Vnd holt do Flabbo,
Eddr ick gef dy ein staby Krabb,
Scheer heu dat Märten ock hertrit,
Vnd als he wetb byr bringe mit.
Jüatkon.
Ey Sivert Vaerkeu wat ys dat?
Sivert.
Schwig eddr ick kam dy vor dat
Gatt.
Du wult de Nes alltydt in schlau,
Wor men man etwas hefit tho don,
Gab als ick segg, ick mack dy Vüte,
Vnd kum herwedder bald vnd hoet.
Mewes.
Wat düncket dy Naber Sivert,
Wat schal de Uruye wol syn werdt.
Sivert.
Ick wetb nich, doch my dynckt ydt
schal
Vns jedem etig Dair bringen wol,
Vnd kan de Zech noch wol afldragn.
Mewes.
MeyustudatV SüMartenkümptock.
Märten.
Goyn Dach gy beidn, gy hebbcu juck
Ilir ingestelt; als ick vernchm
De Schrubber ys nich wedder kaniu,
Wy mögen ydt men deelen wech.
(Herzwiscben kümpt der Soldaten
Verapeyer Jeckel.)
Sivert.
Sü dar wol kumpt vns in den Weg?
120
Jäckel. Glück zu jhr Herren,
glück zu, ich bitt vmb Verzeihung,
dass ich sie vberlaufi'e, müget jhr
mich nicht zu rechte weisen?
Sivert Wor henj'
Jäckel, Ey nach der Kolen
Katten quiten.
Meves. Datn vorstah ick nich,
datn weet ick nich wor dat ys.
Jäckel, Ey ja es wohnet ein
Schuster darinne.
Meves. Wo heet he denn?
Jäckel. Ey er machet mir alle-
zeit meine Schue.
Meves, Wete gy synen nahmen
nich?
Jäckel. Ey was er weiss meine
mass wol, er arbeit mir allzeit
für meinen Leib; er sol mir ein
par Stiffel machen, die sollen fertig
seyn, denn ich habe sie hochnötig,
ich sol reisen, vnnd kan den Manu
nicht finden, ich komme vbel zu
recht.
Meves saget zu Märten:
Wenn ehme disse gerecht wehren,
so woll wy ehme de wol vorköpen.
Märten. Lasskt em einmal an-
stellen, Sivert frage du ehn einmahl.
Sivert. Hyr goye Fründt, wy
hedden wol ein par Steuel, wenn
se yuw gerecht weren, de wolwe
yuw wol vorköpen.
Jäckel. Ja habt jhr ein par?
seyn sie fertig? sind auch Galoschen
daran ?
Sivert. Gy köndt yo wol dencken,
dat so fardich sindt, vn dater Scho
an syn mötet, wor wolle gy süss
de Vöte instecken?
Jäckel. Ey jhr dummen Leute:
was? last sie mir einmal sehen.
Jeckel.
Glück zu jhr Herrn, Glück zu ich bitt
Weist mich zu recht, dass ich jrr
nicht.
Sivert.
Wor gdenckstum tho?
Jeckel.
Nadr Katten Twitn.
Mewes.
Dat vorstah ick nich ein miten
Ick kan dy ock nich wisn darben.
Jeckel,
Ey es wohnet ein Schuster drin.
Mewes.
Wie heist er denn?
Jeckel.
Ich brauch jhn allezeit.
Er machet mir gute Arbeit,
Er sol mir ein par Stifel machn.
Mewes zu Märten.
Hör Märten, wenn von vnsen eachn
De Stefel im wären gerecht,
Wy wollen se em verköpen.
Märten.
Recht.
Frag cn einmal, ynd stels em an.
• Sivert.
Hört gode Fründ doet my verstahn,
Wy hebben ein par Steil so godt
Als gy begehren, doet ein Bott.
Jeckel.
Last sehn wenn sie wol fertig seyn.
Ob auch die Goloschn darbey seyn.
Sivert.
Dat könne wol gedencken gy
Dat de Stefeln mötn ferdig syn,
Vnd dat ock Schoe sind daran,
Sonst könd meu se nich theen an.
Jeckel.
Last mir sie sehn.
]
e
Sivert, Joistkcn lange deSteuel
mal vtlim Sacke.
Joiftlien. Ey Sivert Vaer, de
luel weren my wol gerecht, de
TToH ick wol auteeo.
Sivert. Eine Kolappen vp dyne
NüBe scfaastu teen, kiim wilt dick
Steuet anteen, Büe wo meck de
JuDgB brüet. Her gitf ee hyr vort,
(ud Jakein) hyr gode früod dat
synt se, se schölet yuw wol passen.
Jäckcl. Meynet jhr dasV Wie
dtewer halt jhr sie?
Sivert. Wenn gy se köpen will,
dar wille wy vs wol vmme vor-
lyken. Wil gy wat mee byr oa
vsem Krüger gähn, dar wilwa wol
einig wehren.
Jäckel. Ich thue mich bedancken
Ijbr Herrn, ich habe nicht lange zeit,
Meves. Eyja passeiret dochmee
so lange als ydl yuw lustet vpn
Drunck.
Jäckel. Warlich jhr Herren, ich
hette wol nicht viel zuvcrrichten,
dennoch weil jhr mich so sehr
bittet, mag ich eine halbe t>tuDde
mit gehen, es were aber vunÖtig,
Meves (zu Joistken). Joistken
njm den Sack mee: ys hyr ock
ein Werth vorhaiioeuV Ick sehe
tiyr wedder Kannen edder Kruse.
' Sivert. Lasken ropen : Herr
WerhtGüste: Herr Werbt? (Nickel
Stahl kumpt herauss) Goien Dag
HerrWerht. hebbe gy godtBeir inne.
Nkkvl. Biers genug, hastuGeldtV
Sivert. Geldt? GeldtV ßeir her,
resde Geldt dorne gy nich
Sivert.
Jüstken lang her
Vthm Sack de SteHn,
Jüstken.
Ey Sivert Vaer
De Bchüldn my wol tbo mathe ayu.
Sivert,
Ein klap vpd Nese dat ys dyn,
Kum her ick wil dy SteHn an theen,
Het mick de Bengl ock briiyen sehn,
Gift' du se beer: Min gode Erüüd,
De stell juw recht tho passe sind.
Jeckel.
Wie tbewr halt jhra?
Sivert.
Wy wilt wol bandln
Vud drumb verlicken vnder andrn,
Keret ein weinig mit in Kroeg.
Jeckel.
Ich bab kein Zeit,
MewcB.
Ein wenig doch
Passiert mit viia so lang es lüst.
Jeckel,
Weil jhr so bitt, bin ich gerust.
MewcB.
Jostken bring du dut Tücb vns na
Her in den Kroch,
Jostken,
ja ja.
Mewes.
Ist byr ock wol ein Wert verbandn V
Ick aeh hyr wedder Kroess noch
kann.
Sivert.
Herr Wert Gäste : wor syn gy Herr
Wert?
Godn Dach bebb gy ock godt Beer?
Nickel der Krüger.
Beer satt wenn du menbriogestGeld,
Sivert,
Sorg du gar nicht vor bares Geld.
122
Nickel, Ich borge dir grober
Knoll auch nicht, ich weiss du
bist ein Droch, das wahrestu vorm
Jahr, vnd bist es auch noch.
Jäckel (ad Nickeln). Ich thue
mich bedancken Herr Wirth, dass
ich hie herein komme, ich habe
etwas mit jhnen zu thun, sie haben
mich hieher gebeten; stehe auch
mit jhnen im Handel.
Nickel, Ich sage von euch nicht
guter Freund, sitzet jhr nur nieder.
Jäckel, Ey ja, ja, gar gem.
Märten, Höret Naber Nickel
Stabi, gy möget nu wol intappen,
ick wil yuw bethalen.
Nickel, Ja BawrmeJster, wenn
jhrs bezahlen wolt, so wil ich euch
was langen.
Sivert. Dat deck kale Kroger
de knüuel hale, meinstu dat ick
raick wil de Huet vul supen, vn
darna mitm Schelm dar van gähn,
ick woU leeuerst dat ick nich
maket wehr, eer ick dat Vatbeir
vorlopen schölle: ick wil deck be-
thaln, bin ick deck wat schuUig.
Nickel, Bist du so fertig mit
deinem bezahlen, so bezahle mich,
vnd gehe an den Galgen, warumb
lestu es an die Wend mahlen?
du vn geschliffen er Esel, (der Krü-
ger gehet weg)
Sivert, Yieff wunnien segge my
nich veel.
Märten, Sivert Schwaigebütte,
ick vorbede yuw by vses G. Heren
högsten straffe, dat gy vsen Kroger
Nickel Stabi gewehren lathet, vn
doht ehme neen gewalt in synem
Huse, scheme gy yuw nich, vor
Nickel.
Ick borg dy Grave Knoll eck nicht,
Du bist als ick wol offt gesecht,
Versapen vnnütt vnd ein Droch,
Dat wärst vorm Jahr vnd bliSat et
noch.
Jeckel.
Halt mirs zu Gud mein Wirt ich bitt
Dass ich so herein komme mit,
Denn ich mit jhm im handel steh.
Nickel.
Mein lieber Freund ich euch gern
seh,
Setzt euch nur.
Märten.
Lath men Beer vphaln.
Ick bin de Mann ick wilt betain.
Nickel.
Ja Burmeister vp juwn Gelovn
Tapp ick gern, schöln nich lange
tövn.
Sivert.
sü den kalen Kroger an,
Meynstu dat ick wold darvan gähn
Wenn ick do Hudt häd gsapen voll
Nickel.
Ja schwig still, denn ick kenn dick
wol.
Dar steit ein Rege an der Wand,
Schaffe Geld vn bethal tho band,
S abit,
Sivert.
Summer dbunte Mutz he segg nicht
veel.
Märten.
Gemack beed ick: dat hör gy wol,
By vnser Herren ernsten Straf
Bringt neen Vnwillen int Gelag,
Vnd Bchembt juw för dem frembdn
Geselln.
123
dyssen frembden Gesellen de hier
sitt?
JäcJcel. Ey ja es ist uicht nötig,
es ist nicht notig.
Sivert. Menstu datet meck nichen
vordrüt?
Märten. Nu still darvan, Joist-
ken lange den Sacke her, dat wy
de Büte deelet.
Joiftken. Ja, ja Märten.
Sivert, Wo deyle wyt nu am
besten, dat de eine so vecl krigt
als de anner?
Jäckel, Ihr Herren das wil ich
euch wol weissen, dass einer so
viel kriegt als der ander.
Märten, Ey ja, wen gy dat dohn
wollen goi Fründ, so bleue wy
einer bym anneren vnvordacht.
JäcJcel. Ja, ja, gar gern, gar
gern, wie viel stücke habt jhr zu
theilen, gebt mir sie her.
(Jäckel theilet die Beute vngleich.)
Sivert. De Düuel, wat ys dat
vorn deilent, einer krigt jo dat
beste tho hope.
Jäckel. Wolt jhrs so nicht haben.
Sivert. Neen, wy hörter tho lyke
tho, de eine so wol als de anner,
darümme möte gy ydt in dre lyke
dcile deelen.
Jäckel (ziehet das Messer auss,
vnd wil den Koller zerschneiden,
vnd spricht:)
Hier guter Freund halt jhr mir
diss einmahl.
Sivert. Wo nu tho, wat wultu
anfangen? rith deck de grothe Vhle,
wultu den Koller entwey schniedenV
Jäckel. Es muss ja einer so viel
haben als der ander, es muss ja
gleich getheilet seyn, ich wil einen
jeden einen Schoss geben.
Sivert,
Meynst dat roickt nich verdreten
schol ?
Märten.
Nun still darvan: Jöstken lang her
Den Sack vnd krieg dat Tuch hervor.
Sivert.
Wo mack wy nu noch de Deel,
Dat ein jeder krigt licke veel?
Jeckel.
Ihr Herren ist es mir vergunt
Ich deel es gleich zu dieser Stund,
Dass einr so vielalssr andr verwacht.
Märten.
Ey ja so blivn wy ohn verdacht.
Jeckel.
Wie viel seyn Stück? gebt sie her-
vor.
(Er theilet es jhnen vngleich)
Sivert,
Is dat gelick: ja verwar,
Dat beste ys thosamen jo.
Jeckel.
Wollet jhr es nicht habn also?
Sivert.
Nein: Idt geit vns tho glicke an,
Drumb muth man licke Deele schlan.
Jeckel
wil de Koller zwey schneide.
So guter Freund haltet mir das.
Sivert.
Wo nu tho rad: ritt dick de Dwaas,
Dat du dat best thoschniden wilt.
Jeckel,
Ja guden Freund alst euch gefällt
Gleich viel zu han, so muss ichs
schneidn
Vnd alles in drey Stücke schneidn.
124
Sivert, Ein Hunnesdrcck vp dyne
Nase, so meyne wiedt nich.
Jäckel, Lccketjhr mich im Leibe,
ich meyn es so, so krieget jhr ja
alle gleiche viel.
Sivert, Wo wolle Avy lyke veel
kriegen, de erste krege denn jo
dat beste.
Jäckel. Jhr könnet ja darumb
spielen, wer der erste seyn sol.
Meves, Ey neen einer moth so
veel kriegen als de anner.
Jäckel, Ey es ist genug vorhan-
den, jhr könnet alle drey gleiche
viel kriegen.
Märten, Nu so legt gydt vnner
dessen tho rechte, wy w^illen allen
handt drume speelen, wol dat
erste hebben schal.
Jäckel. Ja, ja, ich wil mich bald
zu recht legen, spielet jhr nur,
ich muss erstlich so viel sincken
lassen, dass der erste gnug hat,
vnd dass die andern zwee eben
so viel bekommen.
(Jäckel machet sich loss vnd spricht)
Nun jhr Herrn, wer gewonnen
hat, der komme her, er muss sich
aber etwas hucken.
Sivert. Watn Kuck kuck wil he
anfangen?
Jäckel. Jhr wolt mich alle drey
lecken.
Sivert. Lecke deck de Bödel.
Jäckel. Habt jhr doch darumb
gespielet wer der erste seyn sol.
Märten. Hebbet deck den Galgen
speiet.
JäcJcel, Horcht, horcht jhr Herrn,
vorn wie ich euch die Wahre thei-
len wolte, da sagtet jhr: ein Hundes-
dreck auflf deine Nase, so meynen
wirs nicht, da sagte ich lecket jhr
mich im Leibe, ich meyn es so!
so kriegt jhr alle gleiche viel, da
Sivert.
Ein Hundes Dreck, so mein wiet
nicht.
Jeckel.
Leck mich im Leibe: also weis ich
Jhr krieget alle gleiche vieL
Sivert.
Gelick dat wäre wol myn Will,
Sonst drög ydt vth dem wege veel,
De erste nehm dat beste Deel.
Jeckel.
Jhr könt spieln wer der erstseyn sol,
Ich kans euch theiln aus meinem
HoU,
Dassn jeder hab dass jhm genüg.
(Ynd löset sich loss.)
125
wolte ja einer vor dem andern
der erste sein, vnd köntet euch Ja
nicht darunib vertragen, wer das
erste vnd das beste haben snlte.
Mfvcs.- Wo de Kerl de briiet
vs wat.
Jückel. Itehüte mich Gott dafür
jhr Herrn, habt jhrs doch von
mir begehret, wenn jhrs ja nicht
gerne thun wollet, so ist es auch
nicht nötig, ich meynete, ich thilte
euch einen grossen gefallen daran,
vnnd soll mir die Stieffei desto
geringer geben, aber als ich merclce,
HO vexiret jlir mich was für die
lange weile, jlir wollet mich lecken,
vnnd wollet es auch nicht thun,
meynet jhr dasa ichs gestohlen
habe, vud dass es mir so wolteile
ist; es wird mir wol so sawr her-
auss zu bringen, als euch das
nicht geworden ist.
Sivert. Wat ys dat; wat ys vs
nich suwr worren? meenstu dat
wydt Btalen hebbel?
Jäckel. Ja, was meynet jhr dass
ichs gestoleu' habe? wer weiss wo
jhrs gekriegt habt? jhr habts eher
gestohlen als gekauöt.
Marien, Meves, Sivert (zugleich).
llebben deck den Knüuel stahlen,
de deck vp dynen Kop fahren schal.
Meves. \Vat segstu, hebbe wy
ydl gestahlen?
(Jückel wird geschlagen vnd spricht)
A, A, behüte mich Gott jhr
Herrn, das sage ich uicht. Ach
nein. Ach nein.
Marien. Bistu darümme kamen,
dat du vs wat brüen wolat?
Jäckel. Ach nein. Ach nein, ich
wolte euch ja nur die Stieffel ab-
kaufl'en, Ach jhr Herrn, jhr seydt
ja ehrliche vnnd aufFrichtige Leute,
mehr kan ich von euch nicht sagen,
Mn genug, genug.
Mewps.
De Kerl briiyet vns wat.
.leckol.
Ey mit fug,
Denckt dns nicht dass icha lassen
woU,
Ich erbiet mich ja was ich sol,
Vnd was jbr selbst habt begehrt,
Das sehe ich euch gern gewert.
Damit ich besser handeln kirnt.
Wegen der Stifl ao jhr mir günt,
Abr wie ich merck vexiert jhr mich,
Für die lang weil: viid wollet nicht
Mich Bchabn im Hol: meynt jhr
Das mirs nicht komme ja so thewr
Als euch: dass ichs nicht hab ge-
stoln,
Sivert.
Wat nieynstu dat wy hehbn gestolii.
Jeckel.
Wer weis wo jbrs habt her ge-
nnmmn.
Mewes vnd Sivert.
Wy hebben dick den iieugr genamn,
De schal dy stigen vp den Kopp,
Hebb wiet genamn du lose Tropp?
Juckcl wird geschlagn,
Aw aw behüt mich Gott Jhr Herrn
Thut mich doch erst recht zuhörn.
Ich sag nicht dass jhr habt gestoln.
Ich wolt ein Trunck nur bey euch
holn.
Ich halte euch vor redlich Leut,
Ay nun genug von dieser IJeut.
Springt davon vnd spricht:
Das heist beyn üawrn aufn Trunck
gebetn
Hab mich kaum können jhr crrettn,
126
(Jäckel ahit vnd spricht)
Das heist auflfn Trunck geladen,
dass dich der Hencker hole.
Märten, Kompt heer, ick wilt
vsk deelen.
Sivert. Ja dat ys am besten,
de Kerl de brüde vs doch men wat
vor de lauge wile, kanst ydt man
in drcy decle leggen, so wil wy
darümme schmieten.
Meves, De de högesten Ogen
wirpt, de schal dat erste nehmen.
Märten, Ick bindt tho freden.
(Sivert wirflFt erst vnd spricht:)
De Koller ys myne, den hebbe
ick wunuen.
Märten, So nehme ick dat hen.
Meves, So ys dat myn deel, dat
ys recht,
Sivert, Nu, dar sin wy jo nu
tho hope mee tho fredeV
Märten: Meves, Ja, ja.
Sivert, Nu dar schmecket ein
Drunck vp Naber Märten, dat
geldt hen vp eine frische Biite,
wanner welcke mehr kämet.
Märten. Dat segen Godt, ydt
schal ebnen alle so guhn.
Meves, Dat vorsteyt sick, auerst
höret, wenn se ydt wor clohren,
dat wydt dahn hebben, so möthen
wy allthomahlen neen seggen, vnd
möthen standtvast blyuen, wy heb-
bent nicht dahn, dat leegen se.
Sivert, Dat ys recht Meves, dat
du dat segst, hier her wilt in-
stippen, dat wy einer vam anneren
nichts seggen vnd vorraen willen.
(Sie machen einen Krinck vnd
stippen ein. Sivert nimpt die Kanen
mit Bier vom Krüger vü spricht:)
Dat segen Gott Märten Mörkoke.
Was gilts sie miissns vergolten
tragn,
Die That wirds gebn, kan nicht viel
sagn.
Märten.
Kompt her ick wil dyt deelen vth,
So kumpt men einmal van der möyt.
Sivert.
Dat ys dat best: De Keerl wold vns
Tho bruen vaten: lask vns
Dre Deele legn, vnd darumb schmitn.
Mewes.
Ja so darff kein dem andern witn,
Wolt högste werpt, de gript erst tho.
Märten.
Ick bint tho freden ock also.
(Sie werfFen)
Sivert,
Dat hebbk gewunn, de Kollr ys myn.
Marteu.
So nem ickt negst.
Mewes.
So blifft dyt myn,
Datys gar recht, wy sind tho fredn,
Ein Drunck scholl drup schmecken
iliede,
Marton gilt hen vp frisch Büte,
Wenn welck mehr quemen er vns
lüde.
Märten.
Et bkam dy wol, tschal alln so galin,
Mewes.
Dan versteit sick: avrst hört my
man,
Wennt wert erfarn, datwyetgdan.
So möth wy alle fast drup schlau,
Vnd standhalft seggn ydt sy gelagn.
Sivert.
Ja recht Mewes, dat deyt my hagn,
Wy wilt instippn vnd vns verplichtn
Einander tho verraden nicht.
Sie machn ein Krinck vn
stippen ein.
Sivert nimpt die Kanne.
Dat Naber Märten, dat segne dick,
127
(Sieht in die Kannen vod spricht:)
Süe du kale Kroger, ys dat recht
tappet? js de kanne doch kum
lialfl vull, du wult dyn vuUe Geldt
hebbeii, so tappe de Kannen ock
TuU, vnd hebbe den Galgen an den
HaUs.
Nickel. Du magst warlich wol
heisBcn Sivert Scbwalgebütte, der
jnirapr gleiche vnniitze ist, auch wol
Ton den rechten Wragen einer,
düneu man nimmer den Kragen
rülleu kau.
Martm. Nu, nu, stille darvan,
dat gett einmal Sivert , dyner
Fruwen Suiidtniss , 8o veel als
darifie ys.
Sivert. Van Harten gern, ick wil
yaw bescheedt dohn, worin ydt
ock Bickelfltene wehren, dar mag
ydt vor raden, hcdde wy den Deeff
man ri'in dodt schlagen, ydt wehre
dar wol by bleuen.
(Sivert trincket vnd huppet das
Bier auss dem Barte: Plonni,
Siverts Weib') gehet ein vnd
spricht:)
Heffetu noch nioh htippet, heffst
HusB va Hoff verhiippet, dy schal
dusentKnüuel in dynhüppen fahren.
Sivert, Wo nu Plonuie.
Plonni, Ja wo nu Schwaigebütte,
ysd noch neen tydt, dat du Beer-
Üege tho Uuss geyst?
Sivert. Do see tho Plonnie, ein
wordt so godt alse twee, du weest
wol dat Pumpes de lose ys, Plonoie
Plonnie?
P^oHMi.JaSchwalgebütte, Schwai-
gebütte, dy schal noch dalli de
Störten Süki; röhrn; du vorsopen
Ridder, sitt deck de Supknüuel in
der Huety
Su du kahl Krogr, wo tapstu mick,
De kanne ys doch kum halff voll,
Wenn men dy voll Geld geven schal,
So schalst de Kanne ock voll tappn
Vnd hebbn den tialgn mit den
iiappD.
Nickel.
Du heiat recht Sivert Seh welgebütt,
De alle mal men ys vnnütt.
Men kaut en nergen macken recht,
Vnd ys doch recht der Drög Ge-
schlecht,
Märten.
Nu still darvan: Sivert dat gelt
Dyner Fruwen Gsundhuit, so veel
ydt hell,
Sivert.
Van harten gern : Ick do bescheit,
Wenntock dem Bickelstein war leid.
Dar magt vor raden : Hedd wy man
Den Deeff mors rein tho dode
Bchlagn,
Id wäre wol darby geblevn,
Dat gilt mynm Syvert vp syn Leven.
Vnd huppet dat Beer vth de Bart.
Accedif uxor. Plonnie.
Sil Galgenvagel hüppestu noch,
Heffst Tthgehiippet Ilusa vn Hoff,
Dy schal de grotQuatiinnie bestahn.
Sivert.
Wo nu PlönnieV
Plonnie.
Na Huas tho gähn,
Du schwalgbültel dat wäre tydt.
Sivert,
DeKeke holt Wiff, denn du weist ydt
Dat Pumps pleclit de lose syn.
Plonnie.
Hellsch Für mut syn im Live dyn,
Dat du mtist supen fort vnd fort.
Du versapen Ridder.
ictii laaari. Alten Stelliu 1600.
128
Sivert. Plonni ick segget, gahe
dyner wege, Plonni ick segget,
Tn do see tho, vn doh es.
Plonni, Ick woldt dat du Balcken-
schlucker tho IIuss gingest, ick
woUes.
Plonnie gehet weg vnd spricht:
Ja du brüest my gnoech, hefft
meck de Knüuel by dy vorsopen
Schwaigebütten führet, Godt geue
dat du supest, dat deck dremahl
dör den Ilalss gac, du magst wol
den nahmen mit der dadt hebben.
(Die Bawren steigen alle auif
den Tisch.)
Sivert fanget an zu singen.
Lath Talcken fry gähn, ydt istr
wol eer im Schlape gedahn. Lath
Liesken frye krisken. Lath Trinen
frye grinen. Lath Plönnien fry
stönen. Hoppas filias, vieff Finger
im Soldtfatt, yieif vn twintig Kannen
Beer maken den Halss natt.
Märten, Ha sa, he ! lustig auer
vnd auer, vn wedder herauer, dar
nichts ys, dar blyfft nichts auer,
yuch hoska heyl
Jäckel kuckt vmb den Ort vnd
spricht: Ja sie seyn vorhanden,
es ist die rechte zeit.
Quartiermeister gehet ein mit
drey Leibschützen, vnd mit Jäckeln,
schiessen lustig auif die Bawren.
Quartiermeister. Sa, sa, sa, lustig
lustig jhr Herrn, seydt jhr hie
beysammen?
(Die Bawren erschrecken sehr,
lassen alles auss der Hand fallen,
vnd seichen in die Hosen.)
He Burse dass vns keiner ent-
komme, wir wollen jhnen die Beute
versauffen helifen.
(Sivert wil entlauflfen.)
Halte den Dieb der wil entlauffen.
Sivert wird gehalten.
Sivert
Ick segg ein Wort,
Wiff gab dynn Weg, vnd dose tho,
Vnd dohs.
Plönnie.
Na Huss gab weg, dat do,
Eer du den Halss noch schluckst
tho nicht,
Wo bin ich by son Dögenicht
Geraden, dat du supest ja
Dat dy twe mal durch den Halss gab.
Plönnie geht weg, JRußici confcen-
dunt menfam vnd singen:
Lath Talcken frey gähn,
Idt ys wol ehr im Schlap gedan,
Lath Lissken fin krisken,
Lath Trinen fin grinen,
Lath Plönien men stöhnen.
Hoppas filias: 5. Finger tho dem
Saltzfass,
Twintich Kannen Beer macken den
Halss nass.
Märten.
Ha he lustig aver vnd wedder her-
aver,
Dar nichts ist dar blifft nichts aver.
Hosska hoya, hopp hey.
Jeckcl kuckt hinein vnd saget
Sie seyn verbanden, nun ists recht
zeit.
Scena Ultima,
Quarticrmeistcr. Sivert. Marton.
Mewes. Jeckel. Claus Leibschütz.
Es wird geschossen.
Quartierm.
Sa, sa, so, lustig jhr Herrn.
Die Bawrn erschrecken, lassen
alles aus der Hand fallen.
HerBurss dass keinr entlauffemehr,
Wir wolln die Beute helffen theiln,
Halt den Dieb der entlauffen wil.
Sivert.
neen: Hört wat ick seggen wil,
Ick höre nicht mit in dat Spil.
129
Sivert. Och neen höret doch,
hört doch, wat ick yuw seggen
wil, ick höre nich tho den Kerls,
ick hebbe myn pot Beer allene
druncken, auerst ick wilt yuw 'wol
seggen, wat se secht hebbet: Sc
hebbet löueck yuw wat nahmen,
Yu dat hebbet sc nu deilet.
Märten, Nu hale dy de Sückc!
Sivert. Ho wo möyede ydt ebne,
dat se yuw nich hadden tho doi
schlagen Her ßöveste, wo schüllen
se yuw vor einen Galgen, vor einen
Deefl, vor einen Schrobber, vor
einen bösewicht, vor einen Buwren-
schinner, Ay ydt was tho schreck-
lyck, ick kondt so nich alle be-
holen. Vn dat moste yuw yo gellen,
wyl dat gy se fangen nehmen wilt.
Quartiermeister, Das sol mich
wunder nehmen, ist mir recht, so
wahrest du der rechten Gäste einer.
Sivert, Neen, neen, hale my de
Knüuel, höret, höret. Her Boueste.
Quartier meistcr. Wor hast du
denn meinen Koller gekrigt?
Sivert, Höret Her Böueste, ys
he yuw, datn weet ick nich, seidt
de Buwren de wollen en meck men
anpassen, vn wollen thosehen, efft
he ebne so sitten wolle, alse h(3
meck sitt, ick willen yuw wol weer
dohn.
Quartiermeistcr. Geschwindt vom
Leibe herunder, vnnd alles wider
her, was jhr Schelm mir genommen.
Sivert, Ja, ja van Harten gerne,
Godt loflf Here Böueste, nu krige
gy yo yuwen Koller weer, dat ys
meck leeff, dat he weer an synen
rechten Heren kümpt, dencket hen
vmme de Schelmisken Buwren, wo
se meck lycke wol bedröuen wollen,
wenn gy all wahrs meenen.
Niederdeutsches Jahrbuch. VlI.
Ick hebb myn Beer gedrunckn
allein,
Averst ick wil juw seggen fyn,
Se hebbn lövick juw wat namn,
Dat hebn se hyr gedeelt thosamn.
Märten.
Nu hale dick de Sücke weg.
Sivert.
Hey wo möyde yt ene recht
Dats juw nicht hadden dodt ge-
schlagn,
Herr Bövoste se dedent wagn,
Schulden juy ein Galgn vnd Deeff,
Ein Schrobber ja twas altho leeg.
Quart.
Wo mir recht ist, so weis ich fast
Du wärest ebn der rechte Gast.
Sivert.
Nein, nein, so hale mick hinweg,
Herr Böveste: Tiss als ick segg.
Quart.
Wor hastu diesen Koller her?
Sivert.
Herr böveste höret he juw wor
Datn weth ick nicht: denn disse
Gast
Hebben mick den so angepasst,
Vnd wolden sehn wo he wold stahn,
Wenn se darmit warn angedan,
Ick wil en juw wol wedder gevn.
Quart.
Ja flucks herundr, vnd alls darnebn,
Was jhr Schelm habt geraubet mir.
Sivert.
Ja ja Herr Bövenst yd ys hier,
Gott loff gy kriegt dat juwe weer,
Dat ys my leeff van Harten sehr,
Idt kumpt an synen rechten Mann,
Denckt doch der Buren Schelra-
stück an.
Wo se my glick wolden bedrövn,
Wen gy ydt also worden lövn.
9
130
Märten. Wafie, waüe, dat dy
yo nu de knüuel hale; decke Meves
vine Sivert Schwaigebütte! man
mit vorlöue her böveste, seet gi
e doch einmal recht an, was he
nich de sede Air in de Pannen,
80 kametr nene Kücken vth, wüten
in der Huet bogranen als einen
BisschopV sede he nicht dencke vp
JessV süe hier sette deck beer?
moste gy nich vor ehme schweren?
Sivert. Lüg nu vor den Knüuel,
lüg nu.
Quartiermeister. Ein Schelm so
gut wie der ander: bindet sie feste
jhr Herrn, vnd führet sie zu mei-
nem Quartier, ich wil dieweil zum
Profoess gehn, der sol die Diebe
alle hencken.
Quartiermeister ahit.
Jäeket. Ja, ja, gar gern, sa hey!
hie her mehr Lunten vnd Strick.
(Die Bawren werden gebunden.)
Sivert, Och wo käme ick arme
Kerl hyr tho!
Jäckel, Ach wie kompstu armer
Schelm dazu, als ich dir die Stieffei
abkauffen wolte, dass du mich
damit vmb die Ohren schlugest?
Märten. Ja goi Fründt, was he
dat nich? lickewol wil he der nich
mee wesen syn.
Sivert (zu Jäckeln )
Hört goi Fründt, ick woll yuw
wül eine Vorehringe geuen, wann
gy meck darvan helpen wollen?
Jäckel. Was wolt jhr mir wol
geben?
Sivert. Ein par glodtnyer Steuel.
JäcJcel. Harrt, harrt, ich wil
mich bedencken.
(Jäckel gehet zum andern Bawren,
vnd spricht:)
Hört guter Freundt, es hat mir
ewer Nachher zwantzig Reichs-
Marten,
Wanne wanne du falsche Hund,
Dat dy vörlame dyne Mund,
Denck Me wes vp den Schwalgebettel,
Herr Böveste gy nich loven muten,
Seth mick en doch men recht an,
Sed he nicht d Eyr in de Pann
So kamn dar nene Kücken vth,
Willn en begraven in der Hudt,
Als einn Bischop: Seed he eck süs
Gat Sitten, dencke vp Jesus.
Sivert.
Leeg dick vor alle Sücke du bist.
Quart.
Ein Schelm so gut alss d ander ist.
Bindet sie fest vnd führt sie hin,
In mein Quartier, ich geh vorhin,
Zum Profas: der sie hencken sol.
Jeckel.
Ja gern, wir woUns verrichten wol.
Ligantur.
Sivert.
Ick arm Keerl, wo kam ick hirby.
Jeckel.
Ja wie kümstu armer Schelm darbey,
Wie ich die Stiefeln kauffen wolt
Schlugstu mirs an die Ohren woll.
Märten.
Ja goyc Fiünd was he dat nicht
Lickwol mackt he sick so schlicht.
Sivert zu Jeckeln.
HörtFründ kön gymy helpn darvon,
Ick wil yuw ein Verehrung dohn.
Jeckel.
Was woUstu wol gebn?
Sivert.
Gute newe Stefeln,
Jeckel.
Ich wil bedencken mich ohn zweiffl.
Jeckel zum andern.
Hört guter Freund ewr Nachbar,
Mir 20. Thalr hat geboten bahr,
Da ich jlim helffe loss: wolt jhr
131
thaler gebotten, wenn ich jhm
könte darvon helffen, wolt jhr mir
dreissig geben, so wil ich euch
davon helffen?
Martm. Wenn gy dat dohn
wollen, so woU ick yuw noch wol
ein par nyer Steucl dartho geucn.
Jäckel. Ich wil mich darauff be-
dencken.
(Gehet zum dritten Bawren vnd
spricht:)
Wollt jhr mir 40 Keichsthaler
geben, so sollen sie hencken, vnd
jhr davon kommen.
Sivert. Van Harten gern, ya wol
twintich.
Jäckel (zu Siverten.)
Guter Freund ich hab mich be-
dacht, vnd so ich die Warheit be-
kenne, kan ich dasselbe mit guten
Gewissen nicht thun. Demnach wil
ich sehen, dass ich mich dahin
bewege, es hat mir ewer Naber
40 Reichsthaler vnd ein par newer
Stieffei gebotten, wenn ich jhn
davon helffen konte; aber wolt jhr
mir dasselbe geben, so sol er
hencken, vnd euch wil ich davon
helffen.
(ad Spectatores^ vom Leben zum
Todt.)
Sivvrt, Ja sedt dar, ick wil sc
yuw geuen; auerst höret, höret,
wat ick yuw seggen wil, he wil
quansswiess vse Buwrmester syn,
nehmet gy ebne man dichte by der
Nase, he kandt wol dohn, segget
gy wilt ehme helpen, vnde lathet
«yuw dat Geldt erst geuen, gy
könet ebne darna lyke sehr wol
hangen.
Jäckel, Das war recht, aber wor
hastu das Geldt, das du mir geben
wilt?
Sivert, Ick hebbct by meck.
Jäckel, So gibs her, so soltu
frey seyn.
Nun 30. Thaler geben mir
So wil ich helffen euch darvon.
Märten.
Ick gevet gern, helpt my dann,
Ick wiln par Stefel dar tho doen.
Jeckel.
Ich wil mich kurtz bedencken nun.
Jeckel zu Sivert.
Hört wollt jhr 40 Thaler gebn.
So wil ich euch abhelffen ebn.
Ad Spcctatores. Vom Leben zum
Todt,
Vnd sie soln hencken allebeid.
Sivert.
ja gern 40. gev ick queit.
Ja wol twintich myu hartleve Herr,
Helpt my darvan, ick bidd juw sehr.
Dar hebb gytGeld, aversthört mick,
Dyt kan syn tho juwem Geliick,
De ander wil quantzewyss syn
Vnse Burmeister: nemet cn
Fin by der Nese, he kaut wol dohn,
Lath en dat Geld herstrecken schon
Darna könn gy en hengu glickwol.
Jeckel zu beyden.
Nun Geld her, so ich helffen sol.
Märten.
Nempt wat wy hebben allthomal.
(Geben jhms Geld beyde.)
Mewes,
Macket vns inmiddelst man frey,
9*
132
\Vy willn entlopen mit Geschrey,
So sind gy denn entschuldigt wol.
(Sivert gibt Jäckeln das Geldt.)
Jäckel. Ey was meynet jhr an-
ders, sehet jhr mich davor an?
Sivert, Ay ja huit so maket
meck allenhandt loss, so wil ick
quansswiess entlopen.
Jäckel. Ja, ja, jetzund, jetzund.
Claus ein Leibschütze gehet ein
vnd spricht:
Jhr sollet die Gefangen geschwind
zu meinem Herrn bringe; der Pro-
fcßss wartet schon jhrcr, hat die
Bäwme schon aussgeseheu, daran
sie hencken sollen, die Soldatesca
stehet auch schon in guter Order,
warten nur auff die Gefangne, es
begehret sie aber der General erst-
lich zu sehen, vnnd die verwegen
Gäste zu sprechen.
Jäckel, Allo lustig fort jhr Herrn.
Sivert, Hier gy wil gy meck nich
lösen ?
Jäckel, Guter Freund ich habe
nicht die weil jetzund, Clauss ninib
du den Gast, ich wil diese zwey
nehmen.
Claus, Ja, ja, so fort du Dieb.
Sivert, ick arme Kerl, ick
arme Kerl, ahcunt,
Jöftken laufft nach vnd rufft:
Gott, Gott, lathet my doch
mynen Vaer, ick hebbe yo men
den einen Vaer.
ahit,
Mufica,
F I N I S.
. Nicht nur dies unmittelbar aus dem Leben und Treiben im
dreissigjährigen Kriege gegriffene Sujet wird den Erasmus PfeiflFer zu
seiner Nachdichtung angeregt haben, sondern auch die zu einer metri-
schen Uebersetzung förmlich einladende Sprache. Beinahe Zeile für
Zeile lässt sich in Reimpaare mit Leichtigkeit umwandeln. Sollte Rist
selbst ursprünglich ungebundene Rede angewandt, dieselbe aber her-
nach in Prosa aufgelöst haben? Und zwar gelegentlich der Aufführung
zur Bequemlichkeit der Darsteller? Diese Annahme widerspräche nicht
seinen dramaturgischen Anschauungen, denn er sagt (Die Aller Edelste
Belustigung. S. 145. resp, 129 f.): ;,Wann ich für meine Person einen
Claus Leibschütz.
Jhr sollt die Gefangnen bringen all,
Denn der Profass jhr schon er wart,
Vnd hat ein Bawm ersehn zur fart
Daran sie alle hencken soUn,
Die soldatescha sich auch stelt
In jhre Order.
Jeckel.
So fort jhr Herrn.*
Sivert.
Herr gy wil gy my nu nicht hörn,
Vnd my na Thosag helpn darvan?
Jeckel.
Ich hab kein zeit zu gdencken dran,
Auffn ander mal wenns wiodr so
kömpt,
Clauss führ sie weg, ich diesen nemb.
Clauss.
So fort jhr Gselln.
Sivert.
ick arme Keerl.
Jöstken lopt na.
Gott lath my doch mynen Vaer,
Ick hebb jo men den einen Vaer.
Almmt anwes.
133
teilte:! Komccdianten geben solte, würde ich in unserer teutschen
Sprache, Diemahlen eiuiges Traur- oder Frendenspiel, Reimwi-ise lassen
fürbringen, denn, was die Freiheit im Reden, für einen Vortheil habe,
für die jenigen, die sich an etwas gewisses, als die Veras oder Keime
sind, so guhr eigentlich binden müssen, ist nicht uusszuspriichen.''
Oder liefert er kein Originale Hat er den Stoff anderwärts gefunden
und verwerthetV Das haite ich für minder wahrscheinlich; wenigstens
ist seine Quelle eines der zahlreichen, mir bis jetzt bekannten
Dramen des 15.— 17, Jahrhunderts nicht gewesen, Auffällig bleibt es
immerhin, dass sich oft von selbst oder durch kleine Umstellungen
Ueimpaare ergeben. Man vergleiche nur mit dem mitgetheilten Prosa-
texte folgende poetische Probe:
" Sisert. Süh hier is Märten Mörkoke vse Buhrmeister,
De kan so wol lesen als de Köster vnde Freister,
Vnde mangelt deck wat dat segge, vnde scheide darvan,
Ick hebbe viii dy Galgen hier lange genoch stahn. . . .
^Mafien. Magstu nich seggen, noch twehuudert Hyksdaler dartho,
Ahne Hew vnd llaueren vnd Stro,
Ick wol] leeuerst dat ebne de Diiuel schölle halen.
Eher ickr woll den geringsten Heller tho bethalcn.
Dyn Herr mag wol syn ein recht VnHat,
Vn du dartho ein Hunnesvot,
Wat mag he sick wol inbillen,
Könne wy ehme de Pantzen allene füllen? . . .
Sivcrt. Hüre töeff, wultu daran? neen so mute
Wy de ersten syn, harre wy wilt dy geuen
Twehuodert Rykesdaler vn twe Oasen, Ilende vu Vüte
Ück dat gantze Lietf schal dy zittern vn beuen, . . .
Meots. Süe nu du; süe nu wilckt dy doeu,
Nu schastu kriegen dynen rechten Lohn.
Harre du, sin wy nu Heren,
Dar wy süss schelmische devische Ifuwren wehren,
Sivcrt. Ay wat schnackeatu veel? Ayer in de Pannen,
So komet dar nene Küken vth!
Wy willen begrauen als einen Bischop in der Huet,
^Harten. Ja, ja, wat schnackst veel, ick wil deck uoch lange helpen
bidden,
Denck vp Jess, süe dar gnh her sitten. imw.
Derb und roh ist dieser nd, Bauernaufzug, ab?r voll Naturwahr-
heit und realistisch plastischer Gestaltungskraft, ein Gyclus sich eng
aneinander fügender Genrebilder, welche an die gleichzeitigen Schöpfun-
gen niederländischer Maler in manchen Motiven erinnern. Wer z B.
Adrian van Ostades verwandte Sujets behandelnde Kunstwerke mit
dem richtigen Auge zu betrachten verstellt, der wird auch Ristena
Darstellung zu würdigen wissen. Wie prächtig ist nicht die Figur
i Sivert, jenes unverschämten Trunkenboldes und schlauen, spitz-
^iscben DÖrÜers, angelegt und durchgeführt; welch kösthcher Humor
134
liegt nicht über dem lebendigen Intermezzo zwischen ihm und Plonni;
und rührend klingt am Schlüsse Jöstkens kindlicher Klageruf: Gott
lathet my doch mynen Vaer, ick hebbe yo men den einen Vaer! In
der That, die nd. Zwischenspiele in den Dramen bis Ende des 17. Jahr-
hunderts verdienen es, wieder ans Licht gezogen zu werden. Sie er-
öffnen, wie Gabriel Rollenhagens Amantes amentes beweisen, nicht
allein dem Litterarhistoriker ein bisher unbebautes Feld für frucht-
bringende Untersuchungen, sondern sind auch in Bezug auf die mund-
artliche Sprachforschung sowie für die Kultur- und Sittengeschichte
durchaus nicht unwichtig. Dass speciell Ristens nd. Handlung seinen
Zeitgenossen sehr gefiel, bezeugt Pfeiffers versificierte Bearbeitung;
dafür spricht ferner eine Uebersetzung in das Schlesische Idiom.
Dieselbe (offenbar identisch mit Stapels i. o. Ristens „anderem Spiel
Germania'', vgl. Rist, Poetischer Lust-Garte. Anm. c. BL Oij. und
Gottsched I, 194 u. 195) erschien ohne Jahresangabe zu Breslau im
Druck. Die Namen der Personen sind folgendermassen umgetauft:
Ilanss Wurst ein Pawer; Matz Stürtzebecher ein Pawer; Feit Schnitzer
der Scholtz; Jäckelein dess Stürtzebechers Sohn; Fritz Räumauff;
Wurst Else, Stürtzebechers Weib; Bier Nickel der Kretschmer. Die
kleine drastische Episode vom Auftreten der Bäuerin möge als Dialekt-
probe genügen:
Feit Schnitzer. Nu, nu, still vau dam, duass gild amaul Stürtza-
beehr, waiga dess Weebs Gesundhet, su viel ass hiuna jess.
Stürtzebecher. Guar hartzlich garna, ich wiels wul bescheed thun,
vnd wenns glecha Staul vnd Esa wier. Aandr hett wir ag da Quartir-
schessr guar derschluain, su dürffta wir jetza keena sorga Iiuan, dass
ha ünss varritha.
(Stürtzebecher trinckt vnd schlieffert das Bier aus dem
Barte: Wurst Else sein Weib gehet ein vnd spricht:)
Nu hostu schier assgeschliefart, dass dir dar Saafftaiffi ay denn
Ilalss fuare, du host ju Huass vnd Hauff varschliefart, du host sender.
Stürtzebecher. Wie wirds nu warda Weeb?
Wurst Else, Ju wie sells warda, iss nicht schier zcet, dass du
versoffanar Schind a maul heem giehst?
Stürtzebecher, Weeb duas say ich dir mit kurtza Waurta, du
wist wul dass Pumps die Lustige jess, Ilse, Ilse.
Wurst Else, Ju Stürtzabechr, Stürtzabechr, du varsoffnar Ilau-
luncka, dich wird wul noch dar Taiffi hulla, a sitzt dir guar ay
denner Huat.
Stürtzebecher. Ilse ich sauy dirs noch a maul, gieh denner waiga,
ich suaysender, du kansts vorsicha vnd gieh mir ag nicht.
Wurst Else. Ich wielde dass du varzierssgutt a maul heim giengst.
(Wurst Else geht weg vnd spl'icht:)
Du foppst mich wul zum tiega, ich glebc nicht aandtTS, dar Taifll
haut mich zu dir versoffana Holuncka gefuhrt. Il.ilffs Gautt dass du
saiffst, dass dirs dremaul durch den Ualss gibt, du host wul an raichta
Nuama, Stürtzabechr.
steiguti alli
r
135
aufl' den Tiscli. filürtzebucliür hebt au zu
gingen.)
Naichte du dar Mauiide sCheeD, dau fiilirte Jauckl die Kata heni,
Laborde. Lost die klinn Waldviegala sorga, dar Wiitli muas
jueli Hoächa Maroscba du schina gosclia. Taehaudarnickal,
baudarnickal suas vfT anttar Weede. Juch hoscha, he, he, la, la, la.
Aber noch grüasereu EinHuss hat Rist ausgeübt. Seine Ireuaro-
entbäit im Anfange des zweiten Aktes ein merkwürdiges,
teilweise niederdeutsches Gespriich nwiBchen der Friedensgöttin und
einem Laiidmann. üasselbe traf so gut den damaligen Ton und Ge-
schmack, dass wir es in einem späteren Stücke nur ein wenig ver-
ändert wiederlinden. Anno 1C68 kam nämlich heraus und wurde
zweimal, 1669 und 1(170, neu aufgelegt: RATIO STATUS, | Oder | Der .
itziger Alamodesieren- | der rechter | Staats-Teufel | In einem neuen
Schauspiele | abgebildet. — o. 0. 8"')- Der ungenannte Verfasser
bietet hier lediglich ein mixtum compositum aus Ilistens Irenaromachia,
Perseus , Friedewünscheudem und Friedejauchlzendem Teutschland ;
gewiss ein recht anständiges Plagiat und ein recht spekulatives und
lukratives! Kaum hatte der alte hocbgepriesene .Rüstige' 1667 die
Augen fUr immer zugedrückt, als sich ein industrieller Litterat oder
Buchhändler darüber hermachte, des Seligen Dramen zu plünderu,
hier eine Scene, dort eine Episode, da wieder eine einzige Figur aus-
zuschneiden und ein funkelnagelneues Stuck auf den Markt zu bringen,
welches inuerhalb drei Jahren drei AuÜagen erlebte! Mau wird dies
kaum für möglich halten, und ich muss mich daher auschicken, meine
~ tbauptung zu beweisen.
Irenaromachia. Actus 2.
Irene. Meine Gedanckeu haben mira gnug vorher gesagt, dass
mira auff dieser Reise nicht anders gehen würdu! (der ßawr trit auif)
Aber da sehe ich einen Manu, mit dem muss ich reden, vud ver-
nehmen, ob der mir nicht wisse besser Nachrichtung zu geben; glück
" Vater.
Hnßicus. Wat bringestu godcsV ha?
Irene. Ich wünsche dir deu Frieden.
Bufticus. Wo ydt ya yo all Frede.
Ireiie. Das wehre sehr gut, so biete ich dir einen guten Tag.
Rußicus. Wolstu my biteu, einen Dreck wurstu meucu?
Irene. Hörstu Manu, kanst du mich nicht beherbergen?
Httfticits. Beharhargen kan ick wo], weh vse Möme wil.
Irene. Ich bitte thue es doch, es sol dich nicht gerewen.
Sufticus. Wat aegt raen nicht, ick hin wol ehr mit der Wegen
^et. bistu alleue?
') Eiempliire von allen drei Ansgabou : Kuni((l. Bibliolhek Berlin. Goltsuhed
U. II, 36Ö sowie Gueduke, OniiidrisB g IB^ ii, 210 keaui^a nur itie zwei
Rieke 16SBu. 1670. GrimmelBliaiisens Simiiliciauiscber Zweykü)iing<?r Kiirio SUiun
NI70 u. Ii.) liat mit diesem Sciiausplel keine Aelioliuhkeit.
136
Irene. Nein ich habe alle Tagende bey mir.
Rufticus, Tugenden wat ys dat vor TuchV stickt mand vp den
Hoed, edder yth mand, segge doch, wat sint yd vor Kerls, edder sint
yd ock Fruwens nahmen?
Ire^ie, Ach weissestu nit was Tugenden sein? Liebe, Warheit
vn Gerechtigkeit sind bey mir.
Rufticus, Hoho, kümstu dar hyr mit her? bistu nicht eine Dörin,
wat den Düuel dess Packs möchte wol tho veel wesen, wo mennich
Mandel sindt yuwer? syndt ydt alle Wifestücke?
Irene, Wie ich bin so seind meine Gefertine auch.
Rufticus. Jungens Minsche höre gy nicht ein lüttyck?
Irene, Gar gerne Mann, was wiltu?
Rufticus, Ydt ys vnses Volckes! Ick hebbe bym Element ein
Encken edder vyue, de schölen dy Warckes genoch schaffen, vnd wan
Tse Möme schlepe, ick wolle süluest nicht schlim byschlan, ydt js
eine gawe Teue! wo hestu?
Irene, Ich heiss Irene oder pax,
Rufticus, Dat sindt jo keine Nahmens, ydt sints.
Irene, Ist Friede dann ein Nähme, so heiss ich auch?
Rufticus, Wo ja, Frereck heet vse Schulte.
Irene, Ich heisse aber vnd bin der Friede.
Rufticus, Dat höre ick wol, ick daus : wen vse Parner Friederich
heet, den heete wy Frereck, dat ys yo ein Manns nähme, hyr hörstu
nicht tho Huss, dat dächte my nicht, ydt deyts.
Irene, Nein mein Ileimbt ist nit von danen.
Rufticus, Ys se dann van Führen edder van Eicken, edder
van Böicken?
Irene, Du bist gar ein vngeschickter Man: ich gehöre hier
nicht zu Hauss.
Rufticus, Segge ick doch dat ock: Aucrst wor hörstu denn tho
Huss? du magst wol wydt her syn, dyne Spracke vorredt dick.
Irefie. In meine Heimbt kanstu nit komen.
Rufticus, Dat were de Düuel, ydt werdt wor vth der werlt
wesen? ys ydt wor vp jensiet Eimesbüttel?
Irene, Ach lieber ich bin nicht von der Welt.
Rufticus. Dat sehe ick ock wol, du bist dar midden innc.
Irene. Ich meyne es nicht also, ich gehöre allhie nicht zu hause.
Rufticus, Du werst de Düuel jo wol nicht wesen? wor den?
Irene. Höre Mann, der höchste Gott JupHcr hat mich, die
Göttin des Friedens, vom Himmel gesandt, dass ich jetzo bey Menschen
auflf Erden wohnen sol.
Rufticus. So bistu vam Hemmel kamen, du bist»?
Irene, Ja von dem hohen Berge Olj/mpo^ da der Himmel auff-
ligt, vnd dem Jovi geoptferl wird, da bin ich herunter gestiegen.
Rufticus, Wat hefl't men denn godes nyes im Hemmel, ys ydt
dar noch godt Frede?
Irene. Du thust närrische Fragen!
137
Rufticus, Auerst hyr gy Minsche, sy gy de Frede wor?
Irene. Ja ich bin die üöttinno dcss Friedes, ein Tochter dcss
böchBten Jovis.
Eußicus, WoU gy denn by vns hyr wohnen V
Irene. Ja.
Rufticm. Vp dem dütschen BoddcmV
Irene. In Teutschland hat mir Gott befohlen zu wohnen, vnnd
vnter den Leuten stetig zu wandlen.
Eußicus. Ey dat docht nicht! Frede! dat docht nich! dat ys nist!
Irene. Wie so?
Eußicus. Ey also.
Irene. Wie denn, ist der Friede nicht gutV
Eußicus. So wat hen.
Irene. Warumb?
Eußicus. Höret einmahl, dewyl gy so scharp fraget, so wil ick
ydt yuw wol seggen.
Irene. Sage her.
Eußicus. Höret, do ydt noch nich Frede was, da dorflfte ick
vsem Junckern nich deynen, do gafi ick de trihutie vnd howede so
veel Holtes wedder als ick woU, wat ick ouer hadde, dat was myn,
dar seden my de böuersten nichts van, wann se ehre tributz kregen.
Auerst nu ydt ein weinig na dem Frede rucket, nu moth ick de Poten
sugen: do ydt noch nich Frede was, do dorffte men llöken, schweren,
Horery dryuen, wat men woU, dar seden einem de Kriegers nichts
van, vpper stede dartf ick kura vse Maget eins pipen, de Pape wil
fiucks duU darauer werden, vnde vse Auericheit weten nicht wo se
V8 armen Hussliide scheren wilt, darumm ysset yo beter gudt Krieg
als solck böss Frede.
Irene. Hilft' lieber Gott, wolt jhr lieber Krieg als Friede! nur
dass jhr ewre Bössheit treiben müget, vnd die nicht gestraffet werden!
Were es nicht besser dass ein jeder thete was sich gebürete vnd
lebete im Friede.
Eußicus. Dat were ydt wol, auerst wol kan dat dohn! Ick
kan ydt nicht laten, wenn my vse Heren noch vmb dortich Marck
Straffeden.
Irene. Es ist nicht gudtV Ich mercke so viel, bey dir kan ich
keine Wohnung haben.
Eußicus, Wahnung hebben? wo ys dat mögelick? Wo du
heffst jo men vmb Herberge beden! du schost my wol eine wesen,
du schosts! wenn men dy ein fingerhret vorlöucde, so nehmestu wol
eine gantze Haude brect. Ne by my kanstu nicht wohnen, ick woU
dy wol eine Nacht beherbergen, wenn vse Möme ock wolde.
Irene, Will deine Fraw nicht was du wiltV
Eußicus. Du bist ock eine dumme AlLeidt! Wilt de verbolgen
Wiuer wol dohn wat de Männer hebben wilt? Neen vorwar, der findt
man nicht veel, vnd myne dat ys ein bösen tarant^ ick mene se deyth
my wat int Lichte, se deyths.
138
Irene, So werde ich bey dir schwerlich bleiben Icönnen?
Rufttctis, Dat begehre ick ock nicht, dat du alletydt by my
blyuen scholst, eine Nacht dat ginge licn : Auerst ick hobbe mehr tho
dohn, wultu mit, vnde wult vorsöcken, wer dy myne Fruw im Huse
lyden wil, so kumm. aUt.
Ratio Statns. Andrer Handlung füniFter Auffzug.
Friede, Guten Abend, guter Freund! könten wir nicht eine
Zeitlang herberge bey euch haben?
Drevs Drümpel. Eine tiedlang? wo lange schult den wohl wareja.?
Gerechtigkeit, Wir wolten wohl gerne so lange hier bleiben, bis
es besser Wetter würde zu reisen.
Drevs (zu den Zusehern). Dat syn my en par schmucke Tefen,
ick wull dat mine ohle Mölim dot wehr, ick wull wohl sülffst ene
darvan nehmen, (zu den beiden) Ja ick wull ju wohl sacht harbarge
geven, wenn jy wuUen verleef nehmen; man jy sehn wohl, dat Land
is vull Soldaten, ick milchte villeicht Inquarterung kriegen, so kund
ick ju nich länger by my hebben.
Friede. Dessen darffstu dich nicht befahren, mein guter Mann,
denn wo ich bin, da kommen keine Soldaten hin.
Drevs, Ja wat sind jy denn vor ebne?
Friede, Ich bin der Friede.
Drevs (wundert sich). Sind jy de Frede?
Friede, Ja ich bin der Friede.
Drevs, I wat schul ick denn mit ju dohn? et is Overall Krieg
un is im gantzen Lanje keen Frede mehr, wat wull jy denn by my makeu?
Friede, Wie so, mein guter Mann? wiltu nicht lieber Frieden
haben als Krieg?
Drevs. neen dat schehlt vehl.
Friede. Ey wie so, das möcht' ich doch gerne wissen, bin ich
denn nicht viel besser als der Krieg? In Frieden kanstu ja deiner
Arbeit sicher warten, und dich ehrlich mit deiner Hand ernehren,
darffst dich auch nicht befürchten, dass dir das deinige mit Gewalt
genommen werde. Aber im Kriege kanstu ja nicht sicher einmahl
Pflügen, du must immer dencken die Soldaten spannen dir Oxen und
Pferde aus. Dreschestu was Korn aus, so kommen die Soldaten und
nehmens weg, deine Küh schlachten sie, Hüner, Gänse, Enten und
dergleichen fressen sie dir auch auff, in Summa, sie nehmen dir ja
alles was du hast, und must noch gute Worte darzu geben.
D^'evs, Ey Iaht se nehmen, ick nehme wedder.
Gerechtigkeit, Ja des wiedernehmens! wo woltestu es wiedernehmen?
Drevs, Höhrt dat will ick ju verteilen. Wy Nabers hohlen in
dissem Dorpe tho hop als crlicke Kerls. Wenn wy nu höhren dat
ene parthy Soldaten kamen will, so mack wy uns mit Wyff und Kind,
Perd und Köhen und wat wy man hebben hen in den Busch, da weten
wy Weg und Steg dörch de Moratz tho finden, dat uns keen Düffel
na kamen schall! Dar liggen wy denn un luren, wenn so etlicke vam
^ßfi
Drop af riedcu, de eiud di^nn all imse'), de scheten wy vor da Köp,
dat se dar liggon, Perde, Kleder, Geld un wat se mehr hebbeii, dat
partelir wy denn Boder enander. Ick weht dat ick im Frede in en
hebten Jahr nich so vebl vcrdenen kan, ala upetedc maniginabl in
eencr Wiiken. wo manche QuartehrmeiaterB liebb wy all Kaput
ntackt, de in unseni Dorp Quartehr macken wulden, wat hadden sc
hraff. Geld by sick, dat se van andern Bucro erschunden hadden!
Gistern ertapt iuk en Kopmaiin, den schot ick van der Mähr her-
nedder, he hadde 60. Docaten au bahren Gelde by sick, nn dnt l'erd
un de Kleder behehl ick oek, wenn wuil ick so vehl in Frede mit
ininer suren Arbeit erwarfen, as ick nu mit kortwihl kriegen kanV
Ja wat ick ju noch mehr seggen will: Aa L'vede was, do musten wy
80 still un intagen lefen als de Miiskens, wenn wy man en weinig ut
de üchaohr tredeo, wo kunnen sick unse Pastor und unse Juncker
liebbcn! de Pap wull up der Kantzel Dulle waren, de wiaede uos ut
dem Bichtstobl, da schull wy Kerckeiiboht dohn, da schuU wy gar io
Bann dahn waren: De Juncker de lebt uns in Keller setten, de straffde
uns um Geld, dar hadden se beide des Dyfels jacbt mit uns. Mann
iiu! DU geiht et utm anjeni Fate! unae Karckhehr ist doht, un wihlt
Krieg iss, könen wy kenen andern wedder kriegen; de Juncker is in
Krieg tagen un ia en Bül'erst worden, nu hebben wy kene Afercheit
un hebben ock kenen Karckhehren, nu kiinen wy lefen als wy willeu:
Wy freteu, wy supeu, wy bohren, wy bofeu, dar ia nen Mtnscb, de
uns darum strafl't. Wy lefen nu als Fürsten, ja wat Fürsteny wohl
gar as Fryhehren un fragen nahm Dyfel und siner Mohm nich. Is
dat nich braff')?
Gerechtigkeit. Ach gehts hier so zu, liebe Schwester, so werden
wir keine Herberge hier linden kunnen, komm lass una nur weiter gehn.
Drevs, Mit verlüff, dat ick jufragenmag, wat sind jy den vor eene?
Gerechtigkeit. Ich bin die Gerechtigkeit.
Drevs. sin jy de Gerechtigkeit? Neen ju gef ick jo kenc
i&rbarge: Wenn et schull nah der Gerechtigkeit gähn, so hadde ick
lange hangen must. Nee nee! gabt jy man hen dar jy hehr kamen
sind, lek'will henin tho minen Nabers gähn, wy hebben tho hop en
Vatt Beer uplegt, dar will wy supen, dat uns de Pansch web dcyt.
(Gehet ab.)
Ungern vermisst man hier Ristens gar nicht üble Wortwitze,
wodurch der Repräsentant des Bauern das damalige Publikum gewiss
hochlichst ergötKt hat; ähnliche ud. Scherze finden sich u. a. in des
Herzogs Heinrich Julius von Braunachweig Coma'dia Von Einem Wirthe
(I, 7, HI, 1). Was ferner die Abhängigkeit des Ratio IStatua zu den
') Freyta^ 1. c. 112: Allmablii^h beg'.uin ilcr LAndtnann xu stehlen und ku
rauben vie dpr Soldat. Bewiiffnete Haufen nitleten skh üugammcn. Sie lnuerteu
_deii NaohzüRlfru der Reginipnter in dichtem Wiilde auf hbw.
') Zum Tlieil ßisLt'US Fnedejiiucliueiidem TcutacLlnnd {erstiiB Zwischeiisinel)
Btlelmt.
140
übrigen Dramen unseres Dichters betrifft, so wird der Nachweis jedes-
mal aii geeignetem Orte geliefert.
Die Abfassung und Aufführung der Irenaromachia hatte dem
jungen Studenten eine angenehme Abwechselung gebracht, nach welcher
er, wie es scheint, mit doppeltem Eifer der ernsten lierufsarbeit oblag.
Bald darauf verliess er die Universität Rostock und zog nach Leiden
und Utrecht; 16;V2 begegnen wir ihm in Leipzig, woselbst er seine
theologischen Studien beendigte. Ein Jahr später trat er eine llaus-
lohrerstelle beim Landschreiber Sager in dem Norderditmarsischen
Ötiidtchen Heide an, und dort fand er Müsse zur Schöpfung eines
neuen Stückes, das am ersten Juni lß34 gespielt wurde. Dasselbe
ist dem Stoffe und der Behandlung nach sehr interessant und erinnert
wiederholt tbeils an Herzog Heinrich Julius theils an Shakespeare
resp. an die Englischen Komödianten, wie anderwärts des Weiteren
erörtert werden soll. Wir haben es hier lediglich mit den eingelegten
niederdeutschen Scenen zu thun. Dos Titelblatt lautet: JOHANNIS
RIöTH [ HOLSATI | PERSEÜS | Das ist: | Eine newe Trag<H- | dia,
Wfkhe in Beschreibunge | theils warliaftler Geschichten, theils | lustiger
vnd anmuhtiger Gedichten, einen | Sonnenklahren Welt- vnd Hoff'spiegel
jeder- | männiglichen prwfeiitirei vnd | vorstellet. | ACTA HEIDjK
DITMARSORUM. | ANNO tbbcXXXIV. | FBISCltLINVS: \ NoD
difücilior labor fub Sole eft, quam | feribere Comcedias & Tragtedias. |
Hamburg, | Gedruckt bey Heinrich Werner, | In Verlegung | Heinrich
Uosenhaums. — 100 Ul. 8". Exemplare: tirossherzogl. Bibliothek
Weimar. Herzogl. Bibliothek 'Wolfenbüttel,'). In der Vorrede, unter-
zeichnet: Gegeben zur Heide in Ditmarschen, den I. Tag Junij Anno
1634., sagt der Verfasser, er habe den Stoff aus Livius genommen,
aber Manches hinzugesetzt, und entschuldigt sich, dass er ^den Legibus
Tragixdiarum zu wider fast gar zu viel lustiger Auffzüge vnter ernst-
haffte vn traurige sachen gemenget", weil er „mit gegenwertigen Inter-
fceiiÜs dem gemeinen Manne (als der mit solchen vnd dergleichen
possirhehen 'Auffzügen am allermeisten sich belustiget) vornemlich
habe yratijiciren vn dieuen, mit nichten aber dieses oder jenen Landes
Bitten, gebrauche, spräche vnd geberde dadurch auffziehen oder ver-
spotten wollen, wie davon vnzeitige Richter vnud Momi bissweileu
') Citiert bei Gotlached (Nüth. Vurralh II, 247}, Jürdeas (I,exikon IV, 369),
W. Müller (Bibliothek VIII. 8. XV), Goedcke (GrundrisB § 182 n. aa. und Elf
Bitcher deutsdier Dicliliing I, 312). Graesao {Trfeor VI, 1 a. 123) und BrUmnjer
(Lfixikon II, 214); trolzdein war bisher kein Exemplar nachgewiesen, und nocL in
dpr nPuesten (6.) Auflage von Gerviniis Gc9t:li. d. d. Dichtung (III, 535) heiast «»:
„den Perscus (1631) kennen wir nii^ht " KigunthQmlich iBl es, daas Scheller, der
für aeine Biich erkunde der saasisch - niederdeutschen Sprache die Wolfenbüttel et
Bibliothek durchsucht hat, das dortige ExempUr nirht beachtete oder nitht fand. Ver-
muthetc er bei Juh. Kist nichts Kicderdeutscln» und würdigte darum desaen Dramen
keines Blickes? Fast inOchl« irli dies anacbmen, denn seine Qiii-hcrkunite vrcisa von
unserem Dichter nichls, und das Wolfeubriltelcr Exemplar dea Perspus hatte weder
Scheller noch «onst Jemand vor mir gelesen, da ich ca erst — aulscbneiden muaete.
Auch die Amantea ameutea bat l^cheller Qhcrschen; vgl. den bibliographischen Aiii>h
hang meiaeg Bollcuhagen s. 121, jfl
141
vnbedachtsam genug vrtbeilen, ilie doch so gar nicht wissen noch ver-
stehen, quod omnis Coma-dia debeat c/fe Sati/ra, vnd dannenhero einem
Imico nicht so sontlerHch /u verdencken sey, wann er gleich lachcnt
Zeiten die warheit saget". Die Personen in den nd. Aufzügen sind:
Hans Knapkäse, Capitatn vnd Trummenacliliiger >iugleich.
Laban, ein itinffer Bawrenknecht, , .u i , ,. , .-
ada h.t nur ein Auge. ] "'' '''„»>; ,'''' '■''"f"'
Loripts, hat ei» krumm Bei.,. '' "" ^''''''"™-
Telsche, die Jungfraw.
Eine Werbescene führt uns recht g(?lungen in den Clinrnkter des
Zwischenspieles ein und in die Zeit und Zustände; denn auch hier
schildert Uist, obwohl das eigentliche Stück der alten Miicedonisclien
richichte entlehnt ist, „iioetisihcr oder verdeckter Weise" den drelssig-
rigen Krieg.
ACTUS ruiMi
SCENA II.
Hans Knapkilse. LuMti der Bawir'n Knecht.
Hans (kompt auffgctri-ten mit einer Tramnif-l am Halse, gar
Närrisch bekleidet, dazu mit 5. oder (i. Degen behenget, schlegt frisch
nuff der Trummel vnd schreiet alssdann sehr laut:) Höret /.u jhr recht-
schaßene Cahbalerss, Reuters vnnd Soldaten /u Fuss vnd zu I'l'orde,
alle die jenige, so dar lust, liebe vud Courage haben, dem greulichen,
grosseq vnd erschrecklichen Könige, Don PUUippo in Maceelonia, vnter
den Parlement, desa hochadelichen, tapfTerhaftten vnd Gottsjämmer-
lichen ßiaten bristen, Herren Quidrilsa Charlalan, Freyherrn zu
Hurulhl, Erbgesessen zu Müggenburgk, Buttram vnd Sandtkuhlen,
vntc-r mir Monfiettr Jean de Knapkäse, wolbestalten Capitain über
eine Compagnio Nürenbergische Tragoner zu Kusse, wie auch Regimcnts-
Trommentamiour, zu dienen, zu fechten, vud die Leute todtzuschiessen,
der verfUge sich über 8. tage, alsobald heute diesen Abendt zu mir
in meine Herberge, ich gebe jhm l'oitr dien Geldt aufi' die Handt
dass es brummet. (Nun schlegt er abermahl die Tromlen, rutft auch
zum andern vud dritten mahl wie vorhin.)
Laban kompt herauss, Bäuerisch gekleidet, vnd halb druncken,
fehet also an zu reden: Watme Diifel niachter nu echters ins toli
doinde wesen, tiss jo ncen Fastelauend, dat de Jungcns mit der Bunge
ümlier lopet, vnd dar sin dick ock yo nene Saldaten, tiss yo free im
Lanie, kwult likorss woll gerne wehten, wat dat ramenten mitter Bunge
beduien mochte, ick bin darauer vlitem Kroge vanier Beirkanne weg-
gelopeu. (Nu sieht er Knapkäsen) Süe aue doch wat de Düfet deit,
wat sleit dar vor en Skrubbert, de süht lien dull vth, anners nich,
atse wenn he Miise fiingen wull, kmut inss thom hen vnd hören tho,
effte ydt wohr ein RottenfUnger ys: üoien Dach, goieu Dach Kumpahn.
Hans. Zanck habt, zanck habt, ey sich da, sich da, wie stchts
) gehts, ich habe dich lange nicht gesehn mein redlicher Landes-
142
Laban. Wo thom kranck ya dat goie Fründt, kuiic gy my wohr
dat jy mick so driest ansprecktV
Hans. Ky was kennen, wie soltc ich euch niclit kennen, aber
sonsten habe ich euch nieinahls vor diesem gesehen, Iiabu auch mein
Lebtage nicht von euch gehöret.
Ln/juii. Wo du bist meck yo woll ein duraraeu Diifel, segst du
lielfatmck dyu diigc nicht sehen, ock helFstu nichts vamke hiiret, ick
lüue by den faldtswuniea du briidest de Lüde wat.
Hans, l'fui scherast du dich nicht du grober Esel, siehst da
nicht dass ich ein Juncker biu, dazu auch ein Kaffzciu, vnd du darflgt
mich noch dauw heisaen, weist du Tölpel nicht dasa du zu mir sivgen
mu6t: Allmächtiger vnnd gestrenger Herr Ilopifman, Ehrwürdiger vnd
WoIIadelicher Juncker Hans, den Hui vom Koppe du grober Cujou.
Laban. Wo nu thom störten Knüfel, kan ickt riiken dat gy ein
Juncker syd, wat wüste ickt dattem dy gy hüten rausto, ick hae nicht
dacht, dat de Junckers mit der Bunge alse de Stratenbengels her-
üuime lopen.
Hans. Du grober Klotz, hörst du nicht dasa ich ein CatTtlicin
bin, vnd dass ich Soldaten annehme, vnd so musa ich ja tromlen.
LalMin. Ja, ja, sy gy van den Skrubbera ecn, ja dat lumpen
Puck kenue ick woll, de synd hier woll ehr im Lanio wesen, nu
hafftse yo de Düful insa weer weg geführet, man wohrenso nicht van
sick sulüest weggetngen, wy wollensor auer Halss vudo Kop heiiut
spenckert hebben.
Hans. Ey warumb dass mein Kerll, was haben dir doch die
redliche Soldaten zu leide gethan?
Laban. Wat? leide gethanV Wuunen süke, hebak de Defe nicht
brüet, so weht ick nicht wat brüent ya, ae deuckter in usem Karapel
alle ehr dage woll an; Vse Nabers, de eenc hader ein süluern Garfo
van im Huse, de anner ein Lütlandt, de . drüdde ein Carnettert, do
verde einen Feldttwifeler, vnde de beten se yo althomahl Göuersten.
de anieren de hadden man so schlichte Muacowitera vnd Pekelnerers;
Myn Vaer hader ock yo ein HiUunckeu van im Huse, dat was löuick
ein Hoppeuföhrer, all du störten süke, wat jagede de Skabbehalss
mit syuen Hören vnde Gehiuueken ein hupen junge Ilöuer, Eyer, Dufen,
Kalfesköppe, Lammerfütto, vnde aoier nühtlick Frctent intern Marai*,
dat was man alle dünniglike Dage: Horch ßauwr, schalle auEf, latz
halen, Wein, Sucker, Brazen, CoHJlex^ vnde wat men erdencken kunne,
man Imdick nu der Galgen ins weer vp vser Missen, kwuU cen ao
Iradcrev, ehm skullen de Lenien nah achlepen.
Hans. Wie war dass mein Kerl, dass jhr jhm solche stattliche
Tradamtnta verschafien mustetV Halte er etwa ein Officium?
Lahan. Filium? Datten vorstak nicht, wat ys datV
llaiis. Ey was du Narr, ich frage ob er nur sey ein schlechter
Soldat gewesen, oder etwa ein Befelchshaber, gemeine Soldaten pflegt
man bey Gott so nicht iractircn.
Luban. Ein llunieafott wasset, yuw nicht tho anteren, wohr
I
143
wa3set ein scWiclit Soldat? Gy bürüii yo woll dattet ein IloppenfÖlirer
was, hade yo alllydt woll 3, Knechte, de achter ehm alünien, vnde
den lloedt vor elim inier handt baddeo.
Hans, Ey du grober Narr, w;is Hoppeufohrer? Da wirst ein
Hopffiuan meinen, oder Cufitzen, wie ich einer bin.
Laitan. Ja, ja, solker ding wiisset Kiuick, man he hade likers
so vehl ritten vppem Liue nicht hangen alse gy dar hebbet.
Hanä. Dass giehet nichtss zur Sache, die Degen trage ich wegen
meiner Coumge, denn ich binss gewöhnet, dass ich mich gemeiniglich
mit 4. oder 5. Kerlen Kugioicb herümroer hawe.
Laitan. Wo du bist yo' wall de Düfel nicht, weil icken Mess-
greper inner Handt hebbe, so dancke ick den leueii liae, dutick my
jegen enen Kerel wehre,
Hans. Ja dem Bey wie jhm wolle. Aber sage mir mein Kerl,
hast du niclit etwa lust vntiT mir üu dienen,
Lalxin. Wat skollickV Deenen? Dat hebbick. (Juie sy danck
noch alltydt nicht nöig, so lange alss myn Vaicr vnde Müme leuen.
Hans, Ey du verbtehest mich nicht rocht, ich frage ob du nicht
etwa lust hast ein Soldat zu werden.
Laban. Wat skollick? Skollick ock ein Skrobber werden, ehr
^!äftt vse Müme lede, dar blarede so veel leuer den Hulss vor entwey,
'ä*e, nee, myn leue Herr Böuerste schwygot d;vr men stille mede,
dattet man uene Lüde höret.
Hans. Ey myn Kerl, so mnst du nicht schwatzen, ich wil dir
-eiae braue Charge vnd alsobaldt 3. lieichsthaler auff die Handt geben.
iMlian. (IS.deucket sich ein wenig) Twehr by Gae woll ein fyn
Gelleken, man ick weth wo1l tiss likers so nicht, darna liefTtnier
nichtes van, alse hungcr vnd Kummer, Lüse vnde Schläge, Frost
vnde Dorst.
Hans. Ey mein Kerl, da darlTätu nicht vor sorgen, du solt kein
schlechter Mussfiuetircr seyu, ich will dir alsobaidt eines Gefroieten
Corporals PlatK geben, danu solt du niclit gegnn dem Feinde zu Fehle,
besonderen dass gantze Jahr durch, bei einem reichen Bawren im
Quartier liegen, dich mesten wie eine Sauw, fressen, sauffen, huren,
hüben, doppelen. spielen').
Liilian. Wumipen süke, wenn ick dat löuen dorstc, ick wagcdc
by dem Elemente ein tögeken mede.
Hans. Trawo. du nur meinen Adelichen Wortop, ich wil dir
halten was ich zugesaget habe, ao wahr ich ein redlicher Gaval/ier bin.
Lahm. Nu, nu, skall dat wisse syn, so hinket tho freden, hey
wo willick nu de Huren brüden, up akölt ae schaffen, all, wat ae man
inner Katen hebbet.
Hans, Dass ist recht Corpral, solche Soldaten mag ich gerne
liden, sich da hast dn 3. Reichsthaler auff die Handt, aber dieses
*) Vgl. Friedejnuchtzendes Teutschland : erstes Zwischeuspiel, ^ Simplicifleiniug
: Freuen uud SiiuU'eii, Hunger und Durst leiden, harcii und bubeu, nuuleu und
ibid. 83. 198.
i
144
must du wol in acht nehmen, dass du dich hinfort nicht mehr so grob
vnd Bäwrisch haltest, in Gebehrden, Kleidung, Reden, alse du bissher
gcthan: Du must nun nicht mehr so schlecht sagon: Ich wil tho Huss
galm: Nein, ich wil nach meinem Quartier marchircn heist es, dabe-
nebenst must du auch braaif fluchen lernen, denn dass steht fein
Soldatisch, wenn man wacker mit Teuffeien vnd Elementen ümb sich
wirfft. Vnd wenn du schweren wilt, must du nicht so grob Tcutsch,
bey Gott, oder auff mein Seel sagen, sondern fein Frantzösisch: ¥oiir
DieiL Vber dass alles must du dich auch fleissig mit Taback ver-
sehen, auch stctigs ein pahr Pfoiffen auff dem Hute tragen, vnd denn
endtlich must du dich ümmesehen, dass du eine frische starcke Hure
mit fortnehmest, die dir dein Bündel nachtrage.
Lakin, Ja, ja, Horr IJüuerste, dar willick sachte mcde tho
rechte kamen, den frombden Schnack hebbick all lange, lange van de
Rüters lehret, de seden alltydt wenn se eenander thodrüncken: Hans
Hussmans Röe. Vniide wenn se vthrien wullen, so seden sc int Gcmeon
Hallo. Vnd wat llöken anbelanget, dess kan ick Gott loff so vcel,
datker ock mit by blifen kan, dat hebbick wol all vor 20. Jahren
wüst, do lehrde ickt van use Müme, de plUgse mynem Vaer by
20. treden Tunnen vuU intem Line tho flöken, vnde Taback, den
hebbick van de Rüterjungens drincken lehret, wy grohten Jungens
plegt ock au«»rlanck woll blaw Pappier effte Torffsoden kleen schnyden,
dat schmoket ock, dattet rasen ys. Vnd höret Herr Böuerste, gy
seden ock yo löuick vanner Hören, dar wüste ick nun noch woll in
usem Dorrcpc eine gladdo Teue tho, man de holt sick woll ein betien'
tho ehrlick, do Lue segget likerst se hebbe nicht mehr als wohr
5. vnechto Kinner hat, süss ys se ock all inss mit de Rüters fohrt wesen.
Hans. Nun nun üorpralf das ist braff, du bist mein rechter
Soldat, hotte ich solcher Gsellen nur mehr. Aber lauff baldt, vnd hole
deine Sachen, vnd kom alssdann zu mir in meine Herberge.
Ijoban, Ja ja Herr Röuerste, man wo het juwe Harbarge?
Hans. Ey ich liege dar zum blawen Jammer, nicht woit vom
grossen Eilende, gerade gegen der Hungergassen über.
Laban, Ja, ja, tyss godt Herr Hoffman, nu goien Dach so lange,
ick will balle wecr hier wesen. (gehet ab.)
Was für eine Mannschaft Hans anwirbt, und wie er seine Rekruten
drillt und einexerciert, veranschaulicht die Fortsetzung;
INTERSCEXlüM ACTUS PRIMI.
Hans Knapkäse gehet gahr prechtig mit der Trommel vorher,
jhm folge, Laban der Bawrenknecht, Codes mit dem einen Auge,
Loripes mit dem krummen Beine, alle drey mit alten Mussquettcn,
Hans führet sie etliche mahl auff dem Platze herumb vnd spricht:
SA, sa, Burss, murchirct frisch fohrt, lustig in der Ordnung,
drey vnd drey in jedem Glied, binden vnd forne nichts. (Nun steht
er still vnd spricht) Hilff du liebe Maria, was habe ich greuliche vnd
erschreckliche Müho gehabt, ehe ich diss ehrbahr Voick habe bey
145
»Brai
r
einandi'i' bracht, pfui dor TeufTel, hutte ich doch noch 6. Mann mehr
bekommen können, so wolle ich drey Glii'd maclien, uun aber ist es
vor eine Compngme fast zu wenig; Doch, was hilfils, ich rauas so 7.n
frieden seyn, ich kans ja nicht besaerc-n. Steht stille jhr Ilundeaföttei-
icli wil euch drille. (Nun gebet das Drille an) Rechts vmb kehret
euch: (Sie laufTcn jhme allzumahl nach seiner rechten Ilaudt) Dass
euch der Hencker schlage jhr leichtfertige Berenhouter vnd Diebe,
(er stellet sich vor sie, machet es jhneu vor, vnd kehret sich vmb,
sie wollens jhme nach machen, vnd kehren jhm den hindersten zu)
Potz 100000. Schlapperment, jhr verketzerte Galgvögel, dass euch der
blanc Dunst ins Loch schlage, werde ich doch schier rasendt, seht,
so miist jhrs machen. (Nun stellet er sie selber in Ordnung.)
Laban, Itz es uun nicht recht Herr llopffman, stahe ich nu
niclit recht also ein Gcfreitzer Cajiffrall, diias youw dusent Kneubel
intern Leibe fatiren, segt de Warbeit.
Hans. Dass dich der Ilagel keile, du leichtfertiger Berenheuter,
rumb äuchestu mir also?
Laban. Wo nu tbom Zeufel, wilt eir dar vnüase aver werden,
ibt jydt mich doch gehctzen, do eir mich annehmet, datz ich braff
flochen solte, eir scden jo noch dass stUnde hiipseh Saldatiüch.
Hans. Dass dich der Kranckheit hole allem Cujon hinein, habe
ich denn befohlen, daus du eben mir fluchen solt.
Liilxtn, Wo, ys datü nicht leiche veel, yuw effte ein anderen.
Hans. Den Hencker auff dein Kopff alles Bawrschelmes. Nu
folget Hurss, leget die Musqueten an, alse wollet jhr srhiessen, thut
aber das IJncker Auge zu, (sie legen an, aber gar erbärmlich, Hans
apricht zu Loripes.) wie zum Element slehstu Berenheuter so krum.
Loripcs. Wat kan icken tho dohn, datken keef Behn hebh, lie
5^ my jo all myn Dage so keeff wesü.
Hans ad Coclitem. Was den Teuffei machest denn du, warume
thuslu beydc Augen zu, kaustu im blinden treS'eii.
Codes. Wo Herr Kappentain, dat kan ick nicht behtcrcn, hebbick
doch man een Oge, vnd jy seeu, wenn wy sketeu wullen, skull wy
dat eene Oge tobe dohn, nu ick dat dahn liebbe, bin ick jo heel bliudt.
Hans. I, i, ij, hat mich denn der Teuifol mit lauter Narren
beschissen, der eine Dieb kan sich nicht bücken, der ander hat ein
krum Bein, der dritte nur ein Augo, einem jeden Haluncken fehlet
Aber sich da XoEu», wie atehustu Galgvögel so steilf?
Laban. Ey datz yw der Zeubel bohl, dabr jy stallt, menut eir,
datz ick nicht raolir arbeidtz gezahn hebbc alsu jy, my ys der Rügge
alteitz so slyfe.
Hans. Fluchest du mir abermahl du grober Rültz, par dicu ich
muss dich keilen (er wil jhn scblageii)-
Laban. Ey latzet dat blyfen, watz den Duubel schal datz be-
iden, eir habt michs jo befahlen, datz ich brafl' fluchen solte, ich
es so gubt ichs kan.
Hans, Ja, ja ich mercke wol, du bist mir ein Tauaendachelm,
I
140
du verzweiflfelter Bösewicht machest mir gahr zu viel leichtfertiger
Possen. Nun wollan Burss, ich habe euch vordissmahl mit Mussqueten
gedrillet, nun wollen wirs auch mit Degen versuchen, da will ich euch
lehren, wie jhr euch damit fortificiren sollet. Komme du erst her
Laban^ dass ich dich etwas im Degen vnterrichte, jhr andere, gebet
flcissig acht daraufi.
Laban (zeucht von Leder). Ja ja Herr Hopfifman, kämet man
an, (Ilans nimpt drey Degen zugleich in die Hand) Wo naum zum
Zeubel Herr CapflFtein, wil jy mit dre Zegens zogleiche fechtß.
Hans. Ey was geht dich dass an, dass ist so meine Manier.
Laban, Ein Hueiesfott ysset ock, myne Manner ys datz so nicht,
wilt eir fechten, so schmeitzet de anderen Zegens auss der Handt,
edder ist eur wohr so bange?
Hans. Was, bange? Nein auflf mein Secl, ich wolte mich wol
mit 10. Kerls zugleich herümmer hawen.
Labiin. Datz passieret; Ey haut nur einmahl mit vns drey.
Hans. Ey was, vor dissmahl habe ich keine Lust dazu.
Laban, Nun nun, so maket denn fohrtz, aber hastig, de anderen
Plitzcn auss der Fust, (Hans wirfft 2. Degen von sich, fechtet gahr
verzaget, kriegt von Laban mit dem flachen Degen ziemliche Ohrfeigen,
eudtlich lesset er den Degen fallen, schüttelt den Kopß, vnd spricht)
Haus. Ey lasset vns die Narrey vor dissmahl bleiben lassen,
auff ein andermahl mehr, ich habe doch gahr keine courage oder
Lust jtzundt zu fechte.
Laban, Ho ho, Herr HopfFman ho ho, ligt eur das Hartze all
in der Brouch? Wo jhr seden yo jetzunder jy wulden eur well mit
10. Kerls tho geleich balgen.
Hans. Ein Schiess auff deine Nase, du Berenheuter, warumb
solte ich mich muthwillig in Gefahr geben, meinest du Cujofi^ dass
an mir alss einem wolbestalten Capitain nicht etwas mehr gelegen
ist, alss an dir vnd deines gleichen kaalcn Haluncken, wenn ich ge-
schlagen bin, so ist auch die gantze Gonipagnie getrennet, drumb halts
Maul davon. Nun jhr beide Codes vnnd Loripes müsset auch mit
Degen drillen lernen.
Loripes. Myn hälfe ick frage nichs nah, kum du man an, Codes.
(Sie gehen zusammen, vnnd fechten gahr erbärmlich, der mit dem
krummen Bein feit o£Ft zu bodem, der Einäugige kan nicht recht
trefl'on, schlegt allezeit bey zu, in dem wird in der Scena die Trummel
gerühret vnd starck geschossen, Hans stehet, zittert vnd bebet, vnd
feiigt gahr eugstiglich au halb weinend zu ruffen.)
Hans. Potz hundert tausend schlappermest, wie will dass werde,
das ist bey Gott ein gefehrlicher Trummelschlag, ach ach was wird
das Schiessen bedeuten, ich halte eigentlich es wird der Feindt seyn.
Laban, Wo nu thom Deubel Herr Capflftzen, wo staht jhr vnd
befet also, alss wollet jhr in die Brouch schiten, wo datz Scheten
dass zuhn vnser egen Volck, jhr wetzet jo woU, dass die beyde Junge
Printzon jhr Volck Muntzeren, ist eur dahr so bange vor.
147
Hans (bebet immer fobrt). Ey was bange, was bange, venns
nor der Feindt nicht wehr, Baras machet ewer Gewehr fertig, wir
tnüasen vna bey dem Element frisuh wehren (er ziehet von Leder,
leufft doch immer hinder seine Soldaten alss wolte er sich verbergen)
frisch führt Burss, frisch fohrt, hey lustig wehret euch.
Laban. Herr Caffzein eir habet gut brüdent, wilt jhr Caffzein
syn, so scheret auch vor an, vnnd hebbet den Deubbel aufl" den Kop.
(Nun wird immer stärcker geschossen vnd getruralot)
Hans. I'otn oleraent das ist gcfehrllch, das Volck kumpt neger,
nun ist es laufTens zeit, stehet jhr frisch Burss, ich will mehr Hülffe
holen, ich komme alsobald wieder, (er wirfft Trommel vnd Degen von
sich vnd leufft davon)
Liiban. Ja ja, wol wiederkommen, laufTe nun wer lauffon kan.
(Sie werfFen alle drey jhr Gewehr von sich vnd lauffen davon.)
(Nun wird noch etliche mahl starck geschosäen vnd geblasen.)
An diese zum grösseren Theil im missingischen ISoldatenjargon
vorgeführte Episode schliesst sich eine für die nd. Sprachforschung
weil werlhvoUere Scene, worin sich ein amüsanter Liebeshandel der
tapferen Vaterlandsvertheidigor abspielt.
INTERSCENIUM ACTUS SECUNDL
PERSONA.
Telsche die Jungfraw, Hans Knapkäse, Laban der Bawrenknecht,
Lurco der Aulachneider.
TEIsche (gehet allein auff). Summe Gott, ydt ys likers ein
selsssam Dinck inner Warlt, ydt geiter likera wunierlik her, sünnerlik
mitten! frien: Ys dat nicht ein bedrövet Hanuel'), dat alle Kerls nu
wilt dull werden, vnde mitter tydt alle de Bengels, de kuhm dröge
achter den Ohren syn, willen Wyfer hebben, denn dat weht ick by
my süluest woll: Ick hehbe ock ree so maunigen Frier bat, dat ydt
ein grouwel anthohören ys, man ick hehbe se ock ein dehla redlikea
lahti'n aiilopen, Wen de jungen Bradtvögels so erst anquemen, vnde
my düchte datter wat Gcldt by was, so stehle ick my jegen ae ydel
früuillick, vnde gaff ebnen ao gude Worde, dar de dummen DUvels
vaken so lustig auer würden, dat se spenderden all wat se im Iluse
vnnd Have hadden, man wenn my den vpt lateate düchte, dat de
ripcsten Fedderen darvan vnd eer Gelleken vp was, so gafl' ick ebnen
de Schüffel, edder alse man ydt an anderen Ohrdeii nömet, den Korff,
so gingen denn die Martelere, als ein Hundt de den Schwantz ver-
lahren helft, vnde klaweden sick wat achter den Ohren, dat ae ehr
gode Geldt so schendtliken vorictfelt hadden. Man nu dünkt my like
sehr mitter tydt, ddt ydt ao in de lenge den Stick nicht holten will,
ick moht oock man ins thor Ehre grypen. Auerst wennick so eenen
na mynera Koppe krigen künne, de wat rick wehre, vnde dat ao ein
schlicht Blodt edder dummen Itüfel wehre, (denn dahr wardt nu vaken
) Jetlinghaus, Laiiremberg.
iih (loch ein bedröffet Handel.
148
nah sehen) de kan man wat briiden, vndo dwingen alss man se hebben
will, wo man auerst so einen strammen edder brauen Kerel nimpt,
de sick mitter Welt wat hefft ümb de Ohren kilet, dem darff men
ydt so nicht beden. Nu nu, ick mag sehen wat Gott geuen will, ick
wellt doch woU dattidt nicht lange wahret, so hebbe ick echter ein
nien Frier, (Hans trit aufF, hat sein bestes Narrenkleidt angethan)
man wo he nicht na myriem Koppe ys, so Iaht ick ehn afflopen alse
ein ohlt Schiit, (nun sieht sie Hans) Auerst süe dahr, wat ys dat
für ein Narr watten duseiit Kranck wat mag de willon.
Ilans. . . . Einen sehr aussbündigen, hochglückseligen vnnd wol
fpMlifirirfen gnten Tag, hoch vnnd viel-ehren-tugendtreiche Jungfraw.
(machet abermahl grosse reverentz)
Telsche. Danck hebbet gude Fründt, weset willkahmen: wat ys
juw begehren?
Hans. Ach Ehrwürdige Damatzelle^ es ist zwahr mein begehren
nicht viel besonders, aber doch von grosser Wichtigkeit, vnnd mech-
tiger unportants.
Telsche. Ey wat jy segget, mag man ydt denn nicht wehten?
Hans. Ach ja, wolte ich doch ein Ducaten drumb geben, dass
jhr es ;ill wüstet: Ach höret doch mein alh^rliebstes Kiätzgen, ich bin
so schwerlich geschossen.
Telsche. Süe doch, sij jy schaten? Wohr ys dat gesehen, vor
der Lückstadt, edder vor der Krempe*)?
Hans. Ach elementische braue Dahme, jhr müsset es nicht so
verstehen, besondern ewre helltriefifende vnd fliessende Äuglein, so da
leuchten wie die glentzende Schleiffstein, haben mir mein verfauletes
Hertz dermassen zerfressen, durchbohret vnnd verschoren, dass ich
auch das Inftrnmcnt meines Lebens, ja auch meinen Adelichen Mann-
haftsten vnd wunderschönen Leib, dem langbeinichten Todt vnd Menschen-
fresser werde hingeben vnd fpendiren müssen, wo nicht jhr o alier-
ehrwürdigste Göttin euch meiner werdet erbarmen, vnd mich annehmen
vor ewren allerliebsten Hausshancn, dass ich mit den Flügelen meiner
beyhangenden Glieder, nemlich der Armen, das wunderbahre i^in^uiment
ewres allerachönsten goldtgelben Leibichens mög ümbfahen, erwärmen
vnd beschützen, vnd dass schwehre ich euch bcy meinen höchsten Ehren !
Telsche (verwundert sich). I, I, help Marie, help Peter, wat ys
my dat ein Narr! Ja de mahlet my dar ein Sennip her, dar ick
vam ersten so veele verstah alse vam lesten. Höret doch gude Fründt
vnd verdencket my nicht: Jy sydt wisse im Höuede nicht all tho woU
bewahret, woll pflegt woll so toh Praten.
Hans. Ach was praten, was praten? Hole mich mit gunst zu
reden der Kuckuck mit Leib, Seel vnd Füssen, habe ich euch nicht
so greulich, schrecklich, grimmig vnd abschewlich lieb, ich wolte euch
wol vor grosser Liebe im Arse lecken.
*) Belagert im dreissigjährigen Kriege (1627) durch die KaiserlicheD nnter
Wallcnsteia oder Pappenheim. Vgl. A. C. Lucht, Einzelnes zur Geschichte Qlück-
Btadts und Crempos. Glückstadt 1847 (Programm der Gelehrtenschule).
TelscLe, Pfui äy an du grauu Esol, wüst du frieu? Wust du
«in redlike Juiiffer hebbeu? Ja vorwahr bist woll eiitscbüldiget. Seht
doch iiifi wat he sick iDbildet: Drewes Dritm|}i;l '), Asinus Jücksauk,
hy dy ys niy so dünue, a]»s wenn uiick du Uubr up de Schu nitge,
du rechte Jüchengericbte i* Pfby wobr lebt man dy dofhV De Tango
her, da man dy mit iut Water drigt, dat man de Hanne nicht besohle,
bcrubl Sipp, heffst du ock FliJieV
Uane. Uehute Gott, behüte Gott, meine allers ubönste, liebste
vnd tugendtlichste Jungkfraw, wie ists doch müghch, dusa in ewrer
überauss trefliichen, ja greulichen Schünheit, eine so grosse Hai-tig-
keit verborgen seyn kau, insonderheit gegen einem so hocbberilhmbtun
CataJlier also ich bin.
Tülsche. Ey ja, dat dat yo nicht schlimmer werde, seht doch
■welck ein ehrbahr Kohfiiler, CaviÜcre meene ick! Ja du bist de rechte
fiast, seht doch: Jüclie ys dat ock Flesk'? Spurren syn dat ock Fiske?
Süe duch wat he sick inbildet. Liider vnd syn Mate, Haus mit dem
Uümmelcken, Iaht doch sehn, heiTälu ock Hänschen an? Wanne wo
stincket de Buhr na der verkrüderden Jüche, ja du, du bist jo woll
entschuldiget, bastu mau ein natteo Sack iimme, vnde eine Rüchen
Tppem Marse.
Hans. Wie nun zum Xeuffol, was bildet jhr euch endtlich wol
ein? Meinet jhr, dass jhr etwa eineu Cujon oder Narren für euch
habet? Sihe duch Anuumetieu*) Kinkanges, Schwiukschwaoges, vor
dem Marse ys yuw dat Hymbd tob lange, Agneao mit den fofl'tein
Titten , Annemetieu Buckes , Sybilleke mit der holten Ehrsskarre,
Wöbbeke mit der ströeren Klüve, Aleke mit der Bracken seh nute,
Orsclcke Dirikedam, du rechte Messhamel, Iaht Aleken t'ry gähn, tiss
ehr woll ehr im Schlape gedahn.
Telsche. I, Ij dat dick de qualm schlah allen Skrobbert henin,
dar du geist vnnd steist. 1, denket doch, Arent Plaltvoht wat du
sick inbildet I Drewes mit dem legen Lyfe, ja by dy Nesewahter ys
mick so foj, alss wanniick eine Lues anbojahnde, mit dy stickt mau
de Döhre tob, du rechte Lüetke Maen mit den Musselen, Hünske
Möbrachter, Magnus Fuelbehn, Matz Nieaenase, Cbel Waterbueck,
scher mick vht den Ogen.
Hans (wird gahr zornig). Potz schlappernieut wie werde ich
denn geschoren? Du leichtfertige Courannie, wilt du mich nicht habeu,
so lecke mich im Arse vnnd lass bleiben, ich wol an ein andereu
Ohrt kommen, da man etwas schönere vnd redlichere Jungkfrawen
äudet, vnnd aolte dich hessliches Rabenaas der Teuffei bescheissen.
Telsche, Gab, dat du lahm vnude kruni wahrest, allen Flegol
vnnd Berenheuter henin der du bist. (Hans schleichet vom Platz,
scLutlell den Koptf, vnd wincket mit dem Finger) Hefft mick de grotbe
Heuger by den Narren führet, ick kan nicht löuen, dat be se alle
) Oaedertz, RollcDbngen. b. TS.
) JelliugliauB, Lauremberg. s. 92. 'Jl. 1<J0,
viefe Iiadde, broclite jo bo ein seltzabm Schnack hervor, was ock jo
so NarrbafTtig vhtgekledet, (Lalian gebet autt) dat ick nicht wü<te
wat ick daruth makcn ekulde, Mao sühc doch, wat mag dat vor ein
we&en, de dahr küinptV
Lalan (bat eiu Beutel voll Geldl). Juch, lustig, hei couraß^\
hei lustig, nu trage ikker nicht ein Iluniesl'ott mtbr nah, hei frisk,
jucb hei, lustig holla, ick bebbe nu GcUes vnnd Godes genocb, de
Knüfel niüchto nu lenger ein Saldate wesen. Nu Gott loffvnde danck,
dat myn ole Vaer vnde Mome so fyn süuerken van düier Warelt syndt
affescbcden, twas ock böge Tydt, dat se ins stüruen, my heäter ock
all so mannige leue Jabr na verlanget, dattick inss by de ölen Daler-
kena cjuehme. Nu ys ydt inse lücket, mau alle myn liffske Dage hadde
ichet nicht louct, dut use Möme de ölen Josephs Üahlers vnde gladden
Teiuschilling stUcke, so htipsken badde in de Kante settet, de kabmet
my nu summe Gott rechte woll tob passe. Nu hebket, alsket hebben
will. lek hebbe ein goht Höd'te, dartbo woll 10. Morgen Lannes,
8. stücke Queckes, twee gude Rubneu, twee Töten, elfen pabr Dut'en,
vnde süss noch allerley Uussrabt van eggen vnde ploegen, vntidij in
duiem ßüdcl hebbo ick ock ein passelck deleken redt Geldt, nu man-
gelt my nu nichtes mehr, alas man ein egen Wyff, dahr ick by schla-
pen kun, vnda demick de Hussbollinge wat in acht uübme,
Telsche (ad Spcciatores) Dat wehre woll de rechte Gast, ick
marcke woll de befft Geldt, de ehm dat affbriiden künde dat wobre
hoch tydt.
Laban. Ick gab siiste, viide dencke ümmeher, hier vnde dar,
wohr ick doch so eene kriegen könde, de my tob passe wehre, kwull
woll dat so frabm wehre, vnde dat ae ock wat glat ümb den Scbuauel
wehre, vuude dat se ock wat velo Gelles badde. (Nun siebt er
Telscben) Man süe dar, dar steit eene, wat mag dat vor eene wesen?
My düncket lükers, datkse woll ehr sehen hebbe, tiss ein gauwe Teue,
kmuttse man inss anspreken, vnude boren wat se secht. (er gehet
zu jhr) Goien Dach, goieu Dach Juuffer, wat mak jy doch gocs.
Telsche. Danck hebbet, weset willkabmen gude Fründt.
Labav. Hebbet jy danck, ja wo isset den, sy jy so allene?
Telscbe. Ja hier sebket so wat an, kabmet settet juw hier wat
dahl, vnde doht my ein weinig selschop.
Laban. Ick dancke juw, ick bin nicht rechte möde.
Teiacbe, Ey dorcb Gott, settet juw wat, settet juw doch, ehr
jy möde ward ct.
Laban. Nu Junffer, dewyle dat jy my so nötiget, so maggick
my ein betien dalen, cy kabmet jy doch den ock ein bülick by my sitten.
Telscbe, Wo ja van Harten guren (sie setzen sich).
Laban (weiss nicht was er sagen soll, febct doch endtlicb also
') J. V. Andreje, Turbo 1616. II, 1 : Currafebi. Loccius, Vom Terlorneii Sohn
111,5: Hay! kuronti! Tisclieler Geaclleu Fastelabifiid-Spiel. 13: Curari. Jeittelea,
GeBellenlied (Srhoorrs Arclüv IX, iJBT): Kuraacbi, Ramaschi. Vgl. t'riedpjauchtEGDdei
Teutschland erstes Zwisthenspiel. '^M
151
■ den Hussniiiu, ifk iia^iö '
Q seggct doch, lüstot jiiw
ock
ID) Tias Gott loff eiu guht Wedder vü
pe Beeste skölet ditt Jahr woll dien.
Telsche, Ja dut kan scheen, ms
|robr eins tho drinckeaV
Liiban. Ja wenn jy wat haddtn, ick versegge den Ilereu iienen Toeg.
Tuladie. Verdencket my nicht dattick juw so alleue lalito, ick
Will atrax wedder by juw wesen. {gehet ab )
Laian (alleiiie), Nun sittick hier alae ein anier Hunneafott, vnd
_i»eht nicht wattick seggen akall, kwuU wtill dattset wüste dattick na
ehr frien wall, man ick darffet so nicht driste wagen, (Telsche kompt
wieder) kunikse dar man ins by kriegen, datkse ins leetf haddc, bo
skult woll angahn, man BÜe, dar knmpt dat leue Aass all wedder
'ibo di'illen, tisa semme Gott likers ein schmucke Tefe,
Telacbe. Weset willkamen.
Laban. Danck hebbet.
Telsche, hat ein Glasa vnd Kanne Bier, achencket frisch ein,
Irinckct Laban zu vnd nöhtiget jhn sehr fleisaig, endtlicb so wagts
Aban, vnd spricht.
Lahan. Junfter wo düncket juw, wullie wohr nicht mitter tydt frien?
Telsche. Datten weht ick nicht gude Fründt, mit vörlöff dat
ick juw frage, wo ys doch juw Nähme?
Lahan. Wo, vorlöfea genocb, myn Nähme ys Laban.
Telsche. Ja Laban, jy seht myne Gelegenheit woll, ick bin noch
V&t Jungk, ick liebbc noch ein halffstige Jahr tydt,
Laban. I, Junffer wo jy nu schnacket, ne, ne, twer nu juwe
Pffechte euen Tydt. Man holt my ydt tho goe Junffer Telsche; Gott
gene dat my de barlicke Knüuel hale, wo ick dehren weht in düien
heelen Lanne, de ick vor myne Parsohn leuer hebben wuU tohm
echten Gaden alse juw.
Telsche. Ick dancke juw desa Laban, ja, dar stünne noch van
loh schnacken.
lAiban. Dat ismk leeff, dafc jy so segget, man dar wuU ick juw
boU flitig ümme beden hebben, jy wuUen my doch neenen langen
Pach selten.
Telsche. Neen ick summe Gott, vppet allerhögste söss edder
lonen Weken.
Laban. Nu, nu, dar binnick mee toh freen, dar gelt ydt einmahl up.
Telsche. Woll bekabm ydt juw. Man höret doch Lahan, will
r nicht ein betien lydtkorten, vnd wat in de Kabrte speien.
Laban. Wo ja mynenthafffen, ick frager nu hundert vnd twintjg
hisendt Elemente nah.
(Nu fahen sie an zu spielen, Telsche gewinnet jhm zum theil
blas Geldt ab, icum theil stielet sie es jbm, vnter dessen seuffet Laban
frisch fohrt, vnd wie er nun halb voll ist, spricht er.)
Laban. Wo isset Telsche, skullem hier wohr nicht ein Speelman
kriegen könen.
152
Telsche. Wo ja, schele Bartelt, vnnde syn Mähte de finnige
Lammert, de wähnet hie dichte by, kwill man gähn vnde ropen se inu.
(Telsche kommet mit den Spielleutcn^ Laban jauchtzet, vnd singet
in die Geigen, tantzet mit Telschen auflf dem Platze herümmer, spen-
dieret jhncn in die Geigen, vnter dessen stehet Hans, vnnd gucket
aufifs Theafrum^ endtlich kompt er Lerauss mit einem guten stitrcken
Prügel, fehet an zu schreien.)
Hans. Sa, sa, sa sa, finde ich dich hier du ehrlicher Vogel, du
verlauifener Schelm, harre harre, nun will ich dir die 3. Reichsthaler
auss dem Kopffe schlage, die ich dir habe auff die Handt gebe.
(Iliemit schlecht er tapffer aufi* ihn zu, Laban leufft immer vorher,
schreiet Mordio^ Mordio^ Hans aber jaget jhn sampt den Spiellcuten
auflf dem Platze herümmer, vnterdessen stehet Telsche vnd lachet von
Hertzen, endtlich lauffen sie gahr davon, Hans schnaubet wie ein Behr,
geht zu Telschen vnnd spricht.)
Hans. So, so, muss man seine refcnfie suchen, wie düncket euch
nun bey mir, meine hochehrentugentreiche Jungkfraw, wie gefiehl euch
dieser Scharmützel? Habe ich mich nicht frisch gehalten, vnd die
Berenheuter tapffer gekeilet? Nein Per dicu^ ich fürchte mich nicht
vor 20. Kerls, wenn ich schon gantz mutter alleine bin.
Telsche. Nu summe Gott, dat moth ick seggen, alle myn liffske
Leuedage hadde icket nicht löuet, dat jy so ein Hart in juwen Pans-
sen hat hadden, man seget my, worürab schlöge jy doch den armen
Düfel so, wat hadde jy mit ehm toh dohn?
Hans. Ey der leichtfertiger Schelm hat vor diesem vnter meiner
Compagnie gedienet, vnnd ich habe jhm etliche Gelder auff die Handt
geben, aber der Galgendieb ist mir damit eutloffen.
Telsche. Ey so höre ick woll, jy sydt ein Böuerste, dat hebbick
toh vören nicht wüst.
Hans. Ja, was ist das, ich bin all vor 10. Jahren Major ge-
wesen, aber sagt mir doch meine ahrtige, schmucke, schöne, braue
Jungkfraw, worumb habt jhr mich zuvorn so elementisch aussgemachet,
also einen Beutelschneider, es war schier ein bissen zu viel.
Telsche. Herr Major verdenckt ydt my nicht, ick meende
warhafftig, dat ydt juw ernst nicht was, dat jy my hebbon wullen,
dartho was ydt ock man myn kortwill.
Hans. Was, nicht Ernst seyn? ich habe euch noch diese Stunde
so gottsjämmerlich lieb, dass ich scliier toll vnd vusinnig darüber
werde.
Telsche. Ja Her Capitein jy seht woll, den Gesellen ys so nicht
allerdinges toh truwen. Man höret inss, ick will juw eener wegen
mit braberen, wo jy my dat toh willen doht, so will ick woll löuen,
dat ydt juw rechte Ernst ys.
Hans. Was? Ich wolte lieber, dass mir die Leber zur Lenden
herausB geschnitten wehre, wenn ich nicht ourenthalben thun wolte
alles was jhr nur begehret, meine kleine, feine, reine, braue Jungk-
, eurentbalben wolle ich wot liiss nach Rom, ja wol hiiiiJeit Meil-
iregcs lauffcn.
Telache. Nu nu Her Büuerstc, ich truwe juwemi Worden, SL'hfc
hebbick einen Sack, will jy darin krupen, viiiide niy toh willen
Tide gefallen man eene Nacht darinne schlapen, so will icket woll
lialde marcken, effte ydt juw Ernst ys, vnnde wer jy my van grunilt
juwes Harten leeff liebbet.
Hana. Potn ackcrmest, wo das ist eine schlechte Sache, in einen
Sack kriechen, ich wolte ewrenthalben wol zwantzig tausendt Nachtu
darinnen schlaffen.
Telscbe. Nu nu, myn allerleueste, nu sehe ick dat jy my recht
van Harten meenet, nu dcyt miet ydel leedt, dat ick juw nicht ehr
leeff hat hcbbe, Nu so krupet dar mann henin, vnnde ligget ock ydel
Btillo, man dat soggo ick juw vor allen dingen, jy raShtet by Line
vnde Halse vor allen dingen nicht een Wörtlien apreken.
Hans. Ja, ja mein Hertzgen, ich will gerne alles tbun was
jhr mir befehlet. (Nun kreucht er mit aeltzahmen Ccremonlcn in den
Sack, machet viel Auffzüge dabcy ehe er hinein kompt. Telsche geht
^^ von jhm, vnd spricht zu den Speclatoribus :) Ys my dat nicht ein
^H^redliko Kortwyl, dat sick de Narr so in den Sack brüden leht, dar
^HSnag he nu liggen, dat he krumm vndo dröge wardt, de erste de dar
^^Bman wedder kumpt, den will ick vp eiu andere Maneer vpthen, (Lurco
^Fgehet auff) denn dat ys myn gröteste Lust, de ick vpper Warlt hebbe,
^B datlick de jungen Schiiusshanen so anfdhren vunde tumlen mag. Man
^ft Büe doch, kumpt dar nicht myu ole Frier her, de Grohtspreker Lurco? ^)
^ Ja summe Gott he ysst, nu, den mobt ick ock redlik brüden, do yaset
wehrt, he äbiill rechtschapen ankamen, dat laue ick ehm.
Lurco, Du lieber Gott, was ist es doch ein seltzabmer Handel
au£f dieser Welt, dass sich die Menschen auff so mancberley Ahrt
Bmd Weise müssen ernehreu. Aber sich da, woher, woher? Glück
BU, hochehrontugendtreiche Jungkfraw, wie gehts, wie stehts?
Telsche. Ick dancke juw fründtlick Slonsür Lurco, wor hebhe
jy so lange steken, dat men juw nicht ins heÖt kÖnen tob sehende
kriegen ?
Lurco. Ach halbgöttliche Jungkfraw . , . was bah ich mich die
Zeit über gegremet, , . . dass ich mir auch endtlich vorgenommen,
wofeni ich ewren schönen viereckichten vnd klaBV-rmeasigen Leib
nicht würde vor mein eigen bekommen, mich selber allsobaldt mit
einem hauffonen, zuziehenden Inftrument henckermeasig an einem
»Baum zu kuupffen vnnd meine Ydvamorirte Seele auss dem zermarteteu
Cörper, gaiitz vnd gar hinweg zu fpediren, das ist (kürtzlich geredet)
sterben.
Telscbe. AVo ou Monsör Lurco, hehöde Gott davor, dat ys
(kort geredet) beugen, wehte jy nicht dat dat eeueu plegt im Halae
weh toh dohn? Auerst my düucket dat syn man Würde mit juw,
') So licisst auch der Schlemmer bei Dcdekiud, Miles Christiuuus. 1604.
154
wat leht sick nickt soggen, jy fraget de Süke na my, ick löue wenn
ick juw um ein geringe Ding bede, jy skullent my woll kubm tob
gefallen dohn.
Luno. Was liochehrentugendtreiche Dalim? zwciffelt jbr noch
an meiner ofltprobierten, pyaenfestcn, sWiiiharten TrewV Begebret
nur von mir was jbr wollet, ich soll es eucb gewehren, ja solte ich
auch ewrenthalben durch ein brennendes Fewer dass eine halbe Meile
breit wehre, laufi'en oder auch in einen Brunnen, der 50000. Klaffier
tieff wehre, springen, ja ich wolte mir ewrer Liebe wegen, wol Arm
vnd Bein abhawen.
Tclscbe. Behiide Gott Juncker Lurco, wo nu toh? Dat begehre
ick nicht, dat jy juw minenthaluen Arm vnde Been affliauwen, edder
in den Soht vnd durch dat Füer springen skullet; Neen, dobt my
man so vehle toh willen, vnnde blyfet my eene Nacht by dem Sacke
stübn de jent hen ligt, dar hebbick ein leuendig Deert in, dat my dat
man ncmandt wegnimpt, man jy mühtet den Sack by lyue nicht up-
maken, ock neen Wort darby spreken, wo jy my düsse P'ründtschop
dohn wilt, so kan ick juw sekerlick trunreo, dat jy my van Harten
meenet vnde leeff hebbet.
Lxtrco. bo Jungkfraw Telsche, was ist das? Ewrenthalben
wolte ich wol hundert Nachte im tiefesten Schnee stehen, ja wens
auch Bickelstoine fröre.
Telsche. Och neen dat wehre toh veel, blyfet jy hier man düsse
eene Nacht, man seht jo by liue toh, dat jy dar neen Wohrt by spreket.
Lurco. Dass soll kein noht haben, ich will schweigen alss ein
Stein, vnd stebn alss ein Mann.
Telsche. Nun Gott bewahre juw myn leue Lurco.
Lurco. Vnd euch mein allerUebstes Kindt.
(Lurco stehet gahr stillschweigendt bey dem Sacke, Hans liej
drinnen vnd bebet, Telsche lachet gahr hönisch vnd spricht zu
Speciatoribus.)
Telsche. Dat syn my ein pahr Narren auer alle Narren, de
eene let sick dartho brüden, dat he in den Sack krupt, (Laban gehet
auff) vnd de ander Geck steit darby vnde holt de Schiltwacht, dat
ehn neniandt wegstelen schal. Man sühe dahr, föbret nicht de Henger
den Laban dar weeder her?
Laban. Siie dahr, sUe dahr, Junfer Telse, goen Dach geuesk
Gott, ja finne ick juw hier noch?
Telsche. Ja Laban, noch bin ick hier. Man segget my doch
wohr thom krancket bleue jy tohvören?
Laban. Wohr skullick bliuen? Dahr föhrede de grothe Vhle
den schmächtigen Skrubbert den Hanss Knapkäsen her. vnd de Narren-
kop nam mik inss an vor ein gefrieter Capperal, man badik so wabr-
liken vpperstede wat inner Handt batt, alsk nu bebbe, he skull vor
angst de Brock vull schetun hehbeu, dat wulkem likers wol lauet
hebben. Man höret doch min allerleueste Telsche, wehte iy ock noch
:g^
165
EvdI wat iy vppersten seden, clat iy mick liebbeii wullen vnd iy micl
t'Ock Denen langen Dach setten wuUc.
Telaolie. Ja Lahati datten weet ik noch jdel wol, man
ftdüiicket iy wilt my mau so wat tho hieti fahten, dat iss doch
l'.emst nicht, dat kanuick sachte dencken, ik bin so dumm niuht.
Laban. 1 Junfler Telache wo tbom Knüvet sy iy ao vnlöuiscb
f ik wul leuerst dat niy de Krauckt halede, wan ikt nicht hartÜken
Ijuenue, lijuet doch myneii worden, tiss by goUe min ernst.
Telsche. Nu Laban ik wil yuv twahr truweii, man cioerley
B.möchte iy my tho willu dohn, darwilltckyuw tiitigen vmmebedenhebbon.
Laban. Wo ja van harten gerea wilket dohn all wat iy mau
l^tebbeu wilt wenket mau weht.
Telsche. Nu nu, dat is recht. Seht doch iusB min gude Laban,
Idabr steith vp güunen Orde ein Kerel, de heft eiu Kalff im Sacke,
'-Tnd dat wullick wol gerne van ehm hebben, man he willet nicht missen,
' doht iy doch dat beste, datt iy ydt van ehm krieget, mit gudc edder
mit quade. Ik weth wol iy sündt ein dulien Düfel de dar nicht veel
nah fraget, iy seht wol tho, wo iy ydt maket, dat iy my dat Kalff
lierbringet.
lAiban. Wo dat schal neen noht hebbeu, dabr willick sachte
[ mede tho rechte kamen, he ekat my dat Kalo' dohn, edder ick Bchla
I my mit ehm herdör, datter dat rode Sap na gelht^), ik frager nicht
«in Hunieafott nah, kwill mau strax tho ehm hengaho, dat KalfE isa
all min. (gehet hin zu jhm)
Telsche ad Spechfoi-es. Help Godt dahr hebbick de Narren Iho
hope skünuet, dar wart wol ein herlick Leuendt vth wahren. (Telsche
r schleichet heimlich vom Platze.)
Laban ad Lurconait. Goien Dach, goien Dach Friiudt.
(Lurco. Wincket mit dem Kopfe spricht aber kein Wordt.)
Laban. Goien dach iy Mann, höre iy nicht?
(Lurco. Wincket abermahl vn sieht gar böse auss.)
Laban (zeucht Lurconem beym ärmel). Hört hier goie Fründt,
^■wo dübr dat Kalff im Sacke.
(Lurco. stosset jhu zornig zuriicke.)
Laban. Wo uu thom Diifel, wo ysset mit dy wat schadt dick,
bist du stumm, doh de Flabbe vp vud sprick.
(Lurco wincket abermahl dass er schweigen soll.)
Laban. Watten feldtswunien skadt dem Kerel V U he ock rechte
I wysaV Wult du spreken so sprick, edder di skall de störten schite
f:in de Keke fahren.
(Lurco stösset jhn abermalil im zorn zurücke.)
') Simplidssimus. 50 u. 176: dass der rotlie Sufft hernach ging. 111: daas
[ Mlichen der rotbe Saffi über die Ohren lieff. Propcmpticou Tillfciim, TillyeclieB
' aifick auf die Reise. Oderr Mngdeburgisehe« Btu[ . . , 16äl. (HiBloriachüs Gedicht
"8 dem dreiisigjährigen Kriege) Vera 74 f.: Herr Tilly, Bebt euch um, sobt, wie
r Scbwede aiehet, Dass eucli der roihe Sal't aber die Blicken gehut. Vgl. Friede-
' jauchtzondes Teutschland zweites Zwischenspiel.
nick ^1
yuw ^H
I
156
Laban. Nu nu, ecliwiog du so langt
ik gab niittem Kaluc dör.
(Laban grciffet nach dem Sacke, Ilauss zittert viid bcbüt dariuiicn.)
Lurca feliut an zu redt'u: Du Bereuhuuter lass niier liie deu Sack
liege», oder wir worden vub so dariimb zerkcilen, dass die Iluudc das
Blüht mitt Lauffen lecken.
Laban. Wo du wult mick likers wol jo nicht Treten, nu wilket
likera hebben, vnd süe dat frage ik nah dy. (schlegt eiu Kuipchun-J
Lurco. Dier sol gleichwol der Hencker baldt auff die Ohiea
fahren, wo du mich beginnest zu cujoniren.
Laban. Cujaneren hen, cajaneren her, ik gah mitten Sacke di
(greiflet abermalö darnach) Ltirco schlegt auff jho zu, Laban wehrt
sich, zauaen sich also wacker auff dem Theatro herümb, biss endllich
HuDSB im Sacke beginnet zu schreyen: Hola hola jhr Herren, wie zum
Teufel seid jhr toll. Hanss stehet autf, hat den Sack noch halb über
dem Leibe, Lurco vn Laban erschrecken lür flanss seiuum Geschroy,
lauffen hinein, Hansa schleget landen nach, vud K-uÖ't auch eadlti'
mit hinein.
FINIS INTEUSGENII
ACTVS SECVNDI.
Diese Scone ist besonders drastisch und dramatisch bewegt; eitt-'
gleich munterer uud spaa^hafter Humor, so viel Inhalt und verhältnis-
mässig so viel Handlung tinden sich in di'n nd. Zwischenspielen nicht
häufig Verschiedene Momente treffen wir denn auch im , Ratio Status'
beinahe unverändert wieder, jedoch fast ausschliesslich nur die hoch- ,
deutsch abgefassten. Die wenigen nd. Parallelsteltea siud folgende, h
Perseus. Interscenium actus primi. M
Labnn. Wo nn thom Deube! Herr Capfitzeu, wo staht jhr vnd ■
befct also, alss wollet jhr in die Brouch schiteu ... ist eur dahr so
bange vor ... eir habet gut brüdent, wilt jhr Caflzein syn, so scheret
auch vor an, vnnd hebbet den Deubel auff den Kop.
Ratio Statns. Der amlern Handlung zwischen Spiel.
Soldat. Wo nu Herr Kaözein, wo zittert euer das Hart im Lyfe
so? Ist euer denn wohr so bange dass jhr ju achter uns verstecken?
Brüht hinder uns weg und gabt voran, wolt jhr unser Kiiffzcge gyn,
und habt euch zausend Zeul'els auff den Koff,
PerseilS. Interscenium actus seeundi.
Telsche. I, wat ys my dat ein Narrl Ja de mahlet my dar
ein Sennip her, dar ick vam ersten so veele verstah alse vara testen.
Ratio Statns. Der dritten Handlung zwischen Spiel.
Geske. Ji de Kerl makt mick dar en Schnack hehr, dar ick
so vehi van verstah, als uuse Koh.
Während Ristens , Perseus' die besten hochdeutschen Scenen für
den Bearbeiter von ,Ratio Status' bat liefern müssen, wie ich ander-
tea
irel^
)er
1
157
wärts darlegen werde, ist specicll durch den nd. Theil ein origineUL>r
Dichter angeregt worden, nämlich Hermann Heinrich Scher von Jever.
Derselbe schrieb eine Waldkomödie: New-erbawte | Kohäferey 1 Von
der Liebe Dapknis \ vnd Vhryfilla, | Neben | Kinera anmuLigen Aiiff- 1
ziige vom I Schafe-tJiub, | Hamburg, | Gedrurkt bey Jacob Rebentein, |
Im Jahr 163S. — 8". (Kxemplar: Künigl. Bibliothek Berlin.) Dieser
nd. Bauernanfzug vom Schardiebe zeigt Aehnlichkeiten mit einzelnen
nd. Kpisod(.^n des Perseus, und auch späterhin sehen wir, dass Scher
fils nd. Puet boi uns<^rem Rist in die Schule gegangen ist. Lappeii-
berg in seiner Ausgabe des Lauremberg (S. 2g8. und S. 257 f.) be-
schäftigt sich mit dem Stücke Scherens und weist dessen Abhängig-
keit vom Ulenspiegel nach, ohne die noch auffälligere von Rist gewahr
zu werden. Vollständige Scenen sind allerdings nicht herübergenommen,
denn Scher erscheint als denkender Dichter und nicht als Plagiator
wie der namenlose Fabrikant von , Ratio Status'; dagegen hat er
charakteristische Redensarten und Motive verwerthet sowie mehrere
Figuren den Ristischen Vorbildern nachgezeichnet, Den Namen Asmus
und Alheit begegnen wir auch hier. Letztere kaull für Telsches
Schwester gelten; sie nutzt auf gleiche Manier ihren Liebhaber d- h.
dessen Geldbeutel aus, um ihn darauf laufen zu lassen. Der Fecht-
meister Heine Vnverzagt ist ein Pendant zu Hans Knapkiise. „\iO
wunnerlick dattet man hergeit iiier Welt: wo seltsam datsk glück man
verendert," heisst es (Bl. üvh) als Einleitung der ersten Continuation
vom Schafdiebe; im Perseus wird das Interscenium des zweiten Aktes
mit den Worten eniffnet: „Summe Gott, jdt ys likers ein sellsssam
Dinck inner Warlt, ydt geiter likers wunierlik her." Der Frage „Wo
Watten krancket, wat ys dat? wo stellt sick düye Korll so besuket
an? Wat mag he wol im Schilde föhren?" (Bl. Hij) liegt offenbar
folgender Satz zu Grunde: „Auerst süc dahr, wat ys dat für ein Narr
watten duacnt Kranck wat mag da willen." Hemcrkenswerth sind
noch Uebereinstiramungen wie:
Y datck nu de grote Vhle biete, dar de geist vn dar de
steist. Scher Hv'i.
(I, I, dat dick de qualm sehiah, dar du geist vnnd steist.
Rist Interac. act. \l. de grothe Vhle. lilst ibid.)
Wo dat wete gy jo wol. Hier is keen bcter Kerll inner
Dorpschop asse gy, wen scholeck denn leever hebben? . . ,
Nu dar hebbe gy my sülves tho juwen echten Mail, . . . Ick
dancke juw. Scker Mv'.
(, . . wo ick dehren weht in dUien heelen Lanne, de ick
vor myne Parsohn leuer hebben wull tohm echten Qaden alse
juw. Ick dancke juw. Rist ibid.)
Tiss likers een fine Dorn. ScMr Mvf.
(tiss likers ein schmucke Tefo. Rist ibid.)
Wat isset doch en övel schlim dinck . . . Tmnht my doch
een vordwaaet Hannel syn. Scher Tij & Tvo.
I
^■^ 153
fydt ys likcrs ein seUssam Dinck ... \vi
scltzahmer Haudel. Rist ibid.)
Wor gy hen tho Huss höret? Ick hüre tho Huaa en hal'
Myel vanner HungerborcL vpiicr Armoth. Scher Dvc.
(man wo het juwo HarbargeV . , . nicht weit vom gross)
Eilende, gerade gegen di-r Hungergasseti über. Hisl I, 2.)
Gleichartige Wörter und Ausrufe wie: Hunnesfott, Skrobber,
Pütz tausent schlapiiernient, watten krankt, Wo hcbhcn vs de Keerlg
man tho hrüet (vns wat tho brüen fuhtet) usw. finden sich in Menge,
ebenfalls dialektische Aehnlichkeiten, unter denen das Pronomen düye
für düsae {disacj hervorzuheben ist. Noch klarer wird Ristens Eintluss
auf Scher xu Tage treten, sobald wir die Bekanntschaft mit dem letzten,
zum Theil niederdeutschen Drama unseres Dichters gemacht haben.
Im Jahre 163ij war Johann Rist nach dem, Hamburg benach-
barten, Holsteinischen Pfarrdorfe Wedel als Seelsorger berufen worden
und entwickelte als solcher eine segensreiche iThätigkeit in seiner,
Gemeinde. Die Schrecknisse des dreissigjährigen Krieges trafen am
ihn und die Sitnen hier hart, und es ist erstaunlich, wie in so trü'
Zeit seine Freudigkeit am poetischen Schaffen nicht erlahmte. Sei
Lieder und Kirchengesänge sind ausserordentlich zahlreich, nicht minder
seine Gelege nheitsschriften und seine leider zum grösateu Theil ab-
handen gekommenen Schauspiele. Die allgemeine Sehnsucht nach dem
Frieden dictierte ihm sein „Friede wünschend Teutschland" in die
Feder, das 1647 erschien und zu Hamburg unter lebhaftem Beifall
aufgeführt ward. Eine Aullage jagte die andere; und als endlich die
Verkündigung des Friedens zur Wahrheit geworden, schrieb Rist als
Fortsetzung ,Diis Friedejauchtzeude Teutschland", welches um mehren
nd. Scenen willen besonders interessiert. Es sollte gleichfalls von de)
Gesellschaft des Andreas Gärtner in Hamburg dargestellt werden^
welche schon das erstgenannte Stück daselbst gespielt hatte. Gärtner
scheint aber durch irgend einen widrigen Zufall damals seinen Auf-
enthaltsort Danzig nicht verlassen zu haben; er kam nicht, und die
Belörderung zum Drucke wurde dadurch länger als ein Jahr gehemmt.
Der Titel lautet: Das Friedejauchende [sie!] | Teutschland, | Welches, |
Vermittelst eines neuen Schau- | Spieles, theils in ungebundener, tbeils |
in gebundener Rede und anrauhti- | gen Liederen 1 Mit neuen, von |
Herrn Michael Jakobi, bey der | löblichen Stadt Lüneburg wolbestel-
tem I Cantore und fürtreiflichem Mufico, \ künst- und lieblich gesetzten
Melodeien, | Denen, mit guter Ruhe und Frieden nun- | mehr wol-
beseligtenTeutsclien, [ Teutsch und treumeinentlich | vorstellet | Johann
Riat. [ Nürnberg, I In Verlegung Wolffgang dess Jüngern, | und Johann
Andrere Endtern. ( 1653. — 20 Bl. u. 21)2 S. 8". (Exemplare nicht selten.)
Das Stück kann als Vorläufer der bald zur Herrschaft gelangenden
Opern oder Singspiele betrachtet werden: es enthält mit Notenbeilagen
versehene Lieder, unter denen sich die zwei niederdeutschen textlich
und rythmisch auszeichnen- Das „Freudentied eines Bauern über den
Frieden" nahm der Herausgeber -Üer VortrL'Ulichstcn Teutschen'^
159
Poeten verfertigte Meister-Stücke '^ 1725 iu seine Sammlung (IV, 33 f.)
auf, weil er es zu Ristens ;,unvorgreiflFlich besten Versen" zählt.
Dasselbe leitet ^^Dess Friedojauchtzenden Teutschlandes erstes Zwischen-
spiel*^ ein, wie folgt:
(Hie kommen auf den Platz zween Bauren, der einer beisset
Drewes Kikintlag, der andere Beneke Dudeldei, dieser spielt auf einer
Sackpfeiffe oder Scbalmey, oder Loire, oder was man dergleiche Bäu-
rischer Instrument eins zum besten kan haben, jener aber, nemlich
Drewes Kikintlag, singet darein folgendes Liedlein, wo bey er zugleich
tantzet vnd springet.)-
1.
Juchhei, juchhei, juch, wat geit id lustig tho,
wann ich so wat schlenter
hen nam Marcketenter,
Und versupe Hot und Schoo,
dat füllt mi de Panssen,
So kan ik braaf dansen, ja dansen, ja dansen.
2.
Lüstig, Lust ig, Lüstig Benke leve Broer,
Iaht din Ding ins klingen,
Kickintlag skal singen,
wo he sinen Fcncker schoer,
als he Göbken^) Wife
Führig wul toh live, tob live, tob live.
3.
Kikint, Kikint, Kikintlag schnect ehm ein Gatt,
Achter in den Koller,
Hei, reep unse Möller:
Drewes, worum deist du dat?
Wo wart he die Hüden
dar vor wedder brüen? Ja brüden, ja brüden!
4.
Ne du, Ne du, Ne du Deef, dat heft neen Noth,
Buren und Soldaten
dat sünd gode Maate, dat sünd Kammerate,
Wat? min Fenker ist ein Bloht:
he skal mit mi supen.
Edder sik verkrupen, verkrupen, verkrupen.
Degenwerth, Das mag mir wol ein schöner Gesang seyn, aus
welchem gleichwol zu muthmassen, dass diese Bauren mit den Sol-
daten in gar guter Vertrauligkeit leben, ist wol ein grosses Wunder,
dass bey diesen elenden Krieges-Zeiten die viel geplagte Land-Leute
') Göbke auch Göbbeke, Gabbecke, Wöbbeke, Frauenname; vgl. Rist, Perseus 11,
Interscenium. Gaedcrtz, Rollenbagen s. 53. 74. 127. Nachträglich eitlere ich noch
Lad« Holloniua, Freimut. 160S ; hier heisst des Bawrvoigt Hartmans Weib Wöbbdce.
160
sich noch so frölich können erzeigen! Ich muss gleicbwol ein wenig
mit ihnen reden, um zu vernehmen, auss was Ursachen sie sich mit
singen und spielen so lustig machen? [Er spricht zu den Bauren]
Glük zu meine Freunde, was habt doch ihr heute gutes getruncken,
dass ihr so frölich soyd.
Drewes Kikintlag. Ja, Danck hebbet, geve usk Gott! Wat
skulwe veele druncken hebben, als wor einen goien Söep Beer, ein
Käüneken Brännewin und ein paar Stige Pipen Tobak, und worummo
skul we nich lustig wesen? Ile jy Fründ? id düret jo man use leve
Dago. Juch, korasic, herum und umme.
Degenwerth. Mein Freund, ihr scheinet wol ein lustiger Kompan
zu seyn, aber, saget mir doch, wer hat das schöne Lied gemachet,
welches ihr gleich jetzt in dio Leire oder Sackpfeiife habt gesungen?
Drewes. Wenn jy id jo gerne weten wilt Junker, so hefft id
düsse redlike Kerl, de min Naber unnd min Vadder ist, Beneke Dudiddei
gemaket, ja Herr Junker, wat dünket uk dar wol bi, kan id nich passeren?
Degenwerth Ja freilich kan es wol passire, es muss dieser euer
Nachbar wol kein gemeiner Mann seyn, dieweil er solche treffliche
schöne Lieder weiss zu dichten.
Drewes. Ja, wat skult nich ein braf Kerl wesen? dat lö?et man
Juncker, Därmen heft he im Koppe, he iss in unserm Dorpe use be-
stellende liülkenspeler *), he is use Lyrendreior, he is use Fincken-
fanger, ho iss use Putzenmacker, he iss use Vördantzer, he is use Rimor,
he is use Limer, he is use Ledermacker, und wenn de Stadtlüe herut
kahmet, und höret sinen künstigen und kortzwiligen Schnak an, und dat
he so riraen und limen kan, so segge se, dat he ook een Paut*) iss, dat
verstah wi nu her im Dorpe so even nicht, wat dat vor Tilg is, man
dat segge ik juw, Juncker, wenn he und sin Mähte, Peter Loikam
tohope im Kroge sitten, so hebbet se vaken solken Jacht, unnd drivet
sülke Putzen, dat man sik dar tohandes dul mag aver lachen, ja id
sind mi Gäste, Juncker, sünderlik dusse Kumpen, Beneke, de kan
leeder maken, wen he man will.
Degenwerth. Nun, das muss ich sagen, so viel Künste hätte
ich hinter diesem euerem Nachbaren mit keinem Knebelspiesse ge-
sucliet, aber saget mir, ihr guten Leute, wie könnet ihr euch doch
bey diesen elenden Zeiten, da ihr an noch unter dem schweren Con-
fri/ßUtions, Joche, und so vielen anderen harten Kriegesbedrükkungen
sitzet, gleichwol mit singen unnd springen so frölich und lustig erzeigen?
Beneke. Schnik, schnak, schyht, scheet, wat hebben wi usk um
den Krieg to schehren? Krieg hen, Krieg her, wenn wi in uses Krögers,
Peter Langwammes, sinem Huse man frisk wat toh supen hebbet, so
*) Joach. Burmeister, XP'-^'^^^ 7re<pa<7[Aevo;. 1605. III, 3: Lülkendcy.
') Poet. — Freytag 1. c. 107: Der Bauer war in Tracht, in Sprache und
Liedern nicht modisch, wie die Städter, er gebrauchte gern alte derbe Worte, welche
der Bürger für unfläthig hielt. Doch deshalb war sein Leben nicht arm an Gemüth,
an Sitte, selbst nicht an Poesie. Noch hatte der verklingende deutsche Volksgesang
einiges Leben, und der Landmaun war der eifrigste Bewahrer desselben.
161
I
mag iil gabn als id geid, ein Sckelm de dar nich alle Dagc lusti
und goier Diuge mit ist
Degenwerth, Ohne allen ZweiÖol erzeiget ihr lieben Leute euch
desswegen so frulich, weil ihr veniommon, welcher gestalt, durch
somU'rbare Gültliche Verleihung, Giiiide und narmhertzigkeit, dem
Landverdorhlichtni Kriegesweaen nun bald wird seine KnclachalTt ge-
geben, unnd der güldene Friede dem hoehbedrängten Teutschlande
ehester Tage herwieder gebracht werden?
Drewes. NVat sehnakke iy dar Mudeöf? skolt Freede woren?
Dat wul jü wol den Düfcl hebben! [Fr stehet bestiirtzet.]
Degenwerth. Freylieh, mein lieber Freund, wird es, ob GOTT
will, bald, bald in unserra Teutschlande Friede worden.
Beneke, Dar heliöde usk jo de leive GOtt vor, Ja, ao luöchte
wi Seggen, dat wi use goien Dage nlle hadt hadden.
Degenwerth. Wie so mein guter Mann? wünschet ihr denn
nicht von Hertzen, dass ihr bald bald mit dem güldenen Friede mügi't
beseeliget, und das auasgemergclte Teutschland dermaleins viedrum
crqutkket werden, das konit mir fiirwar wunderlich vor!
Beneke. Neen Junker, dat höre jy jo wol, kwul loeverat, dat
ik ein Schelm were, als dat ik dat wünschen schuUe, dat it Frede würde,
Drewes. Dat segge ik bim Elemente ock, min leve Beneke-
Vnddcr, welker Düvel wull sik uppet nie van usen Papen und Beamten
alle Dage wat wedder scheeren unoe brüden Uten?
Degenwcrtli. Fy behüte mich der höhester Gott, was höre ich?
Wollet ihr elendu Leute noch lieber unter den heftigen Kncges/irc/yuren
leben, als unter eurer ordentlichen Obrigkeit in gutem GlUkke, er-
wünschtem Friede unnd stiller Ruhe sitzen?
Drewea. Is diit ok wol fragens wehrt Junker? Jy mühtet (mit
Vorlofj jo wol een dummen Düvel wesen, dat jy dat nicht verstahii
Icönet, im Kriege hebt idt de framen Husslüe dusendmahl beter, als
wenn idt Frede is, dat si wi uu eene tydlang wol wiss worden.
Degenwerth. Habet ihr bessere Sache zu Krieges als Friedens-
zeiten V Ich sage noch einmal, dass ich gar nicht verstehe, wie das
köote zugehen.
Drewes. Hört Munsür, wen jy id nich wehtet, ao mult ik id jnw
Seggen: Nu id Krieg is, und dat use Ovrigkeit usk niehs toh befehlen
heft, de Kriegers usk Ook so rechte veel nich mehr toh bruen und
toh scheren fahtet, wen wie man dem Büversten und den anderen
Affcncerders unse Tribuergelder tidess geiiog bethalen, so möge wie
dohn allent, watt wi wilt, dar möge wi so wol des Sondages unnd
hillige Dages, als dess "Warkeldages mit Wagen und Pagen, Ossen
und Töten, Junges und Deerenss warken unnd arbeiden, könt ok alle
de Fyrdage, ahne grohte Versümnisäe hüpsken in den Krog gaben
ilen Dag lustig herum teeren, tovören müsto wi vakß dea
Sondage Morgenas two heele Stünde in der Karken Bitten, datt eenen
de Ribhen im Live weh deden, nu günne wi usem Kroger Peter Lang-
wamss dat Geld, unde supen dar erst eoo good Oeaelken Branwin
162
vor in de Pansae, dar kan man den ein Vatt vul Spek und Kohl up
uht freien, dat eenen de Buk davan quabbelt. Und wen wi usk den
glik mit Kannen und Schrifhölteren im kroge dicht wat herüinmer-
kiblet, dat vaken een groht Pool Blodesa ünner dem Diske steit, so
dröfe wi daar nich straka Brocke vor gefu, alse wi eer Dages in
fredena tiden dohn müaten, Use olde Ovrigkeit heft uu Gott lof so
veel Macht nich, dat se eenen lahmen Hund uht den Avcn künne
lokken'), und use Pape heft ook dat Harte nicht, dat he usk dat
ringeste wohrt tlio wedderen segt, uil, wat heft he ook veel tho segge?
Maket he doch averlanck aillveat rechtschapen lustig mede, und plegt
manuigen leven Dag mit dem Feneker, Schreianten, Kapperabi, der
Sülverngarfe, de in usem Dörpe ligt, unnd wo de Skrubbera allmehi-
hebtet, bim Marketenter, edder ook bi uaem Krüger Lankwamss tho
Sitten, uude aüpt, dat be durnsen und kameren vull speit, all du
dnsent kranket, Junker, wat plegt id dar braf beer to g^bn, sünuerk
wen ick un Beneke fadder mit siuer Lyren ao Dag uü Nacht lüstig
mit herdör davet, singet und springet.
Degenwerth halb lachend: Wnriich ihr guten Leute, wie ich höre
so kans nicht wol fohlen, ihr müsset bey diesen Kriegeszeiten ein
recht sänberliches Leben führen.
Beneke. Ik meene man Junker, wi führet ein suvrik Leven, dat
id einem Minsken im Harten mag Insten. Avcrst, dat segge ik iuw,
Vadder Drewes heft id noch nich inss half verteilet, wo wi dorgabt.
wat plegge wi eine brave Jacht mit den Wifern und den Derenss
toh hebben, sünnerken wen Se mit usk im Kroge sittet un Iahtet dat
Iliinneken um den Kop gabu, und singet den: Labt Talkcn fric gähn,
labt Trinen frie grynen, labt Lisken frie krieasken, Ja, so meene Ik,
speie wi erst Pulter alarm, dat Öbnen de Rökke aver den Kop tohope
scblaht, den so heet id, atroh vor dat Gatt, Meken dat di, und worum
skul wi ook mit dem wifertuge nich wat jagt uß kortzwil hebben,
man darf dar io nene BrÖkc vor gefen, plegen unss doch de Soldaten
bi unsen Wiferen sülke putzen ook wol aüm tiden toh makeu'i'
Degenwerth. Ach Gott! wie führet ihr Leute ein Leben! Kaum
kan ich es glaubeu, dass euch der edle Friede, dessen ihr euch selber
so gar unwürdig machet, ao bald soll wieder gegeben werden. Aber,
meine Freunde, saget mir einmal, woher nehmet ihr doch die Mittel,
welche ihr in solcher Leichtfertigkeit und üppigem Leben, mit huren
und buhen, fressen und aauffen verzehret?
Drewea. Wo, Jy sid wol ein rechten duüien Düvel, Junker, dat
jy dat nicht webtet! Staat dar neue Börne nog im Holte, de wi
dual boven und naar Stadt führen köhnet? Ik hebbe vaken in cener
Wetn 80 veel Holt afhakket und verköft, daer !k een half Jahr die
Conlriiiutie von geven künen, tho deme skulle wi nicht ao drade wat
stehlen könen alss de Soldaten? Ja, ja Munsör, wie hebbet dat Musend
jo so fix lehret, als de besten Mueketerersa, wi drofet jo man aver
<) Bumtcislcr I. c. U, 3: Du kanst uceu Hund vthn Avcn locken.
163
tank uppem Passe, in der Buskaste, efte ook im Grafen liggen, unde
■]ühren up, wenner ao vornehme Aff'encerders, Kooplüde «ndo auner
Reisend Volk vor aver thiit, wanne du Krankt, wo plegge wi dar
Sankt toh hagelen, dat ee byr Sören eder bym Wagen dahl ligget,
k]s de Hegen edder Schniggen, dar make wI den frisko Cilhte und
I lalltet olmen nicht eeaen Faden an öhrem Lelen Life, und seht, Iluune
[ und Vösse niöhtot ook jo wat toh frehten hebben, und welker Diivel
'■wehtet den, efle id Buhreu edder Soldaten dahn hebben? Toh dülim
ook, Staat dar nicht een hupen Herrenhüse, Amtstaven und der geiiken
Gebiiwe leddig, dar mon de Finster, Miiersteene, llauensteene, Uehlen,
Balken, Iserwark, und wat euss noch nagelfast ist, licht utitbreken,
na der Statt führen unnd darsülvest Yor half Geld kan vorköpen?
Ol dar hebbe wi Huhslüde maningen stolten Dahler von maket! In
Sumniss Suminarium, wi möget dohn, watt wi wilt, wi moget den
Droose bi Tünnen eder bi Kiifen vollflokeu, wi möget usk schtaan
und huartagen, dat id man een last ist, wi müget mit den Wifern
utind den Derenss nedden und baven liggen, wi müget nehmen, wor
wat tho krigcn is, dar darf usk neen Düfel een Wofart van seggeu,
wen wi man tho acet, dat de Düversten eero Tribuergeld unnd wat
tho freten unnd wat tho supen kriget, so geid id im Krigo ilusend-
mahl behter her, als» do. id noch F'rede wass, neen nceu Junker, wil
tjy uae Fründ wesen, ao lask den nien Frede vanner Näscn.
Beueke. Dat segg ik ook, Vadder Drewess, Ik wul leverst, dat
BC alltobmahlcn de Kniivel weg hahlen, do dar do Lelpet, datt id
Frede skul werden, neen, neen, Iaht id dar man bi bliven, alas id all
piannig levc Jahr her wesen ist, uae Oevrigheit skul uak, went Frede
würde, wol uppet nie watt toh brüden und toh scheren fabten.
Degeuworth. der grossen BUndheitl . . .
Vnterdessen stehen die Bauren und sanETen einander auss einer
grossen hültzernen Kannen lustig zu, trinken auch Tobak bey einer
Lunten. In deme komt ein Soldat oder Korporal lierauss springen,
liihret duss Drewes Ktkintlag Frau bej der Hand, bertzot ufi küsset
, sie, hupfet un tantzet mit ihr herum und machet allerhand settzame
I leichtfertige Possen, dieses ersihet Drewes, der rufft mit lauter Stinie:
Wo nu tohm Henker, Kappral, wo geit dat toh? wo daafe jy
t njch aiiierss mit mincm Wifo? Weht jy nich, dat ao wat goodcs
[ doon skal, mag dat nicb ein betirig ringer wosenV Ik löve, dat jy
{ dul tfte vul sid !
Hans Hohn, Wie nau zum Zeufel, Herr Wirtz, mag ich eure
Frau ufl meine Leibste nicht einmal kützen, dar skal sie nicht von
p^tcrhen, sol Sie ein Kintz haben, wer weiss, wor der Vatzer darzu ist?
Drewes. Vaer toh wesen? dat haep Ik jo wol, dat ik dat bin,
ft-twul sur de störten krankheit hebben. Segge du dar mau de Wahrheit
rvan min leve Uöbbcke Wif, bin Ikker nich Vaer toh ufl skal dat Kind
rock nich lifliaftichen übt sehn als ik doh? hee du?
Göhbeke, Wo skult annerss uht sehn, rain harten trutcn Drewes
164
Vaer, Jy sünd jo min rechte echte Gaade^), und Jy hebt ok jo wol
teinmahl mehr, als die Kapparaal bi mik schlappen, dat weet jy ok
jo sülst wol?
Drewes. Ja, wo skul ik dat nich wehten? darmit isset den jo
nu klahr, und dat ik de rechte lifhaflftige Vaer thom Kifie bin, nich
so Munsör Kappral.
Hans Hohn. Ja, mein lieber Herr Wirtz, das Kindz sol Eur,
die Frau sol mein sein, so wahr ich Hanss Huhn heitze, ist das nicht
so recht, Wöbbeke, dar seided ihr ia alle beidze mit zu friedzen?
Drewes. Ik wehter bal den Diivel van, wol heer een den annem
wat brüet, wat diinkter dik hier bi, Beneke Vadder?
Beneke. Schnik, schnak. Ich dencke id iss io wol like veel,
wem dat Kind tho höret, und, süe dar Drewes, du drafst den Kapp-
rael jo man toh Fadderen bidden, so is he wedder brüet, he muht
dick jo noch wol Eenen halfen Dahler vaiern Geld geven.
Hans Hohn. Bei Goss, dass is wahr, so bin ich redlich weider
gescharen, nu Drewes, dat geiht frisch auf die neue Gefatzerschaft
hin, da muss ich mit deiner und meiner Frauen noch einmal auf
dansen, Ey Beneke, laze dinen Dudehlei ins klingen, ich muss einmal
kradandi spielen: Juch holla, kradandi, kradandi, kradandi!
Hans Huhn tantzet mit Wöbbeken, Beneke spilet darzu, und
Drewess singet folgendes Lied, die Kanne immer in die höhe haltend :
Anderes Lied
Dess ersten Zwischenspiels,
Welches von den Bauren wird gespielet, getantzet und gesungen.
1.
SO geid id frisk toh, so geit id frisk toh,
versnp' Ik di Föite, so hold' Ik de Schoo,
Hei lüstig krassihi,
De Bütte vnl Tibi,
Dit moht Ik in mine Pansen begraven.
So kan ik van Harten recht singen und daven.
Kradandi!
2.
Springt lüstig doch fohrt, springt lüstig doch fohrt,
Spring Jachim, spring Tonnies, spring Sineen, spring Kohrt,
Spring Mewes, spring Benke,
Spring Göbke, spring Leenke,
Springt dat Juck de Buuk rechtschapen mocht beven,
Kradandi, kradandi, so möchte wie leven!
Kradandi!
*) Teweschen Hochtiet 241 : Ick bin Tewcs Klemkyl din echte 6ade . . . West
wol als wy erst tlio samcn schleepcn. Vgl. Rollenhagen s. 7G. Bei Burmeistcr 1. c.
heisst eine nd. rodende Person Chim Klemkicl (II, 8).
Nu pipe (lüt Wif, du pipe dat Wif,
Min friiiidltke Schwager, bo ki-ig ik aeon Eief,
Lat flegfii, lallt ruschen'),
!k moht einmahl tuschen u. s, w.'
Kradandi, kradandi!
Dieses nd. Zwischenspiel erscheint als das am meisten ab-
gerundete, und die beiden originellen Lieder am Anfange und Ende
verleihen dem Ganzen einen für den damaligen Stand der Bühnen-
dichtung seltenen theatralischen Effekt. Ueberhaupt ist das Friede-
jauchtzende Teutschland Uistens reifste dramatische Schöpfung, die,
wenn sie unmittelbar nach dem heiss ersehnten Friedensschluss er-
schienen und sogleich Kur Aufführung gelangt wäre, wie's der Verfasser
gehofft hatte, den gröasten Erfolg auf dem Schauplatze und viele
Auflagen*) erlebt haben würde. Die nd. Entlehnungen des , Ratio Status'
sind nur gering und beschränken sich auf die Schilderung der Bauern
Ton den Vorzügen des Krieges, Desto mehr haben die hchd. Partien
herhalten müssen, besonders aus dem Persens und Friede wünschenden
Teutschland; aus letzterem ist auch der Name des Helden, Ratio
Status, und sein Charakter, Wundarzt und Quacksalber. Was speciell
den nd. Theil des Frtedejauchtzenden Teutschlandes betrifft, so stösst
der Leser hier auf manche Reminiscen/en aus der Irenaromachia und
dem Persens, und es lohnt sich wol der Mühe, die merkwürdigsten
Uebereinstimmungen einander gegenüber zu stellen; daraus wird sich
deutlich ergeben, dasa alle drei Stucke von ein und demselben Urheber
herrühren und somit die Irenaromachia Risten gehört. Zuvor aber
ist es nöthig, noch das zweite kurze nd. Zwischenspiel des Friede-
jauchtzenden Teutschlandes kennen zu lernen.
Beneke Dudeldei und Drewes Kikintlag gehen auf und saget
Beneke. Wat segst du daar, Vadder Drewes, sind dik düsse
Nacht dre Schape uht dem Kaven stahlen, dat wull jo dull affoppenl
Drewes. Bi miner Sabchheit, Beneke Nachher, id iss mehr als
al tho wahr, Gott geve dattet de schmächtigen Kriegersman nicht
dabü hebbet, wente, de willen nu heel verhungern, uu se neue Tribuer-
geld mehr hebbet intohkamen.
Beneke. Neen, Neen, leve Drewes Nabor, ik hebbe hir wool ein
anner Vögelken van singen höret, dar skal Lüvik een niebakken ver-
leffelden Scheper ankuhmen sin, und dat skal een verhuugerden Deef
sin, kwuller wol up wedden, dat de dine ächape hadde stahlen.
Drewes. Bim Elemente Beneke, du segst watC, dat kan mögelik
■wol wahr wesen, man, Süe ins, dar stait jo een fremd Scheper, wo ik
BÜSS recht sehe, skul den de Düfet ook wul heerföliret hebben, datt de
mik de Schape stahlen hadde, wat dünkt dik, wil wie öhn ins fragenV
') Rollenhageii. s. 65.
K ') Inunerhia ward nocli in di^mselbeu Jahre (1053) Gin Nombergcr Neudruck
^b-TeranstälteL Jixemphir: Küoigl Bibliothek Berlin.
I
I
1G6
Beneke. Ja, kum Drewes, laesk ins hcn tob öhm gaLn,
ine nnspreken, wat isser an gelegen, he wart uak jo wo! nieltt '
Drewes. Goien Dach hier jy Friind, mit vörlüfe dat ik jui
frage '), si jy wor de nie Schapdeef ? hee 't
Sausewind. Behüte Gott ihr Leute, wie redet ilir mich so grol)
auV Ich, ich bin der Göttlichen RosemuoJen neuerkorner, braver
und zwar glüklich verliebter Schäfer Philanton, Ja PhUaulon bin ich,
Beneke. Du syst Schiiapup edder Jappup, wie fraget man, wor
du de Schape heerkregen heffat, dar bist du mit rechte nicht bi kahmeo.
Sausewind. >jehet zu ihr Leute, was ihr redet, die ScbäHein hat
mir anbefohlen die unvergleichliche überauss schone Schäferin Rose-
mund, ja Rosemuud, Rosemund gehören diese Schaafe,
Drewes. Id si Rosenschnuhte edder Rosenflabbe, ik segge, dat
du ein groht stiikke Deefea*) bist, und dat de Schape mi tohüret,
und ik wil se wedder hebben, eddor di skal de barlike Knüvel hahlen.
Beneke. Wat schnakkest du noch veel, Drewes Vadder, kiele
den Schaepdeef inter Schnuten, dat öhm dat rode Sap aver de Nese fliitt.
Sausewind. Wie komme ich unglukaeliger Schäfer doch zu diesem
uuverhoften Handel, ich bitte euch ihr Herren, lasset mich mit frieden,
Drewes, Ik will dik wol Heeren, du Skabbehalss, süe dar hefst
du eeneu up diner Rosen&abhen Gesundheit [schlägt ihn an den Halss].
Sausewind ruffet heflig; Gewalt, Gewalt, ich bitte euch umme
Gottes willen, schonet mein, ich bin ein Kavallier, ich bin ein Poet,
ich bin ein Liehhabender Schäfer, Ach schonet meiner um Rose-
mundswilleu.
Bullerbrok. Ach ja ihr Herren, schonet doch meiner auch, ich
bin eines verlognen Bärenhäuters, eines elenden Bettlers und eines
abgeschäumeten Narren unterthänigor Aufwarter unnd Diener.
Beneke. Süe dar heffst du eenen vor den Kavallier [schlaget
zu auf Sausewind]. J
DrewoB. Und dussen Bass geve ik dem Poeten, schlaget zu.^|
Beneke. Und dit is vor den Torlefeden, defeschen SchepiH
schlaget zu, ^
Sausewind. mein gedräuster Diener BuUerbrok, springe mir
doch bey in diesen meinen äusseraten Nöhteu, Ach BuUerbrok hilff
mir! Gedenke au das jenige, so du mir versprochen.
Beneke und Drewes schlagen immer lustig auf den Sausewind,
BuUerbrok aber spricht: Ich wolta dir den Teufel auf den Kopf
helffen, solte ich dir dafür heltfen, dass du mich weitest zu tode
hungern lassen, schlaget nur lustig auf den Bärenhäuter, es geschiehet
ihme fürwar recht unnd mehr als recht,
Sausewind. Ach du himlische Rosemuud, deine Schönheit gebe
mir ja Kraft, dasa ich in diesem schwehren Kampfe ritterlich mi"
streiten und endlich mit Ehren uä Freuden triumphiren.
') Scher, Aufzug
So Bchuu in RistcuB Pe
') Scblu, halte. Fij:
makea thom stücke dcucs.
tSchafe-Dieb, Hijt>: mit verluve dat eck juck &ugs;'
mit vürlülf dnt ick jitw fntge. ([utersc. Act. U.)
Wat bistu eiu Ines atucke deucs. Jiu''^ Wultu 1117
1
►
167
Drewes. Su daar liefst du noch eeiien up diener Uosenllabben
Gesundheit.
Bciieko. Und dat is voti Jappup Schiiapup [Sie sclilageu lustig l'ort].
Junker Reiuliart und Rosemund gukken hervor, lachen, dass sie
schütteln, schlagen fiii- Freudeu in die Uünde, und rufTen den Bauren
zu, dass sie nur immer Irisch auf den Närrischen Schäfer schlage
sollen, die vermummete Schaafe springen auch recht auf die Schenkel,
un jag^n nobenst den Bauren und Bullerbrok den armen Sausewind
auf der Schaubühne herum, stossen und schlagen ihn von einem zum
biss er letzlich hinein lauffet, und die andere alle ebenmässig
uch verlieren, womit auch diss andere Zwischenspiel wird beachlossen.
tlie wird abermal ein lustiges Stük gespielet uud gesungen.
Mit Ausnahme dieses letzten kleinen Aufzuges vom Schafdiebe,
zu welchem Scherens Vorgang Anregung gegeben haben mag, bildet der
dreissigjührige Krieg und speciell der Corpshass zwischen den Bauern
und Soldaten das Grundthema sämmtlicher nd. Scenen; und die Art
|Lvnd Weise, wie der gleiche Stoff behandelt und dramatisch gestaltet
pwird, ist überall im Ganzen und Grossen dieselbe. Die Personen aus
der Irenaromachta treffen wir im Perseus und im Friedejaachtzendeu
Teutschland wieder; ihr Auftreten, ihr Charakter, ihre Gesinnung und
Gesittung variieren wenig oder fast gar nicht von einander. Unwill-
kürlich sagen wir uns, dass sie die typischen Figuren eines und des-
selben Dichters sein müssen und sind. Wir werden darin nur noch
bestärkt durch den Dialekt, welchen die Dorfbewohner wie Lands-
knechte sprechen, und durch die Redensarten, Kraftausdrücke und
Sprichwörter, welche sie im Munde führen. So kommt in allen drei
Stücken neben mi auch mick resp. meck vor =: mir, mich [gleichfalls dick
resp. deck], diiye (düie) = düsse (disse), to doie = to tode, goien
Dag =^ goden Dag usw. Die wichtigsten kongruenten nd. Wörter und
Wendungen zeigt die folgende Tabelle.
Irenaromacliia. 1 630.
LathTaIcken fry gabn,
ydtistr wol eer im Scilla-
pe gedahn. Latb Lies-
ken frye krisken. Latb
Trinen fryegrincn. Lath
Plönnicn fry stönen.
Ick wulm uu den Diiuel
vp synen Kop geuen;
— vnd so! euch der
Teuffei auff den Köpft"
fahren; — de Knüuel
schal deck vp dyuen
Kop fahren,
Wie sau zum Zeuffel.
Perseus. 1634.
Labt Aleken fry gähn,
tiss ehr woll ehr im
Scblape gedahn.
Hebbel den Deubelaufl
den Kop: ^dass youw
dausent Kneubel intern
Leibe fahren.
Wo nu tbom Düfel; ■
Das Friedejauclitzeude
Teutschland, 1G&3.
Labt Talken frie gähn.
Iaht Trinen frie grynen,
labt Liskeu frie kriess-
ken.
Ich woltu dir den Teufel
auf duu Kopf hclffuu.
Wie nau zum Zeufel.
168
Watten Kattenkran-
ket.
Bim Element.
Soldaten, de vs hier
wat wedder scholdeu
tho brühen vnde tho
scheeren fathen ; — de
V8 hyr hebben wat tho
brühen vatot.
wo nu thom Deubel;
wie nun zum ZeuSel.
Watten duseutKranck;
— wo thom kranck.
By dem Elemente.
Ydt js eine gawe Teuu. Tiss ein gauwe Teue.
De Pantzen füllen.
By myner Süster Sa-
licheit.
Wat schnackestu veel.
Dusend Knüuel.
Wat mag he sick wol
inbillen.
Ick hedde vor angst
balle Hosen vn Broeck
voll schetcn.
De Galge wil vs ja wol
nich bieten.
Vief wunnien.
Hefift se de grote Vhle
wechgeföhret.
Wo du bist jo wol ein
dummen Düuel.
Du bist der rechten
Gäste einer; — du warst
der rechten Gäste einer.
Mit vorlöfe.
So geue Godt.
Wo thom Knüuel; —
de barlicke Knüuel.
Wat he sick inbildct.
Tohm echten Gaden
hebben.
He skull vor angst de
Brock vull scheten heb-
ben.
Watten feldtswunien.
Dahr föhrede de grothe
Vhle.
Dat wehre woU de
rechte Gast; — Ja du
bist de rechte Gast.
Mit vörlöflf.
Geuesk Gott.
Ik schla my mit ehm
AI\du dusent Kranket;
wanne du Krankt.
Bym Elemente.
Van usen Papen wat
wedder scheeren unne
brüden laten; — dat de
Kriegers usk ook so
rechte veel nich mehr
tob brüen und tho sche-
ren faht et ; — use vrig-
heit skul usk wol uppet
nie watt tob brüden und
toh scheren fahten.
Dat füllt mi de Pans-
sen.
By miner Salichheit
Wat schnakkest du
noch veel.
De barlike Knüuel.
Min echte Gaade.
He wart vsk jo wol
nicht biehten.
Wo, Jy sid wol ein
rechten duSen Düvel;
— Jy möhtet jo wol een
dummen Düvel wesen.
Mit vorlöfe.
Geve usk Gott.
Kiele den Schaepdeef
herdiir, dattor dat rode intarSchnuton, dat (ihm
Sap na, gciht. dat rode Sap aver de
Neso flütt.
Dies sind die auSUUigsten nd. UebereinstimtnuDgen; auch die
hoclidoutachen atellen ein starkes Kontingent. Dazu finden sich
manche, in der Ireuaromacbia nur kurz behandelte Episoden in den
beiden Bpätereu StUcken weiter ansgeiuhrt. Die üusscnin wie inneren
Gründe lassen demnach Uistens A.utorschaft der Irenaromacbia über
jeden Zweifel erhaben Bcb<?inen und ihn mit Sicherheit als Verfasser
erkennen. Obendrein nennt er ja sich selbst kurz vor seinem Tode
als solcher, da er Reobenschaft ablegt von seinen dramatischen Ar-
beiten und mit den Warten sehliesat: „leli habe nun meine Trat/ico-
tkmufdien, oder 'l'ranr- und Freuden-Spiele schon acht und fiinftzig
J»bre in dieser Welt (bespielet, suclie nun nicht mehr, als nach
Spielung so vieler Tragedien, densellieu eine froliche KnJschafft zu
gehen Gott heläe mit Gnaden." (Die Aller Edelste Belustigung.
S. 134. resp. 120.)
iievur wir von Johann Hist als nd. Dramatiker Abschied nehmen,
erübrigt es noch, wie bereits angedeutet worden, seinen ferneren Kin-
fluss auf Scher nacbüuweiBen. Hcher bat Risleus nd. Zwischenspiele
tU'issig studiert und vornehmlich der Irenaromacbia und dem Friede-
JHuclitzendeu Teutschland zahlreiche charakteristische Partien für sein
nd. (iedicht „Hans Hohn" entnommen. Dasselbe findet sich in Lappen-
bergs Ausgabe di;r Scherzgedichte von J. Lauremberg (Zweiter Anhang.
Vlll. S. 136—141) mJtgetheilt mit der Notiz: vor 1700. In der
Anmerkung S. 264. beisat ea: „Dass H, H. Scher von Jever der Ver-
fasser sei, ist wenig wahrscheinlich." Hätte Lappenberg Scherens
Verbältniss 7.\x Uistens nd. ßUbnenstiicken gekannt, er würde ihm
unbedenklich, wie ich dies tbue, „Hans Hohn" zugeschrieben haben
trotz der „reineren niedersücbsischen Mundart". Der Aufzug vom
ächafdiebe und die Satyre vom Hübnerdiebe haben nahe Verwandt-
schuft zu einander und weit mehr ml. individuelle Formen uud Wen-
dungen gemeinsam, als Lappenberg konstatiert; uud beide zeigen in
gleichem Grade Abhängigkeit von Rist. In Bezug auf Hitns Hohn
wird das folgende Verzeichniss der bemerkenswertbesten Fntlubimugen
meine Üehauplung g(,'nügt-nd erhärten.
Hans Hohn.
goet beer
brandew
24. bim element.
27. Süe hier, scher
man herin (vgl. 71.
;heren hen na hurs.)
~I0. dul und vul.
Irenaromacbia.
bim Element.
Süe dar, scheer hen
na Märten,
l>as Fried ojanchtzende
Teulsehland.
goio SÖep Beer, ein
Känneken Brännewin
ffimL-ougoodBranwin.)
bym Elemente.
i'
170
37. mit freten füllen
ut de halfver-
schrui^pten pau-
sen;
ik moet noch wol tolest
mit ercn wivcrn
dansen.
39.Datgeitjo lustig to.
45. springt her mit
Lenoken.
G8. braf de buren
brüden.
72. strümp und scbo.
91. wat en krank' t.
95. Schla up den Schel-
men, schla [vgl. Scliaf-
dieb: schla, Schelm,
schla. live]. (105. gal-
genschelm. 124. schlaet
mi doch nicht doet.)
9G. Schla em denKop
entwei.
98. dat em de ribben
skölt im helen live
knaken.
101. ikbidd'ümGades
willen,
min allerleevsten lud',
och, latet juw
doch stillen!
(124. Heer vagt, min
leve beer,
ik bidde, segget doch
den lüden.
157. Do bat de arme
Hans um duscnt Gades
willen.)
105. Wat schnackst du.
117. Simen Möller
de gerd' cm mit der
fork den olden
schwarten koUer.
(139. Jost schmet em
vor sin gat.)
121. se kielden em in
der schnutcn.
de Pantzen füllen.
Dat TüUt mi de Panssen,
So kan ik braaf dansen.
vs Buwren w^at brühen.
watten Kattcnkranket.
Schlah dodt den Gal-
gen, schlah ; — schlan de
Galgvögel Yil Schelme.
den Kop inschlaen.
Ach mein Herr Bawr-
meister, ich bitte euch
vmb tausend Gottes
willen, stillet doch die
Leute; — ich bitte euch
vmb tausend Gottes
willen.
Wat schnackestu veel.
Wat geit id lustig tho.
spring Leenke.
Hot und Schoo.
wanne du Krankt.
dat eenen de Ribben
im Live weh deden ; —
an obrem helen Life.
ich bitte euch umme
Gottes willen, schonet
mein.
Wat schnakkest du
noch vcel.
schmeet ehm ein Gatt,
Achter in den Koller,
Hei, recp unse Möller.
Kiele den Schaepdeef
inter Schnuten.
i37. Ik schwer' een so scLwere icli ehm
r düren eed, nich dateinEedt; — ichwil
heemlikeddersül, eineu tbewren Kydt ab-
dat ik min dage nich legen, dassicli es weder
mührhiiüer Stelen gedc-ncken noch reden
wil.
ril, auch dasselbe mein
lebelsDg nicht rechen.
Ayer in de Pannen, so
komet dar nene Küken
vth . . , wilwen lopen
laten.
mit disser Kühlen.
ick geue deck wat vp
dyne Ktiibhon,
Das heist auffn Trunck
geladen.
Pia2. dat ei man in de
' pan!
Dar kumt neen kükcn
ut; skul wi di
laten lopen?
136. mit der kUI'.
137. he kield' em in
der flabben.
►179. datheettorköste
gähn, dat heet:
suep hochtidbeer.
Fiist alle Namen und manche Attribute sind aus der Irenaro-
machia, dem Peraeus und FriedejauchtKenden Teutschland herüber-
genommen. Dort wie hier stossen wir auf einen Hans Hohn, Lammert,
Lütke, Rucks, Matz, Mewes, Märten, Möller, Simen, JoBt (resp. Jöstken),
Henke Dudeiidop (rrsp. Beneke Dudeldei), auf eine Aleke (resp. Talke,
AlheidJ, Leenke, Wöbbeke, auf Lirendreier, Schrubber usw. Hans
Huhn, sprichwörtlich von rüubcrUchen Kriegern, heiast im Friedc-
jauchtzendeu Teutschland der „Soldat oder Korporal", welcher Wöbbeke
herzet uud küsset. Auch Erasmus Pfeiffer führt selbstständig den
L&udsknecht unter dieser typischen BeKeichnung ein: „NV wilt Land
weddr in Eiiren stahn. Wenn Hans Hohn mut thom Land uthgan."
Arend Platfoet = Arnold Plattfuss (48) kommt schon ira Perseus
vor: „Arend Plattvoht wat de sick inbiidet," Und schliesslich ist das
Sujet, die energische lUchc, welche die Bauern an den diebischen
Soldaten nehmen, dasselbe wie bei Bist, nur mit dem Unterschiede
der satyrischen Einkleidung. Ein dem Inhalt nach nah verwandte»
nd. Lied: „Als die Trömlingschen Bawern auff die Soldaten begunten
zuzuschlagen, Anno 1646" (in J. P. de Memels „Lustige Gesollschaft"
. . . üedruckt zu Zippelzerbst im Driimbling. 165G. repr. 1657. no. 307.)
acheint ebenfalls seine Quelle aus Uistens Zwischenspielen abgeleitet
zu haben. Auch hier treffen wir Namen wie Hans Flohn, Drewes,
Lierenpiep und manche gleichlautende Einzelheiten: Se hadden all de
Bröke vulle schäten; wo steistu als een Hundesfott usw. Stofflich
Blimmen überein mit verschiedenen Episoden hei Rist die Strophen
~ ~i, 11 f. und 23, wo die Soldaten liehen: „Lact leeven leve Here raien"
lud zur Antwort erhalten:
Bin ick nun leve Here,
Vorhüi- must ick dien Schnufer sien,
Wat deistu my vor Ehre.
I
172
DieTtieiluDg der Beute und daaGelago der Bauern wird kuin also besungen :
He düngen sick all ia den Kroeg,
Se aüpn vnd deylen deu Plunder,
Dat Heer eeu in de KÖppe schloeg. (Str. 29.)
Ich glaube, folgenden Zusammenhang annehmen zu dürfen. Die
Irenaroniachia war dureh Pfeiffers Uebersetzung (Ili3l) in den Landen
Itraunscliweig-Lüneburg sehr bekannt geworden und gab dort Anregung
zu dem Volkslicde von den Tröinlingschen Bauern (1C46J. Dassellie
kam unserem Uist zur Kenntniss, und or nahm den originellen IJuIler-
broeck (Str. 15; De lütke I'agel BuUerbroeck, De was sust allen
Kronen kloeck. usw.) als Vorbild zu der Figur des gleichnamigen,
überklugeil und närrischen Dieners (Uullerbrok, Sausewinda Jung) im
Friedejauchtzenden Teutschland (vor 1G53). Scher hinwiederum schuf
nach allen vier Mustern seine Satyre vom Hühnerdiebe (nach 1653),
während er bereits früher (1038) für seinen Aufzug vom Schafdiebe
die nd. Scenen im Persens benutzt hatte. SchwerUch aber ist, wie
Lappenbei'g meint, der Verfasser Avb TrÖmliugscben Bauernliedes und
des Gedichtes Hans Hohn ein und dieselbe Persönlichkeit,
Damit schliesst meine Untersuchung über den nd. Dramatiker
Johann Rist. Zwar stammt von ihm noch ein zum Lobe der edlen
Buchdruckerkunst geschriebenes und häufig aufgelegtes, tbeilweise nd.
Lust- und Freudenspiel; Depositio Cornuti Typographie! (1654 u. ö.),
allein einerseits würde eine Betrachtung desselben einen Kaum bean-
spruchen, der mir hier nicht mehr zur Verfügung steht, andererseits
passt es nicht in den Rahmen der drei den grossen Krieg schildern-
den Stücke. Auf ihnen beruht sein Hauptverdienst als nd. Poet, durch
sie übte er einen nicht zu unterschützenden Einfluas auf audere nd.
Dichter aus. Wahr, votksthümlich, aus dem vollen Menschenleben
gegriffen ist jede Scene, jede Figur, jede Aeusserung. Treffend be-
merkt sein Biograph Th. Hansen: Wer die plattdeutsche Sprache jener
Zeit kennen lernen will, dem bieten sich diese Bauern von der Nieder-
elbe als passende Lehrmeister, die sich, so zu sagen, in puris natu-
ralibua praesentireu. Für die Nervösen, deren Zahl im steten Wachsen
begriä'en ist, dürfte unser alter Holsteinischer Sänger unverdaulich
sein. Es gilt aber noch heute, dass wer, im Gebiete des Plattdeutschen
lebend, derartige Ausdrücke nicht im Volksmunde verträgt, besser thut
auszuwandern. Unsittliche Ausdrücke sind jedenfalls etwas ganz Anderes.
Ich hoffe, in der Einleitung nicht zu viel verheissen und mit
meiner Arbeit wirklich Neues aus Licht gefordert zu haben. Statt der
Worterklärungen und grammatikalischen Anmerkungen findet der Leser
einige bibliographische und litterarhistorische Notizen. Mein innigster
Wunsch ist, iiir Johann Ilist als nd. Dramatiker gleich warme Sympathie
zu erwecken, wie mir dies jüngst mit Gabriet Rollenbagen glückte.
Beide sind die starken Säulen, auf denen sich eine Geschichte des
niederdeutschen Scliauspicls im siebeuzebuteu Jahrhuiidert aufbaut.
BERLIN, Karl Theodor Gaedertz.
Jahrbuch
des
Vereins für niederdentscbe SpracMorscIioDg.
Jahrgang 1882.
VIIL
^^m^^^^^^-
NORDEN nnd LEIPZIG.
Diedr. Soltau's Verlag,
1883.
Druck yon Diudr. Soltau iu Norden.
Inlialt.
Seit«
Caspar Abels niederdeutöche Gedichte. Vou Ad. Hofmeister .... 1
Edtliche Christliche Fragestuckeu viid Autwort. Vou J. G. Schaff er . . 25
Nachträge zu Schambachs Göttiugisch - Grubeuhageuschem Idiotikou. Von
R. Sprenger 27
Molt. Von R. Spreuger 32
Eyue gude lere van einer juuchvroweu. Von Wilhelm Seelmauu . . 33
Des Miuuers Anklagen. Vou Wilhelm Seelmann 42
Des Engels Unterweisung. Von Wilhelm Seelmauu 63
Farbeudeutnng. Vou Wilhelm Seelmann 73
Dat Seeutrecht der 7 Müusterschen Propsteieu in Ostfrieslaud. Vou H. Deiter 86
Rymsproeke to vermauiuge der Richtereu. Vou H. Deiter 97
Kinderspiele aus Schleswig-Holstein. Von Heinrich Carstens. . . . 98
Ale 3Iäreken vou der Weper. Vou Heinrich Sohnrey 106
Die Halberstädter ud. Bibelübersetzung vou 1522. Vou A. Lttbben . . 108
Die Hambargischen Opern in Beziehung auf ihre niederdeutschen Bestand-
theile. Vou Karl Theodor Gaedertz 116
Dieser Band gUt für die Mitgliedschaft Im Jahre 1883.
Von den Epigonen der gewohnlich unter dem Namen der zwei-
ten Schlesiachen Schule zuaammengefHSsten Richtung in der deutschen
Poesie ist Caspar Abel einer der am wenigsten hervorragenden, da
er aber auf anderen Gebieten, besonders auf dem der deutschen Ge-
schichte und namentlich der altmürkisch -Lalberatiidtischen Local-
forschung für selue Zeit Anerkennenswertbes leistete, so konnte auch
seinen poetischen Werken eine gewisse Beachtung und wohtwollende
Beurtheilung nicht fehlen, die jedoch nicht im Stande war, ihnen ein
mehr als ephemeres Dasein zu ermöglichen. Unter diesen Umstünden
würden wir die letzten sein, die ihn aus seiner wohlverdienten Ruhe
aufstörten, wenn er nicht nach einer anderen Seite hin den Freunden
und Pflegern der niederdeutschen Sprache bekannt zu werden ver-
diente, nämlich als eifriger Kämpe fiir die vernachlässigte heimische
Mundart und als Verfasser einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von
Gedichten in derselben.
Zwar führt schon Kinderling in seinem „Ersten Grundriss
einer Literatur der Plattdeutschen oder Niedersächsiachen Sprache"
{Für Deutsche Sprache, Litteratur und Cultur-Geschicbte. Ileraus-
gpgi'beu von Kinderling, Willen bücher und Koch, Berlin, Nauck,
1794. B°, pag, 87 8.) auf pag. 135 „Caspar Abels satirische Ge-
dichte. Lpz. 1714, 8." und „Desselben satirische Gedichte des
Nie, d'Espreaux Boileau in deutsche Verse übersetzt, mit einem
Anhange verschiedener Gedichte aus dem Horaz, Virgil und andern.
2 Tbeile, Gosslar 172ü und 32, 8." mit der Bemerkung an, darin
seien einige plattdeutsche Gedichte, auch eine plattdeutsche Über-
setzung der Kklogen Virgils, und Scheller druckt In seiner „Bücher-
kunde", die bei allen Mängeln doch wohl noch für längere Zeit eine
Hauptquelle für die niederdeutsche Literatur bleiben wird, unter den
betreffenden Jahren diesen Nachweis ab, aber einestheils enthalten
die „Satirisehen Gedichte" gar nichts in niederdeutscher Sprache
(ausserdem sind sie nicht in Leipzig, sondern in Quedlinburg und
Aschersleben bei Gottlob Ernst Struntze erschienen, ein Beweis, dass
Kinderling sie nie gesehen und nur aus dem folgenden auf ähnlichen
Inhalt geschlossen bat), andemtheils ist es doch nur ein geringer
Brachtheil — ausser den Uebersetzungen nur drei Originatgedichte —
der niederdeutschen Poesieen Caspar Abels, der beiden Literatur-
forschem bekannt geworden ist, da die übrigen vom Verfasser zwar
zum Druck bestimmt, aber nie verofFentlieht wurden.
Abel ist ein Sohn der Altmark. Er erblickte 1G76 zu Hinden-
burg, wo sein Vater Prediger war, das Licht der Welt, besuchte von
seinem zwölften Jahre an die Schule in Braunachweig, studirte in
Helmatädt Theologie und wurde, nachdem er von 1696 an als Rector in
Osterburg und Halberatadt gewirkt hatte, Prediger in Westdorf bei
Ascheraleben, in welcher Stellung er bis zu seinem I7G3 erfolgten
Tode verblieb. Sein Nachfolger im Amte war Job. Gottfr. Bürger,
der Vater Gottfr. Aug. Bürgers, der ihn jedoch nur wenige Monate
überlebte. Ueber seine Lebensumstände berichtet, augenscheinlich
nach Originalmittheilungen, Job. Ant. Trinius, Beytrag zu einer
Geschichte berühmter und verdienter GottesgeleLrten auf dem Lande.
Bd. L Leipzig 1751, «", pag. l ff., woraus Adelung in der Fort-
setzung zu Jöcher schöpft, während über seine letzten Lebensjahre
Joh. Friedr. Temme, Der sittliche Character des seligen Herrn
Caspar Abels, Blankenburg 17GQ, 4", Auskunft giebt. (Vergl. auch
Goedeke in der „Allgemeinen deutschen Biographie" Bd. I, p. 12).
Seine Schriften, sowohl gedruckte als ungedruckte, finden wir eben-
daselbst verzeichnet.
In einer Gegend geboren, wo die niederdeutsche Sprache zwar
auf dem Lande noch unbestritten herrschte, aber in den Städten doch
schon zurückzutreten begnnn, und später Landprediger an der aller-
äussersten Grenze des niederdeutschen Sprachgebietes, musste er die
immer weiter einreisseude Vernachlässigung der alt-heimischen Mund-
art und ihr stetiges Zurückweichen vor dem Hochdeutschen mit auf-
richtigem Bedauern wahrnehmen, zuntal er durch seine historischen
Studien dieselbe in den alten Urkunden und Chroniken noch als hocb-
ausgebildete Schriftsprache kennen und schätzen gelernt hatte, wäh-
rend zu seiner Zeit schon seit langem Gelegenheitsgedichte und
Possenspiele, die recht häufig die Grenzscheide zwischen' dem Niedrig-
Komischen und dem Gemeinen verfehlten, beinahe ihre einzigen
Lebensäusserungen waren. Mit dieser Krkenntniss verband sich leicht
begreiflicher Weise der lebhafte Wunsch, Abhülfe geschafft zu sehen
und bald finden wir ihn für seine Person rüstig am Werk.
Doch lassen wir ihn nun selbst zu Worte kommen.
Kurz nach der Veröffentlichung des ersten Theits seiner Ueber-
setzung des Boileau (Goslar 172'J), der einige niederdeutsche Ueher-
setzungen und Gedichte enthält, sagt er (Sächsische Alterthümer,
Braunschweig 1730, 8", pag. 261), er bedauere nur: „dass unsere
uralte Nieder-Sächsische Sprache, welche, wo nicht älter, doch un-
streitig eben so alt als die Hoch-Teutscbe und in Warheit nicht nur
ebenso wortreich und nachdrücklich, sondern auch viel lieblicher und
leichter ist, von dieser letzteren sich so müssen verdrengeu lassen,
dass zu besorgen steht, sie werde sich mit der Zeit gar verheren,
bevorab, da, wenn ja noch in derselben was geschrieben wird, man
mit reclttem Fleiss, die nur den grübsten ntui dümmsten' Bauren' ge-
wöholiche Idiotismos auf die Bahn bringt, als wann ea recht geschehe,
sie dadurch zu prostituiren. Indes» ist doch mehr als zu gewiss, dass
ihr nichts, als die CuUur fehle, und wenn sich nur einmahl eine
Societät der Nieder-Sächsischen Gelehrten über sie erbarmen, und sich,
mit Hinwegschaffung der rauhen, und nur bey dem gemeinsten Fübel
üblichen Diphfhongorum und Ked-Arten, da man z. E. das e et, und
das 11«, so schreibt, als ausspricht, eine vernünfftige Schreib-Art
einzuführen, ja eine Sprache der Gelehrten, wie die Hoch-Teutsche
ebenfals ist, als die in keinem Lande so geredet wird, wie sie in
Büchern steht, aus ihr zu machen, befleissigen möchte, 30 wolle ich
im geringsten nicht zweiffeln, dass sie bald wieder emporkommen,
und ihrer Verdräugerinn den Preiss streitig machen würde. Wozu
ich traun meines wenigen Ortes alles beyzutragen erbötig bin, wie ich
denn auuh bey denen neulich übersetzten Sati/rhchen Gedichten, des
Boileaii, und Iloratii, mit Fleiss einige Plat-Teutsche gefügt habe, um
zu zeigen, dass es eben so leicht falle, in dieser, als in der Hoch-
Teutschen Sprache, was rechtes aufzusetzen, welches villeicht denen
Herren Ober-Sachsen eben so unmüglich zu seyn geschienen, als dass
iu Nieder-Sachsen ein guter Poet köune gebohren werden."
Noch ausluhrlicher verbreitet er sich über den gleichen Gegen-
stand in dem Vorbericht zum zweiten Theile der Satyrischen Gedichte
des Boileau, GossJar, 1732. 8". Es heisst da: „Dass ich nun ver-
schiedene Sulyren und Epintdn des Horalii, wie auch alle Edogen
des Virgiln^ in Nieder-Sächsischen Kersen abgefasst, dazu hat mich
die Liebe bewogen, die ich zu dieser unser rechten Muttersprache
trage, deren Unglück ich bedaure, dass sie in ihrem eignen Lande
von einer fremden unterdrückt, und gleichsam zur Sclavin gemacht
worden, welches traun nicht von ihrer Ungeschicklichkeit, sondern nur
von einem nichtigen Voruitheile herrühret. Ich habe davon schon in
meinen Sächsischen Alterthümern c. 2 §. 1. p. 261. gehandelt, und
gi'stche es gar gerne, dass, wenn ich jünger wäre, ich mich aus allen
—•Bieinen Kräften bearbeiten wurde, sie wieder empor zu bringen, habe
llaacb in solcher Absicht diese Proben gemacht, um dadurch einen
jeden zu überzeugen, dass es nicht an ihr liege, dass sie bisher so
schimpflich traciirt, Jll gleichsam recht prostititimi worden, durch die
grobe, und zum theil unflätige, in ihr herausgegebne Gedichte, son-
dern dass sie vielmehr ebenso geschickt als die Hoch-Teutsche Sprache
sey, dem Phoebo und seinen Musen in aller Ehrbarkeit aufzuwarten.
Ich will zwar meine Arbeit nicht rühmen, die ich iu dieser noch gar
nicht ausgeputzten Sprache zu der Vollkommenheit lange nicht brin-
gen können, welche die Hoch-Teutsche hat, die von so vielen vor-
trefflichen Meistern noch immer mehr und mehr ausgebessert und
ausgezieret wird, indess, wie mau spricht, ex ungiic leoncm, so wird
auch aus diesem geringen Anfange gar leicht erkannt werden, was
^nan künfftig sich vor Hoffnung zu machen hätte, wann die Gelehrten
lob ihrer annehmen und sie recht cxcoliren wolten. Auf was Art
I
I
I
soldies geschehen künte, habe ich schon in meinen Sächsischen Alter-
thümern mit wenigem aagezeiget, worauf ich mich vor dismahl beziehe,
vielleicht aber dereinst einen eignen Traclat von der gantz Verstösse-
nen und verlassenen, doch bey allen ihren Landes-Leuten Hülffe und
Trost suchenden edlen Türstin Sassine, herausgeben werde, den ich
diesem Wercke beyzulegcn gedachte, es hat es aber die Kürtze der
Zeit nicht leiden wollen. Es ist ein weittaufftig Gedichte in Nieder-
Sächsischer Sprache, darinnen ich alle fufalitäten, die derselben be-
gegnet, und wie die neidische Frankh^e diese arme Printzessin ins
Elend gebracht, der Wahrheit nach beschreibe, dabey auch zuletzt
eine ergebenste Bitte an alle gebohrne, und noch dazu in Nieder-
Sachsen wohnende, weltberühmte Poeten, vornemUch die Herren
Brokes, Pietsch, "Weichmann und ihres gleichen, mit anhange, ihr den
so sehnlich verlangten Beystand nicht zu versagen, will auch hoffen,
dass sie, wo nicht bey allen, dach bey einigen, statt linden werde;
Da denn sich verhoßentlich das Blatt wieder wenden, und unsere
Nieder-Säuhsische die Hoch-Teutsche bald einhoblen soll, als welche
von Natur viel lieblicher und fliessender ist als jene, Die gantze
Sache kommt nur darauf an, dass man aus ihr auch so eine Sprache
der Gelehrten mache, wie die Hoch-Teutsche ist, und die grobe Dia-
lectos und Diphlhongos denen Bauren lasse, sich auch wegen einer
rechten Schreib-Ärt vereinige, welches vordem auch der Hoch-Teutschen
Sprache gefehlet hat, und anitzo eine von den grössten Hindernissen,
wenn man in der Nieder-SäcbsiBchen was herausgeben will, der vielen
Fehler zu geschweigen, die sowohl beym schreiben als drucken sich
unvermerkt einschleichen, und noch zur Zeit, da uns unsre eigene
Sprache fremd und unbekant geworden, fast nicht können verhütet
werden."
Wir ersehen hieraus, dass wir es mit einem Manne zu thun
haben, der sich der Schwierigkeiten, welche sich ihm entgegenstellen,
wohl bewusst ist — die leidige Orthographiefrage ist noch heute kaum
als gelöst anzusehen — der aber sich bemüht, zur Erreichung des
vorgesteckten Zieles nach Kräften das Seine zu thun auch auf die
Gefahr hin, damit allein zu stehen. Allerdings ist es ihm nicht so
geglückt, wie er es wohl im Sinne hatte. Ganz abgesehen davon, dass
eine Wiedererhebung der niedersächsiscben Mundart zur allgemeinen
Schriftsprache Norddeutschlands von vornherein zu den Unmöglich-
keiten gehörte, selbst wenn Brockes, Pietsch und Weicbmann, deren
Schriften heute ebensowenig jemand liest wie die Abels, steh dafür
begeistert und versucht hätten, eine conventioneile Schriftsprache für
sämmtliche niederdeutsche Dialecte einzuführen, wie sie für die ober-
deutschen seit Jahrhunderten recipirt war, so begann damals gerade
in der deutschen Literatur eine Strömung, die auch bedeutendere
Dichter als unseren Abel mit hinwegfegte und doch nur die Ein-
leitung der Glanzepoche der hochdeutschen Literatur, der Periode
unserer grossen Claasiker, war. Hatten die früheren poetischen Lei-
stungen Abels, die Satirischen Gedichte, anerkennende Erwähnuog^^
BOD
Klit
Hteai
ie historischen und arcbaeologischen Arbeiten manchen Angriff, aber
mch manche Zustimmung erfahren, so verfielen die beiden Tbeile der
Verdeutschung des berühmten französischen Satyrikers der kritischen
Geissei Gottscheds (Beyträge zur critischen Historie der deutschen
Sprache, Poesie und Beredsamkeit. 16. Stück. Leipzig 1737. 8") und
— mag nun die nicht ungerechte Verurtheilung, oder das vorgerücktere
Alter des Verfassers, oder beides seine Wirkung gethan haben, genug,
Gedichte Abels erschienen fortan nicht mehr und auch von seinen
BODstigen zahlreichen Manuacripten fverg!. Trinius a. a. 0.) nur noch
'enige Fortsetzungen oder Neubearbeitungen bereits gedruckter Werke,
Tit den übrigen blieb auch der dritte Theil der Uebersetzung Boi-
der bei weitem den grössten Theil der niederdeutschen Ge-
dichte Abels, unter ihnen den oben erwähnten Tractat von der hülf-
losen Sassine, enthält, im Putte des Verfassers liegen. Hatte doch
der Leipziger Literatur-Dictator. als er sich (Beyträge etc. 10. Stück,
p, 522) vorbehielt, zu einer anderen Zeit von den Uebersetzungen aus
dem Virgil und Horaz auch ein Wörtchen zu sagen, geringschätzig
hinzugefügt: „Ob wir aber von des Herrn Abels eingebohrnen Muse
gleichfalls etwas sagen werden, das ist bey uns noch nicht ausgemacht."
Nun freilich, ein Dichter ist Caspar Abel nicht; er giebt uns io
Reinen eigenen poetischen Werken eine recht gutgemeinte hausbackene
Weisheit, ab und zu gewürzt mit derben Spässen, die damals wohl
noch als Scherze gelten mochten, besingt die Erfolge der Verbündeten
im Spanischen Erbfolgekriege, wie er selbst sagt, um den durch ihn
verdeutschten Lobgesängen Boileau's auf seinen grossen Ludwig und
dessen Kriegsthaten ein patriotisches Gegenstück an die Seite zu
setzen und tbut dies alles mit einem Aufwände von allegorischen
Figuren, von Gleichnissen aus Mythologie und Geschichte, der uns
sattsam "zeigt, dass es weniger bewusate Absicht, als vielmehr
Mangel an poetischem Schwung, sowie an dichterischer Phantasie und
Gesullungsüraft ist, welche ihn sich von dem Schwulste Lohensteios
frei erhalten lässt, wie Goedeke in der „Allg, D. Biographie" lobend
hervorhebt. Auch seine niederdeutschen Gedichte sind von diesen
Mängeln nicht freizusprechen, aber man merkt ihnen an, dass sie dem
Verfasser etwas freier und leichter aus der Feder geflossen sein mögen,
als die hochdeutschen, obgleich er gerade von diesen seinen „natür-
lich fliessendfo Stiltim, der mir, die Wahrheit zu gestehen, nicht viel
Mühe macht, sondern fast von sich selbst meinen Gedanken folget"
hervorhebt (Vorhericht zu Boileau Th. 1). Wenn sie auch nur selten
vergessen lassen, dass sie nicht unter freiem Himmel in Feld und
Haide gewachsen, sondern in der Studirstube des Westdorfer Pfarr-
hauses getrieben und dann in ein von sauber beschnittenem Bnchs-
baura eingefasstes Blumenbeet des Vorgärtchens gepflanzt sind, so
haftet ihnen doch noch genug von der unverwüstlichen Volksthümlich-
keit ihres Dialectea an, um daraus zu erkennen, dass Abel bei aller
seiner gelehrten Pedanterie im Grunde doch ein richtiger Niedersachse
jrar und sich in der Sprache der Heimath bei weitem natürlicher gab
als in dem ihm höclistwahrächeinlich erst auf der Schule zu Braun-
schweig geläufig gewordenen Hochdeutsch- Nicht zu übersehen ist
dabei, dass er, obgleich auch sonst nicht prüde in der Wahl seiner
Ausdrücke, sich doch merklich derberer Wendungen als in den hoch-
deutschen Gedichten bedient, die sich neben hochtönenden Namen,
■wie Rodriga, Leonore, Zuleika u. a. sonderbar genug ausnehmen.
Durch eine glückliche Fügung ist von den erwähnten üeber-
setzungen aus Boileau, Virgil, Horaz etc. das Handexemplar des Ver-
fassers, welches ausser vielen Corrccturen auch das Manuscript des
nicht erschienenen dritten Theils enthält, bis auf unsere Zeit gerettet
und befindet sieb gegenwärtig im Besitz der Universitäts-Bibliothek
zu Rostock, früher in dem des Unterzeichneten, Der Titel lautet
ausführlich: „Des berühmten Poeteii Nicolai Despreaux Boileau
Satyrischer Gedichte dritter Theil, worinnen, nebst dessen kurtzen
Epigrammalen, oder Sinn -Schrifften, auch noch einige andre, aus
dem Frantzüsischen übersetzte, und daneben viele Plat-Teutsche,
oder Nieder-Sächsische Satyren und Gedichte mit enthalten sind, um
dadurch die Vortrefflichkeit, und Annehmlichkeit dieser Sprache, desto
besser vorzustellen, ingleichen einige Oden u. Episteln des ersten und
zweiten Buchs des Horaiii, zu seinem u. anderer Vergnügen verfasset
und vollendet von Caspar Äheln. A. 1738." Den Inhalt bilden
50 Epigramme des Boileau auf 21 Seiten, sodann 16 satirische Ge-
dichte in niederdeutscher Sprache auf 108 Seiten und am Schlüsse,
sowie auf den VorsetzbUittern des Bandes hochdeutsche Ueberselzungen
aus Horaz auf 22 Seiten, sämratlicb eng geschrieben. Das Format
ist Octav.
Hierdurch ist es uns ermöglicht, die Bestrebungen Abels für die
Pflege der uiederdeutscbeu Sprache ganz anders zU würdigen, als
Subeller im Stande war, dem es, wie er (Bücherkunde p, 361, Nr. 1480)
selbst berichtet, trotz aller Bemühungen nicht gelang, den ersten
Theil aufzutreiben, so dass er also gar keins der drei gedruckten
Originalgedichtc zu Gesicht bekam und Abel nur als Uebersetzer kannte.
Im Ganzen sind uns in dem vorliegenden Bande erhalten:
I. Origin algedichte.
a) gedruckte:
1. Ein Gespräch vom Frauenvolck und dem Ehestande.
Boileau Th. I, p. 287.
2. Ein Gespräch vom Mannsvolcke und dem Ehestande.
Ibid. I, p. 293.
3. Die verkehrte Welt. Ibid. I, p. 300.
b] UDgetlrucktc :
1. Die hüifflose Sassine.
2. Der in einen König verwandelte Bauer.
3. Bdphegor, oder ein böses Weib desTeuifelsObermeisteri
4. Der keusche Joseph.
5. Die zwo Schwestern.
6. Der Bauren-Krieg.
7. Der abgedanckte Soldat.
8. Die Baurenhochzeit auf dem Carneval.
9. Oespräch von jungen Widwero und ihrem Wicderfreyen.
10. Gespräch von bösen Weibern, ob und wie sie zu zwingen.
11. Esther und Hamau.
12. Der Tochter Jephtha Thräneu und Tröstungen.
13. Das verlöhrne Paradies.
14. Das wiedererworbene Paradies.
16. Der verlöhrne Sohn,
16, Der reiche Schlemmer.
II. Uebersetzungen
(siimmtlich gedruckt) ;
YirgilüEcIoga 1. Boileau I,p. 248. Virgilii Ecloga 8. Boileau 2, p. 125.
2,
, 105.
9.
^
1, , 253.
2,
, 110.
10.
2, , 131.
1,
» 257.
Horatii Sat. II, 6.
„
1, , 263.
2,
, U5.
11,7.
„
2, , 236.
2,
• 118.
Epist. I, 7.
„
1, , 273.
2,
■ 122.
1, 10.
„
1, , 260.
7.
Bei der Auswahl der hier folgenden bisher ungedruckten Ge-
dichte ist der Inhalt massgebend gewesen. Das erste ist der schon
erwähnte Tractat von der ^gantz verstossenen und verlassenen edlen
Fürstin Sassine", das zweite behandelt ein in der hoch- wie nieder-
deutschen, ja in der Weltliteratur unzähligemal variirtes Thema:
Die Kunst eine böse Sieben zu zühmen — hier freilich mit negativem
Resultat. Als Probe seiner Uebersetzungs- resp, Uradichtungs weise
ifit noch die 9, Ecloge Virgils aus dem ersten Theil p. 253 beigefügt.
'n der Orthographie ist im Ganzen nichts geändert, nur wo Abel in
den gedruckten Stücken, resp. den später dazugefügten Correcturen
-eine Schreibweise consequent durchführt, die in dem Manuscripte
schwankend ist, ist die im durchcorrigirten Texte stehende eingesetzt.
Sprache und Orthographie bekunden die lieimath des Verfassers —
ein Gebiet, in dem sich bereits der Uebergang zum Hochdeutschen
anfing recht fühlbar zu machen.
Die bülfflose SaHstne.
Ab noch dat Ileidendom, wovan uns Gott befryt,
by denen Datschen was. to user Vader Tiet,
da was en KöBig ock im nllen SaUen Lande,
dat ehrtiets van dem Belt, am Elv u. Weßer Strande,
bet to der Emse gung, u, bovcn dorcb den Hart,
den Brock u. Drömmeling, alheel umsloten ward,
et wobneten daby de Wenden, Werlen, Swaven,
Langbörder, Dürringer; de hadden obre Graven
8
«
Hertogen, Eöfiige, as öhnen dat gefell,
doch et bringt raick to wiet, wenn ick et juck verteil.
ick will man wedder um nah minen Saßen kehren;
Öhr Hertog Albion leet sick as König ehren,
u. nahm sick ene Vru, de Vörstin van den Rhyn,
upstunt mag Holland da Utrecht u. Vresland syn,
Gudrune^) was öhr Nahm, wüst guden Rath to geven
wat Overall to dohn, wat nütt u. qvad im Leven
na der Allrunen Art, doch, wo de Schönheit feilt,
da ward nich licht en Rath der Leeve mitgedeilt.
Gudrune was nich schön, ock nich vuU Cumpelmenten,
de se vor ollers nich in düßem Lande kennten,
se was wat liketo, mein aver alles got,
u. was nar ollen Welt en trü u. ehrlick Blot.
Frankisse^) marcke dat, de Königin der Francken,
de Henger sali et öhr, u. öhrer Falschheit dancken,
se frog se listig ut, gaff se herna brav an,
u. brochte se dadorch um Öhren echten Mann.
denn he, vull Spiet u. Tom, gaff öhr wat up dat Ledder,
verstott se gar van sick, u. nam Frankißen wedder.
Öhr aver deh de Schimp in Öhren Herten weh,
u. leep met suchten fort, bet an de wilde See,
da sach se sick herum, so wiet de Ogen gingen,
of da keen Scheep nich was na Holland se to bringen.
se fund to Öhren Glück deep in der See en Scheep,
dat even up den Rooff na frömden Inseln leep,
u. Sprung int Meer henin, um to öhm hen to komen.
Hengst, de im Scheepe was, so drah he dat vernomen,
dat sick en Vruen Minsch tom swimen up gemakt,
so kehrd he um ehr se noch an den Grund gerakt,
u. tog se in sin Scheep, as se dat leeve Leven
vor Ohmacht up een Haar, im Water upgegeven.
He frog nu wer se was, un as he et erfohr,
tog düße Rover Vörst se siner Horse vor,
u. föhrde se met sick int Land der rieken Dritten,
dat sine Lüde noch up düßen Dag besitten.
He telde da van öhr en wunderschöne Kint,
dergliken man nich veel in allen Ländern find,
man het et Engelke, süD aver Rosemunde,
u. körter Röneke, wo ick et recht verstünde^)
de Maent ist nich so witt in sinen vuUen Schien,
*) Gudrune ist die alte A^oriische oder Nieder-Teut8che Sprache. In der
Poesie der N. Sachsen rechnet man auch die Scliweden und Dänen zu ihr.
') Frankisse aber die Ober-Teutsche oder Fränkische.
') so soll zwar Hengisti Tochter, u. Wortigerni Gemahlinn, geheisaen haben,
hie aber wird dadurch die Engeische Sprache verstanden, die aus der alten Nieder-
Teutschen ihren Ursprung, doch sich sehr verändert, hat.
u. kene Rose mag so schön bepurpert eyn,
as Öhr Gesichte was. Wat brukt et veler Worde,
de Köfiig Wortigcrn, dem all dat Land behorde,
verleevte sick in se, u. se word sine Brut,
damet was all ühr Leed u. uhrer Moder ut,
de by den Dritten na de Overhand bekemen,
u. alle Dage to an Ehr u. Anaehn nehmen;
gans Grol-Britatmien bölt se noch leetf u. werd,
se batt sick ock dasülffst so statück utstaffeert,
dat man se kum mehr kennt, u. manker et wot swöre,
dat se in Saßenland to Huse nich gehöre.
Ick Ute se nu da in öhrer Herlicheit.
u. sehe to, wo et Gudrunen Dochter geiht,
de se dem Albion in Dütschland hinderlateo.
Se was sin enig Kind u. Erve siner Staaten,
en Kind van Lieve schön, noch schöner vao Gemöth,
u. even as im May de kleine Lilge blöht,
de in den Dahlem wäßfc of gliek se kener wahret,
so hatt by Öhr Natur u. Dugend sick gepaaret,
da et an Tucbt gebrack. Wer such sick na öhr um?
Frankiße was to stolt, u. heelt se gar vor dumm,
dat werd dem AlLioit van öhr ock wies gemaket,
wenn se nah öhrer Art öhn smeicblich nog gestraket,
so sprak se: lieber Mann, was däucht dir doch dabey,
ob die*j Saöine wol von dir entsproßen sey,
ich zweitFle fast daran, das Mensch hat kein Gehirne,
u. schwatzt bey meiner Treu wie eine Bauerndirne.
wenn dir Gudrune nur nicht einen Streich gemacht,
u, einen Wechselbalg dir in das Haus gebracht;
sie miiste denn allein nach ihrer Mutter schlachten,
denn von dir hat sie nichts, das kan man leicht erachten.
De Kofiig lüvde dat, u. word öhr ock so gram,
dat se gar seilen mehr öhm vor de Ogen kam,
u. kreg he se to sehn, so fung he an to kieven,
dat se man wünscbede wiet von öhm wegtoblieven.
ball tögen se ehr ock de bunten Kleder afi,
u. wat Öhr süß noch mehr en betgen Ansehn gaff.
ja endlick moste se in obres Vaters Koken
en Aschenboßel syn, wer soide se da soken.
ball brühde se de Kock, ball schor se Knecht n. Magd,
Siisößel, segten se, dat is wat di behagt.
sprack se gans bedrövt, wer ick doch nich gehohren,
de Moder heb!) ick erst, den Vader ock verlohren.
wat hebb ick arme Kind wem hebb ick wat gedahn.
10
worum werd denn met mi bo övel umgegabu?
wo keeno Schuld nich iß mott kene Straffe i
kan ick Bchon as se scggt nlch scliricven ock nicli lesen,
Ican ick doch nist davor, wer hett et inick gelehrt,
u. wenn hebb ick wol wat van guder Kunst gehürlV
versökt et erst, vellicht werd mick min Werk noch priesen,
ick Ball barbarisch syn, wo wilt se dat bewiesen?
ick bin ken Ungehür, ick bin en Minschenkind,
van miner Ollern Art, u. so as se gesinnt.
weet ick nu glick noch niat van frömder Hoffart Saken,
so werd mick doch dat nich to enem Undeert maken,
wenn ick sü0 klock u. from trü n, uprichtig bin,
en ider richtet sick na einem Kopp u. Sinn
en ider deackt u. spreckt as Gott öhm ingegeven,
ick aver sali nich mehr na miner wiese leven,
ick, de ick doch so wol als andre kilddern kan,
sali stuoi u. alvern gyn, dat geiht unmoglick an,
86 mögt mick noch so sehr utlachen schellen baten,
so kan u. will ick nich van miner wiese laten,
Sa0ine hadde recht, doch ae fund ken Gehör,
Francisse föhrde sick na de Steeffmüder Lehr
ja noch wol arger up, u. kiinn se gar nich lieden
se leet Öhr ock dat Haar van öhrem Koppe suieden,
dat witt u. lockig was, u. 'ihr recht artlick satt,
denn öhrer Afgunst na was se noch vel to glatt,
doch se bedrog sick sülffst. en nietsrh u, wacker Mcken
lett ock im Winckel sick so lichte nich versteken,
je mehr et sick verkruppt je mehr werd et gesocht,
u. ehr mant sick verholt ans Dages Licht gebrocht,
SaCine fung nu an en betgen grot to werden,
u. et verreden se de vorstlicke Geberdeo,
dat se ken Wievesstück van groffstem Ituron-Stai",
u. Öhren Orsprunck nich in düstrem Stalle nam,
Se plegte sick wol nich met Worden so to taeren,
as et de Damen süD van Öhren Mümen lehren,
se makde kenen Knix u. Öhr was nich bewost,
dat se bym Knien ock de Bost erheven most,
likwol fund sick by Öhr en upgeweckt Gemöthe,
u. alles wat se deh dat hadde Hund u, Föte,
Öhr Umgang was gemein, nich na der nieu Welt,.J
de sick in Minen bog u. falsch in Worden stellt,
doch wüste se daby sick höfflich uptoführen,
u. Öhr Gesprekc was recht leefflick antobüren,
et hadd öhr nems gewiest, doch wörd et öhr nich eur,
denn by öhr speelete de kiinstlicke Natur.
Frankisse sach dat wol, u. woU öhr ball verdreten,
dat se SaßinsD nich in obrer KÖke leeten,
II
se nam se uich met ut Dp ene Gastery,
u. slote se davor in enen Keller by,
denn se besorgde sick, wo se met ingeladeii,
80 möchte dat cilir sülffst u. iihren Dochtern schaden,
se hadde deren nog ut Francken nietgebracht,
u. olinen badde se dat Riek schon togedacht,
de musten nu geputzt raet Perlen n. Rubinen
up allen Kosten syn, u. gans van Golde schienen,
SaOiuen aver, de im fulen Locke stack,
u. nich vor Lüde kam, der deh et wol en Sack.
Et drog aick aver lo, dat enmal en Druide^)
Öhr enen fienen Rock van ungefarvter Siede
metliedig overtog, u. se so utgesraückt
as ene schöne Brut, met hen tor Hochtiet schickt,
En ider wunnert sick, as se da word vernomen,
wat se vor ene was, u. wo se hergekomeu,
en ider freut sick ock, wenn he se speelen sliht,
bet dat se heimlick fort na ohrer Koke tüht.
Frankiße sülifst deiht Öhr vor annern grote Ehre,
u. dencket nicht daran, dat et Saßine were,
of et Öhr wol verdrüt, dat alle junge Welt
van diiOer frömden mehr as öhren Docbtern holt.
Doch kurat et endlick ut, Öhr Rock werd ock gefunnen,
of se öhn schon ntet Fliet in Lumpen ingewunnen;
Frankissa schilt u. sleyt as of se böses dahn,
u. se derff nich mehr ut to ener Koste gähn,
dagegen honen sick en Hupen loser Mutzen,
de na SaQiuen Art sick vor de Geste putzen,
u. geven sick vor se in allen Zechen ut,
wenn Hans de Grete fryt, so kan de dume Brut
nich hen tor Kercke gähn. Saßine mott se leyen.
Saßine mott ölir ock towielen Hexel stroien,
Saßine süt daby wenn se to Bedde geiht.
Saßine weet et wol wat se im Bedde deiht,
wat gastrig, unverschämt, affschulick antohören
dat sali Saßine dohn u. alle Buren lehren^)
de fulste Zoten gähn ut obren reinen Mund,
u. se makt sick alleen dorch öhre Groffheit kund,
se weet ock anners nist to köhren u. to swatzen,
as duile stinckige u. kuderwelsche Fratzen").
So werd dat arme Kind in groten Schimp gebracht,
woröver kener mehr as de Frankißa lacht,
' doch de Saßino will sick gar to Dode grimen,
') Joh. Wilh. T^arinherg, Jer sie in Nieder Sftchsischen Satyren dtfenditel
hat. 3ä}m elogium vid. in Benchl v N Bncliern p 293
") Wie die Nitder-Säi lisischp 'iprache liblinr durch unflange Schriften und
Gedichte recht prosliUiirti, und 7um Gciaclitei gemncht v. orden, ist mehr ala zu bekant.
t2
se kan aiclt ock nich mehr vor grotem Ifer tarnen.
Dat Gott erbarm, spreckt se, wat makt man DOch ut mick,
deckt allet Schandpack nu met minen Namen sick?
Ball ick de Kortswiel syn der Boven u. der Hören,
80 hädd ick leever raick gar ut der Welt verlohren.
iß kener mehr, de aick min Elend jamern lett,
u, mi dat Levent nemt? dat were mi ja bett,
aa dat ick mick so sali tor Untucht bruken Uten,
u. alle Lüde nu den Argwohn van mi faten,
as of nist plumperes ock'nist uoreinera sy.
wer makt mick doch enmal von solcker Schande fry,
wer bringt mick an dat Licht, wer gifft mi Macht to spreken, J
11. hilpt, dat ick mick kan an minen Fienden räken?
Se weende bitterlick, doch da was nist to dohn,
Öhr Trost in öhrer Noth was nist as Spott u, Hohn,
u. kener badde Lust aick öhrer antonehmen,
ia scheenen sick vor Öhr in Warheit recht to Bchämen.
drum Word se ock to lest vor Unoioth desperat,
verleet Öhr Vaderland u. Öhres Vadera Staat,
se wolde leever gähn, u. hy den wilden Deeren,
aa hy den Öhrigen, en achimplick Leven tohren.
Se hung den Plunder um, den Öhr Frankissa leet,
de aver stellet sick as wenn se et nich weet,
u. freut im Herten aick, dat se davan gelopen,
so kan se desto mehr vor obre Dochter hopen.
SaDioe wandert fort, u. dript glick cnen Kahn,
de up der Elve ligt, to öhrer Nothdurfft an '),
se geiht dorch Mecklenburg u. Pomern to den PriiOen,
se geiht noch wieder fort dorch Lieffland to den Ruinen.
se stellt sick an den Weg, so naket u. so blot
se van der Reise waa, u. söckt en Stücke Brodt.
de Czar kam even her to Obrem groten Glücke,
u. tog vor Öhr vorby, se fodderle en Stücke,
he sag se fründlick an, u. sprack, min guda Kind,
ick mercke dat ji nich van siechten Lüden sind.
wer aiod ji, segt et mi. se sprack ick bin Saßine.
ey, sprack he, sind ji de, de mine Catharine
so offte mi geröhmtV so leeff as se mi iß,
so leeff sind ji mi ock, dat lövet man gewiß.
ick bin in Hollsiud west, ick weet um jae Sake,
u. hoUe likeveel van juck u. juer Sprake.
min Oatermann, de mi so grote Deenste deiht
u. de darum by mi in groten Gnaden steiht*),
de iß ja Landsmaoo ock. Wat will ji wieder lopen,
') Durch alle golche Länder hat sich die Nicdir- Sachs ist he Sprache ausgebreitrt.
') Die darin war aus Lieffland, und Graf Oslermauu ist aus Westfahlen.
13
blievt hier, mia ganDe Riek steiht juck u. allen npen
de trü u. ehrlick syn, so wahr ick Kaiser bin
so hebb jit got by mi uq miner Kaiserinn.
SiiDine lövde dat, worum so!! set nicb lövenV
also nam se sick vor en betgen da to toven,
et was ock gudo nog so lang as lie ge!evt,
u, sine CzariQ übm im liieke nagestrevt;
aa aver diiße starff, so fung de Dolgoruke
de Herschopp wedder an na Rußiscbem Gebruke,
he was den Datschen gram, u. tog den jungen Czar
van allen frömden äff, dat sacb man openbar,
he was ock gar ken FrUud van anner Völcker Spraken,
drum reeth öhr Ostermann sick wedder weg to maken,
slog aver Öhr wat vor, dat obr recht wo! gefeel,
dat se to Engien sick aa öhrer Sweater beel,
u. deien grotsten Sohn to (ihrem Byataud nehme,
dorch den se gans gewiß to ohrer l*'ryheit kerne,
vorut da he du ock dat schone Land besät,
dat ehrtiets Albion öbr Vador ingehatt;
he were wo! ken Fiend der Königin FrankiOen
u. wörde se nlch gar ut sinem Rieke mißen,
doch moste se ock nich Salinen Unrecht dohn,
dat leed he nich van Öhr. Wer he schon nich öhr Sohn,
so wer he doch as se vam Iflot der eddlen Saßen,
u. noch dato by Öhr in Diitschland upgewaßen,
de Fryheit, de he ja Wenditten'j nich veraegt,
de würde noch vel ehr Saßinen bygelegt,
in sinem Lande sick met Ehren uptohollen,
fry ut u. intogahn, ast öhr beleeven wollen.
Saßine, de den Rath gar wol to Herten nara,
ging äugs, so bald se man in Dütschland wedder kam,
tom Advocaten hen, u. bat öhu sehr met weenen,
in öhrer Salien Öhr na siner PUcht to deenen.
he stogt Öhr aver äff, u. sprack min leeve Kind,
dat iö ken Werck vor niick, ick bin Frankißen Fiiind,
juck aver kenn ick nich, gabt hen na enem Küster,
u. klagt öhm jue Nolh, dat iß ju Schrievemester,
u. werd juck wol veratahn, ick weet nich wat ji willt.
Saßine stund, verstarrt glick as en Marmelbild;
so weh de Schimp öhr deh most se öhn doch verbieten,
gedult de was öhr Noth, u. der sick to beflieten
ging se stillawiegens weg, u. na den Köster hen,
den bat se enen Breeff öhr to verferdigen.
he sprack dat kan eck wol, gefi't mi man Black u. Fedder
2 Die WendiBcbe Sprache, welche im Lünehurgischen cbmahls verboten, her-
er wieder freyg^eben worden. In der Teutschea Gesellschaft Nacbricbten
T. Ilt wird eben du der Nieder-SaLchsischeD zngedachl.
14
en Blatt Papier datau, sau taili eck Augs van Ledder,
u. skrieve wat eck wait, wie! Tinte noch im Vatt,
Frankisse skal wol saihn wat Bai geraaket batt.
duno fang he crstlick ud sin Tintvatt umtoröbren,
dat gana verschimmelt was, he socht dat Pulverhören
wo sine Fedder stack, he fuud ock noch en Blatt,
doch was et vullgesuht van Fett u. Beere natl.
Saöine dacht in sick, du magst wol nich vel schrieven,
leet aver et alleen by den Gedancken blieven,
u. aprack ken Wort dato, he makte sick daby,
u. tog en grote D na siner Kritzely,
dat was tein Ellen lang, u. gans vuU kruser Folien,
SalJine mogte nist vau solcken Pußen hüllen,
dat sach man Öhr wol an, doch sweeg so still dato.
drup Bchreeff he wider fort: De Keirni wait et jau
wat eck vaur aine ben. o sprack se lat et wesen,
ick hebbe nog gesehn, ick mag nich wider lesen,
de Ohren dohn mi weh vor diuer Kakely,
ick weet ock nich wat dat vor one Sprake sy.
ick spreke truo ao nich, u. wenn ick Schob bestelle
BO krieg ick kene Schau, wenn ick wat so verteile,
BO mack ick kene Sau, u. hebb ick wat to dohn,
BO iß dar nist to dann, da heatu dinen Lohn,
Bchriev ja niat mehr vor mick u. seuke leiver Staine
tau dineo 'fietverdrieff, dai in dem daipen Rbaine
u. in der Auker sind, dai krigatu naug tau saihn,
bu di en Hus davan, dat staibt di gar tau scheun.
Damet ging se henwi'g, u. leet den Hasen lopen'").
Doch halt se noch herna den Vorsprak angedropen
den se so lang gesocbt. et was en ehrlick Mann,
de nam sick obrer recht ut gudem Herten an,
u. mak Öhr Rum u. Platz den Koflig uptowabreu
glik da be rede was na Gohrde hentofahren.
Wenditle hadde sick ock an den Weg gestellt,
u. dat kam öhr to paß, dat düße Vörst u. Held
se by enander aach, he leet den Kutscher hollen,
un frog upt gnädigste wat se (ihn bedden woUqb, J
Wenditte segte, nist, se danckete velmehr,
dat se nu wedder fry van Öhren Kedden wer,
se woll in Kwigheit der Wuldat nicb vergeten,
u. sines Nahmens Rohm mit uttobreden weten,
so Ewack u. arm se was. Saßine neigde sick,
u. sprack min Fngels Priutz, ick dancke Gott u. juck,
dat ick dat Glück gehatt jUck enmal siilffst to spreken,
'") Ea ist eine Schande, dass man in Plut-Teutsctie Gedichte die garstigsten
Dialeelos der Bnuren zusanuneDScIiiniert, das icli denn aa lieana sonst guten Ge-
dicbten in der Poaic der Nieder-Sachsen desidtrirc.
15
ick Beh wol dat ji juck vor kenen nich vereteken,
de wat to eöken batt, u. ä&i i& recht u, got,
so hört dcQD wat ick will, ick bin van juen Blot,
Saline heet ich süß, Ji werden mi wol kennen,
nu aver möcht ick niick Burelleke benennon,
da mi kuna nocb vergünnt met Baren umtugalin
u. alle aiinere sick miner gans eutsLahn.
Docb iß jiick wol bewust, dat ick vor velen Jahren,
as noch de Kaiser siilfst ut minem Statne waren,
u. Öhre Ileaidentz to Mtidehorg gehatt,
by öLnen up dem Thron in hogsten Ehren satt.
oiiQ twieSel denck Ji nouh an jeAen groteu Lauen,
(Ji bebbt nich langü Tiet, drnm will ick man mick tauen)
as be to bodden feel u, siaer Fiende Macht,
»hn um sin Saßeidand ohn sine Schuld gebracht,
da feel ick ock met öhm. De Francken u. de Swaven
entögen ühm u. mi de Vürsten u, de Graven,
de ühm süß underdahn mi togedabn gewest,
u. ick beheel alleen ju eddle Lauen-Nest.
ock darut hatt mi nu I'rankißcn List gedreven,
na Öhr mott alles syn gesproken u. geschreven.
vordüßen hadd ick Holf Uathhus u. Cantzel in,
de olde Chronicken sollt davan Tügen sjn,
ick leerde Goddes Wort, ick schreef der Vörsten Sakeii,
ick sprack dat Ordel ut, u. kunu ock üocker maken.
min Rincke Voß werd nocb van allen aestimert,
u. kener iß de ohn nich gerne spreken hört;
as ock Frankiße mi dat Mannvolck schon entogen,
bleef doch dat Fruenvolck noch lange mi gewogen,
u. wer met öhnen sprack was ock met mi bekant,
so hadd ick doch dat liieck noch halff in miner Hand,
doch nu iD alles fort, et iß ken gnatzig Meken,
wenn et by Lüden deent so will et Franckiacb spreken,
ja mancke Mesterinn twingt obren Jungen schon,
dat he up Fränckisch ühr mott sine Deenste dobn,
schön grüßen mott bo sc nich aver friindlick grüten,
wo nich so werd he dat met sinem Puckel böten,
u. wenn he ens van mi en Wördken hören lütt,
so segt sc, dat de Bur öhn in den Nacken stött").
Seht docb, so geiht et mi, sali mick dat nich verdreten,
dat ick mott aivern syn, dat ick mott burisch heten,
de ick van olders her docb ene Kaiserinn,
u. wol SD klock u. got as de Frankiße bin.
dat 60 80 wiese deiht, dat steiht Öhr wol to günnen.
") Dass eich der Plat-Teutsclien Sprache itzo fast cid jeder srhüime ist gewiss
und auf die weiae wird sie sich bald gar aus der Welt verliori'ii.
16
86 sinückt de grote Staat mick schimpen miae Pliinnen
86 hatt der Deener nog, de se so utgeflieht;
10 aver wol en Minsch, de up mick arme süht?
Man kan dorch Kunst u. Putz ut enen Hoppenstacken,
wenn man et bebben will, en Modepüpken maken,
10 aver en Demant nocb gar nich utpoleert,
so batt be nicb den Glans de öbm 8Ü0 tobebört;
u. so geibt et mi ock. wer iß to mi gekomen,
wer batt sick miner Wol mitliedig angenomen,
wer batt mick inforroeert wat wol un övel steibt,
u. wat en klocke Minscb by sines glicken deibt?
ken Bur- u. Beddelkint der allerarmsten Horden,
de in der Wöste sind, iß so versümet worden.
so wenig, ia gar nist, bat man an mi gedabn,
en grote Wunder ißt dat ick nicb längst vergabn,
et scbient ock, dat se mick vorhebben uttorotten,
da se so scbimplick mick verbümpeln u. verspotten.
Herr König geft et docb, ick bidde juck, nicb to,
se seggt ick döge nist, dat aver iß nicb so,
Gott batt mi evenwol Verstand u. Kracbt gegeven,
sin u. der Helden Loff geböbrlick to erbeven.
De Musen bellen ock van miner Sprake veel,
u. se verwerpen nicb min slicbte Singe-speel,
werd et o Könnig juck in Gnaden man gefallen,
so sallt bald anners gabn, u. leefilicker erscballen,
ia ick vermete mick, dat ick in korter Tiet,
wenn Fliet u. Arveit mick wat beter utgeflybt,
Frankissen glieken will*') de docb in so vel Jabren,
dat se sick scbon geövt, wiet mebr as ick erfabren.
Et kumt näst Gott up juck u. jues glieken an,
wo ji mick nicb versmabt, u. ick mick röbmen kan,
dat Ji mi gnädig sind, so feilt et nicb an Lüden,
de minen Pegasus van Herten gern berieden,
so stellt sick ock berna en beele Sellscbopp in,
u maken mick so scbön as ick nu gastrig bin.
denn sali Ji jue Lust an minen Ledern boren,
u. junck u. old wcrd mick mebr as Frankipen ebren.
dat dregt de Sinn mi to, et plegt ock so to gabn,
wer hüte nedderligt kan morgen wedder stabn,
u. wer am bögsten stigt kan desto deeper fallen,
Tiet Glück u. Mode speelt so wol met uns as allen,
je böger Jcartis je näger ip sin Fall,
de Tiet iß noch nich da, de mick erbeven sali,
wenn Goddes Will et iß kan et sick licht begeven,
") Das glaube ich sicherlich, und die Erfahrung würde es geben, wenn man
rechten Fleiss an sie wenden wolte.
17
wat he erneddriget dat kan he ock erheven,
u. na dem Nefiel folgt de schönste Sunnenschien,
ick ligge nu so deep, et kan nich deeper syn,
ick ligge scheeiF u. krum, in Asch u. Stoff vergraven,
se aver hatt sick hog ia overhog erhaven,
doch weet ick noch de Tiet dat ick wiet vor öhr satt
vellicht verkehret sick dat lichte Glückesblatt,
u. sleit noch enmal um. dat mag sick sacht begeven
ick will tom wennisten der guden Hope leven,
u. helpe Ji mi man min Könnig, Vörst u. Held,
so löv ick et gewiß dat mine Fiendin fällt.
Se segge wat se will van mi u. minen Saken,
ick will wenn se't verlangt met öhr de Profe maken,
of ick nich even so verleevt u. so bedrövt,
(wenn ick en betgen erst mick in der Kunst geövt,)
so hog u. sinnrick kan, so nett u. lustig schrieven,
wat gilt de Bjfall sali up miner Siede blieven.
De Fransmann segt et schon u. ock de Engelsmann,
dat he vel lichter mick as se begriepen kan,
et gruet beiden recht vor öhrer swaren Tungen,
u. meinen gar se sy ut Scythien entsprungen.
Se blieve wat se iß, maneerlick nett u. fien,
wenn se mick ock man lett in miner Wörde syn,
ick will so wennig se verlästern as verdrieven,
se late mick man ock in minem Lande blieven.
Dat aver geiht nich an, dat gev ick öhr nich fry,
dat se de Könnigin ick Öhre Slavin sy,
dat ick met Buren sali, kum as eu Kohstall-Meken,
u. se met Vörsten will as ene Vörstinn spreken.
Ji hören mick upstund met groter Langmoth an,
u. sehn woll dat ick ock met Vörsten spreken kan,
so werd et hop ick juck Herr Könnig nich verdreten,
dat ick in Demolh mick deiff jue Fründin beten.
damet so sweeg se still as se sick deep gebückt.
As se de Könnig nu in Gnaden angeblickt
gaff he Öhr den Bescheid. Dat leete sick nich twingen,
se moste sülvest sick to Ehren wedder bringen,
Gelehrde können veel by öhrer Sake dohn,
u. de Poeten ock, de wieder kenen Lohn
von Öhr verlangeten, as welcken de bekomen,
de der Frankißen sick so trülick angenomen.
daby leg alles doch am Glück u. an der Tiet,
nich an der Minscheu Gunst, ock nich an Kunst u. Fliet,
wenn Öhre Stunde da so wörd et öhr gelingen,
wo nich so wer et nist met allen Öhren Dingen.
He wold Öhr underdeß gar nich to wedder syn,
et stund ock allen fry se wacker uttofliehn,
Niederdeutsches Jahrbuch. VIII.
18
se möchte sick bemöhn, u. dat vor allen Saken,
by der gelehrden Welt sick recht beleevt to maken.
To Hamborg fünde sick vellicht en Partisan,
to Lübeck drepe se vellicht ock enen an,
to Kiel u. Rostock ock, to Bremen Zell u. Minden^
Hannover, Lüneburg, wer ock wol wer to finden,
to Brunswick, Madeborg, Helmstedt u. Haiverstadt,
dor wüste man vellicht vor Öhren Kuiuer rath,
he wünsch öhr Glück dato, u. sold öhn recht vergnügen
wenn vele se hervor ut Öhren Winckel tögen.
Saßine danckede in underdänicheit
vor solcken guden Rath, u. makde sich bereit
die Reise fiugs to dohn na den gerühmten Stidden,
u. twiffelde gar nich sick Hülpe to erbidden.
Se nam noch mehr sick vor u. wolde na Berlin,
Eibingen, Könnigsberg, Thorn, Dantsig u. Stettin,
Gripswold u. Franckford hen, u. wo se wieder beten,
wo sick de Lüde noch öhr gut to syn hefteten,
ock in de olde Marck nam se sick vor to tehn,
u. allerwegen sick na Bystand umtosehn.
Wat et Öhr helpen werd, dat werd de Tiet uns lehren,
dat weet ick Hintz u. Cuntz werd sick an se nich kehren,
Hans Albrecht wiest se hen to Mester Groffian,
de met der Klocke lühn u. Zoten riten kan,
an Spöttern werd et wol an kenem orde feilen,
wenn öhr man enige noch Rath u. Trost erdeilen.
So vel ick et verstah werd öhr dat Schaden dohn,
dat de Poeten sick u. Öhren Helicony
Frankißen schon gewiht, ock hier in Nedder-Saßen,
wo se nu overall up allen Bömen waßen.
doch dem sy as öhm will, so hop ick doch met öhr,
geflft brave Dichter erst en betgen öhr Gehör,
so werden sick wol mehr up Öhre Siede slagen,
de Öhr behülplick sind den Kraus davan to dragen.
en frischer Anfang iß so gut as halft gedahn,
de anren folgen schon wenn se voran gegahn.
Noch aver dohn se't nich, dat hebb ick wol vernomen,
u. noch will kener öhr to rechter Hülpe komen,
Frankiße litt et nich, in de se sick verleevt,
u. Öhr tom Rohme man sick in dem rimen övt.
so werd Saßine denn nich lichte Byfall kriegen,
u. de gelehrde Welt met Schrifften overtügen
dat Öhr to nah geschüht. am besten dat se dregt
wat Öhr Gott upgelegt, u. ut dem Sinn et siegt.
sitt se as Vörstinn nich up Öhres Vaders Throne,
80 iß se doch nu fry: se dregt ock ene Crone,
de use Schapers öhr ut schönen Blohmen makt,
19
wenn se sick ock by uns an kohlen Beken strakt
u. wiet van Nied u. Striet met usen Lämern speelet,
so halt se sick gewiß dat beste Deel erwehlet.
de hoge Stand werd wol vor glücklich angesehn,
he iß et aver nich, vel Sorgen drücken öhn,
u. seilen fohlt he wat van dem vergnögten Leven,
dat Gott dem neddrigen to sinem Deel gegeven.
Frankisse weete sick met öhrer Hogheit veel,
Gott ehre mi davor Saßinen Schaperspeel,
Frankisse mag allwol van Krieg u. groten Dingen,
Sassine sali davor van Lust u. Leeve singen,
so dantzt de Satyren u. Nymphen um se her,
u. maken se dadorch noch teinmal lustiger.
't iß beter dat se lacht, as dat se weenen moste,
se hüppt ock leever met up euer Buren Koste,
as dat se vuller Twang an euer Tafel sitt,
wo man ken Betten Brod met fryem Herten it.
Hatt nu ken Groter Lust sick öhrer antonehmen,
so werd se sick darum wol nich to Dode grämen,
se fregt ock nist darna, werd se schon nich geehrt,
wenn man se doch daby nich mehr prostituert,
u. ene Schandsack gar ut ene Yörstinn maket,
de alles lieden sali wat Hören wol versaket.
Wer se nich leever hatt, as dat he se wat brüht,
u. Öhr en Narrenkleed ut Freffel overtüht,
de deiht by Öhr segt se as en = ick magt nich seggen
en ider weet sick sülffst den Titel uttoleggen,
Doch hopt Saßine noch up öhrer Täder Ehr,
deswegen horcket se u. freut sick desto mehr,
da se de Tieding krigt, dat man de Stadt Göttingen
tor bogen Schole makt. werd Öhr dat vordel bringen?
se bildet sick et in; u. et geschüht vellicht,
dat se da wedder Ruhm sick uttobreiden krigt.
Werd Gott öhr Glück dato u. sinen Segen geven,
ja fenget se dasüliFst van nien an to leven,
so werd ock Göttingen dorch Öhren Glans u. Schien,
en Findus u. Parnass in Nedder-Saßen syn.
Gott gev et dat se mag tom Pries der eddlen Saßen,
as ene Palme blöhn, as ene Ceder waßen,
dat, wenn Frankiße veel van Hall u. Leiptzig holt,
Saßine Göttingen öhr driest entegen stellt,
u. lett de ganse Welt davan dat Ordel spreken,
dat se nich brücket sick vor öhnen to versteken.
a*
20
II.
Gespräch von bösen WeiberD, ob u. wie sie zu zwingen.
As mick ene fule Lust na der Arveit ingenomen,
gung ick hen vor use Dörp, da dat Veh schon ingekomen,
wenn sick süß en ider Bengel up der Bank im Huse strakt,
un met siner Trienke köddert, de öhra wat to eten makt.
ick Stack enen Knaggen Brodt u. twe Kese in de Ficke,
u. frat mick up miner Hand unnerwegens tapper dicke,
dat gaff Marck in mine Knoken, u. word wedder starck u. frisch,
schor mick nich um usos Junckers Koken, Braden, Fleesch u. Fisch.
As ick in dat Feld nu kam legt ick mick an enen Graven,
hinner enen grönen Tun mick in köhler Lucht to laven,
wo he van der Qvell u. regen even gans vull Water stund,
so dat ick ock wat to drincken minen Dorst to löschen fund.
ene Stunde lag ick wol mick en betgen umtokieken,
denn so dacht ick wedder hen as en Voß na Hus to slieken,
doch de Slup wer mi gekomen hadd ick ken Gepral gehört,
dat mick denn ut minen Drösken ehr ick mickt verhött geföhrt.
I, dacht ick, wat mag dat syn, wilt de Lüde sick hier ruppen,
so mott ick by Tieden gähn, süß kora ick met in de Kluppen,
doch, as ick mick upgerichtet hör ick dat se wat verteilt,
as mick ducht vom bösen Wieve de den Mann so övel holt.
't iß wat nies, höre to, dacht ick denn in minem Sinne,
't iß wol gar, wat gilt et dick, van Hans Teeri usem Frünne,
de erst nülcken hatt gefryet, soll dat Wief so böse syn,
dat will ick doch nüuier hopen, et lett ia so from u. fien.
düt dreef mick wat näger hen, 't weren twe van usen Buren,
u. ick krop dicht an den Tun öhr Geswatze to beluren,
och wat sach ick da potz velten, euer grauste as en Kind,
u. den annern hör ick trösten, süh wat dat vor Pußen sind.
't durte mick van Harten sehr, dat sick Marx so hermen solde,
doch gefeel et mi daby dat öhn Thomes trösten wolde,
düße beide junge Kerels hebb ick vor vel Jahren kennt,
u. wi hefft mit usen Perden offters in de Wedde rennt,
't wer mi doch noch näger gähn, wenn et Hansen hädde gullen,
denn de iß min beste Fründ, de sick nich met mi geschullen,
he gunnt mi ock alles gudes u. steiht mi getrülich by,
wenn ick in dem Kroge sitte, u. da kriege Slägery
Ick hör aver encke to, wat doch Marxen mochte plagen,
wat öhn dreve sine Noth gar met wenen vortodragen,
as he nu sehr deep gesuftzet fung he to verteilen an,
wat öhm sine böse Sewen vor Verdrot reets (?) angedahn.
och sah he min leve Thomes, dat ick man den ant'ang make,
so segg ick u. bliefve by, et iß ene slimme Sake
wenn de Wiever Overheren u. de Männer Knechte syn,
ick wolt kenen Hinsehen raden solck en stolte Deert to fryn.
21
^Pja dat segg ick sülffst sah Thoms, ick kan sofie Fni nich loven,
denn dal Sprickwort heet ja süß, Mannes Hand de büft wol boven,
Männer motten Männer wesen, ene Brock iß so vel werth,
as en dutzend Wieverröcke, wenn do Amraann 'fügen hürt.
ick hebb et den Wievern nich all min Dage gut gebeten,
da ick docb schon dre gehatt de nicb wenig um sick beten,
doch ick niake se so kürre u. se würden dick so still,
as en Müäkeii dat der Katle in en Lock entfcrupen will,
alte scharp iß ork nich gut fung Marx wedder an to köbren
hwenn se ichtens ballweg syn; du sühst et an iisen I'eeren,
Vrerden se to starck gedreven so ritt Strick u. Kedde kort,
n. du hast gar siechten Vordel dine Reise geiht nich fort.
Hädde mi de leeve Gott Tann soick ene Fru gogeven,
da ick met in goder Roh u. in Freden künde leven,
och so wold ick nist mehr wünschen, ja ick wolde, löv et man,
all dat mine darum geven wat ick winn u. werven kan.
doch min Wieff, dat lege Krut, lott nii kene frye Stunne,
kifit u. pralet, schilt u. flockt, bült mick arger as de Ilunue
se will harschen, ick sali ducken, wcrd mi den wat Geld geteilt,
so krieg ick nich enen Heller, wiel set all vor sick bohölt,
se gifft mi ock nich eumal by dem bluen satt to freien,
krieg ick ens cn betgen Fleesch kan ick et doch nicb geneten,
mochte mick man gar bedancken vor dat scbtine Tractameiit
denn ick kau nich anners dencken as dat se et mi nich gönnt,
aver se fritt wat sc mag, ick darff öhr davan nist naschen,
ne, ick sehne mick to sehr, se möcbt mick enmal erhaschen,
u. mi as der Katte lohnen, de se nülcken grülick slog,
u. met enem Füerbrande ut dem Kükentinster jog.
sülffst iß se so stinckend ful, dat se möcht em Graden fallen,
gript den ganßen Dag nist an, braf homi;stern kan se allen,
u. holt mick vorwabr noch sliiüer as man kenen Flncken deiht.
ick bebb et ock schon gefoblet, dat se nich to sachte sleyt.
b^ble segt se wasche up, bahle luse mick mi jucket,
denn so hatt se nich de Lust, dat se sick de Strtimpe flicket,
Bo sali ick de Locker stoppen, bald segt se, gah, melck de Koh,
wßstu nich dat Morgen Sonndag, fort u. putze mi de Schob.
i, du dove Henger du, hörstu nich dat Krabbe schryet,
et bat gang gewiß den Hock u, de Wege braf beflyet,
süh, dor hengen Kinnerdöke, lop u. wisch ohm af den Stcert,
u. wat feilt noch mehr de Dörntüie hastu noch nich utgekehrt.
iß de Botter ock all up, mak, rohm af u. dat geswinne,
doch wat heet dat swarte Ding? 'tliet dick ene Mus darinne,
ey wat iß daran gelegen, stüht du öhr braf up den Kopp,
wer weet wo du fett van werdest; aver süh du Dudendop,
hastu doch der Sitte-Gans ock noch nist to freien geven,
iß se van dem Neste gabn, wo de Gößeln nich mehr leven,
so kuTü mi in dre ver Dagen man nich in dat Hus herin,
22
denn dn weßst wol wo ick dove, wenn ick dull u. giftig bin.
Kumstu wedder, levt se noch? gut, dort hinnen steiht de Wocke,
Bpole mi dat Garn erst ftf, et siind holl ick söatein Schocke,
bistu denn ock damet t'erdig, ey so apinne mi iioch mehr,
so krigstu, wenn du dick tuIüelHt, noch vellicht en Masken Beer.
so plegt et dat gantze Jahr alle Dage dorch to wahren
u. dat ißt noch lange nich, wat mi sint des wedder fahren,
dat ick se gefryet hebbe, nu denck sülvest Tadder na,
wo erbarnilick et mi armen by so bösem Wieve gah.
Thomes hudde lange schon met verdrot Öhm togehöret,
darum öhm recht leeve was dat he enmal upgehöret,
denn et deh öhm weh im Herten, dat de Kerl so alvern was,
leet sick Hot u, Hosen nemen van sonn liitgen Ravenas.
0, sprack he, du dumme Schaap, kanstu denn dick gar nich wehret
giff mi ene Kanne Beer, so will ick et di wol lehren,
westu du wat de wiese Könnig ehrliets utgesproken hatt,
dat sehr grot Kracht in Worden Krüdern u, in Steinen satt.
düße Lehre niili in acht, brnke ee an End u Orden,
u. wenn se balstürick iß spreck se an met Böten Worden,
leeve Kind lat doch dat bUeven, so to pralen steiht nich fien,
deihst di ock den grütsten Schaden, drum lat et ick bJdde syn,
slaht de Worde nu nich an, mostu öhr en Striitsken plücken,
Rosen, Veilkeu, Negelkeo, wat sick mehr dato mag schicken,
dat bind öhr met Fliet tosameu, bring et öhr as ener Brut,
so werd se sick wol bedancken, siiht di wedder fründlick ut.
helpt dat aver alles nist, aastu na den Steinen lopen,
se werd auners Sinnes ayn, weü du ae erst recht gedropen,
na den Kopp mostu nich amiten, Puckel Lenden Lieff u. Steert,
Arm u, Beene magstu drepen, de sind et nich beter werth.
Marx sprack, Vadder wat du aegst dücbt di twar liebt u. geringe,
aver lov et iti der Dat sind et nich so lichte Dinge,
gude Worde helpen gar nist, dat hebb ick schon offt versocbt,
bröcht ick Blomen wörd ick ock wol damet övel weggejocht.
Steine möchten noch wat dohn, doch se wörde wedder amieten,
u, se wörd ut Bosheit mick oder ock sick sülfst terrieten,
met Öhr iß nist antofangen, as dat man geduldig iß,
denn de Düvel ut der Hölle löpt vor öhr dat iß gewiß.
Nu so wünsch ick di Gedult, leet sick Thomes wedder hört
Gott de geve dat du se magst diu Dage nich vertören,
n. ock kene Släge kriegen, ick bedancke mick davor,
möchte solck en Wieff nich hehben, damet ging he in dat Dohr.
Marx de folg öhm triirig na leet de Ohren machtig hengen,
even as de Eßel dobu, wenn de Sticke sick verlangen,
och sprack he nu mott ick wedder in min Fegefür henin,
ilJ de Düvel in der Hölle so iß hier de Düvelinn,
wanne, dacht ick in mi aiilfst, sind de Wiever so beachapen,
so verlang ick kene nich, u. will gern alleene slapeo.
23
locK so sind se wol nich alle, vele mügen beter syn,
renn ick kan so will ick ene van den besten Wievcrn fryn,
kostft et denn grote Müh ene gude Fru to finden,
vill ick mick destomebr se to söken underwinden.
Bold ick aver mick bedregen kreg ick doch en biiae Krubt,
dat as Dom u. DieBtolti steke, so slög ick er Oel darut.
Word u. Blonien Iielpen nicb, aver Stöcke wol u. Steine,
segte jenne gude Mann, dat ick even so vermeine,
belpen Stücke nicb u. Steine, so lielpt nist in düßer Welt,
n, dann holl ickt oek vort beste, dat man sick geduldig stellt.
III.
Ein Birten-filesprilch von ihrem Oliick und Unglflek.
Virg. Ecl. 9.
i, ]^oeri, wo gedenckst du hen, wilt du wedder in de Stad?
JH. 0, dnt geit er, Lydäa. dat ken Minsche Luvet hatt.
So wyt hebben wi et bracht, dat de rremdling sick darf wagen,
Usch, as wer' he Herr da to, ut dem usen wegtojagen,
Scheert jüek fort ji Lumpenpack, sprickt he, düt iß alles min,
Gabt by tyden, will ji nich gar lienut geprügelt syn.
Gott erbarm et, dat wi nu motten siner Gnade leven,
Un öbm gude Worde noch, ja wol gar Geschcocke geven.
Süh, 80 kehrt dat schnelle Glück alles um in düsser Welt,
Hüte steit de Bom un blüht, de wol morgen nedderfellt,
Süsse Lemmer bring ick ühm, et mag übm uich wol bekomen.
L, Ey wat hör ick, hebb ick doch erst vor korter Tyt vernomen,
Dat din Herr dat heele Feld, van den Hüggeln, de man süht,
Wo de Höge mähiich sick an den Sump herunner tiiht,
Bet an jennen Böcken-Bom. dessen Wippel affgebroken,
Dorch sin singen frygemakl? M Och, et was Öbm wol versproken,
Aver by dem Krigeslerm pilt sin singen nich veel mehr,
As der Duven murcken gilt by dem stolten Adeler,
Ja, wenn nich en gude Geest üsch befohlen na to geven,
Worre Moeris wol uich mehr, ock uich din Menulcas ieven.
L. D denn wol en Bösewicht, de so grote Sünne deit.
Dem Menalkens Musenspeel nich dorch Lilf un Seele geit?
Wanne, wenn de dulle Keert dat vullbracht öhn to ermorren,
So wer' ock all uso Trost uns mit öbm entogen worren,
We süng van den Nymphen wat, we bestrüede mit Krut,
TJn mit Blädern use Grafi, we söcbt üsch de Blomen ut?
We mak uns vam Myrthen-Twig gröne Luven by den Springen?
Och, wat hört ick nülich erst öbn van siner Reise singen:
Titi/re de Weg iß kort, den ick hüte wannern soll,
Höde, bet ick wedder kom, mine Schap un Zicken wol,
Drif se ock tom supcn ut, doch dem Bock most du nich müteij,
He iß tückisch, süh dick vor, süß wert be dick grülick stöten.
24
M. Ja wat dücht di denn daby, wat he van dem Varus sang:
Vare din uprichtig Hart foddert van mi enen Danck,
Blift nu Mantua befryt van der Stad Cremona PJagen,
Süllen use Schwanen dick över alle Wolcken tragen.
L, Ey dat kene Silke doch dinen Immen Schaden doh,
Dine Wische bringe Gras, vor din Schap un dine Koh,
Din Melck-Emmer motte nich van dem Rome diner Heerren,
Din Pott ock van Kesen nich un van Botter leddig werren,
Segg et mi, wenn du noch wat van den nyen Ledern hast,
Ick bin in der Dichtekunst even ock keen frömde Gast,
Un de Schapers heten mick wol towilen den Poeten,
Aver ick tru öhnen nich, Spyt iß't dat se mick so heten,
Denn ick singe lange nich, dat ick kan damit bestahn,
Ick bin ene Snadder-Gas, din Herr aver iß de Swahn.
üf. Ick denck lange schon darup, doch ick hebb et meist vergeten,
Et was wol en artlich Leed, möcht ick man den Anfang weten:
Galathea kumm hieher, wat vor Lust iß in der See,
Hier iß schöne Fröhlingstyt, hier sind Blomen, hier iß Klee,
Hier sind Druven, hier iß Ovt, witte Pöppeln, gröne Linnen,
Kanst Du an den Beken hier by den düstren Holen finnen,
Kum, un lat dat wöste Meer sick mit sinen Klippen slahn,
Wi wilt davor in dat Feld, un int Holt, spatzeren gähn.
L. Wat was denn dat vor en Leed, dat du nülich hören letest,
Da du in der Nacht alleen up dem fryen Felle setest,
Et ging, ducht mi, gar to fyn, ick wet wol de Melody,
Un tralalle se noch oflft, man de Wore feilen mi.
M, Daphnis, ey wat magst du veel na den ollen Steeren kiken,
Süh den Steern des Caesars an, de halt gar nich sines gliken.
De befoddert use Saat, de gifft usen Druven Wyn,
Un de Börne werren ock davon vüUer Früchte syn;
Proppe Daphnis-Beeren nu, de mahl dine Kinner eten.
Och ick hebb et evenwol Lycida nu meist vergeten;
Alles nimmt dat Oller weg, Moth, Gedechtniß un Verstaut,
As ick aver jünger was, un mick nock recht wol befant,
Blot, wat Kunn ick datomal dapper in de Wedde singen,
Plocht ock damit mancke Nacht in dem Sommer hentobringen,
Nu iß aver alles fort, ock de Stemm iß mi vergahn,
Un mick sach de WulflF to erst, dat ick kum mehr luden kan.
He Menalcas mag dick sülvst sine schöne Lecder lehren.
L. Ey wat hebb ick grote Lust, di noch lenger toto hören;
Worum holst du mick so up? sing doch man, et geit ja schön;
Iß de Himmel doch so klar, dat ken Wölckelken to sehn,
Et rögt 0(;k ken Lüfftken sick, un de See sleit kene Welle;
Düt iß schon de helffte Weg, dat weet ick an jüuner Stelle,
Wo Bianors Graff erschint, un wo se de Widen köppt.
Worum ilen wi denn so, iß doch kener de uns röppt.
Iß doch kener de uns jagt, lat uns hier en betgen rauhen,
25
Denn so will wi uns herna desto beter wedder tauen.
Legge dine Lemmer aiF, folge minem guden Rath,
Un sing ens mit mi herum, wi komt doch wol in de Stad;
Oder, wo du ja dick schüst vor dem späden Aventregen,
Wart üsch doch de Tyt nich lang, wenn wi singen unnerwegen,
Wenn du mit mi singen wilst, drag ick di düt Bünnel na.
M, Wilt du singen, so vertüh, bet Mendlcas stilver da,
Wi hefft süß wol wat to dohn, un de Dag i0 ball verlopen,
Komen ock nich in de Stad, wenn de Doore nich mehr open.
ROSTOCK. Ad. Hofmeister.
Edtliche Christliche
Fragestueken vnd Ant^vort,
so Ick miner Gemeine alle tidt,
ehe der text des Evangely gelesen worden, vp der Cantzell vor-
gedragen vnd gelehret, welckes ock (Godt loff) nicht ahne Frucht
affgeghan is.
Wo uele Göde sindt dar?
Man ein einiger Godt. Deut, 6, Höre Israeli, de Herr din
Godt, is ein einiger Godt.
Wo uele Personen siut in der Godtheit?
Dre: Godt de Vader, Godt de Söne, vnd Godt de hillige Geist.
Wor steidt dat geschreuen?
Matth, 28, Dopet se Im nahmen des Vaders, vnd des Sönes
vnd des hilligen Geistes.
Weichere Fersone is Minsche geworden?
De Ander, edder de Middelste Persone In der Godtheit, de dar
het Jesus Christus.
Woruth westu dat?
Vth dem Anderen Artickell mines Christlicken Gelouens, dar
Ick vam Herrn Christo sprecke vnd bekenne, dat he entfangen is vam
hilligen Geiste, vnd gebaren van der Junckfrowen Maria.
Wat is Christus?
Ein wahrer Godt vnd Minsche, in einer vnupIöUlicken Personen.
Wat is Christi Salichmakendes Ampt?
He is vnse Vorlöser, Middeler, Heilandt vnd ewige Salichmaker.
Woll hefft di geschahen?
Godt de Vader.
26
Wor steidt dat geschreuen?
Im ersten Artickell mines Christlichen Gelouens, dar ick van ehme
sprecke vnd bekenne, dat he is ein Schepper Himmels vnd der Erden.
Woll hofft di erlöset?
Godt de Söne, Jesus Christus.
Wor is dat gesehen?
Vor der Stadt Jerusalem am Stammen des Crutzes.
Wormit hefft he di erlöset?
Mit sinem hilligen vnschuldigen bither lidende vnd steruende
Dode vnd Blöde, dat [he] an mi gewendet vnd vor mi vorgaten hefft.
Worvan hefft he di erlöset?
Van Sunde, Dodt, Duuell, der Helle vnd ewigen Vordömenisse.
Wortho hefft he di erlöset?
Tho dem ewigen leuende, dat Ick schall Sälich werden, vnd
ewich bi ehme leuen.
Woruth westu dat?
Vth dem Andern Artickell mines Christlichen Gelouens van der
Erlösinge, dar Ick vam Herrn Christo sprecke vnd bekenne: dat he
geleden hefft vnder dem Richter Pontio Filato^ is gecrutziget, ge-
storuen vnd begrauen, neddergeuahren tho der Hell, am drudden Dage
wedder vpgestan van den doden etc.; vnd darmit hefft he mi erlöset.
Wall hilliget di denne?
Godt der hillige Geist.
Woruth westu dat?
Vth dem drudden Artickell mines Christlicken Gelouens van
der hillinge.
Wor dorch hilliget di denne Godt der hillige Geist?
Dorch dat Gebedt, Wordt vnd Sacremente.
Wo wiltu Salich werden?
Wen ick wedt, vnd veste von Grundt mines harten gelöue, dat
didt althomale vore mine Seelen heill vnd ewigen Sälicheit willen
gesehen is.
Wo uele Sacremente sindt dar Im Nien Testamente?
Twe. De Dope vnd dat Sacremente des Altars.
Wat is de Dope?
Se is dat badt der wedder gebordt, vnd vornieringe des hilligen
Geistes. Tit. 3 cap,
Woruor hchennestu di wen du thor Bicht geist?
Vor einen armen sundigen Minschen.
Wat is Sunde?
Allent wat jegen Gades sine hillige Tein Gebade geschudt.
Woruth westu dat du ein Sunder bist?
Vth den Tein Gebaden Gades, de Ick (leider) nicht geholden hebbe.
Wat heffstu denne mit dine Sunden bi Gade vordenet?
Gothes Thorne, vngnade, helle vnd ewige vordömnisse, wo se
mi nicht uth gnaden, vmme Christi des Middelerß willen, von Godt
dem hemelschen Vader vorgeuen werde.
27
Wo tvütu vpt KSrteste bichten?
Ick arme Sunder, geue mi vor Gade aller Sunden schuldig, mine
Sunde sint mi von Harten leidt, ick begehre gnade, vnd geloue dat
se mi vme Christi willen vorgeuen werden, vnd will min leuent hema-
mals (mit Gothes hulpe) gerne beteren.
Worume geistti thom Disclie des Herrn?
Vp dat Ick miner Sunde möge quidt werden, vnd minen Gelouen
von der vergeuinge der Sunden darmit sterken möge.
Wat is dat Sacremente des Altars?
Idt is dat wahre Liff vnd Blodt unses Herrn Jesu Christi, vnder
dem Brode vnd Wine vns Christen tho Etende vnd tho drinckende,
von Christo suluest iugesethet.
Nach Aufzeichnung des Pastor Mordhorst zu Sieseby v. J.
1587, aus dem Siesebyer Kirchenbuch Tom. I, pag. 516—521 in Ab-
schrih wiedergegeben.
BIENEBEK. J. G. Schäffer.
Nachträge
zu Schambachs Göttingisch - Grubenhagenschem
Idiotikon.
Folgende bei Schambach nicht verzeichnete Worte, Bedeutungen
und Redensarten habe ich aus Aufzeichnungen des weil. Senator
Friese, d^r sich auch um die Geschichte Northeims verdient ge-
macht hat, ausgezogen. Friese scheint seinen Plan, ein Glossar seiner
heimatlichen Mundart zusammen zu stellen, später, als er von Scham-
bachs Plane erfuhr, aufgegeben zu haben. Die Verweisungen auf
Schambach habe ich hinzugefügt.
allnnderlät (vgl. underlät S. 222), alle Augenblick,
aDStellen. wenn dat farig is, wil wy da anstellen ^wollen wir
damit beginnen, fortfahrend stell mal an den kerl! d. h. Greif
den Kerl mal an und züchtige ihn!
ansnubben, Jemand heftig anfahren,
äs. he soll Sek wat in dem ase schämen.
äfzwaeken, abzwingen.
bare, f. die Barte^ Handbeil. Wer het de baren in koppe? ^Wer
steht für den Biß^ wer Jiat die Sorgen und die Last?^
28
beddel, verächfl. Ausdruck für fremde (geringfügige) Hohe, beddel,
niederl. boedel, boel heißt die fahrende Veilaßeixschaft, Hausrat;
hochd. Butel Mone 1836, 3; S. 305, 306; Grimm Ra. p. 364.
beslibbern, sek = beslabbern S. 22.
bimmelD, faulemmd umhergeht,
bSckse, Hose, Beinldeid,
boden. Halbes Reihehaus; daher: Bödener-Bürgerrecht,
bolderbntz. Spottname für den, der viel Lärm um Nichts macht.
bräschewater. Das Waßer, welches (in Northeim) Sonnabends ssnr
Beinigung der Straßen aus dem Teiche gelaßen wird.
brfterie (S. 34). et is brüerie 'es taugt nicht viel'.
bnckskankeD =: puffer S. 160.
bntzpStte smiten, Scherben am Abend vor der Hochzeit vor die Thür
der Verlobten werfen.
däl. et fei mek in live dal '«cA erschreckte heftig^
dick nn dfinne. hei geit dor dick un diinoe ^fürchtet sich nichP,
Von Kindern, die durch den Dreck laufen^ stehend.
dickenaeket = dicknakseh S. 43.
dollart. Scheltwort für einfältige Mägde.
dSppen (dop, Kern, Inhalt eines Dinges) S. 44. ütdöppen, e. B.
Zwetschen auskernen; en rock met ütgedoppeten knöpen.
dorslagtig, durchgängig.
dränen gän, 'schwatzen gehn, besonders von schwatzhaften Weibern^ die
sich besuchet^.
dresthakeln = daschen S. 40, Jem. dreschen, durchprügeln.
dutz, enen dutz binnen 'beim Halstuch die Schleife^.
endSIs, zum Teil.
ennebnteck ?
eschenslag, eskeDsIag von esk, Feld.*)
verlöf (S. 264). Beim Ballspiel die Stätte, wo einer nicht abgeschlagen
werden darf.
verqnackelen, sek, sich mit einem Mädchen versprechen.
vicheln, (s. füchen S. 282), betrüglich hinter dem Berge halten.
flllep (S. 269), nach Friese auch 'der Schindanger'.
fimm, für Schnaps.
fleitgen gän, sich heimlich entfernen, wegstehlen.
gatzig (S. 65) nach Fr. auch 'steinig, unfruchtbar vom Landet
ge wären läten. lät gewären 'laß bleiben, laß gut sein\
gnitte, f. ein geiziger, karger Mensch. S. 66 'ein eigensinniger, zän-
kischer Mensch*.
gorre, starkes Pferd.
grissel, grfiel. Scheltwort der Magd gegen die störrische Kuh.
güntje (S. 70), Vertiefung, Einschnitt. Güntjenburg ein in einer
Thalschlucht gelegenes Vorwerk bei Northeim.
glupsch (S. N. 314). hei de en glupschen tog 'er that einen star-
ken Zug aus der Flasche^.
*) Esch, Gemeindeflur. Uhland.
29
hagebock, glimpfliches Schimpfwort.
handshand, allmihlich^ nach und nach, einstweilen, indeß. ga man
handshand hen, ek wil glik nakomen.
harte, ^dicht an\ harte an den stein.
hastekop, hastiger Mensch, der unüberlegt handelt.
hasch, heiseh, heiser.
haselant, Windbeutel, geckenhafter junger Dickthuer.
heitsehen, Kinderausdruck für ein junges Pferd, Fohlen,
iwest (S. 93), einigermaßen, et geit sau iwest.
kapeien, gucken, gifft et denn nitz tlie kapeien vordatfruen-
volk? bez. das neugierige Zusehen.
kisten an kästen, Hab und Gut.
kladderig, drecklich.
klaps, Schlag mit der flachen Hand.
klSben, m. (klöwe, f. S. 104), Gebäck in Form des Mondhorns gelxjcken.
klönen (S. 104), ächzen unter schwere^' Arbeit.
klSwen (S. 104, spalten), willt einen klöwon, toollen ein Glas
Schnaps teüen.
elftsenwer, Bergabhang.
kifit, Facken beim Wollhandel.
kliiterfiirst (s. klüterer S. 105), ein Mensch, der etwas anfängt und
nicht zu Ende bringt, plöterer.
knippelsteine (knippel S. 106), von gebrannter Erde, Marmor und
Alabaster, knaster*) sind weiße, benenswärmer bunte, saule
(S. 179) dunkele.
knuffen, stoßen.
kollerich, albern.
kdpe, hchd. Kufe. Ein Gemäß zu Bier; Zuber, Eimer, kopen-
schilling, Krugahgabe. Kommt jetzt nur noch im Deminut. köpken,
tassen köpken, Obertaße und in mölenkopp, Maß für die sogen.
Mühlenmetze CVie Himten) vor.
krebbeln. he het de krebbeln in de finger. Das Kribbeln in den
Fingern, welches sich einstellt, wenn man aus der Kälte ins Warme
kommt.
kreckeln, ^wenn Jem., der sich mit Wagen und Pferden festgefahren
hat, wieder loszukommen versucht; sonst auch etwas anfangen und
nicht vollenden können*.
langen (S. 1 1 8), etwas holen, was nicht im Bereich der Sinne steht.
lang mal öUig, ne flasche, krüke ber, win üt dem keller
rup; von Sachen im Bereich der Sinne heißt es: gif mi mal de
böste, den hämer her.
lari fari, das ist nichts, schadet nichts.
Ifttek, falsch, en lätek kerl; he deit so lätek 'er thut so gering-
schätzig^.
liehtfösiseh (lichtfötsch?), leichtsinnig.
*) Von knastern, Geräusch machen. Weigand I, 961?
k
lickmülen, nach etwas begierig sein.
lik, adj. gerade (S 124). je scheifer de kempe, je liker
fiekeln. ['Je schiefer der Kempe, je gerader die Ferkeu\ d. h.
hüßlicltsien Eltern haben oft die schönsten Kinder? Sp.]
lUppen, naßgewordenes Getreide auf dem Felde auseinander harken,
damit es trocken icird.
Iftsebrink (löse brink, verlaßener Brink? Örtlichkeit in Nortbeim).
Märten, n. pr. Martin (S. 131), gewöhnl. Ausdruck für einen albernen
Narren, der nicJits boshaftes hat. Am Martinsabend singen Kind er
von Haus zu Haus gehend und Gaben heischend:
Märten Märten gaud Man,
(leit wo] vergellen kann.
De Äppel un de Deren
De Nöte gät wol mc.
Dat Himmelrik ia uppedän.
Da solt we alle in gän
mit allen üsen Gästen.
N. N. dat is de beste.
[Gleicher Brauch in mehreren Orten der Allmark: Duimeil, WÖrterttJ^,
der altmärk.-plattd. Mundart ä. 132; 257. Dort wird aus Garde-
legen ein ganz ähnlicher hocltdeutscher Schluß eines Martinsliedes
mitgetcüt: 'Der Himmel soll uns offen stehn, da wollen wir alle ein-
gehn, mit unsern lieben Gästen, Herr . . . und Frau . . . sind die
besten.' Auch die beiden anderen dort S. 267, 268 mitgeteilten
Schlüße hört man noch jetzt, wenig andirs, aber ebenfalls nur hoch-
deutsch hier singen. Sp.] .^
mynen, minnen, meyaen, begehren. ^M
nitte nn last, ein Ausdruck für die öffentlichen Lasten. ^M
nitfetern = niferen, neugierig S. 145. ^|
nnseke, aver nnsekel spöttische Drohung der Kinder gegen einen Frevler.
OlthÖsen, das Hole, voraus die Knaben de strentjebüssen maciien,
pasi^. Dat ia en paaig 'ei« korpulenter Jüngling'. [Findet sieh
auch als Eigenname. Sp.]
[legelD, viel trinken, eigentlich 'austrinken', v. pegel, Waßereeichea
an Brücken und Mühlen; auch ein Bing an der Kanne eum Ab-
meßen des Trunks bei Gelagen. Grimm, Ra. 911.
pindop (S. 154), Spottname für den aus dem Bürgerstande, der mehr
scheinen will, feiner sein will, als seines Gleichen.
pinkepang. Kinderreim: de pinkepang [ de Bmet is krank | lit üp
der bank | Hf eien lank.
pinne {pinne, 1, 2. pinneken S. 155), släpinne, verpinne, preusche
pinne etc , ein Ballspiel (?) der Knaben: dreipinne, verpinne,
eines drup un alle drinne.
plijnni^. dat is en plönnig 'dicker Knabe, starker Junge''.
pinnne: ütu plunnen in'n läppen (S. 157: dat is üt den pletten
in'n plunnen, d.h., das ist so lang wie breit, völlig gleich, macht
keinen Unterschied), Dazu bemerkt Fr. noch die sprichwörtlich ""
31
[ Eedensarten: utn regn in de drüppe; ut m' asG int astlock,
von denen aber wenigstens die erstere nicht gleichbedeutend sein kann.
"pritschc-meBter klapper-üs, ek sitt np diner linekeD, ein Knabenspiel,
erinnernd an die Pritscbenmeislcr, welche in alter Zeit die Jungen
vom Tiimboden und der Gesellschaft abhielten.
pttrrpn (S. 161), den Kopf der Tabakspfeife von Asche säubern.
qaelholt (S. 164 aber in abweichender Bedeutung: 'ein Mensch, der
durch unaufliörliches Bitten lästig wird'), ein Mensch, der stark und
ühermäsig arbeitet.
rärftn, dorrären, 'von Kornfrüchte», die durch Spaltcu heruhfalltn\
(=1 rijren S. 171).
rantz (raut, m. S. 168), Flockenruß.
rcien (S. 169). Nach Fr. bes. von Katzen in der Begattungseeit gebraucht.
reilsehe, Kartoffeln mit Obst und Vietsbohnen gekocht (ein jetet schein-
bar nicht mehr gebräuchliches Gericht).
reister, Schuhflicken.
reitz (S. 169 reid, Schilfrohr), Bohr, Rohrsloeh.
renEel, ein schmutziger Mensch, schitrenzet.
risse, risso krigen, Schlätfc bekommen.
rflscheslegen, der Schlilten für Personen. fVgl. rüsclien, im Schlitten
fahren. S. 177. Korrespbl. 2, 94. Sp.J
schanlappen. Kinderausdruck für die, welche Schlittschuhlaufen lernen
und erst auf einem hutschen.
scheilken, von Sperlingen und Jungen Yiigeln: ewitschern.
schräe iennen, magere Beine (eu schräd, schräg S. 185?)
schnrrbän, Eisbahn.
slagtenat, ganee Nutzung (S. Mnd. Wb. 4, 223 alachtenut), vielmehr
= Nutzung jeder Art; von Fr. woJd nur aus Urkunden aufgezeichnet,
slatt, en slatt tüch, ein Stück Zeug.
slave, Mensch, der sich viel quälen muß, Sklave.
Zu sleif 2 (S. 194) mqcA Fr. ein mildes Schimpfwort, auch scherzhaft
gebraucht.
Slijias. Schellwort, vom Schleifen des Aases auf den Schindanger. Der
Wulfsliof (in N.) war einst Schindanger.
slack, slack, Lodiwort für die Enten.
slocken (S. 195). he slackt alles, er nimmt mit allem fürlieb.
Davon verschieden:
sinken, 'verschlingen, an sich reißen\
släk (S. laS), der Wursldarm.
slnnifaenk, der Strick der PeitscJic.
Bnip (S. 200), Zipfel an den Weiberkleidern, vorn am Mieder.
sulp, snap, snor baselornm, ein_Kartenspiel.
sBUtlöppel. Scheltwort = SDUtm^se (S. 201),
sniirrpiperie, Kinderschnurren undPfeiffen (nürnberger Tand), Narrens-
poßen.
ekige), speckweg (bridgeway) Bchaperspicke;
peckenbr
ne (!).
32
staune, Kittel, Blouse.
Stöcken nn bIScken, 'Jemand mit Drohungen verfolgen^. Zur Zeit des
Faustrechts aber bedeutete es, wenn die Raubritter den fahrenden
Wandersmann oder Kaufmann auf der Landstraße aufgriffen und
bis zur Atislösujig ins Gefängnis setzten,
stSwen, sich vorfallend fortbewegen, hei stüfft. Stöw-LudgeD,
Zuname für einen, der einen vorfallenden Gang hat,
stram (S. 213) auch: betrunken, steif vor Trunkenheit. [Vgl. Lichten-
berg, patriotischer Beitrag zur Methyologie der Deutschen (Verm.
Sehr. 3, 65 fF.) S. 78: He is so stramm as en Trummel. Sp.]
Zu stref (S. 214) dat water is stref, wenn die Rhume von Regen-
schauern angelaufen ist und das Durchwaten kaum gestattet,
sweimeln = swimeln S. 222.
tnrlsche ^= turrelsche (S. 237), kleines Fuder, nach Fr. bes, von
Feldfrüchten,
watsfist? was sonst. Freilich, versteht sich!
wanlen, sich quälen, über die Kräfte Tag und Nacht angreifen; daher:
hei was en wauler (S. 289: waulert, doch nicht von woilen,
wühlen, wie S. meint),
zicker, Schimpfwort für einen Jiageren Buben, der etwas thun willy was
über seine Kräfte geht,
NORTHEIM. R. Sprenger.
Molt.
Jahrbuch VI, 89. Item welck peerdt dat gebreck heuet in
den munde als van spruwe, den salmen mit solt und wynetick
wasschen denn mundt und mith honnich und mith stofF yann moldt.
Daß das hier erwähnte moldt nicht gleich Eidechse sein kann,
hat außer mir auch schon Krause bemerkt. Wenn wir aber moldt
übereinstimmend als 'Male'' erklärten, so haben auch wir damit das
richtige nicht getroffen, molt ist vielmehr die bekannte ^ Melde'' atriplex,
Vergl, K, v, Megenberg, Buch der Natur ed. Pfeiffer S, 385, Atriplex
haizt malten und haizt andorswä molt und haizt auch zc latein
chrysolochanna. daz kraut hat praiten pleter mit weiz gesprengt,
sam mel dar auf sei gesprengt, und kochent ez die laut auf dem gäw
mit flaisch. daz kraut ist an der art kalt und fäuht und ist kleiner
narung von seiner wäzzerichait. ist daz man des krautes pleter in
ainem newen hafen under die erd setzet, also daz der hafen niht
ausgedunsten mag, so werdent frösch auz den pletern. Nach der
Volksmedicin hat die Pflanze erweichende Kraft auf Drüsenknollen und
dergl.y auf Unterleib und Stuhlgang. Vgl, auch Weigand IP, 71,
NORTHEIM. R. Sprenger,
33
■r
^1 Kyne gude lere
V van einer junehvrowen.
^f Die nachatebenden Lehren filr eine Jungfrau und das darauf
folgende Gedicht vom Trinker sind in der sog. jütischen Sammlung
onthalten, einer von verschiedenen Händen des 15. und lii. Jahrh.
geschriebenen Handschrift, welche auf der Königlichen Bibliothek in
Stockholm aufbewahrt wird. Da ich Über diese Handschrift und ihren
Inhalt künftig ausführlicher berichten werde, so beschränke ich mich
liier auf die Bemerkung, dass die hiei' mitgeteüten Stücke i. J. iri41,
oiTenbar nach älterer Vorlage, in einem nicht überall sicher lesbaren
currenten Schriftductus niedergeschrieben sind. Dass der Schreiber
kein Deutscher war, beweisen die vielen Skandinavismen, manche un-
gewöhnliche Schreibung und die Unsicherheit in der AdjectivHexion u. a.
Die meist nahe liegende Berichtigung so entstandener, für die (ie-
scbichtc der niedei'deutachen Laute z T. vielleicht lehrreicher Fehler,
in den Anmerkungen besonders anzugeben, habe ich im Allgemeinen
■■sieht für nötig gehalten.
Datt was ein frawe vonn guder artt, [S. 69]
Do liade enuc dochtter ^artt«.
De sprack 'myn hertte lewen kiudtt,
Hör, watt myne lere synntt,
5 De nym mett frunscbop tbo dy!
Ich bydde, datt dw wüllest .... my!
Du hesst vonn my nw geherlt
Nenerley noch hier noch dortt
Jenich wandeil spreckeon vp my,
10 Darann so scholttw ock prissen Jy.
War du vp der stratten geiist
Vnd deinen ogen vpsleüst,
Datt latt nichtt wessen in ydelcbeitt
Vnd hvde dij dar for, datt enn ander ovpI stellt,
15 Vnd bebbe jo enn god geherdc,
Datt hortt woll tho dyner cre.
Wo dw kernest in ein hus, jS. 70j
Werff diu werff vnnd gaa dar vtt.
8 lie] lies sc. — G An Stelle der Punkte hat die Handschrift eine» Ittren
Bmtm, gross genug für ein Wort irie 'volgen'. E* »cheinl, ilats der iScArciifr ein
Wort seiner Vorlage ttieht hat leaen kiinnfn. — 7 nii 'nie'. — 6 Lies nenortcy wis.
— 10 'darnach sollst du anoli streben'. ^ l-l enn an<ler] Hex encr anilern? —
■ IQ Ijt'ei gcbcrc.
K MladeidimLteli» Jalitbncb, VIII, 3
34
Wertt de geboden ber offte win
20 Dar scballtw tüchtige jnne synn
Inn aller dine gelatte.
Offtte dar iennich man zatthe,
De schimp wvU mitt de drewen,
By dem schalthu nicht lange blewen,
25 Nicht vel kvernen [?] ofi'te kossen.
Dar sint saa vell, de dar Ivsen,
Den men alle tiitt nicht lowen dar.
du kvntt datt mercken opcnbar.
Werstw oc tv gast gebeden,
30 So wertt tüchtige jn alle sedenn
— Datt dunckett mi de beste radt —
Vnd hott di vor quat tovorlat. fS, 71]
Werstw iw enem man gegeven,
Saa schalt w in thuchten mit em Icwon,
35 Ile synnt junck effte alt.
Jnn welcher persone he sii gcstalt,
Des schal du im nicht entthgolden lann.
Mett vliitte wes im vnderdan
Vnd mett ale dine sache.
40 Gott heftt den man dar to gesrhapt,
Datt he de frwen mutthe hosorj^en
Bede awentt vnd moriigen
Allent, dat to den eren behort,
Vnd dat he beholde de offwerhant.
45 Etten, drincken vnd schon gowant
Datt motten se bewengenn,
Dar vm schall man in gerne vordrengen.
Wenn he trett in de dore
So geit im mett tugent vore. /S. 72j
50 Sett em sinen stol to rechte,
Wachte nicht na dem knechte
OfTte na der magett!
Wan de(r) man butten huss syntt,
Em v[ejder farett mennich dinch,
55 Datt synt nicht tornich vnd vnmode,
Dat schaltw al verfaren mett gode!
HefF din gesinde was gebrochen
Offt in torne mode gesprochen,
19 de] UeH di. — 20 luscn, losen 'schmeicheln, heucheln'. — 30 wertt] hes
wes. — 33 jw *jo, einmal'. — 34 saa nach skandinavischer Schreibung für so. —
85 Ijiea sy für synnt hier soicol wie v. 63. — 39 Jäcs alle dineii saken. — 40 Lies
geschapen. — 46 Lies bewogen *erwägen, besorgen', — 47 Lies vordregen 'nach-
sichtig sein*. Der Fehler dieses und des vorigen Verses erklärt sich wol so, dass
ein n- Strich zu weit links geraten ist, — 49 geit] lies ga. — 55 Lies Dat sy 'des-
halb sei*. — 57 Lies hefft — wos.
35
Du schalt datt nicht openbarcn,
fiO Oc 8chalt[u] ed nicht vorvaren.
Kiiit, wen du wilt tho kercen gaen,
Saa wes mett vliit dar na bestan,
Datt edt gode tho danncke synntt.
Dar to mit willien vlitte dyn.
65 De zecken, de armen, de dii motten,
De schall du alle mett willenn grottenn [S. 73]
Vnd daran tüchtige synn,
De deistu den wiillen myn.
In allen stratten
70 Schaltw dyn hoffartt lattonn.
Wer sediich vnd nicht wilde
Vnd giiflf van dy en gutt gcbyldo.
Wvu du in de kerchen kumst,
Saa wer wiiff vnd hebbe fornumpft,
75 Byde gott von hemellriicke frij
Vor dynen man vnd vor dy
Vnd vor alle dyne jngesynde.
Dancke gotth van einem vindt [?|
Vmme dine waldatt,
80 De he dii gegewen hatt.
Vnd wen dw werft tho gaft gebeden.
Also men dat hofft vor viine sode,
So schaltw heben en godt gelate, [S. 74]
Vnd sen, watt en andern vbelftoett,
85 Dar schaltw dy vor wachtenn
Mitt alle dyne machten:
An danssen vnd an springen,
An lachenn vnd an singenn
Wnd alle, dat de werlde doett.
90 Na dogende sette dyne moett!
Wen du mett vrowen geitt tho her,
Do wos milde vnd gode tere.
So lat din pening nicht wesen de lefte,
Vnd wen du heweft gefte,
95 So styre jo di munde dyn,
Dat fteit dy wel dochther myn.
Sprech nicht, do du fwigen scholt,
AI horeft tw reden mannigfoldt,
Dw fchalt dy nicht daran keren,
100 Dw fchalt vonn dy datt befte lerenn. [S, 75/
Lewe kintt, wenn dw mett den luden
63 vgl zu i\ 3'}. — G4 LicR dy. — 65 de sekcn, de armen ohne verbinden-
des und nach der zu Pseudo- Gerhard von Minden 87, OD gegebenen Regel, —
— 68 de] lies so. — 71 wer] lies wes ehs. v. 74. — 84 t^fl. v. 14, lies ovelstaot. —
92 Lies so — godor.
3*
36
Gvdes Tagen heft gcwefen huden,
So ge tho hufT, dat is min radt
Vn fee, wo dyne herberge Ttaatt.
105 S0 wan dw komft y dat hu ff,
Saa wes nicht alfe en ftrus,
Wes fachtmodiige i allen tiidcn,
So mögen dy dynne denftlwde lidcn
Wunder spreckenn verne din loflf,
110 Kint, saa fteitt wol din hoff.
Wen dw vn dyn man
Tho bedde wiille goenn,
So fchaltw em gehorfam fyn
Mitt alle dem wiiilcn dyn,
115 Watt he wiill vn anders nicht.
Volge em, fo deiftw recht,
So megen ge beiide in freuden lewen. [S, 76 J
Mynn lewe kynntt, merk gar ewen,
Aldes möge gy tv hemmel komen.
120 Des help vns godt alle famen.
Inn godes namen, amen!
Van deme drenker.
Eyn recht bescheyden wyser man, [S. 106]
Ile straffede synen knecht, he sach en an
Und sprak: Dyne varwe is worden bleyk
Und dyne [neseVJ is worden wpyk,
5 Dyne ogen my anc wynken,
y Dat makct dyn grote drinken.
Ick wii dy raden, du schalt dy sparen
Und dy vor grote drunke waren.
De knecht sprak
Ach leve here tzart,
10 Wo mochte dat drynken syn gespart?
Gy en weten nicht, wo sachte dat id doot.
Wen ick sitte by der glut,
Men brynge my beer edder wyn.
Dar to eyn vrisch dat bekerlyn,
15 Dar jnne wert id so gestalt.
Also ofte id boveno sy gemalt.
So mach ick denne spreken van plicht.
De rype tu schadet den boneu nicht.
So drynke ik sere, des deyt my not,
105. 107 y, i Skandinavismus, für in. — 109 Lies linde spreckcn *und sie
sprechen dein Lob in der Ferne aus'. [Ist nicJU w. spr. als Ein Wort zu fcasen =
sehr rühmen? A. L.J — 112 Jjies willen gaen. — 121 Zu Schluss von derselben
Hand die Subscription schreff wertt onft dag vptth cxaudi Anno dm. 1541. d. h.
'geschrieben worden Mittwoch auf Exaudi 1541'.
37
20 Myne bleke varve wert denne wol roet.
De here sprak
Nu driock wol heen
Und vordrink macht beyde wyt und syn!
Dyn yele drincken is men dorheit,
Dar wmme wert dy noch dryncken leyt. [S, 107 J
De knecht sprak
25 Ik en kan nicht werden wys,
Ok en kan ych nummer vorwerven priiss,
Er ik hebbe gedrunken wol.
To hant ik denne wol spreken schal,
Dat Salomonis wysheyt und vornunft
30 Nicht en hebbe vor myner kunst,
Und allent, dat de meistere hebben gedieht,
Dat en ys by myner vysheit altes nicht,
Und so kan ik denne wol wysheit sagen.
We my denne wolde vragen,
35 Den wolde ik so wol berichten,
Und nye reyo kan ick dichten.
Ok hebbe ick den sproke alleyne
Wnd myne wysheit en is dan nicht cleyne.
De here sprak
Höre, wat ik dy sagen wil,
40 Dyne drunkene wysheyt is man doren spil,
Vnd dyne dorheit kan dat machen,
Dat dyner de lüde lachen
Vnd bespotten dy vp allen ort
Vnde lachen dyner doren wort.
De knech[t] sprak
45 Vil leue here myn,
Dat dunket my vele beter syn,
Dat myner de lüde lachen
Und sik vrolik machen,
Dan men myner weynede.
50 Ik wolde leuer, dat men my steinede.
Dar vmme so drincke ik willichlike. [S, 108]
Drynken maket my vrouden rike.
Ok hebb ik hören sprecken also:
Vp eyne vuUen büke steit eyn vrolik hoft io.
55 So plege ik to lachen vnd to synghen,
Dantzen, schicken vnd sprinken
Vnd dryue mennigerhande spil.
Tware, myner sorghe en is danne nicht vil.
De here sprak
Van groter dorheit
22 macht] lies nicht. — 30 *vor meiucr Kuust voraus hat'. — 56 Lies schrlcken
Chüpfcu*) vnd spriugen.
38
60 Kumpt dicke grot herteleyt,
Vnd grot drynken schaden dot.
Mate de is to allen dyngen gud.
Wanner men dy also schenket,
ürote drunke dy dyn leuent krenket.
De knecht sprak
05 Wo mochte ik werden krank?
Ik weit wol, dat ick ny en sprank,
Ik en drunke so sere, des syt bericht.
Ik en kan nene inate ramen nicht.
Wanner ick denne drinke drunke so grot,
70 So byn ik eynes keysers genot.
So doro ik vorbiden den pris to steken,
Torneyen und ok sper to breken,
Vnd my en schal ok nicht vordreten
Den steyn to werpen vnd den bom to schetcu
75 Vnd lopen, springen, ummespannen stark, [S. 109]
Dat dorste ick oven vranie dusent mark.
Vnd dat her Persevael noch levede,
Syne manheyt wol vor my beuede.
Dyt en konde ik nüchteren nicht gedon,
80 Wente so byn ick kranker wen eyn hon.
De here sprak
Tware, dyne manheit is denne nicht grot,
Dos morgens werestu des gerne locs.
So niostu eyn logener heyten vnd syn,
Dat make[t] dyn beer offte wyn.
85 Du hefft dat ok dicke wol gehört
Vnd is eyn olt sproken wort:
Dat des dobbelers mach werden raet,
Deme drenker nicht to helpen staet.
Vnd grote druncke vorderven dy din lifi
90 Vnd maket, dat dy de schonen wytf
Nummer mer en werden holt
Vnd heyten dy eneu drunkenbolt.
De knecht sprak
He[re], jw sy gesaget,
Wan ick drinke vnvortzaget,
Ü5 So lope ick na der mynne.
W^or ick eyn wyff gevinne.
So mot ick ok so milde syn,
My dunket, dat alle de werlt sy my[nl,
Vnd hadde ick vele vrauckeschen kröne,
100 De vordruncke ick vullen schone
Vnd spreke denne grot — des syt berecht! — [S. 110]
71 vorbedcu *vorladcii, herausfordcru' ?
39
Vnd hebbe doch in der tasschen nicht,
Ynd ick louo denne grot vnd kan nicht holden •
Des spcles mach de duvel woldenl
105 Dar na so ga ik to mynen gesellen
Ynd begynne niy na drincken to stellen
Vnd drincke denne to to vullen vnd to haluen.
Aldus kan ick niyn lyif vedder saluen,
Myn leuer vnd myn herte.
110 Sorge vnd alle smerte
Ilebb ick denne vorgeten gar.
A[l]dus fordriue ik myne jar.
Drinken wil ick jummer loven.
Des morgens gaa ick in den stoven
115 Vnd sweyte wol, dat deyt my gud.
Myn hovet my vnsachte doet,
Dat drincke ick wedder in den haken.
Aldus kan ik my to reke maken.
De here sprak
Drynken is grote do[r]heit
120 Sodane drunken [!] wert dy leyt
Vnd dattu so drinkest alle tut,
Dat maket dy der pennynge quyt
Vnd krenket ok dat leuent dyn.
Du motest ok dat etent laten syn.
rJ5 Aldus wultu dy vorderuen [S. 111]
Vnd er dynen rechten dagcn sterucn.
De knecht sprak
Here, dat ga dar heu.
Theyn iar mer edder myn
Der achte ik harde cleyne.
130 De drank maket my myn lyff reyne
Vnd en darff dar nicht ouer byten
Edder myne tenen vorsliten.
Kten dat is arbeit.
Drynken en wert my nummer mer leyt,
135 Wente wan ick drynke drunke grot,
So duncket my, ick sy enes koninges genoet,
Vnd ok soo byn ik des bericht,
Men thut dar beer wte den soden nicht
Vnd ick en vroge nicht, wat de doren snacken.
140 Men bruwet so gud körn also men backet.
Ilijr wmme so hebbe ick vterkoren
Dat beer vor alle gedrenke touoren,
Ik drage och cyncs lowen moet
Ik vochte wol vmme eynen olden vilthoet.
131 *uud ich' vgl zu Pseudo- Gerhard S, 167. — 138 söt »Brunnen'.
40
De bere sprak
145 Vrunt, ik wil dy sageu,
Dar vmmc werstu noch dot geslagen
Vnd eynen doren machstu vynden,
De ok vele lüde kan vorslynden.
De steket dy denne dorch dyn lyff eyn swert,
150 So bistu gode gar vmwert,
Ok deistu also wedder god fS, 112]
Vnd du bist alle der lüde spot,
Vnd grot swynde ouerdrank,
Dat benympt dy ok den kerkgank.
De knecht sprak
155 Here, boret dar to,
Wauner ik myn bet in der kerkeu do,
So droge wert my denne de munt
Vnd so denke ick in der sulveu stond,
Acb hadde ik nw vil scbyre
160 Den groten beker myt deme byre,
So steyt myn herte in den kroch.
Dat dunket my wol ledes genocb,
Wo doch saa bidde ik truweliken
Gode vmme syn hemmelrike, #
1G5 Ik weyne denne vnd hautslage,
Gode ik myne sunde clage,
So weyne ick sere vmme myno sunde,
Des ik nüchteren nicht don en konde.
Vnd hadde ik denne gedancken nicht,
170 Zo en begerde ik ruwe noch bicht.
De here sprak
God dyner drunken ruwe nicht en begert,
Dyn weynen is gode gar unwert,
Vente id kumpt van dyner drunken daet.
Ik behagede gode vele bat, [S, 113]
175 Dat du woldest mate haen
Vnd dyn ouervlodige drinken laen.
Ok hetftu dat wol eer vornomen,
Wau dat beer vnd de barmherticheit to sameu kommen
So is dyne ruwe valsch
180 Vnd du sprekest men kuderwalsch.
De(n) knecht sprach
My dunket des vorwar,
Wanner ik drinke gar,
Dat my de tunge lallet
Vnd my de sprake vntfallet
185 Vnd my de steyn breket de beyn
150 Lies unwert. — 163 Lies Wol. — 174 Lies It.
41
Viid ik denne nergen kan geen
Viid my du ogeo tränen vnd stareo,
So kan kk nien kyffueu vnd geuarruu.
So lüt ick my denoe scheuken
) Vnd legge my denne vp de beiikeii,
Vnd dat ik denne hadde
Vyur vnd twyntiühtich beddc,
Allike wul so slape ik docli.
Dar vmnie so wil ik driuke|^nj nuch.
De liere sprak
j Ik en kan dy nicht geraden,
Drincken wil dy scre eeliaden.
So lichstu vnd slepest also ejii swyu,
Dat duncket niy vnnutte gyn,
Wente denne so kunipt des wurdes hunt,
) Do küsset dy voi- dyiien niuiit.
Dat dunket my gar vntuiihticli.
Ok so werstu waters ucEitieli.
Du vordrinkest noch alle dyne have,
Ik en kan dy nicht sttiren dar uve.
De kucL'lit spiak
i De wyle ik dat leuent hau,
So eu wil ick myn drinken nunjirier lan,
Wente dat is niyt niy also gescliicht
To dryuken hebbe ik my vorplieht.
Dar umme is dryuken myn ingoüegcl
) Vnd dryuken is myne vrouden regel
Vnd diynken wert my uummcr leyt,
Ik worsume my vp mynen eyt.
Ik wrucbte, dat bier vorsure
Vnd vrncbte sere vor de bare,
i Dat se dat beer all drynken vlh.
Ik segge dat stylle vnd overlut,
Eer ik vorsumede der beker eynen aldus,
Ik vordruuke eer beyde hoff vnde hiis.
Dar wmnie en docht hiir nicht lenger to stau.
I Wy willen to deme kroge [gaen].
Dar wil ik drinken vul sere,
AI scholdc ik dat vorwyunen nummcr mere.
Ifk wil vul hebbcn vor myn gelt
Vnd drinken, dat ik pruste also eyn helt.
I Drinken is mynes herten ger.
Get in vnd gyft my drinken meer!
Drink vnd sup Sasse,
Dat dy de blick wasse!
Drynken sere dat is liiir so wert,
I Dat de papen meists begert.
fS. 111]
[S. IIa]
42
So heveat iJ vp vud leggeu id uedder.
Vau refte scbolde id en towedder syii,
Men se dryncken recht so de swyn.
Se vorbeden id vus leyen in der bicLt,
235 Sulven holden se des altes nicht.
Na groten dryuken is en bilde,
Den luden geuen se quade bilde.
Och is dar komen eyn nye sede,
De vruwen drinken sere mede
240 Beyde to vuUeu vnd to haluen
Vnd ere manne maken se to kalucu.
Wen se vul is also eyn swyn, fS. 116]
So let se eyuen anderen mede yu.
Neyn vrunde, syt des bericht,
245 Eyne vrome vrouwe en deit des nicht.
De dit nicht en heft bedreuen,
De mach sik laten dryncken geuen.
BERLIN. W^ilhelm Seelmann.
Des Minners Anklagen.
Ein unglücklich Liebender beschuldigt nacheinander Schönheit
und Liebe, sein Leid verursacht zu haben, beide weisen die ihnen
gemachten Vorwürfe zurück, sich gegenseitig alle Schuld zuschiebend.
Der Liebende sucht sie wieder zu versöhnen und fordert sie auf zu
bewirken, dass die von ihm geliebte Frau Gnade an ihm begehe, sie
versprechen es, und die Liebe fragt, ob sie jener Frau Liebesschmerzen
auferlegen solte. Der treue Liebhaber wünscht, dass alles Leid der
geliebten Frau fern bleibe, lieber wolle er selbst den Tod erdulden,
als dass die Geliebte in Schmerz gerate. Diese hört die Rede und
spottet der schönen höfischen Worte, welche kein ernster Wille ein-
gegeben habe, schliesslich lässt sie sich aber doch erweichen und
nimmt den Liebenden in ihren Dienst. Sie erfährt deswegen von der
Stetichkeit Tadel, ihr Geliebter verteidigt sie, sie selbst erklärt, der
Liebe unterlegen zu sein. Die Stetichkeit bekennt die Frau mit Un-
recht getadelt zu haben. Der Liebhaber verkündet darauf das Lob
der Stetichkeit, welche der Frauen schönste Zierde sei, und bittet sie,
ihm die Huld seiner Frau zu bewahren.
231 Lies Sc.
43
I
I
Die vorstehende Inlialtsmigabe des liier aus der sog. livli
Beben Sammlung initgeteilteii Gedichtes (vgl. Kiuleitung zu Pseudo-
Gerhard von Mindt^n S, XV und X Atimerk.) zeigt bereits, duss das-
selbe der allegorischen I'ersoiüficationsdicbtung angehört, welche bei
vielen durch das weitverbreitete Werk Guillaume's de Lorris und
Juans de Meung mittelbar oder unmittelbar angeregten deutschen
Uicbtern des 14. und 15. Jnbrh. überreiche l'Üege fand. In Nord-
deutschlaud , wo Eberhard Cersne buTelts der Allegorie huldigte,
fand dieselbe sowohl von den Niederlanden als von Ober- bzw. Mittel-
deutschland aus Yerbreitung. Den hochdeutschen Ursprung zeigt
das vorliegende Ucdicbt unverkennbar, acine Reime beweisen, dass
eine mhd. Vorlage ohne durchgreifende Umarbeitung in die nind.
Mundart umschrieben ist.
Das Gedicht bietet in liezug auf poetische Technik nichts ihm
besonders eigentümliches dar, doch ragt es hervor über ähnlicben
Dichtungen, mit denen es Inhalt, Form oder Manier gemein hat.
Besonders nahe stehen aus den 'Krzähtungen aus altdeutschen IIss,
ges. von Ad. v. Keller" S. 62i das Streitgedicht zwischen der Liebe
und der Scliüne, wer die beste sei, und von Suchenwirts Werken
herausg. von I'rimisser nr, XXIV, die Minne vor Gericht, wo Fraw
Stüete nebst Fraw Gerechtigkeit das Urteil sprechen und der Dichter
als Verteidiger der Minne auftritt, ferner nr. XLVI Wie die Liebu
und die Schoene miteinander kriegen, den Streit schlichtet bier Fran
Minne zu Gunsten der Liebe. Die Ähnlichkeiten, welche sich in
diesen Dichtungen finden, sind hervorgegangen aus derselben Ge-
schmacksrichtung und sie begründen durchaus nicht die Annahme,
dass irgend ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihnen statthabe.
Das vorliegende Gedicht ist in der sehr lückenhaften Handschrift
nicht vulUltlndig erhalten, es fehlt zu Anfang und nach v. 54S ein
Stück, walirscheinlicb je ein Blatt.
udO' ^1
Yo vafter yk fe ys fcheve
Van my, yo vafter fe an my klevet.
In bogen moto (e tegen my l'lruvct,
Dar helpet or din fchone to.
5 Wat niy de leve leydes do,
Were din fchone nicht dar by,
Yk were van leve gewelde vry,
rv entschuldiget fyk de fchone der ndc des
Geselle gud, yk bin dir holt,
Dar umme du fo werven folt,
10 Dat de rede in fulker kor
Vorhat nummer komc vor,
1 ys] des yi'. — 10 kür, mhd. kür '.\rt um! \Vi>i«u'.
/lil. 48/
cltKjeii
44
Dat yk din Tchade Tij gewefen.
Yk en weyt nicht, yfft du heft gelefen
Van dem werden Gamereth,
15 Wo dene de leve betwungen het,
Dat finer eyn morinne hadde gewalt
Unde dat durch fe de helt halt
Maniger node fyk bewach
An ore doch neyn fchone en lach.
20 Du kanft nicht gut vor gut entfan.
Yff yk in diner vrauwen han
Mych dy durch luft gefprentzet,
In lechter varwe yrglentzet,
Dat dede yk mer uppe fulken fin,
25 Yfft dy de leve hedde hin
Getogen myd orer forgen ftrick,
Dat mynnichlike angeblick
Ut fulken banden lofede dich.
Vil leve vrund, wo leftu mych
30 Entgelden myner truwe grot!
Yk entgelde, des yk nu genot.
hire bewert de clagcr dat de fchone an finen fmerten fctuddich fy
Nen, nen, fchone, alle ys dat umme nicht.
Wor men by leve fchone ficht,
De leve fyk dar entwey fpeldet.
35 We my dar umme fcheldet,
De lege my eyn beter vore. [Bl, J4J
Uff mynen wege yk dat fpore,
Deme herte[n] fe van arden anhafft.
Wor aver eyn wiff der fchone heflt crafft,
40 Der nympt eyn ycht oge war.
So blicket lichte eyn dummer dar,
Der fyk vor leff nicht hoden kan.
So kumpt de leve gefleken fau
To deme herten als eyn deyff,
45 Dat fij my leyt ydder Icyff,
Se wil dar umme vrauwe fin.
Schone, fo vorleydet din Ichin
Dene man uff yamer unde herteleyt
Alfo eyn glentzen my vorfneyt,
50 Do yk fach dat tzartze liff,
Yk meyne dat alder fchonfte wiff,
Des eyn muter ju gebar.
14—18 vgl Wolfram Parc. Buch I und weiter unten v. 326. — 18 nüid. sich
bewegen *8ich unterziehen'. — 22 mhd. sprenzen 'schmücken, spreizen*. — 23 mhd.
erglenzen 'glänzend machen'. — 36 *der bereite mir einen bessern Weg'. — 46 vrauwe
'Herrin'. — 49 mhd. versnlden 'verwunden'. — eyn] lies dyn.
45
Vorholen quam de leve dar.
Myt orer fute fe my begrep,
55 Myn fendes herte fe ummeknep.
hire ftraffet de fchone den clager unde het onc vro fin.
Vortzagedes herten wart nu rat.
Yfft dy de leve gevangen hat,
Gefclle, dat ys nicht din dot,
Dat duncket my eyn ringe nod.
00 Dat du treyft herteleyt,
Dat ys eyn fute arbeyt.
Du weyft nicht, wo ho den man
De leve in werden fetten kan,
Wo wrekende mud dar van entfte.
05 unde yfft fe dy nu dut fo we,
Wor umme lidet nicht din mud
Gerne eyn ovel durch dufent gud?
Durch manige vraude eyn ungemach?
Weme nu van leve leyt gefchach,
70 Deme fchach ok leyff van leve ny.
Vrunt, ore leve wonet dy by,
Der aldor fchonften de nu levet.
Ore loff boven allen love fwevet, [Bl. 45 J
Dat men vorwar fpreken mach:
75 Wat doget an vrauwen ju gelach
In futor gute fundor meyl,
Der hcfft fe wal dat meyfte deyl.
hire rhgct de clager der fchone^ dat one de leve in tyfauden erre.
De fcke unde de gefunde
Ilebben ungelike ftunde.
80 Se ys dem cnen kort, deme andern lang.
Deme nu neyn ungemak gedwang,
De ment enem andern fij alfo.
Schone, du heteft my wefen vro
Unde proveft nicht, wat my dar an
85 Vorerren unde gehindern kan.
Dat dut der leven ungelikes wegen,
De nicht kan truwe tegen truwe plegen,
Sint fe myd diner hulpe macht
My dar to hefft myd litten bracht,
00 Dat de clare myd orem rad
Myncs herten erve befeten hat.
So faltu my ok helpen dar
. . . hen to der futen dar.
72 der bezieht sich auf das vorhergehende ore. — 8G wogrn *zuwipgcn, zii-
toilen\
46
Dat yk noch fende fmerten
95 In oreme hertcn.
Dar vunde yk luft vil manichvalt,
Dar itlick doget wer getalt
Myd jummerwefen uflf geflagen.
Dar mochte yk leyt nicht irclagcn,
100 Se trofte myn gemute.
Des twinget fe ore gute.
hire himpt de levc unde entfchuldUjct fyk tegm den dager,
TwilTchen juwer beyder krygen
Mochte yk alto lange fwygen,
Dat alle de fchult ufF my belege.
105 Vrunt, yk bin dy alle wegc
Myd truwen by bcl'tan,
Wo machftu dat began,
Dat du dy yrhevest tege[n| my
Myd worden? dat fteyt ovele dy. [Bl. 46]
110 (iedencke, wat yk dy ju gewarff
Vraude, de dar nu vordarff.
Des achteftu als des windes.
Yk han dy, als eynes kindes
De muter plecht, wente her geplogon,
115 So gutlik uflf van kinde getogcn.
Yk dede als de truwen kund,
Yk l'choyp, dat jn din horte ftund
Durch werde wiff to vrauden.
Solde men myd vrauden gauden,
120 So hedde le wal den böge Ren prijs
In tucht, in ichone, in aller wijs,
Alf men le wünschen folde.
Yk gelike fe wal deme golde,
Dat men uth andern golde weit.
125 Ore denft ys my nu geffelt.
hire nuiwerd de clagcr der leve unde kert fyh nicht an ore fnten rede.
Sote rede unde fpee wort.
Der kanftu genoch beyde hir unde dort.
De nicht wifte diner feden,
De hebben dicke my vorfiieden
130 De ryme fchire durch de mole.
Leyff, wor yk dy gevole,
95 zu Anfange des Verses scheinen ein oder zwei Worte zu fehien, etwa
dar vunde. — 100 lies So en tröste. — 116 kuiulj lies dund. — 119 mhd. giuden,
fröudcn *prahlen, gropthuii'. — lies myd vrauwon. — 128 de nicht wiste etc. bezieht
sich auf my im folgenden Verse, — 129 de besieht sich auf sote rede unde spoe
wort. — Vielleicht sind i^ers 123 und JQ9 umzustellen.
47
Dar gan to berge my de har!
Leyff, yk fpreke dat openbar,
Dar du my tygeft wacker,
135 Dar wil yk wefen later,
Dat yk nicht fnave in dat vur.
Dine fpeen lift fint ungehur.
Du dul't rechte als de vogeler dut,
De vlitich ys in finen mud,
140 Wo he Ib fute pype,
Dat he den vogel gripe.
Beklemmet he one myd deme klovcn,
Dat wert nicht lenger upgcfchoven,
In eyn bur wert he gefpart.
145 Undo ys he den van fulker art,
Dat one geberget fin gefang
Dat levcnt, doch mut he den dwang
Lyden, dat he nummer mer [Bl. 47]
Kan werden weder vry als er.
hire f troff et de Icve den clagcr undo vragct^ wat fe ome hehhe gedan,
150 Vrunt, yk mud dy ftraffen.
Du re<left, als de entflaflon
Ys in eneme dwalme.
Van dines mundes galmo
Wert myn hogo lofF vorferct.
155 Yk was doch ychtefwanno uthgelcheret,
Dat yk in dines horten trone
So werdich fat unde fo fchone,
Dat nicht fo tures wart als ych.
Myn lever vrund, berichte mich,
160 Dat yk komen bin in dinen bau.
Ilebbe yk an dy myfgedan.
Dat lat my betern, wo yk mach.
Du heft doch manigen leven dach
Gehat unde manige leve ftund,
105 De robbins varwe, de roter mund
Durch my dy gelachet hat,
Unde ogen dar, als yk des bat,
Hebben dy leflflik angefeyn.
Ok ys dy Icves mer gelcheyn
170 Van my, wente yk vorleyt nu dyr.
Des heft du nu vorgeten hir.
An dy is betrogen al myn wan.
Vrund, du heft unvruntlik gedan.
182 vgl Gesammtahenteuer 3, 500 v. 304. — M2 beklemmen 'festhalten,
fangen'. — 146 gebergon *retten' rgl. Lerer s. v, — one] lies ome. — 105 Lies
beidemal do für <lc.
48
hire Itewcrt de dager^ äat fyh al ßn ungemack van der leve heft yrhaven.
Leve, yk was ok in den wan,
175 Dat my alfulk ungemak gedan
Hedde de fchone, des yft nicht.
Du bift, de myn herte bricht
Unde fnit myd orer ftrale.
Were dat van herdem ftale
180 Ydder herder den eyn adamas,
Dat mofte tobreken als eyn glas
Van manigem ftote fo fwinde.
Schone let one nicht van dan, [El, 48]
Se wat bin yk dar fchuldich an.
hire honet de clager de leve in torne unde fpreket^ fe fpotte myd ome.
185 Dat fulve ys, dat my werret
Unde dat my vrauden erret,
Dat du my loveft fo vil
Unde heft myd my dyn gnuffelfpil.
Wan yk nu mene. dat fij alfo
190 Unde myn gemute ftyget ho,
So ys uppe eneme tune gewyfet myr
Eyn vogel ydder eyn wilde der.
Din viffche hebben grede.
Du bift fo gar unftede.
195 Yk entrunne dy gerne, wifte yk war.
De warheyt yk wal fpreken dar.
Yk bin dy gram, yk was dy holt,
To coppere wart my ju din golt
Unde din fulver in tyn fwinde.
200 An dy yk nicht envinde
Steticheyt ydder (ydder) truwe,
Du wereft ju gerne nuwe.
Dine heften vrund unde de olden
Der kanftu nicht beholden
205 Unde hordeft ok den jungen.
Wal eme, de unbetwungen
Ys van dy! kan he fyk warn,
De hefit jummer wal gevarn.
hire beweret de leve^ dat de clager van der fchone in noden konien fij,
Aisulke rede yrwecket torn.
210 Du wult in mynen vot den dorn
Steken gar ane myne fchult.
Yk hebbe vordregen myd gedult
Wente her din fchelden unde din clagen,
Nu mud yk dy de warheyt lagen.
49
215 Dy brachte de fehone in diffe not:
Dat diner vrauwen munt fo rot,
Ore wengelin licht, goltvar or har, [BJ. 49]
Ore kele wyt, ore ogen dar.
Unde wat fe glantzer varwe treyt,
220 De hefft de Ichone an fe gelcyt
Durch dat, dat fe dy reyffe dar.
Wultu des alle nemen war,
Wat de fehone hefFt an fe gewant
Myd vlite wente her, nu wes gemant.
225 Bewareftu des nicht beth den ee,
Du kumft iummer in winterswe.
We merken wil byfunder
Ore clarheyt, ray hevet wunder,
Yfft he by finne blivet.
230 Wat men van Venus fcrivet
Unde van andern godinnen an,
Wo lick ys glas unde robbin.
hire hewert de dnger, dat he de leve Inf finer vrautven heJ)€ feyn,
Wore de leve funder leyt, tohant
Dar van wert dy van ray genant
235 De dach, tijd, ftede unde ftund.
De my alder erft ys worden kund,
Dat du drechft eyn cepter unde de crone
In der claren herten trone.
Yd quam, dat my alfo togcn
240 Unde anfegen ore fpilden ogen.
De blick al durch myn herte fneyt,
— Yck rede dat wal uflf mynen eyt —
De hefft royne zele dropen.
De wunde fteyt noch open.
245 De mach fe helen, yfft fe wil.
Nu han yk vor gehöret vil
Van leve, tohant yk inne wart,
Dat diffe queme van diner art.
Nu feg[g]e my, mynne, wat du fift,
250 Sint du fo herde fmerte gift.
Biftu tarn ydder wilde?
Wo ys diner fformen bilde?
Biftu dir ydder vogel, fage my dat,
Mynfche, engcl, duvel ydder wat, [BL 50 J
255 Dat dy lovet alle de werlt gelike,
Keyrer, konig, arm unde ryke?
221 rcyssen *rcitzen\ — 232 lies Wo lik se ys.
Niederdeutsches Jahrbuch. YIII.
50
hire feehi de mynne, wat fe fy unde dcU de fchone an ore nicht en doge,
Yk bin eyn werde creature,
God my gefcop, yk bin gehure,
Deme tarnen wilde, deme wilden tarn.
260 Gebreydet ys myn werde nam,
Dar van yk wyde bin bekant.
Wat fute ju eyn herte entbrant,
Wat gerde hefit noch mynfchen fin,
Des bin yk eyn ortfprung unde begin.
265 We my vlut, deme were yk mich.
We fyk my naket, by deme bin ych.
Yk dar my des wal beromen,
Dat an der rchone[n] blomen
Ore pryfen unde ore fprentzen,
270 Ore tzyren unde ore glentzen
An mannen unde an vrauwen
Yft ungemene to fchauwen,
Dat en fij, dat yk der varwe Ichin
Meffche myd der fute myn.
275 Des mud my werden underdan
Manich fchone vrauwe unde man,
Unde fint to denfte my bereyt.
Durch my ys manich herte gemeyt.
Befynne dat her, beHnne dat hin,
280 De fchone ys eyn wicht, vor yk nicht bin.
hire honet de fchone de Icve unde fprcket^ dat fe hoger fij wen fe,
We bofe nabur hat.
De love fyk fulven, dat ys my[n] rat.
Alfo duftu leve, men weyt doch wal,
Wemen ioff geven fal.
285 Men prifet my an wyven,
Wente yk kan wal leyt vortriven. [BL 51]
Dat wart nu eyn herte fo gewunt,
Dat en hele wal eyn roter mnnd,
Dene yk myd rote entzünde.
290 Eya, wat men ore noch vunde.
De ftorven durch eyn fchone wiff!
We maket leyff der vrauwen liflf?
Dat do yk fchone, fo hört men nicht
Van leve, wen dat men gicht,
295 Du kunneft herte twingen.
De not de kan yk bringen,
Yk fchone I yo my fchauwen
An mannen unde an vrauwen
In glantzer varwe, des han yk prijs.
51
300 Du nikeft my na in deves wija
Vorholen, fo bin yk openbar,
My nemen dufent ogen war,
Den yk durch lult bevalle bat.
Dar umme din fcballen tegen my lat!
hir overtred de leve de fchone myd ores fulves worden.
305 Du romest dy des glantzes din.
Wo befteyt des nachtes din fchin,
Wor leff by leve lefflik licht
Unde ytlik futes kuffes plicht?
Des twinget fe de fute myn,
310 Wo yd kumpt umme dinen fchin.
Wor leflf to leve fyk lefFlik fmucket
Unde gar na to herten drucket,
Den leven make yk lefflik fpil,
Dat yk dat wal fpreken wil:
315 Queme de meyg in fpeer wat
Myd alle den blomen, de he hat,
Unde hulpc glentzen dy myd vlit
Der fterne glans, de funne wit,
Hulpe dy ok der vogclin lang
320 Unde dar to aller feyden clang,
Noch fo were futer vil
Den twen leven der mynnen fpil.
Dar mede yk dy nicht hone, [Bl, 52]
Wede leff ys, de ys fchone,
325 Des heftu fulven vor geyn,
Dat fij an Gamareth gefcheyn,
Dat ome eyn roorinne was trud
Ane fchone in fwerter hud.
hire fchedct de clager dene Tcrich,
Latet den krich my fcheyden
330 Unde fönen twiffchen ja beyden
Unde latet ju mynen kummer fin
Geclaget unde mync zende pin,
Dat my de clare dut fo we,
Unde fchaffet, dat fe an my bege
335 Gnade durch ore werdicheyt.
Ore gute ju des nicht vorfeyt.
Wille gy dat myd truwen werven,
Se let my nicht vorderven.
Myn herte wert van jamer wund,
340 Wan yk an oren roter mund
340 lies roten.
4»
52
Gedencke, wo tzartlik de ftad,
Als eyn rofe de fyk to lat
Tegen der funnen breyn.
Schone, uppe diffet man mach fpeyn
345 An my vul yamers teken.
Mochte yk dar hen gereken,
Dar yk nu hen gedenken mach,
Yk beydede numraer enen halven dach.
Schone unde leve, in diTfe nod
350 Hebbe gy my bracht, dat ys myn dot,
Helpe gy my nicht dar von.
Des dwanges bin yk vngewon.
hire teil de fchone deme clager nth iwden hclpen,
Yk, fchone, wil dy helpen wal,
Als eyn vrund deme andern fal,
355 An allen noden by dy ftan.
Ore mundel nu fo rot gebran,
Yk make dat roter dy durch luft.
Werde yk der rote dar äff gekuft,
Yk rtrek tohant eyn ander dar. [Bl, 53]
300 Dat licht an ore wengil dar
Vorblicken, dat vorluchte yk hat.
Yk wil de wengil pryfen, dat
De rote dringe durch dat wit.
Yk lede dar an al mynen vlit,
365 Dat de rote ginge vor
Unde in der witte fwevede eynpor.
Ok füllen ore fpilden ogen brinen,
Dat nu der morgenfterne ichinen
Wart in fo lechteme glafte.
370 Dar mede yk nicht en rafte,
We decket ore goltvarwe har,
De fiuer maket dat rechte gar,
Unde winde or uth de locken.
Yk fprentze fe zam eyn docken.
375 An ore wert nicht vorgeten,
So evene wert dat gemeten.
hire dancket de clnger der fchone unde fprckt, fe do ome groteren fchnden .
Yk dancke dy, fchone, din wille ys gut,
Over my bekümmert nicht den mud
So fere alfo din clarheyt,
380 Schone, de fe van dy treyt.
De wultu mern uff mynen fchaden.
343 mhd. brchcn brein ^Glan?/. — 358— 3G1 Diese Stelle scheint verderbt. —
358 lies de roter? — 361 vorblicken *vor Augen'. — 369 lies wert.
53
Yk bin myd yamer aldus beladen,
De fnidet my dat herte entwey,
Wo dut dat kind, demen dat ey
385 Bedet unde entud ome dat weder,
Dat dar weynet unde vellet ueder.
Alfo do yk, wan yk blicke dar
Unde der claren neme war
Unde my dar nicht mer werden mach.
31)0 So grote fchone nu gelach
An mynfchlikeroe live.
Yo lenger yk dat trive,
Dat yk van fchone Tage,
Yo groter wert myn clage.
31)5 Yo levet nergen ore gelike,
Sin de engele in deme hymmelerike
So fchone, fo were yk gerua da.
Yk werde in jungen yarn gra, [El, 54]
My trofbe den in korter ftuud
400 Der claren robinroter mund.
hire fprekct de leve^ fe tville defne clager helpeti, yffi fie toille,
Yk leve wil an dy proven nu,
Yfft yd van horten hefl du
Geredet [ydder] myd deme munde.
Vrund, queme noch de ftunde,
405 Dat dy anfegen ore ogen
In rechter leve togen.
Dar van wal fachte worde dir.
Do yk dat in dines herten ger,
So wete, wo dineme horten
410 Sy van yamers fmerten.
De fulven nod fe lyden mud,
Yfft dy fal werden kummers but.
Nicht anders yk dy helpen kan.
Wore over eyn vrund dem ai^^ern gan
415 Als ome fulven alles gudes,
De ys truwes müdes,
De lete fyk ere doden,
Kre fin vrund were in noden.
Dar umme yk wal bedenckc,
420 Yfft yk ore yamer fchencke,
So wert dy bet unde fe mud eyn
De fmerte tragen — fprek ya ydder nen! —
Unde dy ore mundel gruto
Gcmeffchet myd lachende fute.
406 mM, tougeu 'heimlich'.
54
hire fprekt de clager^ he wille er fterven^ er fine vrauwe in nad queme.
425 Leve, folde ore we fcheyn
Unde yk dat an ore mofte feyn,
Dar van fo mofte yk ftcrven.
Lat my ere aldus vorderven!
Ore liff dat ys fo rechte tzart
430 Unde fo gar van eddeler art,
Dat de neyne nod geliden mach.
Myn herte van deme worde vorfcrach,
Dat du fe woldefb twingen.
Solde yk fe uthe den noden bringen [Bl. 55]
435 Unde hedde yk nicht mer wen dat liflf,
Dat geve yk vor dat tzartze wiff.
Dat ore levent folde Iin,
My wem uflf de truwe myn
Dufent dode alfo eyn.
440 Myne feie worde reyn
Vor gode, als de kind
De in der dope gereynet find,
Wen yk durch rechte leve dat
Dede, der yk nu vorgat
445 Unde nummer vorgeten wil
Wente an mynes endes tzyl.
Se do my ovele ydder wal
Yk bin dat de or denen fal.
de nrauwe hvfft de rede hört van deme fterven unde redet fulven mid deni dager.
Weren de rede eyn brücke,
450 He mofte hebben gud gelucke,
De dar over folde gan.
Yk wolde uppe diffe fijt lever ftan.
Yo doch eyn wort ys nicht eyn flach,
Dar umme eyn man wal reden mach,
455 Dat alder befte, dat he kan,
Wor n#n ome der rede gan.
Wente guder rede vrauwet fyk
Manich, dat ys nicht wunderlik.
Over juwe rede ys gar eyn wicht,
4G0 Dat gy foket, dat vinde gy nicht.
Wor men juwe rede wal entflfat,
Dar fülle gy reden, dat ys myn rat,
Unde redet doch nicht to vile.
Doch mach yk noch ene wile
465 Ju nicht vorbeden iuwen mund.
452 d, h. lieber nicht über die Brücke gehen = deinen Worten nicht glauben.
55
Dat ys eyn hoveliker vund
Unde ys eyn tucht, dat wal eyn man
Gereden unde gefwigen kan.
Dat ys fo ungelofflich,
470 Juwe(r) rede dat fe twinge mich.
Des mud yk ju yo reden tu,
We ftervet vor den andern nu.
hirc aniwerd de dager unde fprekt onie fche fo we als [Bl. 56]
yfft he fterve,
Ya, twinget yu nicht, vrauwe tzart,
Myne rede, dat kumpt van edeler art,
475 Dat myd my juwe roter mund
Redet unde körtet my de ftund.
Gnade, vrauwe, han yk mych
Myd reden vorgeten, fo bidde ych,
Dat iuwe doget dat wille overfeyn.
480 Unde als yk hebbe van erllen geyn,
Juwe fchone unde iuwe mynne
Beroven my der fynne.
Dar van wart eyn dumme(r) wort
Villichte van my gehört.
485 Dat fal vor ovele nicht entffan
Iuwe gnade, vrauwe walgetan.
lu wundert fere, dat yk fprach,
Vrauwe, eyn wortele unde yach,
Yk ftorve vor iu, folde dat fin.
4U0 Tware dat ys noch de wille myu,
Were ycht herders den de dot,
Gebode my iuwe mund fo rod,
Dat yk dat gerne dede!
De wille mud bliven ftede
495 In niyneme herten iummcrme.
Nu fchuet my doch alfo we.
hire honet de vrauwe dene dager unde drifft oren fpot myd ome.
Truwen iu ys na fterven ghyr.
Gelovet my unde ftorve gy(r),
Gy feyt my vrolik yummermere,
500 Yk wil iu geven eyne beter lere.
Latet iu nemande wer[d]en
So leflf uppe diffe erden.
Durch dene gy fterven, dat [is] myn rat.
Gy enweten nicht, wo yd dort ftat.
505 Wifte gy, wo fwere fterven yft,
Gy nemen fin er lever lenger vrift.
Stervet kort ydder lang,
56
Yk fege iu des numnicr daug,
Dat en fij, dat den deme papen
510 Dre penuige fint gefchapen
Vau my durch iuwer zele heyl. [BL 57]
Der vrauwen fint eyn gud deyl,
De dat fiilve uicht en deden.
Yk wolde ok vor iu beden
515 Dat pater noster lang,
De wile men funge den oflferfang.
Alfo wolde yk quelen myn liff,
Alfo eyn clagebernde wifif.
Nu feyt, welke leve yk to iu trage,
520 Dat were umme iuwen dot myne clage.
dui ys over des dagers rede unde anttverd orc othntudicidiken.
Gnade, vrauwe, in dogeden dar,
Yflft yk ycht tegen iu reden dar,
Wo mochte dat iummer fin,
Dat by fo engelelikeme fchin,
525 Nicht gute were ydder barmherticheyt?
Yk mene, dat mofte iu wefen leyt,
Were yk eyn wilder heyden.
Wo mochte gy my gefcheyden.
Vil leve vrauwe, de rede lat.
530 Yfft gy nicht gnade begat
Tegen my, des hebbe gy funde.
Wo gerne yk gnade vunde.
So ys dat alle iuwe fpot.
Yk wille doch iummer bidden god,
535 Dat he iu lende in iuwen mud,
Dat gy an my gnade dut.
Vrauwe, dat mochte noch de ftuud
Komen, dat iuwe roter mund
My mofte leiflik lachen an.
540 Ach, dat my de falde nicht en gan,
Dat my fo wal gelunge,
Dat iu de leve twunge,
Dat iu ok were, als gy my feyt.
Dat were my eyn leve tijd.
hire tornet de vrauwe unde menet he mlle tovern.
545 Gy moget wal fwygen ftille.
Dat ys myn gude wille,
Dat yk myd iu nicht reden wil,
Over gy kunnet redens alfo vil.
526 nämlich der Tod des Liehenden. — 637 dat 'es'. - 543 Ues Bit
57
Dat gy iu bedenken bat. [BL 58]
550 Neyu fpot niy van iu enkan
Vortriven, vrauwe walgetan.
luwes roden mundes fpotten
Ys futer den yenich rotten.
Vrauwen mynne unde vrauwen grud
555 De twe men dure gelden mud.
Yk wene des nicht, yk weyt dat wal,
Wede fchonen vrauwen denen fal,
Dat ys nicht eyn kinderfpil.
Vra\iwe, mach yk iu nicht fo vil
5G0 Gedenen, als des were recht,
Latet my doch heten iuwe knecht
Unde lovet na gnaden myr
Eyn klene Ion. dat ys myn ger,
Dat yk an iu in mynen mud
5G5 Gedenke, wen my duncket gud,
Dat yk darto hebbe iuwe (iuwe) gunft.
Dat leffchet wal mynes herteu brunft.
der bede ttvydet fe Oftw unde vloket dm^ de fyk bcromen,
Gy kunnet fo biddeliken gern,
Dat yk iu des mud gewern,
570 Dat yk doch nicht yrwern kan,
Myd willen yk iu des wal gan.
Wo fal deme wefen gud.
De an ome fulven myfdud.
Ya maket gy iu fulven dat,
575 Dat wy iu moten wefen hat.
Twe ding fint an den mannen,
De fint van uns vorbannen.
Wy baten fe, fe don uns leyt:
Komen unde unfbedicheyt.
580 Dat ene maket uns fchandenrot,
Dat ander maniger bringet den dot.
Enes wives beromet fyk eyn man,
Des fe nu künde enwan
Unde yfit fe one myd ogen anficht,
585 Nochtan fo enkennet fe one nicht. [BL 59]
Vorvloket fij der romer liff
Unde de fnode, an deme eyn wyff
Durch rechte leve gifft gelat,
Yfit he tegen ore nicht truwe hat.
548 tcie der Zusammenhang zeigt, ist hier eine grössere Lücke, wahrschein-
lich fehlt ein Blatt in der Handschrift,
58
590 Deme gefche van vrauwen nummer leyff
Vnde he mote fterven als eyn deyflf!
hir antwert de dager uff de rede van romen unde van bofen wynncren.
De bofe dut na finer art,
Des fyk de vrome fchamet hart.
Ach, dat he nicht vorftummet
595 Ydder in der ftede crummet,
De vrauwen ere aldus krenken wil!
He vorrome fyk weynich ydder vil,
Dat fchadet reynen vrauwen nicht,
Ome fulven [he] dat to lafter gicht,
600 Wor dat hört eyn ftolter man,
De werden vrauwen denen kan.
Yk weyt wal, dat fyk nemant mere
Beromet wen deme nu neyn ere
Ydder neyn leve van levo gefchach.
605 Dat ys den vrauwen eyn ungemach;
Men fal myd love vrauwen plegen
Durch oren futen morgenfegen.
Welk man dene yrwerven kan,
To deme falde hefit walgedan,
610 De mach fyk beromen unde wefeu vro
Myd gefange unde doch alfo,
Dat yd ore nicht to vare enfte.
AlfuHk rom dut nenen vrauwen we.
Dat rede yk uth truwen mute
615 Unde bidde gnade, vrauwe gute.
hire ys de vrauwe yrweyJcet unde nimpt den dager in oren denft.
Gy hebbet myd reden bekümmert mich,
Dat dat horte unde de wille twyen fich.
De wille ys gud, dat herte en wil, [BL 60/
Dat ys eyn ungedelet fpil.
620 Yk volge diffeme ydder deme,
Dat ys yo ene weder teine.
Deme willen helpet levewan,
Deme herten hanget noch twivel au.
Unftete deme herten twivel bert,
625 In den danken dat yo wert
Myd truwen durch my bedrovet.
Dar tegen fyk allet ovet
Myd fynne des willen uff leven wan,
Deme yk fulven feges gan,
630 Dat ga to fchaden ydder to vromen
De wille dat herte hefft overnomen.
He tuet dat hin, yd mud yo dar.
69
Twivel heflft dat herte gar
[Dor] leven wan gerumet.
635 Dat herte nummer furoet,
Deme willen ys dat bereynet,
De twe fint nu voreynet.
Holt dy wal, vrund, unde dene my,
Yk wil fulvcn loven dy.
hire vrauwet fyh de dager^ dat fe one in oren denft entffeyi,
640 Wal mich der hogen werdicheyt,
Wal mich, vorfwu[n]den ys myn leyt,
Wal mich der futen ftunde,
Wal mich uth rotem munde
Troftet my de fchonfte, de nu levet,
645 Wal mich, myn herte in lüften fwevet,
Wal mich, myn ungemak ys hin,
Wal mich, yk weyt nicht, wer yk bin
In hymmele ydder uflf erden,
Wal mich, dat yk der werden
650 Denen Tal, fo wal mich, wol,
Wal mich, myn herte ys vrauden vol! fBL 61]
Salich fij de leve dach,
Des yk nicht vorgeten mach!
Salich fij de- leve ftund,
655 Salich fij ore roter mund,
Salich fij ore fute uam!
Van eddeler art de vrucht bequam.
Salich fij der claren lifi!
Se mach wal heten leytvortriff.
660 Nu helpet alle wunfchen myr,
Dat myn denft wal behaget yr,
Dat my gelonet werde da
Myd deme futen worde ya!
hire ftraffet de fteticheyt de vrauwen^ dat fe fyk hefft latcn overredet.
Dochter, du bift alto halt.
665 Du bift der yar eyn kind unde nicht alt
Der finne unde dy volget doch mede
Der dummen kinder fede.
Dar umme yk dy nu ftraffen mod.
Dy ys to ficht gar diu vöth.
670 Yo hefift to fere myn befmenflach
Dyr gefchonet uppe diffen dach,
Yk mud dy beth warden.
In dines herten garden
666 doch] lies noch.
60
AI myn vrucht de was gefeyt,
675 De liefift eyn wind gar afi geweyt,
Dat de nu dorret by deme wege.
Du bift to verne uthe myner plege,
Dat men dar saget, dat ys al war:
Körten fyn unde lange bar
680 Hebben de vrauwen, dat ys wal fchin
An der werden dochter myn,
Der eyn vafte herte geweket hat
Eyn man myd reden, de dy doch lat
Als den ftuken dut de cra. [Bl. 6:2]
685 Nene fteticheyt du vindeft da.
Dat fecht dat fchap 'nu fe dy vor'
Unde holt dene wulflf buten der dor.
hire antwcrt de clager der fteticheyt unde entfchuldiget fine vrauweti.
Worumme ftrengeftu dy fteticheyt
Nu tegen de claren myd wredicheyt,
690 Dat din ftraffen ys fo fcarflf.
Dat kind der roden kleyne darff,
Dat fyk fuluen dwingen wil.
Dines ftraflendes ys to vil
Tegen der, de nu ute der eren pat
695 In untucht enen halven vot trat.
De fulve grone, nergen val,
Eyn blaynde rijs, gar breyt unde nicht fmal,
Geheget hat to prife
Dar in deme paradife
700 Ores herten, des yk nicht hele.
Dar uppe blayen dogede vele.
Men yk ie or fomelike manichvalt,
De under der andern hefft gewalt.
De betet wives gute.
705 De twinget ere gemute.
Dar to yk wille, fe halp my da.
Eya fteticheyt, nu la
Tegen der claren unde tegen myr
Din fpotten. yfft yk my tegen yr
710 In valschen mute vorgeten han,
So fcrive yk my fulven in oren ban.
hire leret de fteticheyt^ wo eyn vrauwe fülle ftete fin,
We to ern wille bringen kind.
De holde fe de wile fe fint
Kinder in gedwange.
715 Man mach eyn holt fo lange [Bh 63]
Bogen, unde ys dat krum,
61
Dat wert wal flicht, de vrauwe ys dum,
De yk dar mede meync.
Men vindet ore nicht eyne.
720 Wat men ore vorboden hat,
Dat fe dat dut unde nicht enlat,
Dat fe to rechte dede.
Wiflf, wultu bliven ftede,
Lat dy nicht werden hemelieh
725 Neynen man, wen du dich
In rechter leve gefelleft.
Wene du nicht mynnen willoft
Myd truwen gans, myd deme have
Ncnen fchimp umme fine gave.
730 Alfulk spot deme manne rawe bert,
Dat fin herte in leyde fwert.
Wan den anders nicht cyn man,
Wiflf, din lafter proven kan,
Eyn man hört in fpotte geyn,
735 Sin wille fij an dy gefcheyn.
hire focht de clagn' wo men fyh an vrnnwen fülle holden,
Steticheyt, dine lere ys gud.
De mynem herten fachte dud.
Eyn wiff fal wives tucht began
Durch ore ere tegen enen man,
740 De lyk gutes to ore vorficht.
Dut fe over anders tegen eme ycht.
He fal fyk an ore reken,
Alfo dat he fal fpreken
Van ore dat hefte to aller tijd.
745 Yk weyt wal, dat eyn wiflf yo gijt
Sachten mud, dat fe fyk vorbat
Bedenke, yflft fe fyk vorgat.
Yk bin dar, de allen vrauwen wal
Durch euer willen fpreken fal,
750 So leyde ray noch nu gefchach.
Wan yk dat clare bilde anfach,
Yk mofte van leve lachen. [El. 64 J
Wat kan tor werlde machen
Dene man fo vrolik als eyn wiflf?
755 Unde wor den eyn alfo fchone liflf
Myd dogeden ys gefyret,
Dat ys in golt gecwyret
Eddele fteyn in lochten fchin.
Alfo ys de leve vrauwe myn.
62
hire fpreket de vrauwe, toat fe gedan hebbe^ dar fij de levc fchtddich an.
7G0 Yk mud an t worden overlang
Dy fteticheyt, unde have undang,
Dat my din ftraffen nicht vormeyt.
Du weyft doch wal, dat yk den eyt,
Den yk dy fwor, geholden han.
765 Yk wolde my ere doden lan,
Ere yk one valfchen wolde.
Yk hebhe noch, als yk folde,
Din gebot gehalden.
Yk hope, fal yk alden,
770 Dat yk dat nummer overtrede.
Mynes herten garden yk wede,
Dat dar inne blive neyn bofe krud.
Dat ys leff, var yk han eyn trud
Yrwelt, han yk dar myfvarn,
775 Du falt myr nummer sparn,
De tucht yk gerne leyden fal.
Yodoch vorfteftu dat fulven wal,
Dat de ftarke yo fticht.
Unde de cranke under licht.
780 De leve quam fo crefftlich,
Yk mochte myd nichte weren mich,
Se vurde in banden my dar hin,
Dar yk noch gevangen bin.
hire Iwkennet de fteticheyt^ fe liMe fe to unrechte grftraffet,
HefFt leve din vorwunnen fych,
785 So temet my nicht, dat yk ftraffe dich. fBl, 65]
Yk enkonde nu neues herten dor
So vafte fluten, queme dar vor
De leve vorholen unde kloppede an,
Se worde to leften ingelan.
790 Yk hebbe myd ore kryges genoch,
So ys fe my alle to kluch,
Se ys fo liftich unde fo karch
Unde dar by ok alfo starch,
Dat fe my hefft afF gedreven
795 Dar yk gerne were bleven.
Yk mofte varn anders wa,
Hute hire, morne da.
De leve ys alfo eyn gokelfpil.
Dochtcr, yfft din herte w^l
800 My nicht vortriven laten,
771 weden 'gäten'. — 773 vrauwe? — 795 dat] lies dar.
63
Su, Fo faltii maten
Vy vromeder hemeliclioyt.
Als yk dy vor hebbe gelajt,
Wen ftro by vure yrbrent fich,
805 Lecht ineo dat na. merke micli
Uode volge dilTer lere,
Se bringet dy in ere.
hirc l'rrkl de dagiv wo wal dat ftetichn/l i
Ach wal dy, wal dy fteticheyb !
Acli wat din name al werde treyt!
810 Steticheyt, du bift eyo wät.
De werden vrauwe[n] beth anftät
Wen tzamit ydder pelle.
Welk vrauwe fyk pryfen welle,
Dat men fe love, de klede l'ych
815 In ftetifheyt. fo vrauwe yk mich,
Dat yk iny iuromer romen mot,
Dat l'e gekledet ya wente uff den vnt
In l'tetictieyt. des gelike yk fij
Deme claren goldc van Araby.
820 Se ys l'chone, gud unde mer den gud.
Yk wart nu l'o ungemnd,
Wen yk Fe nome, yk werde vrn.
Ach fteticheyt, nu voge dat all'o.
Dat my van creme denlte yclit
825 Vordrive, des vorhenge nicht.
Yk endarfl nenes paradifes mere,
Men dat my lalde noch bel'chere,
Dat my vorbrinne ore roter miint.
So leve yk iiimmer wal gefunt.
830 lioret my des muiides l'iiticbeyt,
So rterve yk nummer iiff mynen eyt.
fyM.
im. 60 j
BERLIN.
Wilhelm Seelmann.
I Des Engels Untervv^eisung.
Die Handschrift n. 144 der Gymnasial-Bibliothek zu Quedlinburg,
eine im Anfang des 15. Jahrhunderts geschriebene Papierhandscbrift
in Duodez, enthält auf Bl. 1 — 102 eine umfangreiche mnd. geistliche
Dichtung, welche bis auf ein zwischen Dl. 95 und 96 fehlendes Blatt
64
vollständig erhalten ist. Die Seite bietet 19 — 21 Verse, die ganze
Dichtung hat also einen Umfang von ungefähr 4000 Versen. Sie
zerfiillt in zwei Bücher, von denen sich das erste durch formelle Vor-
züge, durch den sichtlich geregelten Bau der Verse, welche dem in
der Einleitung zu Pseudo-Gerhard von Minden S. XL!I — XLVI gege-
benen Versuche einer mnd. Verslehre entsprechen, und durch Reinheit
des Reimes vor vielen nind. Dichtungen auszeichnen. Auf das ersti;
Buch kommen ßl. ]— 67, auf das zweite Bl. 07—102.
Inhalt: (Bl. 1.) Der Dichter bezeichnet als die Aufgabe seines
Werkes die Angabe der Gründe, weshalb der Fromme, der seinen
Tod von Gott erfleht, um so bald als möglich der Schaar der Seligen
eingereiht zu werden, nicht sofort Erhürung finde, sondern erst durc!i
mancherlei Leiden geprüft werde.
Ein Mann, den Jammer des irdischen Lebens betrachtend, wünscht
den Tod. In Gebeten erfleht er ihn von der Dreieinigkeit, Maria, den
Engeln, den Patriarchen und Propheten, den Aposteln, den Beichtigern
Gottes, den Jungfrauen und Wittwen, die sich zu Lebzeiten Christo
verlobt, allen Heiligen Zions,
(ßl. 11) Maria, welche im hohen Kate der Dreifaltigkeit sitzt,
hört das Gebet, erbittet sich von Gott Vollmacht und eilt zu dem
Engel, welchem die Obhut jenes Mannes anvertraut war, und trägt
ihm auf, zu demselben zu gehen und ihm zu sagen, dass er auf
Erden noch weiter zu leben habe, noch Leiden erdulden müsse und
erat si)iiter den Himmel erwerben werde. Der Engel verneigt sich
'mit hovescheit' und eilt davon, um seinen Auftrag auszurichten,
(ßl. 12'') Der Mann, der seinen Tod erbeten hat, empfindet
grosses Leid, als ihm der Engel die Nachricht bringt, sein Wunsch
solle noch nicht erfüllt werden. Er besinnt sich aber darauf, dass
ja nicht alle Geister, welche erscheinen, gut und glaubenswürdig
seien. Der Engel solle erst seine göttliche Mission nachweisen, ehe
er ihm glaube.
(Bl. 13li) Der Engel setzt darauf auseinander, wer wie er Christi
Worten folgen und ihn preisen heisse, sei ein guter Geist. Vor an-
deren Geistern müsse der Mensch sich 'allerdings in Acht nehmen
und dürfe ihnen keinen Glauben schenken. Zur Unterweisung des
Menschen, der an solchen guten Lehren die himmlische Herkunft des
Engels erkennt, führt dieser in seinem Gespriiche mit dem Manne
einige moralische und ascetische Lehren aus.
(Bl. 601») Der Engel verabschiedet sich. Epilog des Dichters.
(Bl. G7'') Beginn des zweiten Buches. Gespräch Christi und
eines Christen, dieser fragt, jener gibt Auskunft über die Pflicht dfr
Dankbarkeit, über die Taufe, Erbsünde usw.
Der Epilog des zweiten Buches, dessen einzelne Zeilen abwech-
selnd mit roter, grüner und schwarzer Tinte geschrieben sind, gibt
Nachricht, wann das Buch vollendet ist. Die bezügliche Stelle lautet
folgendermassen: Nach vnses hcren ghodes hört Also mcn scrift hir
vnäe dort Veiieffiihuiideii jnre Dar na in dem neghuden vorware Is
66
I
Hesse lere to enäe Icome». Es ist hierzu aber zu bemerken, dasa dem
vorletzten Verse in der Handschrift folgender, sobald er nieder-
geschrieben war, von dem Schreiber wieder durchstrichene Vers voran-
geht: Dar na in dvme ersten vorimre. Vielleicht wird man richtig
vermuten, wenn man annimmt, das3 die Handschrift i. J. 1400 ge-
Bchrieben ist, deren Vorlage aber an der besprochenen Stelle die Zahl
1401 geboten hatte. Dass die Handschrift eine Vorlage gehabt habe
und nicht das Autograph des Dichters sei, geht aus einzelnen Ver-
schreibungen hervor, welche auf Miaaversttindnis des Sinnes beruhen.
Die Handschrift ist für einen gewissen Severus Jegher angefer-
tigt worden, Rl. 102« wird derselbe nämlich als Possessor hujus libri
bezeichnet, und zwar rührt diese Bemerkung von dem Scbroiber der
Handschrift her, Der Schreiber selbst scheint jener Johannes van
Home zu sein, dessen Name sich auf IJl, 48 unten auf der Seite ver-
kehrt geschrieben und ziemlich versteckt hndet. Der Zusatz 'van
Homo' gibt einen Hinweis auf die Tiegend, wo die Handschrift ange-
fertigt ist. Da die mundartlichen Formen, welche die Sprache des
Gedichtes bietet, auf den siidHchen oder südöstlichen Teil des mik-
Gebii;tes hinweisen (mik selbst kommt übrigens nur ausnahmsweise
vor), so muss jenes Home der zwischen Quedlinburg und Aschersleben
gelegene Ort Hoyme sein, wo heute zwar bereits die mitteldeutsche
Mundart beginnt, früher aber, wie Tümpel gezeigt hat, die Volka-
mundart niederdeutsch gewesen ist. Aber nicht nur der Schreiber,
auch der Verfasser oder die Verfasser der Dichtung müssen dieser
Gegend angehürt haben, wie eine Untersuchung derlteime zeigen wurde.
Ich sagte: die Verfasser, weil ich es für möglich halte, dasa die
beiden Bücher, aus welchen die Dichtung besteht, von verschiedenen
wenn auch derselben Gegend und so ziemlich derselben Zeit ange-
hörigen Geistlichen vcrfasst sind. Das zweite Buch macht den Kin-
druck, als wenn es eine matte Nachahmung des ersten sei, ohne dass
der Dichter sich dieselbe Strenge in Hinsicht auf Versbau und Ueim-
bindung auferlegt hätte, wie sie das erste Buch zeigt.
In diesem ist mir, abgesehen von einigen Bindungen, welche
sicher oder wahrscheinlich nur in der vorliegenden Niederschrift nicht
rein sind, aber es ursprünglich waren wie z B snel : vil, Israhel : vil,
ßchal : wol u. ü., nur ein Verspaar mit auffillügem Reime aufgestossen.
Hl. 48it Dat du in dogheden nicht in slaghest Vnde de ghehod (iodes
nicht enwrakes, so dass ich an ein Verderbnis der Stelle glauben muss.
Auch das zweite Buch zeigt im Aligemeinen reine Reime und
besonders ist bemerkenswert, dass wie im ersten die sonst im mittel-
niederdeutschen häufigen Bindungen e : en gänzlich vermieden sind.
Doch habe ich folgende unreine Heime verzeichnet Bl. 69 sote : gute,
88b vorwunnen : ghedrunghen, 04b wapen : maken, ausserdem finden
sich 70« 70li 71» 96'' reimlose Einzelverse.
Ich teile von der Dichtung, die ich 'des Engels Unterweisung'
betitelt habe, den Anfang und das Ende jedes Buches und einige
Stücke ans der Mitte mit, die Bl 3 der Handschrift entnommenen
66
scheinen den Eindruck wiederzuspiegelen, welche die kirchlichen und
weltlichen Verhältnisse in der Zeit vor dem Constantiense auf den
Dichter gemacht haben.
Gregorius de hilghe lerer trfid [Bh If^]
Heft dessen syn ghesproken ft,
W& vns tydlike pine dringhen,
Dat we na vnssem heren ringhcu.
5 Ynde koningh Dauid heft bescreuen,
Dat de rechten de hire leuen
Vil drofnisse moten dulden,
Des lopen se to godes hulden
Vnde stetichliken 6n an scryen,
10 Dat he se balde wille vryen
Vnde bringen in dat lovede lant.
Des doit he auer nicht tohant,
Mer he leed se noch bewerden
Lange tijd uppo desser erden
15 In der bösen lüde schare
In pine vnde in groter vare.
Jo doch is he on nicht vcrne
Vnde tröstet ore ghemote gherne,
Dat se duldichliken beyden,
20 Went se van de werlde scheden. [Bh l^J
War umme de vterwelden herte
So lange lyden grote smerte
Vnde wo 6n wert hire trost ghegheuen,
Dat is an dessem boke bescreuen,
25 To der g&den jüngeren vromen,
De gherne willen vorder komen.
Eyn mynsche trad to eyner stunt
In sines stillen herten grünt,
Vil depe he do bedachte
30 Der werlde vnde des hymmels achte,
Wü in dessem jamerdale
Is nicht wenne iamer vnde quäle,
Mer in des hymmelrikes städ
Is vra&de vnde wunne sunder vnderlad.
35 Van dessen guden danken eme quam
Dat he wart der werlde gram
Vnde desses leuendes ghar vordrot.
Sin begheringe de wart grot,
Dat he in ewichliker wise [Bl, 2(^]
40 Mochte sin in deme paradise
Mit dy, sote Jhesu, to vorn,
Dar na myd dynen vterkoren.
We were de doraftighe zele,
67
De nicht en köre to dessem dele?
45 Welk herte van dy wert erwecket
Vnde dyner gh&te to rechte smecket,
Deme wert na dy to male bange,
Eyn cleyne tijd wert ome to lange,
Vnde kan nummer mer en traft wen,
50 Id en moghe dy bescha&wen
An diner clarheyd alzo d& bist.
Wente myn allerleuesto Crist
Du bist to male mynnichlich.
98 leue here, lat my nicht wonen [Bl. 3^]
Lenger in desser valschen tyd,
De nv an der werlde 1yd!
Dat kint de elderen bedreghet,
Eyn broder deme anderen vorleghet,
Dede wonen vnder eynem dake
Hebben to samende vyentlike sake,
105 Dat golt is kopper gheworden,
In den hilghen gheystliken orden
Tucht vnde doghet is vorswunden,
Dat recht vorgheyt in dessen stunden.
De houede sint nv leyder seek,
110 Des sint de ledemate worden blek.
De bösen lüde sittet bouen,
Des werden de guden vorschoven
Vnde an on wert ghewroken,
Dat de bösen hebben vorbroken.
Aldus welk gheyst dy wol radet [Bl. t4(^]
Vnde to godes denste ladet,
De dat leuent Jhcfu Crifti priset
Unde dy ftede dar vp wifet,
De gheyft is ane twivel war,
Deme schalt dfi boren sunder vär. [Bl, 14h J
Wenne de dy anders ich to fchunden,
Mit deme fchalt du dy nicht vrunden,
Wente fe find Lucipers ghefellen
Unde wolden dy vil gherne vellen.
Ok wo men schuUe rechte leuen,
Dat is van den hilghen wol bescreuen.
Welk gheyst dy jenighe lere ghift,
De wedder is der hilghen fcrifft
Effte is der befcreuen nicht,
Den holt vor eynen bozen wicht.
Welk auer dy dar wifet an,
Dat men bevindet rechte stan
6^
68
In de[n] waren cristenen boken,
De wolde dy node becloken,
Mer he wel dy to gode teen.
Doch l'chalt du hir enkede seen,
Dat de ouelen gheyfte dicke
Teen vte dere fcrift behende ftricke.
Dat gheschut, wen se vncloken luden
De wort der fcrift vil anders dudon, [El. IftfiJ
Wen de hilge gheyft dat meyne.
Dat lere is kufch vnde reyne.
Wen dy nv wert ghefproken to
Van gheyften, du fchuUeft alzo
De scrifft also vorstan
Vnde din leucnt also angan.
Su to, lat dy nicht becloken,
Mer du schalt de lere soken,
De du wist, in der hilghen kerken
Van guder lere, vnde hilghe dink werken.
Vrage, wer dat sy de rechte syn
De dy is ghesproken jn.
Were dat ghedan na dessera rade,
So were bewart mennich schade.
Dat böse were nicht vor god ghenomen
Vnde weren neyne kettere ghekomen.
Vor[t] diner dogheden werdigheyt
In (lerne edelen middele befteyt.
Hir vrame schalt du deme ghetruwen,
Do dy lert de vnniate fchuwen, /Bl, 15h J
Wort vnde werk to rechte meten,
Swighen fpreken vasten eten
Mit der metycheyt besnyden,
Vakene beden to vellighen tyden.
Auer we dy gheuet deffen(t) rad,
Dat du latest dat middele grad
Vnde doft to vele edder to cleyno,
De ghoyst is boze vnde vnreyne.
Van deme wert vmmeghetoghen
Vele guder lüde vnde so bedroghen,
Dat se van vnraetygher dat
Werden to guden werken lät.
Dat schSt wol in dussor wise,
Se nemon to weynich der spise
Vnde waken effte beden to vil
Bouen de[r] kranken nature tzil,
So vorlezen fe de methtigheyt
Van der vncloken vnmethtigheyt,
69
Viide vil gudes blift vngbedaD,
Dat med van krankheyt vndergan.
Schlnss des ersten Buches.
Dit bok stet, also eyn enghel schone
Vnde eynes mynschen persone
Vruntliken to gadder kosen
Nach der meyster glosen.
De enghel spreket der sele to,
Wen he se schundet, dat so do
Wat gudes vnde dat böse vle.
Yan godes gnaden dat bort se,
Wen se sich van der werlde beret
Vnde mit oren herten beweret.
De sele heft ok eghene rede.
Wen se sich beweret dar mede, [Bl. 67^/
Wen se wat don efte laten wille,
Dar van or begheringe stille.
Dat sin ore gheystlike wort,
De vil balde de enghel bort.
Wente an orem lifliken munt
Maket eyn gheyst deme anderen kunt,
AI sine inwendighen beghere.
Dat wil god vnse leue here.
In desser vorborghen wise
Spreken sich to de gheyste lise.
Also is ok de sprake ghestalt,
De hir jn dessem ghedichte valt.
Nv boghe ek mynes herten kny
Vnde oppere, leue Maria, dy
Dit bok myt syner denen kunst
Vnde bidde dat van diner ghunst
Id raote ghar nutte wesen
Alle, de dar jnne lesen,
Mit one vnde myd my in vuller bäte,
Dat wy nicht en komen to late /Bl. 67lf]
To dem rope, dar men bort:
De brodeghem komct also vort,
Wonne dat wy denne dar rede stau
Vnde myd ome to der hochtid ghau.
we den, de dar bliuet en buten.
Wen se dar de dor tosluten!
Ililff Maria, salighe derne,
Dat vns bliue de schade verne
Vnde bruken na der tyd des dodes
Myt dy des wunnychliken brodes,
70
Dat god suluen is in ewyckeyt
lu syner ghansen hylghen dreuoldicheyt!
Ans dem zweiten Buche.
Ilir gheyt an dat andere bok.
Des hebbe mynsche ghuden rok
Vude merke de guden lere.
Se god, vnse leue here,
Dy suluen wel vornuftich maken,
So kunnen de vyende dy nicht gkerakeu.
In cristen vnde in anderen guden boken [Bl. GSaJ
Vindest du, wo me sckole roken,
Dat men denke aller waldaet,
De men van gode entfangen hat.
Vnde ok van anderen guden luden,
Also vns de meystere wol beduden.
So is dankneymycheyt [e]in doghet grot,
Der allen luden is wol not
Hir van is dut bok ghedichtet
Dar jnne wert de mynsche berichtet
Wonde
Vnde al
!] wis der wunne,
e der krefte sunne
Schalt sek vliten an danknemycheyt
Vor der woldeder myldicheyt.
Sware vraghe vallen dar jn,
De sich draghen up dessen syn.
Wat der vraghe losinghe sy,
Dat steet dar harde screuen by.
Godes wort, de ewighe wisheyt,
De in der hilghen dreuoldicheyt. [Bl, GttffJ
De andere, de sonlike persone,
Beghunde alsus in sotem done
Kosen van der dankneymycheyt
Mit eynem vte der cristenheyt.
My sande myn hymmelsche vater fBl. 76hJ
In desser werlde stormighe water,
Dar inne myd pinen, de was swar,
Woyd ek dre vnde drittich jar.
To dem lesten leyd ek my doden
Van den vnghetruwen bösen joden.
Eyn sper drank in mynes herten grünt,
Dar vlot vt in der suluen stunt
In warheyt water vnde blot.
Mid desser duren edelen vlod
Erhoflf sich de hilghe cristenheyd [Bl. 77a]
71
Vnde der sacramente kreffticheyd,
De dy losen van dem heischen worghere
Vnde maket dy to eynem erueborghere
To Jerusalem in der stad.
Dar is grot vraude an vnderlad,
De hir neyn man kan begripen.
Rotten vloghel efte pipen,
Lyren vedelen vnde psalterin,
Orghelen partiff vnde monocordin
Vnde wat men in der museken vint,
Dat is alles nicht eyn wint
Vor des ewighen rikes wunne.
De lechte wunderlike sunne
Vnde der anderen stolten sterne glans,
Der jungen dere jungheren [!] dans
Teghen des soten meghen blote,
Der voghelin stolte ghemote,
Wen se to stride qwinkelleren,
Quart qwint octauen j&bileren,
Pellel fflueyl vnde samyd, [Bh 77h]
Scharlaken roed efte wid,
Dure baldekin vnde blyant
Vnde mangherleye sydenwant,
Dar de gheylen herte inne douen
Vnd nach der werlde luste houen,
Suluer golt vnde parlen fyn,
Cheuete [lies kevele] guldin vnde suluerin,
Dar inne win mechtich vnde blank
Vnde ander dure lutterdrank,
Vnde ho ghebuwet in de lucht
Bomgharden vnde mangherhande vrucht,
Mat&selemes lange tijd,
Samsones sterke bred vnde wid,
Azeheles grote vnde listicheyt
Vnde Achiles mechticheyt,
Paryses vnde Elenen schone,
Hechtores segheuechtighe kröne,
Creses rykedaghe mannichualt,
Konigh Alexanders grote ghewalt, [Bl. 78a]
Octauianes gude ghelucke,
Alle desse vnde andere stucke,
De lüde, de up erden stan
Ore walluste soket an:
De sint to male nicht ghelik
Der vroude, de is in hymmelrik.
De ek dy hebbe weddervunden.
Des danke mynen hilghen wunden!
72
Schlnss.
"We in dessem boke wel lesen, [El. 101b]
De schal nicht des wanes wesen.
Dat god suluen vnde eyn ander
Ilebben ghekoset myd eynander
Alse de wort des bokes ghan.
Wenne dat is dar vmme ghedan,
Alle dat de hilge scrift
In sich to vorstände ghift,
Dat norae ik to male also,
Alse my god suluen spreke to.
Vnde wat hire is to samende toghen,
Dat is vt der hilghen scrift ghesoghen
Vnde vte der hilghen krystenen glosen.
Des steyt dyt, wo to gader kosen
Jhesus vnde eyn crystene zele.
Maria dit werk ik dy bevele. [BL lü^aj
Bidde dorch dyne gotliken tucht
Dines liues benedigheden vrucht,
Dat he my gheue hire de stade
To dankende vmme syne grote gnade,
Dat ek ome hir na jummermere
Danke vmme syne ewighen ere
Vnde vmme sin hilghe lident allermeyst.
Des helpe my de vader, de sone, de hilghe gheyst!
Nach vnses heren ghodes bort [BL 102^]
Also men scrift hir vnd dort
Verteynhundert jare,
Dar na in dem negheden vorware
Is desse lere to ende komen.
De leue here gheve alle den vromen,
üo se lesen efte hören,
Wor sich dat jummer mach gheboren,
Dat se des ghebetert werden,
Wenne se scheden van desser erden!
Dat dat ghesche in korter [vrist],
Des help on milde here Jhesus Crist!
here des danke ek dy,
Dat du best hulpen my
Wlbringhen desses bokes ende!
Vnde volde des dy myne hende!
BKRLIN. Wilhelm Seelmann.
Fartaendeutung.
I
I
Dieselbe i. J. 1431 in Livland gescbriebeDC llandsclinlt, aus
welcher 'des Minners Anklagen' mitgeteilt sind, enthält ein miltel-
iiiedei'deiitsches Gedicht über die Bedeutung der Farben in der Liehe,
welches ^v'ie die ganze Behandlung des Gegenstandes, die Diction und
die Reime unverkennbar zeigen, eine bochdentsche V'orlage gehabt
hat. Unter der grossen Anzahl mittelhochdeutscher Dichtungen, welche
wir über die Farben besitzen, hat sich die Quelle des mnd. Gedichtes
nicht erhalten, doch ermöglichen jene mhd. Dichtungen und die übrige
mhd. allegorische Poesie mit Hilfe der wenigen Reste des zerstörten
ersten Blattes der Handschrift, welches vermutlich 40 Verse zählte,
den Inhalt des nicht erhaltenen Anfangs des mnd, Gedichts zu erraten.
Die Wahrscheinliehkeit der Reconstruction gründet sich darauf,
dass die allegorischen Minnedichter fast immer dieselben Motive, die-
Bi-'lben Einkleidungen wiederholen. Gehört also das mnd. Gedicht,
wie die Vergleichung mit den süddeutschen Färbend iehtun gen zeigt,
derselben Richtung der allegorischen Poesie an, so wird man auch
anzunehmen haben, dass es einen der beliebten Eingänge gehabt hat.
Als Inhalt des verlorenen ersten Blattes können wir folgendes annehmen :
Der Dichter verlasst an einem schönen Sommertage sein Gemach
und eilt auf die grüne Haide, sehnsuchtsvolle Liebe hält seine Ge-
danken gefangen. Da sieht er eine wunderschöne Frau, die Minne
hat sie gesandt, der Dichter soll unterwiesen werden in den PHichten
und Eigenschaften eines treuen Liebhabers. Er folgt der schönen
Frau durch die Wildnis und gelangt an ein wundersames Zelt, braune
Teppiche schmücken, Karfunkel durchstrahlen dasselbe. Allen (^lanz
überstrahlt aher die Schönheit der in braunen Sammet und braune
Seide gekleideten Frau, die dem Dichter entgegentritt, ihn willkommen
heisst und zu belehren beginnt.
Auf Blatt 1^1 sind folgende Versanfiinge erhalten; Vers 1 nur
ein Initial-A. — 2 Nichts — 3 ff. Beyde — Relief — Dat yd —
War van ys — Enes dages — De mynne zande my — Vndc leyt
my zuluen — Dar yk volgede orem lp|ar] — Kunde wi dat erste ya|r|
— Z|oi|te was ore anevang — Vnde swere was ore avegan[g| — Ze
brach[tej my durch eyno uild|e| — Vnde worp myr vor eyn — Djir
. , heyt ze my treden — Ze konde my wal beschedejnj — Myd kunft
Auf Blatt llJ ist von den ersten o — 4 Versen gar nichts, dann
sind folgende Vorsschlusso lesbar: uam to myr — zin — vrouwe myn
har — gar — rede vtermaten vro — uck edele vrauwe yo — trud-
geselle gud — Vnd nym dat even in dinen mud — Myne lere wil
yk dy geven — wo du der minne zalt plegen — du zalt leren swigeu —
vnde alle vrauwen nijgen — Durch der willen dar du dy mede
Torene|ft] — mid truwen mcnest — mate —
74
41 Hute dy vor gezelfcafft, [Bl. 2]
De gerne runet vnde claift.
Ok zaltu tragen an de[m] rofud],
Wat dy van [minjne fchuet to g[ud].
45 Dat zaltu in din herte fn[e]den
Unde dy leuer laten toleden,
Wen dat jemant worde enwar.
Zo volgeftu der rechten fear.
Nw heftu myner kunft eyn deyl,
50 Volgeftu der, zo fehut dy heyl.
Ok zage yk mynen namen dir.
Yk hete Swich jummermer.
Dar wmme trage yk eyn [brune] d . . kley| t].
Nv wal vff vnde wes berey[t],
55 Yk wil dy voren to der, de dy kan
Cluklich leren heuen an.^
Ze ging my vor vnd yk v[o]l[gt]e [ere],
Went my wal bevel or le[re],
Went ze my brachte in enen zal,
60 D[a]r was berch vnde dal
Alle grone zam eyn klee.
Enem manne w^art ny zo we.
De d]ar were gewefen,
He enj were wal genefen.
65 Dar jnne eyn ander vrauwe ging,
De myne zo gar fchone entffing,
Ze druckede ze leyflFlich an ore bruft.
Men zach dar vraude vnde luft.
Or gewant gefneden was
70 Van tzammitte grone als eyn gras,
Ore hus kunftliken lach formeret,
De wende myd fmaragdus gemuret
Vnde alfo getzyret warn,
Dat yk by mynen jarn
75 Zulker rijcheyt ny enfach,
Myn vrauwe to der andern fprach
'Ze, yk bringe dy eynen gaft,
Alfo leyff, als du my haft.
Durch truwe de du to my treyft,
80 Dene nym vnde lere one als du wal wey[ftj.
Dy ys bekand der krude crafft,
Diffet do durch vnfe gezelfchafft
Giflf my dar van eyn wedertal, jlil, Sj
Went yk dar vmme to dy quam!'
85 Ze fprack 'werlich dat zal zin!
God zegene dy leue fufter myn!'
Do fprack myn vrauwe 'god dir plegel'
75
Yk bleff vafte by mynen wege
Stande an der zuluen ftad.
00 De kunftlike vrauwe trad
To my her myd vragen.
Ze fprack ^nv zage al vnbetrogeu,
Yflft; du nv wilt heuen an.'
Yk fprack *ja, vrauwe, jfFt yk kan.'
95 'Zo rade yk dy, bedencke dy recht.
Dat ys manich ritter vnde knecht,
De dar drade vnde lichtlich[en] anveyt
Vnde doch fwerlich aueleyt.'
Yk fprack 'vrauwe, yk nicht enwyke.
100 Yk bin vth gekomen durch vorfoyke.'
'Wultu alfo, dat duncket my gud,
Zo zaltu vraude vnde bogen mud
Stete an dy nemen.
Wat gedancken dy toquemen,
105 De dy wolden betregen,
De zaltu laten vlegen.
Lat dy nummer zin to ga!
Dar volget dicke fcade na.
Lere myd tuchten bidden,
HO To allen dingen myd zeden!
Dencke vppe gebere vnde zin.
Wor du dy wilt kern hin!
Ok wäre, dat dy dine truwe
Nicht bringe iu na ruwe!
115 Dat zaltu alle vorbezinnen
Vnde dar na to gronen beginnen.
Wente neyn vrucht wllenkomen kan,
Ze enheue fyk myd gronheyt an.
Dar vrame ys gron eyn anevang.
120 De nv geleden heflft dwang,
De vorvart dar jnne das,
Dat ome vor vnkundich was.
Myd grone ok entfpretet
Allet des de werlde genetet. [Bl, 4]
125 Du zalt ok dy vorfeyn vppe geney[t].
Merke rechte, als yk dy heyt!
Vth grone entfpretet al vlut,
Gron ys ok to den ogen gud.
Dat wert ok wal kundich dir,
130 Yflft du nv wilt volgen myr.'
Yk fprack 'vrauwe,' altohant,
'My ys gron nv wal bekant,
110 Ues Do alle diuge. — 127 Lies blut 'Blüte\
76
Went iuwe crafft mycli roret.
Yk te, wor gy my voret'
135 'Zo zaltu euen na my feyn!
Yk hete der Vrauden anegeyn
Vnde vore dy van den wilden
To ener, de dy leret bilden
Vnde hopen to dem heften.'
140 Se fprack 'men zal den gefben
Vruntfcap don bekant.'
Se nam my fuluen by der hant
Vnde vorde my vff der mynne spar.
Hedde yk gegan eyn gans yar,
145 Dat dachte my eyn korter dach
Van der vraude, der yk plach.
Se brachte my vp eyn witte velt,
Dar vppe vant yk eyn getelt,
Dat was van groter reynicheytt
150 Vnde kunfte vil dar angeleyt.
De doek was wit fijden,
De knope alle van perlen ifin
Luchteden yegenft der funne
Myd maniger bände wunne
155 Van vogelen vnde van tyren.
Men mochte dar mede tziron
AI der werlde eyn gemach,
Dat yk dar vppe ligen fach.
De fnore gelik der kryten
160 Weren van witler fiten.
De pluggen van adamas,
Dar yd mede vpgeflagen was.
De dore gaff van kunften fchiu,
Dar wy to or gingen jn. fUl, 5J
1()5 Dar inne eyn ander vrauwe fat.
Alle troren yk vorgat,
Do yk fe erften an fach.
My duchte, wo alle werlde fprach:
Hopen ys dat befte.
170 *Sijt wilkomen gij leuen geftc!'
Sprack de vthyrwelde vrucht
'Vorgeuet my diffe vntucht,
Dat yk tegen jw nicht vpftan!
Gij feyt, dat yk to fchaffendc han.'
175 Ore gewant was ok gefneden
Kunftlik nach werden zeden
Van herraelin vnde van lylgen.
137 Lies der wilden *der wilduis'. — 159 kryteu 160 siteu /lir kridcn, siden.
77
•
Se künde wal troren dylgen.
Se fat vor vns vnde entwarp.
180 Or angeflehte dat was fcarp.
Mine vrauwe wenckede der andern do,
Se fach vp vnde fprack 'wo nv?'
Se fprack 'yk mud dy ftorn,
Du falt my eyn weynich hörn,
185 Yk bringe dy eynen wiltvang.
Lat my nicht vorlefen den gang!
Den nym vnde bringe in to
Diner kunft.' fe fprack 'yk do.*
Myn vrauwe nech or vnde fchededo van dan.
190 Yk bleff vor or vff leuen wan.
De genne vth dem celde quam,
Eynen breff fe vor fyk nam
Vnde fprack 'yk wil dir lefen:
Vp erden ys nicht beters wefen
195 Wen ftete hopen to aller tijd.
An hopen alle falde lijt,
Dar van fyk minne entzündet.
Wat dy hir wert gekündet,
Dat nym euen jn dinen fin,
200 Alfo leyff als yk dy bin :
Hopen ys vor troren gud,
Hopen geuet bogen mud,
Hopen leyt vortriuen kan,
Van hopen junget wal eyn man. [Bl. 0]
205 Wat dar twiuel voget pin,
Dat bringet hopen weder jn.
Manich mofte fteruen,
Hopede he nicht to irweruen,
Dat yd beter worde.
210 Hopen nympt alle borden,
De dar nemant kan entladen.
Dos hope du ane allen fchaden!
Hopen van groten forgen loft,
Hopen ok den armen troft,
215 Dat he hopet, he werde rijk.
Dar vmme ys hopen vngelijk.
Dede hopen vnde fin tovorficht.
Alle mynne were vor nicht,
Dat were dy alle to fagende fwere,
220 Hopen ys eyne lange mere.
Du lereft wal dar van, yfft du wilt.
Merke nv, wo hopen bilt!
179 entwarp *sic war mit cinom Entwiirfe besrhüftigt' vgl. r. 227 ff. — 191
[telde? A. L.]
78
Wor du myd hopen denckeft hin,
Dat bildeftu euen in dinen Gn,
225 Datu mid Dichte mochteft feyn,
Were an dy hopen nicht gefcheyn.
Sich, yk wil entwerpen dy.
Yfft dy ycht gefeylet an my,
Dat lere yk dy in korter vrift'
230 Sprack fe to my ane argelift.
Eyn boeck dat hadde fe bereyt,
Wal gemaket na maten breyt.
Dar wyfede fe my ore kunfte gewalt
Vnde entwerp my manigerleyo geftalt.
235 Der warheyt mofte yk or do geyn,
Dat yk nv beters hadde gefeyn.
Doch vel my neyn in den fin.
See mallede alle vor fyk hin,
Went dat yk eyn bilde gefach,
240 Dat my myn herte to brach.
Yk fprack 'vrauwe togentrich,
Vff erden leuet nicht der gelich. [Bl, 7/
Dat ys vulkomen vnde gud.'
Se fprack 'fo nym yd in dinen mud,
245 Yfft du des nicht gebilden machft.'
Yk fprack *vrauwe, to mydder nacht
Bilde yk fe in dat herte myn,'
Se fprack *wal vff, dat zal fin!
Yk wil dy voren in eyn laut,
250 Dar du jnne werft myd minne cntbrant.
Wy willen rumen diffen kreyte
Vnde wil dy fagen, wo yk heyte.
Yk hete Hopen vor truren.
By my darfi nemant füren.'
255 Yk volgede myd vrauden orer lere,
Went yk gefach eyn rot here.
Dar inne eyn vrauwe walgetan.
De entzunte an manigem ende an.
De reyt vfi eynem perde,
2G0 Dat yk vff differ erde,
Nv enfach eyn roder perd,
Beyde lyff vnde gebert.
De zadel de was fo gemaket,
Dat yk one woch vnde dachte,
265 Wo he nicht to vorgelden were.
De tom was ok koftbere,
Myd roden tzammitte overtogen.
262 Lies Beyde an leyfF vnde gevcrt.
79
Togel zadel ynde bogin
Beyde golt vnde robbin.
270 Robbin vppe dem vorbogede fchen.
Yk fach vorbat differ faken
Eyne cappen rot fcarlaken.
Dar vnder eyn ander gewant,
Rechte yfft dat myd füre were entbrant.
275 Dar inne de vrauwe was gekleyt,
De fo tuchtich her gereyt.
Wij gingen ouer vorbat,
Vil fchire fe van dorne perde fat
Vnde lep to myner vrauwen here.
280 Se fprack 'du bringeft my leue mere, [Bl, 8]
Du falt my willekomen fin
Vnde ok de gefeile din!'
Myne vrauwe tuchtich ane wang
Sachtede vnfer beyder dang,
285 Se fprack 'wat fchaflfestu hir?'
'Dat wil yk gerne fagen dyr.
Yk bin vppe diffe vart gekomen,
Diffen hebbe yk myd my vthgenomen
Vnde hebbe one myne kunft gelart.
290 Nym, bringe one vorbat vff de vart!'
Myd tuchten fe fee vmmeving.
Se nech or vnde weder van or ging.
Se fprack 'nu blifl dines mutes vry!
Yk wil weder gan van hy.'
295 Yk wart van nyes do gevrowet,
Dat velt myd rofen wart beftrowet.
Do fprack de vth irwelte tzart
'Wultu nv enden dine vart,
Dar vmme du bift gekomen her?'
300 Yk fprack 'ja, vrauwe, yk beger.'
'So höre, wo du leuen folt!
Rot ys beter wenne golt,
Myd rote geyt vflf de funne,
Rod ys alder werlde eyn wunne,
305 In rot entzunt dat herte fich
In rechter leue zekerlich.
Dat befchede yk dy myd witte.
Wor leue ys ano bitte.
De kan nummer bliuen*^gans.
310 Dar vmme yft rot der dogeden crans.
Merke, wor twe geleuen fin.
An den wert ore truwe fchin.
284 Lies Sachte do ^sprach da unser beider Dank aus/
80
Wen fe fyk des voreynen,
Dat fe fyk myd truwen meynen.
315 So kan rot irweruen
Vnde maket, dät fe fyk verwen
Vnde vorkeret ore geftalt.
Alfo bewifet rot gewalt,
Dat men dar by bekennen kan,
320 Women mynne fal vorftan. [Bh 9]
Nemande ys rechte minne bekant,
He en fij den myd rote entbrant.
See, wo yk dat befcheden kan.
Se entzund my durch ore ogen an,
325 Dat my herte vnde mud
Alle brante fam eyn glut.
Höre, nech eyne körte ftund!
Merke, wan in rote fteyt or munt,
Kanftu dat befynnen gar,
330 Du machft dy vrauwen dufent jar,'
Yk fprack to or altohant
*My ys alle dat bekant,
Wat yk jw brante ydder glam.
Wal my, dat yk jw to jw quam!'
333 Se fprack 'des wil yk dancken god
Vnde wil dy voren funder fpot.
Dar du lereft bliuen vefte,
Went my yo fulke gofte
By maniger tijd ny quemen here,
340 — Dat fint my werlich leue mere —
Vnde wil dy fagen mynen namen.
Des darflfftu dy nummer fchamen
Yk hete de Leue entzünde.
To weme yk my gevrunde,
345 De wynnet vraude vnde bogen mud.
The wy vorbat! dat duncket my gud.'
Se vorde my, dat was nicht na.
Dar lach eyn hus, dat was hymraelbla
Beyde mure vnde dag,
350 Dat yk fo blawes ny gefag.
Dat was myd kunften vmme grauen.
Solde dat al de werlt geftormet hauen,
Se hedde dar nicht gefchaffet eyn har.
Men mofte myd truwen komen dar.
355 De vrauwe myn reyp vor dem dore.
De wcchtar fprack 'we ys dar vore?'
Se fprack 'yk bin de Leue entzunt.'
320 mynno int in diesem Verse und V. 331. 419. 4^7 von jüngerer Hand
durcJ^trichen und leue dafür gesetzt.
81
De wechtar fprac *y8 dat iuwe vrunt,
De dar negest by jw fteyi?
360 Gy weten, dat hir neyn man ingeyt, [El, 10]
He enhebbe fyk to truwe gekart.'
Myne vrauwe fprack 'he heflft gelart
Vnd dut, wat men ome Taget vor.'
Tohant flot men vff dat dor.
365 My duchte, wo yk queme in den gral.
Dar horde yk vraude vud riken fchal.
Beyde man vnde wyflf
De repen alle: ftete bliff
Dar enwas troren ydder leyt,
370 Se wem toraale in blaw gekleyt.
Eyn ander dar by on las,
De or aller vrauwe was.
Or gewant was ok alfo
Noch blawer denne blaw.
375 De hadde myd mynne fyk vorftricket
Vnde tobliuende i'yk gefchicket,
Dat yd folde ewich warn.
Des begunde yk ok begern.
Do dede de Tute werde
380 Sachte vnde gud (gud) geberde
Vil tegen myne vrauwen kund:
'Wes my willekomen to aller ftund!
Yk wolde gerne v£frten,
Du weyft, dat yk vorstricket ben
385 Vnde nicht vorbat komen kan.
Do kunt tegen my, wat du wilt han!'
*Yk bidde dy leue vrauwelin,
Lat dy diffen gaft bevalen fin.
Went yk dy lange ny enbat
390 Vnde an finen ftad
Quam ny man by manigem yare.
Help om, dat he in dinen orden vare.
He höret alle din gebot.
Dar mede mote plegen diner god !'
395 'God gefegene dy! god fij myd dyr!
Yk geue ome gerne myne lere.'
Se fprack 'wultu my hörn to?'
Yk knede vor fe vnde fprack 'yk do.'
'Wultu alle leyt vortriuen,
400 So faltu jummer ftete bliuen [El. 11]
Tegen der du dy vorenet hoft.
So krygeftu vraude vnde bogen trost.
See, wo yk dat befcheden kan.
Lat dy alle de leyff han,
Niederdentiches Jahrbnch. VIII. ß
i
82
405 De vff erden jw gewart,
Heftu ftete nicht gelart,
Dat helpet dy nicht zam eyn ftro;
Hute biftu hire, morgen anderswo.
Stete ys der rechten mynne eyn grund,
410 Stete y8 der hogeften vraude eyn vunt,
Vppe rtete mach men buwen,
Stete maket truwen,
Stete gifft deme herten crafft,
Stete maket yrunfchaift
415 Vnde gute wal dar teygen.
Stete maket eygen
Twe leuen to der mynne bant.
Stete geyt vor in alle lant.
Dar vindeftu ftete ok an or.
420 Merke, wo yd dy den irge.
Dat gifift dy vraude grot alleyn,
Als dy vflf erden jw yrfcheyn.
Dat wore dy alle to lagen vil.
Stete leue ys ane tzil
425 Vnde ys nicht beters wen ore macht.
Nv denke gar euene vnde betracht,
Yfit du den orden myn wilt han.
Dat lat kortlich my vorstan!^
Yk antworde or vnde fprach
430 'wat yk orden jw gtfach
Ydder horde, dat
My bevel nv orden bat.
Myd willen yk my dar in geue
Vnde bliue(n wille,) de wile dat yk leue'.
435 Oren fegen dede fe ouer my,
Se fprack 'god beftedige dy!
Sta vp, du falt dy nicht mer kneyn.
Alle vnftede mote van dy vleyn!
Dyn troren ys verlorn,
440 To keyfer faltu werden gekorn. [BL 12]
Vorfwunden ys alle din pin.
Diffe füllen alle dine dener fin.
Dat wil kortlik enden
Vnde wil na diner vrauwen fende[n],
445 Dat fe dy in differ werdicheyt möge feyu,
So mut fe dy der warheyt geyn,
Wat fe truwe heflft van dy.
Yk fprack 'nv wart ny leuer my,
Wen dat or myne truwe werde bekant.'
443 Lies wil ik.
83
450 Do ga£f fe my eyn blaw gewant
Vnde fprack 'dat faltu myd my tragen
Vnde wil dy mynen namen Tagen,
Yk bete Twiuele nummer nicht.
Stete ys myn tovorficht.'
455 Yk dachte: gnadenrike god,
Wo fchire heftu funder fpot
Wen du wilt beraden.
Yk fände vth fnelle boden
Vnde leyt kundigen den vrunden myn,
460 Dat yk nv keyfer folde fin.
My was vraude vil bereyt,
Yk wart keyferlik gekleyt
Vnde gefettet vppe eyneu ftol.
Vordempet was miner forgen pol,
465 Vorfwunden was al myne nod,
Yk fat als eyn keyfer grot,
In vrauden mende yk jummer leuen,
Yk heyt my do den tzepter geuen,
Den wolde yk nemen in de hant.
470 Do worden my ander mere bekant.
Do quam eyn vrauwe, de was fwart,
Dat my van or myn angefichte fmart.
Se was torniges müdes.
Yk dachte, fe en mende nicht gudes,
475 Wente fe was ovele geftalt.
Se berouede my alle myner walt,
Den ftol ruckede fe neder,
Dat yk noch vor ydder feder
Nv fo yamerliken vorfcrach.
480 Alle myne vraude dar neder lach. [Bl. 18]
Se floch my vnde wolde my worgen.
Se fprack 'nv fette my borgen,
Datu doft na myner lere
Ydder yk vore dy myd my vah'hirel'
485 Yk fach my vmme na vrunde troft.
De hadde yk altomale verlorn.
Se bant my by den armen
Vnde leyt fyk nicht entbarmen,
Wat yk fmerte van or leyt.
490 Or was doget gar vnbereyt.
Se vorde my in eyn enge gemach,
Dat my nv fo we enfchach.
Dat was enge vnde gedrange,
Dat yk in fulkem dwange,
495 Alle myne dage nv enfat.
Aller vrauden yk vorgat.
6*
84
Se lede my in eynen ftock,
Ynde fmede my myt enem hamer vp enen block,
Dar fe manigen mede hadde gefmedet.
500 Se fprack 'dat fal fin al vngeloffet.
Dar to yk dy fulven Dicht lofe.
Eynen guden dach vnde dufent bofe
Wil yk dy lern kennen,
So volgeftu den gennen,
505 De dar moten lijden
Leflf vnde leyt vormyden.'
Luder ftempne fcrey yk *owach!' -
Weder de vrauwen yk do fprach
*Seyt, leue vrauwe, wo yk nv quele!
510 Saget my doch, wor vinde yk gele.'
Se fprack ^ideftu dar na nod,
Nv fint dine vrunde tomale dot,
De des nv vorworuen han.
Du bift werlich eyn dore man.
515 Vrageftu na gelingen,
Yk lere dy den fingen,
Dat dy nv fo we enwart.
Dy mach wal ruwen diffe vart.'
Se fmede my gar tornichlik.
520 Do dachte yk weder hinder myk [Bl, 14]
An mynes leues bilde,
Dat yk vthyrwilde
Hadde gebracht wente an de ftad.
Dar wart myn lident als eyn bat.
525 Ok nam yk an my fteticheyt.
Do wart geringer al myn leyt.
Se fprack 'fal yk dy vryen,
So moftu dy vortyen,
Der du dy egen heffft gegeuen.^
530 Yk fprack 'wat folde my den myn leuen?'
'So holde yk dy, went du werft graw.'
'Den noch ys my myn herte blaw'
'Wo machftu fe leflf han?
Se gevrauwet manigen man,
535 Nv voget fe dy doch grote plage.'
'Doch giflft fe my vil guter dage.'
'Du moft vppe twiuel buwen'
'Yk wil or des heften getruwen'
'Se ys nicht ftete tegen dy.'
540 'Doch ys fe yo lenger yo leuer my.'
'Se duncke[t] my eyn torniges wiff.'
522 Lies vthyr (= üter) wilde 'aus der Wildnis'.
85
'Se ys mynes herten leytvortriflf.'
'Nv ys fe myd den reden balt.'
'Se heflft des herten myn gewalt.'
545 'Ok behaget my or gebere nicht.'
'Se ys myn troft, myn tovorficht'
'Se bevelt ray ok nicht in den dans.'
'Se ys der ere eyn blauynde rofencrans,'
*Nv wert dy van or nummer lone'
550 *Doch treyt fe der falden crone'
'Yk do dy an eyn fwart gewant'
'So ys doch truwe an my bekant'
'Kan fe dy den neyn man liden?'
'Nicb men de dot de mote vns fcbeyden.'
555 'Sage my, heftu vnvorworren?'
*Ya, vrauwe, yk mud in mynne dorren.'
'So faltu diner truwe geneten
Vnde wil dy alle dine bände vpfleten
Vnde fege dy nv rechte vort,
560 Wat yk van vrauwen hebbe jw gebort [El. 102]
Sagen ydder fingen.
Yullenkomen in guten dingen,
Beter wiflf han yk nv gefeyn.
Des helpe yk dy der warheyt geyn.
565 Du falt vor my nicht hebben var,
Yflt yk dy fege, wo nv ftan de yar,
Wat eyn hüte hefft vefte,
Komet ome morgen vromde gefte,
De vorluft gerne, wat he hat.
570 Hote dy dar vor, dat ys myn rat.'
'Vrauwe, des achte yk kleyne.
Myne truwe volget or alleyne,
Vor allen vrauwen ys fe here.
Yk wil nemandes fin wen ere.
575 God geue or fuluen futen fegen
Vnde dufent engele, de or plegen.
Vp gelucke wil yk erren,
lummer bliuen vnvorworeu
Stete ydder vnftete wor yk bin,
580 Se hefft dat herte myn dar hin.
BERLIN. Wilhelm Seelmann.
666 lAea blifstu.
86
Dat Seentreeht
der 7 Münsterschen Propsteien in Ostfriesland,
Die kirchlichen Gesetze Frieslands, nach welchen die Streitig-
keiten zwischen Geistlichkeit und Laien in den Sendgerichten geschlich-
tet wurden, sind uns in der Bischofssühne von 1276 und einer Anzahl
von Sendbriefen und Sendrechten erhalten, welche wir bei K. v. Rieht-
hofen Friesische Rechtsquellen (Berlin 1840) in korrekter Form ab-
gedruckt finden. Die ältesten dieser Rechtsbestimmungen sind in der
lateinischen Sprache abgefasst, welche in der Regel als Grundlage für
spätere Redaktionen mit grösserer oder geringerer Abhängigkeit in
der friesischen und niederdeutschen Sprache dienten. Ein bis jetzt
noch nicht veröffentlichtes Sendrecht ist das im Folgenden mitgeteilte
niederdeutsche, welches sich auf die 7 Münsterschen Propsteien Ost-
frieslands bezieht.
Zur Herstellung des Textes habe ich drei Handschriften benutzt.
Die erste (A) findet sich in dem Miscellankodex 77 der hiesigen
Kunstbibliothek auf fol. 215—223, wo jedoch fol. 221 leider fehlt,
und ist von Hermann Wessels im Jahre 1600 geschrieben. Die hier
vorgefundene Schreibweise habe ich nach Auflösung der Kompendien
und Beseitigung resp. Einfügung weniger Interpunktionszeichen bei-
behalten, nur sind hier und da geringe Veränderungen vorgenommen,
über welche die Anmerkungen orientieren. Wo indes A die erwähnte
Lücke hat, ist der Text nach der zweiten Handschrift (B), welche
dem 17. Jahrhundert angehört und unter Nr. 75 in der Bibliothek
der ostfriesischen Landschaft zu Aurich aufbewahrt wird, gegeben.
Zur Kontrolle konnte ich eine junge Kopie (C) im Besitze des General-
superintendenten Bartels in Aurich benutzen, welche nach einer
unter den dortigen Konsistorial- Akten befindlichen und gegen 1700
aus einer ziemlich alten Vorlage (Y) genommenen Abschrift (b) an-
gefertigt ist. Da B und C an vielen Stellen gegen A übereinstimmen,
so gehen sie ohne Zweifel auf eine andere Abschrift des Originals
als A zurück. Die Abfassung dieses Originales (X) aber haben wir
vor 1467 zu setzen, weil in diesem Jahre*) von dem Bischöfe von
Münster die halbe Propstei Hatzum nebst der Propstei Weener der
S. Georgskirche zu Weener, die andere halbe Propstei Hatzum dem
S. Marien- und S. Sebastiansaltare in der genannten Kirche inkorporiert
ist. Folgendes Schema dürfte die handschriftliche Überlieferung,
■) Vgl. E. Friedlaender Ostfriesisches Urkundenbuch (Emden 1878) Nr. 865.
» > » «
87
soweit sie sieb nach dem bekannten Material feststellen lässt, reran-
scbaulicben:
X
c.
• . . . . . •
Hier wort angehauen dat Seentrecht, durch Pawst Leonem
den drudden Gegeuenn.
Wir Leo, papa de darde des Nhamens^ hebben angemarckett de
gutwillicheit der gemenen Freesen, So se by vns vnd den keisern
gedaen vnd bewesen hebben, wan wy nu dorch Magnum *), der Freesen
Üuersten, hir ersocht vnd van vns nicht begeertt gelt noch bezoldinge
dan ein gut gesette, ordninge der geestlichen Religion in de vrieslande,
wardurch vnder den ^) geestlichen ein gudtt Regiment beide im leuende
vnd Ihere mucbten erholden werden.
Wo im anfange vorordnet durch den pawst^ dat de Bisschope suluest
in egener persoen in de vrieslande musten visiteren vnd den Seentstocl
besittenn.
Vor erst willen*) wy vnd gebeden, dat de Bissschoppe suluest
in eigener persoen in de frieslande soelen kamen vnd desse nafolgende
articulenn vorklaren vp Sekere bestemde platzen, so dartho soelen
vorordnet werden thom geringsten des Jaers 1 oder 2 mhaell.
Wo lange de vorkundinge geschcen^) sal vor den geholden Seentdach.
Wanner de Bisschoppe den Seentstoel besittenn willen, So soelen
se datt ses weken thouoren an de pastoren vorschryuen, de soelen
datt der gemene vorkundigen, dat iderman tho buss blyuen sali.
Wo de Bisschoppe ein vuhnechtigen in syn stede schicken^) sal.
Wo auerst de Bisschoppe in egener persoene suluest nicht kan
kamen. So sal he in syne stede schicken^) den Suffragienen'), datt is
den wyelbisschoppe, sick entschuldigen, datt he van noettsaken oder
kranckheit nicht kan komen.
De articulen^ so de bisschoppe to strafen hebben auer de gemene^ so
darin voruallen vnd^) nicht gehorsam sint.
Thom ersten de Ehebrekeren vnd ehebrekerschen, so tegen datt
gebott handelenn.
«) fehlt in A, — «) ^; dem. — ») B C: wiRe. — *) A: scheen. — *) .1;
schichen. -- ®) il; sicken. — ^) B C: Sufifraganeum. — ^) A-. vn.
Thom anderden auer den doetslegeren vnd sunderlingen, de vp
den Torordneten festdagen geschehen.
Thom drudden, de sick in der karcken offt vp den karckliaue
slaen edder in der pastoren vnd preeateren') hueserenn,
Thom Teerden, de ock*) vp de verordnete festagen (lots wort
nicht willen hoeren predigen.
Thom vyfften, de ock vnder don Sermone vpt karckhof staen
vnd vorstoeren den pastor, dewyle he Gots wort vorkundigt.
Thom aeaten, de aick ock'j viildrincken vp de vorordnete fest-
dagen vor edder vnder den Sermone, Ock so die kroegeren se vnder-
holden, soelen se dubbelt gestrafft werdenn.
Thom 7.*), de ock ere peerde, beste, schape, swyne vp de karck-
hauen dryuen oder gaen laten tegen des pastors vnd karcksworen
weten vnd willen.
Thora 8., de ock vp de vorordnete festdagen arbeiden tegen des
pastoren weten vnd willen vor edder nha den Sermone.
Thom 9., de sick slaen in den kraem.
Thom 10., de ock ere kinderen vorsuimen vnde vmme datt
leuent bringen vnd ere kinderen ane doepe staruen laten
Thom II., de sick suluest vmb dat leuent bringen.
Thom 1 2., de ere olderen vngehoraam sint wedder datt gebott Gottes.
Thom 13., de mit touerye vmb gaen sampt anderea valsche
aegeninge.
Thom 14., de ock quade Harharge vpholden als mitt vnehrüchen
frouwa personen.
Thom 15., de sick ock nicht laten auer den stoel vorkundigen,
wan^) se in ehelichen stände gaen.
So we in dessen Articulen Bchuldich werden befunden, soelen
van den Bisschoppe offt van erent wegen dartho vorordnete na grot-
heit vnd kleenheit der oueldaden gestrafft werden. Wy willen, dat
ock ein iderman freede sal hebben edder holden 21') dagen vor vnd
nha den geholdenen Seenle, wat midier tytt geschuet, sal dubbelt ge-
strafft werden in boete vnd broeke. Wat nu') de Pawst Leo mehr
Articulen in Seent tho holden vorordnett, wert nu hyrnha vp syne
beboerliche plaetzen eriunertt werden.
Anfanck vtid orsprunch der Prouesten in Osfvricsslatit^J.
Do roen schreff na der geboerte vnser Hern Jesu Christi 1272,
Hefft sick ein grothe twist erbauen tuschen Bisschop Kuerhardtt van
Munster vnd die Ostfriesen, Also dat syner Gesanten in de vreess-
lande voele aint doetbgeslagen worden, Orsake dat men de gemene
raeher swaricheiden wolde vpleggen dan wo vorhen. So dat de Bisschop
in 5 oder 6 Jaren de syne nicht dorste schicken in Ostfrieaslandtt.
') A: precBter. — ■) fehlt in A. — ') fehlt elienfalla in A. — ') SiMt der
Zahlzeichen I«en wir in B und (' die en isprechen den Worte, — ') B C: want —
•) A: 2'i. — ') nu iat Korrektur von -1', wikhrend A', B und C my haben. •
■) B: Ostfriessland, C: Ost frc Bland t ; A dagegen hat Vriesslant.
I
89 ^
Van den dach, so hy Grote valderen In Emhden geholden is worden.
Hebben derhaluen de van Adel vnd Hoeuetlingen') in Ostfreess-
lant tuschen den Biscliop vnd de gemeente ein handel angeuangen,
vmme de twidracht to slichten, vnd beider zyts enen dach by der
Stadtl Embden vp Grote Valderen vorwilliget, gelirk we de dedingea
laiden gewest, in der freesen Cronica angetagen*).
Wo de Prauest va» den Bisschup geordineert sint, vm de sine
iho bescharmen^).
Dewyle dan dorch de Schedessheren de twist tuschen beiden,
■o voergeroert, neddergelecht, So hefft men tho bescharminge des
lisschups deneren vor de gemene geordineert vom Adel 7, de praueste
lelen genoemt werden vnd de Authoriteitt vnder de gemene holden.
Wrlcke*) sint de 7 Protiesticn?
De Souen Prouestien sint desse: Embden, Groethusen, Hinthe'),
'ttum, Wener, Hatzum, Leer.
Wo de pastoren solen geesschet werden.
Wanner ein Pastor van der gemene geesschett vnd gekaren
wortt vnd de karcken annimpt, vmb de Schape Christi tho weiden,
So aoelcn de gemeente eren pastor buten den dorpe entiegen gaen
in der processien, mit laue Bange in der karcken bringen^) vor datt
hoge Altaer, Dan solen se alle demoedigen') vp de kne fallen vnd
bidden Godtt Almechtich mit^) vuirigen Harten, dat de pastoer one
recht muchte voergaen mit der Gottlicher leer des Hilligen Euangelii
vnd eines guden leuendea, vp dat na Aar schrifft an er nemant sich
ärgere. Wan dat*) also gescheen, So sal men eendrachtich singen
Dat veni sancte Spiritus in latyn edder diitsch; So dan dar Hnuet-
lingen'") vorhanden. So soeten se mit ene edder twe der negslen
pastoren mit den karcksworen tho den pastor treden vnd ouerant-
worden em de slotel der karcken, kelcke, boeke vnd ander ornamenta
vnd beuelen em"), dat he desuluige truwelich aal bewaren, Alse he
irolde, dat Gott de here by syner Seelen doen schulde.
Wo de pastor shic schape sal weiden vnd vor den woljf bescharmen.
De pastor sal ock der gemene lauen, dat he se mitt der Rechter
warheitt, welck is dat wort Gottes, getrwlich will weiden vnd als
Joannes am 10. vor den wolff bescharmen nach alle syne vormoegent
vnd dat he ock einen iederen, he sy arm edder ryck, in syner vter-
|8ten noeden mit Gottes wort getrnwelich will mesten '*).
L Wo de gemene eren jxistor sal yehorsam syn.
m Des soelen de gemeente em wedderum lauen, dat se em als
||«rea Pastor vnd Seelsorger willen gehorsam syn, Syne bussholdunge''),
■ ') A: Hoeuelingeo. — ') B: angetragen, ü: angedragen. ^ •) B: Bcliermeii,
LC; bescheraen. — ') A: Welche. - ') fehlt in C. — •) fehlt in B C. — ') fehlt
m^-^. — ') B: Uth, T; uht. — ») B C: Want dan. - '•) A: Houelingen. —
■P)SCfi)gen diehinzu.— ") B P; iroesteii. — ") B; huiasdelinge, C- huisadfluDge.
90
Benten vnde vpkumsten na olden gebruick willen volgen laten. Wan
dat geschehen, heuet men ahn: Te Deum laudamus.
Durch wat middeV) de karcJcsworen soelen gesettet werden.
De prauesten soelen ock macht hebben, die karcksworen in ein
ider karspel tho selten, So wydtt eines ideren prouestie wendet, vnde
datt mit Raeth des pastoers. De karckswaren soelen wesßn eegen
arfde, frye luide vnd freesen vann guden gesiechte vnd also ryck,
dat se des Bisschups Ban (so se darinne vorfallen) boeten moegen.
Van den eede der Jcarclcstvaren, so se dem prallest moten doen
De karckswaren soelen ere vinger leggen vp datt hillige Euan-
gelium vnd sweren, dat se die karcken Renten vnd vpkumpsten alle
getrwlich willen*) bewaren vnd daerby doen gelick') by eren eigen
gude, Dat se ock alle dat ienne, dat se hoeren vnd seen, vnd ein
gemene geruchte, alse Straten meer, molen meer*) is, idt sy gescheen
In edder buten den karspell, dem Prauest in den Seent willen apen-
barenn vnd in den Apenen Seent wroegen^), Darinne se nene menschen
der warreit willen ansehen, frunt noch frembde, Arm noch Ryck;
Dat se Got helpe vnd syn hillige Euangelium. So darauer watt van
de vorswegen wurde, so sal men se mit dubbelde broeke straffen,
vnd wat se dan wroegen, sal bundich geholden werden.
Wo de prauest sal gestalt wesen.
De Prauest, de den Seentstoel sal besitten, de moet ein van
Adell in vriesslantt geboren syn vnd ein frye freese, Ock eens®) Leyen
Sone vnd also geleert vnd vorstendich, dat he im Rechte nhe sy
auerwunnen.
Van vorkundinge der Seenten.
Wanner de Prauest Seent wil sitten, Sal he dat den Pastoren
vnd karckswaren 8 edder 9 dagen teueren'') schrifftlich vorstendigen,
dat datsulue auerspraken werde, dat ein Ideiman by huiss blyue by
poena 5 Munstersche Marck. Wo auerst de pastorenn vnd karck-
swaren darinne vorsuimich worden befunden vnd dan nicht vp de be-
stembde tyt tho stede sinnen, So sal de prauest se mit dubbelde
pena straffen.
Warmede sich de gewroegeden entschuldigen mogenn.
De prauesten soelen de gewroegeden vor sick kamen laten, wan')
de Seent in der karcken geholden is; koenen se dan bewysen edder
sick entschuldigen mit 6 erer Naberen, beider zytz wanende, So daruor
sweren willen, dat se sollichs nicht gesehen noch gebeert hebben vnd
em^) dat nicht tho beloeuen; Heuen ^®) se sick dan nicht tho ent-
schuldigen. So sint se den Prauest vorfallen na gelegenheit der Sake.
«) B C: Durch wenn. — «) fehlt in A. — ^) Ä: gelich. — *) Vgl Mnd. WB.
8. v. molenmere. — *) rügen, anklagen. Vgl. Mnd. WB. 8. v. wrogen. — ®) ^; geens;
^ B C: eines. — ') fehlt in B C. — «) B C: want. — ») B C: er. - ") fgijt m B C,
91
fWa» ') ein preesler angefochten woti vp einen vrye» velde.
Wanner ein preester edder geestlich man, de Gottes wort vor-
kundigett, wort van emant angefochten vp den fryen velde, So be-
wysslich were, So is an densuluigen gebraken Sacrileglum vnd Itnmu-
oitas. So bedarff de warltliche Richter dar nicht auer tho richten,
▼nd man is ock nicht 8chuldicb, densuluigen tho antwoerden, So soelen
dat scheiden na recht edder fruntschap ein pastor edder preester vnd
twe leyen; Wo auerst de leye sollichs nicht besteit, So mach be aick
entschuldigen mit 12 ehrliche, vnberuchtigede lüde. Kan be slck nicht
enttschuldigen vnd cm de Sententie auer geitt. So sal he denn Ban
oder oi-del boeten mit LXXI Schillingen vnd darumb, datt he'j ein
I preester ie, Soeuenuoldich.
rWan'j ein geesilich man wal angelegen wort, wo sich*) dan desuluige
mach entschuldigen.
Wan*) ock de leye betyett enen geestlichen manne, datheera")
wat quadi-s gcdaen hebbe. So mach die Geestliche man sick ent-
schuldigen mitt tuigenn; Sinnen sc Auerst di<r nicht. So sal he syne
rechte haut vp syne borst leggen vnd bekennen dat by den hilligen
'Euangelio, dat he vnscbuldich daran sy. Wortt idt auerst den geest-
Ülcben ouerbraclit, dat hc den leyen an syne ses leden gekrenckett
'hefft, So moet he em boeten na Lantrecht, So moett he nene misse
doen, tor tytt he wedder von den Bisschop vth den banne geslagen is.
Sententie der Etbreheren vnd Ehehrekerschen.
Wort ock ener gewroegett vor den Prauest edder syne vulmech-
tigen, dat ein wyf in auerspill leuett, de einen echten man betft, vnd
datsulue wyf wil datt nicht bekantt staen, wewol er dat genoechsam
18 auerbewesen, vnd de prauest edder syne vulmechtigen') wil op der
geestlichen vnd weltlichen luden bewyss ene Sententie vtspreken vnd
er echte man steit gegenwordich vnd secht, dat ayn wyf vnscbuldich,
vnd gelotuet er sodane oueldact nicht tho, So is de echte Man neger
mit synen eede syn echte wyf tbo entschuldigen dan se^J datt ordel,
wo voergeroertt, an tho nhemen.
Wo ein frouwe erer Ehebrekerie haluen sich mach entschuldigen
mit einen glogenden her tho dragen.
Wan^J ock er echte man se nicht wolde entschuldigen, So mach
66 sick suluest noch fiyen mit ein gloyenden Iser tho dragen. So
verne er dat iingeseclit wortt. Wan'") dan dat wyf dorch vorhencke-
nisse des heren entschuldiget") wort. So sal de echte man er wedder
tbo sick nhemen. Vorhrant sick ock dat wyf, So hcfft de Man'*)
synen fryen willen, oft't he se wil laten villen offte dat hoeuet mitt
den swecrde afslaen'^j, dar su vnder ginck, alss se den echten staeth
') B V: Want. — •) A: es. — ') B C: Waiit. - *) Hss. ; eich. — «) S ,■
Wanneer, C; Wanner. — •) S (,'.• ea. — ') Die leUteii drei Worte fehlen in B C.
^ ') h (\- so. ~ *) B (■; Want. - ">) B C: want. — ") B V: unschuldig. —
") B C l'ügeu noch m;k hiiimi. — "] B: will affslaen laten, C; atfachlaen laten.
aonbani, oSt he se will kten vorbarneo, Doch varbeliolilen deo Prauest
bnn') tbo boeten A.1a LXII Schillingen. Datt^J sali men ock also
Torstaen van den Manne.
Wo ^) ein wyf cren man vor den praticat im zeent mach esschen laten.
Wanner eyn wyf eren echten man, darmede se twistich edder
vneeDS is, wil laten easchen in den Seentt vor den Prauest, So sal
er dat vorgunt werden*), dat he tor antwoort erschyiie, vnd offt he
dalsuloige wulde vorsaken, dat he se nicht getruwet hadde, kan se
dan bewysen mit leuendige stemme'') vnd vrkundt, de dar up gegeueo
eint, So is se neger de echtschup tho winnen") dan he se is tho ent-
gaen edder tho entswereu, vnd offt de man des rechtes auerheuig')
vnd nicht gehorsam syn*) wolde. So sal de frouwe gesettet worden
in eres mannea gutt. Dit sal men ock also vorstaen van den manne.
Wanner sich twe pcrsoiien van einander scheiden wille».
Wanner dar twe personen wanen in einen huse vnd idt is nicht
openbar^), dat se echte lüde sint, Angesehen dat se nyes in den
karspel mit de waninge gekamen sint, Wan'") se dan gewroeget wor-
den vnd twydracht vnder se kumptt vnd sick van einander scheiden
willen, So sal men seggeu: „Do de frye freese in quam in des fryen
freesen gewaltt mit hornens") gelutt, mit der luden gescbrey vnd
gesanck. Mit hakende brantt vnd sweerdes esschinge, dar se vnder
ginck vnd vmme datt vuir worde geleidett. vud des auendes mit den
manne in dat bedde gesettet worde'*) vnd des morgens tho karcken
ginck, Gottes wort, dat Hillige Euangelium boerde. Also de frye
fresinne mitt den fryen freese") geboerde," Also sali men dat be-
tuigen mitt 7 Mana vnd mitt den preeater, de de misse sanck, dntt
offer enttinck, vDd de de bruitb tlio karcken leide, vnd mitt den
koster, de de klocken ludde; So is men neger mit den 10 tuigen den
echten staet tho starcken, dau idt enich freese solde koenen breken.
Wo de frouwe den vader tho den hinde sali nocmen.
Wanner ein wyf" van ein man swanger is, de man will dat nicht
tho staen noch bekantt wesenn, er dan dat kindtt gebaren wortt,
soolen de frowen er by ere Salicheitt vormanen vnd laten den vader
tho den kinde uoemen, er datt idt gedofJt wort, vnd de man, de also
in oere noed genoemet wort'*), So kan de man sick dar na dan
nicht enttschuldigen, So verne de Moder des kindea mitt neen loegen-
taell ia befunden. Steit ock datt wyf in apenen Seent vnd secht tho
den manne, daruan se tuichnisae gegeuen befFt, dat he des kints
vader is, vnd he vorsaket dan noch, dat be se nicht bekant befft, So
aal de man sick'^) entschuldigen, vp 12 achermeste "■) tho gaen. So
') fehlt in B C — ') B C; Dit — ") B.- Wann, C: Want. — <) B C: wer-
den verguent. — ^) B V baben den Plural, — ') Ä: wimen. — ') 2t C: ricbus
uuverhoerich. — ') fehlt in B ('. — ') B C ftigen 'under der gemeine' hinzu. —
") B C: want. — ") B: hornes. — ") B f.': worde gesellet. -~ ") B C haben
den Plural. — ") vnd— wort fehlt m A. — ") Has.: sich. — '*) B C: BchermeBBen.
Klie dat nicht deit, So sal he dat kindtt entfangeu viid vor den meen']
I Eedtt vuldoeD vnd also den bau boeten.
Wiin*) twe tosamen nickt in echtsckup staen mogen^).
War twe so heemlich sintt in den echten Staeth, welcke*) iiha
I Gottes gebott vnd Moysen^) gene echte lüde wesen moegen, vnd
l'w&iiner se soUicha gewacr werden, dat ae nicht thoaamen weaen moe-
Fgen in^) echtschup vnd cm berowett vnd bekenaet, dat se gesundigett
f nebben vor Godtt, So soelen ae beide gaen vor den Prauest edder
Decken vnd bekennen daruor, dat se ouel gedaen hebben, vnd soelen
em geuen de Schillinge vnd begeren, dat he se van einander scheiden
will. Weigert dat dan de Prauest edder Decken, Se geuen') em dan
meer geldes, gelick*) wo em behoertt, So soelen se gaen vnd klagen
dat eren pastor vnd begeren ock van em gescheiden") tho wesen.
So mach de pastoer se scheiden na Gottes gesette vnd bedaruen den
pranest edder Decken daruor nicht meer geuen dan wo uor^creuen.
Wan'°J einer toort gewroeget van vadderschup'^) edder swagerschup
kaluen.
II'
< Wanner sick twe thosamende mengen vnd worden in den Seent
'^ewroegt, it sy dan '*) van vadderschup edder swagerschup, So soeln
■pe vm der sunde willen den heernischeet '^) entfangen, dat is gehoent
werden vnd den Bann legen den Prauest boeten mitt LXIII Schillingen.
Van einen valsdien geswaren Eedtt.
Wanneer'*) men einen wroegen, die einen falschen Eedt ge-
•chwaren heffl, idt sy dan umb Landtkoep, umb Geldt, vmb Huis
edder Hoeff, wo idt oek genormt mag werden, replich edder unreplich,
kan deräuluige nicht howysen edder '^) entschuldigen mit 5 seiner
Karspell Luiden, dat he nicht nieeneydig sy vud falsch geschwoeren
hefft, so sali he um der grossten Sunde willen und des Meineides
halven denn Herrmscheef'j, dat ia den Hot'n entfangen und den dan
boeten mit LXill Schillingen und sali dartho den Herren und Hoeven
»Vuldohn nah Landrechte.
Noch van Ehebrekereye und Jufferen schweliCJi.
Wj befinden oek klarlichen in den vyffteinden Willkoer, wie
Jufferen edder ein echte Mans Frouwe offte Wedwe achwecket, er
Ehr Ader verkraefftiget"), dat sie daraver klage vor Recht, die sali
Byn Haelss loesen mit 12 olde"*) Marck Overicheifj vnd Richtern,
die also vitiert is, der sali men ehr wergelt geuen, is*") die boete
24 olde Marck. Men findtt dennoch in olden Landrechten de Ovel-
I deder seinen Halss loessen mit 150 Ryaschen Gulden tho broeke.
') A C: neen, — ') fl C: Waot — ") B C: moegea wesen. — *) Hbs : welche. —
I •) B C; MoBis Ehe. — •} B C: vau, — ') Hss. : So geue. — ') Ä: gelich. — ') S C-
Igeschedet — ■') B C: Wanuer, — ") A: vadderschttj). — ") fehlt \a A. —
\"]A: heemsechet, C: Heerenacheet. — '*) Mit diesem Worte beginnt der Teit
Vllach B. — ") C: und sich. ^ '*] C: Heerenscheet. — ") B: verkriefflig. —
T ") fehlt in B. — ">] B: Overichen. — ") der— ia fehlt in B.
94
Und die er ehre oeck alao geschweket ist, oeck so voete. So oeck
bewysalick were, he de oeveldaet nicht verwerket hadde und, so he
dat bekamen hadde koeneo, gerne gedahn hadde, so werdt he na
den Kayaerrechten noch allyke schuldig geholden'), Disse Articel is
wyder uth gelegt und verklaret dorch Grafen Edzard lutlicher üe-
dechtniase^j.
Van eitlen unhenoemdeii Mordt").
Wanneer dat einer wordt gewroeget und geklaget vor den Pravest
umme einen benoemden*) Moerdt, den die Mann an seinen Wyff
schoeide gedahn haben edder ein frembde Mann an einer Frouwen,
so is den kleger dat schuldig tho bowisen sulff twalffce unberuchtede
Luide, who aber ein kleger dem andern solciies nicht nv'L'rbringen
und bewysen kan, darumme he den anderen verklaget hefEt, so schnll
he den Bann boeten mit LXIII Schillingen, und der Overichheit schall
he geven*J XXt Gulden. Kan he hera dat averbriugen mit lofwurdi-
gen Tuigen, dat he so boesslick gehandelt heft't, so s^ll desulvige")
den unbekandten Moerdt so duir als ein Manslag betaelen und den
Pravesten den allerhoechsten B;in boeten, dat is lAXU') I'funden
Agripptsche Pfenningen.
Van der Freester Bocthc.
Ein Preester hefft VII Wyelsen, die aldus^J genoemet werden:
Hostiarius, Rector, Exorcista, AcoliLua, Subdiaconus, Diacoaus, Pi'aes-
byter. Die erste Boete is die wyelse") 200 Schillinge, alae oeck is
die anderde, clerde und die veerde. Die TyfTCe wilse is 300 Schillinge,
die soste is 400 Schillinge, die sovende Wylse nimt ttioe boete 600
Schillinge, is in Summa 2100 Schillinge. So ein Preester dodt ge-
schlagen werde und den Biaschoppe vor ainen Ban vor itzlich Wylse
LKKII'") Schillinge, in Summa is den Bisschopp vor die 7 Wielsse
501 Schillinge.
Van Boete der gcistUchkeit andrtpende.
Werden oek Prestere diakonen , Subdiakooen , Monnyke und
Nonnen, oeck andere alle geistliche Luiden (wo se genoemet moegen
seyn) geslagen up Plaetsen. So'^) er nicht vorbadeii sint, So is de
boethe dreualt. Geschutt idtt auerst vp Sieden, de ohne vorbaden
sinnen, Als in apenbare Ingen"), in vnehrliche frows personen huseren
vnd dergelicken, So is de boethe eenuoltt. Wo auerst ein geestlich
man darin genordert wort van framen ehrlichen luden, vm ein sake
tho recht feerd igen, vnd desuluige darauer geslagen edder vorapraken
wurde vnd soUichs nicht erst an ein ander vorhaelt hefft, So is de
boete vnd broeke dreuült, Vnd vp ein ander plaetze halt des Bisschops
') Vergl, V. Richthofen Friesische Reclitsqm'lIeD S. 23 : De XV willekoer nebat
Bemerkung 14 auf S. 24. — *) Dieaer Sa,U riibrt von einem Bpä,leren Abschreiber
her. — ') in C fehlt die Ueberschrift. — *) Vergl. v. Richthofi'n Fries. Rechtsquellen
pug. 403 Anmerkung 13. ~ ■) LXIII SchillingeD-geven fehlt in C. — *| Beide
Hss. Bind hier verderbt — ') V: LXII. — ') Ü; Oldus. — •) B: wyelste.^
") HsB.: LXII. — ") Text nAch A. - ") B C: Kmegeo. ■*
96
boete, wanner dat ein preester buten syner scbultt doetgeslagen wort,
So s&) he betaett worden mit 63 hundert '), und so euen bannen den
Bisschop *).
Wait') ein Letje van ein preester doetgeslagen tvorl.
Waiiner ock ein preester einen Leyen doethsleitt vnd de leye
idtt nicht ersten an de preester mitt woorden edder warcken vorhaelt
lielft, So moett be den leyen boeten, alse he wulde genamen hebben,
vnd den Bisschop syne broeke geuen, wente*) de Bisschup is des
preesters richte r.
Wan^) ein preester vart elneti leyen wortt doetgeslagen.
Sleit ock de leye einen preester dueth, So sali he geuen de
broeke synen wettlicben beren, wente dat iss syn Richter*). Vnd wan
dat also in den apenen Seent gewroeget wort glick wo') vorscreuen,
So moet man mit^J den praueat oder deken afdragen.
Van vorspreieit vnd*) staen auer gegeuen vreede.
Wanner einer in den '") Seent gewroegett wordtt, de geslagen oder
gefocbten hefft auer gugeuen vrede, welches ae melkander gegeuen '^)
vnd thogesecht hebben tbo holden, So aal de ienne, de den vreede
erst gcbraken helft, den bann boeten mit LXXIII Schillingen vnde
sal dartho widlen edder baruoots den Prauest edder Decken vorsoeken,
wente he heät de gelofften (so he mit den anderen gemaket) nicht
geholden.
Wut vp den fesldagen gesekiet.
Wort ock in den Seent gewroeget, dat men aick vnder melck-
anderen vp den karckhuue edder in den") karcken geslagen oS'te
vorspraken hefft edder im krame vnd ock vp den vorneemsten fest-
dagen"), AUe passchen, karssdach. pinxteren, Sondage, vnde dewyle
men Gottes wart vorkundiget vnd datt Nachtmael vnaes Hern Jesu
Christi vthdeelt, edder'*) ein vprocr in der karcken anrichtet'^) vnd
de preester edder predicanten dner sleitt edder vorspreckt. So is dar
vorbraken Immunitas"') vnd Sacrilegium, So sal men vmb der open-
bare sunde wilten denn bermscheet entfangen vnd den Bann boeten
mit den'^) allerhogesten ban, alse mit LXXII punden Agrippischer
penningen. Doch so soelen de freesen genieten vnd nha Azegaa Dhoem
vnd lantrechte vnldoen, guck alss heer Dirck bescbreuen hefft dorch
des Paustes tholatinge.
Wat geschuet in der karcken oder im kraem van slaen.
Wort ock we vorsprakenn edder angefochten in den kraem, in
der karcken, vp den karckhaue'*) vnd vp de festdage, gelyck") wo
') sc, Schillingen, wie in J9 (' steht. — *) Die anakoluthische Aued rucksweise
ist in dea 3 Ilsa. f^leicb ; B G haben fulscblicli eneii für cuen. — >) £ C: W&dI. —
•) B V: «rmi. — ') B C: Wftnt. — •) heren— syn fehlt in A. ~ ') fehlt in A. —
^ S C: vftPi. —') B (•: edder. — '") fehlt in A. — ") B C: gelauet — '•) fehlt
in A. — ") A hat hier uad im folgenden Absaine feBtage, B aber Festtagen und
Festtage, — '*) S C: ubtgedehlt, dewyle. — ") Has.: anrichten. — ") HsB. : Mnnitas.
— ") nach B C, wfthrend A 'der' hat. — ") B (': in der linrcken, vp— in die Krame,
— "j fehlt in A.
voihen angetekent, vnd dar is so groet gerächte nicht afgeworden,
Willen sick dan de gewroegeden daruan entledigen vod') entscliul-
digen, dat se nicht quades gedaen hebben, So moteti se sick^> ent-
schuldigen mitt LXXIl mensuhen, lu deme dar so voele im dorpe
wanen, koenen se sick nicht daruan entschuldigen, de') dal sy dun
groett (jffte kleen, bloedich oder blaw geslagcn, So soelen se dea "
boeten mitt LXXIIl^J Schillingen.
Van den Kardwegen.
Wauner dar klage kumpt in den Seent vor den Prallest
den karckwech vnd dar menn de doden plachte'*) lien tho drageu.
dat desuluige nicht so breett is, als he^} hoert tho wesen, als dat
de veer den vyfiTten mögen tbo karcken drageu, dat de dode licham
tho der eerden bestedet') werde, Dar sal de Prauest auer richten
vnd Byne broeke daraf nbemen vnd sal de geraene darlho vorpoeneu
by 5 Munstersche Marck, dat se den wech makcn, gelick he^j by
oiden tyden gevrest heSl. Is idt ock sake, datt de karcke steilt by
einen gemenen heer wech, vud dar is anders geen wech na der kar-
cken. So soelen de gemeiie den beer wech holden so wytt, alse datl
karckhoff üffle karcke wendet offte keertt, dat wert all gerekent vi
ein wech").
Tart dubbelde, dreuddige vnd veeruoldige boete vnd broeke.
Alles wat men deitt mit werpen">), slaen edder vorspreken de"
iennen, de sunder geweer eint, Alse Papen, Monnykeii"), Dyaken,
Subdiaken, Nunaen edder ander gceatlichen luden, wo se de sake
nicht tho swaer valtt, is dubbelde broeke nha Lantrechte, Dessgelicken
weduwen vnd vniarige ") kinder vnd also Pelgrimen, de poenitentie
doen, vnd alle die Sentbaden der geestlicheitt vnd ock de sick van
stryde vnd wapene gegeuen hebben , Alss Mannen van 70 Jaren.
Wanner also desäe voergeroerte gehoent, geslagen edder vorspraken
werden, De sint ock den Prauesten in syne broeke vorfallen.
Ueschuett idtt auerst vp den karckhaue, So is idtt dreuoldige
boete vnd broeke, Geschuett idtt'*) in der karcken, So ist veruoldige
boete vnd broeke.
Hir endiget datt Seeutrecht.
dun
1
EMDEN.
H. Deiter.
') Die letEteo zwei Worte fehlen in A. — ') fehlt ia S C. — ') fehlt in Ä,
B C baben -liie'. — ') Ä: LXIII. — ») B; pflegt, C: plecht. — ») B C: ehm. —
') B C: bestadet. — ') Hbs.: 8e. — *) £ hat folgende Ergänzung: Des geliehen
uff de Kaerke stunde an ein Qeep edder Waler. daer men mit Scheepe an musie,
dat sali men ock aJIso holden, on daer oeck gebreck queme uud tho wdEsea wolde,
datsiilvige wedder tbo graven, geifck wo voer geschreven is. Derselbe PiiaauB findut
sich in C — ") A: wepen. — ") A: Monnyke. — ") B: unerfahrn
naeroe (!). — ") A: es, B: das, C: ditl.
J
91
Rymsproeke
to vermaninge der Riehteren.
Hadden wy alle einen Gelouen,
Godt vnd den gemeinen Nutte vor ogen,
Goeden frede vnde ein Recht Gerichte,
Eine eile, mate vnde Gewichte,
Eine munte vnde goet geltt.
So stunde idt woU in aller welt^).
Ghy Richteren, gedencket ahn Juwer Flieht,
Vnde radet, dat einem Jederen man Recht geshicht,
Fruchtett Godtt vnnde syne Gerichtt.
ghy Richteren in deser Weldtt,
Juwe Siele vnde Eere geuet nicht vm geltt*),
Gedencket alltytt der lesten dinnge.
So wertt ghy Recht doen gar geringe,
Richte ghy nha deses boeckes Beger,
Daermede beware ghy lyfi, goett, Siele vnd Eer.
Van falschen Richteren werden wy geleert:
Nemett geltt vann denn Armen all Vnbesweert.
Tassche, watt wultu geuenn my?
So wertt myn Oordehll genedig dy.
Tassche, wultu lennger leuenn.
So mustu mynen Heren gelt geuenn.
Tho Landt vnnd Water rouet mann seer,
Noch rouenn tasschenn Richter veele meer.
Aus der in der landschaftlichen Bibliothek zu Aurich aufbe-
wahrten Papierhandschrift Fol. 13, pag. 51, welche dem 16. Jahr-
hundert angehört.
EMDEN. H. Deiter.
') Vgl. M. von Wicht in dem Yorberichte zum ostfries. Landrechte (Aurich,
1746) S. 200 und Tjaden, das gelehrte Ostfriesland (Aurich 1785) I, S. 118 u. 119.
«) Vgl. M. von Wicht, ebenda.
Niedordentichei Jahrbnoh. Ym.
98
Kinderspiele
aus Sehles^vig-Holstein.
1. Keesbnr.
Ein durchs Loos erwählter Spieler läuft mit gefalteten Händen
hinter den anderen Spielern her und sucht einen mit seinen gefalteten
Händen zu berühren. Gelingt ihm das, so sucht er und der Berührte
schnell das Mal zu erreichen, da die andern Spieler mit Plumpsäcken
sie durchzuprügeln suchen. Der Gefangene fasst den ersten nun bei
der Hand und beide suchen nun mit ihren freien Händen andere zu
berühren. Und so geht es fort, bis auch der letzte ergriffen ist und
das Spiel wieder von vorne beginnt. Aber stets, wenn zwei oder
mehr greifen sollen, muss vorher derjenige, der aus der Zahl der
Mitspieler ergriffen werden soll, bestimmt werden. Dies Spiel heisst
hier ^Keesbur" von kesen, kiesen, nordfr. kese, wählen, küren.
Dahrenwurt bei Lunden,
2. Hai, dai, did'lnmdai.
(Mädchenspici.)
Alle Kinder bilden einen Kreis. Im Kreise steht ein Mädchen,
Bauer genannt. Der Kreis setzt sich in Bewegung und alle Kinder
singen :
hai, dai, did'lumdai,
der Bauer nimmt sich ein^n Stuhl.
(Der Bauer huckt nieder und ahmt so das Niedersetzen auf einen
Stuhl nach). Die Kinder singen weiter:
hai, dai, did'lumdai,
der Bauer nimmt sich ein'n Schnaps.
(Der Bauer ahmt das Schnapstrinken nach). Gesang:
hai, dai, did'lumdai,
der Bauer nimmt sich ein'n Schrot.
(Der Bauer ahmt das Abbeissen und Einstecken des Kautabaks in
den Mund nach). Gesang:
hai, dai, didUumdai,
der Bauer nimmt sich ein Weib.
(Er holt sich ein Mädchen aus der Reihe). Gesang:
hai, dai, did'lumdai,
das Weib nimmt sich ein Kind.
(Das Mädchen holt sich ein anderes Mädchen aus der Reihe). Gesang:
hai, dai, did'lumdai,
das Kind nimmt sich ein^ Magd.
(Das zuletzt gewählte Mädchen holt ein anderes Mädchen aus der Reihe).
Gesang :
99
hai, dai, did'lumdai,
das Kind geht in die Reihe.
darnach treten das Kind, die Magd, das Weib und der Bauer wieder
in die Reihe, und das Spiel beginnt von neuem.
Dahretiwurl bei Lunden.
3. Bagbns op'e THnn.
Der Spieler A, Bachus genannt, aitut auf einer Tonne und hält
' das eine Ende eines langen Taues (Reep) in der Hand, während das
andere Ende des Taus tou einem Spieler B gehalten wird. Mit
Stöcken suchen die übrigen Mitspieler den Bachus auf der Tonne zu
maltraitiren. B hat die Aufgabe, Schläge von A abzuhalten, indem
^L er die Prügler mit dem freien Tauende zu schlagen sucht. Wer ge-
^P schlagen wird, nimmt A's Stelle ein. A wechselt dann mit B, und
^■^ tritt wieder in die Heihe der übrigen Mitspieler ein.
^^V Bergenhusen in Stapdkohn.
^^P 4. Äb'n od'r niiäb'n,
^^F maf 80 fäl to togäb'u,
^W sagen die Kinder auf Christiansholm bei Hohn, indem sie Knopfe in
^K die zu einer Faust geballten Hand nehmen und dem Mitspieler hiu-
■ halten, der dann zu raten hat, ob die Zahl derselben eine gerade
oder ungerade ist. Im ersteren Fall hat der Mitspieler verloren und
mus3 dem Frager eben so viele Knöpfe zugeben, als er in der Hand
bat. Im letzteren Fall bat der Frager verspielt.
Christiatiskolm.
5. Schäp, Scbäp, kamt to Uns.
Ein Kind ist Besitzer der Schafe. Ein anderes spielt Wolf und
stellt sich hinter einen Streudiemon, Baum oder dgl. Die übrigen
Kinder sind die Schafe und laufen ; " ■ "
beim Nachhausegehen den Wolf vorbei
„Schäp, Si:bip, kamt to Hus!"
Die Schafe antworten: „Wie dort nie!"
Besitzer: „uäm fSr nie?"
Schafe: „l-lr de Rongwolf!"*)
Besitzer: ,näm sitt deV
Schafe: „Aghd'rn Streuklout, Boum etc."
Besitzer: „Schilp, ScbAp, kamt to Hus!"
Die Schafe laufen darauf zu ihrem Herrn. Wer vom Roggen-
wolf ergriffen wird, ist mit Wolf, So geht das Spiol so lange fort,
bis kein Schaf mehr vorhanden ist.
Bergenhusen in Stapelholm.
In Lunden spielen die Kinder Lehrer und Schüler. Der Lehrer
ruft: „All min leiw'n Kinn'r kamt tou Schonl." Im übrigen lautet
bei dem Rogt'eiiwolf an die Korodamonen zu deolfen ?
I
, und zwar so, dass sie
i müssen. Der Besitzer ruft:
100
es ebenso, wie die Stapelholmer Variante. Ahnliche Varianten finden
sich bei Handelmann, Volks- und Kinderspiele, S. 77.
6, Äl np'e Wfipp.
Eine Forke wird ein wenig schräge in die Erde gesteckt, ein
kleines ausgekehltes Stäbchen wird oben auf den Stiel gehängt und
durch einen Schlag mit einem Stock fortgeschleudert. Wer^das Stäbchen
fängt, darf dasselbe fortschlagen. Dies Spiel nennt man „Alup'eWüpp*'.
Kleinsee bei Bergenhusen in Stapelholm.
Professor Handelmann (S. 90. 91) nennt dies Spiel „Klinkholz''
oder „Klisch". Emil Pörksen nennt es im Schleswig-Holsteinischen
Hauskalender für 1882: Kliesch und Kriesch.
7. Morn wült wi Hawer marn.
Die Spieler, Knaben und Mädchen, bilden einen Kreis. Ein
Knabe oder Mädchen steht in der Mitte. Der Kreis setzt sich in
Bewegung und die Spieler singen:
Morn wült wi Häw'r mai'n,
Stopp'ln wült wi stän läd'n,
junge Herrn wült wi frien,
oule Kils gän läd'n;
an Keis un Broud,
un Fudj'rn to Fü'r;
ai lusti, ai lusti,
dei Win (?) is tou dür;
un is hei ok düV,
sou is hei gud käk(t),
sou dansset dei Brüdigam mit sin Brut.
Bei den letzten Worten nimmt der oder die in der Mitte stehende
sich aus der Reihe der Spieler einen Knaben oder ein Mädchen, und
beide tanzen nun im Kreise herum, während die übrigen weiter singen:
un danset man tou
un sparet kein Schon,
dei Scheuster hett Lell'r un Leis'n dartou;
un hett hei kein Lell'r, sou hett hei dogh Sä'ln,
sou mutt dei Bur dei Schuld betä'ln.
(Vgl. auch Handelmann, Volks- und Kinderspiele S. 54.)
Bergenhusen in Stapelholm,
8. DSr'n Hirsehen.
Zwei Kinder wählen irgend etwas, etwa der eine ein Schloss
und der andere ein Haus, aber stets mit dem Adjectiv „golden^ davor.
Das Erwählen geschieht aber so, dass keiner der anderen Mitspieler
erfährt, wer von den beiden das Schloss oder Haus hat. Dann stellen
die Zwei sich einander gegenüber, fassen sich einander bei den Händen
und bilden so eine Art Brücke, ;,Hirsch'n^ genannt. Die übrigen
Spieler bilden eine Flankenreihe, indem sie einander bei den Rock-
101
schössen fassen und ziehen so hin nach dem Hirschen. Hier ange-
kommen entspinnt sich zwischen dem Führer der Reihe und den
tweien, welche die Brücke bilden, folgendes Zwiegespräch:
Vordermann: „Kann'k ni dSr'n Hirsch'n kam?"
Die Zwei: „Uei Hirsch'n ia feraläd'n."
Vordermann: „Wat fehlt daran?"
Zwei: „Gölte Halsband."
Vordermann: „Agh min leiw'r Agd'rsmann
Sehnss ok ein fun min Kinn'r hebb'n,"
Die Zwei heben die Arme in die Höhe und lassen die ganze
Reihe unter den Armen hindurch ziehen. Der letzte wird aufgegriffen
und bat nun leise zu wählen, was er am liebsten haben will, goldenes
Schloss oder goldenes Haus. Wählt er das goldene Schloss, so stellt
er sich hinter den, der das goldene Schloss hat; wählt er das Haus,
80 hinter den andern. So geht das Spiel fort, bis der letzte ergriffen
ist. Dann beginnt zwischen den beiden Parteien ein Wettziehen über
einen auf der Erde gezogenen Strich, auf den keiner treten darf.
Welcher Partei es gelingt, die andere über den Strich hinüber zu
ziehen, hat gesiegt. Die Sieger rufen: Wie bebbt Spekk un jüm
hebbt 'n Drekk! Lunden.
Dieses Spiel ist weit verbreitet und unter verschiedenen Namen
in ganz Schleswig-Holstein bekannt. In Delve heisst es: „dSr dei
Hüdjer", in Bergenhusen: ,.dar de Steinslfts". Hier wird auch nur
die erste Frage gestellt. Der letzte Spieler sucht, wenn er nur allein
noch übrig ist, die Steinschleuse mit Gewalt zu durchbrechen.
In der Gegend von Kellinghiisen heisst es „dSr de Brügb". Die
Kinder, welche die Brücke bilden, singen :
klapp Hp de Brügb,
t klapp dal de Brügh,
den lets'n wüll wi fang,
de bliff dar in behäng.
In Bordesholra heisst es: „Sünn un Mänd".
In Feddringen heisst es: „där'n Sülken". Man sagt dort:
„Bchall'k ni mal dSr'n Sülken gän?"
„pdei Sülk'n is ferslSd'n!'"'
jwat feilt daran?"
„„FSi'spann!""
„Agh min leiw'r AkkVsmann (Agd'rsmann?)."
Ohne Zweifel bat dieses Spiel einen mythologischen Hintergrund
und stellt wohl einen Kampf dar zwischen Sommer und Winter.
Nach Professor Handelmann, S. 60— G'2, soll das Spiel hervorgegangen
sein aus der Vorstellung von dem Zug der Todten über die Brücke
!1 in'a Jenseit.
9. Der A'ogeUiändler.
Der Vogelhändler flüstert den Mitspielern einen Vogelnamen
ins Ohr. Oft werden hierbei aber gar nicht einmal wirkliche
I
102
Yogelnamen gegeben. Ich erinnere aus meiner Enabenzeit, dass
man in Bergenhusen (Stapelholm) mit besonderer Vorliebe wählte:
^Widd PSrd Sw'rt Hus, stikk de NSs in d' Schiedhus'^, welcher Aus-
druck auch in Ditmarschen bekannt ist. Meine Schüler wählen auch,
wahrscheinlich als Gegensatz zu Kolibri, gerne ;,Warmebri^ (auch in
Feddringen bekannt).
Haben alle Spieler einen Namen, so tritt der Käufer (Köiper)
zu dem Verkäufer (Ferköiper) und fragt: ;,Kann 'k nich 'n klein Vogel
krieg'n?" Der Verkäufer sagt: „Wat schall d' fun ein wen?** Nun
beginnt das Raten. Sobald es dem Käufer gelingt, einen Namen zu
raten, der unter den Mitspielern vertreten ist, so ruft der Verkäufer:
^ Vogel flieg aus!
Komm bald wieder zu Haus.^
Der Spieler, der den erratenen Namen hat, läuft nach einem bestimm-
ten Mal und sucht von demselben wieder an seinen Platz zurück zu
kehren. Wird er vom Käufer ergriffen, so spielt er erst dann wieder
mit, wenn das Spiel von vorne anfängt. Wird er nicht ergriffen, so
erhält er einen neuen Namen. Bergenhusen in Stapelholm.
10. Tikk.
Ein dazu erwählter Spieler sucht einen andern zu berühren, zu
^^tikken''. Gelingt ihm das, so muss der also Berührte wieder einen
zu ;,tikken" suchen, und so fort.
Oft spielt man „Tikk in d' Lai". Ein Lai (von leiten, weil der
Fuhrmann die Pferde dabei leitet) wird an den freien Enden zusam-
men gebunden. Die Spieler fassen dann dasselbe mit beiden Händen
an und stellen sich so auf, dass sie mit dem ,,Lai'' vor sich einen
möglichst grossen Kreis bilden. Ein Spieler steht in der Mitte und
sucht nun einen von denen zu berühren, der ausserhalb des Kreises
steht. Nähert er sich jemanden, so lässt dieser das Lai los und
tritt schnell zurück, so dass er ihn nicht berühren kann. Bei ge-
wandten Spielern dauert es manchmal recht lange, ehe der in der
Mitte stehende einen Mitspieler überrumpelt. Wer berührt wird, muss
in den Kreis treten, während ersterer erlöst ist.
Dahrenwurt bei Lunden»
11. Ferstäk speien.
Der Spieler, der die andern suchen soll, steht am Mal, von wo
er die Mitspieler, die sich verstecken sollen, nicht sehen kann. Auf
den Ruf eines der Versteckten „Nu kumm man!" beginnt das Suchen.
Findet er einen, so eilt er an's Mal, während der Gefundene ihm
zuvor zu kommen sucht. Wer zuerst an's Mal anlangt, ruft: Haks
pilaks oder Heks pileks! und spukt an die Wand, den Baum, oder
was denn nun sonst das Mal vorstellt. Nun sucht er weiter, und bei
jedem Gefundenen wiederholt sich das soeben Gesagte. Und so geht
das Suchen fort, bis auch der letzte gefunden ist. Wer zuerst ge-
funden, muss beim abermaligen Beginnen des Spiels suchen; es sei
■ denn, daas er vor dem Sucher das Mal erreichte. Im letzteren Fall
tist der zweite der Sucher, und wenn auch dieser vor dem Sucher das
(.Mal erreichte, so folgt Nummer drei u. 8. w.
Kleinsee bei Bergaihnsen.
Über die weite VerbreituDg dieses Spiels s. Handelmann, Volks-
I and Kinderspiele, S. 81. S2.
lä. nnwel in'e Sakk.
Ein Knabe ist „Düwel" (Teufel), kriecht in einen Sauk und sucht
I die andern, welche ihn necken, am Sack zupfen und umzureissen
suchen, zu verjagen und zu erschrecken, Wen er berührt, ist „Düwel"
und muss in den Sack hinein. Oft aber ist man dem Teufel so dreist,
dass man ihn niederreisst, den Sack bei den lieinen zubindet und ihn
so eine Zeitlang zappeln lässt. Sergcnhusen in Stapdholm.
13. K:lk.*)
Einige Grausteine (Granit) werden zu einem möglichst regel-
mässigen Haufen zusammengesetzt, optempelt, upsett. Oben auf den
Haufen legt man ein kleines Steiuchen, Öir oder Our genannt. Das
ganze heisst Käk. Ein Spieler, durchs Loos oder durch einen Abzähl-
reim dazu erwählt, ist Kdkopsett'r (Käkaufsetzer) **). Dieser legt
einen fauatgrossen ziemlich runden Stein (sin Smidstein) nahe vor den
Käk. Alle andern Spieler haben gleichfalls einen solchen Stein zum
Werfen. Die Reihenfolge wird dadurch bestimmt, dass sie von dem
Käk aus ihre Steine nach dem Mal werfen. Wessen Stein am nächsten
bei dem Mal liegt, ist der erste. Dann folgt der zweite u. s. w. Alle
anderen Spieler stehen an dem ziemlich weit vom Käk entfernten
Mal, und suchen nun mit ihren runden handgrossen Steinen den Klk
umzuwerfen. Trifft ein SmidV (Werfer) den Stein des Käkaufsetzers
und wirft nicht den Kilk um, so muss derselbe Kilkaufselzcr sein und
der dabei stehende ist erlöst. Wirft er aber den Käk um, so sucht
der Kikaufselzer möglichst sclinell den Kdk wieder aufzusetzen, wäh-
rend die Spieler, die schon geworfi'u, dicht bei dem KÄk stehen, aber
nicht hinter denselben treten dürfen. Sobald der Kük steht, laufen
alle nach ihren Steinen und suchen mit denselben das Mal zu er-
reichen. Der Kakaufsetzer nimmt eben so schnell seinen vor dem
Käk liegenden Stein in die Hand und ruft: „stiU! KÄkstalt!" (steht!
der Käk steht!). Dann müssen alle, die das Mal noch nicht erreicht,
still stehen, ihren Stein auf den Fusb legen und so weit forttragen,
bis sie denselben, so wie er auf dem Fuss liegt, nach dem Mal hin-
*1 Nordfries, kokkar, äün. kag.
"•) Anderswo heisat derselbe äucli Kaaklioor, d, i. Kilkhure (vgl. Handel-
I, Volks- und Kinderspiele, S, 92), lu Lauenhurg heisst er Partner (Pfürtoer).
' Dun ruft man nach Handelmann zu:
Jftkob, Bett 'n Kak op!
Sett 'n liier op, sett 'n dar opl
Sett 'n achter vor'n St6rt op!
104
scbleudern können. Wer nicht sofort Btill steht, muss den Kl
aufsetzer ablösen. Wer den Stein nicht vorschriflamässjg fortträ
bez. nach dem Mal hinwirft, ist ebenfalls Käkaufsetzer.
Alle Kniffe gelten hierbei. Man passt den Stein nämlich, der
natürlich nicht auf dem Fuss liegen will, von der einen wie von der
andern Seite, und sobald der Käkaufsetzer seinen Blick hinweg wendet,
geschwind nimmt man dann seinen Stein in die Hand und läuft zum
Mal. Wenn dann der Käkaufaetzer hinter demselben herläuft und
ihn zu tikken sucht, — wer nämlich vom Käkaufsetzer getikkt i
ist gleichfalls Käkaufsetzer — so laufen auch die andern davon
der Käkaufsetzer wird ausgelacht.
Erinnert dieses Kinderspiel an den Kak oder Pranger?
Dahrenwurt bei Lundett.
14. Eipaeln.
Die Spieler teilen sich in zwei Parteien. Die eine Partei
die pBSwerhand" (Oberhand), die andere die „Ünnerhand" (Unterhand).
Dies wird durchs Loos auf folgende Weise bestimmt: die zwei gross-
ten oder tüchtigsten Spieler stellen einander gegenüber, einer wirft
dem andern einen Kipselstock hin, den der andere an einer beliebigen
Stelle angreift und festhält. Der erste legt nun seine Hand auf die
des ersten, den Stock umfassend, und so greifen sie Hand um Hitnd
bis nach dem oberen Ende des Stockes hin. Wer zuerst mit seiner
Hand oben anlangt, hat die „Bawerhand" und darfauch aus dvr Zahl
der Mitspieler sich den Tüchtigsten auswählen. Dann wählt sein
Gegenpart, dann wieder der erste, und so wählen sie abwechselnd,
bis kein Spieler mehr vorhanden. Trifft es sich indess, dass noch
ein kleines Stück des Stockes frei bleibt, _und derjenige, dessen Hand
es fassen soll, kann den Stock nur „tain Ael" (10 Ellen ^^ 10 Stock-
längen) über den Kopf fortschleudern, so darf dieser zuerst wählen
und seine Partei hat die Oberhand. Nun beginnt das Spiel.
Ein kleiner Stock wird quer über ein kleines Loch gelegt. Einer
der Oberpartei sucht denselben nun mit dem langen Stock aus dem
Loch heraus möglichst weit fortzuschleudern, während die Spieler
der Unterpartei in einiger Entfernung stehen und den kleinen Stock
zu faogen_suchen. Fängt einer den Stock, so rechnet das für diese Par-
tei tain Ael (10 Ellen). Sobald der kleine Stock fortgeschleudert ist,
wird der grosse quer über das Loch gelegt, und derjenige, welcher
den Stock aufgegriffen, sucht den über das Loch gelegten damit zu
treffen. Gelingt ihm das, so muss der Spieler der Oberpartei, der
gekipselt hat, abtreten und ein anderer seiner Partei für ihn eintreten.
Gelingt es ihm nicht, sondern kann er mit dem grossen Stock den
kleinen, der geworfen wird, wieder zurückschleudern, so misst er mit
dem grossen Stock die Entfernung zwischen dem Loch^uud der Stelle,
wo der Stock liegt, und so viele Stocklängen oder Ael hat seine
Partei denn; aber Jud'näel (zu kurze Ellen) werden nicht gedulde!
Kann er den hingeworfeneu kleinen Stock nicht fortschleudern
und
;ht gedulde^^
ietn und dfluH
105
selbe liegt nicht eine „Ael" weit vom Loch entfernt, so ist er „afiP' d. h.
er muss abtreten, und nun folgt ein anderer seiner Partei. Geht alles
gut, so versucht er mit dem langen Stock den kleinen mehrere Male
in die Höhe zu schleudern, „opkippseln^ heisst das, und beim letzten
Mal recht weit seitwärts wegzuschleudern. Schnellt er den kleinen
Stock nur einmal in die Hohe und trifft ihn beim Niederfallen nicht,
80 ist das ein Pudel, und er darf sein Glück nochmals probiren.
Zuweilen gelten auch drei Pudel. Gelingt es ihm zweimal, so darf
er die Entfernung des ^kleinen Stocks vom Loche mit dem grossen
Stocke messen und die „Ael" denjenigen zuzählen , die seine Partei
schon hat. Gelingt ihm das „Opkippseln^ dreimal, so darf er die
Entfernung mit dem kleinen Stock messen. Gelingt es ihm viermal,
so darf er mit dem Fuss messen, falls derselbe nicht grösser ist als
der kleine Stock, sonst muss er spannen d. i. abmessen mit der
grössten Entfernung zwischen Daumen und Zeigefinger. Gelingt es
ihm fünfmal, was jedoch selten vorkommt, so mit einem Finger, dann
mit einem ;,Fing'rlidd^ (Fingerglied). Haben alle Spieler der Ober-
partei gekippselt, so kommt die Unterpartei an die Reihe.
Kleinsee bei Bergenhusen in Stapelholm,
Das Spiel ist weit verbreitet und wird wohl, wenn auch mit
einigen Abänderungen, in ganz Schleswig-Holstein bekannt sein. In
Stapelholm heisst es Kippsein, in Ditmarschen Kippsein, Gippseln und
Gispeln (sollte der Name mit kippen, umkippen zusammenhangen?)
Auf der Colonie Christiansholm trägt es den sonderbaren Namen
Klie. In Utersen heisst es ^Wippwipp^. (S, Handelmann, Volks- und
Kinderspiele, S. 89. 90).
DAHRENWüRT bei Lunden. Heinrich Carstens.
106
Äle Mareken') von der AA^eper").
1. Dei Nachträwe»)-
Släaug*) emal 'n Schäper, dei up'r Weper lag, ümme Midder-
nacht de Höre vor. Da flog up 'nmäl dei Nachträwe ower öne^) hen,
dat is 'n gräten swarten Vogel met euisernen^) Fittchen, da kreuischede
jümmertäau :
;,Krä, krä, krä!"
luse Scbäper was äwer recht beherzet un hei antwörde deck:
„Krä, krä, krä,
Dei Nachträwe dei is da!^
Dat verdrot awer den Nachtramen nech enbeten un hei schöt
ratsch däl. Da smet dei Schäper, haste nech esein, negen Höre
täausammen un kröp da under. Un harre hei dat nech edän, den
harre heir sicher an Iftmen moDt. Dei Nachträwe släaug met seuinen^)
euisernen Fitchen up dei Höre, dat et balderde. Achte flögen in
körte kleine Beten, dei negte äwer bleif ganz hM, denn dain Nacht-
ramen seuin Fitchen was beui düsser grade up dei Lattenkruizunge^)
komen un da moste hei wol flüchten!
Awer wuitend*) hätte noch eräaupen:
^Wör eck nech up't Kruize kömen,
härk dek mee när Hölle nömen!^
2. Dei Korakter^ö).
Et was Sundag, un dei Loie wören in der Kärken. Dei eine
Hiüshftre harre, ee hei iutea Dinge gän was, ßeuinen neuileken Knecht
*) Die Weperbewohner^resp. Sollinger haben für Sagen sowohl als für Märchen
den stehenden Ausdruck: ^Ale MRrcken".
') Die Weper ist ein merkwürdiger plateauartigcr Gebirgszug, welcher sich
östlich an den Solling reiht und mit diesem ein etwa 10 Minuten breites anmutiges
Thal bildet. Weper, meint der Chronist Domeier, solle vielleicht Weseberg oder
geweiseter Berg bedeuten; warum? verschweigt er. Ein Freund von mir etymolo-
gisierte auf einer Postkarte samoj. wal und bor = Endbergrücken. [? ! A. L.]
') Die Klangfarbe des gedehnten ä ist selbst in ein und demselben Ort nicht
immer überein : oft hell wie das hochdeutsche, oft dumpf wie oa.
*) Der Diphthong au hat stets den Vorlaut ä, sp. also: &äa.
^) Oft hört man vor ö einen schwachen ü-Laut; ebenso vor o das u.
^) Das gedehnte u hat in der Regel den Vorlaut i im Singular; im Plural
hingegen tritt i hinter u, z. B. Mius, Muise.
^) Das dem hochdeutschen ei entsprechende plattdeutsche i lautet überall wie «u.
^) Dieses Wort zeigt eine Ausnahme von der in der 6. Anmerkung gege-
benen Regel.
*) Hier begegnen wir derselben Ausnahme; doch das Subst. Wiut entspricht
wieder der aufgestellten Regel
"°) Korakter = Zauberbuch.
107
scliarf annekniippelt, dat hei jh dei Ossen un Vhe omtlich .besorgen
dee un dat hei neg vergeten solle dat Katf siugen te laten. Awer aa
dei Hfre mant öst iuten Hiuse was, da lat hei Oase Osae un PSrd
PSrd ßeuin, kreich den Korakter hfr un fong an te lesen. Up eimat
kam ne swarte Wolke vor't Hius, dat woren liuter Kamen un äk
liater Kamen. Un dei deen 'n Gekreuisclie un Gekrache, dat dat
ganze Dorp wach wört. Dat döuerde den äk nech lange, da kam
dei Hiushfire iut 'er Karken geläpen un spving Awer Rtok un Steuin
nä seuinen Hiuse. „Himmelhund!" reip bei un las dat Bäauk, datte
den Knechte iuter Hand ereten harre, oterie. Da. flögen dei Kamen
nä un nä were weg. Dei Knecht kreich äwer ne Arfeuige, datte nech
wusste, wo öäne') de Kop stund,
3. Böaere, felampere^) moal!
'n ender feuif Man mügden mal up ner Weuischen in der Krum-
mein un dachten an nitz, as met 'n Male Stupken') daherkam, Hei
see, hei müchte äk wol mal dat M^gen proweren; un as dei ßöuern
da ,man täau!" aeen, da mäka Mester Stiipken met sei iut, dat,
hei seuin Swad eher räwer kregen dee, sei alle seuine seuin mosten.
„InTerstän!" reuipen de Böuern un da fongen se an te wetten, dat
et dör dei ganzen Krummein kiung. Di? BiJuern harn Stiipken äwer
ne Pläaugsleife for ne Seiten gemen^), un hei lot'te dat un wette äk
seuin allermeiste. Nüu ging et las — up ennen Slag, .von rechts nä
luchts, von rechts nä luchts un säau jUmmertaau. Ak dei Duiwel
eläaug met seuiner Pläaugsleife dör dat Gras hen un her, von rechts
oä luchts, von luchts nä rechts un kam doch nech mie^). Da meinde
hei, dat wol seuin Klampern (Wetten) nech orntlich ewest würe, un
as uöa dei BJiuern wer en frisch Swad anfongen, leip hei beul
Iöllesten un bade den:
„Böuere klampere mal!''
Darümme segt me dat Wort noch huitigen Dages — un be-
Bonders gSrn för siiau welke, dei wol mSgen, awer nech wetten kÖnt,
') Man hiirt statt des vortdingenden ü-Laules ebeoGo bAufiK aii<^h einen
Kh wachen ü-LauL
') Klampere =: klimppre. — Ein Üeräusch macheo, uameiilllch durch Schliigen
oder Klopfen gpgen Eisen.
') Stüpken =^ Duire) = Teufel. „Stiipken" ist unter den Weperbe wohnern
reip. Sollingern noch recht lebendig.
*) Hin und wieder hört man vor ä einen schwachen i-Laut; das 6 tönt dann
^■^ iber burz und wie @, also gii>inen.
^H ') Der Klang hält eigcDtlicb die Mitte zwischeo mfc und m6e.
1
NIENHAGEN bei Moriiigen. Heinrich Sohnrey.
108
Die
Halber Städter nd. Bibelübersetzung
von 1822*).
Am Schluss der Bibelübersetzung heisst es: Hyr endiget syck
Hat bock der heymeliJcen openbaringe Sancti Johanllnis des apostolen vnd
Euangelisten, dar miß ocJc geendet wert mid bellsloten duth hochberompte
vnde Tiosüyke werck der gantzen hülygen schrift // genomet de Bibel vor
alle andere dudesche Bibeln, Lütterer vnde Iclarer // na rechtem tvarem
dtddeschetn vnde sessischer sprake. nnjt groten flyte tegen II dem latini-
sehen texte gerechtuerdiget^ vnderschedelik pundert. mit ouer/l Schriften
by dem meysten deel der capittd vnde psolmen oren ynhoU vnde II ersähe
bewysen vnde antogen vnd mit figuren de hystorien bedudenllde. Ge-
drucket vnde fulendet in der stad Halberstad Na der gebort II Christi
vefteyn hundert vnde twe vnde twyntich Jar vp II den VIII dach Jtdy.
Hyr vmme wy loff seggen vnd dancken II der vngeschapen vnbeghryplyken
vnd aller hylllgesten drevöldicheit gode dem vader vnd dem II sone, vnd
dem hylgen geyste. de daer ys, de II daer was vnde de daer thokunffi Itich
syn wert dem sy ere vnde II loff yn ewicheit Amen.
Darunter steht ein allegorisches Bild, das die Jahreszahl 1520 trägt.
Gestatten Sie mir über diese nd. Bibelübersetzung einige Worte
zu sagen.
Sie ist nicht die älteste vorlutherische nd. Übersetzung. Zwei
gehen ihr im Alter voran, die Kölner von 1482—83 und die Lübecker
von 1494. Die erstere ist nur im allgemeinen eine niederdeutsche
zu nennen, insofern das Niederländische unter den BegriflF des Nieder-
deutschen überhaupt fällt. Die Kölnische Bibel ist aber im nieder-
ländischen Dialect verfasst, oder doch in einem Dialect, der gemischt
zu nennen ist aus mndl. und mnd., wie er sich in den niederl. deut-
schen Grenzgebieten vorfindet. Zwar ist der Unterschied beider
Dialecte schon fühlbar um diese Zeit, war aber doch lange nicht so
ausgeprägt wie jetzt. Und daher mag man auch mit Recht die Köl-
♦) Es war gar nicht meine Absicht, diesen in der Jahresversamlung zu Han-
nover 1882 gehaltenen Vortrag drucken zu lassen; ein Umstand jedoch veranlasst
mich ihn dennoch zu veröffentlichen. In der französischen Zeitung ,rüni?er8' heisst
es nemlich (in der Nummer vom 25. Juli 1882) : On savait que Luther fut apostat,
ivrogne, debauchö . . . mais on n'avait jamais affirme au milieu de ses sectaires
quMl füt plagiaire. Le fait vient de se produire dans le sein de la Soci6t6 hans^atique
pour les recherches historiques. On sait que Luther a fait paraitre sa fameuse
traduction de la Bible en 1522. Or, le bibliothecaire Lubben, de la biblioth^ue
d'Oldenbourg a trouve dans sa biblioth^que au moins seize traductions d'avant Luther.
Die ganze Haltlosigkeit dieses Geredes weiss ich nicht besser und schlagender zu
beweisen als durch den unveränderten Abdruck meines Vortrages.
109
I
I
tische Bibel eine iiiederdeutsclie nenoeu. Die andere, die Lübecker,
dagegen einen rein mud. Charakter.
Id dem Epiphonem der Halberst. Übersetzung heisst es nun,
iese sei lütterer unde darcr vor alle andere dudesche hibetn. Ist liier
las Wort alle von tieferer Bedeutung? Zwei nd, Übersetzungen sind
ja nur bekannt, die vor 1522 eracbienen sind; ist es nicht ungehörig
und unpassend zwei ,aUe zu nennen? Sollte der Übersetzer oder die
Übersetzer nicht auch schon Luthers hochdeutsche Übersetzung als
dritte unter dies alle mit betasst haben? Sehen wir zu.
Der Ausdruck dudesch entscheidet nichts; die Ausdrücke ,hoch-
oder nieder- oder gar plattdeutsch' waren noch nicht im Gebranch;
4udesch galt ebensogut für das Niederdeutsche wie für das Hochdeutsche.
Sagt doch das Epiphonem selbst, die Übersetzung sei na rechtem
war&n dudeschem gemacht. Das „rechte wahre Deutsch" war also
Blich in Niederdeutschland, nicht bloss in Oberdeutschland zu finden;
äudesch war der gemeinsame Name für die beiden Ilauptdialecte, in
weiche sich Deutschlands Sprache spaltete. Unterschied man, so be-
zeichnete man das Niederdeutsche als die sassische oder sessische sprake,
eine Bezeichnung, die übrigens erst um diese Zeit, die Zeit der Ue-
formation, aufkommt, und nur den gelehrten Kreisen angehört, ohne
je volkstümlich geworden zu sein. Es ist demnach aus dem Worte
dudesch nichts zu folgern, weder für noch gegen.
Dagegen sprechen zwei andere Gründe dafür, dass den Halber-
Städtern die Luthersche Übersetzung noch nicht bekannt war. Den
einen Grund liefert uns die Angabe der Jahreszahl. „Das Newe
Testament deutsch von Luther* erschien zu Wittenberg in eben dem-
selben Jahre 1522, in welchem am 8. Juli die Halberstüdter vollendet
wurde. Nun hält es in gegenwartiger Zeit, wo die Verkehrsmittel
gegen 1522 in so überwältigendem Masse zugenommen haben und die
Raschheit der Beförderung wunderbar gestiegen ist, schon schwer,
dasB ein Verfusser das Werk eines anderen Verfassers, der denselben
Gegenstand zu derselben Zeit behandelt, benutzen kann; um wie viel
schwerer war es in damaliger Zeit? Und dabei sind auch noch zwei
Voraussetzungeu zu machen, wenn man die Möglichkeit einer Be-
nutzung zu einer Wahrscheiuiichkeit oder Wirklichkeit erheben will.
Einmal muss ich überhaupt wissen, dass ein anderer denselben Gegen-
stand bearbeitet wie ich; sodann muss ich Einsicht von dem Manu-
Script oder von den Aushängebogen meines Concurrenten bekommen
können. Beide Voraussetzungen treffen aber hier nicht zu. Dass
Luther vorhatte die Bibel zu übersetzen, war durchaus nicht allgemein
bekannt. Soviel ich weiss, ist diese nicht nach der neuen Weise der
Buchhändler schon im Voraus angekündigt, sondern die Absicht
Luthers, so wie die Ausführung der Absicht, die Arbeit selbst, wurde
Bar dem allerengsten Kreise Luthers mitgeteilt. Geschichtlich steht
'fest, dass Luther zu verschiedenen Zeiten einzelne fertige Stücke an
'ipaiatin und an den Herzog Johann schickte, dass ausserdem aber
lein Bogen abgegeben wurde, vielmehr wurden diese geheim gehalten,
110
bis das Ganze hiDausgegeben werden könnte. Wis sollten sie denn
io die Hände der Halberstädter gekommea sein, die wol keine Ahnung
von der Concurrenzarbeit hatten?
Der andere Beweis ist der Ausdruck: bihel. 1522 ist nur erat
das Neue Testament in Luthers ÜbersetKung erschienen; nun verstosst
es doch gpgen den Sprachgebrauch das Neue Testament schon eine
Bibel zu nennen, da sie doch nur ein Theil der Bibel ist. Bibel ist
doub der umfassende Ausdruck für die ganze heilige Schritt, wie auch
ja die HalberstäJter von dem kosthjken werck der gnntzen hiUygen
schriß, gcnatnd de Bild sprechen. Erst die Ausgabe der Lulberschen
Übersetzung von 1534 enthält die ganze heilige Schrift, und diese
Ausgabe darf mit Recht erst eine Bibel genannt werden.
Es ist somit unwahrscheinlich, dass die Halberstüdtcr Luthers
Übersetzung benutzt oder die ihrige als die bessere dieser gegenüber
gestellt hätten. Von einer Benutzung kann überhaupt wol keine Rede
sein, da der Druck schon ganz vollendet war, als Luther mit seiner
Verdeutschung des N. Testamentes hervortrat Der Druck des Luther-
schen N. Testamentes, der mit einer für die damalige Zeit ungewöhn-
lichen liaschheit vor sich ging, Luther immer noch nicht schnell genug,
war am Mattbäustag d. b. am 21. September vollendet, und am
25, September konnte Luther eins der ersten fertigen Exemplare sei-
nem treuen Wartburg wirt he, dem Schlosshauptmann von Berlepach,
zuschicken, während die Halberstädtische bereits am 8. Juli desselben
Jahres fertig war. Der Widersinn Hegt auf der Hand: zu einem
Buche, das am Ü. Juli 1522 bereits fertig ist, kann man nicht ein
Buch benutzt haben, das erst ein Vierteljahr später — am 21. Sept.
desselben Jahres erscheint. Nur eine Möglichkeit könnte diesen Wider-
sinn aufbeben, dass es nemlich den Halberstädtern Gott weiss wie ge-
lungen wäre Aushängebogen der Lutherschen Übersetzung in die Hände
zu bekommen. Aber auch selbst diese UnWahrscheinlichkeit als wirk-
lich angenommen, wäre dennoch eine Benutzung ausgeschlossen. Da
man doch den Satz und Druck eines Buches nicht von hinten anfängt,
so musste der erste Bogen der Lutherschen Übersetzung mit dem
Evang. Matthäi heginnen; nicht mit der Offenbarung Johannis. Frei-
lich wurden die Evangelien und die Apostelgeschichte eineslbeils, die
apostolischen Briefe anderntheils neben einander in die Presse gebracht,
und schon am 10. Mai sandte Luther die ersten gedruckten Bogen
un Spalatin; die Halberstädter mussten aber schon längst ihren
Matthäus fertig haben, als ihnen der Luthersche Matthäus vor Augen
kam, selbst wenn dies gleicii nach dem 10. Mai geschah, was indes
wegt'n der Geheimhaltung höchst unwahrscheinlich ist, Ist nun schon
aus zeitlichen Gründen die Annahme abzuweisen, dass die ILilber-
städter Luther benutzt hätten, so kömmt noch ein wissenschaftlicher
Grund hinzu, der die Abweisung verstärkt. Luther übersetzte nem-
lich aus dem Grundtext, die Halberstädter aber nach der Vulgata;
diese Verschiedenheit des Textes schlieast eine wörtliche Vergleichung
aus, oder, wenn auch das nicht, hemmt sie dieselbe doch. Indes ist
111
dieser Grund nur achwach; aber warum sucht man auch unnützer
Weise Gründe zusammen und hiiuft sie, da der eine aua der Chrono-
logie entnommene Grund, dass nemlich die Halberstädter Übersetzung
faat ein Vierteljahr früher fertig gedruckt ist, ah die Luthersche, ja
mit seiner Mächtigkeit alle andern überwiegt und so entschieden für
die Unabhängigkeit der Halbergtiidtischen Übersetzung von der Lutbef-
achen spricht, dass eigentlich er allein vorzubringen gewesen wäre,
und jedes weitere Wort überflüssig gesprochen wird?
Diese Unabhüngigkeit und Selbständigkeit ist es aber gerade,
die der Halberstiidtiscben Übersetzung, wie auch den beiden andern
früheren, grösseren Wert verleiht als anderen späteren niederd. Über-
setzungen, die von der Lutherschen abhängig sind; diese geben nur
eine Übertragung des einen Dialectes in den andern, aus dem Hoch-
deutschen ins Niederdentsche, nicht aber eine Übertragung der einen
Sprache in die andere — der lateinischen in das Niederdeutsche.
Und das macht einen grossen Unterschied, die Freiheit der Bewegung
ist bei der einen Art viel grijsser als bei der andern.
Ilaben die Halberslädter die Lübecker Ausgabe benutzt? Ich
vetss es nicht, ich kann es weder bejahen noch verneinen. Aber
wenn es auch der Fall gewesen sein sollte, so wird der sprachliche
Wert der Halberstädter Übersetzung dadurch nicht herabgesetzt; sie
ist ja laut dem Epiphonem gerechtucräiget legen dem latinischen text,
also auch bei der Annahme, dass die Lübecker Ausgabe benutzt sei,
doch als eine — so zu sagen — corrigierte Übersetzung der Vulgata
anzusehen, während die nd. Übersetzungen nach ihr immer nur die
Übertragungen der hochdeutschen Übersetzung von Luther sind; diese
iet wissenschaftlich freilich viel höher zu stellen, weil sie den hebräi-
schen und griechischen Text zu Grunde gelegt bat; aber den grösse-
►pen oder geringeren wissenschaftlichen Wert nach dieser Seite hin
liehen wir hier nicht in unsere Betrachtung.
Dass in den Worten der Halberstädter, ihre Übersetzung sei
lütterer als andere, eine absichtliche Anspielung auf Luther oder eine
Tersohleierte und versteckte Anpreisung ihrer Arbeit vor der Luther-
schen enthalten sei — eine Meinung, die allerdings geäussert ist —
halte ich für eine bare Unmöglichkeit Wie kann ich mein Werk
einem andern gleichen Werke vorziehen oder gegen dasselbe jrolemi-
sieren, wenn ich gar nicht weiss, dass ein solches existiert und es
mir nie zu Gesicht gekommen ist? In dieser Lage befanden sich die
Halberstädter. Ausserdem ist der Ausdruck liilter gar kein absonder-
licher weder nach seinem Inhalt noch nach seiner Form, sondern
vielmehr ein so üblicher, dass keiner der damals Lebenden eine ge-
heime Andeutung irgend welcher Art dahinter hätte vermuthen können.
So bleibt also nur der Ausdruck alle sonderbar und befremdlich,
aber doch auch nur auf den ersten Anblick. Man braucht gar nicht
anzunehmen, dass der Verleger etwa den Mund zu voll genommen
hätte, sondern man hat nur daran zu denken, dass wir auch noch
jetzt BchoD bei der Zweizahl all setzen, z, D. alle eteei, alle beide;
112
eine grössere Mehrheit ist durchaus nicht aothwendig, um den \
brauch des Wörtleina all zu rechtfertigen.
Ich habe hier aber stillschweigend eine Voraussetzung gemacht,
die ich nicht hätte machen sollen, Ich habe nemlich angenommen,
als hätten die Halberstädter nur die früheren niederdeutschen Über-
setzungen gebraucht oder gebrauchen können, und nicht die ober-
deutschen. Warum aber sollten sie diese nicht berücksichtigt und
nicht zur Vergleichung herangezogen haben? Nun giebt es aber schon
Bibeln, (nicht bloss einzelne l'heile der h. Schrift), in oberdeutscher
Sprache, die Mainzer von 1462, die Nürnberger von 1483, die Strass-
burger von 1485, die Augähurger von 1477 und 1518. Wenn die
Ilalberstädter nicht ausdrücklich versicherten, dass ihre Lbersetzung
tei/en dem latinisclien texte gerechtuerdiget wäre, könnte sogar die An-
nahme nicht ganz unberechtigt erscheinen, dass sie, wie Bugenhagen
die Luthersche Übersetzung, so sie eine dieser genannten Bibeln in
das niederdeutsche Idiom übertragen hätten. Aber freilich lag es
näher eine bereits vorhandene niederdeutsche Bearbeitung zu Grunde
zu legen. Dass ihnen aber die Äugsburger Bibel von 1477 bekannt
gewesen sein muss, schliesse ich aus den Schlussworten derselben, die
auffallend übereinstimmen mit deneu der Halberslädter. Am Ende
der Augsburger Bibel von 1477 steht nemlich: „Diu durchleichtigeat
Werck der gantzen heyligen geschrifft, genandt die Bibel, für all
ander vorgedruckt teutsch Bibeln lauterer, klärer und warer nach
rechtem gemeynen teutsch dann vor gedruckt hat hier eyu Ende."
Man halte hier gegen das Epiphonem der Halberstädter: Hi/r endiget
sich . . dat kostlyke werck der gantzen hillygen schriß, gcnomet de Bibel
vor alle andere dudesche Bibeln lütterer vnde klarer va rechtem warem
dudeschetn etc. Das „rechte gemeine Deutsch" der Augaburger bat
sich nur verändert in das rechte icare dudesche mit dem Zusätze unde
sessische sprake. Sonst finden wir die Ausdrücke, und besonders die,
auf die es una hier ankommt, all und lütterer wieder, zum deutliuheu
Beweise, dass weder alle auf die beiden nd. Übersetzungen allein zu
beschränken ist, noch auch das Wort lullerer auf die Luthersche Über-
setzung irgend eine Hinweisung enthält.
Eine genauere, ins Einzelne gehende Vergleichung der Kölner
und Lübecker Bibel mit der Halberstädter konnte ich leider nicht
anstellen, weil mir nicht die Kölner und Lübecker, sondern nur die
Halberstädter zur Hand war, die sich auf der Oldenburger Bibliothek
befindet. Sie ist leider etwas defect, so fehlt z. B. das Titelblatt
und die ersten Blätter sind oben und an den Seiten durch Moderfrasa
verstümmelt und beschädigt; auch fehlen hin und wieder einzelne
Blätter, schon zur Zeit des alten Einbandes, im ganzen etwa T — 8,
ein Mangel, der wohl den bibliothekarischen Werth des Exemplars
beeinträchtigt, aber bei der Grösse des Werkes, das 560 Folio-Biätter
umfasst, nicht sehr empfindlich ist. Merkwürdig ist, dass vorne
gleich hinter dem ersten Blatt ein ebenfalls defectes Bildnis Luthers
113
Seht — der Obertheil, Kopf etc. ist abgerissen — Luther steht im
al&r, rechts neben ihm ein Schwan, mit der Unterschrift:
Luther, der trewe Gottes Held
Zuwider teufel, pabst und weld
Hat mit der Bibel rein und dar
Erleuchtet, was verfinstert war.
ff'iB der Augenschein ergiebt, ist dies Blatt eingeklebt, also wohl von
inem früheren Besitzer eingefügt.
Die Sprache, in der diese Übersetzung geschrieben ist, ist fast
■Win mnd., fast dialectfrei. Den etwas südlicher wohnenden Über-
dntzer verräth hin und wieder ein diphthongisches ei für c,
weisler, deine» (:= denen, dienen), sein (sehen), /le begreip, ik veil (fiel),
itoeinich u. a., aber die Formen zwischen ei und t' wechselo in den*
Eselben Wörtern, und t- hat bei weitem den Vorzug. Übrigens findet
sich dieser Wechsel auch bei nördlicher wohnenden, so dass daraus
auf die Heimat des Verfassers kein sicherer Schiusa gezogen werden
kann. Einen festeren Anhaltspunkt gewährt der etwas häufigere Ge-
brauch des Umlautes von a bei Pluralbildungen, z. B. hende, zegelen
(z= aagelen), sccke, kelverc, lemnier u. a., im ganzen aber ist er doch
nicht auffallend häufig. Bei o und u fehlt noch der Umlaut, trotzdem
dass über o und u manchmal ein e steht, wie sich aus Wörtern nach-
weisen lässt, die nun und nimmer einen Umlaut gehabt haben und
gleichwohl mit diesem s. g. Umlautszeichen versehen sind. Sicherer
weisen mehr südwärta einzelne mehr hochdeutsche Formen wie messer
in scheermesser, winmesser statt messet, tuest; einmal habe ich auch
er statt he gefunden. Dagegen aber ist die Consonantengemination,
wie sie im Braunschweigischen Dialecte so häufig auftritt, fast gänz-
lich gemieden; mek und dek heisst es nie, sondern stets mi und di,
genug — im grossen und ganzen ist diese Übersetzung als ein hervor-
ragendes Document des reinen Mnd. zu schätzen und dass die Ver-
fasser nicht am Druckorte zu suchen sind, glaube ich mit Sicherheit
annehmen zu diirfen; aber wo ihre Heimat ist. weiss ich nicht.
Dass die Übersetzung hin und wieder nicht recht verständlich
ist, darf man nicht der Sprache zur Last legen, sondern dem Texte,
dem sie folgte. Wenn es z. B. 1. Sam. 1, 20 heisst: Bo sprah Anna:
ick hjdde myn here, fettet here dyne sele. ick hyn dat icgff, dat hyr vor
dy stunl, so ist das ohne Sinn, aber richtig nach der Vulgata wieder-
gegeben: obsecro mi domine, vioit anima ttta domine, ego sunt Uli mulier.
Die Vulgata hat die hebräische Betheuerungsformel auch wörtlich
, wiedergegeben, aber dadurch für uns unverständlich gemacht; es
musste heisaen: so wahr deine Seele lebt, so gewiss wie du lebst.
I Luther hat deshalb diese und ähnliche Stellen so wiedergegeben: Ach,
|;«nein Herr, so wahr deine Seele lebt, und darnach auch Bugenhagen:
■ alse dync sele leuet. Ebenso ist die häufig wiederkehrende
rTerwiinschungaformel: dat do mg god unde legge mi to hope; dat do
f i^ got unde legge dy dat to; dat do my god vnde dat voge he my to
wörtlich nach der Vulgata: haec mihi fuciat deus et haec addat, was
I
114
ein Hebraismus ist für: so soll mir Gott tliun und so soll er fort-
fahren d. h. immerfort thun, wenn etc. Luther hat den Hebraismus
getilgt und gesagt: Her Herr thue mir dies und das; und so auch
Bugenhagen: god do my dith unde dnth. Dass nicht auch wirkliche
Übersetzungsfehler vorkommen , soll nicht geleugnet werden; diese
gehen uns aber hier nichts an.
Zuweilen fehlt den Übersetzern der deutsche Ausdruck, dann
lassen sie ruhig den lateinischen stehen z. B. Ruth 2, 14 undc makede
ene polenten (ei congessU polentam); Luther: er legete ihr aber Sangen
vor. Da dies Wort aber den Niederdeutschen nicht bekannt war,
setzte Bugenhagen: he lede er oversl vorsengede are vor, richtig nach
dem hebräischen Texte, denn ,QaIi' bedeutet geröstetes Getreide.
Ferner bleibt bei den Halberstädtern Matth. 27, 54 ruhig centurio
stehen, als wenn es ein Eigenname wäre (unde centurio viide de dar
mit om wercti, de dar hehodden Jesuni, do se segen etc.). Luther hat
übrigens auch dasselbe gcthan an einigen Stellen z. B. 3. Mos. 1],
wo die verschiedenen reinen und unreinen Thiere aufge>;äblt werden,
die als Speise genossen oder nicht genossen werden dürfen: da heisst
es z. B. V. 22: „Von demselben möget ihr essen, als da ist Arbe mit
seiner Art und Selaam mit seiner Art und Harpol und Hagab mit
seiner Art." Und so auch Bugenhagen. Dabei steht aber die G-Iossl«:
Desse mer deerte synt in vnsen landen nicht, tco wol gemenliken Arie
Wide Hagab vor housprinkeu geholden werden, de oclc veervotige vogd
sint, ouerst ydt ys gewisser desse ebräsche name» to bruketide alse «y
(mit.) alleluja unde ander fromden spraken namen dohn. Die Halber-
städter folgt ganz der Vulgata; wie diese zwei bekannte Thiernamen
setzt bruciis und locusta, so übersetzt sie diese richtig mit heueren und
howsiirenken ; die beiden andern unbekannten Thiernamen attacus und
ophiomachus liUst sie stehen, nur dass sie ciihacus hat statt attacas,
was am Ende nur einer von den Druckfehlern sein wird, deren sie
nicht entbehrt. Ebenso stehen einige Namen der unreinen Vögel
5, Mos. 14 unverändert in lateinischer Sprache z. B. nlietus, ix(i)on,
larus, porphgria, wo Luther deutsche Namen hat. Ebenso lässt Luther
Jcs. 13, 20 die Zihim und Obim des hebr. Textes stehen und nur in
der Glosse heisst es, dass erstere wahrscheinlich allerlei wilde vier-
___) Thiere, die letzteren allerlei wilde Vögel seien.
Es war für die Verleger und Verfasser dieser Übersetzung sicher-
liuh ein Unglück, dass Luther mit der seinigen eine so durchschlagende
Wirkung hatte, dass die ihrige in den Winkel gestellt werden musste,
aber wir können ihnen nur dankbar sein, denn die Wichtigkeit ihrer
Arbeit für die Sprache ist evident und ich habe mich deshalb für
das Mnd. Wh. die Mühe nicht verdriessen lassen, sie vom ersten
Capitel Moses bis zum letzten der Odenbarung Johannis durchzulesen
und lexikalisch zu verwertben.
Nachfuge zu S. 112, Z. 20. Ich füge noch hinzu, dass auch
die Nürnberger Bibel von 1483 {gedruckt bei Koburger), und die
115
Augsburger vnn 1480 und 1490 dasselbe Epiphonem haben wie die
Augsburger von 1477, nur noch erweitert. Es lautet nemlich: Viß
dureiilatchtigist werck der gantzcn heyligen gesckrifft, geturnt die bibel
für alle ander vorgetrücket deutsch bilden lauterer, cüirer vnd tvarer nach
reckler gemegner teutscli mit hohem vnd großem vleyß gegen dem latey-
nischcn tcxt gerechtuerdigt, vnderschiälich puntAirt^ mit vbersehrifften
heg dem megsten legi der capilel vnd psalm ircn tnhalt vnd vrsach a}i-
£aggtnde vnd mit schonen figuren dg hgstorien bedudende hat hie ein
ende. Diese fast wörtliche tibereiostimmung ist, glaube ich, ein hin-
reichender Beweis, daas dem Übersetzer der Halberstädtischen Bibel
eine der letzteren Bibeln bekannt gewesen sein muss. Oder ist das
ganite Epiphonem nur eine Zuthat des Druckers, der es den ober-
deutscheu Bibeln nachgedruckt hat ?
OLDENBURG. A. Lübben.
Die Hamburgisehen Opern
in Beziehung auT
ihre niederdeutschen Bestandtheile.
Bey den OjierSp'icien iibeu sich teutsche
Lüutc, man i^ubrnucbt die teutsche Mutter-
S|>raclie, teutschen Umgang und Wandel . . .
Und diesea gehöret mit zum 7. weck der Operen,
nemlich dass sie gehalten werden zu gezie-
mender Ergetzlichkeit der Geniübt«r,
Uiarich Etmenhoret, Bramatologia 1G88.
So fiele unansehnliche, ja, ich dürffte fast
sagnn, unwUrdige Chartecicen werden in den
gelehrten Journalen oder Tag ■Registern an-
gefuhret, receusirt, und mit Lob-Sprüchen
erhoben ; ohne daes ich mich au erinnern
wüste, ob jemahls eine rechte 0|)er wilre
untemucbt, oder in ibr wahres Licht gcstellet
worden. Ges<!hllbe dieses, so bliche ofTt viel
garstiges Zeug zu Hause ; und würde maneher
geschickter Kopff, zur Ausarbeilung Tugend-
imd Lehrreicher Schauspiele, angefrlschet.
Aber da ist eine altgemeine Pause: nicht
anders, als gehOrte die Sache gar nicht, weder
zur Gelchraamkeit, noch zum gemeinen Wesen,
Mattheson, Der Musicalische Patriot 1728.
Hamburg geniesst den Ruhm, die erste stehende deutsche Oper
Msessen zu haben. Eine Gesellschaft angesehener und begüterter
S,nner, an ihrer Spitze der Licentiat beider Rechte und nachmahge
lathsherr Gerhard Schott, trat Ui77 zusammen, erbaute auf dem
116
Gänsem&rkte an der Alsterseite ein eigenes Theater, welches Barthold
Feind das weitläufigste seiner Zeit nennt, und eröffnete es am zweiten
Januar 1G78 mit einem biblischen Singspiele: „Der erschaffene, ge-
fallene und aufgerichtete . Mensch". Diese geistliche Materie ward
augenscheinlich gewählt, um die Hamburgiscben Pastoren zu beruhigen
und zu versöhnen, denn nur mit dem grössten Widerstreben hatten
dieselben sich dem Beschlüsse des Senates gefügt. Eine litterarisch
und musikalisch fruchtbare, äusserlich glanzvolle Periode brach an
und dauerte fast bis zur Mitte des achtzehnten Säculums, Wissen-
schaften, Künste und Handwerker fuhren wohl dabei, und Hamburg
machte sich, wie Mattbeson bemerkt, so ausnehmend mit guten Opern,
als mit guten Banken, denn diese nützen, jene ergötzen.
Geffcken, Lindiier, Chryaander u. a. haben mehr oder minder
angelegentlich Eschenburgs Mahnung (Lessings Kollektaneen. Berlin
1790. Bd. II, 224) befolgt: , Diese unsere älteren Singspiele, besonders
von Seiton der Subjekte, verdienen mehr Aufmerksamkeit als man
bisher darauf verwandt hat. Seihst das, was Hr. Wieland in seinen
Briefen über die Alceste hierüber sagte, scheint diese Aufmerksamkeit
nicht sehr angeregt zu haben." Niemand hat sich jedoch bis jetzt der
Mühe unterzogen, die gewaltige Zahl der Opern, über zweibundert-
undfünfzig '), auf ihre niederdeutschen Bestandtheite hin zu prüfen.
Ich hoB'e keinen Undank zu ernten, wenn ich in dieser Betrachtung
das Eis breche und mit patriotischem Herzen zeige, welchen Einfliiss
die alte Sasseosprache sich hier nach und nach zu verschaffen wusste.
In chronologischer Reihenfolge sollen die ganz oder zum Theil
nd. Singspiele aufgezählt werden und durch getreue Wiedergabe ihres
Inhaltes für sich selber sprechen. Der verhältnissmassig geringe
Umfang des mir zu Oehote stehenden Raumes zwingt mich, in knap-
pester, aber, wie ich glaube, zuverlässiger und erschöpfender Weise
den nöthigen Kommentar einzuftechten. Dass dabei manch Neues zu
Tage kommt, liegt auf der Hitud. Mein Bestreben zielte darauf, ein
möglichst zusammenhängendes und anschauliches Bild zu entwerfen,
welches dem Kenner und Freunde der Hamburgischen Geschichte und
dtr niederdeutschen Sprachforschung einiges Interesse gewähren dürfte.
Nach sieben mageren Jahren (1678 — 1684) begannen für das
epochemachende Hamburgische Unternehmen die fetten Jahre. Die
Oper ruhte 1685 und wurde 1686 wieder eröffnet mit einem Stücke,
das sich die Gunst des Publikums im Sturm eroberte. Es ist zugleich
das erste, welches dem Dialekte hier den Weg über die Bretter bahnte.
') Die reiclihaltigste Summlung besitzen die Küaigl. Bibliothek zu Berlin (Eschea-
burg, Polchau, Jleyse), die Ilainburgiscbe Stadtblblioiliek (Mattbeson), die Groashers.-
Bibl in Weimar (Richey) und die fc. k. HofbibMotbek in Wien (Casielli); auch in
meinem PrivatbesiLse befindet sieb ein beträrbtlidber Theil der alten Opernlexle.
Wohin Scheilers Nacblass gekommen, konnte ich nicht ermitteln. Die Anfragen bei
allen grösseren Bibliotheken haben mir gezeigt, wie Eelicn die Exemplare geworden
sind. Besoaderer Dank fQr liebenüvUrdige Ifnteratiitzung meiner Nachforschungen
gebührt namentlich den Herren Qüldlin von Tic fenau- Wien, Köhler- Weimar, Milchiadt« ■ •
Wolfenbiiltel, Schnurr von Carolsfeld- Dresden und WoIÜier-Hamburg. ' "
117
1) Der Unglückliclie | CARÄ [ MUSTAPUA | Anderer Tlieil, |
FKebenst | Dem erfreulichen EntBatze der Käyserlichen | Residontz-
[fitadt I WIEN. — 0.0. M.i. 60S. 4". {Exemplare: Königl. Bibliothek
> Berlin [2]. Stadtbibliolhck Hamburg [3]. Grossherz, -Bibl. Weimar.
-. k. Hofbibl. Wien.)
Johann Muttheaon (geb, 2S. Sept. IßSI zu Hamburg, gest.
17. April 1764 daselbst) setzt in seinem Werke „Der Musicahsche
Patriot" (Hamburg 1728) dieses Stück in das Jahr 1686; offenbar
mit Recht, denn unter den früher aufgeführten Singspielen steht es
nicht verzeichnet, und Anno 1687, als von den Fakultäten zu Witten-
berg und Rostock responsa pro legitimatione der Opern eingeholt
wurden, fand Cara Mustapha Widerspruch nt puncto pii et houesti.
Auch der erste, ganz hochdeutsche Theil (von beiden erschienen
drei Ausgaben, ohne Ort, Drucker und Jahr) ist nicht datiert. Die
Musik schrieb der Komponist Franck, die Poesie der damalige Advokat
Dr. iur. Lucas von Boatel (geb. 11. Oct. 1049 zu Hamburg, gest.
14. Juli 1716 daselbst), welcher bereits mehrere Texte verfasst hatte.
Nach seiner 1687 erfolgten Wahl zum Syndikus widmete er seine
Mussestunden nicht ferner dem Theater; aber sowol in dieser einfluss-
reichen Stellung als auch später nach seiner Ernennung zum Bürger-
meister (1709) trug er der vaterstädtischen Bühne stets dasselbe
warme Interesse entgegen und erneuerte und verbesserte seinen
„Croesua" noch 1711. Ihm gebührt das Verdienst, zuerst die nieder-
deutsche Sprache in einer Hamburgischen Oper gepflegt zu haben.
Seine Liebe zur heimischen Mundart bezeugt auch der Umstand, dass
»er Boileaus Satiren ins Niederdeutsche übertrug; indess ist diese
rUeb er Setzung nie gedruckt worden.
1 Als lustige Person tritt Barac, des Grossveziers kurzweiliger
E^Diener, auf. Bostel vertheidigt in seinem Vorbericht das Vorhanden-
sein dieses Narren, den Splitterrichtern gegenüber, welche an dessen
Spüssen den schwersten Anstoss nehmen möchten. Er habe die Ab-
sicht gehabt, „weil Lehr- und Dencksprüche denen Dienern und ge-
ringen Leuten in Schau-Spielen nicht anständig, dennoch aothane
Personen, deren man nicht entbehren kan, durch fiafyrische Schertz-
reden zu einiger Nutzbarkeit fähig zu machen, und die heimlichen
Laster, oder sonst in der Welt im schwänge gehende Missbrüncbe,
durch hönische Auffziehung zu Verbesserung der Sitten, zu entdecken,
und durchzuhecheln." Uebrigens unterscheidet sich Barac von dem
altbeliebten Pickelhäring in nichts. Er ist ebenso dreist und wenig
gottesfürchtig, ebenso witzig und unmoralisch wie dieser gemeiniglich;
[ aber aus seinem Munde höreu wir das erste niederdeutsche Lied,
welches in einer Hamburgischen Oper vorkommt, das erste nieder-
I- deutsche Couplet überhaupt mit charakteristischem Refrain.
Des „Andern Theils Andere Abhandlung" zeigt den Zuschauern das
I' türkische Lager, vorn Ibrahims Zelt. Es bleibt Nacht. Cara Mustapha
lljegiebt sich auf die Buhlschaft, zur schiinen Baschalari, des Sultans
I Schwester und Ibrahims Ehgemahlin. Barac halt für seinen Herrn Wache :
118
ES scheinet, SeltJU kennt das Erant,
Und weiss, dass man nicht nur zu Buxtehud' allein
An der Erfahrung schaut,
Wie Weiher oift der Männer Meister seyn,
Nun, dem sey wie ihm woll',
Ich soll hie jetzund wachen.
Da ich hin mild', und Schlaffes voll.
Ich weiss nichts hesseres zu machen.
Als dass ich mich hieher ein wenig niedersetze.
Mit Singen meinen Schlaff vertreih', und mich ergetze.
ARIA.
1. 3.
Wer sik up dat Water gifft, Wen de Frauw tho jedertydt
Und nich versteit den Wind, Sick na der modc fleyt,
Wehn de Lust tho Freyen drifft, Immer uth dem Finster stith,
Ehr he sik recht hesint, (Ifft uth-schlickfegen geyt.
De ward gar hald, doch veel tho laet, Dartho ook Hoet und Büxen drigt,
Berouen sine dumme Daet, De Mann nich gnoeg tho eten krigt,
Und jammerliken klagen, Wo ward Jan Gatt den klagen.
Och, wo hin ick hedrageu! Och, wo hin ick hedragen!
2. 4.
Iss et nich genoeg hekant Wen de Frauw, da woer een Frttnd
Watt öffters vor Vordreet Bym Mann tho Gaste kummt.
Mit sick hringt de Echte-Stand, Ehm dat dröge Brodt nich günt,
Wo mennig Mann drinn schweet, Den gantzen Dag drum hrummt,
Dat he de kolde Pisse krigt Und wil de Mann siüffst gähn tho Beer,
Wenn ein Xnutippc plaegt so dicht Vcrschlut de Doer, dat Geld, de Kleer.
Dat he sick mut heklagen, Wo mut Mass-Pump den
Och, wo bin ick hedragen! schiäffet ein.
Diese vier Strophen sind die ersten, welche auf dem Schauplatze
am Gänsemarkt in niedersächsischer Sprache gesungen wurden. Schon
deshalb hat der Türke Barac die Unsterblichkeit verdient, wie Chry-
sander (Allgemeine Musikalische Zeitung, 1878. No. 20. Sp. 307)
humoristisch bemerkt. Seit länger als dieissig Jahren hatten die
Hamburger ihre Mutterlaute nicht mehr von der Bühne vernommen.
Nach dem Tode von Johann Rist, dem Vater des Hamburgischen
Singspiels, der in seiner Tragödie „Das Friedejauchtzende Teutsch-
land** (1653) den Dialekt im Liede mit Glück kultivierte, war das
Niederdeutsche hier verstummt. Lucas von Bostel trat in dessen
Fussstapfen, und ihm folgte darin Christian Heinrich Postel, ein
für die damahge Zeit bedeutender Dichter. Unter seinen zahlreichen
Opern kommt für uns in Betracht:
2) Der Mächtige Monarch | Der Perser | XERXES, \ IN
ABIDUS. I In I Einem Sing-Spiel | vorgestellet. | 1689. — o. 0. 34 Bl.
4^ Neu aufgelegt: 1692. — o. 0. 32 Bl. 4<>. (Exemplare: Berlin
[1692]. Hamburg [1689. 1692]. Weimar [1689].* Wien [1689]. Alb.
Cohn, Katalog CXLV. Berlin 1882 [1692].)
Gottsched (Nöthiger Vorrath I, 252) citiert beide Drucke, setzt
aber nur vor den letzteren sein Sternchen. Goedeke (Grundriss
119
§ 198. No. 386) schreibt fälschlich 1688. Der Verfasser des von
Förtsch komponierten Textes, Christian Heinrich Postel, (geb. 11. Oct.
1658 zu Freiberg im Lande Hadeln, gest. 22. März 1705 in Hamburg)
war, wie Bostel, Jurist und hatte sich in Hamburg als Licentiat
beider Rechte zur advokatorischen Praxis niedergelassen. Das ur-
wüchsige Talent dieses gelehrten Poeten hat im „Xerxes^ einen italie-
nischen StofiP äusserst geschickt verwerthet, allein ^nicht allemahl sich
an die Worte, damit es nicht gezwungen heraus käme, sondern nur
an die Erfindung gebunden, auch nach dem genio loci ein und andere
honnetes plaifanterien hinzu gefüget." Das bezieht sich hauptsächlich
auf die theilweise niederdeutschen Scenen.
Amestris, Tochter des Ottanes, Königs von Susa, zuletzt Xerxes'
Gemahlin, hat in Mannskleidern sich nach Abidus begeben, wo sie
von der Leidenschaft des Xerxes zur Tochter des Fürsten Ariodates,
Romilda, erfährt. Letztere jedoch, wie auch ihre jüngere Schwester
Adelanta, sind in Xerxes' Bruder Arsamenes verliebt, der seinerseits
um Romildas Hand wirbt. Um mit ihr heimlich zusammenzutreffen,
lässt er seinen Diener Elvirus sich verkleiden und schickt ihn als
Liebesboten ab.
Der ^Andren Handlung Erster Aufftritt" zaubert uns den König-
lichen Saal vor Augen. Amestris hat eben eine Arie gesungen, da
tritt Elvirus auf, ^verkleidet in ein Gärtner-Mädgen, das Bluhmen
feil hat". Die dralle Vierländerin preist ihre duftige Waare aller-
liebst an:
Köep ji nich Blohmen uu Kückelbüsch?
Ey kämet un köepet, se rückt so schön,
Ji könt se tosamen ümsüust besehu.
Ick heb se erst plücket, se sunt noch frisck,
Köep ji nich Blohmen un Rtickelbüsck?
Amesir, weh! wer komt? wie soll ich mich verbalen?
Er stehet still. Elvir. So gehets auff dieser Erden,
Weü sich Elvir gern rc/>w//rlich hallt,
Doch aber nicht mag stehlen,
Mnss er, weils Arsamen gefällt,
Zum Kupier werden.
Doch, fiat üms Geld.
(Er setzet sich und seinen Korb nieder, und breitet
die Bluhmen aus.)
Aria,
1.
Wat maket doch de Friery
In düsser Welt vor Töge,
Den jungen ist een Leffely,
Den ohlen ist een Höge,
De Amm friet gern, de Ltttke-Magd
Dat Fryen ock nich quat behagt,
De Fruw mag noch so kieven,
De Köcksche let't nich bliveu.
2.
Vor düssen wort de Jögd vermahnt
In Ttichten un in Ehren,
Nu wät't se all wor David wahut,
Man dröft jem nich mehr lehren.
Se sunt so kloock, man schult nich löfu,
Jüm growt se möet to lange tövu.
Se lat^t an allen Wareken
Sick Näse-wies vermarcken.
120
3.
4.
Se Btaht des Avens vor der Döhr,
Se schlentem na der Böhrse,
(0 bleven se to Huuss darvöhr
Un seten up dem )
Wat schall man dohn, se wilt nich hörn,
De Ohlen mögt vermahnen, lehren;
Se latet doch nich blieven,
Wiel't andre mehr so drieven.
Dat junge Volck is na so schlim,
Se könt de Kunst to samen.
Se dröfft bie miner Trüw darum
Nich in de Opern kamen.
Jim deent de Hoff de Trummel-Saal.
Un woll kan even op eenmahl!
Verteilen wat se spählen,
Wenn se sick dar weg stählen.
Wenn diesen Brief, der hierin ist verborgen,
Der König solte sehn, düfft ich nicht sorgen
Vor einen Fist zum Boten-Lohn.
Ämcstr, (Was redet er vom König?) Eli\ Arsamen
Dem gut^n Kerl mag nur der appeiit vergehn.
Der König nimt sie doch zur Fraue. Ampstr. (Der König?
Zur Fraue? weh! was muss ich hören?) . . .
Verrähter! Eli\ wer da? Hier wil es schären.
Köp ji nich Blomen un Eückelbüsck?
Kein Mensch ist da, und hör Verrähter schreyen.
Es deucht mir auch vielleicht. AnieMr, Heist dieses lieben,
Du falscher Xerxes! Elv. Was? Ich zittre noch.
Ameatr, Ist diss der Lohn vor mich getreuen?
Hör Mädgen! Elv, (Au, nun steck ich schon im Loch!)
Köp ji nich Blohmen un Bückelbüsck,
Ick heb se erst plücket, se sunt noch frisck. (wil gehn.)
Ämestr. Hör hier! steh still. Elv. Wat is dat em beleefft
Moussu! gefalt em düt, wo nich, so töfft.
Hier heb ick mehrerley. Amestr. Nein, deine Sachen
Verlang ich nicht, nur sage doch,
Ich höre, dass der König werde freyen,
Mit welcher er wird Hochzeit machen.
Elcir. Ey mit Verlöff! wat geit doch juw dat an?
Amestr, Ein Frembdling pflegt nach allem gern zu fragen.
Elvir, Ja so! So hört: De Heer van düsser Stadt
Is Xerx^Ji Knecht, doch nich van sülcker Arth
De em de Schoo putzt, un wenn he uhtfaherth
Vor up der Kutschen staht. De heet mit Ehren
En Dochter, de Romilde heet, en Deeren,
De so geschickt, so schmuck, so glat,
Dat ick't nich noch beschrieven kan.
Mit dttsser wult de König wol ins wagen.
Am4*Mr, Sag ist Romilden Gunst denn auch auff ihn
Gericht. Elv. 0! ne up Juncker Arsemin,
Des Köhnigs Brohr. Amestr. Und dieser hat geschrieben
Vielleicht an sie. Elrir. (Nun ist nicht länger zu verziehen.)
Köp ji nich Blohmen un Eückelbüsck. (geht ab.)
Anderer Aufiftritt.
Elvi r US, Clf'tus (der Kamilden Edelknabe).
Eh\ DEn bin ich loss. Doch ach! komt Clitws nicht.
Der lose Schelm, furcht ich, kent mein Gesicht,
Köep ji nich Blohmen un Bückelbüsck.
Elv.
Sieh ila ein artigs BAner-Hädgen ?
Hör Änchen, Liessgen, (iretgen, Kätgeii'.
Wie du auch heiet, steh still; Was bastn da?
Wie thener ein littbscliea Sträusschcn. Kh\ Wat in ilat,
Ed Sträugschen kenn' ick nich. CHI. Das mnss ich lacheu.
Dies ist ein ^tränaschen, Elv. Ne, dat is
En BBckelbusck. Den wil ick jaw verehren.
So sey liedanekt . . . liebes Kind,
Ey kiiss mich eins. Elr. Weg, kamt mie nich tho nah.
Vorwahr ick doet nich. f'lil. Kan dich« beschweren.
Wenn man dich liebt. Elv. De Wörde sttnd wol gUt,
Doch ia't jnw lang nin Ernst. CHI. Kom nur geschwind,
Du Bolt den Ernst erfahren. Elr. Ne, ne, ick gah.
So kflss mich dann. Elr. Wenn dat de Lüde segen,
Wat wuln ae seggen? ''lit. Dran ist nichts gelegen.
Nähmt düsse Rus' un gabt. . . . /Clllu.i geht ab,)
Dritter Aufftritt.
AilflaiUp, Elririis.
Elr. KOmt da nicht ArkUniln her! . . .
Kitep ji nich Itlohmen an BUckelbUsck,
Ick heb se erst plöcket, sc afind noch frisck.
AM. Kom hier, lass sehn, was liaatu denn vor Öachen,
Vielleicht kan eine Blum mir Freude machen.
Eh: Se sßck wat er beleefft. Adel. Sind Bösen da
Und auch Ja-xmiii? EU'. ja. ...
Ailtl. Hastu Lanrir and Mj-rthen? lass mir sehn.
Elv. Ja Junffer seht, recht frisch nn grühn. . . .
Ey hört doch ins, (Ihr kan ich mich vertrauen)
Kenn ji mie wol? Aiif.1. Wer histn denn? Lass schauen,
Wiel bista nicht £*/«>? .ff/»'. Zn ihrem Dienst. Adfl. Saga
Wie wagstn dis? Elv. Hir hab ich ein Papier,
Das schickt mein Herr Romiiden. Adel. Gib es mir , , .
Der König kumt, geh fort Eh-lr.
Eli: Köep ji nich Blohmen un RückelbUaok. (geht ab.)
Der Charakter und die Individualität eines Viertander Blumen-
tnädchens ist in diesen munteren Scenen sehr gut durchgeführt. Das
niederdeutsche Lied „Wat maket doch de Friery In diisser Welt vor
Töge" muas vielen Beifall erlangt haben, wie auch daa übrige Beiwerk.
Aber je mehr Beifall — bo äussert sich Chrysander (a, o, 0. No. 21.
Sp. 328) — diese billigen Scherze fanden, um so schlimmer war es
für die beimische Bühne, weil sie dabei niemals auf einen reinen
Grund kommen konnte. Nun, Chrysander, der gelehrte Musikkritiker
und Händelbiograph, mag von seinem Standpunkte aus Recht haben;
anders urtheilt der Sprachforscher und Litterarhistoriker, Ihm
erscheint speziell die Figur des Elvirus voll hübscher Züge, die
Wiederholung der Frage „Köep ji nich Blobmen un Rückelbüsck"
glücklich und dramatisch, wie denn die niederdeutsche Einlage zur
CTj„i„i — T jgj. Handlung nicht wenig beiträgt. Geradezu falsch und
b aber klingt das, was Ernst Otto Lindner (Die erste stehende
122
Deutsche Oper. Berlin 1855. S. 54) behauptet: ^Postel ging noch
einen Schritt weiter und brachte zum ersten Male auch Lieder in
hamburger Mundart hinein, wie sie auf die Gassen und in die Kneipe,
nicht aber auf die Bühne gehörten. Aber man vertrug eine Portion
Derbheit und Gemeinheit, die in Staunen setzen." Noch mehr muss
dieses Urtheil in Staunen setzen. Lindner weiss nicht, dass Bostel
hier zuerst die niederdeutsche Sprache einführte, und dass in Elvirus'
niederdeutschen Liedern und Reden auch nicht ein ernstlich anstössiges
Wort vorkommt (oder rechnet er etwa die Gedankenstriche in Strophe 4
dazu?). Vielmehr findet sich manch poetische Wendung, die gleich-
sam einen Wohlgeruch ausströmt wie des Gärtnermädchens „Rückel-
büsck". Dass sonst viel Derbes und Rohes gerade in den nieder-
deutschen Scenen der Hamburgischen Singspiele uns entgegentritt,
läugne ich durchaus nicht; ja ich freue mich, dass dies der Fall:
nicht aus innerem Behagen, sondern aus sprachlichem und kultur-
historischem Interesse.
Die nächste Oper, welche sich dem Dialekt nicht ganz verschliesst,
stammt aus dem Jahre 1694.
3) PYRAMUS I Und
Liebe, | In einem | Singe-Spiel
Im Jahr 1694. — o. 0. 24 Bl. 4^ (Exemplare: Berlin. Hamburg.
Weimar. Wien.)
Der Text dieses von Job. Sigmund Kusser in Musik gesetzten
Stückes rührt von ;,Ihro Excellenz dem weitberühmten Herrn Kaht
Schröder", einem reichen und angesehenen Mäcen, her, wie Barthold
Feind (Straffende Trost-Schrifift . . An Feustking. 1705. S. 5) be-
richtet. Auf die wunderbare Behandlung der alten Ovidischen Fabel
kann hier nicht eingegangen werden ; das wird in meiner Studie „Die
Pyramus- und Thisbe-Sage im deutschen Lied und Drama** nach-
geholt. Nur so viel sei erwähnt, dass die Himmelfahrt des Baby-
lonischen Liebespaares einzig in ihrer Art ist und wol geeignet, dem
Zwecke des Dichters, alle Jünglinge und Jungfrauen vor unzulässiger
Liebe zu warnen, ein Schnippchen zu schlagen. Der sogenannte Rath
Schröder verfasste die Historie, damit sie ^auff dem Hamburgischen
Schau- TAm^ro fürgestellet werde", doch scheint eine Aufführung nicht
Statt gefunden zu haben.
Colbo, die lustige Person des Spiels und Pyramus' Diener, ist
natürlich von Geburt ein Niedersachse. Er singt (I, 6):
THISBE, ' Getreue und fest-verbundene
vorgestellet. | Entworflfen von | C. S. CP. |
1.
Wat is in der Welt up Erdeu
Soeter ass de Leffeley,
Averst mau liört aller Oerden,
Dat dat \j J is ass Brey.
(Leven) "^
Heet as Fuer, Heer lövet my,
Dar sunt dusend Sorgen by.
2.
Erstlick mut men sick fin bögen,
Gähn hen na der söten Brut,
Und den Stert Allmodisch rögen,
Sprecken harten wacker Trut,
Un wenn man dat hefft gedahn,
Leth se en denn noch wol stahu.
Siidlicli ileon oti langen Ticdeii,
Wenn niiin jym ina weililer fragt,
Hefft man njcli mehr so veel Brüden.
Wenn id jjni ilenn HÜlffHt behagl,
Krigt man se veel ehr darby,
By de soete Cimrtos.v.
Meda, das scheine „Karamer-Mäuachen", hat's dem lockeren GesBllen
besonders angethan. Er ist rein vernarrt in ihre hübsche Larve,
küsst sie und singt (II, 3):
Jy wart by juw sttlffst erfahren,
Wenn man ae Bo lefflick strackt,
Lat«n se aick endlick paaren.
Weth jy averst wat dat mackt?
Dat. se holt so harh den Stert,
Hefft se van der Moder lehrt.
Ey ilnt iichmeckt so si
Ja ick bün en f'olixnii.
De dat Schnäbeln ardig kan
TJn darby en goden Sihlucker,
Lövet my by miner trnu
Ick hol veel van Lüffelee
Zaeker, Ick niut et nouli en mal wagen,
Denn et flobmeckt ferwahr so söet
Ais gehraden Lfimmer Füet,
Twart dy sülffst ock wol behagen.
Drum holt my dien Münilken still
Wenn ick dy ins pipen wil.
Das erinnert lebhaft an die Episode in Gabriel Rollenhagens Amantes
amentes (II, 2), wo Haus, wahrend er seine Aleke herzet, ausruft:
Ha bu dat acbm ecket so rechte s'iit«
Alse Klumpe vud schwineävojte.
Man sieht, der (jesohmack von 1694 war noch just derselbe wie
Anno 1G09.
Zehn Jahre verstrichen, bis das Hamburger Platt in einem neuen
Stücke auf dein Theater am Gänsemurkto wieder in sein Recht trat.
Inzwischen war Schott, „der grosse I'an", gestorben (1702). Am
20. October 1704 ging zur Eröffnung der Bühne Matthesous vierte
Oper in Scene.
4) Die betrogene J Staats-Liebe, I Oder | Die Un glückselige |
CLEOPATRA | Königin von Egypten, | In einem | Singe-Spiel | Auf ,
Dem Hamburgischen | Schau Platz | vorgeslellet. | HAMBURG, Ge-
druckt bey seel. Nicolaus Spieringks | nachgelassene Wittwe, 1704. —
30 El. 4". (Exemplare: Berlin [2] Hamburg [diese Ausgabe und
eine zweite ,ohne die Schornsteinfegerscene" , gleichfalls Hamburg
1704]. Weimar. Wien, Cohn, Katal. CXLV.)
Die Poesie ist von Friedrich Christian Feustking (geb. um
1678 zu Stellau bei Itzehoe, gest. 3, Febr, 1739 als Pastor zu Tolk
in Schleswig), der namentlich in Dercetaeus, einem freigelassenen
Knecht des Antonius, eine charakteristische Figur schuf. Seine Be-
obachtung, dass im Ehestand sich die Weiber gar nicht schämen, die
Herrschaft alsobald durch Schmeicheln oder mit Gewalt den Männern
wegzunehmen, kleidet der lustige Diener in folgendes Lied ein (II, 8):
Wat etellt sich doi^i en Deren
Vertwifelt hillig anV
Un kamt se eerst thum Manu,
So will se stracks regeren :
Du beet et bald: Du arme Blut,
Nunm du de Schilrt, giff my den Hot
Ick willt in allen Sahen
Et uht der Wyae maken.
Da luhnt, da branimt dal Marmeldeert,
Und prilhnt de Nasa, nud ilreit iea
Steert,
Fiiiigt eatlick an thu bellen,
Dat cm de Obren gelleii.
4.
Daritm so ist am besten
Dat mau so deit als ick,
Un sick fin aü verlieh
EutliuUt van snlken Gästen,
Erst sunt ae aller Frambeit villi,'
Herna so warrt ae spletter dnll,
l'n willt den Mann wat brUden,
Dat mug Je Veiten liden.
I
Da geit et an thuin miLkelu,
Da ig bald dit, bald dat.
De Krancket weht nich wat,
Daräver ae nraht kekelnl
Da ia dat Abb so Siijier-kkik,
Dat ok des Mannes Prük iin Bruk
Vor eren Schnack nn Kiven
Nich anvexert kan bliven,
3.
8e gifPt iip sine Gänge
Mit Argus-Ogen acht,
Und kriggt se man Verdacht,
So is dat Hnss tho enge.
Von grösserer Bedeutung für die niederdeutsche Sprache ist
eine Andere Oper, welche Leasing in seinen KoUektaneen zur Litteratur
{Bd. II, 219) gerade deswegen hervorhebt, nämlich
5) Der Angenehme j Betrug, | Oder; | Der | GARNEVAL \ Von!
VENEDIG. I In einem | Sing-Spiele auf dem grossen | Haraburgischen
Schau-Platze | vorgeslellet. 1 Im Jahr 1707. — 24 Bl. 4". Wieder
aufgelegt: Hamburg, gedrufkt bey Conrad Friderich Greflingero, 1711.
— 24 Bl. 4**; HAMBURCi, gedruckt bej Fridench Conrad Greflingern,
1716. — 24 Bl, 4°; Im Jahr 1723, HAMBURG, gedruckt bey Caspar
Jakhel. — 22 Bl. 4"; Im Jahr 1731. Gedruckt mit Stromeriscben
Öchrifften. — 22 Bl. 4. (Exemplare: Berlin [alle Drucke, ausgenommen
1716; 1723 Doublette]. Göttingen [1707], Hamburg [1707, in zwei
verschiedenen Drucken. 1711, zweimal 1716, 1723, 1731]. Univ.-
Bibl. München [fehlt das untere Stück des Titelblattes, mit Druckort
u. Jahr]. Wien [1707, 1723]. Cohn, Katal, CXLV. [1707, 1716, 1723]
u. in meiner Sammlung [1723])
Gottsched (Nöthiger Vorrath I, 283) citiert eine Ausgabe Leipzig.
0. M. 1709 und fügt (II, 266) hinzu: wurde bey -solenner Begehung
des dritten Jubel-P'estes der weltberühmten Universität Leipzig auf
dem daselbst befindlichen Theatro vorgestellet in einer Opera. Ge-
druckt im Jahr 1709. 4, Ferner besagt der Katalog der Königl,
Bibliothek Berlin: zuerst gedruckt 1705, 4", doch geht aus der Vor-
rede von 1707 nicht hervor, dass schon ein früherer Druck ver-
anstaltet worden. Noch 1731 wurde das Stück in Hamburg gespielt,
ein Beweis für dessen Beliebtheit und Unverwüstlichkeit. Dieser Er-
folg ist unstreitig in erater Linie den originellen niederdeutschen
Episoden zuzuschreiben. Lessing bemerkt eigens: kommt auch eine
Trientje, ein niedersÜchsisches Dienstmädchen, vor, welches in diesem
Dialekte verschiedene Scenen hat, und Lieder singt.
Die Musik rührt von Keiser und Graupner her, die Verse sind
(nach Mattheson) von Meister und C u n o. Letzterer, „Maurilz" mit
Vornamen, starb als Cussirer hei der Hamburgischen Bank den 1. Mai
1712, über Meisters Lebenslauf ist nichts überliefert. Vielfach gilt
Barthold Feind als Verfasser; er steht als solcher u. a. im Kataloge
185
I
I
I
I
der KÖoigl. Bibliothek Berlin eiogetrageD, ebeofalls bei Albert Cobn
a. a. 0. Doch mit Unrecht. Feind äussert sich in seinen Gedanken
von der Oper (Deutsche Gedichte 17U8. S. 103 f.) sehr entschieden
gegen die sogenannte lustige Person: „In Hamburg ist die üble Ge-
wonheit eingerissen, dass man ohne Ärleclnn keine Opera auf deoi
Schauplatz luhret, welches warlich die grosseste f'aß'eß'c eines mauvais
göut und suhlechten Efprit des Äuditorii an den Tag leget. Was bey
der gantzen politen Welt für abgeschmackt und ridicul paffirel, findet
daselbst die grosseste Approbation: Wie man denn erst neulich im
verwichenen Jahr, eine Opera, le Carneml de Venife benahmt, prte-
fetiiiret, von so abfurden Zeug und abgeschmackten Fratzen, dass sie
fast eine Peter-Squentz-O^rra kan genannt werden. Man könte auch
nichts einfältigevs ersinnen. Dennoch hat das Sa/'et eine so allgemeine
Approbatioti und Zulauff gehabt, dass es fast unglaublich. Die Brauer-
Knechte selber musten ihr Geld dabin tragen, darum kan man wol
gedencken, dass dieses Venedische Carnevall nicht le Carneval de
Venife sey, so in Franckreich pr/pfentiret worden." Hieraus erhellt
einerseits, dass Feind unmügÜch der Autor sein kann, und anderer-
seits, dass erst 1707 das Stück an die Otffentlichkeit trat, und nicht
schon 1705.
Die vier Dialektrotlt^n sind :
Trintje., ein Nieder-Sächsisches Mädgen.
Sevfrin, ein atter Nieder-SächBiacher Jubilirer.
Jan, ein Oatindien-Fahrer.
Anna, Severins Schwester (fehlt im Personenregister der Drucke
1707 nnd 1711).
Trintje eröffnet den achten Auftritt der dritten Handlung mit
einer Arie, in welcher sie nach dem Vorbilde von Laureraberg den
Luxus und die Kleiderpracht durchhechelt, sich über den geringen
Dienstlohn beklagt und die Einfachheit der „guten alten Zeit" lobt:
1.
WAt wart uds armen Deeren» soer
Timm Kost und Kleer to wlonen,
Gewisa man drillt ans up dee dner
Mit schüren, neyen, spinnen,
Dat Lohn ist hSuhstena därtich Marck,
Forwahr dat is een groten Quartk,
Doch thest ist, dat darneven
Noch Aixedeiilien geven.
2.
Dat Winachts, Brutstück, Umhangs- Gelt,
Dat mut uns noch wat bringen,
WUr dat ntch, so wDrt scblicht bestellt.
Wie wrirren kahl npspringen,
Dee Froens »Ull'st sQnt Dorheit fall,
Un krigt upstä so dulle Schrull,
Wie schillt 800 gaen'in TUeeren
Als off wie Jungfern weeren.
3.
Ick segg dat Lohn is man een Quarck,
Nu wy möt Huven drägen.
Van twiatig, ja van dOrtig Marck,
SUn wie nich angeftegen
So sUet nna nit^h een SlUngel an,
Wenn wie by nusen Jungfern gaen,
De Fmw segt gfllfst wat Farcken
Geit by my her tor Earcken.
4.
Wo glücklich was de olde Tidt
Do man drog wefde Kanten,
Nn geit dat gode Getdken qnit
Um knüppelt' Jn(7aBchant«n.
Ick furcht de Staat wart alto groot,
Deels wenn sie') freit bebt knhm dat Broot,
See seht mit Härtens Kummer,
Wo eer Tttch ftflcht uam Lämmer.
') Deel .
l 1723. 1731.
126
5.
Doo man noch freesen Röcke ^) droog, Nu äverst is et allto dull,
Nicks wu8t van Wems to snören, Veel Deerens sunt von Hoflfart füll,
Dat Lohn was achtein Marck genog, Tom Rock dregt see Scharlacken.
Man qnam do doch to Ehren, Un flickt Hemht np de Knaken.
Jan. Trintjc.
Jan, WEl Heive Trintjc knn hrrt ni/n
Dat ick üw Lief kan wesrn.
Trin. Nee, Jan löft my, ick hef gewiss
Min Deel all lang utlescn.
Aria.
Ick leef een goden Handwarcks-Mann,
Dat Lewen steit my heter an,
Jy laet de Fruwens fahren
Oft veele Maent yn Jahren.
Sererin, mit noch etlichen andern von seiner Nation.
Jan. Tiintjc.
Aria,
Sn\ Een Hesslik Wief un Slachter Block wart nümmer nich wegstahlen,
Sett man see Dag nn Nacht vor Döhr keen Minsk wart see weghalen,
3Ian hy een schöne dat iss war.
Dar lopt dat Older oft Gefahr,
Dat man wat kricht to dreegeu
Wat uns nich is gelegen.
2.
Gewiss det is een slimme Tydt
Upsteh een Frow to nehmen.
De Staat is groot, dat') Bmetschatt lütk,
Hernögst gifft w^at to grämen,
Dat Leewen wart uns gantz versolt,
Dee Jungfern sunt uu veel to stolt,
Deels nährt sick mit dee Nadel
Un kleedt sick als van Adel.
Ick nehm denn mine Trin, dee is noch twisken beyden,
Ick meen dee will ick recht na raynen Willen leiden.
Er win- Wat mackstu by Jan in de Mast?
cketTrin. Höd dy för düsse Gäste.
Düt is keen Mann de vor dy past,
Löf my ick söck diu beste,
Du weest ick hebb min Fruw up unse Reiss verlahren,
Wat dünckt dyV wulstu wol mit my die wedder pahren?
Twar schien ick wol wat olt,
Doch finn ick my tom freyen noch nicht kolt.
«) Schütze (Holsteinisches Idiotikon. Hamb. u. Altena 1800—1806. I, 386) :
Frees: Fries, grober Wollzeug. Freesenrok: Weiberrock, die ehmalige Tracht der
Hamb. Dienstmädchen. Klag der Hamb. Deerens v. 5 bemerkt schon den steigenden
Luxus. Und izt 1800 (etwa 80 Jahr später) ist das Scharlachtuch zu Seide und
Atlas geworden, und die 18 Mk. Lohn zu 18 Thaler und drüber! Und „izt"
1883?! — Tempora mutaotur . . .
•) de in den späteren Ausgaben,
127
Trin. Sinjor ey mit Verlöf, wil jy my wat fexeren?
Jy weet jo wat ick b3m, ick bin een arme Deren,
Darto im Dorp gebahren,
Ick hef min Geldern nich ins kennt,
Ick hef see froh verlahren.
Wo kun ick my dyt grote Glück inbillen.
Sei\ Hör Trin, rieht dy na minen Willen
Segg Ja, ick wet wovan du byst gebahren,
Din Vader het vor Coppltain tor See gefahren,
Hee is mit Schip und Goot versuncken,
Du barst een Broer, dee is ock mit verdruncken,
Dyn Vader heet Hans Stolt,
Du weerst kuhm twee Jahr olt
Do sturf din Moder vuU B^dröfniss nah.
Jaft, Myn Heer kan ick dit glooucn?
Sev, Ja, ja,
Jan, Wcl Trin, wk bin Hans Sf ölten Sofni,
Myn Vader da is doot,
Maer ick qiiam inet y?at Goodt noch eilt^) de. Nooty
Sal ick ü den als Brour nmi hier entmuten?
En ü myn Heer ai.s- niynen Swager yrutenV.
Trin, Wat is van Daag doch*) vor een glücklich Dag,
Worin ick eenen Broer un Leefsten finnen mag,
Ick bin vor Freud half doet, Sinjor da is min Hand,
Un ja, tom wahren Unterpandt.
Trin,) ä 2. Nuh bin ick recht vergnögt.
Sev.) Dewil det soo de Himmel f(*)gt.
Q^ (Tis nu keen Mode mehr sick sülfst to dode grehmen,
* '* Starft eene Fruw, mut man tom Trost de ander nehmen.)
Wy hebbt nu nich van hier to ylen,
Wy köhnt nu in Venedig wat verwilen,
Wy wilt in unse Dracht, hier Carneval mit holen.
Trin, (Wo glücklich waer ick sien, by minen rieken Oolen!)
Aria.
aparte. Wo will ick em strakeln, wo will ick em plegen,
Ick will em den Mantel (un Büdel) utfegen,
Heb ick erst sin Geldken, so mag he man starven,
So kan ick bijm Olden, een Jungen erwarven.
2.
Seht wo sick myn Oole kan strüwen un bögen.
Doch haap ick nich dat ick by emm will vcrdrögen,
Dat Marck is verschwunden, ick krig man dee Knaken,
Doch meen ick, ick will dar n(>ch Dahlers uthstAken.
Jan. Hier stah ick non, oi kyck altern.
Serer. Ne, Swager Jan, jy schölt ook sehn
Dat ick for juw wil sorgen,
Töft man bet morgen,
") uyt 1723. 1731.
') entmoeten . . groeten. 1723. 1731.
') fehlt in den späteren Drucken.
128
Ick hebb een Süster,
Tis wahr,
Se is ümtrent by negenfertig Jahr,
Eer Mann
(Jan maackt een hönsche Mine.)
Wo Jan
Treck jy dee Nüster?
See het van eeren Mann, wat wünscht dee gantze Welt.
Jan. Wel hu, wat ließ see dann?
Sei:. See hett veel Gold un Geldt.
Jan. A hu, Goudt, (Mt, dat bennen schone Snuk4*n,
Dat sou, een ouden Aap, wel jonH' we/*r marken.
S€i\ Sü dahr, see kümt too rechter Tydt.
TYin. Nn is, Broer Jan, ju Glück nich wyt.
Ser. Wäst willkam, Süster Ann,
Wät Jy dar ook all van,
Dat ik mit unse Trin
(Sü wo see smustert! Ey lett eer nich recht fiu?)
Nu denk im echten Stand to leven?
Ann. Ik stah als half verstört,
Wat segstu Broer? dat hebb ik noch nich hört,
Nu, Nu, dee He-He-Hemmel wil darto sin Se-Se-Segen geven!
Sev. Wat dünkt ju denn van mine Süster, Swager?
Jan. Ick ghv haer Ka^s is fett, maer Sy wat ondt en mager.
Sei\ Hör, Süster Ann,
Ey wys doch ins an Jan
Ali wat du best
Upt lest
Van dinen Mann bekamen.
An7i, Ja, ja, ik hebb so veel
Vant leewe Witt un Geel,
Dat ik mi nich darför dörff schämen.
(Sie öffnet das Wamms, und ziehet zwey
gute Beutel mit Geld aus dem Busen,
zeiget ihm selbige, beyde Hände auf der
Brust haltend.)
Aria.
Jan Wat maekt dat Gelt, al wonderlyke Sanken,
lachet. Het kan de auden jonek, en als daer niH ran is
He£l seeker en geuns,
Dee Schoonen leelyck maeken.
Wel Sivager, is dit myn? So is de Koop all kkdfr.
(Er greifft nach die Beutel.)
Sev. Wat segstu, Süster Ann?
Ann. Ja Broer, sla tob, ick will hem hebben vor minen lewen Mann.
Sev. gibt ihm ^^.^ q,^^^j^ ^^^^^ ^^ 1^^^ ^g^. 1^^^^^^ Jahr,
einen Handschlag.
Aria.
Alle. Dat Gelt sprickt nich, un is doch wahr.
Et makt dee meisten Freyen klahr
Dat Gelt schlicht alle Saaken,
I
I
ilwntscli I
, Imlf Inliii
. leflik niBkeii
1
n Ilitinbiir^er Tanlx.) ^^M
(lielien alle ab.)
129
Een Deeren) .
Een Keerel) '
See mag)
Hee mag)
»"" '" He'i '
{Sie tantzeii eii
Tritt. Nu Kiniler, kamt t«» 1i».j[) mit rai toni Tl
.See. Ne Trin, ilee Qnarck makt »wai'ke Knee,
Gull, maei'M en Braet-wantv-Beerken,
Dut «tarc.kt Blliri?, I.enn iin Neerken.
Damit schliesst der nd. Aurtntt V.a liisst sich «lenken, dass der-
selbe lebhaften Beifall fand wegen der glücklichen Schilderung der
vaterstüdtiachen Sitten und Moden und der heimischen Sprache zu
Liebe, /umal das von Trintje gesungene Lied erlangte eine lokale
Berühmtheit; es ging in den Volksmund über, und Manches daraus
mag noch lange als gcHUgeltes Wort gezündet haben. Wiederholt ist
es auf sogenannten biegenden Blilttern reproduciert worden. Scheller
{Bücherkunde S. 374. Nr. 1664) verzeichnet einen Nachdruck, den er
in das Jahr 1747 resp. 1748 setzt: De Hambörger-Üthroop, Sing-
"Wieae vörgestellet. Beneffenst truhartige Klage van de Elani-
börger-Deerena, Un den vertruwelycken Schnack van Silck Zippeis
un Geselle Schwiins, üeholden up den Hoppen-Marckt; twisehen 10
un 12ven, des Vormiddags. Hinten: Gedrückt, gelyck na dem Schnack,
des Vörmiddags. s. a. 4 Bl. 4°. Dieser Druck und vier sehr iihnliche
Quartauagaben, vielleicht aus dem Ende des vorigen Jahrhunderia,
sind auf der Ilarab. Stadtbihhothek vorhanden. Eine andere AuHage
von „Dee Hamburger Uhtroop. Truhartige Klage van de Hamburger
Deerens" s. I. & a. ','» Bogen 4", ohne den Vertruwelycken Schnack,
der weit jünger ist, betindft sich in Wolfenbüttel (vgl. Scheller, Nach-
trag S. 481). Kincn brück in 8° besitzt die KiJnigl. Bibliothek zu
Berlin: Der Hamburger Jahrmarckt; Oder: I) Das Hamburger Ochsen-
Fest, 2) Kene Truhartige Klage van de llamborger lütgen
Deerens, 3) Dee bekannte Hamburger Uthroop, besungen van eenen
oolden Dütschen Deegenknoop. Hamburg, gedruckt auf dem Schaar-
steinweg. — s. a. 4 Bl. 8". Die „truhartige Klag^ ist mit wenigen
textlichen Veränderungen und in etwas geregelter Orthographie das
durch Trintja zuerst 1707 populär gewordene Lied: Wat wart uns
armen Deerens suer.
Eine Art Fortsetzung dieses Stückes, und darum schon hier zu
erwähnen, ist:
6) Der Beschluas | Des ! CARNEVALS \ OPERA COMIQVE, \
auf dem | Hamburgischen | Schau-Platze | vörgestellet, | Im Monat
Februarn Anno 1724. \ Gedruckt bey Caspar Jakhel, auf dem Doms
Kirchhofe. — 33 Bl. 4". (Exemplare: Berlin |2]. Hamburg [Stadt-
bibliothek und Stadttheaterbibliotlickj. Wien. Cohn, Katal. CXLV.)
Die ersten beiden Handlungen sind in franzosischen Versen nach
der Oper „Europe galante" und der Komödie „La lilie Capitaine"
130
abgefasst, während die dritte folgendes theilweise mundartliche Inter-
mezzo im sechsten Auftritte darbietet:
Eine Gasse zu Venedig. Es ist Nacht,
Pantalon hat seiner geliebten Columbina ein Ständchen gesungen,
Capitanio und Arlequino, dessen lustiger Diener, stehen von fern.
Letzterer schreit wie ein Nachtwächter.
Arl. De Klock hefft zwolife schlafen,
Zwölff is3 de Klock
Wat meckert vor ein Ziegenbock?
t'olumb. begieaset den PanUlon von oben.
PaJif. Dasfl dir GOOO. Schwalben
Den Puckel wieder salben!
Du loses Pack! was thu ich dir?
Arl. fast Maz Ossen-Tews, wat lärmst du hier?
ihn an. Weest du nich, dat de Klock all lang hett Teine schlagen,
Un du bist hier ohn Licht, (hjß. F(>rt. nach dem Luch.
Pant. Ihr Freunde hört mich doch. (Sie prilgeln auf ihn zu.)
Caj). Fort, fort!
.1/7. Segg nich cn Wort.
Pn)ii. Gewalt, Gewalt, Gewalt!
Dott^re macht die Thttr auf und mift:
Hier, Pnrschc, halt!
Arf. Ey wat ick will die Xacht-BAW lehren.
De Lüde ut dem Schlap to stieren;
Ick will die so den Puckel susten,
Dat du vor Angst sallst, als en Kater prusten. (schlägt immer)
Doli. Ihr Leut«, last den Mann zu frieden.
Seht, er gehört ja hier zu hause.
Arl. Ey nix! wie laten uns nich brüden.
Jhtt. Nun geht, da habt ihr was zum Schmause.
Arl. Ja, wat iss dat?
En Stintken vor de Katt.
Das gefiel, zumal in diesem burlesk-komischen Genre die ganze
Farce gehalten ist. Ein Separatabdruck dieses letzten, deutschen
Theiles erschien u. d. T.: IL ÜAPITANO \ Operette Comique \ Aus
dem Beschluss | Des | CARNEVALS | Auf dem | Hamburgischen \
Schau-Platze | Abermahls vorgestellet. | Im MonahtMertz, Anno 1726. |
Gedruckt mit Stromerschen Schriflften. — 10 BIL 4®. Hier findet
sich die kleine niederdeutsche Einlage unverändert vor. (Exemplare:
Berlin [2]. Hamburg [Stadtbibliothek und Stadttheater]. Gohn, Katal.
CXLV. u. in meiner Sammlung.)
Immer mehr steigerte sich der Anklang, welchen die alte sassische
Muttersprache beim grossen Publikum fand, so dass die Direktion der
Hamburgischen Oper unter Johann Heinrich Saurbrey, an den Frau
Wittwo Schott 1707 ihr Unternehmen verpachtet hatte, den Versuch
machen konnte, ein vollständig im Idiom geschriebenes Singspiel auf-
zuführen, nämlich:
7) Die lustige | Hochzeit, | Und dabey angestellte | Bauren-
MAS- I QUER ADE. \ Gedruckt im Jahr 1708, — 7 Bl. 4^ Diese
131
erste Ausgabe erwähnt Mattheson nicht. Neudruck: Die lustige | Hoch-
zeit, I und I Dabey angestellte | BsLuren-MASQUE- \ RADE. \ In einem
schertzhafften | Zwischen - Spfele | auf dem | Hamburgischen Schau-
Platze I Zur CarnevalS'Zeit \ Ao. 1728. vorgestellet, | Gedruckt mit
Stromerschen Schrifften. — 7 Bl. 4®. Karl F. A. Scheller besass, wie
er in seiner Bücherkunde (S. 396. Nr. 1675) mittheilt, einen Nach-
druck: Die lustige Bauernhochzeit . . in vier Auftritten. Hamburg
1774. in 8^ (Exemplare: Berlin [1708. 1728]. Hamburg [dsgl. in
3 Expl.] Weimar [1708]. Wien [1728J. Cohn, Katal. CXLV. [1708]
u. in meiner Sammlung [1728]).
Drei Komponisten streiten sich um die Ehre, dies Stückchen in
Musik gesetzt zu haben, und zwar (nach der Hamburger Textsamm-
lung) Keiser und Graupner, nach Mattheson kein geringerer als der
berühmte Händel. Die Autorschaft der Dichtung ist mit ziemlicher
Bestimmtheit nachweisbar. Eine Notiz in dem auf der Hamburger
Stadtbibliothek vorhandenen Exemplare von 1708 besagt: „Intermezzo
im Hamb. Dialeckt, vom Bank-Cassirer Cuno. Vorgestellt in der
Oper Daphne*'. Dieselbe ist freilich von Hinrich Ilinsch (geb. zu
Stade, gest. als Rechtsanwalt den 5. Mai 1712 in Hamburg) verfertigt,
der sich indessen in seinen Poesien nie der Mundart bedient hat, wol
aber Cuno, wie wir bereits sahen. Cuno wird höchst wahrscheinlich
der Urheber des Nebenspiels sein; ihn bezeichnet auch das Lexikon
der Hamburgischen Schriftsteller (I, 614) als solchen, während Mat-
theson den Namen des Erstgenannten citiert.
Gewisses Interesse kann die Besetzung der Rollen beanspruchen,
welche auf der Titel-Rückseite der Ausgabe vom Jahre 1728 ge-
druckt steht.
Personen
dieses Zwischen-Spiels.
Lisflke Gern-Manns, die Brant-Ma^d, nachinalils
selbst die Braut. MadU. Kayserinn.
Clas Licht-Trost, Bräutijj^ani, und kurtz vorher
gewordener "VVittwer. Mo)ii<r. Riemschneider Jun,
Gretje, Braut Mutter. Monsr. Buchliöfer.
Heyn, Braut Bruder. Monsr. Westenholtz.
Hans Schnack- Verdan, Sermon-Meister. Moufir. Möhring.
Allerhand Masquen.
Der Schau-Platz ist in Hamburg.
Erster Auftritt.
Der Schauplatz stallet vor eine grosse Gasse in der Stadt*).
Clas, ein Wittwer und Gärtner, Liske die Braut-Magd.
Liske. Tüs Musstt ('las, ey lat niy gähn,
Ik mut fam Brägam wat vor unse Bmdt her halen,
Tis nu keen Tydt mit jow upsted to dwalen,
Ik kan verwiss nu hir nich länger stahn;
*) Der Schau-Platz stellet vor die Börse, und das Baht-Haus, nebst um-
stehenden Gebäuden 1728.
9*
132
Denckt doch ins um, jow Frou attndt kiihni de Fiite kohlt,
Un jy
Clas. Nu Liske de iss dodt, wes du man nich so stolt,
Hör doch man noch een Wort, wat hestu doch ver Hast,
Ik hef hier by twe Stund*) ver dyuer Deur uppast,
Dyn Jungfer iss de Brudt? folg du er ok nu na,
Un schuf nich länger up dat lefe söte Ja.
Aria.
Schal ick noch in Hapnung stahn?
Baldt raut ick ahn Trost vergahn,
Half harck dy niyu Hart al geven
Noch by mjiier Olsken Leven,
Un du segst noch jümnier nee,
Dat deyt my im Hart-en wee.
Ik meen ik heb um dy all redlik wat geleden.
Liske. Myn leve ('las ik bid, lat my upstä mit freden!
Dat Leven makt my oft den Kop recht dull,
Un nu iss hee dart^) van andern Saaken füll.
Aria.
Wo wart en Brudtmagd doch geplagt
Se ward um alle Ding befragt,
Doch dat maackt noch all gröter Pyn,
Wem left un doch nich Brudt kan syn.
Wat kost dat Freyen doch all (lelt?
Ik har myt nich so dilr farstelt.
De Brudschat iss oift half vertährt
Ehr noch ins is een Kind beschert.
Bald steit dee Snider vor de Dähr,
Denn kumt dar ok de Kramer her
Mit gantzen Packen up dee Kahr,
Dar geyt, mäht af, de Koop iss klahr.
Bald lopk nam Linn un Kanten Krahm
Kuhm dat ik denn to Huss ins kam,
So heet: loop Lisk hal Rinsken Wyn,
Denn möter Suckerpletjen syn.
Denn kumt en Jud, en Schacherer,
Mit Parlen un Demanten her.
De wil dar ock en Toch van then,
För half Cristal, half Demant-Steen.
Denn geyt de Brägams-Avent an,
Dar heet: schaff up, loop wol dar kan,
Het mut upt best tracteeret syn
Mit Wild, Tam un Schampanje Wyn.
Denn kumt dar erst en Schott«!') her.
De gröter oift is as de Deur,
3fit eeuen grooten Miskmask an,
De kuhm een Kutzker dregen kan.
In düsser Schottel kumpt to hoop
All wat upt Marckt man is to koop,
Van Flesk, Kohl, Kreft un Fagelwark,
Mit Eyer, Backwarck, un mehr Quark.
Do man noch Brägams-Avent heel
Mit ftijs ful Sucker un Caneel,
En braden Hohn, en Schottel*) Fisk,
Darby een goden Fründ tx) Disk;
Denn ging herum de sttlvern Kann
Mit Beer ful Moht, denn quam heran
Een Glass mit Franssk of Rynsken Wyn,
Do kun mau noch ins lustig syn.
Nu averst is de Staat to groot,
Fam Löft-Dag an bet an den Doot,
Darum geyt ook .so menuig Paar
Oft all to krimp im Leffel-Jahr.
Myn Heer sit oft up sijn Canthor,
Un set de Hand bedröfft ant Ohr,
Wenn ropt de Frow : Kind ! Geldt herdahl,
Denckt he: dat dy Sttntfelten hahl").
') Stftn'n 1728.
») Schortel 1728. Schütze (Idiotikon IV, 60): Schottel [auch Schottel statt
Schottel] für Schüssel, in alt Hamb. Oper z. B. lustige Hochzeit 1728.
») Schütze (Idiotikon IV, 13): Sunt Veiten, dat di Sunt Veiten haal! Ver-
wünschung. In einer alten Ilamb. Oper singt eine Dienstmagd von ihrer Herrschaft:
folgt der Text aus „Die lustige Hochzeit**. De Veiten kommt schon in Feustkings
Oper „Cleopatra" vor (vgl. S. 124).
133
Nu Class Adiii,
£u audermahl so wil wer mehr fan schnacken,
Ick mnt man ^alm un maaken körte Hacken.
(Class nimmt mit freundlichen Minen Abschied, und gehet ab.)
Anderer AufiFtritt.
Liske, Heyn und hernach seine Mutter.
Heyn. Ehem! Ehem! pist! pist! ey Jungfer töft en bäten!
Wät jy nicli wo myn Süster deeut, half hef ickt Huss vergäten.
Liske. Wat snackstu Buhr, wo kumstu her?
Heyn. Fan Osdori). (Liske.) Wat is dyn Begehr?
Heyn. Ick wül myn Süster wol ins sprecken,
Ik hef se wohl nich sehn im half Stieg Jahr und dörtein Wecken.
Liske. Wo heet dyn Süster denn? (Heyn.) Lisk Geru-3Ianns mit Namen.
Liske. Un du ? (Heyn.) Heyn, Heyn hept se my nömmt do ick up dee Welt
bin kamen.
Liske. Wat hör ick? büstu Heyn miju Bror?
Heyn. Ne Junfer, wennck dat löfd, so weer ick wol en Dohr;
Ick löf jy wilt mick hier en betjen brüden,
Myn Süster iss en Deern*), und nich fan jow Art Lüden;
Seht dar kumt myne Möm de wart wol beter weten.
Liske. Wo Heyn, kenstu my nich, hestu my ganz vergeten?
Wäst wilkahm Moder, wat wil jy hier maken?
Gretje. Ick bring en Kalflf to Marckt un noch wat ander Saaken.
Heyn. Möm, iss dat unse Lisk? (Gretje.) Ja! ja! se iss't Heyn, ja!
Heyn Ha! ha! ha! ha!
lacht Dat sunt je duUe Saackeu,
Wo, kam hier in de Stadt van Buhrdeerns Jungfern maacken?
Aria.
Wol dacht dat do du hödst de Swyn,
Dat du noch ins sehnst Junfer sijn?
Kant sick so in de Stadt verkehren,
Wilk ook dat Junckern Handwarck lehren:
Man Liske seg, wo büstu doch so gley un glat,
Verdeenstu in der Stadt so'n grooten Schadt?
Aria.
De Haar sunt dij so glat un blanck, De H aasen sunt so wit als Kryt,
As wenn se de Bull har lickt, De Rock wol een stieg Folen wyt,
Du geist een rechten Junfem-Gang, Mit fief reeg sieden Schnören,
Mit Scho umher wit stickt, Kanstu den Staat utföhren.
') Vgl. Hamburg und Altona. 1805. Ein Journal zur Geschichte der
Zeit, der Sitten und des Geschmacks. Jahrg. IV. Bd. 2, Heft 5. S. 130 f.: «In
Hamburg war ehemals, und bis in die Mitte des 18ten Jahrhunderts, der Name
Jungfer ehrenwerth und bezeichnete die Töchter angesehener Häuser; die des mitt-
lem und niedern Standes hörten sich ohne Bedenken Dirne nennen. Auch unter-
schied man ohne Unterschied des Standes und meist ironisch ein geputztes Mädchen
von einem simpel gekleideten durch den Namen Jungfer. In einem 1728 auf dem
Hamburger Oper-Schauplatze aufgeführten scherzhaften Intermezzo, betitelt: „die
lustige Hochzeit'', trifft ein Bruder vom Lande seine, in der Stadt Hamburg, in
einem angesehenen Hause dienende, Schwester^ elegant gekleidet, und will sie des-
halb nicht anerkennen.''
134
Dat Wams iss gahr fan sieden Stoff, De Manen fnl Tan Klnterey,
Doch tiss dy för to kleen, De Hals iss deckt, de Bassem frey,
Ne Lisk dn uiakst gewis to j^roff, Ne, ue, de Art to lefen,
Men kant all liggeu sehn; Kau dij keen Ehre gefeu.
Seg, wenn du freyst, wat makstu mit den Kleereu?
Ik lof se luät dania noch ins Ehreisk lehren.
Liske. Nu Jung, wat snakstu, hol de Snuht,
Gah du na dinem Dorp hennuth,
Komstu herin um niy to refonneeren,
Swig Stil, of ick war dy hier ha\ wat anders lehren.
Heyn. Nu Talk van Osdorp war nich dul,
Krigstu fan lloft'art dulle 8chrull,
Wo hüstu so verheten?
Wer unse Minn nich hier, un ik alleen,
80 schustu selni,
Wo ik dat sieden Wams mit dUsser Elil wul meten.
Liskc. Du Sihlüugel wustu my wol ass dyn Sttster schlau?
So schustu hald mit eener dicken Schnut*)
Tohr Stadt hennuht
Un so na Osdori) wedder gähn.
Aria.
(tretj. Scliwig Liske schwig, de Jung het Reclit,
Du krigst doch kuhm en Handtwarcks-Knecht,
Watt schal denn al de Plunder
Van baven un van under.
Hestu null wat, so hold to rade.
Im Older is het fehl to spade.
Heyn. Kahmt Möm, Iaht uns na Osdorp wedder gähn,
Un Iaht de grote Deem ful Pracher-Hoflfart stahn.
(üehn beyde zornig ab.)
Liske. Wat ik noch dreg dat wet ik to betahlen,
Ik wil fan jow fam Dorp hier nix to halen.
Unse Sini(/r is myn gode Friind. de wart my nich verlateu.
He schmit uht Kortzwihl mennig mahl.
Wen he kumt fam Canthor herdahl,
En ^larck of twe my ofFt in mynen Platen.
Aria,
Wo gern spaard wie unse Geld,
Wie meut et suhr verdehnen,
Tis recht en Plaag up dttsser Welt,
Oft meut w4e Kleder lehnen,
Dels Frowens wilt, wie schölt so gähn.
Wenn se tohr Kost, of Fadder stahn,
Tschüt al de Frow to Ehren
Wat wie uht geft vor Klehren*).
Gewiss wie wehren wol to fred
Mit Kirsey of grof Laken,
Doch har ick ins en Frow, de sed:
Deern wat schalk mit dy maken?
Hestu nich vehr of fif Pack Klehr,
So lief ick van die schlichte Ehr;
Gah Deen by ringen Lüden,
Dart nix het to bedüden.
*) slan . . Snuht 1728.
') Schütze (Idiotikon IV, 281): Die Herrschaften sind selbst schuld, dass der
Luxus ihrer Dienstboten und deren närrischer und übertriebener Kleiderstaat, eine
Folge herrschaftlicher Indolenz oder Konnivenz, im Steigen ist. So war es schon
vor Alters in Hamb. Arie einer alten Oper wo eine Magd singt: Deels Froens wölt
wi schölt 80 gaan u. s. w.
135
Loft my, ick nehm nich hundert Marck Lisk, Lisk, dar geit al wedder an,
Dat myue Frow düt hördc, Ik mut man lopen wat ick kan,
Se holt up groten Staat ock starck, Ik wünsch jow*) goden Aven,
Se ist, de myt recht leide. Dar uedden an dar baven.
(Hier wird gerufen:) (Neiget sich und läofft davon.)
Dritter Aufftritt»).
üretje und Heyn mit einer Eyer-Ktipe.
üretj. WAt mehnstu He}ii, unse Lisk is Brudt.
Heyn. Möm is dat so, so sunt er goden Dage uht.
Gretj. Na aller Lüden Sage,
So wil er Junfer noch Morgen ef van Dage,
En groten Baien un darby
Er eene frye Hochtyd geven.
Heyn. Y! Y!
Wat wart se dar in Lust un Freuden leven.
Ey 3löm, wo mak wy datV wy möt dar ok hen gähn,
Wy könt wol in en Ort en betjen up de Luhre stahn,
Ik har wol Lust de Putzen antosehn.
Kahmt Iaht uns gahu, dar kumpt se her alleen.
Aria.
Liske. Gewiss de Minsk ist wol daran,
De up der Welt nix weht noch kan,
De nich fehl lehrt darf ock nix dohn,
De Doht giift doch gelicken Lohn.
Man een, de sick let warren suhr,
Den drilt en jeder up de duhr,
Un oft het hee noch Stanck vor Danck,
Vor alle Meu syn Levenlang.
Doch lohnt myu Junfer nich up solke Art,
Och ne se wart nu bald dorch myne Hülpe ock gepart
Un nu wils up myn Hochtyd-Dag
Ins lustig leven;
Un wenn wy trouwet sunt, en groten Ballen geven,
Derwihl ik nu um alles weht besehet,
So mak ikt ok upt Best hierto gerecht *).
(Geht ab. Alhier wird ein Tisch zurecht gesetzt.)
Vierdter*) Aufftritt.
Ein Bauer mit einem Spies mit Bänder bebunden; hcniach folgen Braut und
Bräutigam, nebst allen Hochzeit - Leuten , mehrentheils masquiret; worauff der
Bauer, nach gemachter Bauren-/iV?rr/rwr^ anfängt:
Wäst Wilkam all
In düssen Saal,
Un set jow baldt to Disk,
By Würste, Flesk (un Schincken,) o ne Fisk wil ik seggen.
*) jou'n 1728.
') Zweytes Zwischen - Spiel, Erster Auftritt. Der Schau-Platz stellet eine
grosse Diele vor. 1728.
») gereet 1728.
*) Zweyter 1728.
136
Jy wardt hier iip goodt Bursk tractert,
Doch is unse Junfer stilfst hier Weert;
De Brudt im Brägam lefeuslaug,
De segt darvör doch groteu Danck,
Un bidt dat jy mägt lustig leven, ue lustig sgn,
By godeu Behr, doch keeneii Wien,
Un wttnsckt, dat jy mögt lange leven
Vor dat, wat jy tohr Hochtyd-Gafe ward gefen.
Heyn. Möm, sunt dat Minsken, edder ApenV
Ik kan nich löfen dat se so sunt schapen.
Gretj. Ne Heyn t'sünt Minsken, man se hept Cibilken föhr,
Dar kieckt se mit den rechten Ogen deur.
Heyn. Hört Moni, wie wilt darna de Kerels ok wat brtiden,
Ik löf SU mehnt wie sunt denn ok van eren Lüden.
(Wie man sich zu Tische gesetzet, schleicht Heyn und
seine Älutter auf die Gallerie, und halten sich verborjLjen.
Nachdem wird das Essen auffgetragen zwey Harlequiuen
tragen auf den Achseln eine kleine Bahre mit einer
sehr grossen Potage Schüssel. Wie sie bald bey der
Tafel sind, strauchelt der hinterste und falt, der forderste
hält noch die Bahre, und ruft; Einer so hinter dem-
selben eine Schüssel mit Würste trägt, lasset selbe
fallen, indem er die Potage retten wil.)
Hier Anck en bätjen Kahl, makt ju darmit en Baart.
Gretj. Heyn hett dat ok wol Art?
Heyn. Ey ja, gäft my jow Mutz un Wams, nehmt jy myn Rock un Huot.
Gretj. Ik löf gewiss, nu geyt et rechte goot.
Heyn. Kun ik nu doch up Städsk en betjen schnacken.
Gretj. Dat wilk die lehren, ehr, als gode Klütjen backen:
Wat up dem Dorj) heet Broor, heet in de Stadt Heer Broder,
Un wat by uns heet Möm, heet in de Stadt Frow Moder,
De Esels sunt upt Land un in de Stadt geliek;
Wat up dem Dorp heet Pool, lieet in de Stadt en Dyk,
Wat in de Stadt heet Mest, dat nöm wy oft en Knj'f,
Wat hier en Frow heet, dat heet by uns en Wyf,
Wat by uns Deerens heet, heet in de Stadt stracks Jungfer.
Wat hier —
(Hier komt ein Harlequin. und nachdem die Gesellschaflft
eine Zeitlang (wie selbige von der Tafel aufgestanden)
getantzet hat, und macht gegen Heyn und seiner Mutter
ein Keverence, und nohtiget sie auch zum Tanz. Gretje
meinet er begehrt einen Almosen.)
Gretj. Gabt wieder gode Früud, wie hept hier nix to gefen.
Heyn. Möm gefft em doch en Ey of twe, so het he wat to leven.
(Wie Heyn ihm die Eyer hinreicht, schlägt Harlequin
ihm selbige in der Hand mit seinen Pritschholtz in Stücken.)
Dar schal dy swarte Deef de Kranckt för halen.
De schastu my wol dür betahlen.
(Gehet mit seinem Stock auf den Harlequin loss, die
gantze Gesellschafft körnt in Unordnung daher geloffen,
und bringen sie auseinander.)
Clas. Wat is dat för en Keerl?
Wat kranrkt, dat is m.vu Broer.
Wol i» ile ander denn?
Mg dilnckt dat ik hem keun.
Bcheert mau all torOg, de ander U nyu Hott.
(Sie wullen be^de davou lauffeii.)
Nu Moder blieft mau hier wie Witt una nu nich clan,
l'n Heyn du Bcliast Tan Avend uoch mit uns lom Dnnsse gähn.
MenHtii dat reclit, au bliet' ik liier wol noch en bäten,
Mau tüf du swarte Halg, ik wjl dijt nich Terget«n.
Wal. heij jy duuh t-im besten dar up juwen Disk.
ät wat ju Ittst, hier steit nuuli Kltitjeii, Flcxk un Fink.
(Heyn und seine Mntter setzen nich an die Tafel, und
essen watker, indecHen tantzen die Masquen. Die Braut
setzet Bich hernach wieder allein obeu au die Tafel,
und werden ihr Gesi'iiencke gebracht, Bii alle auf die
Tafel gelegt werden. Heyn koint auch mit der Mutter.)
Hör I.isk U|J de Kost-Gaf hef ik nig gedacht so äfen,
SU dar ik wil dij düssen Korf mit veer stieg Bijer gäfeu.
Nee Moni, twee sunt darrau, de het de bnnte Mfel haall,
Liesk bool em fast, bet dat hoe de betablt.
(Tantzen alle nurh eiDuiah] und gehen ab.)
Dies erste durchweg niederdeuUche Singspiel steht scIiod aul'
ganz modernem Boden und darf als Vorlüufer der zwanzig Jalire
später blühenden LokalposseQ angesehen werden. Hinsichtlich der
Erfindung des Stoffes und in Zeichnung der Charaktere weist es
übrigens mit den mundartlichen Scenen im „Carneval von Venedig"
verwandte Züge auf. Das unvermuthete Wiederfinden und Erkennen
der Geschwister, Trintje und Jan einerseits, Liske und Hein anderer-
seits, trägt Spuren grosser Aehnlichkeit. Trintje und Liake unter-
scheiden sich kaum von einander. Ihre Arien behandeln mehr oder
minder dasselbe Thema: Lob der guten alten Zeit und Sitten sowie
Klage über den Aufwand und Luxus der dienenden Klasse; ja ein-
zelne Wendungen stimmen fast wörtlich überein. Auf den ersten
Blick erkennt man, dass beide Texte von ein und demselben Verfasser
herrühren. Wenn bis jetzt die Autorschaft Cunos nur auf einer
Conjektur von mir beruhte, so sprechen vollends die inneren Gründe
auf das Schlagendste zu seinen Gunsten, denn Cuno ist auch der
Dichter des „Carneval von Venedig".
Trotz des ausserordentlichen und nachhaltigen Anklanges, dessen
sich „Die lustige Hochzeit" zu erfreuen hatte, wovon die Wieder-
holungen und Neudrucke zeugen, giiig in den nächsten Decennien
keine im Hamburger Platt geschriebene „Novität" auf dem Theater
am Gänsemarkte in Scene; gewiss zum Vortheil einer edlereu musi-
kalischen Richtuug, nicht aber zum Nutzen der deutschen Mutter-
sprache. Zu ihrer Forderung und Pflege sollte in erster Linie die
Hamburger Oper dieuen, dies Versprechen hatte Scliotl bei liegrüo-
dung seines Unternehmens abgelegt und nach Kräften erfüllt. Von
H seiner Wittwe wurde die Direktion in ewigem Wechsel verschiedenen
^k Personen übertragen , so dem Komponisten Reinhard Keiser, dem
138
Litteratea Driisike, Herrn J. H, Saurbrey, dem HolVatli Gumprecht,
Schotts Schwiegersohne, den Excellenzeii Graf von Calleuberg, Envoye
von Wich, Couferenzrath von Alefeld, Envoye von Wedderkopp, Herrn
Üesmercieres, Später fanden sich hundurt Subscribenten, welche die
Biibne pachteten, 1729 üheniahni die berühmte Sängerin, Madame
Ksyser, die Leitung, 1737 eine andere Primadonna, Maria Monza,
Tochter eines welschen Schneiders, der die Kasse Hihrte; ein Chaos
von Direktoren männlichen und weiblichen Geschlechts,, welclie mehr
und mehr itahenische und französische Texte oder doch mindestens
Arien dem deutschen Pablikum von Hamburg boten. Nur mitunter
lacht wie der helle Sonnenschein, wie der gliti^ernde Demant uns aus
dieser Babylonischen Sprachverwirrung ein niederdeutsches Lied ent-
gegen. In dem Zeitraum von 1709 bis 17l2i enthalten drei Opern
je eines. Dann aber bricht für die alte Sassenspraehe das Morgen-
roth an, oder ist's die AbendrotbeV denn nur zu bald verschwindet
sie wieder vom Schauplatiie und hat die Herrlichkeit der Hamhurgi-
scben Oper überhaupt ihr Endo erreicht.
Die beiden nächstfolgenden niedersächsischen Arien kommen in
den Singspielen eines Schwaben vor. Jobann Ulrich von König
(geb. 8. Oct, 168S zu Esslingen, gest. als Hofrath und Ceremonien-
moister zu Dresden am 14. März 1744) kam um 1715 nach Hamburg,
wo er mit Brockes, Richey u, a. die deutscbübende Gesellschaft stif-
tete, auch mit dem Bürgermeister Lucas von Bostel, den wir als Ver-
fasser des Cara Mustapha kennen gelernt, Freundschaft schloss und
beinahe zehn Jahre verweilte; 1730 hielt er sich wieder daselbst auf
und wurde Mitglied der Patriotischen Gesellschaft. Von seinen dra-
matischen Schöpfungen gehört hierher:
8) Die Rümiache Groasmuht, | Oder | GALPÜENIA. \ In einem |
Muficalischen Schau - Spiele. | Im Monath Februar. 171ti. | Auf dem
Hamburgischen Theatro aufgeführet. | HAMBURG, gedruckt bey
Friederich Conrad Greflingern. — 25 Bl. 4°. Mit Titelvignette.
(Exemplare: Berlin, Hamburg. Weimar. Wien. Cobn, Katal. CXLV.
[verdruckt 1715 statt 1716]).
Der nach dem Italienischen bearbeitete Text, welchen Heiuichen
in Musik setzte, interessiert uns um einer kleinen Arie willen. Poltrio,
ein lustiger Unter-Officier, brüstet sich (III, 12) damit, dass die
Mädchen ihn fast zu Tode karessieren; er glaube nicht, dass die
„l.öfl'eley" vor diesem so im Schwang gewesen sei, wenigstens habe
seine Mutter davon nicht viel gesprochen. Und nun singt er ihr Leiblied ;
AU if'k noch Jnmfer was, vätwalir,
Do hebelt ick ilnt hele .Talir,
Ick trock de Nüstern in de IlSk,
Un sede nicks aa Ja uu Ne.
Doch AS ii:k kam itn Fmen-Stonil 1
Wnr de Bucks-BUdel ') mi beknnt, i
Do niug ick ottck so f(cm als een
liee Lride dor de Hehukel theeu.
') Schutze (Idiotikon I, 126): Kin BeuK^I, den die voraeitißeii Uamburtjenonea
Hii ihrer Seite Längend trugen, wohinein sie ihr GesftnRbuch q. a. Dinge sleckteu, und
bei ihren Schwazparthieu aul Promenaden und in Zimmern au behielten. Metonymisch:
id-GlasB.
i einer ihrer Zeit gern
f
I
Witwe 1
Trust eeii Bmuwyn)
Du find ick nii reeht wohl ilnliy,
l'u doli wat iu de Heliely.
Noch Jetzt bekannt ist die ud. F.inlage i
gesehenen KÜnig'sclieu Oper, uümlicb:
0) Heinrich der Vogler, | Ilert/og v.a Drauuschweig, | Naclimiilils I
Erwehlter Teutsclier | Kayaer, | In einem | Siuge-Spiele | Auf dem ,
Hamburgischen Schau-l'latze | Vorgeatellet 1 Im Jahr 1711), | Hamburg,
gedruckt bey Caspar Jakhel. — 24 Bl. i". Ein Neudruck erschien
17311, Hamburg, gedruckt bey sei. Georg Dietr. Spieringks Wittwe.
Itl. 4". (Exemplare: Berlin [17iy dreimal, 1735 einmal].
Hamburg [beide Drucke]. Kiel [1719]. Weimar [dsgl.]. Wien [dsgl.].
Cobu, Katal. CXLV. [dsgl.]).
Vor den AutTührungen in Hamburg hatte dieses Stück bereits
in Braunschweig, zuerst im Sommer 1718, Triumphe gefeiert. Zwei
Ausgaben existieren aus den Jahren 1718 und 1719; Wolffenbüttel,
druckts C. Bartsch, Hertzogl. pr. Hof- u. Cantzley-Buchdr. 4'*. M. Vign.
(Vgl. Wendclin von Maltzahn, Deutscher Bücberschatz 111,5:39. Nr, 2194.)
Königs Widmung an den Herzog August Wilhelm und an dessen Ge-
mahlin Elisabeth Sophia Maria, auf welche oft angespielt wird, ist
datiert:. Weiasenfels den 1. Aug. 171S. Ein zweiter Theil, der nichts
Mundartliches enthält, erschien im gleichen Verlage 1721 und wurde
in der „Lichtmessen-Messe" gegeben. Die Dedikation an den Herzog
Ludwig Rudolph und an seine Gemahlin Christine Luise ist unter-
zeichnet: Joh. Ulr. König, geh, Secretarius und Hof-Poete, Dressden
11. Januar 1721. (Vgl. Cbrysander, Jahrbücher für musikalische
Wissenschaft. Bd. I, 268 u. 271.) Gottsched (Nöthiger Vorrath I,
291 u. 295) citiert irrig: 1Tb. Braunschw. 1718; 2terTh. Braunschw.
1721, während er von den Hamburgischen Drucken nichts weiss.
Letzter Druck des ersten Theils: Wolfenbüttel, Bartsch, 1730. 4".
(Exemplare: Braunscliweig [sümtl. Ausgaben]. Dresden [1718]. Han-
nover [1718, 1721]. Wolfenbüttel [dsgl.]).
„Brünaewick du leife Stadt", so beginnt in den zu Wolfe nbüttul
veranstalteten Ausgaben das niederdeutsche Lied , welches Kudel,
Heinrichs lustiger Vogelsteller, singt. Das passte natürlich nicht auf
Hamburg und ebenso wenig das Lob der Mumme. Hamburg, die
Stadt des gut Essen und Trinken, der saftigen Braten und vortreff-
ein vorgeschri ebner oder liertcümmltcber Schlrndriaa in gcirisBen sonst willkQlirlichen
Handlungen, welchen die Hacib. Fräueu im Koufe Imtteu luid bei Vorfallen im
bUrgerlicben Leben und L'mguiige sein- genau befolgten. Von der Schiuir dieat^s
Beutele haben sich in den Hnmb. Familien die mehrstcn, obwol nicht alle Fäden
■ abgetrennt: Ein iichthambui'giscli Sitten- und Familiengemaide für die Bühne, der
[ Bookesbeutcl, von einem Hamb. Ducbhalter (BookhoUer) liorkensteiii verfertigt and
nit Beifall gespielt, persiflirle diesen Beutel und verewigte ihn. — üeber dies am
' Iß. August 1741 zuerst aufgeführte Lustspiel vgl, Schutzes llara burgische Thealer-
I Geschichte S. 260—263,
140
liehen Weine, musste anders gepriesen werden. Eine Gegenüberstellung
der beiden Texte veranschaulicht die Metamorphose am Besten.
Hamburg 1719.
Zweyte Handlung. Zwölfter Auftritt.
miDELy in der Hand ein Stücke
Schwein» - Braten haltend, mit einem
Jungen, der ihm eine Flasche Wein
nachträgt.
Wolfenbüttel 1718.
Zweyte Handlung. Dreyzehender Auftritt.
Rudel in der einen Hand eine Braun-
schweigische Wurst, in der andern ein
Glas Braunschweigis. Mumme, komt
gantz hetruncken aus einer Scheucke,
mit einem Jungen, der eine grosse Bier-
Kanne trägt.
1.
BRönsewick du leife Stadt
Vor vel dusend Städten,
Dei sau schöne Mumme hat,
Da ick Worst kau freten,
Mumme schmeckt nochmal sau tien
Ass' Tockay un Mossler Wien,
Schlackworst füllt den Magen;
31umme settet Neiren-Talg,
Kann dei Winne uht den Balg
Ass' ein Schnaps verjagen.
2.
Wenn ick gnurre, kyfe. hrumm',
Schlepe mick mit Sorgen,
Ey 80 geft my gude 3Iumm'
Bet taun lechten Morgen.
Mumme un en Stümpel Worst
Kann den Hunger un den Dorst,
Ock de Venus-Grillen,
Kulck, Podal, un Tähne-Pien,
Sup ick tain Halfstöfcken in,
Ogenhlicklich stUlen.
3.
Hinric mag dei Vöggel fangen,
Drosseln, Arthschen, Fincken,
Lopen mit der Liemen-Stangen.
Ick wil Mumme drincken.
Vor de Schlackworst lat ick stahn
Sienen besten Uer-Hahn:
Kann ick Worst geneiten,
Seih ick my nah nist mehr um,
Lat darup iief Stöfken Mumm'
Dör de Kehle fleiten.
1.
du goode leeve Stadt
Vor veel dusend Städten,
Da ick my kau dick un satt
In Swins-Braaden freeten,
By dem besten Rhynschen Wien :
dat haget ja recht fien
Mynen schlappen Magen.
Braaden de sett Neeren-Talg,
Wien kau uth den Kopp un Balg
Alle Sorgen jagen.
2.
Wenn ick gnurre, kyfe, brumm,
Weet my nich tho laaten,
Iss de Kopp my düss un dumm,
Eet ick Swine-Braaden.
Oock tow^ieln een Stümpel Worst.
Külde, Hunger un den Dorst,
Oock de Venus-Grillen,
De Kolick un Tähne-Pien,
Kan Swins-Braadn un Rhynsche Wien
Oogenblicklich stillen.
3.
Hinrich mag de Vageis fangen.
Drosseln, Artschen, Fincken,
Loopen mit de Liemen-Stangen,
Ick will Rhyn-Wien drincken:
SjTien besten Uerhahn
Lat ick vor Swins-Braaden stahn,
Kan ick den geneeten,
Mag dat andre alles syn,
Lat darup fief Stävgen Wien
Dorch de Gorgel fleeten.
Die Vorrede in den verschiedenen Ausgaben ist rein historisch
und enthält über dies Lied keinerlei Angaben. Zweifelsohne hat es
König nicht selbst gedichtet, sondern als eine alte und allbekannte
Verherrlichung der Mumme und der Wurst gehört und seinem Stück
einverleibt. Dass das Lied heute noch im Volke gangbar sei (vgl.
Kobersteiu-Bartsch, Gesch. d. deutschen Nationalliteratur II, 239),
141
wird man kaum sagen dürfen; wol aber ist es schwerlich irgend einem
guten nraunachweiger Riirger unbekannt. Komponiert wurde die Oper
von Schürmann, die obige Arie jedoch, mündlicher Mittheilung resp.
Tradition zufolge, von Bürgermeister Schrader (vgl. H. Sommer, Die
Anfänge der deutschen, insbesondere der Herzogl. ßraunschw. Oper.
Separatabdruek aus den „Braupschw. Anzeigen". Dezember I8S1. S.34).
Die dritte Oper aus der Zeit von 1709 bis 1724, worin sich ein
wenn auch nur äusserst geringes niedersiichsisches Bruchstüek findet,
ist betitelt:
10) Das Ende | Der Babiflonischcn Monarchie, | oder [ BEL-
SAZER, I in einem | Singe-Spiele | auf dem Haraburgischen | Schau-
Platze I aufgotÜhret 1723. [ Erster Theil. | Hamburg, gedruckt hey
Caspar Jakhel. — 17 Bl. 4". (Exemplare: Berlin [2]. Hamburg.
Weimar. Wien. Cohn, Katal. OXLV. u. in meiner Sammlung.)
Den von Telemann komponierten Text schrieb Joachim Beccau
(geh. zu Burg auf Kelimarn I6!l., gest. 1755 als Archidiakoniis in
Neumünster), dessen 1720 zu Hamburg herausgegebene Sammlung
^Ehren-rierlichte" Verschiedenes in niederdeutscher Mundart enthalt.
(Die kleine Arie am Ende der zweiten Handlung lautet:
. Verleefter ibh tüx in der Welt,
L AsH de verfltlirsclien Frunweti,
I .Sil kliiim nu bllht', asB se sick stellt,
f Siiiil »e ilucli ukli tho tTiinwen,
I .Se »lei^eu, Ziyii! nti prlliiut de Hnnil,
y Vü ileiiken doch im nartenü-OniU'h
I>:k klnpp dy gern de Bakken,
Hadd' irk dy man Uii< pakkeu.
Natürlich ist es wieder die lustige Person, welche dies Liedchen zu
singen hat, und zwar der Hofdiener Nabal. Der zweite Theil des
^Belsazer" kam ebenfttlla 172'1 heraus, bietet aber nichts Mundartliclies.
In das Jahr 1724 lallt der (S. 129) besprochene „Beschluss des
Carnevals" mit der amüsanten Einlage in heimischem Idiom.
Den Höhepunkt für die Pflege der niedersächsischen Sprache
auf dem Theater am Günsemarkte bildet das Jahr 1725, welches zwei
mi^rkwiirdige Stücke zeitigte, die damals viel Staub aufwirbelten. Es
sind die ersten und ältesten nd. Lokalposscn: „Der Hamburger
Jahrmarkt" und „die Hamburger Schlachtzeit". Ihr Verfasser heisst
Job. Philipp Praetorius (geb. zu Elmshorn in Holstein UiOG, gest.
als Hof- und Regierungsrath sowie Professor des öflentlichen Hechts
und der Geschichte in Trier 17GG)'); die Musik schuf Keiser.
11} Der I Hamburger Jahr-Marckt | Oder der [ Glückliche Be-
trug, [ In einem schertzhafl'ten | Sing-Spiele | Auf dem | Hamburgischen 1
Schau-Platze | Vorgestellet, [ Im Jahr 1725. | Gedruckt mit Stromeri-
schen Schrifften. — 28 Bl. 4". (Exemplare: Berlin [3]. Hamburg.
Weimar. Cohn, Katal. CXLV. u. in meiner Sammlung.)
') Vgl. Ulkus Si-hrüders biü- u. bililiagriipli lache Ski/ze filier Praetorius bei
Nirolaiia l-ulck, Neues SlaaUbQrgcrl. Magado. Schleswig 1Ö37. Dd. V, S. 025-35,
Bd. VI, S, 773—7.1.
142
Sehr bezeichnend ist gleich das Vorwort, „Diejenigen, so sich
nur an hohen Ausdrücken und weitläuftigeu Verwickelungen belustigen,
dürfften ihre Rechnung hier schwerlich finden, weil derer Persohnen
Charader das eratere, und derselben Menge das andere nicht erlauben
wollen. Noch weniger können sich diejenige, welclie sich auf andere
Unkosten xü ergötzen, und fremde, nicht aber ihre eigene Schwach-
heiten 7.a belachen, gewohnet sind, eine ausnehmende Ergcitzlichkeit
versprechen, weit der Verfasser seine Absicht bloss auf die Laster,
nicht aber auf besondere Persohnen gerichtet. Sollte aber, wieder
Vermuthen sich jemand getrolTeu befinden, dem giebet der Verfasser
die aufrichtige Versicherung, dass er niemand zu nahe zu treten ge-
ainnet sej, und vielleiciit gleiches Schicksahl rait denen Mahlern ge-
habt, die bey Entwertung einer Geschichte nicht selten ein, diesem
oder jenem gleichendes Angesichte auf die Tafel bilden, ohngeacbtet
sie entweder nicht darauf gedacht, oder auch wohl gar die Persohnen,
BO abgeschildert 7.n seyn vermeinen, nicht einmal gekennet haben.
Das gantze Werck gründet sich auf einen erlaubten Schertz, der doch
allemahl die Laster, durch Vorstellung ihrer Hesslichkeit, stillschwei-
gend bestrafet. Der Verfasser, so zwar ein Nieder- Sachse, aber der
Hamburgischen Mund-Arth nicht recht kundig ist, verspricht sich ein
geneigtes Nachsehen derer in dem Niederteutschen und sonst mit
eingeschlichenen Fehlern; Den dritten Auftritt der vierten Handlung
hat eine fremde Hand verfertiget und mit eingeriicket." Das ist eine
ehrliche Sprache. Der Autor gesteht, dass es seine Absicht sei, durch
Lachen die Thorheiten und Verirrungen seiner Zeit zu geissein und
zu bessern, dass ihm dagegen Angriffe auf bestimmte Individuen
durchaus fern lügen. Trotzdem behauptet Schütze (Theatergesch.
S. Iö2 u. 153): Praetorius half zur Verschlimmerung des Geschmacks
und der Sitten nicht wenig bei; unter den damaligen Vielschreibern
trieb keiner den Opernunsinn höher, als er. „Die Oper war dazu
herabgesunken, den Hamburger Jahrmarkt . . darzustellen," urtheiit
.1. Geffcken (Zeitschrift des Vereins f. Hamb. Gesch. HI. S. 40).
Greift nur hinein ins volle Menschenleben, und wo ihrs packt, da ist's
interessant, das Dichterwort sollten die ästhetischen Tadler und Richter
nicht ganz vergessen. Solche Stücke, wie sie Praetorius schrieb, sind
mehr werth, als ein Dutzend jener Opern, deren Stoffe aus der bibli-
schen Geschichte und dem Altertbum genommen sind, und wobei man
sich todtlich gelangweilt haben würde, hütte nicht die verschwenderische
Pracht der Ausstattung und Dekorationen und die Melodienfülle der
Kompositionen die Armuth des Inhalts und den Schwulst der Diktion
verdeckt. Was vollends die Moralitiit anlangt, so boten gerade die
„klassischen" Texte unglaublich viele Nuditäten und Unanständig-
keiten; solche finden sich auch im Hamburger Jahrmarkt und in der
Hamburger Schlachtzeit, gewiss, aber sie haben hier gleichsam eine
Berechtigung. Das niedere Volk duftet nun einmal nicht nach Eau
de Cologne, und dem Kleinbürgerthum haftet manche Derbheit und
Rohheit an. Und die platte Mundart, die Vulgärsprache? Sie sagt
143
Alles grailezu und oft grob, trifft den Nngel stets auf den Kopf und
überrascht durch die Natiirlichlceit ihrer Worte und Redewendungen;
da ist von raffinierter und blasierter Lüsternheit nichts zu spüren,
der begegnen wir nur in den gepriesenen „grossen" Haniburgischen
Opern, hier ertönt von den Lippen vornehmer Damen und Herren
eine Musterkarto polizeiwidriger Ausdrucke. Der Kontrast zwischen
dem bisher Gesagten und Gesungenen und dorn, was das Volk in
Praetorius' Lokalpossen spricht, ist ein greller. Das alte Geletae war
ausgefahren, die alte Opcrnrichlung hatte sich überlebt, als ein glück-
licher Schritt darf das Hinabsteigen in die vaterstud tischen, spiess-
bürgerlichen Zustünde und Verhältnisse betrachtet werden. Der echte,
einfache und biedere Hamburger freute sich darob, lachte aus vollem
Herzen über den Spiegel, den man ihm plötzlich auf der Bühne vor-
hielt, nahm sich Manches ad notam. Die höhere Gesellschaft wusste
aber bald dies nnsohiildigo und in gewisser Hinsicht auch veredelnde
Vergnügen zu hintertreiben. Wir werden sehen, wie es der „Ham-
burger Sclilacbtzeit" erging, wie das Theaterschift wieder mit allen
Segeln in das frühere Fahrwasser hineinsteuerte, um zu zerschellen.
Der Komödienzettel, welcher dem „Hamburger Jahrmarkt' vor-
gedruckt ist, nennt als Vertreter der nd. Rollen: Madame Kayaer
(Geselle, die Lütjo Maid), Mr. Westenholtz {Lucas, Hausknecht), Mr.
Scheffel (Porcius, IMakatenanschlüger des Marionetten spiels, und später
Kollortriiger Nickel) sowie einen Chor von Ausrufern.
[Ingemein drastisch und lebendig führt uns der Chor in die Hand-
lung ein. Der Schauplatz ist der .Tungfernstieg mit dem blauen Thurm,
IUAnlt frioche Miisaeln van dee Knam,
Wey Linnen-UaHcn, Seegel HaartiV
Haalt Sftiiil, haalt Sandl He is krietwit!
Anchowien, Heering, Rigftche-Blltt !
Kreeft, Kreeft! Wey Marckache RUweuV
Wey Läiiel, Botter-Spohn nn a^UIeefen?
Koopt Glase. k<«>pt Wnllen nn Linnen,
Vn laut uns oDck een Dreeling winnen.
Miilitis, Rixibiliit, nnd Pnmim kommen mit Leitern in ilen HUnilen, stei^n
<Inmnr nnd will ein jeiler sein i'Inml an ileui Pulver Thnrni nben ansflilageii.
' I HEral), der PtaU gebiirt mir an !
Gewt jii to Saad. ick rand et jn t
Iwh lobe mir der Opern 7.i&r.
Nein! Die ('oma/lk geht ihnen filr.
Still! 8titll
T'knmt nioh hyt MarjotielU» Spill.
Wie schön ist die Munip. nnd was (Hr Pracbt,
Last in Macinimi, TSntsen, Tracht.
Sich nicht im Ueberflnsüe sehen I
Wenn [{arle'[ni)t beliebt« Possen macht,
Mikht itli für Lni^lien fast vergehen.
Myn Kilijan U ootk keen Parcken.
144
Mut. Die Opera ist ja der Spiele Königin,
Und weil ich von derselben bin,
So schlag ich mein Plaeut, wie billig, oben an.
Jus, Znrilck! du bist noch nicht der Mann,
Mir dieses weiss zn machen! (Stossen sich hin und wieder.)
Parc, Wat kriegt de Keerels vHr een Schrull?
Ick low see syn missmödig, dull nn vuU.
Mi4t. Was mach ich mit dem Lumpen-Pack?
Pore. Dat is jo'n dull Stück Schnack.
Mut. Holuncke! Kahler Tropf!
Ris. Manl-Esel, grober Bengel!
Mut, Land-Streicher, Galgen-Schwengel !
Pis. Bald schlag ich dir die Leiter auf den Kopif.
Parr. Dee Keerels hewt een fuule Schnuut.
Mut. Gebt mir den Vorzug, oder Blut!
Pore. Dat is een yfrich Hftsebäsen,
Ick segd' ju, blyvt my van der Xäsen.
Aria.
fj/ I Herab, der Platz gehört mir zu!
Pore. Wo nu, wo nu!
Gewt ju to Saa4l, ick raad et ju!
Mitt. Sonst muss ich die Läppische Blätter zerreissen,
RLs: Und ich dir den schelmischen Schedel zerschmeissen.
Porr. Bh>ot!
Et geyt by myuer Trtt nich goot. (Fallen über einander.)
Da treten Tadelgern und ünpartheiisch auf. Ersterer be-
greift nicht, dass sich die Leute um einen Quark fast zu Tode
schlagen, Letzterer stimmt dem bei und sagt, dass Komödien und
Puppenspiel recht abgeschmackt seien, eine Bemerkung, die zwischen
Beiden zu einer Analyse der Oper Anlass gibt. Alles rügt Tadelgern,
den aus der Geschichte und Mythologie entlehnten Stoff, die aus dem
Französischen und Italienischen bearbeiteten Uebersetzungen , die
Poesie, die Musik; ja: weuns doch noch was zu Lachen gäbe! Darauf
erwidert Ünpartheiisch:
Verlangstu grobe Possen,
So wirst du hier nicht deine Rechnung finden.
Ein kluger Schertz muss sich
Auf Ehrbarkeit und Sitten-Lehre gründen.
Man zieht die Laster durch, die Tugend wird erhöht;
Wo deine Absicht nun auf solche Sachen geht.
So kann dir dieser Marckt auch nicht entgegen seyn;
Ich lade dich, ihn anzusehen, ein.
Das kostet indess Eintrittsgeld, weshalb Tadelgern sich zu entfernen
vorzieht. Ünpartheiisch beruhigt sich bei der Erkenntniss, dass Hamburg
ja noch manchen Kenner aufweise; auch das Trifolium der Plakat-
anschläger kommt allraälig zur Einsicht. Porcius singt als Vermittler:
Wat schält de Putzen s}ti?
Iaht ju doch betähmen!
Et lohnt sick nich der Möid.
Ick seh Wickert inss in Schlj'ckuth rin,
145
Und wull vor mjme Flauigkeit Wat schull ick avers macken?
Een Schlttcksclien nehmen. T'was noch een Droost vor my,
Bloot! wat wass da vor een Kyf! Dat Opera im Comedi,
De eene säd, de Opera Eer deel ock kreegen;
Weer noch een gaadlich Tydverdrief; Dee Lüde säden yverich:
'Man hörde vaacken, Dee Pntzen dögt den Krambeck nich.
Musk nn kloocke Saacken; Ick dachte by my sülvst: Weer unse Spill
Man unse Krahm, de dögte gar nicks mehr. een Kroog,
De Praat verdroot my sehr; Wy hadden jümmer Lüde noog.
Dies ist gleichsam nur die Einleitung, welche nicht misszuver-
stehende Schlaglichter auf die verbesserungsbedürftige Lage der Oper
wirft. Die zweite Handlung (Scenarium: Rathhaus, Börse und Kaiser-
hof) macht uns bekannt mit dem Gastwirth Gleichviel, seiner Frau
Marille, beider Töchtern Capriciosa und Laurette, dem Haus-
knecht Lucas sowie mit Herrn Bravo und Kavalier Reinhold.
Bravo kann seine Hötelrechnung nicht bezahlen und soll unsanft an
die Luft gesetzt werden. Lucas warnt gütlich:
Besinnt ju Schoor! Wat schölt de Putzen?
Auch Capriciosa legt zu Gunsten des Gastes Fürsprache ein, was den
Hausknecht argwöhnisch macht:
De Deeren is een böse Süster,
Seeht! Wo treckt see de Nüster!
Die kluge Mutter merkt, dass sich ihr Töchterlein verliebt hat, und
das Ende vom Liede ist, dass der Alte nachgeben muss.
Bald darauf (Sc. 2) erscheint Gernegross mit dem Dienst-
manne Nickel, welcher dessen Koffer und andere Sachen auf einem
Schubkarren fährt.
Nickel. Muschü! Hier waard det Weerds-Hnuss weesen.
Belevt Em in to treeden? —
De Heer sy doch gebeeden,
Un geeve my myn Geld!
Gemg. Es sollen Compaguk und Wein,
Hier angenehm und wohlfeil seyn.
Nickel. Hüm, hüm! Wat sitt ju vor de Ooren?
Gemg. Ey last mich ungeschoren!
Nickel. Geevt my myn Geld, un laat my ungebrttdt!
Gemg. Hier sind 3 (iroschen denn!
Nickel. Det Post-Huuss is to wyt,
Twee Maarck is dee Geböhr.
Gemg. Ihr fordert ausverschämt.
Nickel. Wat Schnack! wy nehmt,
Wo wy et kriegen könd.
Gemg. Es ist doch allzuviel.
Nickel. Hew jy nich uthgedöhnd?
Gemg. Was poch^tu Lumpen-Hund! (Lucs kömmt.)
Nickel. Wo Slappermeut will dat henut?
Giff my myn Geld un hool dee Schnuth!
Lucas. Myn Heer! TUs so Maneer, see möt dee Deenste koopen.
Nickel. SchaPck myne Cameraden roopen?
Niederdeutsches Jahrbuch. VIII. 10
146
Gerng. Hier ist das Geld, diss wird das Wirths-Hans seyn,
HOrt Hanss-Kuecht ! Traget mir die Sachen nur herein!
(Geht ab.)
Lncas. Dee Keerl is jung, he mut wat lehren.
Nickel. Dee goode Kappetheen mut bal to Dode hungern,
Ick weed, hee weet den Dumrian,
Dee Dreelings aftholungeru.
Lucas. T'iss doch nich wohl gedahn.
Nickel. dat kau my nicks raackeu,
Dee gäle Penje syn vertwyfelt goode Saacken.
Lucas. Ick kenn eeu schnüggre Deeren,
De will ick Em up syne Kaamer fOhren.
Aria,
Det kuppeln mut by düssen Tyden, Dee nich een beiten meer versteiht,
Det allerlewste Handwarck syn. ün flytig na dee Naarung geiht,
Dee Uthgaav is by dusend Maarck, Waard mancken Middag Hunger lyden ;
ün dee Verdeenst is man een Quaarck; ün supt det Nöster-Beer vor Wyn.
J)a Capo. (Gehen ab.)
Reinhold klagt (Sc. 3) über des Wirthes Ungestüm und das
Ausbleiben seines Wechsels ; wenn nur Rosalinda ihm ihre Gegenliebe
schenke, so werde sich sein Verdruss in Fröhlichkeit verkehren.
Die folgende Scene zeigt Capriciosa und Bravo in Zwiegespräch.
Erstere erklärt dem Gaste unverholen ihre Leidenschaft und überlässt
ihn dann philosophischen Betrachtungen über die Weiberherzen. Was
thun? Das Geld sei ihm knapp geworden, durch das Spiel verdiene
er nichts mehr, da die Leute den Betrug merkten, er liebe eigentlich
Rosalinden, doch das Vermögen Capriciosas mache Alles gut und sei
ausschlaggebend.
Jetzt treten Lucas und Gesche, die Lütje-Maid, auf.
Lucas. DEe Eddelmann het syn Logeer,
Up Nummer veer.
Gesche. Wol iss't?
Lucas. T'iss jo een Cavaleer.
Gesche. Hee süth my so verschaaren uth.
Lucas. Geesch hool dee Schnut!
Dee Keerl het Geld, du bist een gaadlich Deeren,
Hee iss verlewt, du must en beiten Haselleren,
Ick schuUe meenen,
T'weer noch by Em een Daler to verdeenen.
Gesche. Myn goode Lucs, du sühst dat et my nödig deit.
Wy Deerens hewt een hupen Möyd,
Man t'Lohn ist klein; wie kriegt jo Vaacken,
Lit Jaar nich ins een Röckschen up dee Knaacken,
Det Umhangs-Geld kümmt af;
Det Bruut-Stück het by dussen Tyden,
Nich veel mehr to bedüden.
Wo willt henut? Wie schölt jo upgeflieget syn,
Sünst segd dee Lud: de Deeren iss een Schwien.
147
Aria.
Wo nich dee Hävely nn Leeve
Towylen Arced^ntzkens gewe,
So mücht dee kranckt een Lütmaid syn.
Dee Kaamern to fegen, dat Bedde to maacken,
Dee Deele to schüren, sind daglicke Saacken,
Man Bloot! see bringt nns nich veel yn.
In dieser Klage unterbricht sie Piccolo (Sc. 6), gleichfalls ein im
Gasthof logierender Fremder, und beschwert sich, dass Kammer und
Bett nicht bei Zeiten rein gemacht seien. Da kehrt Gesche die un-
verfälschte, schnippische Hamburger Dienstmädchen-Natur heraus, und
Lucas sekundiert ihr tapfer.
Gesche. Dat iss jo'n plumpen Schnack!
Ick hebbe van ja Geld noch keenen Dreeling seehn.
Pieco, Ich will zu eurer Frauen gehn,
Und euch verklagen;
Ich weiss, sie wird es euch rechtschaffen sagen.
Gesche. dat iss miss;
Gabt to! det Baaden Lohn iss ju gewiss!
PifTO, Halt nur das lose Maul,
Sonst ist mein Stock nicht faul.
Gesche. 0! jy sind nich dee Mann;
Hebb jy dat Hart, so röhrd my an!
Picea. Wofür sollt ich mich scheuen?
Gesche. K'wull ju, by myner Trü,
Dee Oogen ut den Koppe kleien.
Picw, Schweig! sonst bekommstu eins ans Ohr.
Gesche. Jy oole Hoor
Hewt noch verleden Schnttppers kreegen.
Picea. Es waren nur ein Paar, was ist daran gelegen?
Lucas. Heer lat dee Deeren ungebrildt,
T'iss nu nich Kywens Tyd.
Picea. Holuncke! was hastu zu sprechen?
Gib mir den Schlüssel her!
Sonst will ich dir den Halss zerbrechen.
Lucas. Jy sind en Osse van Muschü.
Pieco. Du plumper Flegel! sieh.
Jetzt solst du Prügel Suppe schmecken.
Zieht den Degen, doch Lucs nimmt ihm denselben und
schlägt ihm selbst damit.
Lucas. Ick will dy lehren dee Pliethe trecken.
Aria a 3,
Picea. Galgen Vogel! mich zu rächen.
Will ich dir den Hals zerbrechen!
Lucas. I Schnappschnut, Wyssueess, leege Deef,
Gesche. ' Stracks gab foort, sünst geiht et scheef !
Der Höllenspektakel lockt die Wirthin herbei (Sc. 7).
Marille. WAs ist hier für ein Lerm?
Picea. Der Esel ist so grob —
Lucas. De Haasen-Kopp —
Picea. Die Hand an mein gelehrtes Haupt zu legen.
10*
148
Lucas. Treckt synen Degen.
Mar'dk. Geh Grobian mir gleich aus dem Gesicht!
Denn so bewirthet man die Gäste nicht.
Monfifmr! es ist mir Leid! Lucas geht ah.
Picco, Ich bin es schon gewohnt,
Dass man mir meine Höflichkeit
3Iit Schlägen lohnt.
Gesche. Hoolt man dee leege Schnut,
So schlaap jy wol up heeler Hut. Gehet ab.
Dass Marille Piccolo vertheidigt, bat seine guten Gründe; nicht nur
als Wirthin thut sie's, sondern auch als — Verliebte. Ihr Mann
fange an eifersüchtig zu werden; um ihn zu kurieren, möge Piccolo
zu ihr in's Schlafgemach kommen, wo ihr Mann auf ihre Veranlassung
sich versteckt habe, und dann sich verstellen. Er wisse ja!
Bravo hat in seiner Geldkalamität mittlerweile seinen Ring beim
Juden Schmul versetzt, glaubt sich aber übervortheilt und tritt zan-
kend mit dem Händler auf (Sc. 8). Nickel kommt herzu:
Herr Bravo, t'iss een Minsch gekaamen,
Dee het syn Kaamer in ju Weerds-Huss naamen;
Ryck iss hee; man he schynt een Schaap to weesen;
Kün jy Em nich de Wull aflesen?
Bravo, Par bku! Das Ding geht an;
Ihr seid ein guter Mann.
Nickel. He ward düss'n Middag met ju spysen;
Lucs seed et my!
Angenehmere Nachricht hätte dem Falschspieler kaum gebracht werden
können. Er verabredet mit Schmul, Gernegross einzuladen, zu be-
trügen und den Gewinnst gemeinschaftlich zu theilen. Ein Chor von
Krämern, Raritätenkasten -Männern und Zeitungs- Sängerinnen be-
schliesst den Akt: Der grösste Jahrmarkt ist die Welt.
Im dritten Aufzuge sehen wir Rosalinde in ihrem Zimmer. Sie
erwartet voll Liebesqual Reinhold, aber, als er erscheint, hält sie es
für wohlanständig, ihre Leidenschaft ihm zu verbergen. So dreht
sich ihr Gespräch denn um Tausenderlei, pour passer le temps, und
endet mit einer Verabredung zum Stelldichein im Garten.
Am Jungfernstieg (Sc. 2) lernen wir Nickels Frau, Ursel, kennen,
welche sich als geriebene Kupplerin entpuppt. Marille fordert (Sc. 3)
das alte Weib auf, alle Künste anzuwenden und ihr den Reinhold
zum Eidam zu verschaffen, weil sie ihr Kind dem Bravo nicht gönne.
Dieser jedoch belauscht die Unterredung und ersucht (Sc. 4) die
Ursel, sie möge Rosalinda für ihn günstig stimmen, denn Capriciosa
werde von ihm nur zum Schein geliebt. Der Zufall will, dass Letz-
tere des Wegs entlang kommt und Alles hört: ein Zankduett ist die
natürliche Folge.
Inzwischen hat Gernegross sich in Gesche verliebt (Sc. 6).
Letztere thut sehr verwundert:
Süh wat de Kranckt nich deyt.
Gerug. Erlaubet mir zu wissen,
Ob ihr mich lieben könnt?
149
Gesche.
Gerng.
Gesche.
Gerng.
Gesche.
Gerng.
Gesche.
dat is mis!
Und euren Mund zu küssen.
Harn tüss! ham tttss!
Seyd nicht so höss\ ich hah euch nichts gethan!
(Will sie umfassen.)
Ham tüss! ham tüss! (Stösset ihm von sich.)
Ey Jung-Mann, laat een gähn !
(Ich muss mein Liehen,
Biss auf ein ander mahl verschieben.)
Lebt wohl mein Schatz!
Und gebet meiner Liebe Platz! (Gehet ab.)
Dee- Minsch weet nich to leeven;
Wanck jo nich sprecken kun, so wull ick Daalers gewen;
Dee Deerens mögt by düssen Tyden,
Dat Geld un't Leewcn geeme lyden.
Aria.
Dee Deerens könd oock femoleeren,
Se schriet: Ham tüss! un denckt: kum! kum!
Dee sick an eeren Schnack wull kehren,
Dee weer by myner Trü, man dum.
Da Capo,
Siebender Auftritt.
Gesche, Lucas.
SYh da myn leewe Geesch! best du den Keerl gespraacken?
Ja! he seede my veel van verleewten Saacken;
Mann Bloot! et is een Lamm.
He waard noch wol dyn Brödigam.
Ick bin Em veel to schlicht!
Ick weet een gooden Raad,
Du schalst een Baronelfe syn.
Dat Dinck geyt quaad.
Hee fuselt as een Schwien,
Un is hee dick, so geyt det bewein an,
Heer Bravo schafft em dy t'um Mann.
Ick weet my teemlick up to fliegen.
Du waarst syn Bruut; Mann wat schall ick af kriegen?
Wie spreckt daraf, wenn wy alleene weesen. Geht ab.
Dee gautze wyde Weld lewt doch det Hasebäsen.
Aria,
Dee Baass, de Eruw, Prafeptei', Deeren,
Dee Jung un Köcksche Churtefceren,
Dee Huuss-Knecht lewt de lütje-Meid.
Un dee dat Heweln nich versteit,
Dee mut tum Huuse ruut Marcheeren.
Da Capo.
Unterdessen sitzt das Opfer dieser Liebesintrigue ahnungslos beim
Spiel (Sc. 8) und wird von Bravo und Schmul weidlich gerupft.
Beim Verlangen von Revanche weigert sich der Erstere, während der
Andere entläuft, um bald darauf mit verschiedenen Juden und Jüdinnen
wieder zu erscheinen und ein Lied über Schachern und Betrügen an-
zustimmen (Sc. 9).
Lucas.
Gesche.
Lucas.
Gesche.
Lucas.
Gesche.
Lucas.
Gesche.
Lucas.
Gesche.
Lucas.
150
Za Beginn des vierten Aufzuges, welcher das Grassbrook und
die Stadt im Prospekt zeigt, hat Bravo die Bekanntschaft einer
Französin, Madame Sans fa^on, gemacht; sie verschwinden, indem sie
sich gegenseitig Artigkeiten sagen. Ursel überredet (Sc. 2) die durch
Bravos Unbeständigkeit erboste Capriciosa zu einem abendlichen
Rendezvous mit Reinhold. Gesche ist in ihren schönen Kleidern (Sc. 3)
gar nicht wieder zu erkennen:
ICk bin by myne Modder west,
De het my upgeflieht;
Nu gah ick nah den Gaarden,
'Tiss naa gerade Tyd,
Se mücht sonst allto lange waarden.
Aria.
1.
Wenn Deerens sinn von achtein Jaaren,
So hewt dee Moders utgeleert;
Denn schall man sick op Echt verpaaren,
Dee Leeren sien wol Löfen weert:
In alle Welt plegt unse Oolen,
Daröver oock mit Flyt too hoolen.
2.
Dee Jaaren hew ick all erfttllt,
Doch mangelt my den Brögam noch ;
To frien war ick oock gewillt,
Segt, wo kriegt man den Brögam doch,
Dat maackt den Awend un den Morgen,
Oock Nachts un Dages my veel Sorgen.
3.
Wy Minschen schält alleen nich blyven,
Dat leert ons dee Natur eer Boock;
Mit Löffelie dee Tyd verdrieven,
Dat kan een yder Quakke-Broock :
Veel könnet wol dee Welt vermeeren,
Doch Wyf un Kinner nich emehren.
4.
Wy schulle billig äverleggen,
Dat een ohlt Deeren, un ohlt Peerd,
Ass unse Sprick-Wort plegt toe Seggen,
Sie begibt sich in den Garten bei Hamm. Dort spazieren schon
Rosalinda und Reinhold (Sc. 4). Auch Bravo promeniert mit Madame
Sans fagon vorbei (Sc. 5). Laurette, des Wirths jüngste Tochter,
sucht einen Freier (Sc. 6). Gernegross taumelt angetrunken einher
und fällt schläfrig zu Boden, worauf sein Begleiter Schmul ihm Uhr
und Geld abnimmt und davon eilt (Sc. 7). Inzwischen hat Gesche,
als La Baronne d'Albicrac, mit Lucas sich eingefunden (Sc. 8). Gerne-
gross wird geweckt, und die Vorstellung geschieht.
T'is eene Barone/fenj
Dat is een anner Schnack,
versichert Lucas, und der verschlafene Kavalier geräth in die Falle.
Sttnd heede nich een Heller weerd,
Myn Meennng will ick nich verheelen,
Een Kloster mag ick nich erweelen.
5.
Ick segge dat ick gern will frien,
Oock fünn sick wol een Frier an;
Doch will de Fruu et gans nich lien,
Dat ick my eens ansehen kan:
Wat schall denn wol, hy solken Saacken,
Een plummen-riepe Deeren maaken?
6.
Uns Deerens mag vor Fruens gruen,
Heeft see dee Bucks-Büd'l in dee Hand;
Ick kan nich solken Fruens truen,
Dee Bucks-Büd'ls Kraf iss my bekannt:
Wat mach doch unse Fru wol meenen,
See het een Mann, ick avers keenen.
7.
Ick bin in mynen Doon doch willig,
Verrichte wat see man begeert;
Ick bin oock noch tor Tyd gedüllig,
Of see my glieck myn Glücke stöhrt:
Myn Brögam weerd mit my ersinnen.
Wo wy uns könt to hope ünnen.
151
Gärtner und Gärtnerinnen, Milchmädchen und Erdbeerbaiiern beglück-
wünschen im Chor das junge Brautpaar.
Damit hat das Stück eigentlich sein Ende erreicht. Ein fünfter
Akt Itist noch die kleinen Verwickelungen und Intriguen der Neben-
figureo, stiftet zwei andere VerlÖboisse, zeigt Gernegross aufgebracht
über den Betrug, welchen man mit ihm gespielt, doch zuletzt versöhnt
mit dem Gedanken, Geschea Mann zu werden — ^0 Bloot, neemt
doch de Deern, se iss jo schnüggr un good", lautet des Hausknechts
Empfehlung — und schliesst mit der Aufforderung zum Hochzeitsmahl;
Kinner! sett jn doch to Disch,
Hier hew jy Fleescli un Fisch.
Gegenwärtige O^tcra Comifjue ist, wie der Verfasser selbst in der
Vorrede sagt, nichts anders als ein blosses Gedichte, so, auf Befehl
in kurtzer Zeit verfertiget worden, und nunmehro seiner Unvollkommen-
heit ohngeachtet, an das Licht tritt, durch das zuversichtliehe Ver-
trauen einer gütigsten Aufnahme angefrischet. Eine solche wurde
dieser „Lokalposse mit Gesang und Tanz", denn so können wir fiighch
den „Jahrmarkt* bezeichnen, in vollem Maasse zu Tfaeil, und Autor
wie Komponist durften zufrieden sein. Lindner (a. a. 0. S. 1*24 tf.)
beschäftigt sich eingehend mit dem Stücke, welches er „vieleher eine
Posse mit Musik, als eine komische Oper" nennt, konstatiert den
grossen Beifall und fügt hinzu: „es brach gewissermaassen Bahn für
eine günstige Umgestaltung." Der Haupterfolg ist den derben, natur-
wahren, lebendigen niederdeutschen Scenen und Arien voll Realismus
und hausbackenem Humor zuzuschreiben. Lindner, der bei I'oatels
Xerxes mit blindem Eifer gegen die eingestreuten Lieder in Ham-
burger Mundart zu Felde zog, scheint anderer und verständigerer
Sinnesart geworden zu sein. Was uun hier den Dialekt speziell be-
trifft, so räumt Praetorius oÖ'enherzig ein, dass er als Holsteiner des
Hamburgischen Idioms nicht recht mächtig sei. Kr bat aber dasselbe
sehr glücklich und geschickt erfasst und grobe Sprachfehler nicht
begangen; besonders verräth sich ein sorgfältiges Studium von Cunos
nd. Poesie, und die Gesche ruft mancherlei Heminiscenzen wach an
Trintje im „Carneval von Venedig". Hier wie dort heisst es von den
Dienstmädchen, wenn sie nicht genug geputzt gehen, ^de Deeren iss
een Schwien, een Farcken", hier wie dort wird „dat Umhangs-Geld
un Bruut-Stück" erwähnt, das „Accedentzen gsven" gepriesen u. s. w.
Wer den durchweg niederdeutschen dritten Auftritt der vierten Hand-
lung, welcher, wie Praetorius eigens betont, nicht von ihm herrührt,
verfertigt haben mag, wage ich nicht zu entscheiden: eiu Vergleich
mit den bisher eingeschobenen Dialektproben gewährt keinen festen
Anhalt. Schade, dass der Name des Dichters nicht genannt ist! Jm
Uebrigen verdient Praetorius' Freimuth alles Lob. Wie viel ehrlicher
verfuhr er doch als König, der uns in dem Wahn lässt, dass er, der
Schwabe, die in „Calpurnia" und „Heinrich der Vogler" eingeflochtenen
nd. Arien verfasst habe. Wenn er auch eine Ueihe von Jahren in
Hamburg lebte, solche den Volkston auf das Treuestc anschlagenden
1&2
und treffenden Lieder kann nnr ein «tagen un baren plattdiitscli
Kind", nur eine mit dem Wesen und der Eigenthümlichkeit unserer
alten Saasensprache aufs Innigste vertraute Person schaffen.
Ermuntert durch den Anklang brachte Praetorius noch in dem-
selben Jahr ein neues Lokalstück von ähnlichem Charakter auf die
Bühne, „Die geneigte Aufnahme des Hamburger Jahr-Marcktes, hat
mich angefriäclu't, durch eine abermahlige Comique Piece zu probieren,
wie weit die unverdiente Wolgewogenheit des geneigten Lesers, gegen
meine Poetische Missgeburten, gebe. . . Obgleich dieses Stücke mit
uBzüblbaren Müngeln angefüllet ist, so wird doch eine gute Absicht,
die Laster zu bestraffen, den Verfasser einiger Maaasen entschuldigen,
. . Diejenige weiche in jeder Zeile, eine Uifiotrc fcandaleuff, oder
gewisse Persobn entdecken wollen, dürfften sieb ungemein vergehen,
weil die Laster der einige Augenmerck des Aitloris gewesen Ich
habe dieses deswegen zu erinnern für nüthig befunden, weil man . , .
in dem Hamburger Jahr-Marckte eine und die andere Pa/fane auf
sichere Persohnen, gegen den Willen und die Meinung des Verfassers
gezogen . . . Ich betheure, dass mein P^ndzweck bloss auf die Laster,
nicht aber auf einigen Menschen, insbesondere gerichtet sey . . ."
Der Titel des Stückes lautet;
12) Die I HAMBURGER | Schlacht-Zeit, [ Oder | Der Miss-
lungene Betrug, | In einem | Singe-Spiel, | Auf dem | Hamhurgischen |
Schau-Platze | Aufgefuhret. | Im Jahr 1725. | Gedruckt mit Stro-
merischen Schrifften. — 34 Bl, 4". (Exemplare: Berlin [3]. Ham-
burg. Weimar.)
Das Personenregister u, s. w. füllt zwei Quarthlätter und stimmt
mit dem Komödienzettel überein, den Lebrün im „Jahrbuch für Theater
und Theaterfreunde" (Hamb, u. Lpz. 1846. S. 383 f.) und Ludwig
Woltrabe in seiner „Chronologie sämmtlicher Hamburger Bühnen'
(Hamb- 1847. S. 29 f.) raittheilen. Ich verweise darauf. Nur so viel
sei hier bemerkt, dass die nd. Rollen folgendermaassen besetzt ge-
wesen sind:
Gretje, eine LU^g-MhüI, Madume Eajserin. ^^|
Hortin, der Eaus-Enecht, Mr. Weatenboltz. ^^|
Neelas, ein Ochsen-Händler, Mr. Scbeffel. ^^|
Peter, ein Beilieuter auf dem Rahts-Keller, Mr. Vugel. ^^^
Dazu kommen ein nd. Chor und Claass, ein Fisch- Händler, dessen
Aufzählung vergessen worden. Die Musik ist wiederum von Keiser,
und zwar dessen lOTte Opera.
Die erste und einzige Aufführung fand Statt am 26. October
[Anfang ö'/a Uhr] 1725, nicht 1712, wie Wollrabe irrthümlich angibt.
Die „Schlachtzeit" bildet eine Art Fortsetzung vom „Jahrmarkt",
und beide ähneln sich im Sujet sehr. Da zudem sich die Cbarakter-
typen wiederholen und die Tendenz dieselbe ist, so brauchen wir nur
in so fern die Handlung zu streifen, als dies zum Verständniss der
in der Hamburger Mundart gehaltenen Aufzüge erforderlich. Die
153
weiland solenne und populäre Schlachtfestfeier wird auch auf der
Bühne verherrlicht: das die Quintessenz.
Der Zuschauer erblickt den Pferdemarkt ;,niit verschiedenem
Rind-Vieh angefüllet". Dem kauflustigen Ehrenhold empfiehlt Martin
einen Ochsen:
Schoor*), 8eeht doch heer!
Dat iss een gaadlich Deer.
Ich werde sehu, ob ich ihn nicht erhandeln kann.
Glück zu, mein Freund!
Fromsyss !
Was fodert ihr?
Für dieses ThierV
Mann veertig Koopmans Daaler, Schoor!
(Der Kerl ist wohl ein Thor.)
Stehn euch die Zwantzig an?
Met eenen Woord!
Dee Acht un Dortig.
Nein, ich gehe fort.
Wat will jy wyder loopen?
Jy möt ju doch een Jttten koopen.
Ihr fodert allznstarck.
Schoor! SÖS3 un söstig Maarck
Syn twee un dortig Koopmanns Daaler,
Dat iss keen Geld vor ju.
Soll es bey dreissig bleiben?
T' geiht mjTier Trü nich an, geewt my dee een un dortig!
Nicht einen Schilling mehr, als dreissig; wolt ihr nicht,
So gebt mir also fort Bericht!
Nu Glück darmet!
So ist der Handel fertig;
Lasst ihn nur gleich auf meinen Nahmen schreiben.
Brauch ich denselben auch zu nennen?
nee! wo schulck den Heern nich kennen?
(Der Preiss geht an, und wenn das Talch mich nicht betriegt,
Bin ich vergnügt.)
Schoor, syd gebeeden.
Hier in düt Wyn-Huuss in to treeden!
Een Schlttckschen Bitter-WjTi bekümmt ju, up den Neewel,
Nich öwel. (Gehen ab.)
Der junge Amoroso liebt Fräulein Jucunda. Gretje ist seine
Fürsprecherin (Sc. 4).
De gode Minsch leewt ju van Haarten.
Jhc. Er ist noch allzu jung.
Gretje. So iss he to to leeren,
Jhc, Und kann sein Glück erwarten.
Ehrenh.
Neelss.
Ehrenh.
Neelss.
Ehrenh.
Neelss.
Ehrenh.
Mart.
Ehrenh.
Neelss.
Ehrenh.
Neelss.
Ehrenh.
Neelss.
Ehrenh.
Neelss.
Ehrenh.
Neelss.
^) Schütze (Idiotikon IV, 58 f.): Schoor Herr des Hauses (Hamb.) ehmals
mehr als itzt im Brauch. In der Hamb. Oper: Verkehrte Welt, 1728, singt eine
Lütmaid von sich, die sich — good met Schoor un liTruw stcit. . . Dass dieses nd.
Wort, nach dem auf uns übergegangenen Sieur, schon im „Jahrmarkt** (vgl. S. 146)
und in der „Schlachtzeit* vorkommt, hat Schütze Übersehen.
154
Grelje. Jy kaamt dorch jym to Ehren.
Juc. Out; Gut! Es wird sich alles weisen,
Er mag erst nach dem Doctor-llxkiß reisen. (Gehet ab.)
Gretje. De Fmens mögd, by dyssen Tyden,
Dee groote Titels geeme lyden.
Unt steit my sülwer an, dee Wahrheit to gestabii,
See köönd tör rechten Syden gähn;
See dörift nich v5r dee Köcke sorgen,
TJn schlaapt den heelen Morgen.
Klock teine stahn see np, Klock elffe drinckt see Thee,
Elock twülffe sin see npgefleegen,
Un wenn see afgespyst, klimmt dee Caffee;
Klock fywe fahrt see na dee Opera,
Klock neegen,
To Gast, un na dee A/femhl^e.
Um Middernacht, wennt Speelen nuth.
Fahrt see to Huuss nn legt sick up dee Schnnth.
Aria,
Veel Geld, un veel Vergnöglichkeit,
Een Ehren-Titel nn kleine Möyd,
Maackt Fruens nttdlich, kloock un groot.
Wenn see vor eere Döre staht,
Un dee Mufchüs vöröwer gabt.
So grjrpt see yfrich na den Hoot.
Madame, Madame/ dat klingt, bym Krambeck, goot.
In Gretje ist der Haasknecht Martin bis über beide Ohren ver-
schossen (Sc. 7):
DEe Leewe mut een dnlle Saacke wesen,
See föhrt dee Klöcksten by der Nasen.
Ick hebbe my gestrüwt; et wass my nich gelegen,
Mann Gretj het my darby gekreegen.
Dee Deeren iss in eerer Jögd,
So vuU van Ntidlichkeit un Dögd,
Dat et nich uut to spreecken steiht.
Wy mögd uns beyde wol verdreegen,
Mann't iss de Kranckt, dat see een beyten extra geiht.
Dit kann my awers nich veel raacken,
Als see mann wull, schuU wy bald Koste maacken.
Aria,
My wätert dee Schnute, my sangert dee Rügge,
Dee Leewe maackt im Harten Lärm.
Dee Deeren iss nüdlich, schnügger und flügge'),
Hadd' ick see doch man eerst in Arm!
Aus diesem verliebten Herzenserguss reisst ihn unsanft der Ruf:
Haltet ihn! Haltet ihn! Er sieht, wie Neelss den Juden Abraham
verfolgt.
Hoolt, hoolt ym, syd gebeden,
Dat iss dee Schelm, de my den Büdel afgeschneeden.
>) Vgl. Schütze (Idiotikon I, 328).
155
Mart. Du Deef, den Büdel heer!
Ahrah. mein! ich hob ihn nicht.
Ehrenh. Ihr seyd der Dieb, ich sag eucbs ins Gesicht!
Mart. Den Büdel heer, ick schlaa dy süst den £op in Stücken!
Abrah, Ich hob ihn nicht, mein Eyd! . .
Mart. Hier iss dee Büdel all.
Ehrenh. Fort! schlagt ihm Arm und Bein entzwey,
Dass er hinkttnfftig nicht mehr stehle.
Abrah, weih! weih!
Mart. Nee Schoor! hee schall met na dee Herren Deele.
Aus Gnade und Barmherzigkeit lässt man diesmal den Juden noch
laufen. Ihm begegnet (II, 7) Gretje:
T' syn allto schlichte Tyden,
Wy deent uns oolt un griess by Lüden,
Eer Tvy to Ehren kaamt, keen Brögam gifft sick an,
Un wenn se sick snm tyts jo meldt.
So fragt see: Hett dee Deeren Geld?
Hadd ick man eerst mit Ehren eenen Mann! —
Myn goode Abraham, wo kahm jy heer?
Abrah. (0 PfchUe! wie ist doch der Schicks so hübsch!)
Wolt ihr mit mir nach meinem Bajer [Hause] gehen?
Gretje. Ju Fruu iss allto kripsch.
Abrah. Mein Jisch' ist nicht derheem, lost mich nur rothen.
Gretje. Wo blyift dee gröne Stoff?
Abrah. Ich gel) ihn euch und zwei Dttcoten.
Gretje. Ji möt myt oock gewisslich geewen;
Ick kahme Klocke söwen.
Aria.
Wat deit man nich umt leewe Geld?
Et lehrt uns alle Spracken
Met lichter Möyd verstahn,
Un kann een krummen Bavian
Geraad un leefflick maacken.
Dat Geld regeert de wyde Welt,
Wat deit mann nich umt leewe Geld? Da Capo.
Abrah. Krie! was seyd ihr schön?
(Wil sie küssen. Märten kömmt mit einem Beile.)
Gretje. Tüss Abram, Iaht my gähn!
Mart. Wo Krambeeck schall ick et verstahn?
Du leege Deef, wat maackstu da?
Ick raade dy, gab, gab!
Gretje. Nee Märten t'ward oock allto dull,
Wat krygstu vor een Schrull?
Mart. Gretj Iaht du my bethämen.
Du warst den Luus-Deef doch nich nehmen.
Du Deef! ick schuU dy boll den Kop to hacken!
Ehrenhold und Wolgemuth, seine Frau, kommen darüber zu (Sc. 8).
Wolge. WAss ist hier für ein Lerm? Du liederliches Pack!
Mart Dee Galgen- Vagel geiht hier up de Naschery.
Gretje. Wat iss dat vor een Schnack?
Mart. Du Putzenmaackersche !
156
Gretje. Da Schlnbbe-Löpel, stth!
Ehren. Schweigt alle beide,
Damit mein Stock nicht enren Zanck entscheide!
Die dritte Handlung geht im Rathskeller vor sich. Der Marquis
von Carrabas wird Anfangs von dem Kellner Peter wenig devot
empfangen :
Et iss nich Tyd.
Jy hefft my all to vaacken brttdt.
Carrab, Hier sind acht Crohnen,
Bringt ihr mir guten Wein, wil ich euch stets belohnen.
Peter, Ick bin jym ohligeeii ... et schall gescheen!
Kurz darauf (Sc. 2) erscheint Elirenhold mit seiner Familie und
fragt, ob noch ein Zimmer leer.
Peter. ja, myn Heer!
Ehrenh. Sind sonst noch Fremde hier?
Peter. Dee (Javalleer met den Frantzöschen Naamen
Iss allewyle eerst gekahmen.
Wolge. Heist er nicht Carrabas?
Peter. Me Juffruu ja!
Wolge. Wer ist bei ihm.
Peter. Een schnttggre Deeren.
De wil he jo tracteeren.
Hier ward dee Kaamer weesen.
Was Gretje im Rathsweinkeller zu suchen hat, ist nicht recht ersicht-
lich, aber sie ist da (Sc. 4) und bald hernach auch Martin.
Gretje. DEe goode Abraham het doch syn Woord gehoolen,
Hee gaff my Geld un Stoff; ick blywe by de Oolen,
Dee mann een beiten fründlick deit
Dee lohnt see rycklich, vor dee Moyd.
Aria.
Een Deeren, dee sich weet to schicken,
Ward vaacken suer sehn, nn vaacken fründlich doon.
By Jung^anns mut see eerbar wesen,
Un met de Oolen Häsebäsen,
So föhrt se beide by der Nasen
Un kriegt van beiden goden Lohn. Da Capo.
Mart. Myn leewe Gret!
Gretje. Myn goode Märten!
Mart. Du weetst, ick leewe dy van Harten,
Mannt steiht my gar nich an.
Gretje. Wat hestu weer to Kyfen?
Mart Laat doch dee Putzen blywen!
Gretje. Wo nu!
Mart. De Jud —
Gretje. He iss een ehrlick Mann;
Mart. De Deef wil dy verföhren:
Gretje. 0, dat iss miss!
Mart. De Lüde schnackt daraf;
Gretje. T'kann my uicks raacken,
Se schludert oock van groote Fruens vaacken.
157
Mart. Se segt —
Gretje. Laat se betähmen!
Mart. Du best —
Gretje. Ick kann jym nicb dee Frybeet nebmen.
Mart. De Juden leef.
Gretje. Du Scbelm! ick bin een eerlick Deeren,
Ick wil dy Osse scbimpen lebren!
Aria a 2,
Mart. Verscbaarne Deeren! Gr. Luuse-Deef!
Mart. Scblamatje! Gr. Utbverscbaarade Schleef!
a 2. Stracks bool de fnule Schnut!
Gretje. Ick bin een redlick Mooder-Kind,
Mart. Umtrent so, als de meisten sind,
a 2. Gab, gab! dee Leew iss ntb. Da Gapo.
(Gebn ab.)
Der vierte Aufzug schildert ein lebhaftes Treiben auf dem
Elopfenmarkt und reiht sich mit seiner derbdrastischen Volksthümlich-
keit der vorhergehenden Scene ebenbürtig an.
Gretje, Claass, ein Fiscb-Händler.
Gretje. DEe Oss iss dood, bee wass nicb allto klein,
See maackt npsteds dee Pantzen rein.
Vom Awend kaamt de Gast, nn wilt den Dooden sebn;
K'schall naa den Hoppen-Marckte loopen,
Un lemdge Karpen koopen. (Zu Claass.)
Glück too! wo dttr dit Stück?
Claass. Een Maarck.
Gretje. Dat iss to veel,
Acbt Scbilling weeren noog;
Claass. Laat my de Karpen stabnl
Gretje. Ick geewe ju de tein;
Claass. Jy könnt man wyder gabn!
Gretje. Stabt ju de elwe an?
Claass. HebV jy oock Geld by ju?
Gretje. Wo nu tom Krambeck! myne Fru
Kunn ju met Huut un Haar betaalen.
Claass. (De Deeren premefertf) hier steibt dee Bessem-Stebl
Wo jy nocb wyder prablen.
Gretje. Jy sind een graawen Oss!
Claass. Gab! dwalscbe Deeren!
Ick wil dy kywen lebren.
Aria.
Gretje. Scblubbe-Löpel, dumme Friedten!
Claass. Putzenmaackerscb '), eiscbe Söge!
a 2. Foort met dy, naat Fleet, foort, foort!
Gretje. Scbrind-Höwel, Aapen-Krooss !
Claass. Strund-Nickel, Scblamatje!
a 2, Hest du dat Hart, so sprick een Woorti
Da Capo,
Schütze (Idiotikon III, 252) ; vgl. aucb S. 155.
158
Märten. WO Kranckt! dat synd jo dulle Töge.
Gretje. De Deef wil my myn doon verwieten.
Hart laat de Putzen blywen!
Wat schall dat Kywen?
Gretje. Hee föddert allto veel!
Claass. See büdd my allto schlicht!
Gretje. Wat geew ick ju vor düt Gericht?
Claass. Twee Marck!
Gretje. Een Maarck un ni^gen.
Claass. Et het see noch keen Minsch davor gekrcegen.
Gretje. Ick geew nich mehr,
Claass. So neemt see vor dat Geld,
Ick weet et, dat ju Schoor veel van dee Lutjen höllt.
Hart. Mjn leewe Greet! bist du noch bOs np my?
Gretje. Wat schall de Häwely?
Du bist to groff.
Kart Dee Jud hett my verföhrt,
Mann ick wil geeme klöcker weesen.
Gretje. Nee! blyf my van der NÄsen!
Mart. Ick hebbe dy all söwen Jahre leef.
Gretje. Et loont sick nich der Moyd, met eenen dummen Schleef.
Mart. Myn Haart iss gantz benaut, et iss met my gedahn.
Gretje. Wo schall ick dat verstahn?
Aria,
Mart. wult du my denn nich een Schnütercken geewcn?
Myn Zucker-Popp, myn Hoon, myn Lamm!
Ick leewe dy, so hartlick als myn Leewen,
nimm my doch tom Brödigam! Da Cajx).
(Will sie küssen.
Gretje. Tüss! Tüss! dee Lüde seehnt, wy spreeckt uns inss alleen.
Mart. Wonnehr?
Gretje. 'T kann düsse Nacht geschehn.
Mart. Adee, myn leewe Popp! (Gehet ab.)
Gretje. Dee Keerl iss good genoog,
Man vaacken krigt heen Schrull,
Un geiht to Waarck, als wenn hee raasend dull,
Hee mach nich lyden,
Dat my to tyden
Een goode Fründ besöcht. Dee Krantz wart my to schweer,
Dee Huuw iss myn Begeer;
Hee mut my eerst tor Fmen nehmen
Damaa schall hee sick hol na myner Aart bequämen.
Deerens, as see Junfem heeten,
Stellt sick fraam un eerbaar an.
Fründlick spreecken, höülick gröten,
Laat see sick nich licht verdreeten,
Aria.
Awers heift see eerst een Mann,
0! da köund see anuers pypen,
Un jym na den Koppe grypen,
Dat hee sick nich redden kann.
Da Ciipo.
Was übrigens die Grobheiten anbelangt, so erklingen solche auch voi
den Lippen der Yomehmen, wozu Martin richtig bemerkt:
159
T'yss allto wiss,
Spreeckt see met jyms, dee nich van eerer Frttndschopp iss.
So geiht keen anner Wort ut eeren Mund,
As Keerl an naackte Hund.
Ein Chor von Marktleuten singt zum Schluss:
Kreeft, Taschen Kreeft! Witten Kohl! Wey Flaschen?
Wey Appel, söt Mahlen Appel?
Not, Wallnöt, wey Lampertsche Nöte, to Naschen?
Wey drög Krut, Knoflflock, Timian?
Wey Ehrenpryss? Wey Mayeran?
Wey gröne Aal? Wey groote Kücken?
Göss, fette Göss, se heht nich eeres glycken,
0, Iaht uns doch nich wyder gähn!*)
Das eigentliche Schlachtfest findet im letzten Akte Statt. Der
Schauplatz ist eine Diele, auf welcher zwei Ochsen hangen, in Ehren-
holds Hause. Die verschiedenen Liebespaare werden bei der feier-
lichen Gelegenheit glücklich gemacht, auch Martin und Gretje.
Gretje. ME Juffru!
Mart. Schoor !
a 2. Veel Glücks to eeren Dooden!
Gretje. Hee iss so groot,
Mart. Hee iss so fett nn groot,
Gretje. T kann wol een Wyn-Oss weesen. •
Wolge. Mein Mann hat ihn recht glücklich ausgelesen.
Gretje. Hee hringt eer allemahl een gooden;
Mart Veel Glücks nochmahl to eeren Dooden!
Fed^le, Wünscht uns vielmehr zu unsrer Liebe Glück,
Die heute, mit erhelltem Blick,
Sechs Herzen angeschienen.
Gr. Mart. Veel Glücks darto !
Mart. Myn leewe Greet! will wy nich oock inss Koste maacken?
Ick spreeck daraf so vaacken.
Mann Bloodt! du wnlt my nich verstahn.
Gretje. Märten laat een gähn?
Mart. Ick weet oock nich, woma wy töft.
Gretje. Wennt Schoor un Juffru mann beleetft.
So wil ick dy myn Ja- Wort geewen.
WoliT \
gt/®' j Ich gebe meinen Willen drein.
Fed. Ihr sollt bey mir versorget seyn.
Mart. 0! wat iss dat vorn herlick Leewen!
Aria a 2.
a 2. Ick wil dy Haart un Hand verschryven.
Hart. Du schast myn Zucker-Popp! Gr. Du schast myn Schnunt-Haan blywen,
a 2, Ick byn dy recht van Haarten goot!
a 2, Wy wilt uns wol verdreegen!
II
') Dies sind nur Bruchstücke aus dem ^Hambörger Uthroop^ (vgl. die S. 129
genannten fliegenden Blätter). Derselbe kann hier leider aus Raummangel nicht
abgedruckt werden.
Gretje. Ick wU ilat Bedile m&ackeD,
Ick wil dee Kaameni feegen,
Ick wil dat Eeten kaacken,
Mart Ick awer» aürg vor Hnur uu
Abends soll Ochsenschmaus sein.
Brnod. Dfi Cniw.
Gretje wünscht ihrer HerrsctiaJ
iicu Doodcii
QQSgt vertähren.
nith oock insa loatig rnaacken?
Oock met Gcsundlieit n
Uftrt. Nu Gretje! will wy un
Gretje. Ick folge ilj, in ftilea Saacken.
So enflet dies Hamburgische Zeit- und SittengemÜlde '). Dasselbe
rief einen Sturm des Unwillens und der Begeisterung hervor: hie
Senat! hie Volkl „Als iiher dieses Slück," berichtet Mattheaon (Patriot
S, 193} ,zum andern mahl gespielet werden soUto, lief ein Verbot
von der Obrigkeit ein, und ein Gerichts- Unter-Diener nss die ange-
Bchlagene Zettul wieder ab," Was mogeii die Gründe gewesen sein?
Sassen im hohen Itathe lauter Gottschedianer? Gottsched ([, 302)
fällt folgendes Verdammungsurtheil: „Uiess ist ein recht edler Gegen-
stand einer Oper, Man kaufet im Singen Ochsen, schlachtet und ver-
zehrt sie auch. So sehr waren um diese Zeit alle Geschichte und
Fabeln bereits verbrauchet und erschöpfet: ao dass die Opermacher
in diesB tiefe Facb der Haushaltung verfallen mussten." Mattbeson
(a. a. 0. S. 175) sagt: „Die Hamburger Schlacht-Zeit verunehrte die
Scene und Music, ja den Staat selbst, darum wurden die Affichcs
durch Gerichts-Diener abgerissen," docli fügt er hinzu: „Das ist nur
eins. Wie viele sind, die nicht gestrafet noch bemercket worden."
Diese Strenge hatte in der That mit gleichem liechte verschiedene
frühere Opern treffen müssen. Nun wurden plötzlich die Schäden der
Gegenwart aufgedeckt, die heimischen, vaterslädtischen Gebrechen
unter die Lupe genommen, der Hamburgischen Unmoralität die Maske
der Ehrbarkeit abgestreift: das durfte nicht geduldet werden, das
verletzte die bessere und höhere Gesellschaft, da konnte das Patrizier-
thum ja keinen Schritt mehr iu's Theater setzen! Es half nichts,
dass der Verfasser sich dagegen verwahrt hatte, bestimmte Persön-
lichkeiten persifliert oder gezeichnet zu haben. „Alle möglichen Ge-
meinheiten hatte man viele Jahrelang nicht nur ertragen, sondern mit
Wohlgefallen angesehen," betont Lindner (a, a, 0, S. 137j, „als aber
die Komik auting Ernst zu machen, war es aus. Damit war es nicht
allein mit dem Stücke, sondern auch mit allen ähnlichen Versuchen
vorbei. Durch die neue Richtung hätte vielleicht ein günstiger Wechsel
eintreten können." Eine Diele mit ausgeschlachteten Ocbseu darzu-
■) Einige nd. Auszüge hat Joh. Friedr. CIirJBt. Kayser in der Hamburger
„Zwischeuact-Zeilting" 18(}9. No. 20D4 abgedrimkl, andere Wollrabe in seiner
„Chronologie" 3. 31 — 35 nebst geschiclillichen und kritischen Bemerkungen, die —
ohne Quellenangabe — fast wörtlicb berttbergeuomraen sind aus C. Lebrttns
„Jahrbuch" B. 385—390, von dem auch Kayaer Einzelneä z. B. die Parollela
zwischen dem Chor der Verkäufer und dem Marktchor in der „Stummen t
tici" entlehnte.
„Stummen von £V^^h
161
stellen, ist gewiss nicht aestlietisch und die Musterknrte plattdeutscher
Schimpfwörter für zartere Ohren ohne Zweifel beleidigend. Um des
letzteren Umstandes willen hätte der Senat auch den Hamburger Jahr-
markt verbieten sollen, ja viele andere Opern mit unglaublich rohen
li c h deutschen Ausdrücken.
So wurde damals die lebenskrüftige Knospe der Hamburgischen
nd. Lokalposse im Keime erstickt, um ein Jahrhundert später frische
Rliithen zu treiben. Wie nun überhuupt die alte sogenannte Oper
mit Uiesenschritten ihrem Untergange entgegeneilte, so wagten sich
auch nur noch vereinzelt Stücke mit nd. üestandtheilen hervor.
Fractorius ermüdete nicht trotz der gemacliten unliebsamen Fr-
fahrung. Aus seiner Feder stammt:
13) nUCiniÖFEIt I Der | Stumme Printz ATIS, \ In einem i
INTERMEZZO | Auf dem | Hamburger | Schau- Platze | Vorgestellet. ,
Im Jahr 172G. | Gedruckt mit Stromerschen Scbrififten. — 8 Bi 4".
(Exemplare: Berlin. Hamburg. Weimar Cohn, Katalog CXLV. u.
in meiner Sammlang [2j)
Dieser musikalische Schwank ist eine Parodie auf Lucas von
Hostels berlihmte Oper „Croesus"'), die, zuerst 1684 in Hamburg
aulgcriilirt, li)92 abermals gedruckt, 171 1 ganz erneuert und noch
17r!U aufgelegt und gegeben, hier nicht berücksichtigt werden kann,
da sie nur drei nd. Verse enthält (II, 13):
Wey jy nii^li dat neye Leet,
Vani ulileu kttnstlieken Sfcrel,
Tbu mackBii tiiild nth Bnttren-Scliweet ?
Des Croesus stummer Sohn Alis war eine so glückliche Charakterrolle,
dasa Praetorius sie für den Komiker und mimischen Tänzer ßuch-
hiifer zu einem spasshaften Zwischenspiele ausbildete. ElmJre, prrpleti-
dirte Medische Printzessin (Madame Kayser), redet theilweise Platt
und verräth sich dadurch als — üesche. Der Page Nerillo entpuppt
sich als Schmul, Alis als „Springer auss der Opera". Klmire will
sich nicht täuschen lassen: dat syn scliware Putzen.
I
I
Naht Fleet met jn! jy dämme Sclileefe!
k .ly kanint by klnncke Deerens blind,
I Dee Boaä.i nii Maat Hünd nimckte Deewe,
Ud innarken nniiers niok» bm Wind.
Ihre Drohung „K'wül dy dee Oogen ut den Koppe kleihn" verleiht
dem Prinzen die Sprache wieder und bewirkt, dass der Page sieb als
Schmul zu erkennen gibt:
Wu nn toiii kranckt! Schinnel, syn Jy ivedder da V
Kenn itk ikn Prinsen nioh?
lU. Ojfi!
Ef! ist iler Springer ansH der Opra.
') Auch nach Braunschweig verpflanzte sie nieh u. d. T. : „Alis oder der
Btumme Verlieble", Wolfenbmtel, BartaRb, o. J, 4' (c. 17oO) uud ^»eiler Druck
ibiil. 0. J. 4', jedoch unter der aus BraunBchweig datierten Voirede das Jahr 1717.
(Exemplare: Wolfenbütiel)
NisdardBiiltEbsa Jahrbuch. Tm. M
Wie aber heiaset ihr? es fallt mir ebeu »
Ihr werdet Cleeache seyii.
Elmire. .lo wisa! Herr Gerne Groot iss vaii my
Drüm legg ick mj npt Wind-Verkuoiieii.
Atin. Kommt lasset nns hier niedersetzen,
Und bei dem guten Wein, an statt der Lieli, ergeizt
Elmire. Et mag drüm woasen.
Aria.
SOt« Dnnckl
! iük weet dy veclen Danck !
Hyue dorstge Lung to Inawen,
Leew ick dyne «iite Gaaweii,
Irgend welche Bedeutung hat die kleine Posse nicht, iilißr die Anklänge
aus zwei so beliebten Opern wie „Crocsus" und „der Hmnbiirger
Jabrmarlct" sicherten einen Lacherfolg,
Die Opera ist loiU! Scbmeraeu, die uns rühren!
Kommt, laaat una, ThrüneQ-vo!!, ihr Qrah mit Bluhmeti eieren 1
mit solchem Klagerufe beginnt
14) FROLOGÜS, I welcher | bey Gelegenheit einer neuen Kin-
ricfatung | des Ojjem-Wesens, 1 Im Jahre 1727, | auf dem ] Ilamhurgi-
schen | Schau-Platze | vorgestellet ward. 1 Gedruckt mit Stronierschen
Schrififten. — 8 Bl. 4". (Exemplare: Berlin, Hamburg, Wien. Cohn,
Katal, CXLV, u. in meiner Sammlung f2j).
Georg Philipp Telemann (gcb, 14. Mürz lOSl ku Magdeburg,
geat. 25, Juli 17(17 in Hamburg) verfassto die Musik und die Worte
zu dieser Danksagung, Es hatten sich hundert Subscribenten gefunden,
welche, unter Oberaufsicht Sr, Excellenz des Envoye von Wich, das
Theater auf vier Jahre pachteten, mitteht Erlegung von 25 Heichs-
thalern jährlichen Zuschusses die Pcraon. Alle Genien und Grazien
stellen sich wieder zur Verfügung, auch der niederdeutsche Humor,
wovon der sechste Auftritt Zeugniss ablegt. ^m
(Mi: Dnuhhclfer kommt ans des Znaager» RInft hervor.) ^H
Du oole Musen-Vad'r, hier hin ick ook. ^H
Ick weet et ttylweat nicli, op ick recht klnok, M
Dat weet ick, dat ick Npringen kann,
As op en Schock von solken kleeiien Derten,
De lange Ohren beft, in mine Flflt' lianleerten.
Allegro.' Nn, so geit et an! (Er tanzet i'i h Biirkmitir.)
In demselben Jahre schwang sich Praetorius zu einer pomp-
haften, von Telemann komponierten Huldigung auf:
15) Das Jauchzende | Gross-Brittannien, | An dem Hi'ichst-feyer-
lichst begangeneu 1 Hohen Grönungs-Feste | Ihr. KÖnigl. Eönigl. Majest
Majest. I GEOEGIl des 11. \ Und | WILHELMINM \ CARO-
LINJE, I Königs und Königin [ Vou Gross-Brittannien, jc, !C, K. | Auf
gnädigen Befehl 1 Sr. ExcdlenKz Hn. CYltlLLI von WICH. | Sr,
Groaa-Brittannischen Majest. au die Printzen und Hansee- | Stüdte des
Nioder-Sächsischen Cräyaes ] Hoch-betrauten Envoije Extraordinaire &c. |
In einem | Muficalischen Divprliffenirnt \ Und einer vierfachen | Prac'
163
^M tigen lUitmination, \ Am 31. Odobr. Ao, 17ä7. \ Auf dem Hamburgischen
^F Schau-Platne | Zur unterthänigsten Freudens-Bezeugung vorgestellet. |
Gedruckt mit Stromerachen Schriflten. — 16 BI. 4". (Exemplare:
Berlin. Hamburg [Stadtbibliotbek und StadttheaterJ. Wien. Cohn,
Katal. CXLV, u. in meiner Sammlung.)
H^ Man sollte hier kaum eine 3o herzliche und gemüthvolle Scene
^h Termuthen, wie der andern Abtheilung vierter Auftritt darbietet:
^H Ein Bauer nnil eine Bituriu ans ilem Liinebiii^iHciien.
^^ Baner. KUum, Triiie! laut oa loatig wusen'
^H Murin. Wo uu! ick weet uich, wat <lnt HHscbetaeu
^1 Beilüden magl
^K Baner. T' is ose Königs Crfinuiigs Dag,
^K Wj- hebt ilBreh jym jo OOtt nn Oniigen;
^^B Dac wy in Freede syit liieni Plügen,
^H Dnt kummt, negNt OOtt. vaa .lyni; Hee n-oackt vitr deck
^H Un meck.
^H IJn wat noch mehr! bee is det Vadcrlands Versor^er.
^H Si'bnrek nn mitnmiMlig weexen,
^^E[ So weer ick nicli en deegen Lilncborger.
^^^^^^L Üse leewe Landes Vader,
^^^^^^H HKt noch veele Jalire lewen,
^^^^^^^ Dn in rycken Seegeii NtAbn!
^^^^^^^ Synen beeilen Sohns diimewen,
^M Mut et jyniiner glUuklicb gähnt
^P Bänrin. I'e Knnigiii niidi ut to scbleeten,
^T Et m^hnll my sUst verilreeten!
SKR het an Schilnheid, Oniul. an Kloogheid nn au Iijt^.
Nich EERER glycken:
Un EERE DOcbderckenK hebt in der .Tügd
Nirh nrHlii^ Jlims an NQdlirhkeid tn wyekcn.
Äria.
Use leewe Lande» Mooder
MQt noch veele Jiutre lewen,
Un in o'ken ^eegen RtAbn!
Eera Dilübterken« darnewen
Mßt et jjmnier glflckliidi gulin! Lkt Cnpo.
Ein neuer Textdichter erstand 1727 in C. W, Hake(n), über
dessen Leben wir nichts wissen. Er schuf ein damals — auch in
Berlin — viel beklatschtes, von Telcmann in Musjk ge3et;<tes Stückchen:
16) Die AMOUnS \ Der VESPETTA, \ Oder | Dor GALAN
in der Kiste. ] In einem Comiqucn \ Nach-Spiel | Auf dem | Hamburgi-
sclien Schau -l'latz | Vorgestellet | Im Jahr 1727. | Gedruckt mit
Slromerschen Schrifften. — 12 Bl. 4". (Exemplare: Berlin. Hamburg,
AVien. In meiner Sammlung [2]).
Die Poesie ist za nicht geringem Theil niederdeutsch. Madame
Kayser, die er^te ^Soubrette", welche sich schon lange als in Gesang,
Sprache und Spiel gleich vollkommene Interpretin echt Ilamburgi scher
Lnkalfiguren bewährt hatte, glünzte hier als Kammf^rmädchen Margo,
ßK Capo.
164
und Mr. Scheffel wird als grober Sänftenträger sein Bestes geleistet
haben.
Margo. WO doch de Lew* de Lüde plagt,
Wat knhm een Wyf van tachtig Jahren.
Für dUssen het erfahren,
Dat kan nn all een Ltttje Magd,
Van achteyu Jahr verrichten.
Et schall de Fni noch wol gerüen,
Dat se Um ehr de Coiiriifans tho fryen,
My tho 'ner Knprrin hmckt, an dat se my
Van erer lewes Schlyckery
So vel vertrat, un hartlich wallen bichten.
Doch iss de gode Pierrot,
An den ick düssen Bref schall bringen.
£n arm Blot.
Wehr ick in miner Frnen ehre Stell,
Et schall en ryckerer Oesell
My en gantz ander Ledken singen.
Aria,
Ick hef t all mit em bespracken,
Myne Fra de krigt de Knacken.
Wat se em gift dat gift he my.
Ick bin Brnt np düsser Koste,
Un genet dat aller beste.
Glöft my, glöft my, by miner Trtt.
Vesp. Bist da schon da gewesen?
Ich kan es dir fast aas den Angen lesen,
Dass ihm mein Brief höchst augenehm mass seyn.
Marg. Ist Fragens wehrt?
Wer nich so dämm is als en Perdt
De kan't jo licht begriepen,
Dat he np söhnen Wett-Steen will
Sehr geren schliepen.
Aria.
He grient als wie ene Katte,
De man Speck gebaden het.
Frttndlich was de gode Schlucker,
Als en Ape de vam Zucker,
Un van Marcipaneu fret. I)a Capo.
He het my wedder Antwort gewen.
Seht wat he het geschrewen. (Vespetta lieset,)
Vesp. Dass Ding hat einen schOnen Styl.
Mnrg. Ick wil den Schrubbert enen andern Kiel
Up siner Flabbe geben.
Mehnt he dat ick een Schnuif-Kat bin,
Kahm greep he my mahls an den Kinn,
So fing he au tho beben.
Ick dacht dat he in sine Köck wnll griepen,
For my en Drinck-Geld af tho teilen,
Un stlnsten sick mannerlich an tho stellen.
165
Alleen dat Ding fehl anders nht,
Hy ging mit siner schrubben Schnut
Hen pipen.
Fru heb jy iiich vertrackte Schrullen
De Kerl döcht jo den Hencker nich?
Doch dat hehl noch woU Stich,
Dat aberst uck de Fendrich,
De kahle Juncker,
De Straten-Pruncker,
De mit so velem Gold un Geld beschmeten,
Ad (doch dat Glyckniss war jy selbsten weten.)
Sick lüsten laten schull,
Dat he by ju,
Myn lewe Fru,
De Hahn im Korff syn wull,
Dat weer tho duU.
(vor sich Ick weet bescheed,
selbst.) Wo et mit my un Pierot steit
Dat Dinck schall sick woU finnen,
Ick wiirt de Fru nich up de Nase binnen.
(Von innen wird angekloplSt.)
WoU is darför?
Pierrot, Margos Galan, tritt ein zur Buhlschaft mit Vespetta. Erstere
singt voll Eifersucht:
Myn Uartken puft my in dat Lyf,
By allen düssen Saacken,
Den er Bedryff,
Will my de Mund uck watrig macken.
De Leew' is doof un blindt,
8e könt my nich ens kyken,
Damm so war ick trutens Kind,
Hen fleuten gähn, un heemlich my weg schliken.
— DA kumt de Fendrich her,
He is al fOr de Döhr.
(Man hört ein grosses Gepolter an der Thttr.)
Fru! Fru!
Wat dttnckt ju nu?
He wart den gantzen Bry verhudeln.
Der Liebhaber muss in eine Kiste kriechen. Der Fähndrich Bracco-
niente erscheint, im Streite mit einem der Sänftenträger:
MYn Heer, bethalt uns hier!
Man fret nich sehr vehl van de Ehr'
Et wart uck myne Katt davan nich fet.
Wo nu, de Heer, man so vehl Geld as Ehre het,
So bid ick sehr
Dat he ahn vehl to prahlen
My mag betahlen.
Schimpfworte sind die Antwort darauf.
Wat? Kerl ick glöw dat ju de Guckguck plagt,
Un dat de föfte Haass by ju den sdsten jagt.
i
166
Geft my hier ogenblicklich mynen Lohn»
Wo nich, wil ick ja so de Lenden kiehlen,
Dat jy schähln as en Kater httleu
Un ja för Angst bedohn.
Das hilft. Da der Kavalier keine kleine Münze bei sich hat, leiht
Vespetta acht Schilling. Braecomente ist ein rechter miles gloriosus.
Plötzlich kehrt der Ehegatte Pimpimone heim. Margo ruft:
Ick flögk by mynen beedeu Ohren,
Et is uns Schor.
Dieser wird indess gründlich betrogen, auf ähnliche Manier, wie es
in gar manchen älteren Fastnachtspielen geschieht. Das Dienstmädchen
soll schliesslich Braten, Wein und Austern holen.
Ick Schor? By Lief an Leben nich,
Et kan de Fenderich
My np de Strat be trecken,
Un my den Packel decken,
Ne, Ne, dat ick so dämm nich bin.
Da geht der Alte selbst. Yespetta und Pierrot sind überglücklich.
Letzterer singt eine Arie:
Schau wie mir das Hertze schlaget,
Wie die üngestühme See.
Margo, Un ick sinck bald in dee Knee. —
Drück mich, schlag mich, doch mit Schlägen,
Welche man kaum fühlen kau.
Margo, Ick beklag den goden Mann. —
Nein, nein, ich verlass dich nie.
Margo, Itzund kamt de Reg an my.
In dem folgenden Jahre schrieb Praetorius für das Hamburger
Theater die letzte Oper, worin eine niederdeutsche Rolle vorkommt:
17) Die verkehrte Welt, | In einer | OPERA \ COMIQÜE \ auf
dem I Hamburgischen | Schau-Platze | vorgestellet. | Im Jahr 1728. |
Gedruckt mit Stromerschen Schrifften. — 32 Bl. 4^ (Exemplare:
Berlin [3]. Hamburg. Wien. Cohn, Katal. CXLV.)
Der Komponist ist abermals Telemann. Der Text, eine beissende
Satyre auf die damaligen Hamburgischen Sitten, nach „le Monde ren-
verse^ von Le Sage und DornevaP) bearbeitet und lokalisiert, gefiel
ausnehmend. Die erste Aufführung fand am 10. Febr. 1728 Statt,
an dem Tage, da der ehemals präsidierende Bürgermeister Wiese in
die Gruft gesenkt wurde. Das war in der That: verkehrte Welt!
Die Uebersetzung machte Praetorius, und nicht König, wie Plümicke
(Theatergeschichte von Berlin. S. 108) meint. Gottsched (I, 301)
setzt das Stück fälschlich ins Jahr 1725, sagt, dass es 1746 zu Ham-
burg wieder aufgelegt worden, und nennt es ein „Lustspiel^. Mat-
theson (a. a. 0. S. 174) urtheilt: ;,Die verkehrte Welt gibt eine gute
sinnreiche Gomödie ab, dazu sie auch gemacht ist; aber eine verkehrte
böse Opera. Wenn man solche Dinge mit Melodien zieret, kommt es
>) Vgl. Hamburg und Altena. 1805. Jahrg. lY. Bd. 2, Heft 6. S. 829—384.
167 ^
eben so heraus, als wenn man Schlangen und Canarien-Vögel, Tieger
und Lämmer zusammen paaret: wie Iloratius redet." Die nieder-
deutsche Einlage ist munter und originell. Wir begrüssen hier eine
alte Bekannte, die Lütje-Maid Gesdie (Madame Kayser), aber sie hat
sich sehr verändert, sie weiss nur von Tugend und Sittsam keit, sie
lebt eben auch in der — verkehrten Welt! Sie singt und spricht
platt; erzählt, dass sie Heissig ist, sich nicht um die Geheimnisse
ihrer Herrschaften bekümmert, nicht, wenn diese ausser Hause,
diebischerweise ihre Galane mit der Herrschaft Wein traktiert, nicht
Liebschaften hat, sondern warten will, his ihr Schoor und Fruv ihr
einen Mann aussuchen, nicht Extragelder nimmt, noch darum wirbt,
nicht auf den Strassen stundenlang stehn und plaudern will, und
K daher die Herren Pierrot und Scaramuz, die sie zum Oegentheil an-
H leiten wollen — stehen läast.
^^ T' is» doch keen verguüi^der Lcewen
^K As dat eene LUt-Mnid fuhrt,
^H Wanu aee flytig, neiht un kaackt,
^B Deel' nu Catners reine maackt
^^m Ock süst deit, wat eer gehurt,
^^^^^^^1 Un damewen ^^H
^^^^^^^1 Goot met Schoor nu Iffrnw ateiht, ^^M
^^^^^^^^1 Ward eer wol bo veel g^geewen, ^^|
^^^^^^^tT A»i nsitrent') eer njtdig deit, ^^|
Pünvl. fitüuk KU, mein Kind! sind Herr und Frau zu Hause?
Geesche. n nee!
Sparamanriif.. Belinden sie sich etwann auf dem Schmause?
Oeescbe. Dar neet ick nicks van af.
Smr. Ihr könnt es mir schon sagen.
Geesche. Dat iss Jon dnllen Schnack!
Wy Deerens scbludert nich darvan,
Wat nnse Herrachopp deit; et geiht uns i>cli uicks au.
Pier. Um encb die Saclie au erklähren!
Ich meine wenn sie nicht zn Hanae waren,
.So kannten wir, bei einem GlüBHcheu Wein,
Zusammen lästig seyo.
Ueesche. Wo nu tum kranckt! echnkk gar een Deef-äaik wegen >
Dat deit keen leedlick Moder Kind.
Ick bin myn .Schoor un myner Fimw.
Met Hart un Hand getmw.
h'cr. Last mich euch einmabi küssen; (Will sie umfassen.)
Es siebt es doch kein Menauh, weil wir alle ine sind.
Geesche. TUss, Jungmann. tUes! wat schall det beesebesen. ^^
Wy fragt hier nicks na hävely. -^^H
f<oir. Ihr werdet desto mehr vom Freyen wissen. ^^|
Geesche. Wy denckt nich an der Fi^'ery, ^^^
TTn tJlft,
Bei Schoor uu Iffruw aiilwst belewt.
') Schulze (Idiotikon IV, 312): „Umtrent (IIoll. ontreni), ungefähr, beinahe.
Oper verkehne Welt 172H singt ein Mädchen: as umtrent eer nödig deit."
Vgl, dazu im „Cameval von Veuedig" : äe is umtrent by negenfertig Jahr, und
in der „Hamburger Schlachtzeit" : Umtrent so, als de meisten sind.
In der
168
Pi^r, So müst ihr lange Juiigfern bleiben.
Geesche. nee! dee Herr»ckopp het daraf gespraacken,
Kschall met eeu ^oden Handwarcks-Maun
Dee Kleer un Brod erwarwen kann,
In veerteiu Daagen Koste maackeu.
Aria,
Nee, nee, ick mag süst nümms verdregen,
As myuen leeweu Brödigam.
Hee Strackelt my, hee will my pleegen,
Hee heet my syne söte Deeren,
Un segt to my in allen Eereu:
Myn Sucker-Popp, myn Hoon, myn Lamm! Da Capo.
Pier, Habt ihr im Dienste nicht ein Stückgen Geld gemacht?
ikar. Das Braut-Stück, Umhangs- Geld,
Und was sonst extra fällt.
Hat doch ein ehrlichs eingebracht?
(leesche. Ick hebbe nüms um wat gebeeden,
Wat my myn Herrschopp gifFt, da bün ick met to freeden.
Tyss allhand Tyt na Huss to gähn.
En Lütj-Maid mut nich up dee Straaten
Dree heele Stünnen stahn
Un praaten. (Geht ab.)
Scar. Hast du das Mädchen angehört?
Pin\ In Warheit hier ist alles gantz verkehrt.
Diese Scene (II, 8) enthält eine köstliche Persiflage auf die
Wirklichkeit. Diejenigen Zuschauer, welche die Gesche aus dem
„Jahrmarkt^ noch im Gedächtnisse hatten, werden an der gänzlich
umgewandelten Person ihre helle Freude gehabt und jede Hamburger
Hausfrau wird sich solch musterhaftes Kleinmädchen gewünscht haben.
Das Stück machte grosses Glück, nicht nur in Hamburg, sondern auch
in Berlin, wo man von Alters her den Dialekt auf der Bühne gern
hörte (vgl. meine Monographie über Gabriel Rollenhagen. S. 83).
Der zelotische Berliner Cantor Martin Heinrich Fuhrmann (Marcus
Hilarius Frischmuth) klagt in seinem Discurs „Die an der Kirchen
GOttes gebauete Satans-Capelle" (Colin am Rhein o. J. S. 58 f. S. 87),
dass 1729 die in Hamburg edierten beliebten Opern, betitelt: Die
verkehrte Welt und der Galan in der Kiste ungemein berühmt ge-
wesen und auch dort nicht wenig Beifall gefunden (Plümicke S. 108 f.).
Wir stehen am Ende unserer Betrachtung. Fortan ist keine
Oper mit nd. Inhalte mehr verfasst worden, es fanden nur noch Wieder-
holungen der volksthümlichsten Singspiele auf dem Hamburgischen
Schauplatze Statt. Zumal der „Carneval von Venedig^ und ^^Heinrich
der Vogler^ übten bis zum Schlüsse immer neue Anziehungskraft
aus, wie die Drucke von 1731 und 1735 beweisen. Ein halbes Jahr-
hundert hindurch, von 1685 bis 1735, ertönte „de oole plattdütsch
Moodersprak^ auf dem Theater am Gänsemarkte. Nicht alle einen
vaterstädtischen Stoff behandelnden Stücke bieten nd. Bestandtheile,
während solche mehrfach da vorkommen, wo man sie kaum vermuthet.
So ist in Hotters ^^Störtebeker und Jödge Michaels^ (Hamburg 1701
169
I
und 1707J bloss Springinsfelds Ausruf „Hebb' y wat tau binnen?" zu
erwähnen; wie prächtig hätte sich hier das alte „Störtebekerleit" —
dasselbe hat Walther „tor Wisbüefaart" 1882 rükonstruiert — ein-
schieben lassen! Samuel Müllers „Miatevojus" (Hamburg 172fi) birgt,
trotz seines lokalgeschiclitlichen Hintergrundes , nur einen einzigen
nd. Ausdruck: de Windverkoper.
Von beinahe dreihundert Opern sind siobcnzehn ganz oder zum
Thei! niederdeutsch: eine verschwindend kleine Zahl, indess immerhin
bedeutend genug, um daraus ein kultur- und litterarhistorisch werth-
volles Bild der damaligen H^mburgischen Volkssprache, Sitten und
Gebrüuche zu gewinnen. Manche der mundartUchen Arien sind zu
Volksliedern geworden, haben sich fortgeerbt von Geschlecht zu Ge-
schlecht und Nachklänge wachgerufen. Wer etwa zweifelt und meint:
Dat beleeft Se man so to soggen I (mit dat Miindken in Pündkcn),
der sei an Rudels „lirunsewyk, du leiwe stat" — noch 1875 aufge-
legt: Hamborch. Gedruckt in diissem jar dorch Carl Reese. 8", und
mitSingnoten: Braunschweig. Hof-Buchdruckerei von Julius Krampe, 4"
— sowie an die fliegenden BUltter, welche Trintjes truhartige Klag
weit und breit bekannt machten, erinnert und darauf hingewiesen,
daaa 1820 „Sassische üttoge iit Hamborger sangspeten" durch Neu-
druck vervielfältigt wurden. Da treffen wir Lieder und Scenen aus
Cara Mustapha, dem Hamburger Jahrmarkt, der Hamburger Schlacht-
zeit, dem Galan in der Kiste, dem jauchzenden Grossbritannien,
der verkehrten Welt und die lustige Hochzeit vollständig (6'/j liogen
in 4". Schellers Büclierkundo S. 4G9; Tgl. noch über das letzte Stück
Goedeke § 22G. No. 437). Wie sehr auch die Geistlichkeit ihrer Zeit
wider die Opern eiferte, von den Kanzeln herab davor warnte und ihre
Gemeinden an Davids Psalm mahnte: Ich will dem Herrn singen mein
Lebenlang, und meinen Gott loben, so lange ich bin. — der gesunde
Sinn der Hamburgischen Bevölkerung legte mit dem reformierten
Lehrer van Til den Spruch so aus: Singen, is een Lof-Gesang singen,
met vrolykcr herte. Ik sal myncn God Psalmaingcn, dat ia : met
de Keele en Snaren-tuygen, en getuygo van de uyterste Vrolyk-
heyd. Den frohen, munteren Weisen der Hopfenmarktweiber und
Klirrenschieb er, der Dienstmädchen und Hausknechte lauschte man
daher mit Vergnügen, Auch wir begrüssen freudig dies heitere, bunte
Spiegelbild des täglichen Lebens und Betriebs in der freien Iteichs-
und Hansestadt an der Scheide des siebenzehnten und bis gegen die
Mitte des achtzehnten Jahrhunderts. Uns summt wol heim Lesen der
rythmisch bewegten Lieder eine frische Melodie im Ohr; es ist uns,
als trügen die Jieimisch vertrauten Mutterlaute uns auf Flügeln des
Gesanges zurück in jene längst dahingerauschte Kpoche der ersten
stehenden deutschen Oper Hamburgs.
BERLIN. Karl Theodor Gaedertz.
Erschienene Schriften des Vereins für niedep
deutsehe Sprachforschung und deren Inhalt
Vorlag von Diodr. Soltau, Norden und Leipzig.
A. Niederdentsche Deiikmüler.
I. Das 8e«buch
von Karl Koppmann, mit oiuor nautischen Einleitung von Artll!
Broiising, mit Glossar von Cliristopli Wftltber.
130 S. Preis 4 Mk.
Ea ist dies ein praktisches Hiuidbuch ftlr Steuerlenle aus dem riinfzehnten Jm
hunJert. Es enthält die Segclan weisuugen für die Euro piLi seilen Küsten tiQil Hef
nördlich von der Strasse von Gibraltai' bis zu der MaoduDg des Finnisrheo Meer-
busens und erstreckt sich, abgesehen von der Wittern ngsk und is, der Betonniiug der
Waaserätrasscn und der Beleuchtung der Küsten, bereits auf alle Punkte, die irnn
irgend welchem Belange filr die Sicherheit der Schiffahrt sind.
Die Ortsuamen de» Seebschs sind vom Iterausgeber Dr. Kopiimann erklürl.
während Direktor Bi'euslng den Inhalt vom nautischen Standpunkte aus einer ein-
gebenden Wordigung unterzogen nnd Dr. Wallher den Wortvorratli des SeeliiicUs
zusammengestellt bat.
Dieser erste Band der DenkmUler bietet den Geographen ein der Qeschicbte der
Nautik bisher unbekanntes Qiiellenwerk, den Historikern der IlansestiLdle eine feste
Handhabe bei der Erklärung mittelalterlicher Namen und den Sprachforschern ein
für die ErkenntnisB der deutschen Seemanna sprac:hc äusacret wichtiges Material l Ur.
II. Gerhard von Minden ^^M
von W. Soolmanu. ^^M
206 S. Preis 6 Mlc. ^^|
Mit diesem Namen ist belegt die nächst dem Reinekc Vos bedeutendste Dicli'^
tnng der mittel niederileutschen Litteratur, eine aus Westfalen stammende Sammlung
von Fabeln und Erzählungen, als deren Verfasser gewöhnlich der Dekan Gerhard
von Minden genannt wird, von dem dos Vorwort berichtet, dass er im Jahre I3T0
den Acsopua deutsch bearbeitet habe.
Das hier zum ersten Male vollständig herausgegebene Werk, deaaea baldige
Veröffentlichung J. Grimm schon vor fünfunddreisaig Jahren dringend gewünscht
und auf das er wiederholt auünerksam gemacht hat, ist nur in einer einzigen,
stellenweis stark verderbten Handschrift erhalten. Der Herausgeber, Dr. W. Seel-
mann in Berlin, hat sich mit Heranziehung der von ihm als Quelle des Dichters
nachgewiesenen Werke bemtibt, einen lesbaren Text herzustellen und schwierige
Stellen in den Anmerkungen zu erläutern. Eine ausführliche Einleitung handelt
von der liUerargeschichtiichen Stellung Norddeutschlanda vor der Reformnlioo, der
handschriftlichen Ueberlieferung und dem Versbau des Dichters, der, wie nach-
gewiesen wird, Gerhard nicht gewesen sein kann. Eine angehängte Wortlese giebt
Erklärungen der schwierigsten Wörter.
III. FloB unde Blankaos ^M
von Stephan Waetzulilt. ^H
Erstes Heft. Text. 67 S. Preis I Mk, 60 Pfg. ^^f
(Als Anhang: De vorlorne Sone [Robert der Teafelj und De Segbelsr;
Der Herr Herausgeber bietet hier ziinärhst den recensirten Text von Flos unde
BlankHos sowie die hier zum ersten Male herausgegebene Dichtung De verlorne
SoiiP (Robert der Teufel} und das Fragment De Seghelcr zunächst ohne Einleitnu
und kritischen Apparat.
I
I
' Ein zweites Heft wird bionen Kurzem heuasgegeben ; es aoll CiDe aof Herkunft
und QeBchichtc de» Miiicliens und seiner dichterischen GestaltanKcn sich riebteode
Einleitung zu FIdb unde Blanküoa und znni vorlornen Sone Bovie den nicht unbc-
triiehtiichfin kriiisrhen Apparat zu Flos umlo Blankflos enthalten.
B. Jahrbuch des Vereins für niederilentsche Spracliforsclinng.
I. Jahrgang. 1875.
131 Seiten. Preis 3 Mk.
Inhalt: Einleitung von Ä. Lübben. Zur Charakteristik der mittelnieder-
deutschen Litteratur von A. Jobben. Hambarger miltelniedenieuUchc Glossen von
C. Wolther. Zwiegcsprilch zwischen dem Leben und dem Tode von W. Mantel».
Lobgcdiciil auf die Stadt Braunschweig von F. G. H. Cufemann. Rostocker histo-
rischpa Lied ans di-m Accispstroit 1566 von K. E. II. Krause. Aus einem nieder-
deutschen Pfarrherrn von Kaienberg von W. Manteh. Die niederdeutsche Sprache
des Tisuhlerge Werks in Hamburg und Holstein von E. CkemniU und W. JI. Mielck.
Mnndurtlifhes im Reinekc Vos von C. WaÜher. Miseellen ans dem Sachsenlande
?on J. Wedde. Schwerttanz von K. Koppmann. Hanscheu nn bot von A'. A'o^-
mann. Reimlust im ID. Jahrhundert von A'. Koppmartn. Zum nicderdentaehcTi Ka-
lender von K. Knpptnann. Kleine Beitr&ge von ('. Wolther. Die ,Erigtish Dialocl
Society' von R. hahlmann. Niederdeutsche Bibliographie l'Or die Jnhrc 1874 utiil
1875 von n. Üahimnvn.
II. Jahrgang. 187G.
180 Seilen. Preis 4 Mk.
Inhalt: Uehor die Grenzen des Niederdentscben und Mittel fränkischen von
W. CrtceHuf. Niederdeutsche Predigt des 15. Jahrhunderts über 'non sum' von
Jl. E. JT. Kraune. Medicinaiia pro equis conservandis von A. lAXbhen. Keinisprikrhe
von A. Ijübben. Wlnlerklage von L. Stracktrjan. NiederdeutschcB in Handschriften
der Gjmnasialbililiothek zu Halbersladt von Owtine Schmidt. Pftdaffogischer Spruch
vom ECnde des 10. Jalirhund(>rla von //. Stnidt. Zu den historischen Toikslicdero
von R. von Liliflncron, von Ä. Lübben. Za Schiller-Ltibben mnd. Wfirterhuch von
K. E. n. Krause. Für Muniiartenforscher von Joluin Winkler. Antworten auf
Fragen des mnd. Wiirterbuchs von F. Woeale, Varia aus Wiener Handschriften
von Carl Sehröder. Fragment des Seebuchs von Guslao Schmidt. Brunsil gen holt,
Brizilien im Mittelalter von K. E. It. Krause. Tom Holze des heiligen Kreuxes
von ßtri Sehröder. Irmin und St. Michael von K. Koppmann. Wert und Benutzung
der Magdeburger Bibel fUr das mnd. Wörterbuch von F. WneMe. Das Ootliaer
mittel niederdeutsche Arzneibuch und seine Pdänzeanamcn von W. II. Midfk. Noch
einmal das Zwiegesprikcli zwisi'licii dem Leben und dem Toile \
Friesisches im 1) ii marsch en V von ('. Walther. Ein driiles Bialt niis dem nieder-
Baclisiscben Pfarrberm von Kaienberg von W. Mantels. Causales wenn oder wann
von C. WnUher. Bibliographie von R. Dahlinann.
III. Jahrgang, 1877.
183 Seilen. Preis 4 Mk.
Inhalt: Die Buchstaben ß und U in Wismarschen Stadtbd ehern nsw. des 14.
Jahrhunderts von Dr. F. Crult. Zum mnd. gh von K. Koppmann, Liebesgruss
von K. Koppnxinn. Leiiensweisheit von (!. Welirmann. Das FagtDachtss|>iel Hen-
selin von C. WaUher. Eine Mauatersche Grammatik aus der Mitte des XV. Jahrh,
von E. Wilken. Brunsilgcnholt von K. E. H. Krause. Dyt js d; erfindunge und
Wunderwerke des hilligen sacramcntes tho der Wilsnagk von Gustav Schmidt. Nieder-
deutsches in Handschriften der Gymiiasial-Bililiotbek zu Halberstwlt von Gustav
Schmidt. Rummeldeiis von A'. Koppmann. Brau nach weigiache Fflndlinge von L.
Hänndmann. Caput Draconis und die KrcilzwocLe von A', E. It. Krause. Krude
von Wilh. Mantels. Dag Mahlcnlied von II. Jeltingliaas. Zwei plattdeutsche Possen
I L. I^uremberg von II. JeUinghaas. Die Deminutiva der niederdeutschen Aus-
le von Agricola's Sprichwörtern von Friedr. Latemtorf. Kinderspiele in Slid-
L irestfalen von F. Waeste. SOdwestfälische Schelten von F. WotMe. Aberglaube
t and Qebrilnche in SUdwestfalen von F. Watsle. Der Flachs von J. Spee. Flarbs-
I bereitung im Göttingenscbeu von K. E. U. KrauM. Dat Flas von H. Köhler.
Kftcbträge von Wilh. Mantels. FriodricU Wooate von K. Koppmann.
buch der Berliniaclien Chronik. Berlin. 1869. Berliner Todtenlanz voi
Van de Scheide tot de Weichsel von A. Lübbeii. Bililiographisrbea i
ttliun und Ü. WäUher.
IV. Jahrgang. 1878.
lae Seilen. Preis 4 Mk.
Inhalt; AatoniuB Liher von Soest als grammatiker von Creceb'us
Arzcneiliichcr, Cod. Ciiarl. Gotli. 980 und Cod. Wolfeob. 23,3 von
Aus dem Vocabclbuche eines Schülers von A. Lübben. Wie mun in
spricht von Maas». Zum Umlaut von A. Lübben. Essener Olnssen v
Spieghel der zonden von A, Ijübben. Ein lateinisch- deutsches Gebethueb dus 1&.
Jahrhiinderls von II. Deiter. Zeitlose von W. J{. Mieltk. StatnUn und gehräncbe
der ,Kopmann- unde Sohiiijicr-ßröderschan' nu Stade von K. E. II. KrauM. Aiu
dem , Westfälischen Magazin' von 0. Weddiijen. Dat fioddermäken von Heinr.
Camtmii. Becepte fdr bercitung von kräuterbier von W. VrcceliuB. Bruchstäck
eines nind. kalenders von K. E. H. Krause. Hans von Ghetelen aas Lübeck von
A'. E. II. Krauiie. Zu .Gerhard von Minden' von R. Sprenger. Zu den historischen
Volksliedorn von R. von Liliencron von R. Sprenger. Zum Berliner Todtentanz von
S. Sjirenger. Das Ilnndekom von A. Lübben. Ostfries. l'rknndenlnii-h von A. Lübben.
Y. Jahrgang. 1879.
10O Seilen. Preis 4 Mk.
Inhalt: Die Spricho des deutschen Seemanns von A. IlrcHmug. Wo de sele
stridet mit dem lieham (Vislo Phililierti.) Von Wilh. Seelmann. Mittclniederdeiitache
Osterlieder von K. Bartsch. Lateinisch- niederdeutsche Hcxameicr von K. Barluch.
Jesu dnlcis memoria. (Tagzeiten der heiligen Anna.) Von J. O. Maller. Aus dem
Gothaischea Anteneiliuche von Kart Regel. Erkirkrendcs Wörterverzeichnis der Lrme-
Inirger Slllxe von A'. E. 11. Krauxe. Anhang: Strassen, Oortlichkeiten, Ifirchen etc.
in Lflneliurg, auch der nächsten Umgebung, so viel sli' öfter genannt werdnn, van
Demselben. Ziitn Fastnachla|iiel Henselia von V. Walther. Die Sprache dos deiiiBcfaen
Seemanns. Nachtrag. Von A. Breiiaing. Zu Lauremborg'a Scherzgedichten von
R. Sprenger. Zu Gerhard von Minden von R. Sprenger, Alte Kanonen inschriften
ans dem lö, Jahrhundert von A. Mens. Errata und Nachtriljio zu Jahrbucli IV und V.
YI. Jahrgang. 1880.
ist Seiten. Preis 4 Mk.
Inhalt: FaBtnachtaplele der PaCrixIer in Lübeck von ('. Wchrmanii. IlelMir
die Lübecker Fastnachtsptele von C. Walther. Arnt ßuschmans Mirakel von H7/-
helm Seclmann. Dia niederdeutschen, noch nicht weiter hekaimten Ilatidvhriften
der Bibliothek zu Wolfenhllttel von A. IJibben. Troctact inholdende vele kostelycke
remedien off medecynen wwler alle Kranoheyt der Peerden von Heinrich Deiter.
Marien RosrnliranK von K. Barisch. Kin iiistnrisches Kirchealied Abrnbam Meycr'B
vom Jahre 1559 von C. Wallher. Dei Hauärn von Ucinr. (JarsUns. Datt Brond-
bakk'ii. Ein lateinisch -den lach es Vokabelbach von 1542 von H. Ilalatein. Zur mnd.
visio Philiherti von H. Sprenger. Bockshorn von R. Sprenger. Kraunsrhwcigische
FUndlinge von Uäaselmunn. I. Kalendei'orakel. IL Fragment eines Dramas von Simaon,
mit Glosaar von ''. Walther. Etwas über niederdeutsche Familiennamen von A. Läbben.
TLl. Jahrgang. 1881.
172 Seilen. Preis 4 Mk.
>.. Inhalt: Aus Kopenhagetier Handschriften von 11. Jellinghaun. Der Appinga-
dammer Bauerbrief vom 2. Juni 1327 iji niederdeutscher Ileberaetznng von H. Deiter.
Zur mnd. visio Philiherti von ITerman Brandes. Dat waterrecht nach einer Einder
und Anriehrr nandschrill von IT. Deiter. Bruchstück einer Unterweisung über die
zehn Gebole von B. Sprenger nnd A. Lübben. Arnt Bnachman von W. CreeeKus.
Ucber Sprach- und Gaugrenzen zwischen Elbe und Weser von H. Bnbwcte. Das
Paradies des Klausners Johannes von A. Lübben. Johann Rist als niederdetitscher
Diaraaiiker von Karl Theodor Gaedertz.
C. KorrespondeiiEblatt des Vereins fiir iiiederdentsclie Spracliforschnng.
Jahrgang I — VII.
Je lOO Seiten. Preis S Mk,
UMVBMmr OF MCHOAN
3 9015 03957 5066
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